„Reichtum beginnt im Kopf“ – Interview mit Christina Kanese

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Hängt es von unserer inneren Haltung ab, ob wir erfolgreich Vermögen bilden oder nicht?

Meine Gesprächspartnerin Christina Kanese, Geld-Coach aus Hamburg, ist davon überzeugt, dass unbewusste Denkmuster darüber bestimmen, wie wir mit Geld umgehen.

Denn „Reichtum beginnt im Kopf“.

Im Interview verrät uns Christina unter anderem, welche Denkmuster finanziellen Erfolg verhindern, warum Männer anders mit Geld umgehen als Frauen und was man auf einem Toilettenhäuschen in Namibia über den Umgang mit finanziellen Existenzängsten lernen kann.

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Das Interview (gekürzte Transkription)

zendepot: Hallo Christina, schön, dass du Zeit für das Interview gefunden hast. Vielleicht stellst du dich unseren Hörern kurz selbst vor. Was machst du, und wie bist du dazu gekommen zu dem, was du heute machst?

Christina Kanese: Ja hallo, ich bin Christina Kanese, und ich mache Money Awareness Coaching. Ich bin seit 2009 selbständig. Vorher war ich lange Zeit im Controlling und habe eine Coaching-Ausbildung gemacht. Und dort hatte ich einschneidende Erlebnisse, dass dich dann zu meinem Spezialthema Money Awareness Coaching gekommen bin und damit in Hamburg selbständig bin.

Unterbewusste Denkmuster

zendepot: Was ist ein Money Awareness Coaching überhaupt? Ich kann mir momentan noch nicht viel darunter vorstellen.

Christina Kanese: Es geht darum, dass ganz viele Leute unterbewusst ein Bild zum Thema Geld haben. Money Awareness bedeutet, dass die unterbewussten Denkmuster bewusst gemacht werden sollen.

Weil ich auch durch eigene Erfahrung festgestellt habe: Man kann so viel über Geld wissen und trotzdem sind da unbewusst bestimmte Denkmuster aus der Familie überliefert worden oder man hat sich selbst ein Bild zusammengereimt. Und deshalb geht es bei mir darum, wirklich Unterbewusstes bewusst zu machen und zu überwinden.

zendepot: Was sind typische Probleme oder Fragen, mit denen Klienten zu dir kommen?

Christina Kanese: Leider wird in Deutschland sehr wenig über Geld geredet. Es ist so ein bisschen ein Tabu-Thema. Und dann kommen Leute zu mir und sagen, „in der Theorie weiß ich, wie ich Geld anlege, habe aber in der Finanzkrise bereits Geld verloren und seitdem ein extrem unsicheres Bauchgefühl„.

Und da können wir dann gemeinsam ein bisschen gucken, wie ist denn zum Beispiel die Familientradition? Welche Denkmuster sind da übermittelt worden? Und wenn da unterschwellig ein Denkmuster ist, „ich habe es ja gar nicht verdient“ oder „das ist doch irgendwie verbrecherisch„, wenn man mit Geld Geld verdient.

Mit einem solchen unterschwelligen Denkmuster kann man natürlich schlecht wirklich gute Anlagen für sich finden, denn das Unterbewusstsein würde immer dazwischen schießen.

Oder zum Beispiel, wenn erfolgreiche Manager ständig kurz vorm Burnout sind, schon verschiedenste Sachen versucht haben, aber da unterschwellig ein Denkmuster ist, „das Geld muss hart verdient werden„. Dann arbeiten wir daran, dass wir dieses Unterbewusste überwinden können.

Da muss man eben genau gucken, wie ist das Bild zum Thema Geld? Und wie kann man da gemeinsam wirklich gute Denkmuster finden?

Rollenbilder

zendepot: Das klingt auf jeden Fall sehr spannend. Damit hast du schon einige Problemfälle angesprochen. Gibt es denn typische Denkmuster, wo sich Männer und Frauen unterscheiden in Sachen Geld?

Christina Kanese: Ja, das ist sehr spannend. Ich will nicht so gerne pauschalisieren, aber es gibt tatsächlich eine bestimmte Tendenz. Die Tendenz ist bei Männern eher so, dass sie unterbewusst ein gutes, positives Gefühl zum Thema Geld haben, was ja erst einmal sehr schön ist.

Aber dass sie dann doch dazu neigen, manchmal Geld anzuhäufen und dann trotzdem unglücklich sind oder jetzt zum Beispiel in der Finanzkrise extreme Ängste bekommen und teilweise auch depressive Tendenzen haben.

