Passiv Investieren (Teil 1) – Die Philosophie

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Im ersten Teil der Serie erfährst du, welche Ideen und Überlegungen der Passiven Anlagestrategie zugrunde liegen.

Die Lesezeit für diesen Artikel beträgt ca. 12 Minuten.

Vorweg ein paar Synonyme für Passives Investieren, auf die du bei eigenen Recherchen vermutlich stoßen wirst:

Passiv Anlegen, Indexorientiertes Anlegen, Indexing, Index Investing.

Alle diese Begriffe meinen letztlich ein und dasselbe.

Die Idee

Die Theorie des Passiven Investierens basiert im Kern darauf, alle Aktien im Markt, sprich: den Markt im Ganzen, zu besitzen.

Da man praktisch gesehen nicht alle Aktien, die es gibt, besitzen kann, investiert man in die Aktien, die den Markt so gut wie möglich repräsentieren. Diese Aktien sind in Börsenindizes enthalten.

Eine Investition in Indizes ist durch den Kauf von Indexfonds oder ETFs (engl. Exchange Traded Funds – werden in Teil 2 dieser Serie erklärt) möglich.

Geschieht dies mit der Absicht, diese langfristig zu halten (engl. buy-and-hold), handelt es sich um Passives Investieren.

Die Grundidee ist also ganz einfach.

Die Philosophie des Passiven Anlegens beruht auf diesen Prinzipien:

  • Einfachheit
  • Langfristigkeit
  • Risikominimierung
  • Kostenminimierung
  • Eigenverantwortung
  • Bescheidenheit

Einfachheit

Einfachheit ist der Schlüssel zum finanziellen Erfolg. Komplexe Ansätze sind kontraproduktiv, denn sie führen schnell dazu, beim Investieren den Überblick zu verlieren.

Einfache Prinzipien lassen sich leichter verinnerlichen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man ihnen treu bleibt. Auch und gerade dann, wenn es mal nicht so gut läuft an der Börse.

„Das unnachgiebige Streben nach unrealistischer Performance, durch kostenintensive kurzfristige Strategien, lenkt von einem der wichtigsten Geheimnisse erfolgreichen Investierens ab: der Einfachheit.“

– John Bogle

Langfristigkeit

Zwei Gründe sprechen für einen langfristigen Anlagehorizont: der Zineszinseffekt und das spekulative Element.

Spekulation

Langfristig gesehen hat Spekulation keinen Einfluss auf die Renditeentwicklung von Aktien, weder positiv noch negativ. Denn Spekulation kann sich nicht ewig aus sich selbst heraus nähren (eine Idee, die allerdings kaum totzukriegen ist).

Es ist das Wirtschaftswachstum und nicht etwa Spekulation, das langfristig zu steigenden Börsenkursen führt. Grundlage des Wirtschaftswachstums sind Produktivitätssteigerungen, welche zu höheren Unternehmensgewinnen führen.

Diese Unternehmensgewinne werden in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Aktienrendite basiert im Wesentlichen auf steigenden Dividendenzahlungen von florierenden Unternehmen.

Über einen Zeitraum von 25+ Jahren entspricht die Rendite von Aktien mehr oder weniger ihrer langfristigen Durchschnittsrendite, welche in der Vergangenheit bei ca. 5-6% (inflationsbereinigt) lag.

Betrachtet man kurze Zeiträume von wenigen Jahren, kann die Aktienrendite erheblich von ihrem langfristigen Durchschnittswert abweichen. Nach oben wie nach unten.

Hauptgrund für diese unvorhersehbaren Ausschläge ist die Spekulation, die an den Aktienmärkten für Über- und Untertreibungen sorgt.

Zinseszinseffekt

Wer auf lange Sicht investiert, nutzt zudem einen mächtigen Hebel: die Zeit. Legt man die ausgeschütteten Dividenden wieder an, wirkt sich der Zinseszinseffekt umso stärker aus, je länger die Anlagedauer ist.

Es spricht also viel dafür, langfristig zu investieren statt kurzfristig zu spekulieren.

