Bleib liegen – 5 Gründe warum du dich auf gar keinen Fall um deine Finanzen kümmern solltest

Du hast genug von diesen ganzen Besserwisser-Tipps, mit denen du deine Finanzen in den Griff bekommen sollst?

Schluss damit.

Hier kommen fünf Argumente, mit denen du jederzeit spielend begründen kannst, warum es mehr als unnötig ist, sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen.

Bitte unbedingt beachten:
Dieser Artikel kann Spuren von Ironie und abgestandenen Volksweisheiten enthalten. Nach spätestens 5 Minuten sollten dadurch hervorgerufene Symptome jedoch abgeklungen sein.

Los geht´s…

Grund Nr. 1: Verschiebe ruhig auf morgen, was du heute kannst besorgen

Du kannst es nicht mehr hören: Rentenlücke, Altersarmut, Grundsicherung. Das ist doch alles Panikmache!

Du lebst heute, wer weiß was morgen ist. Das letzte Hemd hat schließlich keine Taschen. Geld zurücklegen kannst du später immer noch, wenn du mal mehr verdienst.

Wie soll man auch bitte sparen, wenn am Ende des Monats nie was übrig bleibt!?

Außerdem: der Staat wird dich später schon nicht hängen lassen. Hat er noch nie gemacht, oder?

Von wegen Deutschland geht es heute besser als gestern, aber schlechter als morgen. Ist doch alles super!

Die Geburtenrate liegt gefühlt bei 3,5 Kindern pro Frau (überall diese Kinderwagen!), die Gesellschaft wird immer jugendlicher, dadurch nehmen Innovationsfreude und Unternehmungsgeist spürbar zu – die Zukunft kann kommen…

Grund Nr. 2: Es macht Arbeit, kostet Zeit und ist unangenehm

Du weisst nicht, was schlimmer ist: in deinen Finanzordner gucken oder in den Keller gehen. An beiden Orten herrscht mittleres bis totales Chaos, was dir zuverlässig schlechte Laune macht.

Pro-Tipp: Lass den Aktenordner mit diesem ganzen Finanzkram einfach im Schrank (und geh frühestens beim nächsten Umzug wieder in den Keller).

Du willst nicht wirklich darüber nachdenken, warum du diese ganzen Versicherungen hast, oder? Und ob du sie überhaupt brauchst.

Sind eben Versicherungen. Du hast sie einfach. Falls mal was ist. Genauso wie das verstaubte Rennrad im Keller…falls du mal wieder fährst.

Ganz ehrlich: wann sollst du dich auch um diesen ganzen Krempel kümmern?

Unter der Woche? Kein Nerv, zuviel Arbeit. Am Wochenende? Musst du dich von der Woche erholen. Im Urlaub? Ja, soweit kommt’s noch!

Und dann immer diese lästige Post.

Beitragsrechnung für den Versicherungsschein hier, Vertragsanpassung nach Dynamisierung dort, dazu Werbeprospekte für das “Turbo Flexsparen Variozins”* oder den “Mischfonds Global Capital Invest für chancenorientierte Anleger”*.
(*frei erfundene Produktnamen)

Was soll das eigentlich alles sein? Wer soll da noch durchsteigen?

Wirf am Besten einfach alles auf einen Haufen und lass die Sachen auf unbestimmte Zeit liegen. Du kannst dich schließlich nicht um alles kümmern. Zumindest nicht um dieses Zeugs…

Grund Nr. 3: So merkst du nicht, wie dich Banken und Finanzberater über den Tisch ziehen

“Was soll das denn heißen? Der Herr von der Sparkasse ist immer freundlich und von meinem Finanzberater kriege ich sogar eine Postkarte zum Geburtstag!”

Glückwunsch. Dann bist du ja in besten Händen.

Nicht, dass hinter der freundlichen Fassade eine Provisionsmaschinerie von gigantischem Ausmaß steckt, die DU finanzierst.

Nicht, dass dir Sachen verkauft werden, die du nicht brauchst und die nur für einen gut sind: dem, der sie verkauft.