Bei den Frauen ist es so, dass sie tendenziell das Geld verteufeln. Unterbewusst natürlich, das hat auch ein bisschen mit unserem religiösen, christlichen Hintergrund zu tun. Was dazu führt, dass Frauen manchmal das Geld zum Fenster rauswerfen, weil sie es unterbewusst immer von sich weg schieben und sich dann wundern, wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist.

zendepot: Das klingt erstaunlich, dass viele Frauen das Geld von sich wegschieben oder ein ungutes Gefühl haben, wenn es bei ihnen ist. Hast du einen Erklärungsansatz dafür?

Christina Kanese: Mein Erklärungsansatz liegt in unserer Historie. Bis vor nicht allzu langer Zeit war es Frauen erstens tatsächlich noch verboten, eine Arbeit auszuüben, wenn sie nicht die Erlaubnis des Mannes hatten.

Also da ist auch historisch eine starke Abhängigkeit der Frau vom Mann, insbesondere bei den finanziellen Themen. Und tatsächlich war es so, ich glaube, bis in die 50er oder 60er-Jahre, dass Frauen kein eigenes Konto eröffnen konnten ohne die Unterschrift des Mannes.

Und wenn keine Vorbilder da sind, wenn die Oma stark abhängig war oder die Mutter immer noch stark abhängig war vom Mann oder auch immer eben die Männer diejenigen waren, die das Geldthema beansprucht haben, dann fühlt sich das für manche Frauen auch ein bisschen unweiblich an, wenn sie mit finanziellen Dingen zu tun haben.

zendepot: Also einfach, weil es nicht ihre Rolle war bis dato.

Christina Kanese: Genau, richtig, das ist das Rollenbild, was überliefert wurde. Und da ist ganz viel, was man sich erst einmal von den Eltern abguckt, das sind ja die ersten Rollenvorbilder.

Natürlich gibt es Frauen, die unabhängig sind und sich auch ganz toll beruflich emanzipiert haben. Trotzdem findet man noch nicht sehr viele Frauen, die sich mit Spaß und einer Selbstverständlichkeit dem finanziellen Thema widmen.

Es gibt natürlich jetzt eine Frau Lagarde, die ist ja schon mal ein tolles Vorbild, aber das ist natürlich noch sehr weit weg.

Holger: Vielleicht sagst du unseren Hörern kurz, wer das ist.

Christina Kanese: Das ist die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds, und sie ist in der internationalen Politik unterwegs.

Man findet immer mehr Frauen im öffentlichen Leben, natürlich auch unsere Kanzlerin. Aber das sind im Verhältnis noch sehr wenige. Und auch zum Beispiel in den Firmenvorständen, dort ist ja bisher auch nur ein ganz kleiner Teil von Frauen vertreten.

Und wenn es auf das Börsenparkett geht, dann ist es auch nur eine Handvoll Frauen, die da als Vorbild dienen.

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Geld in Beziehungen

zendepot: Also Geld oder der Umgang mit Geld scheint noch männlich besetzt und dominiert zu sein, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, was sich möglicherweise langsam ändert. Wie ist das denn zwischen Mann und Frau? Welche Rolle spielt Geld in Beziehungen aus deiner Erfahrung? Kommen auch Ehepaare zu dir und lassen sich zusammen beraten?

Christina Kanese: Oh ja! Insbesondere wenn Frauen und Männer ein unterschiedliches, unterbewusstes Bild vom Thema Geld haben. Wenn sie sich darüber unterhalten, denken sie, sie sprächen über das Gleiche, aber in Wirklichkeit liegen darunter ganz verschiedene Themen.

Zum Beispiel, wenn die Frau eher Geld verteufelt und es ausgibt und der Mann darüber nicht so erfreut ist. Wenn er das Geld hart verdient hat und es zusammenhalten will. Und da entstehen ganz viele Streitereien. Ich glaube, 70 Prozent der Streitereien drehen sich ums Geld.

zendepot: Und wenn es ums Geld Anlegen geht, siehst du da auch Differenzen zwischen Mann und Frau? Gibt es Paare, wo der Mann sagt, „ich will ein Haus“ und die Frau sagt, „ich will das Geld lieber an die Börse packen“ oder umgekehrt?

Christina Kanese: (Lacht) Das ist natürlich eher umgekehrt!

zendepot: Aha, okay!

