Gilt bei der Aktienquote: je oller, je doller?

Aktienquote gleich Hundert minus Lebensalter“ lautet eine tradierte Formel, auf die viele Anleger bei der Gewichtung ihres Portfolios vertrauen.

Wer jung ist, so die Logik, kann mehr Aktien und damit mehr Risiko vertragen. Am Anfang des Berufslebens ist man auf seine Ersparnisse schließlich weniger angewiesen.

Wer auf die Rente zusteuert, sollte hingegen zunehmend in Anleihen umschichten. Um sicherzugehen, dass genügend Kapital da ist, von dem man im Ruhestand zehren kann.

Wäre ja blöd, wenn man sich pünktlich zum Rentenbeginn in einem Börsentief wieder findet und das Depot nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Auf den ersten Blick klingt das alles logisch, doch macht eine dynamische Asset-Allocation nach diesem Strickmuster wirklich Sinn?

Nein, sagen die Autoren einer 2012 erschienenen Untersuchung mit dem Titel „The Glidepath Illusion“. Robert D. Arnott und Mitarbeiter kommen darin zu der Erkenntnis, dass genau die gegenteilige Strategie mehr Erfolg verspricht.

Sie empfehlen einen „inverse glidepath“, also die Aktienquote mit zunehmendem Alter zu erhöhen, statt diese abzusenken.

Wie das alles zusammenpasst und für wen eine steigende Aktienquote wirklich praktikabel ist, erfährst du in diesem Artikel.

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Hinweis: Dieser Artikel setzt Grundkenntnisse über die Funktionsweise von Aktienmärkten und der Portfoliogestaltung voraus. Wenn du völlig neu in diesem Thema bist, findest du hier und hier Artikel, die den Bedürfnissen von Börseneinsteigern gerecht werden.

Methodik der Studie

Ziel des Investierens ist im Allgemeinen der Aufbau eines möglichst großen Kapitalvermögens bis zum Beginn der Ruhestandsphase.

Der Hintergrund für das tradierte Absenken der Aktienquote bei zunehmendem Lebensalter: Das bei Renteneintritt zur Verfügung stehende Kapitalvermögen soll den Wertschwankungen des Aktienmarkts schrittweise entzogen und damit stabil gehalten werden.

Wie gut sich diese Standard-Strategie schlägt, haben Arnott et al. rückblickend für die Jahre 1871 bis 2011 untersucht. Dabei wurden insgesamt 101 fiktive Anleger gemittelt, die jeweils über 41 Jahre Vermögen aufbauen.

Der erste Anleger dieses Rechenmodells startet seine Investmentlaufbahn im Jahr 1871 und geht Ende 1911 in Rente, der letzte startet 1971 und tritt Ende 2011 in den Ruhestand. Dazwischen liegen die 99 anderen Modell-Anleger.

Getestet wurden drei Strategien:

  1. Standardverlauf mit sinkender Aktienquote (beginnend bei 80 Prozent, endend bei 20 Prozent)
  2. Statische Asset-Allocation (50 Prozent Aktien, 50 Prozent Anleihen)
  3. Inverser Verlauf mit steigender Aktienquote (beginnend bei 20 Prozent, endend bei 80 Prozent)

Ergebnisse der Studie

Ausgehend von einer jährlichen Sparrate von 1.000$ brachten die drei Asset-Allocations-Strategien folgende Resultate:

80->20 50/50 20->80
MITTELW 124.460$ 137.870$ 152.060$
STABW 37.670$ 41.250$ 57.010$
MIN 49.940$ 51.800$ 53.040$
MAX 211.330 $ 209.110$ 286.920$

 
Schaut man sich die Durchschnittswerte (MITTELW), die Standardabweichung (STABW) und die Maximalwerte (MAX) an, erfährt man wenig überraschend folgendes:

Je höher die Aktienquote vor allem später im Verlauf ist, desto größer fällt das zu erwartende Endvermögen aus – dies sowohl hinsichtlich der Durchschnitts- als auch der Maximalwerte.

Mit der höheren Renditeerwartung geht – wie zu erwarten – ein höheres Risiko, gemessen an der Bandbreite des Endvermögens (siehe Standardabweichung), einher.

Mit dem “inverse glidepath” schneidet man also im Mittel besser ab als mit dem 80-20-Standardverlauf.

Von den Durchschnittswerten kann man sich allerdings nur wenig kaufen, denn genauso wenig wie die statistische Lebenserwartung Auskunft darüber gibt, wie lange man lebt, ist auch das gemittelte Endvermögen von 101 Anlegern wenig aussagekräftig für das Endvermögen des Einzelnen.

Beim Vermögensaufbau über 40 Jahre hat eben jeder Anleger nur einen Versuch.

Die Überraschung

Der eigentlich Clou der Studie verbirgt sich im Minimalwert (MIN). Dieser macht deutlich, wie es dem armen Tropf mit dem schlechtesten Verlauf aller 101 Modell-Anleger ergangen wäre.

Stellt man das jeweilige Worst-Case-Szenario beider Strategien gegenüber, wird deutlich, dass das Endvermögen bei der “inverse glidepath”-Strategie höher ausfällt als bei der Standard-Strategie. In Zahlen: 53.040$ vs. 49.940$.

Ups.

