19 Wahrheiten über die Börse, die du unbedingt kennen solltest

19 Wahrheiten über die Börse

Was sieht, liest und hört man nicht alles über die Börse?

Täglich wird uns in den Medien ein Wust an Informationen präsentiert und man fragt sich:

Was soll das alles?

Die gute Nachricht: Um erfolgreich an der Börse zu investieren, brauchst du so gut wie nichts davon.

Im Gegenteil.

Je eher du es schaffst, all das Geklingel auszublenden, desto besser kannst du dich beim Investieren auf das Wesentliche konzentrieren.

Nimm dir ein paar Minuten Zeit für diesen Artikel und du weißt, worauf es an der Börse wirklich ankommt.

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#1
Börsenkurse steigen, wenn mehr Leute Aktien kaufen wollen als andere verkaufen und sie fallen, wenn mehr Anleger verkaufen wollen als andere kaufen

Das alte Spiel von Angebot und Nachfrage. Ganz schön simpel, oder?

Tiefergehende Erklärungsversuche über den Verlauf von Börsenkursen sind nichts als Mutmaßungen und bringen keinen praktischen Nutzen. Etwas rustikaler hat das einmal eine altbekannte Börsenlegende formuliert:

„Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten gibt – oder umgekehrt.“

– André Kostolany

#2

Börse ist nicht gleichbedeutend mit Spekulation

Das Wirtschaftswachstum und nicht etwa Spekulation führt dazu, dass die Börsenkurse langfristig steigen. Grundlage des Wirtschaftswachstums sind Produktivitätssteigerungen, welche zu höheren Unternehmensgewinnen führen.

Unternehmensgewinne werden in Form von Dividenden an die Anleger ausgeschüttet (= Dividendenrendite). Steigende Unternehmensgewinne führen idealerweise zu höheren Dividendenausschüttungen (= Dividendenwachstum).

Dividendenrendite und Dividendenwachstum sind eine treibende Kraft hinter steigenden Kursen, da Anleger bevorzugt Unternehmen kaufen, die hohe Dividenden ausschütten und diese Ausschüttungen dazu noch Jahr für Jahr steigern können.

#3

Kurz- oder mittelfristig besteht kaum ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienrenditen

Eine Ursache ist das spekulative Element, welches das wirtschaftliche Geschehen überlagert. Eine Aktie hat immer genau den Wert, den ihr die Gesamtheit aller Marktteilnehmer zuschreibt.

Der spekulative Wert einer Aktie kann sich dabei weit vom realen Wert des Unternehmens (den wiederum niemand genau kennt) entfernen.

Eine andere Ursache besteht darin, dass große Unternehmen ihren Hauptsitz zwar in einem bestimmten Land haben, ihre Gewinne aber auf der ganzen Welt erwirtschaften können.

Diese Gewinne erhöhen zwar den Wert des Unternehmens und damit auch den seiner Aktie, zählen aber nicht zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes, in dem sich der Hauptfirmensitz befindet.

#4

Betrachtet man alle Anleger zusammen, ist die Börse ein Nullsummenspiel

Jede Form des Wettstreits oder Spiels ist ein Nullsummenspiel: Die Gewinne und Verluste aller Spieler addieren sich zu Null.

Denn alle Anleger bilden zusammen den Markt. Die Preisentwicklung eines Index repräsentiert den Marktdurchschnitt und entspricht damit der durchschnittlichen Performance aller Anleger.

Es ist mathematisch also nicht anders möglich, dass 50 % aller Investoren besser, 50 % schlechter abschneiden als der Index (unter der Annahme, dass die Renditen annähernd normalverteilt sind).

#5
Für die überwiegende Mehrheit der Anleger ist die Börse ein Verliererspiel

Wie in vielen Sportarten gilt auch an der Börse: Profis gewinnen Punkte, Amateure verlieren sie. Mehr als 90 % aller Handelsaktivitäten lassen sich institutionellen Investoren zuschreiben.

Handelt ein Privatanleger an der Börse, sitzt auf der Gegenseite also so gut wie immer ein Profi. Dieser verfügt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit über bessere Daten und den schnelleren Computer.

Das oberste Ziel für jeden Anleger sollte es sein, kein Geld zu verlieren. Der Ausweg besteht darin, nicht zu handeln (siehe #6).