„Der Aktienmarkt ist – kurzfristig betrachtet – faszinierend und irreführend. Auf lange Sicht, ist der Markt nahezu langweilig zuverlässig und vorhersagbar.“

– Charles D. Ellis

Risikominimierung

Beim Investieren an der Börse begegnen uns unterschiedliche Risiken, die wir nur zum Teil meiden können.

Es ist daher wichtig zu erkennen, welche Risiken überhaupt eine Rolle spielen und dann diejenigen zu minimieren, auf die wir Einfluss nehmen können.

Im Wesentlichen sind Aktienkäufer drei Arten von Risiko ausgesetzt:

1. Marktrisiko (unspezifisches Risiko)
2. Risiko von Aktiengruppen (spezifisches Risiko)
3. Risiko von einzelnen Aktien (spezifisches Risiko)
 

Unspezifische und spezifische Risiken bei der Anlage in Aktien

Legende:
Beispielhafte Kategorisierung des gesamten Aktienmarkts nach ausgewählten Regionen und Branchen.
JAP = Japan
EM = Emerging Markets (Schwellenländer, z.B. China, Indien, Brasilien)

Während das Aktienmarktrisiko ein unspezifisches Risiko ist, das alle Aktien einschließt, sind mit der Investition in Aktiengruppen (z.B. Regionen oder Branchen) und Einzelaktien spezifische Risiken verbunden.

Was bedeutet das?

Spezifisches Risiko

Betrachten wir zum Beispiel die Aktie eines Pharmaunternehmens XY. Dieses muss ein Medikament vom Markt nehmen, nachdem bei einigen Patienten plötzlich tödliche Nebenwirkungen aufgetreten waren.

Der Aktienkurs des Unternehmens wird nach Bekanntwerden der tragischen Vorfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit fallen, denn mit dem Rückzug des Medikaments gehen dem Unternehmen Einnahmen verloren, was sich negativ auf die Firmenbilanz auswirken wird.

Werden die Aktienkurse von anderen Pharmaherstellern auch leiden? Vermutlich nicht. Genauso wenig wie die Aktien von Unternehmen aus anderen Branchen, wie zum Beispiel Banken oder Energieversorger.

Es ist das spezifische Risiko der Aktie des Pharmakonzerns XY, das in diesem Fall zum Tragen kommt.

Unspezifisches Risiko

Ein globaler Börsencrash hingegen betrifft die Aktien in allen Branchen und Regionen, unabhängig davon ob sie mit dem Auslöser des Crashs in Verbindung stehen oder nicht.

Das ist das unspezifische Risiko des Aktienmarkts, dessen Entwicklung wir nicht voraussehen oder beeinflussen können.

Unser Gesamtrisiko bei der Investition in Aktien ist die Summe aus dem unspezifischen Risiko und den spezifischen Risiken.

Gesamtrisiko = unspezifisches Risiko (Aktienmarkt) + spezifische Risiken (Aktiengruppen und Einzelaktien)

Diversifikation

Während das Marktrisiko nicht zu umgehen ist, können wir die beiden spezifischen Risiken dadurch eliminieren, indem wir unsere Investitionen möglichst breit streuen (diversifizieren).

Die größtmögliche Streuung erreichen wir, wenn wir durch die Investition in breit angelegte Indexfonds einfach den gesamten Aktienmarkt kaufen und darauf verzichten, gesondert in bestimmte Aktiengruppen oder einzelne Aktien zu investieren.

Risikoprämie

Das Marktrisiko ist zwar unvermeidbar, aber als Anleger bekommen wir zum Ausgleich eine Risikoprämie (engl. Equity Risk Premium), denn wir werden mit der höchsten Rendite unter allen Anlageklassen belohnt.

Anders verhält es sich bei den spezifischen Risiken. Da sich diese durch Diversifikation umgehen lassen, bekommen wir keine zusätzliche Risikoprämie, wenn wir sie in Kauf nehmen.

Warum sollten wir dann also dieses unnötige Risiko tragen und in einzelne Aktien investieren?

„Intelligenz ist die Macht der Anpassung an das Risiko.“

– John G. Bennett

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Kostenminimierung

Das Ziel beim Investieren sollte darin bestehen, bei minimalem Risiko den größtmöglichen Anteil der Marktrendite zu realisieren.