Schützt eine niedrige Aktienquote im Alter etwa schlechter vor Verlusten als eine hohe? Stellt das nicht alles auf den Kopf, was wir über Aktien und Risiko zu wissen glauben?

Halten wir zuerst einmal fest, dass unabhängig von der gewählten Strategie kein Anleger Geld verloren hat. Wer in diesem Modell 41 Jahre lang jeweils 1.000$ zurücklegt und seine Sparrate der Inflation angepasst hat (wie in der Studie angenommen), hat am Ende inflationsbereinigt 41.000$ investiert.

Selbst wenn daraus bei der Standard-Strategie im schlimmsten Fall nur 49.940$ wurden, hat sich das eingezahlte Kapital mit einer Realrendite von immerhin 0,92 Prozent pro Jahr vermehrt.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

Ist eine steigende Aktienquote besser?

Wenn man mit einer steigenden Aktienquote nun nichts verlieren kann, wie sieht es dann auf der Chancen-Seite aus?

Gut.

Beim Standardverlauf waren bestenfalls 211.330$ Endvermögen drin, beim inversen Verlauf mit steigender Aktienquote ganze 286.920$.

Es handelt sich also um ein Risiko, bei dem man – so paradox es klingen mag – nur gewinnen kann: Ein sogenanntes „upside-risk“.

Auch der renommierte Finanzautor William J. Bernstein kommt in seiner Abhandlung Deep Risk: How History Informs Portfolio Design (*) zu der Erkenntnis:

Bei langem Zeithorizont sind Anleihen riskanter als Aktien, da sie anfälliger für des Anlegers größte Plage sind: Inflation. Bei einem Zeithorizont von weniger als 20 Jahren tragen hingegen Aktien deutlich mehr Risiko als Anleihen.

Auf dem Papier stellt sich der „inverse glidepath“ also als die überlegene Variante der dynamischen Asset-Allocation heraus. Zumindest wenn es darum geht, über lange Zeiträume ein möglichst großes Endvermögen zu erzielen.

Aber wie sieht das Ganze im „wirklichen Leben“ aus?

Risikotoleranz

Was in der Theorie einleuchtend ist, muss nicht zwangsläufig auch in der Praxis funktionieren. Denn der maßgeblich limitierende Faktor beim Investieren ist und bleibt nun mal der Mensch.

Letztlich hängt es von der individuellen Risikotoleranz des Anlegers ab, ob er seine Investment-PS voll auf die Straße bringt oder ob er lieber untertourig mit leicht angezogener Handbremse durch die Gegend fährt.

Auch wenn das Endvermögen beim „inverse glidepath“ selbst beim ungünstigsten Börsenverlauf größer sein mag als beim „standard glidepath“:

Die Wertschwankungen, die es dabei auszuhalten gilt, sind bei hoher Aktienquote größer und damit entscheidend dafür, wie ein Anleger seine Investmentlaufbahn bewertet.

Wer mit Anfang 60 zusehen muss, wie sein Depot binnen eines Jahres 30 Prozent an Wert verliert, kann sich zwar einreden, dass er aufgrund seines Mutes zur hohen Aktienquote immer noch über mehr Vermögen verfügt als wenn er mit sinkender Aktienquote zu Werke gegangen wäre.

Aber wie viele Leute denken bzw. empfinden so?

“Finanzielle Verluste werden in denselben Gehirnarealen verarbeitet wie Lebensgefahr.”

– Jason Zweig, Your Money and your brain (*)

Gefühltes Risiko

Ich glaube, jedes Depot braucht einen gewissen “Wohlfühlfaktor“: So wird sich ein Anleger mit kleinerem Portfolio, aber geringeren Wertschwankungen, vermutlich besser fühlen als ein Anleger mit größerem Portfolio, dafür aber höherer Anfälligkeit für einen satten „drawdown“ kurz vor Eintritt in den Ruhestand.

Bezugspunkt ist ja immer der faktisch vorhandene Depotsaldo und nicht ein hypothetischer Saldo, den man mit einer anderen Anlagestrategie vielleicht erreicht hätte.

Gemäß der Peak-End-Theorie beurteilen Menschen unangenehme Ereignisse, wie etwa eine Darmspiegelung, nach zwei Kriterien: der höchsten Schmerzintensität während der Prozedur und dem Gefühl am Ende.

Wie lange die Untersuchung dauert und wie hoch das durchschnittliche Schmerzlevel ausfällt, ist im Rückblick unerheblich.

Man braucht nicht allzu viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass ein Verlust von, sagen wir, 30 Prozent des Depotvermögens insbesondere am Ende der Ansparphase ordentlich schmerzt.

Ein Anleger, der vor Eintritt in den Ruhestand „nur“ 15 Prozent verliert, wird die zurückliegenden 40 Börsenjahre sicherlich positiver bewerten als jemand, der kurz vor dem Ziel mit einem Wertverlust von 30 Prozent klarkommen muss.

Höhe des Endvermögens hin oder her.

Weitere Kritikpunkte

Unabhängig von verhaltensökonomischen Aspekten lassen sich noch andere Punkte diskutieren:

Funktioniert nicht bei kurzem Anlagehorizont

Während ein „inverse glidepath“ zur Vermögensbildung im Rahmen der Altersvorsorge durchaus diskutabel ist, erscheint er mir gänzlich ungeeignet, um beispielsweise Vermögen für das Studium der Kinder aufzubauen.

