Wie erfolgreich sind Privatanleger an der Börse? (Podcast 013)

riesenrad2

Hin und wieder bitten mich Leser, doch einmal über andere Anlagestrategien zu berichten und nicht immer nur über Passives Investieren mit Indexfonds (ETFs).

Dem Wunsch komme ich mit dieser Podcastfolge gerne nach, wobei das Ergebnis meiner Bemühungen vermutlich auf wenig Gegenliebe bei den Verfechtern des aktiven Investierens stoßen wird.

Im Mittelpunkt dieser Episode steht eine Studie aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „The Behaviour of Individual Investors“, übersetzt: Das Verhalten von Privatanlegern.

In 17 Minuten erfährst du unter anderem:

  • wie Kleinanleger im Verhältnis zum Durchschnitt aller Marktteilnehmer abschneiden,
  • warum Frauen an der Börse bessere Ergebnisse erzielen als Männer,
  • welche psychologischen Phänomene Privatanleger zum Handeln bewegen, und
  • welchen Denkfehlern sie beim Investieren zum Opfer fallen.
Hier kannst du die 13. Folge hören

Notizen (Links & Quellenangaben)

 
Gehörst du zur Gruppe der aktiven Anleger? Falls ja, welche Vorteile siehst du im Kauf von einzelnen Aktien? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Transkription des Podcasts

Der Hintergrund zu dieser Folge ist folgender:

Immer wieder melden sich Leser bzw. Hörer, die sagen, ich könnte doch ruhig ein wenig toleranter sein und auch mal etwas über andere (also aktive) Anlagestrategien sagen, außer ständig zu wiederholen, dass diese nicht funktionierten.

Es tut mir leid, dahin gehende Erwartungen auch in dieser Podcastfolge enttäuschen zu müssen, wobei ich betonen will, dass es nicht an meiner Intoleranz liegt, wenn ich Passives Investieren als die vermutlich sinnvollste Anlagestrategie für Privatanleger anpreise.

Es ist nun mal nach allem, was bekannt ist, die für Privatanleger Erfolg versprechendste und gleichzeitig am wenigsten aufwändige Methode, um langfristig mit Wertpapieren Vermögen zu bilden.

Das ist durch unzählige finanzwissenschaftliche Untersuchungen mittlerweile hinreichend belegt und lässt sich nicht wegdiskutieren.

Noch mehr Wasser auf diese Mühlen gießt eine Studie aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „The Behaviour of Individual Investors“, übersetzt: Das Verhalten von Privatanlegern.

Dabei handelt es sich um eine Übersichtsarbeit von Brad Barber von der Universität Kalifornien. Übersichtsarbeit bedeutet, dass Brad Barber eine Reihe von Studien ausgewertet hat, die sich mit dem Verhalten und den Anlageergebnissen von Kleinanlegern befassen.

Dabei fokussiert er sich auf die Gruppe von Kleinanlegern, die in einzelne Aktien investieren, also eine aktive Anlagestrategie verfolgen.

Die Ergebnisse sind hochinteressant, weshalb ich sie in dieser Podcastepisode vorstellen möchte.

Die Arbeit gliedert sich in mehrere Teile und beschäftigt sich unter anderem mit
– der erzielten Rendite
– dem Dispositionseffekt
– dem Phänomen des verstärkenden Lernens
– und der Diversifikation

Die Performance

Im ersten und umfangreichsten Teil der Arbeit geht es um die Performance von Privatanlegern. Also darum, welche Rendite diese mit ihren Aktiendepots erzielen.

Ein paar erklärende Worte vorab:
Am Aktienmarkt steht jedem Kauf ein Verkauf gegenüber, also ein Anleger handelt mit einem anderen Anleger.

Alle Anleger zusammen bilden den Markt. Möchte ein Anleger besser abschneiden als der Markt, muss ein anderer dafür schlechter abschneiden.

Die Tatsache, dass es überdurchschnittlich erfolgreiche Investoren gibt, macht also erforderlich, dass es unterdurchschnittlich erfolgreiche Investoren gibt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, weißt alles darauf hin, dass Kleinanleger zur Gruppe der Investoren gehören, die unterdurchschnittlich abschneiden.

Denn gleich mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Anleger schlechter abschneidet als der Aktienmarkt und dies sowohl vor als auch nach Berücksichtigung von Transaktionskosten. Dabei ist die Bandbreite zwischen erfolglosen und erfolgreichen Anlegern sehr groß.

