Reich werden durch Nachdenken – geht das wirklich? [Teil 1/2]

Reich werden durch Nachdenken - geht das wirklich?

Anfang des 20. Jahrhunderts führte der Schriftsteller Napoleon Hill rund 500 Interviews mit Millionären und veröffentlichte deren Erfolgsmethoden in einem Buch unter dem Titel:

“Denke nach und werde reich” (Originaltitel: “Think and grow rich”)

Seit der Erstauflage, erschienen im Jahr 1937, hat sich dieser Klassiker bis heute mehr als 70 Millionen Mal verkauft und gewinnt immer weiter neue Fans.

Was also können wir von den Reichen lernen? Was ist das Geheimnis ihres Erfolgs?

Sich bei anderen abzugucken, was funktioniert, ist ja einer der besten Wege, etwas zu lernen.

In diesem zweiteiligen Artikel fasse ich zusammen, welche wesentlichen Erkenntnisse das Buch beinhaltet und welche Lehren du aus diesen Erkenntnissen ziehen kannst.

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Die Macht der Gedanken

Napoleon Hill stellt fest, dass eines der Erfolgsprinzipien schlicht darin besteht, zu wissen, was man will.

Klingt simpel, aber in Wahrheit lauert für viele Menschen bereits hier die erste große Hürde auf dem Weg zum finanziellen Erfolg. Es ist nämlich gar nicht so leicht, Antworten auf Fragen wie diese zu finden:

Was will ich in meinem Leben erreichen? Was ist mir wichtig? Wofür bin ich bereit, mich anzustrengen?

Sind wir uns darüber im Klaren, wartet schon das nächste Problem: Die Grenzen unseres Denkens.

“Törichterweise glauben wir, dass unsere eigenen Limitationen der richtige Maßstab für die Grenzen (des Machbaren) überhaupt sind.”

– Napoleon Hill

Das ist ohne Zweifel richtig: Außergewöhnliche Leistungen sind unwahrscheinlich, wenn man nicht daran glaubt, dass sie grundsätzlich möglich sind.

Wer sich sicher ist, dass er es nie im Leben zu einem Vermögen bringen wird, wird unterbewusst alles daran setzen, genau dieses “Ziel” zu erreichen.

Aber ist der Umkehrschluss auch richtig?

Wird man automatisch vermögend, nur weil man sich lebhaft vorstellen kann, im Geld zu schwimmen?

Wohl kaum. Denn natürlich wird nicht jeder Mensch erfolgreich, der sich das wünscht.

Hill sagt:

“Wir müssen unsere Gedanken magnetisieren mit dem intensiven Wunsch nach Reichtum. Dafür müssen wir ein “Geldbewusstsein” entwickeln, bis der Wunsch nach Geld uns dazu bringt, eindeutige Pläne zu schmieden, mit denen wir an das Geld kommen.”

Konkret empfiehlt er …

Sechs praktische Schritte

1. Lege den exakten Geldbetrag fest, den du wir wünscht

“Reich sein”, “mehr Geld haben”, “finanziell unabhängig sein” sind ohne Zweifel klangvolle Ziele. Leider ohne praktischen Nutzen.

Denn um an ein Ziel zu gelangen, braucht man zumindest dessen ungefähre Koordinaten.

Wenn dich eine alte Urlaubsbekanntschaft mit den Worten einlädt: “Besuch mich doch mal in Südamerika”, wird es ohne weitere Informationen aller Voraussicht nach kaum zu einem Treffen kommen.

Was für ein erfolgreiches Wiedersehen fehlt, sind ein paar wesentliche Daten: Land, Stadt, Straße und Hausnummer.

Wer sich mehr Geld in seinem Leben wünscht, sollte also zuallererst festlegen, von welchen Beträgen in welchem Zusammenhang die Rede ist.

Möchtest du gerne mehr verdienen? Wenn ja, wie viele Euros mehr wünscht du dir aufs Jahr oder auf den Monat gesehen? Welches Vermögen strebst du an? Über wie viel Geld würdest du gerne frei verfügen?

2. Bestimme genau, was du für das Geld geben willst

Die alles entscheidende Frage: Was gedenkst du zu tun, um an die Summe Geld zu gelangen, die du dir wünscht?

Der über Persönlichkeitsentwicklung bloggende Steve Pavlina bringt auf den Punkt, dass es eigentlich nur zwei Wege gibt, um Geld zu verdienen:

Entweder man leistet einen bedeutsamen sozialen Beitrag (“to contribute”). Oder man schlägt Kapital aus Marktineffizienzen, ohne einen substantiellen Wert zu generieren (“to mooch”).

Marktineffizienz ist eine etwas schmeichelhafte Umschreibung für die Tatsache, dass der “moocher” (Schnorrer) nur dann Gewinn macht, wenn ein oder mehrere Marktteilnehmer im Gegenzug Verluste erleiden.