Während das Verhältnis von Ansparphase zu Entsparphase bei der Altersvorsorge etwa 40 zu 25 Jahre beträgt, ist es beim Vermögensaufbau zur Studienfinanzierung nur 18 zu 5 (6) Jahre.

Anders ausgedrückt: Nach 18 Jahren muss auf den Punkt die Summe X zur Verfügung stehen, die in nur 5 oder 6 Jahren vollständig aufgezehrt wird.

In diesem Szenario führt am Standardverlauf mit sinkender Aktienquote über 18 Jahre aus meiner Sicht kein Weg vorbei.

Inverser Verlauf unsinnig

Auch wenn man sich denken kann, warum in der Studie ein „inverse glidepath“ mit einem Verlauf der Aktienquote von 20 bis auf 80 Prozent gewählt wurde (einfache Umkehrung des Verlaufs von 80 auf 20): Sinn ergibt das kaum.

Wer mit Mitte 60 eine Aktienquote von 80 Prozent verkraften kann, sollte dies mit Mitte 20 erst recht können, oder nicht?

Wenn schon viel Aktien, dann während der ganzen Ansparphase!

Entwicklung der Risikoaversion

Steigt die Aktienquote mit dem Lebensalter, sollte idealerweise auch die Risikofreudigkeit des Anlegers zunehmen. Die Risikotoleranz ist allerdings ein scheues Reh, das unzähligen unbewussten Einflüssen auf emotionaler Ebene ausgesetzt ist.

Es dürfte einfacher sein, einen Pudding an die Wand zu nageln, als die Risikobereitschaft eines Menschen valide zu bestimmen.

Jobwechsel, Jobverlust, der Verlust eines nahen Angehörigen, eine lebensbedrohende Erkrankung und andere Schicksalsschläge gehen ganz sicher nicht spurlos an einem Menschen und seiner Haltung zum Geld vorbei.

Leider werden die genannten Ereignisse mit zunehmendem Lebensalter immer wahrscheinlicher…

Das Fazit

Für Sparprojekte mit kurzer Entsparphase ist ein inverser Allocationsverlauf keine Option, allenfalls für die Vermögensbildung im Rahmen der Altersvorsorge.

Meine Empfehlung:
Eine mit dem Alter steigende oder durchgehend hohe Aktienquote ist der Weg für hochrationale Anleger mit unterdurchschnittlich niedriger Risikoaversion.

Für durchschnittlich risikoaverse Menschen ist wohl eher der althergebrachte Allocationsverlauf mit sinkender Aktienquote Mittel der Wahl.

Wer nicht weiß, zu welcher Gruppe er gehört, macht mit einer fixen Allocation von 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen sicher nichts verkehrt.

Eine hohe Aktienquote wirkt sich grundsätzlich günstig auf die Höhe des Endvermögens aus, denn es gilt: Mehr Risiko gleich mehr Gewinn.

Am wichtigsten ist aber, dass man sich mit dem Risikolevel seines Depots wohlfühlt und auch in schlechten Zeiten bei der einmal gewählten Strategie bleibt.

 
Hast du Fragen oder Anmerkungen zum Artikel? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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  • Gringo 30. Oktober 2014, 09:30

    “Eine hohe Aktienquote wirkt sich grundsätzlich günstig auf die Höhe des Endvermögens aus, denn es gilt: Mehr Risiko gleich mehr Gewinn.”

    Das kommt sehr stark auf den Kaufzeitpunkt an. Anleger, die 2007 gekauft haben, sind so langsam wieder bei break-even. Anleger, die 2009 oder 2011 gekauft haben oder natürlich vor 20-30 Jahren dürfen sich über dicke Gewinne freuen.

    Der Vergleich mit der Vergangenheit, der so gerne auch von den Marketingabteilungen der ETF-Anbieter benutzt wird, hinkt meiner Meinung nach, da wir uns in einem noch nie da gewesenen Szenario bewegen:

    Niedrigzinsumfeld (gab es) gepaart mit einer unegelösten Schulden- und Bankenkrise. Die EZB erkauft hier nur Zeit und dieses Mal wird der Knall größer. Das ist der richtige Kaufzeitpunkt, von mir aus auch für ETFs.

  • Tom 30. Oktober 2014, 10:05

    Danke für den Artikel. Die Risikotoleranz anzusprechen ist meiner Meinung nach wichtig und könnte auch hier mehr Beachtung finden. Ich investiere viel in Aktien, bin mir meiner eigenen Risikotoleranz aber nicht richtig bewusst. Wer denkt, er könnte sich bei der Thematik richtig selbst einschätzen, liegt meiner Meinung häufig daneben. Es wäre super wenn du noch etwas zu dem Thema finden könntest.

    • Dummerchen 30. Oktober 2014, 13:12

      Ich fürchte, die Risikotoleranz kann man nur schwer “erdenken”. Bestimmte Dinge muss man einfach persönlich erfahren (s.mein Kommentar unten) – und vermutlich ist selbst das keine Garantie dafür, dass die sich Risikotoleranz ein Leben lang so verhält, wie man es gerade vermutet. Manche Anleger sind in jungen Jahren eher vorsichtig und im Alter mutiger, bei anderen ist es umgekehrt. Auch die Lebensumstände (Festanstellung vs. Tagelohn, Familienoberhaupt vs. Lonesome rider, usw.usf.) können die Risikotoleranz verändern.
      Wenn Du ganz allgemein zum Thema Risiko Informationen suchst, findest Du insbesondere beim Finanzautor Larry Swedroe (auch online) zu den drei Aspekten “Ability, Willingness and need to take risk” die zentralen Leitgedanken.