Nicht, dass es deutlich bessere und günstigere, weil provisionsfreie Anlageprodukte gibt, mit denen du viel besser Vermögen bilden könntest.

Hauptsache, du hast Vertrauen in deine “Berater”. Das brauchst du auch dringend, denn du hast schließlich keine Zeit Lust, dich selbst drum zu kümmern.

Grund Nr. 4: Besser andere machen die Fehler als du selbst

Deine bessere Hälfte regelt das mit den Finanzen?

Wunderbar! Dann hast du neben dem Finanzberater ja noch jemanden, dem du die Schuld geben kannst, falls es mal nicht so läuft, wie gewünscht.

Das ist gleich in doppelter Hinsicht praktisch.

Zum einen hast du keine Arbeit mit all dem Finanzgedöns, aber noch viel besser ist: nur die anderen können Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen.

Du nicht. Niemals.

Da wärst du ja schön blöd, wenn du an dieser “Arbeitsteilung” etwas ändern würdest, oder?

Grund Nr. 5: Du kannst weiter davon träumen, durch Glück und Zufall reich zu werden

Mensch, andere haben es doch auch geschafft! Du spielst regelmäßig Lotto, damit ist der Grundstein zum Reichtum quasi gelegt.

Und wenn schon Börse, dann aber “richtig”. Also volles Risiko und zocken bis die Schwarte kracht. Oder nichts mehr zum spekulieren da ist…

Anlagestrategie? Langfristiges Investieren? Wer braucht denn sowas? Langweiliger geht´s wohl nicht.

Außerdem müsstest du dann wichtige Entscheidungen für deine Zukunft treffen, nachdem du dich eingehend mit der Thematik beschäftigt hast.

“Muss das wirklich sein?”

Nein, natürlich nicht. Bleib besser einfach liegen.

Wird schon werden. Irgendwie…

 
Habe ich etwas vergessen? Welche Gründe fallen dir noch ein, um der Beschäftigung mit deinen Finanzen erfolgreich aus dem Weg zu gehen? Ich freue mich auf deinen Kommentar. :-)

Bildquelle: “failure” von Tinou Bao (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

  • Sibilla Klüsch 20. Juni 2013, 11:29

    Ich habe meistens das Problem, dass ich zu skeptisch bin. Brauche ich das wirklich? Erzählt mir der Berater gerade tatsächlich die Wahrheit oder will er nur seine Provision kassieren? Dann entscheide ich mich lieber dazu nein zu sagen, es zu verschieben oder klein bei zu geben, damit er endlich Ruhe gibt.

    • Holger Grethe 20. Juni 2013, 20:49

      Hallo Sibilla,

      so wie dir ging es mir früher auch. Irgendwie muss man sich um Versicherungen und Vorsorge kümmern, aber gleichzeitig ist es so furchtbar lästig.

      Deswegen informiert man sich nicht, weiß nur sehr wenig über die Zusammenhänge und ist damit leichte Beute für die Finanzindustrie.

      Solange die Politik nicht einschreitet, was ich angesichts der schwergewichtigen Finanzlobby für unwahrscheinlich halte, bleibt nichts anderes, als sich mit dem Thema zu beschäftigen. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: die Mühe lohnt sich, denn man hat ein besseres Gefühl, wenn man weiß was gespielt wird.

      Viele Grüße
      Holger

      P.S.: Bei Finanzgeschäften kann man nie skeptisch genug sein…

    • Dummerchen 21. Juni 2013, 08:43

      Hallo Sibilla,
      Dein Problem “zu skeptisch” zu sein, ist kein Problem, sondern sehr löblich. Viele andere agieren gerade umgekehrt und vertrauen zu schnell. Bewahre Dir diese Eigenschaft, und lass Dich nicht zu einem Abschluss drängen, nur damit endlich Ruhe ist.

      Ich halte mich für relativ gut gewappnet ggü. “Beratern” und bin trotzdem von der Rhetorik beeindruckt – da hilft meist nur der Griff zum Bleistift und Taschenrechner, um zu erkennen, dass ich über den Tisch gezogen werden sollte.

