Bist du Sparer, Investor oder Spekulant?

Unter Anlegern lassen sich drei typische Denk- und Verhaltensweisen beobachten.

Es gibt die Sparer, die Investoren und die Spekulanten.

Nicht zu vergessen die Eigenheimbesitzer, die im Herzen allerdings auch Sparer sind.

Was den Unterschied zwischen Sparen, Investieren und Spekulieren ausmacht und welcher Anlegertyp am Ende wohl die Nase vorn hat, erfährst du in den nächsten 5 Minuten.

Der Sparer

Der Sparer will sein Geld erhalten. Er sieht vor allem die Risiken bei der Geldanlage und verzichtet zugunsten der Sicherheit bereitwillig auf Chancen.

Da ihm die Vorstellung Geld zu verlieren Angst macht, kommen für ihn nur sichere Anlageprodukte in Frage. Darunter versteht der Sparer alles, was keinerlei Wertschwankungen zeigt: zum Beispiel Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Lebensversicherung und Bausparvertrag.

Bei seinen Anlageentscheidungen spielt der Zeithorizont für den Sparer kaum eine Rolle. Unabhängig davon, ob er das Geld in wenigen Monaten oder erst in Jahrzehnten benötigt, fällt seine Wahl immer auf ein zinsbasiertes Anlageprodukt.

Dafür nimmt er in Kauf, dass seine Anlagen keinen Wertzuwachs erzielen und den Wert des Geldes bestenfalls erhalten.

Inflationsbereinigt und nach Abzug von Steuern liegt die jährliche Rendite (Verzinsung) seiner Anlagen zwischen -1,5 und höchstens +1,0 Prozent, abhängig vom Zinsniveau.

Der Sparer hat meist wenig Interesse am Thema Geldanlage und verlässt sich bei seinen Anlageentscheidungen gerne auf Finanz- und Vermögensberater. Dass deren (versteckte) Provisionen die Rendite des Sparers weiter schmälern, ist ihm entweder nicht bewusst oder wird stillschweigend akzeptiert.

Der Investor

Der Investor will sein Geld vermehren. Er steckt es in sogenanntes Produktivvermögen, damit das Geld sprichwörtlich für ihn arbeitet. Er wägt Risiken gegen Chancen ab und ist bereit, Wertschwankungen seiner Anlagen in Kauf zu nehmen.

Dafür rechnet er langfristig mit einem Wertzuwachs. Dieser resultiert in erster Linie aus den Erträgen, welche seine Investitionsobjekte erwirtschaften: Dividenden, Zinsen und andere Ausschüttungen bei Aktien und Anleihen sowie Mieteinnahmen bei fremdvermieteten Immobilien.

Um das Risiko für Verluste zu senken, streut der Investor sein Geld auf eine Vielzahl verschiedener Investionen, er diversifiziert.

Der Anlagehorizont des Investors ist langfristig. Sein Vermögen wächst anfangs langsam und stetig, mit fortschreitender Anlagedauer zunehmend schneller und sprunghaft.

Das exponentielle Wachstum beruht auf einer wachsenden Zahl von Anlageobjekten, die immer mehr Erträge erwirtschaften, welche wiederum in neue Anlageobjekte investiert werden (Zinseszinseffekt).

Abhängig von der Gewichtung der unterschiedlichen Anlageklassen kann der Investor mit jährlichen Netto-Renditen (nach Abzug von Inflation, Steuern und Kosten) von 0 bis +1 Prozent bei Anleihen und Immobilien bis etwa +5 Prozent bei Aktien rechnen.

Der Spekulant

Der Spekulant will sein Geld schneller und in größerem Umfang vermehren als Sparer und Investor. Zugunsten hoher Gewinnchancen ist er bereit, entsprechend hohe Risiken einzugehen und verzichtet auf eine breite Streuung seiner Anlagen.

Die Ausschüttung von Erträgen (z.B. Dividenden) ist für den Börsen-Spekulanten von untergeordneter Bedeutung, er zielt auf den Spekulationsgewinn. Dieser ergibt sich aus einer möglichst sprunghaften Wertsteigerung oder auch Wertminderung des Anlageobjekts.

Entscheidend ist, dass der Spekulant versucht, diese Wertänderung vorauszusehen. Sein Anlagehorizont ist kurz und reicht abhängig vom Spekulationsobjekt von wenigen Sekunden bis einigen Monaten.

Angetrieben wird der Spekulant von sportlichem Ehrgeiz und der Überzeugung, bessere Entscheidungen treffen zu können als die Mehrzahl aller anderen Anleger. Der Spekulant ist bereit, viel Zeit für das Entdecken und Handeln vielversprechender Spekulationsobjekte zu investieren. Nicht selten betrachtet er Spekulieren als “Hobby”, manchmal gar als Beruf.

Sein Renditeziel muss zwangsläufig weit über 5 Prozent liegen, um den zeitlichen Aufwand, die Kosten seiner umfangreichen Handelsaktivitäten und das erhöhte Risikolevel zu rechtfertigen.

Als Spekulationsobjekte dienen ihm unter anderem Aktien, Derivate und Rohstoffe.