  • Finanzfan 30. Oktober 2014, 10:54

    Auch ich reibe mich an dem Satz “Eine hohe Aktienquote wirkt sich grundsätzlich günstig auf die Höhe des Endvermögens aus, denn es gilt: Mehr Risiko gleich mehr Gewinn.”

    Ich weiß zwar, was Du meinst… Aber die Gleichung ist dennoch ungenau. “Mehr Risiko bedeutet mehr potenzieller Gewinn”, fände ich besser. Und da sind Markettiming und Stockpicking definitiv keine Kriterien, sondern ganz allgemein gesprochen. 🙂

    Ich folge komplett deiner These, dass jemand, der im Alter viel Aktien vertragen kann, das auch in der Jugend können tun muss. Allerdings könnte eine niedrigere Volatilität bei Renten auch dazu führen, dass sich die Angst vor Wertpapieren erst gar nicht in dem Maße einstellt, wie sie es sich bei Telekom und Co. schon getan hat. 🙂

    Der Beitrag gefällt mir. 🙂

  • Rabusebamp 30. Oktober 2014, 11:56

    Interessanter Artikel! Da man die Zukunft ja schwer vorhersagen kann, bleibt eigentlich nur, Entwicklungen aus der Vergangenheit heranzuziehen und dafür das in dieser Zeit beste Depot (Anteile Anleihen, Aktien usw.) zusammenzustückeln. Aussagekräftig ist das für die nächsten Jahre natürlich trotzdem nur bedingt.

    Was mich interessieren würde: wenn man schon das Ergebnis des 50-50-Verhältnis hat, müsste es doch eigentlich auch möglich sein, die Ergebnisse für ein fixes 80-20-Verhältnis herauszufinden, oder?

  • Dummerchen 30. Oktober 2014, 12:57

    Schöner Artikel. Dass eine mit dem Lebensalter steigende Aktienquote zu einem geringeren Minimum als in den Alternativmethoden führt, überrascht mich schon ein wenig. So hätte ich zumindest erwartet, dass Kurseinbrüche kurz vor dem Ziel mehr Schaden anrichten. Vermutlich ist aber der “Vorsprung” ggü. den anderen Methoden zu diesem Zeitpunkt bereits so groß, dass dies nicht ausreichend ins Gewicht fällt.

    Eine Antwort auf die Frage nach der jeweils “richtigen” Aktienquote im Portfolio zu finden, ist vermutlich ähnlich schwierig, wie die Frage nach den “richtigen” Gewichtungen innerhalb des Aktienanteils. Das grundlegende Problem ist leider immer der Fakt, dass die Zukunft ungewiss ist und das Optimum (wie auch immer man das definieren mag) nur mit sehr viel Glück erreicht wird. Ich stelle mir daher nicht die Frage, wie ich das Optimum erreichen kann, sondern begnüge mich mit der eher pragmatischen Frage, wie ich möglich wenig falsch machen kann, um trotzdem mein Ziel zu erreichen. Einen wichtigen Aspekt der Geldvermehrung über längere Zeiträume zeigt die Studie dabei sehr schön auf:
    In jungen Jahren, wenn noch nicht so viel Kapital vorhanden ist, spielt die Risikobereitschaft gar nicht so sehr die entscheidende Rolle, wenn es um den Wertzuwachs geht. Hier ist es oftmals viel wichtiger, wie viel Geld monatlich gespart wird. Eine hohe Sparquote wirkt sich viel stärker aus als 1% Mehrrendite. In den letzten Jahren des Sparvorgangs kehrt sich die Sachlage um: Hier ist weniger entscheidend, wie viel neues Geld man dem bereits angesammelten Vermögen hinzufügt, denn der Wertzuwachs (durch Zinsen/Kurssteigerungen/Dividenden) übersteigt dies gerade bei größeren Vermögen um ein Vielfaches. Wer sich die hübschen Zinseszinsdiagramme anschaut (oder eine Berechnung wie diese), kann sehr schön sehen, dass gerade in den letzten 10 Jahren im Depot “die Luzi abgeht” (vgl. “Einzahlungen” und “Zinsgutschriften”). Daraus könnte man natürlich die in der Studie angeregte Allocation über’s Lebensalter ableiten.
    Außer acht gelassen werden aber nicht unwichtige persönliche Faktoren, denn der Modellanleger ist ja zu allen Zeiten gleichermaßen in der Lage zu sparen. Für einen Beamten mag die Unabhängigkeit von der Wirtschaftslage und der Arbeitslosenzahlen zutreffen – andere Berufsgruppen sind viel mehr davon abhängig und sollten daher eine andere Risikotoleranz haben.