Frauen und Börse

Christina Kanese: Wie ich schon sagte, sind Frauen tendenziell eher nicht an der Börse. Deswegen habe ich ja auch in Hamburg den Women Investment Club gegründet, weil das ein Thema ist, bei dem sich Frauen sehr, sehr unsicher fühlen und wo sie ein bisschen diesen Freiraum haben möchten, auch mal „doofe“ Fragen stellen zu können.

Viele denken, dass sie gar nicht genug Geld zur Verfügung haben und es doch gar nichts bringt, das groß anzulegen. Die sind meistens sehr erstaunt, wenn ich sage, dass man auch schon in ganz kleinen Häppchen Erfolg haben kann.

Es ist ja auch so eine Gewohnheit, die man sich erarbeiten muss. Dass man Erfahrung im Geld anlegen sammelt. Und da sind eben viele Frauen, die überhaupt keine Erfahrung damit haben, noch sehr unsicher.

Und tatsächlich ist es eher so, dass Frauen am liebsten eine ganz, ganz sichere Geschichte haben möchten, dann auf Beratung vertrauen und leider auch manchmal an die Falschen geraten.

Während Männer eher etwas riskieren. Die haben dann Lust, vielleicht mal ein bisschen zu spielen oder etwas auszuprobieren. Und sie haben dann manchmal auch eher die Möglichkeit, mit ihrem Vater oder mit Freunden darüber zu sprechen. Während das bei Frauen anscheinend nicht so ist.

zendepot: Ich glaube, dass die Ressentiments gegenüber der Börse vielfach einfach auf mangelndem Wissen basieren. Und dass diffuse Ängste daher rühren, dass man sich einfach nicht genug auskennt. Würdest du das auch so sagen oder glaubst du, es gibt einen anderen Grund, warum gerade Frauen sagen, „oh, das ist mir zu riskant“ oder „das mag ich nicht“?

Übertragene Ängste

Christina Kanese: Genau, auf jeden Fall ist es einmal mangelndes Wissen. Wie bereits gesagt beim Thema Sicherheit. Da gibt es ja diese Profileinteilung bei finanziellen Beratungen, da wird man in ein solches Risikoprofil eingeteilt. Und dann heißt es eben, dass man entweder ein sicherer oder ein risikoreicher Anleger ist und so weiter.

Und das ist meines Erachtens ein ganz großes Problem. Es gibt generell keine Sicherheit im Sinne von hundertprozentiger Eintrittswahrscheinlichkeit. Man kann eigentlich nur von Risikominimierung oder Risikostreuung reden. Wenn ich damit jetzt anfangen würde, dann würde ich gleich einen kleinen Vortrag halten …

Häufig ist es einfach fehlendes Wissen. Und wenn man sich selbst Wissen aneignen möchte, muss man ein gutes Fundament haben. Und wenn bei Frauen das Fundament ist, „in unserer Familie hat sich keine Frau um Geld gekümmert, das war nie ein Thema in unserer Familie, und ich mag darüber gar nicht reden, ich mag darüber auch gar nicht so nachdenken„, dann schiebt das Unterbewusstsein das Thema beiseite, und dann ist es sehr, sehr schwierig, sich überhaupt Wissen anzueignen.

Und da setze ich an und wir schauen gemeinsam, wie kann man ein gutes Gefühl zum Geld entwickeln oder welche Geldtradition und Familientradition liegt darunter? Wie ist das unterbewusste Bild vom Geld? Und da spielen tatsächlich teilweise ganz, ganz interessante Entwicklungen eine Rolle.

Eine Geschichte zum Beispiel war, dass eine Klientin mir sagte, „irgendwie klappt das mit dem Geld überhaupt nicht„, und es stellte sich dann in unserem Coaching heraus, dass sie das Thema Geld mit dem Großvater verknüpft hat und der Großvater tatsächlich im Krieg Menschen umgebracht hat.

zendepot: Wie kam die Verknüpfung zwischen dem Großvater und dem Geld zustande? Das ist ja nicht ganz naheliegend.

Christina Kanese: Da kann ich jetzt nur mutmaßen, aber mit etwa vier, fünf Jahren entwickeln wir als Kinder ein Verständnis, ein Gefühl dafür, „aha, das Geld ist noch für etwas Anderes da„. Es hat bestimmte Funktionen in unserer Gesellschaft, und in der Familie wird anders reagiert, wenn das Thema Geld angesprochen wird. Und das übernehmen wir unterbewusst.