Man kann auch sehen, dass viele Kleinanleger sehr aktiv sind, also viel kaufen und verkaufen.

In einer etwas älteren Studie für den amerikanischen Markt aus dem Jahr 2000 wurde festgestellt, dass Kleinanleger pro Jahr 3/4 der Wertpapiere in ihrem Depot austauschen. Das entspricht einer durchschnittlichen Haltedauer pro Aktie von 16 Monaten.

Dabei darf man nicht vergessen, dass häufiges Handeln zu höheren Transaktionskosten führt und bei jedem Verkauf mit Gewinn Steuern fällig werden. Daher ist zu erwarten, dass aktive Anleger nach Kosten und Steuern eine geringere Rendite erzielen als buy-and-hold-Anleger.

ZENinvestorLebe aktiv, investiere passiv.
ZENinvestor ist ein Online-Video-Training, das dir Schritt für Schritt zeigt, wie du mit einer passiven Anlagestrategie und Indexfonds (ETFs) ohne Zeitaufwand Vermögen bilden kannst.  

Langfristige Anlageergebnisse

Barber präsentiert dann Studien, welche sich mit den langfristigen Anlageergebnissen von Kleinanlegern beschäftigen.

In einer Untersuchung aus dem Jahr 1999 wurden 10.000 Kunden eines großen Discountbrokers über einen Zeitraum von 6 Jahren beobachtet. Dabei kam heraus, dass Aktien, die von Privatanlegern **gekauft** wurden, sich in den 12 Monaten schlechter entwickelten als die Aktien, welche die Anleger **verkauften**.

Es scheint also, als ob Privatanleger eine Gruppe von Investoren bilden, die systematisch schlechter abschneiden als der Markt, und das sogar **vor** Kosten. Ihre Fähigkeit, die richtigen Aktien auszuwählen scheint eher mäßig ausgeprägt zu sein, was durch häufiges Hin- und Her-Handeln noch verstärkt wird.

In einer Studie aus dem Jahr 2000 wurde eine noch größere Zahl von Privatanlegern analysiert, ganze 78.000 Kunden eines großen Discountbrokers.

In dieser Untersuchung zeigte sich, dass vor allem die Handelskosten dafür sorgten, dass Privatanleger unterdurchschnittlich Anlageergebnisse erzielen. Das eindeutige Ergebnis: je mehr gehandelt wurde, desto geringer die Rendite. Die fleissigsten Hobby-Trader blieben also am weitesten hinter der theoretisch erzielbaren Marktrendite zurück.

Also vermutlich diejenigen, die sich am ehesten zutrauten, die richtigen Kauf- und Verkaufsentscheidungen treffen zu können.

Auch in einer neueren Studie aus Taiwan schnitten Privatanleger im Mittel deutlich schlechter ab als institutionelle Investoren. Als Gründe wurden auch hier die unzureichende Fähigkeit zur Auswahl der richtigen Aktien sowie die Handelsgebühren verantwortlich gemacht.

Privatanleger ist nicht gleich Privatanleger

Doch es gibt große Unterschiede innerhalb der Gruppe der Privatanleger. Es existiert ein Zusammenhang zwischen dem Abschneiden an der Börse und Faktoren wie Erfahrung als Anleger, Intelligenz, Anlagestil und Geschlecht.

Es zeigt sich, dass intelligente Anleger bessere Ergebnisse erzielen als weniger intelligente. Was soweit keine Überraschung ist…Interessant ist, dass intelligente Anleger zwar gute Entscheidungen hinsichtlich der Auswahl der Aktien treffen, der dadurch erzielte Gewinn aber nur dazu reicht, ihre Transaktionskosten zu kompensieren.

Das heißt, selbst die besten Stockpicker schaffen es gerade, die Transaktionskosten wieder einzuspielen, die ihr aktives Handeln erst verursacht.

Sind Frauen die besseren Anleger?

Fehlen darf an dieser Stelle auch nicht der Vergleich der Geschlechter. Es geht um die Frage: wer investiert besser – Männer oder Frauen?

In einer Studie wurden die Ergebnisse (sprich: die Nettorendite) von weiblichen mit denen von männlichen Anlegern verglichen.