      Insbesondere bei der Geldanlage solltest Du auf die Kosten achten und Dich im Zweifel von komplizierten Produkten fernhalten. Je komplizierter das Produkt, desto leichter lassen sich Kosten, Gebühren, Aufschläge und Provisionen verstecken. Lass die Finger von allem, was Du nicht verstehst – oftmals ist dieses Unverständnis beim Kunden bewußt gewollt und kein Zeichen mangelnden Wissens.

      Produkte wie Tagesgeld, Sparbriefe und Index-ETFs sind sehr viel leichter zu verstehen als z.B. Kapitallebensversicherungen oder Rentenversicherungen. Auch Riester oder betriebliche Altersvorsorge sind alles andere als leicht zu bewerten. Halte Dich möglichst zunächst nur an “einfache” Produkte und entscheide erst danach, ob Du noch etwas anderes brauchst – oftmals ist dies kaum noch nötig.

      Insbesondere die alljährliche Versicherungsleier “nur noch bis zum 31.12. die Vorteile sichern” solltest Du ignorieren. Zeitdruck ist kein guter Ratgeber.

  • Dummerchen 20. Juni 2013, 14:40

    6.Grund: Du kannst weiterhin darüber schimpfen, dass die Reichen ja immer reicher werden, und Du ja überhaupt keine Chance hast, weil Du nicht in eine reiche Familie geboren wurdest und deswegen immer arm bleiben musst.

    Ist das nicht herrlich? Immer jammern zu können? Weil die Reichen ja böse und gemein sind – ach und ja: Reich sind sie auch! Pah, reich! Wer viel Geld hat, muss ja per se irgendjemanden ausgebeutet haben und böse sein. Gute Menschen sind arm, ist doch logisch, oder?
    Ach und wer reich ist, denkt natürlich nur über Geld nach. Und wie er immer reicher werden kann. Und ist wahrscheinlich ein Pfennigfuchser und knausrig. Das kennt man doch aus der Literatur – Dagobert D. hieß doch einer, oder?
    Nein, wer heute nicht reich ist, kann es auch morgen nicht nicht zu Wohlstand bringen. Besser also nicht über die eigenen Finanzen nachdenken. Bringt ja eh nichts…

    • Holger Grethe 20. Juni 2013, 21:07

      Ja, das Reservoir der (Sozial-)Klischees ist unermesslich…

      Ein Problem mit “den Reichen” hat man vor allem dann, wenn man sich mit ihnen vergleicht. Diese Vergleiche führen aber zu nichts.

      Materieller Reichtum muss und sollte auch gar nicht der Antrieb sein, sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen. Es geht allein darum, das Beste aus den eigenen finanziellen Möglichkeiten zu machen.

      Das reicht in aller Regel schon, um zufrieden zu sein. Mehr brauchen wir doch gar nicht…

    • Dummerchen 21. Juni 2013, 08:48

      Hallo Holger,
      damit kein falsches Bild entsteht – ich denke nicht, dass Glück im Leben mit dem Streben nach materiellem Reichtum erreicht wird. Werte wie Gesundheit oder Freundschaft würde ich immer höher einstufen.
      Ich wollte nur auf das Jammern auf der einen Seite mit dem gleichzeitigen Unwillen, etwas am eigenen Zustand zu ändern, ansprechen.

    • Holger Grethe 21. Juni 2013, 16:28

      Hatte ich auch nicht anders verstanden ;-)

  • Sylvia Dingeldein 5. September 2013, 11:43

    Ich habe gerade wieder die schmerzliche Erfahrung machen müssen, dass man sich nicht mal auf “Berater” verlassen kann, die man schon Jahrzehnte kennt. Auf jeden Fall immer um seinen “Kram” selber kümmern.

    • Holger Grethe 5. September 2013, 11:48

      Stimmt, Sylvia.

      Grundsätzlich spricht ja nichts gegen echte Beratung (sprich: auf Honorar- und nicht auf Provisionsbasis). Aber Kontrolle und Verantwortung sollte man trotzdem niemals abgeben.

  • Marc 21. Januar 2014, 14:46

    ich bewerb’ mich bei “Die Millionärswahl” und lasse mich wählen.