Man hat bei Ratten festgestellt, dass Ängste von der Elterngeneration auf die Jungen innerhalb von Sekunden übertragen werden können. Damit werden dann Gefühle oder auch bestimmte unterbewusste Denkmuster übertragen.

In einem Experiment hat man Ratten beigebracht, Angst vor Pfefferminzgeruch zu haben. Diese Angst vor Pfefferminzgeruch hat sich bis in die dritte, vierte Generation übertragen, obwohl die Jungen nie irgendetwas erlebt haben, was tatsächlich damit zu tun hat, dass sie Angst vor Pfefferminzgeruch haben müssten.

zendepot: Das ist auf jeden Fall spannend, dass gewisse Ängste offensichtlich übertragen werden. Wobei ich auch schon gelesen habe, dass wissenschaftlich einigermaßen sicher nachgewiesen ist, dass die meisten Ängste, zumindest beim Menschen, erlernt werden, also erst später erworben werden.

Und wenn man eben beobachtet, dass andere Menschen Angst vor Spinnen haben, dann hat man das selbst auch. Und wenn zu viele Leute sagen, dass die Börse gefährlich ist, dann denkt man selbst vielleicht auch, „na ja, da wird schon was dran sein, wenn das so viele Leute sagen“.

Insofern bin ich ganz dankbar, dass du diese Risikoprofilierung der Berater bei den Banken angesprochen hast. Wo man entweder risikofreudig, mittel- oder sicherheitsorientiert ist, und das ist dann quasi einfach so, das wird innerhalb von einer Sekundendiagnose festgestellt oder man ordnet sich selbst ein und sagt im Zweifel natürlich, dass man lieber auf Sicherheit geht.

Das halte ich für absoluten Stuss, dazu habe ich auch schon einen Artikel geschrieben. Das ist wirklich ein großes, weites Thema, diese Geschichte von Risiko und Angst.

Ist Reichtum Kopfsache?

zendepot: Anderes Thema: Ich habe auf deiner Webseite den Spruch gefunden, „Reichtum beginnt im Kopf.“ Wie meinst du das?

Christina Kanese: Ich habe festgestellt, am eigenen Leib sozusagen, dass wenn man ein bestimmtes Denkmuster zum Thema Geld hat, man irgendwie in einem Mangelbewusstsein aufwächst oder eher die negativen Sachen sieht.

Oder dass man immer ganz klein denkt und selbst, wenn man unerwartet zu Geld kommt – durch eine Erbschaft oder einen Gewinn – dass dann das Denken nicht auf „Reichtum“ gepolt ist. Dann kann es sein, dass bei einem großen Gewinn tatsächlich innerhalb von kurzer Zeit das Geld wieder weg ist. Das ist oft bei Lotto-Gewinnern der Fall.

Und da beginnt für mich der Reichtum im Kopf, dass man erst einmal gucken muss, wie ist denn überhaupt mein Bild zum Thema Geld, habe ich überhaupt ein gutes Gefühl, wenn ich an Geld denke?

Wenn Geld ein Stressthema ist, gerät man schnell in diese Angststarre oder Stressstarre hinein und guckt dann eher auf das Negative oder auf den Mangel. Das nenne ich „Armutsdenken“.

Beim „Reichtumsdenken“ geht es darum, dass man sein volles Potenzial auch tatsächlich ausnutzen kann, wirklich unterstützende, positive Denkmuster hat und entspannt mit dem Thema Geld umgehen kann.

Ich sage nicht umsonst Money Awareness Coaching mit dem „G-E-L-D-Faktor“, also ganz entspannt leben dürfen.

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Der Löwe vorm Toilettenhäuschen

zendepot: Es ist ja erstaunlich, dass sowohl der Mangel an Geld als auch die Vorstellung, Geld zu verlieren, letztendlich in die gleiche Angst münden können, nämlich Existenzangst. Was würdest du als Coach raten, als Praxis-Tipp? Wie kann man mit solchen Ängsten umgehen?

Christina Kanese: Da fällt mir ein Erlebnis ein, das ich im Urlaub in Namibia hatte. Da war ich in einem Reservat, wo man Löwen, Elefanten und so weiter an Wasserlöchern angucken konnte. Und auf dem Weg konnte man überall lesen, dass man bloß nicht aus dem Auto aussteigen soll. „Achtung, wenn Löwen kommen, und besonders, wenn da Löwenmütter mit Jungen sind, dann ist man total gefährdet, bloß nicht aussteigen“ und so weiter.