Das Ergebnis:
Männer neigen eher zu überzogenem Selbstbewusstsein als Frauen, handeln dementsprechend häufiger und schneiden genau deswegen schlechter ab. Genau genommen schneiden Männer UND Frauen schlecht ab, aber die Männer eben noch schlechter als die Frauen.

Verglichen mit Männern sind Frauen also die erfolgreicheren Anleger. Der Unterschied lässt dabei im Wesentlichen auf den Umstand zurückführen, dass Männer aggressiver, also häufiger handeln als Frauen.

Vor Kosten trafen beide Geschlechter gleich gute bzw. schlechte Entscheidungen, was die Auswahl der Aktien anbelangt, aber die höheren Kosten der Männer lassen die Frauen im direkten Vergleich als Sieger dastehen.

ZENinvestorLebe aktiv, investiere passiv.
ZENinvestor ist ein Online-Video-Training, das dir Schritt für Schritt zeigt, wie du mit einer passiven Anlagestrategie und Indexfonds (ETFs) ohne Zeitaufwand Vermögen bilden kannst.  

Warum schneiden Privatanleger so schlecht ab?

An dieser Stelle fällt mir eine Szene aus dem Film „Master of the Universe“, ein Dokumentarfilm über die Schattenseiten des Investmentbankings, ein. Sinngemäß sagt der Protagonist des Films, der ehemalige Investmentbanker Rainer Voss an einer Stelle im Film:

Ist ja kein Geheimnis, dass an der Börse die Kleinanleger immer verlieren

Und das scheint wirklich so zu sein…

Nimmt man alle Studien zusammen, dann ist die Quintessenz, dass aktiv handelnde Privatanleger im Mittel schlechte Ergebnisse erzielen als der Marktdurchschnitt und mit der Investition in einen kostenarmen Indexfonds besser fahren würden.

Angesichts der Tatsache, dass die Fähigkeit zur Auswahl von Aktien eher dürftige Ergebnisse produziert, kann man sich natürlich fragen, warum Kleinanleger so viel handeln?

Warum investieren sie in einzelne Aktien, wenn die Investition in Indexfonds bzw. ETFs so viel einfacher und erfolgsversprechender zu sein scheint?

Mit anderen Worten: warum handeln sie nicht rational?

Ein Grund ist sicher…

Überzogenes Selbstvertrauen (Overconfidence Bias)

Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das uns alle betrifft, die einen mehr, die anderen weniger. Dank Overconfidence Bias glauben mehr als 80 Prozent aller Autofahrer, dass sie überdurchschnittlich gut Auto fahren können, was rechnerisch ja schlecht sein kann.

Männer sind – welch Überraschung – anfälliger für diesen Denkfehler als Frauen…

Dazu passt eine deutsche Studie von 2005, die zeigt, dass Anleger, die sich für besser informiert halten als andere, mehr kaufen und verkaufen.

Ein weiterer Grund…

Abenteuerlust

Trading ist Entertainment, manche spielen einfach gern, auch wenn es um ihr Geld geht.

Interessanterweise konnte in einer Reihe von Untersuchungen gezeigt werden, dass in Zeiten, in denen in der Lotterie ein außergewöhnlich großer Jackpot zu gewinnen ist, die Zahl der kleinen Aktientrades zurückgeht. Kleinanleger handeln also weniger an der Börse, wenn es im Lotto mehr zu gewinnen gibt.

In Taiwan wurde erst 2002 eine staatliche Lotterie eingeführt, worauf die Tradinaktivitäten von Kleinanlegern an der Börse um deutliche 25 Prozent zurückging.

Im nächsten Teil der Übersichtsarbeit von Brad Barber geht es dann um den sogenannten…

Dispositionseffekt

Kleinanleger verkaufen gerne Aktien, die seit dem Kauf im Kurs gestiegen sind und halten Aktien, die seit dem Kauf gefallen sind.

Bedeutet: die Gewinner-Aktien werden abgestoßen und die Verlierer-Aktien bleiben im Depot.

Es wäre allerdings weitaus rationaler, davon auszugehen, dass Aktien, die stark im Kurs gestiegen sind, dies mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch weiterhin tun werden.

Dieses als Dispositions-Effekt bezeichnete Verhalten scheint mit der finanziellen Bildung und Erfahrung zusammenzuhängen.

Je mehr Trades ein Anleger ausgeführt hat, desto seltener kommt der Dispositions-Effekt zum Tragen. Das könnte auch erklären, warum institutionelle Investoren weniger zu dem beschriebenen Verhalten neigen.