#6
Aktives Investieren lohnt sich nicht

Aktives Investieren, also die Auswahl einzelner Aktien (Stock-Picking, siehe #7) und das Abpassen günstiger Zeitpunkte für den Ein- und Ausstieg (Market-Timing, siehe #8), bringt über lange Zeiträume nur für wenige Anleger einen Mehrwert.

Wären alle Anleger rational und wäre Selbstüberschätzung kein Thema, gäbe es vermutlich nur wenige aktive Investoren. Selbstüberschätzung, der vielleicht häufigste aller Denkfehler, sorgt demnach für Umsatz an den Börsen.

Etwa zwei Drittel aller aktiven Investoren, die Jahr für Jahr versuchen den Markt (Index) zu schlagen, scheitern an diesem Ziel. Der Grund sind die hohen Handelskosten, die beim aktiven Investieren auflaufen (siehe #16).

Mach es besser und investiere passiv

Wie du mit wenig Zeitaufwand ein Depot mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) einrichtest und in Eigenregie erfolgreich führst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

Darüber möchte ich gerne mehr erfahren

#7

(Virtuelle) Affen können es besser als Fondsmanager

Die Geschichte ist legendär: Affen schneiden bei der Auswahl von Aktien erfolgreicher abs als Börsenprofis.

Es waren zwar keine Affen, sondern nur Redakteure des Wall Street Journals, die Ende der 1980er Jahre Dartpfeile auf den Kursteil ihrer Zeitung warfen und so ihre Aktienauswahl trafen.

Und nur in knapp 40% der Fälle hatte Kollege Zufall dabei wirklich die Nase vorn.

Eine wissenschaftlich fundierte Wiederholung des Versuchs mit deutlich größerer Datenbasis zeigte nun, dass die Zufallsauswahl imaginärer Affen sogar gegenüber großen Börsenindizes, die auf der Marktgewichtung von Aktien basieren, die Nase vorn hat.

Da etwa 19 von 20 aktiv gemanagten Fonds über einen Zeitraum von 10 Jahren hinter ihrem Vergleichsindex zurückbleiben, sind Indexfonds die beste und praktikabelste Alternative für Privatanleger.

#8

Was haben Kinderkriegen und Aktienkauf gemeinsam? Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

Es gibt nicht den idealen Zeitpunkt für den Ein- oder Ausstieg an der Börse. Die größten positiven Kursentwicklungen finden – über lange Zeiträume gesehen – an nur wenigen Handelstagen statt.

Market-Timing erhöht die Wahrscheinlichkeit, genau an diesen Tagen nicht oder zu wenig investiert zu sein. Und auf Rendite zu verzichten.

#9

Spekulationsblasen wird es immer wieder geben

„Durch irgendein Produkt oder eine Entwicklung, scheinbar neu oder erstrebenswert (…), wird der wirtschaftliche Verstand beziehungsweise eher das, was man dafür hält, eingelullt. Der Preis für das Spekulationsobjekt steigt.“

– John Kenneth Galbraith

Immer mehr Käufer werden mit der Aussicht auf steigende Preise angelockt, bis die Spekulation eine Eigendynamik entwickelt.
In kürzester Zeit kann sich der Wert des Spekulationsobjekts dadurch vervielfachen.

Wer den wundersamen Wertanstieg in Frage stellt, bekommt von den “Experten” zu hören: „Dieses Mal ist alles anders!“

#10

Börsencrashs sind unvermeidlich

Keine Spekulationsblase hält ewig. Und die Luft aus ihr entweicht nicht sanft, sondern abrupt, nämlich dann wenn die Blase platzt.

Was die Stimmungsumkehr letztlich bewirkt, ist irrelevant. Entscheidend ist, dass zu einem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt aus der Masseneuphorie eine Massenpanik wird, bei der die meisten Anleger viel Geld verlieren.

„Die Auf- und Abwärtsbewegungen mit ihren Übertreibungen nach oben und unten sind ein Spiegelbild der menschlichen Psyche – der Tanz zwischen Panik und Übermut. Boom und Börsenkrach sind ein unzertrennliches Gespann.“

– André Kostolany

#11
Kein Anlageobjekt ist über Zeiträume von mehr als 30 Jahren rentabler als Aktien

Aktien haben langfristig gesehen die höchste Rendite unter allen Anlageklassen und übertreffen diesbezüglich Immobilien, Staatsanleihen, Gold sowie Rohstoffe.