Dieser Anteil muss zwangsläufig immer unter 100 Prozent liegen, denn wir können unser Wertpapierdepot nicht völlig ohne Kosten führen.

Aber wir können und sollten auf diese Kosten achten und versuchen, sie so gering wie möglich zu halten.

Denn je größer die Lücke zwischen der Marktrendite und unserer tatsächlich realisierten Rendite ist, desto stärker wirkt sich dies über den Zinseszinseffekt auf das langfristige Ergebnis aus.

ETF vs. aktiv gemanagter Fonds

Wie sich dies langfristig auf die Höhe des Vermögens auswirkt, zeigt ein beispielhafter Vergleich zwischen der Anlage in einem ETF und einem aktiv gemanagten Fonds:

ETFs vs. aktiv gemanagte Fonds

Legende:
Für den Aktienmarkt (blaue Kurve) wird über einen Zeitraum von 35 Jahren eine durchschnittliche Real-Rendite (inflationsbereinigt) von 6% pro Jahr angenommen.
 
Tamara investiert im gleichen Zeitraum jeden Monat 250€ in einen ETF (engl. Exchange Traded Fund = börsengehandelter Indexfonds; orange Kurve), der durchschnittlich 6% Rendite pro Jahr erwirtschaftet. Abzüglich der Kosten in Höhe von 0,6% liegt die Nettorendite des ETFs bei 5,4% pro Jahr.
 
Sophie-Luise investiert 35 Jahre lang jeden Monat 250€ in einen aktiv gemanagten Aktienfonds (schwarze Kurve), der trotz eines charismatischen Fondsmanagers ebenfalls „nur“ 6% Rendite erzielt. Abzüglich der Kosten in Höhe von 2,0% liegt die Nettorendite des aktiv gemanagten Fonds bei 4% pro Jahr.
 
Durch den Zinseszinseffekt wirkt sich allein die Differenz der Nettorenditen in Höhe von 1,4% (5,4% vs. 4,0%) dramatisch auf das Vermögen der beiden Anlegerinnen aus.
 
Nach 30 Jahren erreicht Tamara mit ihrem ETF immerhin 90% der theoretisch möglichen Marktrendite, Sophie-Luise mit ihrem aktiv gemanagten Fonds hingegen nur 71%.
 
In Euro ausgedrückt: Tamara darf sich über 213.565€ freuen, Sophie-Luise nur über 168.255€. Im Vergleich zu Tamara fällt ihr Vermögen um gut 45.000€ kleiner aus.
 
Bei einer Anlagedauer von 35 Jahren ist der Unterschied noch eklatanter und beträgt mehr als 73.000€.

Je länger die Anlagedauer, umso drastischer reduzieren Kosten bei gleicher Rendite das Vermögen.

Anmerkung: in der Praxis fallen die Kosten- und damit Renditedifferenzen zwischen aktiv gemanagten Fonds und ETFs häufig noch viel größer aus. Warum ETFs so kosteneffizient sind, erfährst du im zweiten Teil dieser Serie.

Eigenverantwortung

Um erfolgreich zu investieren braucht es aus meiner Sicht keine außergewöhnlichen Fähigkeiten oder besondere Intelligenz.

Entscheidend ist, eine Anlagestrategie zu wählen, mit der man sich wohl fühlt und der man bis zum Ende treu bleibt.

Sich fürs Passive Investieren als Anlagestrategie zu entscheiden, ist selbstverständlich ein aktiver Prozess.

Nur du allein kannst entscheiden, ob es die richtige Strategie für dich ist. Die Verantwortung für diese Entscheidung kann nicht delegiert werden.

„Bezüglich seiner Bedürfnisse ist sich jeder Investor selbst sein bester Experte. Zu wenig Anleger nehmen diese Rolle an und glauben, Anlageberater wüssten diesbezüglich mehr.“

– Charles D. Ellis

Bescheidenheit

Passiv Anlegen könnte man auch als „Ego-loses“ Investieren bezeichnen. Man ist zufrieden mit dem, was der Markt hergibt und versucht nicht, besser als andere zu sein.

Das führt paradoxerweise dazu, dass man am Ende besser dasteht als die meisten Anleger, die sich aktiv darum bemühen, „den Markt zu schlagen“.