Ich würde noch einen dritten Weg hinzufügen: man verdient Geld, ohne einen substantiellen Wert zu generieren, profitiert aber von Produktionszuwächsen statt von Marktinsuffizienzen.

Ein Beispiel für diesen Weg ist das passive Investieren mit Indexfonds. Hier lässt sich ohne nennenswerten Arbeitseinsatz (passiv) Geld verdienen, es muss aber auch niemand für diesen Gewinn etwas verlieren.

Immerhin.

Die befriedigendste Variante ist aber sicher die erstgenannte: Man leistet einen bedeutsamen Beitrag. Je größer die Wertschätzung anderer Menschen für diesen Beitrag, desto mehr Geld lässt sich damit verdienen.

Also, wie sieht dein Beitrag aus, um zum gewünschten Geld zu kommen?

3. Lege das genaue Datum fest, an dem du das Geld besitzen möchtest

Auch keine einfache Aufgabe, so ein Zeitplan. Ganz allgemein neigen wir ja dazu, zu überschätzen, was wir in einem Jahr erreichen können. Gleichzeitig unterschätzen wir, was wir in fünf Jahren schaffen können.

Auch wenn das gesteckte Ziel nicht im ursprünglich geplanten Zeitraum erreicht werden konnte: Lege einen neuen Zeitpunkt fest, auf den du hinarbeitest.

Und setze dir möglichst eine Reihe von Zwischenzielen auf dem Weg dahin.

4. Entwerfe einen exakten Plan für dein Vorhaben und beginne sofort, ihn umzusetzen

Nachdem der Zeithorizont abgesteckt ist, geht es an die konkrete inhaltliche Ausgestaltung deines Vorhabens.

Wie sieht dein Plan aus? Was ist deine Idee?

Welche konkreten Karriereschritte nimmst du in Angriff? Kannst du deine Ziele in deinem jetzigen (beruflichen) Umfeld erreichen? Wirst du dich selbständig machen oder sogar ein Unternehmen gründen?

Egal wie dein Plan aussieht: Hill betont, wie wichtig es ist, dass du sofort nach dessen Fertigstellung loslegst. Auch dann, wenn du dich noch nicht bereit fühlst.

Also, leg zügig los, denn “execution is king”!

5. Halte die Schritte 1 bis 4 in einem schriftlichen Dokument fest

Macht Sinn und erklärt sich von selbst, oder?

6. Lies dir das Dokument zwei Mal am Tag laut vor

Hmm, ja. Es kommt zumindest mir schon ein bisschen komisch vor, mir meine eigenen Gedanken selbst laut vorzulesen. Ich weiß nicht, wie es dir dabei geht?

Solche als Affirmationen bezeichneten Selbstgespräche scheinen manchen Menschen aber durchaus zu helfen:

“Eine Affirmation ist ein selbstbejahender Satz, den wir uns selbst wieder und wieder sagen, um unsere Gedanken umzuprogrammieren. Das Ziel dabei ist, unser Verhalten und unsere Gefühle zu dauerhaft zu verändern. Denn Denken, Fühlen und Handeln hängen wechselseitig zusammen und wenn ich meine Gedanken durch Affirmationen dauerhaft ändere, dann ändert sich nach einer Weile auch mein Verhalten und auch meine Gefühle ziehen nach.”
(Quelle: zeitzuleben.de)

Entscheide selbst, ob dir das zu “eso” ist oder nicht …

Die drei wichtigsten Faktoren für finanziellen Erfolg

In “Denke nach und werde reich” hebt Napoleon Hill drei Faktoren hervor, die finanziellen Erfolg überhaupt erst möglich machen: Wert, Wissen und Durchhaltevermögen.

Wert

Es ist eine Sache, mehr Geld haben zu wollen – wer wünscht sich das nicht? Entscheidend ist aber, mehr wert zu sein.

Um Missverständnissen vorzubeugen: es geht an dieser Stelle nicht darum, wie viel du als Mensch wert bist (natürlich unbezahlbar), sondern welchen Wert du für andere Menschen erschaffen kannst!

Es geht allein um die Bedeutung, die deine Fähigkeiten – zum Beispiel in Form von Produkten und Dienstleistungen – für andere Leute haben. Daran bemisst sich der sprichwörtliche “Marktwert”.

Ein Kardiochirurgie-Professor, der Herzen transplantieren kann, hat verständlicherweise einen höheren “Marktwert” als ein Assistenzarzt im ersten Weiterbildungsjahr. Ein Stürmer, der 30 Tore pro Saison schießt, ist für eine Fussballmannschaft mehr wert als ein Angreifer, der es höchstens auf 10 Treffer bringt.

Frage dich also: Welchen Beitrag kann ich für andere Menschen leisten und wie gelingt es mir, den Wert meines Beitrags weiter zu erhöhen?

