Passiv Investieren (Teil 2) – Was sind ETFs?

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Im zweiten Teil der Serie erfährst du alles Wesentliche über die Anlageobjekte des Passiven Investierens:

Börsengehandelte Indexfonds – im Englischen als Exchange Traded Funds oder ETFs bezeichnet.

Für diesen Artikel (inkl. Screencast) benötigst du ca. 8 Minuten.

Kurze Geschichte der Indexfonds

Der erste Indexfonds wurde 1971 von der Wells Fargo Bank aufgelegt und war nur institutionellen Händlern zugänglich.

1975 gründeten John Bogle und Burton Malkiel die Investmentgesellschaft Vanguard, die ein Jahr später mit dem Vanguard S&P500 den ersten Indexfonds für Privatanleger etablierte.

Seit April 2000 kann auch in Deutschland in ETFs investiert werden.

Was sind Indexfonds (ETFs)?

Im folgenden Screencast erkläre ich, worum es sich bei ETFs handelt und was sie von klassischen Investmentfonds unterscheidet:

Was gegen klassische Investmentfonds spricht

Die Kernaussage des Videos ist: in aktiv gemanagte Aktienfonds zu investieren, lohnt sich nicht.

Lässt sich diese Behauptung auch beweisen?

Die Tatsache, dass aktiv gemanagte Investmentfonds nur im Ausnahmefall eine (nennenswerte) Überrendite bezogen auf ihren Vergleichsindex erzielen, ist vielfach belegt, aber noch immer nicht allzu bekannt.

In einer Studie des Finanzdienstleisters GECAM wurde die Entwicklung von insgesamt 9.428 in Europa zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds untersucht. Das Ergebnis:

„Da weniger als ein Viertel der von uns untersuchten Fonds den jeweiligen Vergleichsindex schlägt, wäre ein Großteil der darin investierten Anleger mit einem Indexprodukt besser gefahren.“

Dabei wurde nur die Wertentwicklung während der vergangenen drei Jahre betrachtet. Man kann sicher davon ausgehen, dass über längere Zeiträume noch weniger Fonds in der Lage sind, ihren Vergleichsindex zu schlagen.

Das Hauptproblem für den Anleger besteht darin, einen „Sieger-Fonds“ auszuwählen und keine „Niete“ zu ziehen. Denn einige aktiv gemanagte Fonds schneiden nicht nur nicht besser, sondern auch deutlich schlechter ab als ihr Vergleichsindex.

Tendenziell gilt: je größer das Fondsvolumen, desto höher die Korrelation mit dem Vergleichsindex und desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Überrendite im Vergleich zum Index.

Es sind also häufig gerade die (vielbeworbenen) Fonds-Klassiker, die offenbar aufgrund ihrer schieren Größe enger am Index „kleben“ und dem Anleger nur selten Mehrwert liefern, aber auf jeden Fall mehr kosten.

Besser also man investiert direkt in den Index – mit einem ETF.

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Transkription des Screencasts

Herzlichen Willkommen zum Screencast mit dem Titel „Was sind ETFs?“.

In diesem Video erfährst du
– worum es sich bei Indexfonds und ETFs handelt,
– was sie von klassischen Investmentfonds unterscheidet und
– welche Vorteile ETFs gegenüber dem Kauf von einzelnen Aktien bieten.

Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund, was mit börsengehandelter Indexfonds übersetzt werden kann.

Doch was ist überhaupt ein Indexfonds?

Ein Börsenindex bildet die Wertentwicklung ausgewählter Wertpapiere ab, z.B. von Aktien oder Anleihen.

Investmentfonds bündeln das Geld vieler Anleger und investieren es in eine Vielzahl von Wertpapieren.

Indexfonds investieren in die Wertpapiere eines bestimmten Index (z.B. in den DAX, den wichtigsten deutschen Aktienindex). Der Wert eines Indexfonds entwickelt sich also in Abhängigkeit vom Verlauf des zugrunde liegenden Index.

Was unterscheidet ETFs von klassischen Investmentfonds?

Das Fondsmanagement eines ETF verfolgt das Ziel, die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index möglichst genau abzubilden. Da der Fondsmanager keine aktiven Anlageentscheidungen trifft, bezeichnet man diesen Managementstil als passiv.