    Für mich und meinen inneren Seelenfrieden wäre eine steigende Aktienquote nichts. Im Sinne der von mir angestrebten Minimierung von groben Fehlern, möchte ich persönlich Einbrüche kurz vor dem Ziel vermeiden. Ich bin also auch mit einer fallenden Aktienquote investiert. Aber selbst da gibt es ja noch Variationsmöglichkeiten (90-Alter, 100-Alter, 110-Alter, …). Und ich bin mir vor allem bewußt, dass diese Aktienquote nicht in Stein gemeißelt ist. Sollte (aus welchen Gründen auch immer) in meinem Leben der Punkt erreicht sein, in dem ich mein persönliches Ziel schon früher als erwartet erreiche, so würde ich nicht zögern, die Aktienquote auch schon früher zu reduzieren.

    Mein persönlicher praktischer Rat an alle Neuanleger: In jungen Jahren sollte man es nicht mit der Aktienquote übertreiben – ich würde von Aktienquoten deutlich über 50% eher abraten. So wahnsinnig viel gewinnt man da nicht (s.oben). Viel wichtiger finde ich es, dass man in diesen frühen Jahren der Geldanlage mal einen “hübschen” Crash mit eigenem Geld (also nicht nur auf einem Spieldepot) miterlebt. Ich fürchte, man lernt da viel mehr über sich und seine Risikotoleranz als bei irgendwelchen Psychofragebögen oder Excel-Sheet-Spielereien. Nur der Rückgang im eigenen Depot und der Umgang damit sollte dazu führen, dass man sich erneut mit dem Thema gründlich auseinandersetzt – bitte keine überstürzten Torschlußpanikhandlungen!! Wenn der Crash mal durchgestanden ist, wird der eine erkennen, dass er sich mehr Risiko zutrauen kann, der andere merkt, dass dieser Crash ihm doch mehr zugesetzt hat, als er vorher dachte. Das eine ist nicht besser als das andere – jeder Mensch tickt halt anders. Es geht hier nicht um einen virtuellen Schw§$%&/-Vergleich und nicht der Anleger mit möglichst hoher Aktienquote ist der Held.

  • Christian Kirchner 30. Oktober 2014, 14:20

    Ich kann der Argumentation mit der Risikoaversion nicht folgen. Natürlich ist die Vorstellung nicht schön, kurz vor dem avisierten Laufzeitende mit 80% des Geldes “im Feuer” zu stehen”. Aber da kann ich die “Chips” doch frei nach meiner Wahl eincashen, wenn ich das Risiko heraus nehmen will. Die Sparphase liegt ja dann hinter mir.

    Beim normalen “Glidepath” muss ich als Anleger gleich zu Beginn mit 80% ins Risiko gehen und mich darauf verlassen, dass der Markt auch bei einem raschen Crash das irgendwie für mich erledigt über die kommenden 20-30 Jahre. Die Möglichkeit, das Risiko “subjektiv” rauszunehmen habe ich nicht, ohne mir dramatisch die Renditechancen über die Sparphase hinweg zu nehmen.

    Stellt man einen Anleger vor die Wahl, ob er einen Risikoanteil von 80% jetzt oder in 30 Jahren bevorzugen würde, wäre ich verführt zu glauben, dass die allermeisten Anleger die 80% in 30 Jahren vorziehen würden und sich mit 20% plus graduell ansteigen wohler fühlen würden.

    Unterstellen wir ferner, dass die mangelnde Disziplin unser größter Feind ist und man stets den Abbruch der Veranstaltung vor Augen haben muss, weil man doch an’s Geld will, ist das auch ein Argument, dass der inverse Glidepath besser ist, während der normale die “Risikobereitschaft” erfordert, das Geld wirklich 30 Jahre entbehren zu müssen, damit es funzt. Immer den Worst Case vor Augen, dass es schon binnen der ersten 5-10 Jahre rappeln könnte, und den haben letztlich viele vor Augen.

    • Dummerchen 30. Oktober 2014, 15:23

      “Natürlich ist die Vorstellung nicht schön, kurz vor dem avisierten Laufzeitende mit 80% des Geldes “im Feuer” zu stehen”. Aber da kann ich die “Chips” doch frei nach meiner Wahl eincashen, wenn ich das Risiko heraus nehmen will.”
      Wann? Kurz bevor 80% dem Crash ausgesetzt gewesen wären? Ich vermute mal nicht, dass Du an Markettiming glaubst.
      Oder danach? Die meisten wollen/müssen das Ersparte genau in diesem Moment (zumindest teilweise) verwenden, um die Rente aufzustocken. Ein größerer Verkauf von Aktienanteilen im Börsentief erscheint mir eher suboptimal.

      “Beim normalen “Glidepath” muss ich als Anleger gleich zu Beginn mit 80% ins Risiko gehen und mich darauf verlassen, dass der Markt auch bei einem raschen Crash das irgendwie für mich erledigt über die kommenden 20-30 Jahre. Die Möglichkeit, das Risiko “subjektiv” rauszunehmen habe ich nicht, ohne mir dramatisch die Renditechancen über die Sparphase hinweg zu nehmen. “
      Der zweite Satz gilt doch wohl für jede Verlaufsform der Asset-Allocation, ob Glidepath, inverser Glidepath oder fixe Allokation: Ohne Risiko keine Renditechance. Oder welchen Aspekt übersehe ich hier, der beim inversen Glidepath anders wäre?
      (Mal abgesehen davon, dass man nicht mit 80% starten muss, sondern auch erstmal die ersten Anlegerjahre nutzen kann, um sein maximales Risikomaß für sich selbst herauszufinden.)