Der Eigenheimbesitzer

Der Eigenheimbesitzer ist eine Mischung aus Konsument, Sparer und Spekulant – in dieser Reihenfolge. Er glaubt, alles auf einmal zu haben: schönes Wohnen, eine sichere Geldanlage inklusive Inflationsschutz und damit die ideale Altersvorsorge.

Er verfügt in aller Regel über kreditfinanzierten Wohnraum, den er aus eigenen Mitteln nur mieten könnte. Dass er dafür monatlich Geld an die Bank überweisen muss, fühlt sich ähnlich an wie ein langfristiger Sparplan, was etwas verniedlichend auch als “Zwangssparen” bezeichnet wird.

Insgeheim spekuliert der Eigenheimbesitzer, dass seine Immobilie beziehungsweise das darunter liegende Grundstück über die Jahre im Wert steigen, zumindest aber nicht fallen wird.

Da eine selbstgenutzte Immobilie keine Kapitalerträge erwirtschaftet, bleibt der Spekulationsgewinn auf das Grundstück die einzige Möglichkeit, langfristig Kapital zu vermehren.

Die langfristige Wertsteigerung von Wohnimmobilien schwankt unter Berücksichtigung der Inflation im Mittel um 0% und liegt damit etwa auf dem Niveau von zinsbasierten Anlagen.

Die eingesparte Kaltmiete gilt zwar als “Dividende des Eigenheimbesitzers”, abhängig von der Höhe des Immobilienkredits zahlt er aber der Bank eine nicht unerhebliche Kapitalmiete.

Wie hoch seine Gesamtrendite letztendlich sein wird, kann aufgrund der Vielzahl der Faktoren (Verkaufspreis, Instandhaltungskosten, Kauf-/Verkaufskosten, Finanzierungskosten, Eigenkapitalquote etc.) kaum verlässlich berechnet werden.

Fazit:

Der Sparer überschätzt im Allgemeinen das Wertschwankungsrisiko von “risikoreichen” Anlagen und unterschätzt den Preis, den er auf lange Sicht für seinen Sicherheitsanspruch bezahlt: den Verzicht auf Vermögen.

Der Wunsch nach Sicherheit und die Angst vor Verlusten dominiert seine finanziellen Entscheidungen.

Der Spekulant unterschätzt die Verlustrisiken, die sich aus dem Verzicht auf Risikostreuung ergeben und überschätzt seine Fähigkeiten sowie den Einfluss, den diese in einem weitestgehend zufallsbasierten System wie der Börse haben.

Die Gier nach hohen Gewinnen dominiert seine finanziellen Entscheidungen, hinter denen sich nicht selten der Wunsch nach schnellem Reichtum verbirgt.

Der Eigenheimbesitzer ist mehr Konsument als Anleger. Er rationalisiert den Immobilienkauf zwar als Geldanlage, im Grunde geht es aber um die Befriedigung anderer Bedürfnisse, wie dem Wunsch nach Status und Wohnkomfort.

Manchen Eigenheimbesitzern ist es dafür ganz recht, von der Bank zum Sparen diszipliniert zu werden. Denn Geld, das einfach so auf einem Konto rumliegt, übt auf sie einen ähnlichen Reiz aus wie eine geöffnete Chipstüte auf dem Wohnzimmertisch. Am Ende bleiben nur Krümel übrig.

Der Investor will mehr Rendite als der Sparer und der Eigenheimbesitzer, aber weniger als der Spekulant. Die Wahrscheinlichkeit, dass er am Ende mehr Vermögen bildet als die anderen drei, ist hoch.

Grund dafür ist sein Bewusstsein für ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis, die Akzeptanz von zwischenzeitlichen Wertschwankungen und vor allem langfristiges Denken. Auch der Investor möchte vermögend werden, hat es damit aber nicht eilig. Bis dahin wohnt er einfach weiter zur Miete… 😉

 
Welchem Anlegertyp kommst du am nächsten? Sparst du noch, oder investierst du schon? Bist du Eigenheimbesitzer und denkst, ich übertreibe maßlos? Lass es mich wissen. Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Bildquelle: “Licking her finger” von jonas_foyn (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

  • Ändy 10. Juni 2014, 21:10

    Bitte erkläre laut deiner Definition von beispielsweise Sparer und Investor folgende allgemeingültige Formel:
    Investition = privates Sparen + Staatliches Sparen – Außenhandelsüberschuss

    • Holger Grethe 10. Juni 2014, 22:15

      Bitte erkläre anhand deiner “allgemeingültigen” Formel, in welchem Zusammenhang der Außenhandelsüberschuss mit der Vermögensbildung von Privatanlegern steht. 😉

  • Markus 29. Mai 2015, 10:12

    Hallo Holger,

    im Großen und Ganzen bin ich mit deiner Übersicht einverstanden 😉
    Jedoch lassen sich zum Beispiel auch Investoren finden, die wertorientiert über einen langen Zeitraum Aktien halten und trotzdem nicht oder nur wenig diversifizieren! Diese würden aufgrund der höheren langfristigen Rendite und des zeitlichen Aufwands in die Kategorie “Spekulant” fallen. Ich würde jedoch z.B. Warren Buffet keineswegs dieser Kategorie zuordnen 🙂

    Und wo ich schon dabei bin: Komplimente an Deinen Blog! Immer sehr interessant und kompetent verfasst, gleichzeitig mit sehr fundiertem Wissen untermauert! Weiter so!
    Markus

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