Bei klassischen Fonds versucht das Fondsmanagement hingegen, die Wertentwicklung des Vergleichsindex möglichst deutlich zu übertreffen. Dazu trifft der Fondsmanager aktive Anlageentscheidungen. Er kauft und verkauft also Wertpapiere nach eigenen Kriterien.

Da ETFs ihren Vergleichsindex möglichst genau abbilden sollen, ist eine geringe Abweichung zwischen ETF und Index ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Klassische Fonds wiederum wollen genau das Gegenteil erreichen und ihren Vergleichsindex übertreffen. Die Qualität des Fondsmanagements bemisst sich demnach daran, ob und in welcher Höhe eine Überrendite (auch Outperformance genannt) erwirtschaftet wurde.

ETFs und aktiv gemanagte Fonds unterscheiden sich in einem weiteren wesentlichen Punkt: bei den Kosten.

Bei klassischen Fonds wird beim Kauf von der Fondsgesellschaft häufig ein sog. Ausgabeaufschlag als Vertriebsprovision erhoben. Investiert ein Anleger beispielsweise 100€, erhält er bei einem Fond mit einem Ausgabeaufschlag in Höhe von 5% nur Anteile im Wert von 95€.

Ein Ausgabeaufschlag wird bei ETFs nicht erhoben.

Die Verwaltungsgebühr von ETFs ist im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds gering. ETFs haben i.d.R. eine Kostenquote, auch Total Expense Ratio oder TER genannt, von etwa 0,1-0,7% pro Jahr. Diese liegt bei aktiv gemanagten Fonds hingegen deutlich höher und kann bis über 3% betragen.

Transaktionskosten (also Kosten, die bei Kauf und Verkauf von Wertpapieren anfallen) entstehen dem ETF nur bei Änderungen der Indexzusammenstellung.

Im Vergleich verursachen aktiv gemanagte Fonds durch das häufige Handeln von Wertpapieren höhere Transaktionskosten. Diese werden in der TER nicht berücksichtigt, mindern aber das Fondsvermögen.

Was bedeutet: ein Indexfonds ist „börsengehandelt“?

Anders als bei klassischen Investmentfonds wird der Preis von ETFs fortlaufend berechnet. Damit sind ETFs an der Börse handelbar wie Aktien.

Wer schneidet besser ab, ETFs oder aktiv gemanagte Fonds?

Man kann guten Gewissens sagen, dass die Mehrheit aller Anleger mit ETFs besser fährt.

Zahlreiche Studien belegen: nur die allerwenigsten aktiv gemanagten Aktienfonds schneiden über Zeiträume von mehr als 3 Jahren besser ab als ihr Vergleichsindex.

In jedem Fall aber verursachen sie höhere Kosten. Was rechtfertigt also die Investition in aktive Investmentfonds?

Gibt man sich von vornherein mit der Durchschnittsrendite des Aktienmarkts zufrieden, wird man langfristig deutlich besser abschneiden und damit mehr Vermögen bilden als der Durchschnitt aller Anleger.

Dies hängt wesentlich mit der Kosteneffizienz von ETFs zusammen.

Welche Vorteile bieten ETFs gegenüber der Investition in einzelne Aktien?

Risikostreuung
Bereits mit einem Fondsanteil investieren Anleger mit einem ETF in alle Wertpapiere des zugrunde liegenden Index.

Sollten einzelne Wertpapiere stark an Wert verlieren oder durch eine Pleite des betreffenden Unternehmens sogar wertlos werden, können diese Verluste durch andere Wertpapiere aufgefangen werden, die sich positiv entwickelt haben.

Mit der Investition in einen Fonds erreicht man so automatisch ein gewisses Maß an Risikostreuung (auch Diversifikation genannt).

Geringer Zeitaufwand
Wer langfristig passiv in ein Portfolio mit Indexfonds investiert, braucht im Verlauf nur wenig Zeit für die Depotführung aufzuwenden.

Aufwendige Recherchen sowie der Zwang, ständig Börsennachrichten oder Aktienkurse verfolgen zu müssen, entfallen.

 
Hast du Fragen oder Anmerkungen zu ETFs? Hat dir der Screencast gefallen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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Dieser Text (neu überarbeitet) ist Teil meines Hörbuchs Kluge Menschen Investieren Passiv - Die beste Anlagestrategie für alle, die ihr Geld selbst anlegen wollen.  