Im Fluss

Bildlich gesprochen schwimmen Passivanleger mit ihrem Kanu im Fluss des Aktienmarkts mit, paddeln aber nicht selbst, sondern lassen sich in der Flussmitte im Strom treiben, um ans Ziel zu kommen.

Sie verzichten darauf, irgendwelche Stromschnellen zu entdecken, die sie vermeintlich schneller vorankommen lassen.

Hin und wieder sehen sie andere Kanuten hektisch an ihnen vorbei paddeln, ihre eigenen Paddel rühren sie aber trotzdem nicht an. Denn sie wissen, dass die meisten der hektischen Paddler am Ende doch hinter ihnen ins Ziel kommen werden.

Einfach nur sitzen

Um passiv zu investieren braucht man Geduld und muss die Kunst des Nichtstuns beherrschen. Was banal klingt, ist für viele Leute ein echtes Problem.

„Das Problem ist nicht der Markt, das Problem sind wir.“

– Charles D. Ellis

Leider ist gerade in schlechten Börsenjahren blinder Aktionismus („Bloss raus aus Aktien, alles verkaufen…!“) viel zu häufig die erste Wahl, auch wenn Abwarten und Nichtstun eindeutig das bessere Ergebnis versprechen.

Wie viele Antibiotika werden bei banalen Erkältungen verschrieben, weil sie von Patienten – übersetzt „die Geduldigen“ (sic!) – vehement eingefordert werden?

Ganz egal, dass Antibiotika nicht gegen Viren helfen. Man muss doch was tun!

Nein, muss man nicht.

Abwarten und Tee trinken ist meistens die bessere Variante. Denn sowohl der menschliche Körper als auch der Aktienmarkt verfügen über ganz erstaunliche Kräfte…

…zur Selbstheilung.

 

Noch einmal die wichtigsten Gedanken im Überblick:
 
# Passiv Investieren beruht auf einem einfachen Konzept: man investiert mit Indexfonds (ETFs) in den gesamten Aktienmarkt.
 
# Man spekuliert nicht, sondern investiert langfristig, also über Zeiträume von 20+ Jahren.
 
# Man minimiert oder eliminiert alle Risiken, die beeinflussbar sind. Das bedeutet praktisch: Einzelaktien werden nicht gekauft.
 
# Man investiert nur in Anlageprodukte mit minimalen Kosten (ETFs), denn Kosten mindern die Rendite und damit das erzielbare Vermögen.
 
# Man übernimmt Verantwortung und entscheidet sich bewusst für eine Passive Anlagestrategie, der man dann treu bleibt.
 
# Wer Passiv Investieren möchte, sollte die Kunst des Nichtstuns beherrschen und darf in schlechten Börsenzeiten nicht in blinden Aktionismus verfallen und alles verkaufen.

 
Wie stehst du zur Idee des passiven Investierens? Hast du schon von dieser Anlagestrategie gehört oder wendest sie bereits selber an? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Zitatquellen und Tipps zum Weiterlesen:
John Bogle – Common Sense on Mutual Funds (*)
Charles D. Ellis – Winning the Loser´s Game (*)
John G. Bennett – Risiko und Freiheit (*)

Kluge Menschen investieren passivMöchtest du lieber hören statt lesen?
Dieser Text (neu überarbeitet) ist Teil meines Hörbuchs Kluge Menschen Investieren Passiv - Die beste Anlagestrategie für alle, die ihr Geld selbst anlegen wollen.  

Bildquelle: „Canoe on River Chitwan“ von Mandy (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0


 
Alle Artikel dieser Serie in der Übersicht
Zum zweiten Teil der Serie – Was sind ETFs? →

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  • Dummerchen 10. Juni 2013, 14:45

    Hallo Holger,
    die von Dir skizzierte Anlagestrategie entspricht ziemlich genau dem von mir praktizierten Vorgehen. Der Name Deiner Homepage „ZENdepot“ wird dem einen oder anderen vielleicht jetzt erst verständlich werden, denn der Gedanke, bei der Geldanlage einfach mal „nichts zu tun“, widerspricht ja ziemlich dem von den Medien gezeichneten Bild des Aktieninvestments.