Inflationsbereinigt lag die (reale) Rendite des weltweiten Aktienmarkts in den letzten 200+ Jahren bei etwa 6 Prozent pro Jahr.

Betrachtet man kürzere Zeiträume, können andere Anlageklassen durchaus vor Aktien liegen. Welche diese sind, lässt sich allerdings immer nur rückblickend feststellen.

Wer sicher gehen will, dass er die höchste Rendite für sein Geldanlagen einfährt, investiert am Besten langfristig, das heißt mindestens 20 Jahre oder länger, in Aktien.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

#12
Von der Vergangenheit lässt sich nur begrenzt auf die Zukunft schließen

Wichtig ist: historische Renditen lassen sich nicht einfach in die Zukunft fortschreiben – sie stecken lediglich den Rahmen ab, in dem sich zukünftige Renditen bewegen werden.

Ob vom Kursverlauf in der Vergangenheit auf die zukünftige Entwicklung einer Aktie geschlossen werden kann, ist seit Jahrzehnten Streitpunkt unter Börsenanlegern.

Selbst wenn Kursverläufe nicht zufällig sein sollten, heißt das nicht, dass man diese Verläufe einfach voraussehen und für sich nutzbar machen kann.

Aktien oder Fonds, die in der Vergangenheit gut gelaufen sind, müssen es nicht auch in der Zukunft tun. Warum eher das Gegenteil der Fall ist: siehe #13.

#13
Aktienrenditen zeigen langfristig eine Tendenz zur Mitte

Nach der Theorie der Regression zur Mitte pendeln sich die Aktienrenditen langristig um ihren Mittelwert (in der Vergangenheit etwa 6 Prozente p.a. real, siehe #11) ein.

Aktienrenditen sind volatil, das heißt, es gibt regelhaft unvorhersehbare Abweichungen von der Durchschnittsrendite.

Immer wieder kommen Ausreisser vor, die sehr weit vom Mittelwert abweichen – nach oben und nach unten. Ungefähr alle 3 Jahre gibt es Negativrenditen am Aktienmarkt.

Solange im Kurs gefallene Wertpapiere nicht verkauft werden, handelt es sich lediglich um Buchwertverluste.

#14
Kursprognosen von Analysten und anderen „Experten“ sind entweder falsch oder nur zufällig richtig und daher nutzlos

Menschen lieben Vorhersagen. Denn diese nehmen der Ungewissheit über das, was die Zukunft bringen wird, einen Teil ihres Schreckens.

Prognosen geben Sicherheit durch das Gefühl, die Dinge kontrollieren zu können. Auch wenn es sich dabei nur um eine Illusion handelt.

Dabei ist das Geschehen an den Aktienmärkten viel zu komplex, um sinnvolle Aussagen selbst über die nähere Zukunft treffen zu können. Wie zuverlässig Prognosen für hochkomplexe Systeme sind, lässt sich bei der Wettervorhersage beobachten …

„Warum in aller Welt machen wir so viele Vorhersagen ? Noch schlimmer, aber auch interessanter: Weshalb sprechen wir nicht darüber, wie gut unsere bisherigen Vorhersagen waren ?“

– Nassim Nicholas Taleb

#15
99 Prozent aller Börsennachrichten sind nutzlos oder sogar schädlich

Schätzungsweise 99 Prozent dessen, was uns die Medien täglich um die Ohren blasen sind für langfristig denkende Anleger wertlose Informationen.

Ob Tageskurse, Begründungen für Tageskurse, Quartalsberichte, Aussagen über die „Stimmung an den Börsen“, Chartanalysen, „Experten“-Prognosen, Fondmanager-Portraits und so weiter und so fort – das alles hat keine praktische Konsequenz und ist in Wahrheit nichts anderes als heiße Luft (aka “Entertainment”).