Auch unter steuerlichen Gesichtspunkten ist es sinnvoller, die Realisierung von Gewinnen so lange wie möglich aufzuschieben. Verlierer-Investments hingegen können genutzt werden, um die Steuerlast für Gewinne zu reduzieren.

Hinter dem Dispositions-Effekt steckt vermutlich das Phänomen der Verlustaversion, ein biologisch tief verankerter Verhaltensmechanismus, der dafür sorgt, dass wir weitaus motivierter sind, Verluste zu vermeiden als Gewinne zu erzielen.

Lieber wird an schlechten Aktien festgehalten, als sich den Verlust eingestehen zu müssen.

Verstärkendes Lernen

Eine weitere faszinierende Verhaltensweise, die Kleinanleger zeigen, lässt sich auf den Mechanismus des verstärkenden bzw. bestärkenden Lernens zurückführen.

Gemeint ist, das eine der einfachsten Formen des Lernens darin besteht, Verhaltensweisen zu wiederholen, die in der Vergangenheit mit Freude einhergingen und solche Verhaltensweisen zu meiden, die in irgendeiner Form mit Schmerz im Zusammenhang standen.

Die Ergebnisse mehrerer Studien weisen daraufhin, dass Privatanleger häufig zu dieser Art des Lernens neigen.

Ein einer Untersuchung zeigte sich beispielsweise, dass Anleger ihre Sparraten steigerten, wenn sich ihr Depot in der Vergangenheit gut entwickelt hatte.

In einer anderen Arbeit ließ sich beobachten, dass Anleger mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Aktien eines Unternehmens **wieder kauften**, mit dem sie schon einmal Gewinne erzielt hatten als Aktien von Unternehmen, die sie in der Vergangenheit mit Verlust verkauft haben.

In weiteren Studien zeigte sich, dass Privatanleger aktiver handelten, wenn ihre jüngsten Trades erfolgreich waren und dass ältere Anleger, die in ihrem Leben überwiegend gute Zeiten am Aktienmarkt erlebt haben, risikofreudiger sind und mehr geneigt sind, in Aktien zu invstieren als Anleger, die schlechte Zeiten an der Börse durchmachen mussten.

Ein weiteres Problem, dass in den Studien deutlich wird betrifft die…

Selektive Wahrnehmung

…bei der Auswahl von Aktien. Unsere Wahrnehmung hat unbestreitbar großen Einfluss auf unsere Kaufentscheidungen. Für den Aktienmarkt bedeutet dies, dass Anleger vor unendlich vielen Aktien stehen, in die sie investieren können.

Wie wählen sie nun diejenigen aus, in die sie letztlich investieren?

Während manche Anleger sicherlich eine Systematik bei der Suche und Recherche haben, sind andere wiederum anfällig dafür, dass sie hauptsächlich die Aktien in Betracht ziehen, die ihre Aufmerksamkeit erregen. Aus welchen Gründen auch immer. Ein Grund könnte sein, dass diese Aktien in den Medien wiederholt erwähnt wurden, z.B. weil sie große Preisbewegungen vollzogen haben.

Anleger werden so unbewusst dazu verleitet, solche „aufregenden“ Aktien zu kaufen.

In einer Untersuchung wurde ausgewertet, wie häufig bestimmte Aktien gegoogelt wurden und man konnte feststellen, dass ein erhöhtes Suchaufkommen für bestimmte Aktien in den darauf folgenden Wochen zu einem Kursanstieg bei genau diesen Aktien führte, welcher sich im Laufe eines Jahres dann wieder relativierte.

Der letzte Aspekt, der in der Arbeit von Brad Barber behandelt wird, betrifft die..

Mangelhafte Diversifikation

Portfolios von Privatanlegern haben häufig Defizite bei der Diversifikation, also der Risikostreuung.

Nach wie vor gibt es z.B. viele Anleger, die viel Geld in die Aktien ihres eigenen Arbeitgebers stecken. Ihr Arbeitseinkommen, im Fachjargon auch Humankapital genannt, korreliert eng mit ihrem Finanzvermögen.

Gerät das Unternehmen in starke wirtschaftliche Schwierigkeiten oder geht gar pleite, haben diese Anleger gleich zwei Probleme auf einmal.

Zum einen verlieren sie ihren Job und und zum anderen auch einen großen Teil ihrer finanziellen Rücklagen.