    In den Medien sieht man (bzw. sah man lange Zeit) hektisch mit den Händen fuchtelnde Parketthändler und jeden Tag erfährt man, warum vermeintlich die Kurse heute wieder gestiegen sind oder auch gefallen sind. Das suggeriert dem unbedarften Aktienneuling ein Bild von einem Anleger, der tagtäglich die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge, die aktuellen Unternehmenszahlen und wer weiß was noch kennen muß.

    Die geradezu gegensätzliche Haltung, all dieses Informationsrauschen bewusst zu ignorieren, und sich auf die Grundtendenz steigender Aktienkurse zu verlassen, bedarf einer inneren Gelassenheit, die die meisten Anleger auch erst lernen müssen. Der innere Antrieb, doch unbedingt handeln zu müssen, weil ja alle anderen auch gerade wie wild Aktien kaufen/verkaufen, ist anfänglich nicht leicht zu überwinden.

    Dies geht wohl am besten, wenn man verstanden hat, warum dieses Handeln insbesondere langfristig eher schädlich ist. (Ich vermute in Teil 3 wirst Du darauf tiefer eingehen.)

    Auch die Einstellung, einen immer nur „mittelmäßigen“ Index zu kaufen und nicht auf die Aktienfonds zu setzen, die in den letzten Jahren ja viel besser als der Index waren, klingt im ersten Moment widersprüchlich. Ich selbst habe lange Zeit auf einen viele Jahrzehnte hervorragend gelaufenen Fonds gesetzt und irgendwann einsehen müssen, dass dies eben nur in der Vergangenheit so war und dass die Sieger von früher (auch bei noch so langer „Siegesserie“) die Verlierer von morgen sein können.

    Man muß sich halt vor Augen führen, dass pro Jahr nicht 50% der aktiv gemanagten Fonds besser sind als der Index. Dies wäre wohl vermutlich der Fall, wenn die laufenden Kosten bei allen Fonds immer gleich hoch wären. Da Indexfonds aber deutlich geringere laufende Kosten haben, sind jedes Jahr wohl nur etwa 25%-30% der aktiven Fonds besser als der Index und dementsprechend mehr als 70% schlechter.

    Und in jedem Jahr werden die Karten neu gemischt und ein anderer Fondsmanager schafft es, den Index zu schlagen. Betrachtet man längere Zeiträume von z.B. 5 Jahren, so sinkt die Quote der „Besseren“ jedoch immer weiter und (soweit ich mich erinnere) unter 5-10%. Mit diesem Hintergrundwissen ist ein Index plötzlich ein „sicherer Topperformer“!

    Das bisherige Schweigen in den Kommentaren ist wohl auf die Erwartung von mehr Details zurück zu führen – mit etwas mehr „Butter bei die Fische“ werden wohl einige (hoffentlich auch kritische) Fragen auftauchen. Bin auf jeden Fall auch auf mehr Details gespannt – noch ein Grund sich auf den Freitag zu freuen ;-)!

    • Holger Grethe 10. Juni 2013, 15:51

      Hallo Dummerchen,

      vielen Dank für deinen – wie immer – brillanten Kommentar! Wenn ich mal nicht mehr weiß, was ich hier schreiben soll, lasse ich einfach dich ans Ruder. 🙂

      Wie richtig von dir vermutet, werde ich in Teil 3 umfassend auf die Motive eingehen, die Leute entgegen allen Gesetzen von Logik und Wahrscheinlichkeit dazu bringen, aktive Anlagestrategien zu verfolgen…

      Das bisherige „Schweigen in den Kommentaren“ führe ich einfach mal auf das verhältnismäßig gute Wetter der letzten Tage zurück. Als der Artikel letzten Freitag online ging, dachte ich mir schon:

      Sonne, blauer Himmel, 25°C… da wollen bestimmt ganz viele Leute einen 1.800-Wörter-Artikel über Börsen-Anlagestrategien lesen… 😉

  • Dennis Sievers 6. September 2013, 13:28

    Hallo Holger,

    als erstes muss ich sagen, dass dieses Thema KOMPLETT neu für mich ist. Und ich schon beim lesen des ersten Teils ein wenig brainfucked bin. Ich meine damit nicht, dass ich es nicht verstanden habe, aber das ist ein haufen von neuen Infos, die ich erstmal verarbeiten muss.