Und dann war es aber so, dass wir zwei bis drei Stunden in diesem Park herumgefahren sind, und irgendwann musste ich einfach mal auf die Toilette. Wir hatten eine schöne Karte, und da stand, dass jetzt bald ein Toilettenhäuschen kommen müsste.

Dann sind wir da hingefahren, und es war tatsächlich nur ein Toilettenhäuschen, und weit und breit nichts drumherum. Und ich dachte so, „oh Gott, was ist denn jetzt? Ich muss aus dem Auto aussteigen und dann noch in dieses Toilettenhäuschen rein!“ Und dann sagte die Freundin, die mit dabei war, „pass mal auf, steig du aus und geh ins Toilettenhäuschen rein. Wenn ich irgendwo einen Löwen sehe, dann hupe ich!“ „Alles klar, okay.

Ich habe dann um mich herum geguckt, die Tür einen kleinen Spalt aufgemacht, dann ganz schnell raus aus dem Auto und rein ins Toilettenhäuschen. Und da habe ich dann gesessen, als auf einmal die Hupe ertönte! Ich dachte, „oh Gott, Hilfe! Da wartet draußen ein Löwe auf mich.“ Und ich erstarrte wirklich auf dieser Toilette.

Ich war in dem Moment in einer regelrechten Angststarre, konnte aber zum Glück als Coach durch diese Situation hindurchgehen, weil ich mich gefragt habe, welche Möglichkeiten es gibt, aus dieser Angststarre herauszukommen.

In einer Notsituation gibt es drei Reaktionsmuster, das ist entweder Flucht, Angriff oder Erstarren. Ich war in diesem Toilettenhäuschen, also konnte ich nicht flüchten. Ich konnte auch nicht angreifen, weil ich nicht unbedingt einen Löwen hätte angreifen wollen, und so erstarrte ich.

Und da ist der erste Tipp, als Allererstes: tief durchatmen! Das ist auch bei Existenzängsten immer das Erste, dass man zuerst die Konzentration auf den Körper lenkt und weg von diesen negativen Gedanken. Also muss man erst einmal in den Körper gehen, tief durchatmen und dann als nächsten Schritt die Gedanken und sich selbst beruhigen und sich einen positiven Ausgang aus der Situation denken.

Beim Geld-Thema ist ein ganz wichtiger Satz, der als allererste Intervention hilft, sich zu sagen, „ich bin sicher mit und ohne Geld„. Um noch kurz die Geschichte zu Ende zu bringen…

zendepot: …ich wollte gerade sagen, du bist ja noch immer im Toilettenhäuschen!

Christina Kanese: Ich sitze immer noch im Häuschen, genau!

Ich bin dann tatsächlich diese ganzen Gedanken durchgegangen, habe mich entspannt, habe mir einen guten Ausgang vorgestellt und gedacht, „okay, komm, vielleicht ist der Löwe ja auch schon wieder weg„.

Ich habe dann die Tür des Toilettenhäuschens ein Stück aufgemacht, und die Freundin hat das Autofenster etwas heruntergelassen und gesagt, „hallo, sorry, ich bin nur versehentlich auf die Hupe gekommen, tut mir leid„. (Lacht)

zendepot: (Lacht) Super!

Christina Kanese: Da habe ich mir in dem Moment ganz umsonst Gedanken gemacht bzw. Angst bekommen, und das ist ja in ganz vielen Fällen so. Und es ist gut, sich nochmal bewusst zu machen, dass die Angstreaktion erst einmal eine ganz natürliche Reaktion des Körpers ist, und es ist auch eine gute Reaktion.

Und dann muss man sich weiter überlegen, was kann denn jetzt wirklich der Fall sein? Und dann muss man auch mal ganz realistisch sagen, es kann ja auch etwas Positives sein. Es kann ja tatsächlich auch so sein, dass gar kein Problem da ist.

zendepot: Das ist eine sehr schöne Metapher, sozusagen der eingebildete Löwe durch das falsche Signal der Hupe, das entspricht ja ein bisschen den vielen Ängsten, die ich auch von meinen Lesern geschildert bekomme vor dem großen Finanzcrash, Börsencrash, die Welt geht unter, Währungsreform, Enteignung – ich weiß nicht was.

Diese kapitalen Dinge, die eben passieren könnten, aber natürlich nicht müssen, und dass die Ängste davor nur eingebildet sind. Denn solange diese Fälle nicht eintreten, ist es reine Hypothese, reine Fiktion, die aber dazu führen kann, dass man sich wirklich Zeit seines Lebens grämt und schlecht fühlt.