Vielleicht 1 Prozent der Informationen zur Börse sind nützlich, man sollte trotzdem alles mit kritischen Augen lesen – das gilt selbstverständlich auch für diese Website! 😉

„Wir handeln in einer ungewissen, sich fortwährend ändernden Welt voller bruchstückhafter Informationen und Desinformation, die durch die unverlässliche menschliche Wahrnehmung ungenau gefiltert werden.“

– Charles D. Ellis

#16

Kosten reduzieren die Rendite

Die alte Börsenplatitüde „Viel hin und her macht die Taschen leer“ bringt es auf den Punkt: je mehr Privatanleger handeln (aktiv investieren), desto schlechter fällt ihre Rendite aus.

Je größer die Lücke zwischen der Marktrendite und der tatsächlich realisierten Rendite ist, desto stärker wirkt sich dies über den Zinseszins-Effekt auf das langfristige Ergebnis aus.

Hinzu kommt, dass Steuern (sind auch Kosten) unfairerweise auf die höheren Nominalrenditen erhoben werden. Das bedeutet, man muss auch den Teil des Gewinns versteuern, der von der Inflation „aufgefressen“ wird.

#17

Das Problem ist der Anleger, nicht der Markt

„Nichts macht dich mit höherer Wahrscheinlichkeit ärmer als deine Emotionen. Beim Investieren geht es nur um Angst und Gier.“

– William J. Bernstein

Entscheidungen, die durch Angst oder Gier getrieben werden, sind meistens falsch, häufig zu spät und lassen sich kaum wieder gutmachen.

Investieren bedeutet stetiger Kampf zwischen reflektiertem Denken und Emotionen.

Unser Erfolg als Anleger hängt nicht unwesentlich damit zusammen, wie gut wir unsere Emotionen kontrollieren können.

Was die ganze Sache erschwert: als soziale Wesen werden wir angesteckt von Angst und Gier der Leute, die uns umgeben.

#18

Die Asset-Allokation ist der wichtigste Faktor für die langfristige Rendite

Gemeint ist nichts anderes als die Aufteilung des Gesamtvermögens (Allokation) auf verschiedene Anlageklassen (Assets), auch Diversifikation genannt. Dahinter steckt die Binsenweisheit „nicht alles auf eine Karte zu setzen.“

Kombiniert man ein einem Portfolio verschiedene Assetklassen, z.B. Aktien (die wiederum diversifiziert werden), Anleihen und Immobilien, sinkt das Gesamtrisiko für Verluste.

Denn zumindest zeitweise entwickeln sich die Anlageobjekte in verschiedene Richtungen und Verluste in der einen Anlageklasse können durch Gewinne in einer anderen aufgefangen werden.

#19

Investieren an der Börse ist einfach, aber nicht leicht

Wer Vermögen bilden will, begibt sich auf eine lange Reise. Auf dem Weg gilt es, so wenig Fehler wie möglich zu machen, sprich: möglichst kein Geld zu verlieren.

Nichts tun ist dabei häufig die beste Alternative, auch wenn uns unser Umfeld und unsere Intuition etwas anderes raten.

Mit Nichts tun ist natürlich nicht gemeint, dass man nicht investieren oder sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigen soll.

Es geht lediglich darum, die Dinge nicht unnötig zu verkomplizieren, denn sie sind schon so komplex genug.

„Weisheit und gesunder Menschenverstand versprechen eher langfristigen Erfolg beim Investieren als Berge von Daten.“

– John Bogle

 
 
Welche Wahrheiten und Weisheiten fallen dir zu Börse ein? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

 

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

  • Dummerchen 13. März 2016, 13:06

    Hallo Holger,

    so richtig viel muss man tatsächlich nicht wissen – auch wenn die Medien gerne so tun, als wäre dies so. Sie müssen ihren vermeintlichen Mehrwert in Form von Börsenberichten ja irgendwie verkaufen. Es ist viel wichtiger, die richtige mentale Einstellung zum Marktgeschehen zu haben: Mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit sind die jüngsten “Turbolenzen” (so schreiben zumindest die Medien) leichter zu ertragen.