    Verständlich hast du es auf jeden fall formuliert. Ich habe auch immer gedacht, wenn ich von der Börse gehört habe, das man dann immer auf das richtige Pferd setzen muss um daraus Gewinne schöpfen zu können. Aber die von dir vorgestellte Taktik der ETFs ist sehr interessant. Vor allem, weil man nicht dem Geld hinterherjagen muss, sondern es kommt ganz einfach und von selbst zu einem zurück.

    Ich werde mich dann weiter machen am lesen der weiteren Teile. Ich wollte hiermit nur das erste Feedback zu diesem Teil schreiben

    Beste Grüße,
    Dennis

    • Holger Grethe 6. September 2013, 15:11

      Vielen Dank für dein Feedback, Dennis!

      Ich habe auch immer gedacht, wenn ich von der Börse gehört habe, das man dann immer auf das richtige Pferd setzen muss um daraus Gewinne schöpfen zu können.

      Genau das denken die meisten Leute, probieren es aus und sind dann früher oder später frustriert von der Börse, weil es aus den beschriebenen Gründen nicht funktioniert. Dabei geht es viel einfacher…

  • RolfP 23. Juni 2015, 16:58

    Hallo,
    ich habe Ihren Artikel mit Interesse gelesen. Als mittlerweile 68 -jähriger, habe ich all die Fehler gemacht, die man in einem langen Anlegerleben macht, umgeben von sog .“Beratern“, die immer nur mein Bestes wollten, nämlich mein Geld. Hin und wieder habe ich natürlich auch mal was richtig gemacht, was aber dann meistens aus meinem „Mist“ gewachsen war.
    Mittlerweile bin ich bei Festgeldern gelandet, mehr oder weniger unzufrieden und auf der

    Suche nach einer neuen Strategie.
    Länger denke ich schon über ETF nach und Ihr Begriff vom passiven Investieren ist schlüssig und nachvollziehbar. Einzig der darin beschriebene Anlagehorizon von 20+ Jahren gefällt mir nicht, aus sicherlich verständlichen Gründen.
    Heißt das, dass Sie mir bei kürzerer Anlagedauer ETF nicht empfehlen?

    Beste Grüße RolfP

  • Malte 25. Februar 2016, 06:12

    Sehr geehrter Herr Grethe

    Erst einmal vielen Dank für diesen wirklich interessanten Einstieg und die einfach Formulierung. Obwohl ich mich mit dem Thema bisher nicht wirklich beschäftigt habe und aus diesem Grund auch noch nicht allzu viel Wissen darüber besitze, konnte ich den Ausführungen sehr gut folgen und freue mich nun auf die anderen Artikel.

    Eine Frage ergibt sich für mich jedoch aus den Kommentaren:
    Der letzte Kommentator, RolfP, hat einen interessanten Einwand gebracht auf den Sie bisher (zumindest nicht sichtbar) noch nicht geantwortet haben. Lohnt sich die Strategie in ETF´s zu investieren tatsächlich nur für Anlagehorizonte von 20+ Jahren?
    Bei einr inflationsbereinigtem Rendite von 5-6% kann man doch auch durchaus im mittelfristigen Anlagehorizont agieren, oder nicht?

    Bin gespannt auf Ihr Statement und werde mir nun mit Genuss die weiteren Artikel durchlesen.

    Mit besten Grüßen
    Malte

    • Holger Grethe 26. Februar 2016, 17:38

      Hallo Malte,

      „Bei einer inflationsbereinigtem Rendite von 5-6% kann man doch auch durchaus im mittelfristigen Anlagehorizont agieren, oder nicht?“

      Die 5-6% sind die langfristige Durchschnittsrendite des Aktienmarkts (der letzten 200 Jahre). Bedeutet: Je kürzer der Anlagezeitraum ist, desto größer fallen die Abweichungen von dieser Durchschnittsrendite in beide Richtungen aus.

      Anschaulich erklärt ist dieser Zusammenhang hier:
      https://zendepot.de/aufmunternde-worte-in-schlechten-boersenzeiten/