Christina Kanese: Absolut, absolut! Es geht wirklich so weit, dass man tatsächlich denkt, „oh Gott, wenn ich kein Geld habe, muss ich sterben!“ Natürlich denkt man sich das höchstens unterbewusst, aber es fühlt sich so an. Es ist eine ganz, ganz elementare Angst.

Und dagegen muss man angehen und sich sagen, dass wir Menschen das Geld erfunden haben, es ist eine super Erfindung, für die Wirtschaft eine wahnsinnig gute Erfindung.

Fast wie das Rad, so elementar, weil dadurch konnten wir überhaupt erst diesen Wohlstand errichten, dadurch konnte sich überhaupt erst diese arbeitsteilige Wirtschaft entwickeln lassen. Man sagt ja nicht umsonst, „der Blutkreislauf der Wirtschaft“.

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Finanztipps vom Geld-Coach

zendepot: Vielleicht noch zum Abschluss die Frage – ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen – wie du denn als gelernte Volkswirtin und Geldcoach dein eigenes Geld anlegst?

Christina Kanese: Ja, natürlich habe ich als Volkswirtin einen kleinen Wissensvorsprung. Und mir ist auch durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Geld in der Coaching-Ausbildung klargeworden, dass es keine wirkliche Sicherheit gibt. Aber man kann natürlich ganz klar das Risiko streuen.

Für mich gibt es drei goldene Regeln: Erstens, breit streuen. Dass ich nicht auf eine Aktie setze, sondern dass ich wirklich unterschiedliche Anlageklassen habe, dass man mal nach Fonds guckt, nach ETFs oder auch Immobilien.

Das Zweite ist, dass ich wirklich darauf achte, ob ich das Finanzprodukt verstehen kann. Wenn ich das nicht verstehe, wenn ich nicht weiß, wie das zusammengesetzt ist, dann lasse ich die Finger davon. Und ich vertraue auf mein eigenes Gefühl.

Für mich persönlich ist es drittens auch wichtig, dass es meinen Werten hinsichtlich Ethik und Ökologie entspricht.

Und ich finde ganz wichtig, dass man das wirklich selbst in die Hand nimmt. Und deswegen finde ich das ja auch so toll mit deinem Blog, dass du diese Wissensvermittlung machst.

Generell sagt man ja, dass finanziell gesehen, leider, leider die EU und auch insbesondere Deutschland noch ein Entwicklungsland ist. Und das muss sich auf jeden Fall ändern, finde ich.

zendepot: Das bezieht sich auf die finanzielle Bildung oder das finanzielle Verständnis der Bevölkerung, glaube ich?

Christina Kanese: Genau, richtig.

zendepot: Finanziell gesehen sind wir allgemein gesehen kein Entwicklungsland, im Gegenteil, aber was das Verständnis der einzelnen Leute anbelangt.

Christina Kanese: Genau, das meinte ich.

zendepot: Wenn Leser oder Hörer noch Fragen an dich haben, wie und wo kann man dich erreichen? Oder auch, wenn sich jemand für ein Coaching bei dir interessiert?

Christina Kanese: Mich kann man unter kanesecoaching.de erreichen. Da findet man verschiedene Angebote von mir, wo man auch zum Beispiel mal in den Woman Investment Club hineinschauen kann. Ansonsten kann man jederzeit unverbindlich ein Gespräch zum Kennenlernen mit mir führen.

zendepot: Christina, vielen Dank, das war ein tolles Gespräch, ich habe viel gelernt!

Christina Kanese: Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte, und es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht.

Christina Kanese ist Diplom Volkswirtin mit jahrelanger Controllingerfahrung und zertifizierte Business Coach. Ihre Spezialisierung liegt im Money Awareness Coaching. Dabei hilft sie ihren Klienten mentale Blockaden in finanziellen Fragen zu überwinden.
 
Sie lebt in Hamburg und ist schon Löwen an ungewöhnlichen Örtlichkeiten begegnet. Mehr über Christina und ihr Coaching-Angebot erfährst du auf kanesecoaching.de.

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{ 12 Kommentare… add one }
  • Felix 2. April 2015, 10:53

    Wow, mit so viel Allgemeinplätzen kann man im Coaching Geld verdienen.

    • Holger Grethe 2. April 2015, 11:44

      Würdest du uns verraten, womit du dein Geld verdienst, Felix?