Mehrere Studien zeigten, dass viele Anleger auch eine zu geringe Zahl an Aktien im Depot halten – in einer Arbeit waren es im Durchschnitt nur Aktien von 4 unterschiedlichen Unternehmen – und darüber hinaus diese Aktien hochvolatil sind.

Zu allem Überfluss korrelieren sie auch noch stärker miteinander als man es bei einer rein zufallsbasierten Aktienauswahl erwarten würde.

Fast ein wenig provozierend klingt da das Ergebnis einer finnischen Studie, die zeigte, dass Anleger mit hohem IQ mit höherer Wahrscheinlichkeit entweder auf Fonds oder auf eine höhere Gesamtzahl an Aktien setzen.

Ein weiteres Phänomen in diesem Zusammenhang ist der sogenannte Home Bias: viele Anleger scheuen sich davor, in ausländische Unternehmen zu investieren und verzichten dadurch auf einen Diversifikationsvorteil. Sie bevorzugen Unternehmen vor der eigenen Haustür in dem Glauben, diese besser zu kennen und einschätzen zu können.

Irrationalerweise fühlen sie sich dabei sicherer, obwohl sie mehr Risiko tragen müssen, da sie mit ihrem Portfolio tendenziell größeren Wertschwankungen ausgesetzt sind.

ZENinvestorLebe aktiv, investiere passiv.
ZENinvestor ist ein Online-Video-Training, das dir Schritt für Schritt zeigt, wie du mit einer passiven Anlagestrategie und Indexfonds (ETFs) ohne Zeitaufwand Vermögen bilden kannst.  

Blick nach vorne oder zurück?

Einen letzten interessanten Aspekt deckt Brad Barber am Ende seiner Übersichtsarbeit auf.

Er argumentiert, dass Anleger beim **Kauf** von Aktien in die Zukunft schauen und beim **Verkauf** in die Vergangenheit.

Leute kaufen Aktien, weil sie für die Zukunft auf bestimmte Entwicklungen hoffen und verkaufen Aktien aufgrund von Ereignissen, die in der Vergangenheit passiert sind.

In den meisten Fällen führt dies dazu, dass – wie bereits erwähnt – Gewinner verkauft und Verlierer gehalten werden.

Die Studie von Brad Barber schließt mit dem Satz:

Privatanleger, die den Ratschlag ignorieren, ein kostenarmes und gut diversifiziertes Portfolio zu halten, tun dies im Allgemeinen zu ihrem Nachteil.

Das glaube ich allerdings auch…

Wie kann man es nun besser machen?

– möglichst wenig, noch besser gar nicht handeln
– nicht in einzelne Aktien investieren,
– sondern in breit gestreute, kostengünstige Indexfonds (ETFs)
– kein Market Timing betreiben
– Gewinne laufen lassen, um Besteuerung zu vermeiden bzw. weit in die Zukunft zu schieben
– sich selbst eingestehen, dass man als Hobbyanleger kein großer Hecht im Karpfenteich ist und sich nicht mit Profis messen sollte,
– zusammengefasst: indem man passiv investiert.

Ich will noch auf einen Punkt eingehen, der häufig missverstanden wird: die Börse ist in ihrer Gesamtheit kein Nullsummenspiel.

Viele Börsenkritiker bzw. -pessimisten glauben nämlich, dass man an der Börse zwangsläufig von den Großen abgezockt wird und Geld nur dann verdienen kann, wenn man es seinerseits schafft, jemanden anderes über den Tisch zu ziehen.

Das stimmt so nicht.

Richtig ist:
Bedingt durch das Wirtschaftswachstum ist die durchschnittliche Rendite des Aktienmarkts langfristig gesehen positiv, d.h. der Kuchen wird immer größer.

Um eine ÜBERdurchschnittliche Rendite zu erzielen, muss man besser sein als andere. Nicht, um die durchschnittliche – langfristig positive – Marktrendite zu realisieren.

Es ist wirklich wichtig, diesen Unterschied zu verstehen.

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

[ssba]

ZENinvestorLerne besser Investieren an der Börse
ZENinvestor ist ein Online-Video-Training, das dir Schritt für Schritt zeigt, wie du mit einer passiven Anlagestrategie und Indexfonds (ETFs) ohne Zeitaufwand Vermögen bilden kannst.

 

Comments on this entry are closed.