    Eine kleine Anmerkung zu diesem Satz:
    “Es ist mathematisch also nicht anders möglich, dass 50 % aller Investoren besser, 50 % schlechter abschneiden als der Index.”
    Ich weiß, was Du meinst, aber die Anzahl der Investoren trennt nicht die Lager. Auf einen Investor mit einem hohen Gewinn könnten viele Investoren mit kleinen Verlusten kommen. In der Realität wird das vermutlich in diesem Extrem kaum auftreten. Ich würde es eher so formulieren:
    “Es ist mathematisch also nicht anders möglich, dass 50 % aller Investitionen besser, 50 % schlechter abschneiden als der Index.”
    Das aber nur als kleine spitzfindige Anmerkung.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    • Holger Grethe 13. März 2016, 21:25

      Hi Dummerchen,

      vielen Dank für die Korrektur – ich glaube, du hattest mich bereits an andere Stelle zurecht auf den kleinen, aber feinen Unterschied hingewiesen! 😉

      Ich habe jetzt noch einen Halbsatz hinzugefügt, der den Sachverhalt nun hoffentlich korrekt beschreibt … 🙂

    • Tobias 19. September 2016, 13:52

      Hallo Holger,

      Ich würde noch gerne etwas zu der 4. Regel hinzufügen.

      Der Durchschnitt bedeutet nicht, dass 50% besser, und 50% schlechter sind. Das wäre der Median, der sich genau in der Mitte befindet. Viel häufiger ist eine ausgeprägte 20-80 (Parreto-Prinzip) Verteilung anzutreffen, die meistens noch stärker ausgeprägt ist. Sprich, nur 10% oder 20% der Anleger erwirtschaften 80% oder 90% der Gewinne. Und dabei sind die Kosten noch nicht einmal mit einberechnet. Deswegen ist ein Investor in einen passiven ETF besser als 90% oder 95% der aktiven Anleger.

      Vielleicht ein vereinfachtes Beispiel zu Verdeutlichung:
      1. Anleger gewinnt 17.000 Euro
      2. Anleger verliert 1.000 Euro
      3. Anleger verliert 2.000 Euro
      4. Anleger verliert 3.000 Euro
      5. Anleger verliert 6.000 Euro

      Dann ist der Durchschnitt zwar ein Gewinn von 1.000 Euro, aber der Median ist ein Verlust von 2.000 Euro.

  • Dora 13. März 2016, 19:12

    Servus,
    grundsätzlich viele, richtige Dinge dabei, manchmal allerdings leicht missverständlich:

    “Börsenkurse steigen, wenn mehr Leute Aktien kaufen als verkaufen und sie fallen, wenn mehr Anleger verkaufen als kaufen”
    – Klar was du meinst, allerdings sollte zu jedem Kauf ein Verkauf gehören, damit halten Käufe und Verkäufe die Waage.

    Widerspricht sich #5 nicht irgendwie mit #7 und #14, ich gehe jetzt bewusst nicht auf die DIfferenzierung zwischen aktiv / passiv Investieren ein.

    #4 musst du mir nochmal erklären, Wenn wir langfristig von einem Drift des Marktes durch e.g. Wachstum ausgehen ( und daruf basiert ja das passive Invstieren), verändert sich die Gesamtheit des Marktes, d.h. bei positivem Drift überwiegen e.g. die Gewinne

    Ansonsten hast du meine volle Zustimmung, man darf sich ( auch wenn man mal Glück hat ) nicht für schlaucher als den Markt halten…

    Grüße
    DoRa

    • Holger Grethe 13. März 2016, 21:37

      Hallo Dora,

      “Klar was du meinst, allerdings sollte zu jedem Kauf ein Verkauf gehören, damit halten Käufe und Verkäufe die Waage.”

      Absolut richtig, habe es entsprechend korrigiert und das Verb “wollen” hinzugefügt. Damit sollte die Abhängigkeit der Preisbildung von Angebot und Nachfrage deutlicher werden.

      “Widerspricht sich #5 nicht irgendwie mit #7 und #14”

      Sehe ich nicht so. Es gibt nur wenige Anleger, die dauerhaft durch aktives Investieren überdurchschnittlich abschneiden. Diejenigen, die es tun, sind in aller Regel Investmentprofis.

      “#4 musst du mir nochmal erklären, Wenn wir langfristig von einem Drift des Marktes durch e.g. Wachstum ausgehen ( und darauf basiert ja das passive Investieren), verändert sich die Gesamtheit des Marktes, d.h. bei positivem Drift überwiegen e.g. die Gewinne”

      Also, die Gewinne sollten immer überwiegen (auf lange Sicht), denn sonst wäre passives Investieren in der Tat sinnlos.