  • Felix 2. April 2015, 15:35

    Sorry Holger, mein Kommentar war vielleicht etwas zu spontan. Kannst ihn auch gerne herausnehmen. Ich will der Dame nicht zu nahe treten. Sicher gibt es Menschen, die das Psychologische brauchen, um überhaupt zu den ‚hard facts“ der Geldanlage vordringen zu können.
    Ich bin bereits im Ruhestand.

    • Holger Grethe 2. April 2015, 17:44

      Kein Problem, Felix! Die psychologische Ebene spielt sicher bei jedem von uns eine Rolle, aber natürlich braucht nicht jede/r deswegen gleich einen Coach. 😉

    • Susi 4. April 2015, 10:17

      Die nette Dame ist keine Psychologin. Das finde ich das grob Fahrlässige. Heute kann jeder (auch schon mit wenigen Kurzzeitseminaren) Coach werden und sich so nennen.

      Als Psychologin mit fundierter Ausbildung finde ich das sehr befremdlich.

    • Christina 6. April 2015, 15:55

      Hallo lieber Felix, liebe Susanne,

      vielen Dank für Eure sehr wertvollen Hinweise.

      Auch als zertifizierter und über jahre ausgebildeter Business Coach kann, darf und will ich natürlich keine klinischen Krankheiten behandeln. Das wäre nicht nur unverantwortlich sondern auch fahrlässig.

      Deshalb stelle ich vorher sicher, dass mein Kunde gesund ist und wir an Zielen arbeiten. Ich verstehe dabei den unterschied, wie bei einem Trainer und einem Arzt beim Sport. Der Trainer muss vorher sicherstellen, dass nichts gebrochen ist. Genau so ist es bei mir.

      Wenn das nicht der Fall ist (wenn also Süchte, Zwänge, Depressionen im Spiel sind), verweise ich sofort weiter an einen guten Psychiater, Psychologen oder Therapeuten. Solange keine Gesundheit vorliegt, fange ich nicht an mit dem Training bzw. Coaching.

      Vielen Dank nochmals für den wertvollen Hinweis und für die wertvolle Arbeit, die bei psychisch Kranken geleistet wird. Dies sollte nicht mit dem Coaching und Arbeiten an Zielen mit gesunden Kunden verwechselt werden.

      Ich wünsche Ihnen allen noch wunderbare Ostertage.

  • Couponschneider 3. April 2015, 16:47

    Ich finde die Sendungen mit den Interviews meistens interessanter, auch diese Sendung gehört dazu. Gut finde ich, wenn sich jemand der psychischen Seite des Problems widmet. Wir Deutschen haben ja schrecklich viel Ballast mitzuschleppen mit unseren kulturell verankerten Vorurteilen gegen Geld und Börse. Ich schlage ein wenig aus der Art und hatte nie Berührungsängste mit der Börse. Als Kind zählte ich schon mit Liebe mein Geld. Als Jugendlicher hätte ich wohl gerne mehr über Geld und Investitionen geredet, und über Finanzen im Allgemeinen, aber dazu hatte ich nicht die Leute, mit denen das zu tun ist.

    Folgendes ist mir sehr in Erinnerung geblieben: Ich sagte zu Freunden, die im Gegensatz zu mir in geerbten Häusern lebten: „Eure Familien haben den Vorteil, dass ihr keine Miete zahlen müsst, womit ein großer Teil der laufenden Fixkosten wegfallen.“ – Obwohl sachlich richtig und nüchtern beurteilt, war das irgendwie ein Stich ins Wespennest. Ich hab es jahrelang nicht verstanden, aber mittlerweile glaube ich, dass es die Gespräche am Küchentisch sein müssen, die Jugendliche so solch einer Reaktion veranlassen. („Wer vermögend ist, ist böse, ein Betrüger. Wie kannst du uns vermögend nennen?“)

    Beide Jugendliche fand ich auch nicht finanziell besonders klug. Beide kauften billig, billig. Sie waren geizig, bei langfristig genutzten Artikeln, verkloppten aber das Geld für den Affekt, ohne nachzudenken. Selbst 15 DM pro Jahr für das Lieblingshobby waren schon zu viel. Was ich schon damals schlimm fand: Die eine Jugendliche sagte häufig: „Über Geld redet man nicht, Geld hat man.“ – Und sie ging demonstrativ an der Tankstelle einkaufen (um dazuzugehören), obwohl nebst der Tankstelle ein Aldi und ein Supermarkt waren. Und das, obwohl beide Eltern mittlerweile arbeitslos waren.