Hinweis: Die Kommentarfunktion wird 60 Tage nach Veröffentlichung des Artikels geschlossen.

 

  • Timur 6. Februar 2014, 21:02

    Hallo Holger,
    was hältst Du von den beiden hier:
    http://www.investingtherightway.com/

    Ich finde den Ansatz recht interessant. Unter xxx [Anm.: Link entfernt] erklären sie Schritt für Schritt ihre Herangehensweise.

    Beste Grüße
    Timur

    • Holger Grethe 7. Februar 2014, 20:34

      Hi Timur,

      bin mir nicht ganz sicher, ob dein Kommentar ernst oder eher als Scherz gemeint ist? Der von dir verlinkte Investmentansatz ist ja bereits auf den ersten Blick als „aktives Trading“ zu identifizieren. 😉

  • Börsenheini 7. Februar 2014, 12:50

    Hallo Holger,

    eine sehr schöne Zusammenfassung der Untersuchung.

    Statistiken haben ja die angenehme Eigenschaft, dass das Individuum sich immer rausreden kann, dass die Ergebnisse sicher auf die „anderen“ zutrifft, aber nicht auf einen selbst. Damit kann man sich zwar selbst überzeugen, aber in einer echten Diskussion sticht dieses Argument sicher nicht. Das als Vorrede vor meinem Eingeständnis, dass ich selbst ein aktiver Direktanleger bin – und auch noch männlich …

    Ich kannte diese bzw. ähnliche Untersuchungen bereits, also warum lege ich trotzdem selbst aktiv an und nehme in Kauf, dass meine Ergebnisse wie beschrieben denen von Passivanlegern hinterher hinken?

    Der erste Punkt ist das Ziel einer Anlage: Einen Index zu schlagen, ist gar nicht meine Absicht. Das funktionierte auch gar nicht, denn ein Teil meiner Anlagesumme steckt in Anleihen (wenn auch nicht viel). Insgesamt schwankt daher mein Depotwert weitaus weniger als z.B. der Dax, d.h. in guten Jahren hinke ich hinterher, in schlechten (z.B. 2011) bin ich voraus. Und diese eher geringe Volatilität erreiche ich mit teils sehr kleinen im Einzelnen sehr volatilen Werten. Ich betrachte dabei jedes meiner Engagements als Investition in ein Unternehmen, die ich eng verfolge. Das kostet Zeit, macht aber sehr viel Spaß, ist also eher ein Hobby als lästige Pflicht. Das Depot ist damit eine Art Gesamtkunstwerk, das ich nicht gerne in fremde Hände geben möchte.

    Der zweite Punkt ist die Dividendenstrategie. Einen Teil meiner Aktien lege ich gezielt in Dividendentitel mit stabilem Geschäft an. Wie das geht, könnt ihr ihm Blog vom Dividenden-Sammler nachlesen. (Ich weiß nicht ob ich den Link hier posten darf, sonst lösch ihn einfach wieder raus: http://dividenden-sammler.de/)
    Der Sinn des Ganzen ist, sich ein passives Einkommen aus Dividenden zu schaffen, die man, solange man das Einkommen nicht braucht, immer wieder reinvestiert. Mit dieser Strategie schlägt man mit Sicherheit nicht den Markt, aber das ist auch hier nicht die Absicht.

    Der dritte und wichtigste Punkt ist aber: Je mehr Erfahrung ich sammle, desto erfolgreicher bin ich in Hinsicht meiner Aktienauswahl. Das kostet viel Zeit, klar, aber inzwischen bin ich in der Lage, mit meinen kleinen sowohl nach Value- als auch nach Growth-Gesichtspunkten ausgewählten Aktien den Markt zu schlagen. Zur Warnung sei nur gesagt, dass es Jahre kostet, bis man soweit ist und die notwendige Zeit dafür zu investieren ist für die meisten keine Option, insofern man sich nicht – so wie ich – sehr dafür interessiert.

    Insgesamt konnte ich alle die in der Untersuchung geschilderten Verhaltensweisen auch an mir selbst beobachten. (Ausnahme: Verlierer, von denen ich nicht mehr überzeugt bin, verkaufe ich umgehend.) Was ich noch nicht kannte und bei mir sofort erkannt habe: Den Unwillen in eine Aktie zu investieren, mit der ich schlechte Erfahrungen gemacht hat. So lange ich aber in der Lage bin darüber zu reflektieren, ist das für mich kein Problem.