      Ach ja, teilweise Zustimmung zu Deinem abschließenden Fazit: Wer nicht die Disziplin hat, eine Aktienanlage auch durchzuhalten, wenn es an den Börsen mal rappelt, sollte tatsächlich die Finger von Aktien lassen. In wie fern der inverse Glidepath in einem Börsencrash nach 20 oder mehr Jahren da aber eine größere Hilfe wäre, ist mir schleierhaft. Beim “normalen” Glidepath reduziert man die Auswirkungen von Crashs in späteren Jahren, beim inversen macht der steigende Aktienanteil die Lage nur noch schlimmer.

  • Edmund 30. Oktober 2014, 17:45

    Was spricht gegen ein 100%-Aktien-ETF-Weltportfolio eines schuldenfreien Rentners mit Eigenheim und Rücklagen (Tagesgeld), dessen Rente zum Lebensunterhalt reicht, wenn er nur Nettoerträge verbrauchen und das Kapital (ETF-Anteile) an seine Kinder vererben will?
    Dem können die Wertschwankungen seiner ETF-Anteile doch genauso egal sein, wie die seines Eigenheims. Zumal er langfristig mit einer guten Wertsteigerung seiner ETF-Anteile rechnen kann.

    • Tom 1. November 2014, 11:28

      @Edmund: Man sollte sich immer das gesamte Vermögen anschauen. Wenn du ein Haus für 200.000 Euro und ETFs für 100.000 Euro besitzt, hast du nicht 100 % deines Vermögens in Aktien investiert sondern lediglich 33%. Wenn du deine Renteneinnahmen und dein Tagesgeld hinzurechnest, ist es sogar noch weniger. Du setzt folglich nicht alles auf eine Karte.

  • Holger Grethe 30. Oktober 2014, 22:18

    Vielen Dank an alle Kommentatoren für die anregende Diskussion!

    @Christian Kirchner: Das hohe Risiko nach hinten zu schieben, mag ein verlockender Gedanke sein. Mit abnehmendem Humankapital, also der Fähigkeit durch Arbeit Einkommen zu erwirtschaften, steigt jedoch die Abhängigkeit von Kapitaleinkünften. Das dürfte die Risikotoleranz eines angehenden Ruheständlers nach meinem Verständnis eher verringern als erhöhen.

    @Edmund: Gegen das beschriebene Prozedere ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Wer in der Entsparphase nicht auf Kapitalverzehr angewiesen ist, kann voll auf Aktien setzen. Die Mehrheit der Anleger dürfte allerdings nicht so gut situiert sein, um auf Kapitalverzehr verzichten zu können.

    • Edmund 30. Oktober 2014, 23:59

      Das ist wohl auch eine Frage des angewöhnten bzw. angestrebten Lebensstandards. Wer während des Berufslebens wegen Eigenheimfinanzierung, Studiumfinanzierung der Kinder und eigene Vermögensbildung gewohnt war, mit wenig Geld für den eigenen Konsum auszukommen, wird das wahrscheinlich auch weiterhin.

  • Tim 30. Oktober 2014, 22:55

    Da hab ich doch vor kurzem schon einen interessanten Artikel dazu gelesen:
    http://multifactorworld.com/Lists/Posts/Post.aspx?ID=148

    • Dummerchen 31. Oktober 2014, 16:16

      Hallo Tim,
      bist Du sicher, dass da das gleiche Thema behandelt wird? Ich kenne Wade Pfau’s Untersuchungen auch ein wenig und bin mir fast sicher, dass es um die Asset Allocation während der Rentenbezugsphase geht. Ein rising glidepath dort bedeutet, dass zum Zeitpunkt des Wechsels zwischen Spar- und Entsparphase (üblicherweise: Renteneintritt), der Aktienanteil gering ist und während des Rentnerdaseins steigt. Wade Pfau ist, soweit ich das einschätzen kann, eher ein Befürworter einer U- bzw. V-förmigen Asset-Allocation, also ein sinkender Aktienanteil in der Sparphase mit anschließendem Anstieg in der Entsparphase.
      Meiner bescheidenen Meinung nach passt das nur bedingt in die Diskussion über steigende/fallende Aktienanteile in der Ansparphase.
      Liebe Grüße
      Dummerchen

  • Christian Kirchner 31. Oktober 2014, 14:25

    Das “hohe Risiko am Ende”, von dem wir hier reden, unterscheidet sich doch von dem “hohen Risiko zu Beginn”: Am Anfang steht mein Einsatz auf dem Spiel, am Ende mein Einsatz plus der bis dahin mit hoher Wahrscheinlichkeit erwirtschaftete Ertrag. Der Rückfall am Beginn hat weit reichendere Folgen als am Ende. Das ist doch genau das Ergebnis der Studie – kann daher das Argument nicht ganz nachvollziehen, dass es problematisch sei, Risiko am Ende zu tragen. Vor die Wahl gestellt, ob ich Risiko lieber mit 100.000 Euro jetzt oder mit 200.000 in 20 Jahren trage, was wähle ich wohl?

    Sei es drum, worüber man natürlich auch sehr scharf nachdenken muss ist die Frage, was die extremen Niedrigzinsen für alle möglichen Allokationen und Pfade bedeuten. Denn der festverzinsliche Anteil kann 1) zwischenzeitliche Verluste selbst kaum noch aufholen wie früher und 2) liefert womöglich nicht mehr die gewünschte Diversifikation, weil durchaus denkbar ist, dass Anleihen und Aktien zugleich über einen langen Zeitraum (oder am Anfang oder am Ende) der Betrachtungsperiode fallen.