    • Christina 6. April 2015, 16:03

      Hallo,

      vielen Dank für den wichtigen Kommentar und vielen Dank, dass Du Deine persönlichen Erfahrungen mit uns geteilt hast. Tatsächlich ist das Geld ein großes (leider!!!)Tabu-Thema in Deutschland. Es ist häufig mit Scham und Schuld behaftet. So dass selbst die Hartnäckigsten irgendwann aufhören, darüber reden zu wollen.

      Ich kann an dieser Stelle nur ermuntern! Mach weiter so :-)). Irgendwann findet man auch jemanden mit dem man vertrauensvoll über das Thema reden kann. Unter anderem deshalb will ich auch mit meinen Gruppenangeboten die Möglichkeit bieten, Gleichgesinnte zu finden und über Geld zu reden.

      Ganz herzliche Grüße aus Hamburg.

  • Axel Walldorf 11. April 2015, 16:34

    Sehr guter Artikel! Gerade die unbewussten psychologischen Faktoren spielen bei unserem Handeln oft eine große Rolle – nicht nur in Sachen Finanzen! Es geht um die Grundeinstellung und Glaubenssätze, die alle Bereiche unseres Lebens beeinflussen…
    Viele Grüße

  • Christina Kaennese 15. April 2015, 19:26

    Hallo Axel,

    ja, genau, insbesondere die vererbten Denkmuster bedingen unsere Wahrnehmung der Welt und das bestimmt dann unser Handeln in allen Bereichen. Ich habe mich jetzt nur auf die Überwindung blockierdender Denkmuster beim Thema Geld spezialisiert und betone das natürlich besonders.

    Herzliche Grüße
    Christina

  • Maiko 23. April 2015, 14:09

    Hallo!

    Danke für den Artikel, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Obwohl ich begeisterter NLPler bin und viel von positiver Psychologie und zielgerichteten, inneren Dialogen halte, möchte ich eine Kausalität, die im Interview genannt ist, kritsch würdigen.

    Es heißt dort: „Und wenn da unterschwellig ein Denkmuster ist, “ich habe es ja gar nicht verdient” oder “das ist doch irgendwie verbrecherisch“, wenn man mit Geld Geld verdient. „Mit einem solchen unterschwelligen Denkmuster kann man natürlich schlecht wirklich gute Anlagen für sich finden, denn das Unterbewusstsein würde immer dazwischen schießen.

    Hierbei kann man nur bedingt von unterschwelligen Denkmustern sprechen. Die Tatsache ist, dass nicht Geld Geld verdient, sondern Menschen und Maschinen. Es kann also – sehr wohl im bewussten Zustand des Handelns – eine große Rolle spielen, womit ich mein Geld als Anleger verdiene.

    Wenn ich mein Geld über, beispielsweise Aktien, an einem Unternehmen beteilige und dieses Unternehmen mit dem Verkauf von Waffen an Kindersoldaten meine Investition vermehrt, habe ich eben nicht nur einen Renditeaspekt, sondern auch einen Aspekt des bewussten Handelns (sehr plakativ, ich weiß).

    Ich halte es für wichtig, dass diese Zusammenhänge begriffen werden, fernab jedweder Moralisierung. Aber einfach zu behaupten, das Gefühl mit Geld kein Geld verdienen zu wollen sein ein unnützer, falscher und vorallem unbewusster Glaubenssatz sei, halte ich für nicht ausreichend durchleuchtet.

    Geld arbeitet nicht. Das Unternehmen arbeitet mit meinem Geld. Und in dem Moment, in dem ich von dem Kuchen etwas abhaben möchte, sollte ich mir zumindest der Grundlage in groben Zügen bewusst sein.

    Die Frage sollte also lauten: Ist es ein unbewusster Glaubenssatz, weil es mich auch sonst nicht interessiert, was auf der Welt los ist und für mich Rendite entscheident ist, oder halte ich Geld mit Geld zu verdienen für etwas schlechtes, weil ich nicht weiß, was die Unternehmen mit meinem Geld anstellen?

    • schwurbeli 30. April 2015, 15:07

      Naja, ich gebe dem Unternehmen ja kein Geld, wenn ich Aktien kaufe. Klar, indirekt kann man sagen, dass ich beim Kauf und Halten bspw. den Kurs hoch halte, was auch für das Unternehmen gut ist. Aber von dem Geld, das ich für 100 Aktien hinlege, sieht das Unternehmen ja nichts. Es bekommt auch nicht plötzlich mehr Geld, wenn ich kaufe. Aber trotzdem partizipiere ich ggf. am Erfolg.

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