      Kernaussage ist: man muss am Aktienmarkt nicht einem anderen Anleger etwas “wegnehmen”, um selber einen Gewinn zu erzielen. Durch das Wachstum des Marktes wird auch das Kuchenstück des passiven Indexanlegers größer.

  • Walter Reinhard 13. März 2016, 22:25

    Hallo Holger,

    Gratulation zu deinen Börsenwahrheiten, die Börsenzeitungen werden dich gar nicht mögen.

    Gruß Walter

  • René 14. März 2016, 08:44

    Hallo,

    eine sehr schöne Aufstellung, die in meine Standard-Leseliste für alle, die mich zu Empfehlungen für die Geldanlage fragen, aufgenommen wird.

    Beim Lesen habe ich mich allerdings gefragt, ob #12 nicht eigentlich direkt #11 widerspricht. In #11 sagst du: “Kein Anlageobjekt ist über Zeiträume von mehr als 30 Jahren rentabler als Aktien” und in #12 “Von der Vergangenheit lässt sich nur begrenzt auf die Zukunft schließen”. So gesehen darf man #11 doch eigentlich auch nur auf die Vergangenheit beziehen, es müsste also heißen: “Kein Anlageobjekt *war* über Zeiträume von mehr als 30 Jahren rentabler als Aktien”. Im erläuternden Text verweist du dann auch auf letzten 200+ Jahre und ich glaube zwar auch, dass das auch in den nächsten 30 Jahren der Fall sein wird – aber ganz sicher wissen kann das doch eigentlich keiner, oder?

    Ansonsten weiter so mit dem tollen Blog, den ich immer gerne lese!

    René

  • Philipp 14. März 2016, 21:37

    Hallo Holger,

    ich kann das alles nur bestätigen.

    MFG Philipp

  • Unklar 16. März 2016, 15:52

    Was genau meinst du unter #6 mit “hohen Handelskosten”? Die Kosten des Fonds für das permanente An-/Verkaufen der Wertpapiere oder die Kosten für den Anleger (Ausgabeaufschlag, jährliche Verwaltungskosten etc.)?

    • Holger Grethe 18. März 2016, 12:40

      Gemeint sind in erster Linie die Transaktionskosten. Bei aktiv gemanagten Fonds betragen diese schätzungsweise >1% p.a. bezogen auf das Fondsvermögen. Hinzu kommen die Verwaltungskosten …

  • Couponschneider 24. März 2016, 17:03

    Hallo Herr Grethe,

    viele genannten Sachen waren richtig. Aber ich bin der Meinung, dass Sie einem Missverständnis auferliegen.

    Ich werde von Ihnen als “aktiver Anleger” eingeordnet, weil ich in Einzeltitel investiere. Sie unterstellen, dass jeder aktiver Anleger antritt, “den Markt” zu schlagen. Das will ich nicht und das wollen viele andere “aktive Anleger” auch nicht.

    Wer in einen ETF investiert, investiert auch nicht in “den Markt”, sondern muss genauso eine Auswahl vornehmen. Es gibt keinen Index für gesamten Weltmarkt. Die Auswahl des ETF ist damit auch “aktiv”, nur dass die Auswahl gröber ist. Ein ETF-Anleger entscheidet sich für eine Branche bzw. für einen Standort. Gäbe es beispielsweise einen Index bzw. ETF für Fernbusunternehmen in Deutschland, könnte man in die Branche an sich investieren, die insgesamt wachsen wird, ohne sich des Risikos aussetzen, ausgerechnet auf die Busunternehmen zu setzen, die noch pleite gehen. Und es werden welche pleite gehen. Das wäre sicherlich eine tolle Sache; leider sind es keine AGs und den Index dafür gibt es auch nicht.

    Auch finde ich, dass ich so aktiv nicht handele. Ich praktiziere Buy and Hold und das ist recht passiv. Meine Aktivität ist äußerst gering. Unter der Haube eines ETF gibt’s mehr Aktivität. Ein replizierender DAX-ETF musste kürzlich K+S rauswerfen und Pro Sieben einbuchen.