    Viele Grüße
    Christian

    • Holger Grethe 7. Februar 2014, 21:02

      Hallo Christian,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke auch, ein gutes Maß an Selbstreflexion tut einem als Anleger immer gut. Ganz unabhängig von der Anlagestrategie.

      In einem Punkt widersprichst du dir ein wenig: du sagst, du möchtest nicht unbedingt besser als ein Index abschneiden, traust dir aber zu, den Markt zu schlagen?

      Definitionsgemäß repräsentiert ein breit aufgestellter Aktienindex den Markt bzw. entspricht seiner Durchschnittsrendite. Also, hü oder hott? 😉

    • Börsenheini 8. Februar 2014, 12:04

      Die Widersprüchlichkeit gebe ich zu. Dass ich mit dem Stockpicking den Markt schlage, ist für mich nur die Vorraussetzung dafür, dass ich das weiterhin betreibe, denn der Hauptgrund, das gebe ich gerne zu, ist der, dass mir die Sache einfach Spaß macht. Schließlich verbringe ich viel Zeit damit. Wenn mich das Geld kostete, müsste ich meinen Ansatz sicher überdenken. Ich gebe mir auch nicht allzuviel Mühe, die Rendite exakt auszurechnen, das ist bei der Zusammmensetzung meines Depots nur schwer abzugrenzen. Im Groben (+/- 1%) kann ich das aber schon sagen.

    • Dummerchen 9. Februar 2014, 14:27

      Hallo Börsenheini,
      dass Du „den Markt“ schlägst, ist Voraussetzung für Dich, aktiv zu handeln? Sonst würdest Du auf Stockpicking verzichten – habe ich das richtig verstanden?
      Woher weißt Du denn, dass Du „den Markt“ schlägst, wenn Du zumindest Deine persönliche Rendite nicht berechnen kannst?
      (Wenn Du die Rendite +/-1% bestimmen kannst, wieso kannst Du sie dann nicht genau bestimmen? Hast Du nicht mehr die historischen Investitionsbeträge und -zeitpunkte verfügbar oder woran scheitert es? Was ist denn das Problem der Zusammensetzung?)
      Neugierige Grüße,
      Dummerchen

    • Börsenheini 10. Februar 2014, 11:45

      Hallo Dummerchen,
      zu Präzisierung: Stockpicking bedeutet nicht, dass ich ständig kaufe und verkaufe, sondern dass ich mir Werte gezielt aussuche und diese dann in aller Regel mindestens ein Jahr, meist aber länger, halte. Und deine Annahme ist richtig: Sollte ich feststellen, dass ich über die Jahre immer dem Markt hinterherhinke, würde ich die Sache lassen.
      Die Genauigkeit von +/-1% reicht mir völlig aus. Was der Genauigkeit entgegensteht ist meine Faulheit. Die Sache wird nämlich ziemlich schnell beliebig kompliziert, wenn du das richtig machen möchtest. Da ist zunächst einmal die Steuer. Lege ich die Steuer von Buchgewinnen, die im letzten Jahr entstanden sind auch auf das letzte Jahr? Wie beziehe ich meinen Freibetrag ein, bekommen den die Anleihen oder die Aktien? Wenn ich, wie im letzten jahr einige dicke Rechnungen für die Hausreparatur zu bezahlen habe, ziehe ich dann Entnahmen monatsgenau ab (so wie es die Bank macht, wenn du dein Konto überziehst)? Lege ich mir ein virtuelles Cashkonto an, wenn ich Aktien verkaufe (habe ich inzwischen tatsächlich, auch damit ich Dividenden einbeziehen kann)?
      Ich verbessere das ständig, wenn mir danach ist, aber exakt wird das sicher niemals werden. Wenn Du dafür eine gute Lösung kennst, dann nur her damit.
      Viele Grüße
      Christian

    • Dummerchen 10. Februar 2014, 15:58

      Hallo Christian,
      ok, die Steuerproblematik macht’s natürlich nicht so leicht. Da kann ich Deine Probleme nachvollziehen. Für den Vergleich mit einem breiten Index (oder was auch immer Du als adäquaten Vergleich für Dein Depot ansiehst) kann man das Thema Steuern natürlich beiden gleich zuschlagen.
      Ich persönlich habe meinen Freibetrag in der Vergangenheit mehr oder weniger über die Anleihen/Festgeld ausgeschöpft, dadurch ergab sich kaum die Frage, ob ich dies dem Aktienanteil zuschlagen würde. Zudem realisiere ich als Buy-and-Hold-Anleger mit überwiegend thesaurierenden Fonds kaum steuerrelevante Gewinne. Da hast Du es vermutlich tatsächlich schwieriger.
      Gruß
      Dummerchen

  • Der Couponschneider 7. Februar 2014, 14:45

    Ich lese gerne deinen Blog und höre gerne dienen Podcast. Ich muss dich aber für den Podcast kritisieren.