    • Finanzfan 31. Oktober 2014, 14:32

      Ganz genau! Und ein dickes Stück “Wie man’s macht, ist es verkehrt” schwingt da natürlich auch mit. 🙂

    • Dummerchen 31. Oktober 2014, 16:50

      Sorry, Christian, ich kapier’s nicht – könnte natürlich daran liegen, dass ich blond bin ;-):

      Wenn ich heute 1000 ETF-Anteile besitze, die einen Wert von 100 Euro haben und morgen halbieren sich die Wertanteile, dann ist das das kurzfristige Risiko einer Aktienanlage. Ich persönlich – vielleicht unterscheiden wir uns insbesondere an dem Punkt – glaube fest daran, dass dieser Aktienverlust sich innerhalb der nächsten z.B. 10 Jahre wieder ausgleichen wird und ich sogar von den gefallenen Kursen bei Nachkäufen profitieren kann. Ich habe ja noch ein Humankapital, dass mir laufende Einnahmen beschert. Solange ich die 1000 ETF-Anteile nicht verkaufe, besitze ich noch immer die gleichen Anteile an den Unternehmen wie vor dem Crash. Was Du als “Rückfall” bezeichnest, sehe ich lediglich als Übertreibung der Märkte in die eine Richtung – mit etwas Geduld und einer ruhigen Hand verliere ich hier nicht 50% meines Vermögens. Ich kann die Krise einfach aussitzen, da ich nicht verkaufen muss. Nur wer im Crash tatsächlich verkauft, hat den von Dir beschriebenen Rückfall tatsächlich realisiert.

      Im Gegensatz dazu ist ein Rücksetzer an den Aktienmärkten im Moment des Renteneintritts deutlich unangenehmer:
      1.) Ich habe üblicherweise keine Einnahmequellen, über die ich Aktienanteile nachkaufen könnte und von den gefallenen Preisen profitieren könnte.
      2.) Ich bin vermutlich gezwungen, Aktienanteile zu verkaufen, um mir meine Rente aufzubessern und realisiere damit die Verluste.

      Aus diesem Grund sehe ich es als kritisch an, beim Renteneintritt hochriskant investiert zu sein.

      @Finanzfan: Wenn man die Zukunft kennen würde, würde man es natürlich genau richtig machen können. Da dies nicht der Fall ist, macht man es üblicherweise tatsächlich verkehrt. Die Frage allerdings ist, wie groß die Chancen sind, dass man es total oder nur ein bisschen verkehrt macht.

      LG
      Dummerchen

    • Capri 2. November 2014, 12:37

      So sehe ich das auch @ Dummerchen.

  • Paulchen 6. November 2014, 08:54

    Ich bin jetzt fast 40 Jahre alt und habe für mich eine fixe 50/50-Aufteilung gewählt (Aktien/Anleihen). Dabei bleibt es auch für die nächsten 40 Jahre.

  • Oliver 12. Dezember 2014, 15:13

    Wenn man sich die beschriebene Gewichtung der Aktien anschaut, darf man nicht so eindimensional denken. Es gab durchaus Zeiten, wo Anleihen eine gute Option waren. Die letzten Jahren sind sie keine Option mehr. Ich muss zugeben, dass mir Aktien als Anlageform schon immer äußerst gut gefallen haben, da sie zwei Ertragsmöglichkeiten bieten: 1. Dividende und 2. möglicher Wertzuwachs. Wenn ich also mit 20 in einem der Bluechips investiere und die Erträge immer reinvestiere, dann komme ich wohl nach 40 Jahren auf ein gutes Ergebnis. Voraussetzung ist Diversifizierung. Im Gegensatz zum Blogbetreiber bin ich kein so großer EFT-Fan, weil die jährliche Gebühren kosten – wenn auch nur wenig. Aber wenn ich in eine IBM, Colgate Palmolive oder Coca Cola investiere, kann ich langfristig fast nichts falsch machen. Eine Überlegung, die auch gerne von Versicherungsmaklern angestellt wird: Was ist, wenn ich 80% in Aktien habe und mit 65 habe ich ein ähnliches Szenario wie z.B. 2008? Hier ist aber die Frage: Muss ich tatsächlich die Aktien alle zu dem Zeitpunkt verkaufen? Wohl eher nicht im Normalfall.

    Was mir bei der Betrachtung auch fehlt: Was war denn mein ursprüngliches Ziel mit dem Aktiensparen? Will ich alles bis 75 raushauen und leben? Dafür dann alles entsprechend schnell verkaufen? Bei den meisten glaub ich das nicht.

    Ich habe jetzt nach langer Zeit wieder mit Aktiensparen angefangen. Mein Ziel z.B. ist es, durch angespartes Vermögen so viele Dividendenzahlungen zu bekommen, dass ich meine Ausgaben bestreiten kann und noch einen kleinen Bonus habe. Zugegeben: Durch den Beginn bekomme ich Stand heute nächstes Jahr im Schnitt ohne negative Änderungen erst 50 € / Monat. Von einer Abdeckung kann also keine Rede sein. Aber das Geld benötige ich momentan nicht, da ich sehr gut verdiene und noch einiges weiter ansparen kann. Zusätzlich eben die 50 € Dividenden, die sich zwangsläufig durch weiter gespartes Kapital erhöhen. Das hat man früher natürlich mit Anleihen auch so machen können.