    Man unterscheidet bei Aktienfonds aktive und passive Aktienfonds und passive sind solche, die einmal kaufen und das für immer und ewig im Fonds lassen. Mein Depot weist weniger Bewegung auf als ein ETF unter der Haube.

    Ich bin der Meinung, man sollte bessere Begriffe nehmen: Direkt und indirekt. Was ich betreibe ist direktes Investieren, aber passiv, aufgrund meiner sehr geringen Handelsaktivität; ich verkaufe praktisch nie. Zuletzt habe ich Osram-Anteile verkauft, die ich als Siemens-Aktionär automatisch erhalten habe. Die hat ein DAX-ETF auch rauswerfen müssen. Was Sie betreiben bezeichne als indirektes und passives Investieren. Passiv ist es deshalb, weil der ETF unter der Haube dann auch nur Werte verkauft, die verkauft werden müssen (wie Osram im DAX; oder Heinz Ketchup in S&P 500 ETFs, weil Buffett Heinz von der Börse genommen hat).

    Eine Aktienauswahl muss jeder vornehmen, sowohl ein passiver Fonds bzw. Anleger, als auch ein aktiver Fonds bzw. Anleger. Bei einem Indexfonds gibt ein Index die Aktienauswahl vor. Die Kursbewegungen verursachen dann andere Investoren und die entscheiden darüber, ob wie stark ein Wert im Index gewertet wird oder ob er rausfliegt und wer nachrückt. Was der Indexfonds dann macht, kann man durchaus auch als passiv werten, ist aber auch mit Aktivität verbunden. Es ist ein Schwimmen mit dem Strome oder auch ein Laufen mit der Herde. Sicherlich ist das auch eine Form von Passivität, aber die Richtungswechsel der Herde muss man mitmachen, d.h. Energie aufwenden.

    • Holger Grethe 25. März 2016, 12:55

      Das sind alles gute Argumente, denen ich nicht widersprechen würde! Natürlich betreibt auch ein Index in gewisser Weise stock picking, wenn auch in größerem Maßstab.

      Ich denke, der entscheidende Punkt für langfristigen Anlageerfolg ist die “buy-and-hold”-Strategie, sprich: der Verzicht auf Market Timing.

  • Norman 9. April 2016, 09:57

    Hi Holger,
    ich teile Deine Zusammenfassung. Nur bei einem Punkt stolpere ich immer wieder – nämlich über Deinen ersten Punkt:

    #1
    “Börsenkurse steigen, wenn mehr Leute Aktien kaufen wollen als andere verkaufen und sie fallen, wenn mehr Anleger verkaufen wollen als andere kaufen.”

    Es gibt doch immer genau so viele Leute, die kaufen, wie Leute, die verkaufen – zumindest auf die gesamte Stückanzahl bezogen. Wenn jemand 100 Stk. verkauft, muss gleichzeitig jemand anderes 100 Stk. kaufen. Wenn man die unsinnigen Sätze liest wie “…heute wurden Gewinne mitgenommen…”, dann gibt es doch genau so viele Umsätze / Leute, die heute investiert haben.

    Die Kursänderungen entstehen dann dadurch, dass (bei fallenden Kursen) die Käufer weniger zahlen wollen (Nachfragepreis via Limits) und Verkäufer auch bereit sind für weniger zu verkaufen…

    Oder wo ist mein Denkfehler ist?

    Liebe Grüße,
    Norman

    • Holger Grethe 10. April 2016, 07:50

      “Es gibt doch immer genau so viele Leute, die kaufen, wie Leute, die verkaufen – zumindest auf die gesamte Stückanzahl bezogen. Wenn jemand 100 Stk. verkauft, muss gleichzeitig jemand anderes 100 Stk. kaufen.”

      Korrekt. Das Stichwort in diesem Zusammenhang ist “Wollen”! Derzeit wollen viel mehr Leute eine Immobilie kaufen als Besitzer verkaufen. Wozu das führt, wissen wir …

  • Sylvia Schneider 2. Mai 2016, 09:29

    Hallo Holger,

    einfach auf den Punkt gebracht. Danke für diesen Beitrag.

    An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss die Nerven haben, dieses minus 1 auszuhalten. (Kostolany).

    Viele Grüße
    Sylvia

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