 
Alle Artikel dieser Serie in der Übersicht
← Zum ersten Teil der Serie – Die Philosophie
Zum dritten Teil der Serie – Passiv schlägt Aktiv →

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  • Holger Grethe 12. Juli 2013, 20:44

    Ich habe mir fest vorgenommen, beim nächsten Screencast langsamer zu sprechen… 😉

  • Roman 9. August 2013, 21:56

    Super Serie danke! Und bitte nicht langsamer sprechen, das passt genau 🙂

    • Holger Grethe 9. August 2013, 23:03

      Ok, die Geschmäcker sind in Bezug auf das Sprechtempo wohl verschieden…

  • folio 30. Dezember 2013, 14:11

    Hallo Holger,

    gehst du in einem deiner nächsten Beiträge auch auf den Unterschied zwischen physisch replizierenden und synthetischen ETFs ein? (Oder bist du es schon und ich hab’s nicht gefunden)?

    Danke!

    • Holger Grethe 1. Januar 2014, 16:40

      Hallo Folio!

      Da bin ich explizit noch nicht drauf eingegangen, weil das schon eine etwas speziellere Fragestellung ist. Früher oder später wird das Thema vielleicht noch im Blog kommen, auf jeden Fall wird es im Online-Kurs behandelt.

  • Christian Favoccia 26. März 2015, 15:49

    Lieber Holger,
    ein toller Blog, dem ich leider zu wenig folge. Nach einem Jahr haben die ETF auch die Medien und mich erreicht. Darum eine kurze Frage: Wo und wie kaufe ich die ETF am besten? Hausbank? NL oder D? Gibt es irgendwo eine gute Übersicht? Ich finde immer nur Reklame Websites.
    Hoffe die Frage ist nict zu speziell….

    Danke schonmals für deine Antwort.

    • Holger Grethe 27. März 2015, 16:52

      Hi Christian,

      freut mich von dir zu lesen!

      ETFs würde ich bevorzugt über einen Online-Broker kaufen. Wie das Angebot diesbezüglich in den NL aussieht, kann ich leider nicht sagen. Das Depot würde ich in dem Land einrichten, in dem du deinen langfristigen Wohnsitz siehst. Ist letztlich eine Frage der Steuereinfachheit.

      Einen guten ETF-Finder bietet z.B. die Plattform justetf.com. Wichtig ist aber, dass du weißt, wie du mit den ETFs umgehst, damit nicht das hier passiert:
      https://zendepot.de/warum-etfs-nicht-die-loesung-sind/

      Wenn du dich tiefer in das Thema einarbeiten möchtest und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum passiven Investieren suchst, könntest du dir natürlich auch meinen Online-Kurs mal ansehen: zeninvestor-kurs.de 😉

      Viele Grüße
      Holger

    • Christian 28. März 2015, 10:58

      Lieber Holger,

      danke für die Schnelle Antwort. Werde mir sicher deinen Online-Kurs antun.
      Tja, da das Geld auf dem Sparkonto nix mehr abwirft will ich mich doch was weiter bilden.
      Lg
      Christian

  • Uwe 18. Juni 2015, 17:02

    Hallo Holger,
    ich denke, auch als Anfänger schon viel durch dein hervoragendes Coachingtalent gelernt zu haben. Mir ist bei der Recherche nach ETF’s aufgefallen, dass es verhältnismäßig wenige gibt, die bereits länger als 5 Jahre laufen und das bei einem Zeithorizont von ca. 25 Jahren, die wir veranschlagen. Was passiert, wenn ein ETF nach 5 Jahren geschlossen wird, wenn das überhaupt passiert?

  • Jan 13. August 2015, 12:43

    Interessiert mich auch die Frage von Uwe.

  • Philipp 14. Januar 2016, 00:23

    Hallo Holger,

    ebenso wie Jan interessiert mich Uwes Frage sehr. Hast du vielleicht eine Antwort parat?

    Vielen Dank für deinen Blog!

  • Holger Grethe 15. Januar 2016, 09:59

    Ich veröffentliche in wenigen Tagen einen Artikel, in dem ich die Frage beantworte!

  • Stephan 18. August 2016, 09:28

    Zwar schon älter, dennoch eine tolle Serie. Durchlesen lohnt sich in jedem Fall.