    1. Du bezeichnet Direktanleger als aktive Anleger. Mein Sprachgefühl kann mich täuschen, aber ein aktiver Anleger zeichnet sich durch hohe Aktivität aus. Das muss auf den Direktanleger nicht zutreffen. Man kann auch direkt investiert und trotzdem passiv sein.

    2. Den Vergleich von privaten Direktanlegern mit ETF-Anlegern halte ich für einen methodischen Fehler. Bei den privaten Direktanlegern tummeln sich viele Daytrader, die den Durchschnitt nach unten ziehen.

    Ich bin Direktanleger und recht passiv. Ich investiere und halte. Von SAP werden in diesem Jahr schon das sechste Mal Dividenen erhalten. Ich habe weniger als 10 Trades pro Jahr und ein Trade kostet ungefähr 15 €.

    • Holger Grethe 7. Februar 2014, 20:51

      Man kann sicherlich darüber streiten, wo genau die Grenze zwischen passivem und aktivem Investieren verläuft. Für mich handelt es sich um aktives Investieren, sobald wenigstens einer der drei folgenden Punkte erfüllt ist:

      1. Der/die Anleger/in betreibt Stock-Picking (= Direktinvestment in einzelne Aktien)
      2. Der/die Anleger/in betreibt Market Timing (= Abpassen von vermeintlich günstigen Ein-/Ausstiegszeitpunkten)
      3. Der/die Anleger/in versucht durch 1. und/oder 2. eine Überrendite zu erzielen (= „Markt schlagen“)

      Du hast absolut Recht, dass die Statistik sicherlich durch Daytrader negativ beeinflusst wird. Wie im Podcast erwähnt, gab es ja große Unterschiede innerhalb der Gruppe der untersuchten Privatanleger.

      Ich will Direktanleger mit einer dividendenorientierten Anlagestrategie ganz sicher nicht schlecht reden, könnte mir aber vorstellen, dass die meisten dieser Anleger unterdiversifiziert sind. Dass sie also systematische Risiken (Regionen-, Branchen- und/oder Einzelwertrisiken) tragen, die nicht unbedingt getragen werden müssten.

      Die Gelehrten streiten sich, wie viele (gut ausgewählte) Einzelwerte notwendig sind, um alle systematischen Risiken eines Portfolios zu eliminieren. Ich denke, es sollten mindestens 30 Titel sein. Besser mehr…

    • Der Couponschneider 7. Februar 2014, 22:24

      @Holger
      Ich kann ehrlich gesagt damit leben, dass ich unterdiversifziert bin, insbesondere was den Home-Bias angeht. Es gibt ja zwei Gebote, die gegeneinander spielen: Nur kaufen, was man kennt und versteht, und das Diversifizierungsgebot. Ich kann japanische Geschäftsberichte nicht lesen und deshalb bin ich sehr reserviert, was den japanischen Markt angeht. Ich kann auch mit dem Rechtssystem in bestimmten Ländern (BRIC- und MIST-Länder 🙂 ) wenig anfangen.

      Mit einem DAX-ETF alleine dürfte man schon schlechter diversifziert sein als ich, da ich auch französische, italienische, britische, amerikanische und kanadische Aktien habe. Durch die internationale Aufstellung meiner Unternehmen bin ich automatisch in vielen Weltregionen vertreten.

  • Dummerchen 9. Februar 2014, 14:35

    Holger, Du bist aber echt ein Schlingel! Da wünschen sich einige Deiner Leser endlich mal was über aktives Anlegen und hoffen darauf, dass Du berichtest, wie gut das auch sein kann, und dann präsentierst Du einfach die Nachteile aktiven Anlegens gegenüber passiven Investieren – tss, tss, tss. Wie gemein ;-)!

    • Holger Grethe 9. Februar 2014, 14:38

      Ja, das ist mir auch echt ein bisschen unangenehm… 😉