    Die sog. 80/20 – Regel ist für mich persönlich nur eine theoretische Betrachtung. Man kann auch mit anderen Dingen wie Immobilien oder Sachwerten (Kunst/Gold/Briefmarken) durchaus auch ganz gute Ergebnisse erzielen. Es ist eine Entscheidung, die man für sich selber trifft, wie man sein Geld investieren möchte. Das wichtigste in meinen Augen ist aber die Zielsetzung, warum man etwas tut. Erst dann macht es auch wirklich Sinn, konsequent darauf hinzuarbeiten. Alles andere ist zu abstrakt und wird vom Menschen in der Regel nicht weiter verfolgt.

  • Christiane 28. Mai 2015, 12:32

    Sehr interessante Gedanken.
    Mir stellt sich mit meinem Renteneintritt die Frage, wie ich am besten vorgehe. Ein Einmalinvestment von frei gewordenen Geldern in Aktien erscheint mir nicht so günstig, nachdem die Börse ein Allzeithoch erreicht hat. Schrittweises Investieren? Oder spielt Timing in so einem Szenario eben doch eine Rolle.

    Ich werde voraussichtlich einem Szenario von Stiftung Warentest folgen: 100 % des freien Geldes in einen ETF, in dem die dividenstärksten Titel Europas dargestellt. werden.
    Und dann in jedem Jahr so viel entnehmen, wie das Depot/30 (meine erwartete Lebenszeit) wert ist. Das wird manchmal mehr, manchmal weniger sein. Aber da es nicht unbedingt gebraucht wird, ist das ok.

    • Dummerchen 28. Mai 2015, 16:33

      Hallo Christiane,
      eine sehr interessante Frage stellst Du da, die man ohne das restliche Vermögen zu kennen, kaum konkret beantworten kann.

      Da Du allerdings schreibst, dass das anzulegende Geld nicht unbedingt (zum Erfüllen der Grundbedürfnisse?!) benötigt wird, dürfte es aus meiner Sicht dann ruhig in einen Aktien-ETF fließen. Ob dieser nun in die von Dir angesprochenen dividendenstärksten Titel Europas investiert oder in einen breit streuenden MSCI World-Index, ist vermutlich Geschmackssache. Mir wäre die Spezialisierung auf spezielle Werte in Europa zu eingeschränkt, aber das ist meine persönliche Einschätzung.

      Zum Thema Timing: Niemand kennt die Zukunft und die Höchststände von heute sind vielleicht im nächsten Jahr schon wieder längst überholt. Oder auch nicht, aber das weiß man erst im Rückblick. In Tranchen zu investieren ist oftmals emotional einfacher als alles auf einmal in den Markt zu stecken. Ob es auch rational besser ist, scheint mir zumindest fraglich. Wenn der Crash halt erst dann kommt, wenn die letzte Rate investiert wurde, ist es nahezu das gleiche als wenn der Crash unmittelbar nach der Einmalinvestition passiert wäre. Schau Dir vielleicht auch mal Holgers Artikel zum Thema “Timing” an: https://zendepot.de/soll-man-jetzt-noch-der-boerse-einsteigen/

      Den Rat “Depotwert geteilt durch Erwartete Restlebenszeit” jährlich zu entnehmen, halte ich für ein probates Vorgehen. Dabei würde ich mich an den Daten des statistischen Bundesamts (destatis) orientieren. Aktuell sollten es ca. 22 Jahre sein. Der Wert ändert sich ja mit jedem vollendeten Lebensjahr und wird, wenn Du mal 80 werden solltest, auf 9 Jahre sinken.

      Lieben Gruß,
      Dummerchen

      PS: Wenn Vererben keine Rolle spielt, kann auch eine Anlage in eine Sofortrente ein mögliches (und konservativeres) Investment sein.

  • Jojo 9. Oktober 2015, 23:12

    Hallo!

    Die Analyse verfehlt leider den wesentlichen Punkt, den die Studie anscheinend auch nicht beachtet. Bzw wird nicht ausdrücklich gesagt, was die Ursache für die Ergebnisse war.
    Das Vermögen wächst nur durch die Sparquote linear an. Das heißt die ersten 10 Jahre hantiere ich mit 1-10 tausend Euro, am Ende mit 30-40 tausend.
    Traditionelle Vorgehensweise : kleine Beträge in Aktien – große Beträge in Anleihen.

    Inverse: kleine Beträge in Anleihen – große Beträge in Aktien.

    Die Studie sagt somit nur aus, dass es sich in den letzten 100+ Jahren immer gelohnt hat mit maximalen Beträgen ausreichend lang an der Börse zu sein.
    Wenn wir 100+ Jahre wirtschaftlichen Aufschwung haben ist es natürlich sexier 10 Jahre mit 40.000 eigenen Einzahlungen voll in Aktien zu sein als 10 Jahre mit den ersten 1-10k.

    Eine gute Aussage ist, dass es in den letzten Jahren STATISTISCH Wurst ist ob man in die Krise kommt, Hauptsache man hat immer gut Gas gegeben.
    Die Hälfte von 200.000 ist eben mehr als das doppelte von 40.000

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