Wissen

Grundsätzlich kann es nie schaden, etwas auf dem Kasten zu haben. Wissen allein macht allerdings nicht noch lange nicht reich, wie Hill betont:

“Wissen zieht kein Geld an, sofern es nicht organisiert und intelligent durch planvolle Aktionen eingesetzt wird. Fehlendes Verständnis für diese Tatsache hat schon bei Millionen von Menschen für Konfusion gesorgt, die fälschlicherweise glauben: “Wissen ist Macht”. Es ist nichts dergleichen. Wissen ist nur potenzielle Macht. Es hat keinen Wert, ausgenommen es wird in einer Weise angewandt, die Wert generiert.”

Erfolgreiche Menschen hören niemals damit auf, ihr Wissen zu erweitern. Zu glauben, dass die Phase des Lernens nach der Schule endet, ist eine der Eigenschaften, die viele erfolglose Menschen teilen.

Durchhaltevermögen

Durchhaltevermögen ist ein essenzielle Faktor auf dem Weg hin zur Realisierung finanzieller Wünsche. Durchhaltevermögen wiederum basiert auf Willenskraft.

Viele Menschen starten zwar mit großen Ambitionen, lassen aber beim kleinsten Misserfolg ihre Ziele fallen und geben auf. Die Erfolgreichen hingegen machen immer weiter, allen Widrigkeiten zum Trotz, bis sie ihr Ziel erreicht haben.

Es gelingt ihnen, ihre Willenskraft stetig hoch zu halten, indem sie sich ihre Wünsche immer wieder vor Augen führen. Du erinnerst dich noch an die 6 praktischen Schritte …?

Nur wenn der Wunsch, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, stark genug ist, ist man bereit, auf seinem Weg Entbehrungen in Kauf zu nehmen und sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

Napoleon Hill betont, welch immense Bedeutung dieser eine Faktor hat:

“Mit Durchhaltevermögen kommt der Erfolg. Es gibt keinen Ersatz für Durchhaltevermögen, sein Mangel kann durch keine andere Eigenschaft kompensiert werden!”

Wer unternehmerisch tätig ist, weiß, dass nicht alles sofort funktioniert. Dass nicht jede Strategie aufgeht und nicht jede Investition Früchte trägt. Ich habe im Rahmen meiner Selbständigkeit schon vieles probiert und fast genauso viel wieder verworfen.

Wenn ein Plan nicht funktioniert, macht man halt einen neuen. Wo ist das Problem?

Kein Mensch wird über Nacht erfolgreich.

Vielleicht ist sogar das die Essenz des Erfolgs: All die Rückschläge und Niederlagen auf dem Weg dahin weggesteckt zu haben und niemals den Mut zu verlieren.

“A quitter never wins—and— a winner never quits.”

– Napoleon Hill

Im zweiten Teil des Artikels gehe ich auf eine Reihe von Fehlern ein, die Hill in seinem Buch auflistet. Diese solltest du du unbedingt vermeiden, wenn du finanziellen Reichtum anstrebst …

Klicke hier, um jetzt den zweiten Teil zu lesen >>
 
Hast du “Denke nach und werde reich” gelesen? Was ist deine Meinung zum Buch? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Denke nach und werde reichIn seinem Bestseller Denke nach und reich fasst der Schriftsteller Napoleon Hill seine Erkenntnisse aus über 500 Interviews zusammen, die er Anfang des 20. Jahrhunderts mit finanziell erfolgreichen Menschen geführt hat. Klicke hier für weitere Informationen

  • Alex von Homemade Finance 29. Mai 2016, 10:37

    Ich habe irgendwo mal ein Sprichwort gelesen:

    “Jeder ist mit seinem Verstand zufrieden aber niemand mit seinem Geld.”

    Meiner Meinung nach gehen die beiden Dinge Hand in Hand, wie es Hill ja auch andeutet. Lebenslanges Lernen ist dabei leider irgendwie zu einer politische Plattitüde verkommen.

    Und die Einstellung, nach der Schule/Uni/Ausbildung ist es mit der anstrengenden Lernerei vorbei und man hat dann das Recht sich der Verdummung hinzugeben ist töricht.

    Natürlich kann man das tun aber dann darf man sich nicht wundern, wenn man irgendwann die Welt nicht mehr versteht.

    Dabei ist die Lust am Lernen meiner Ansicht nach entscheidend für den Erfolg, egal in welchem Lebensbereich aber natürlich insbesondere bei den eigenen Finanzen.
    Es stimmt aber auch das planloses drauflos lernen nicht unbedingt zielführend ist.
    Da kann ich an mir selbst noch Arbeiten, wenn ich mich dabei erwische, dass ich um 01:00 nachts die verfügbaren Triebwerkstypen des A320neo nachschlage.

    Das Problem hierbei ist, dass mir das in dem Moment gerade Spass macht und ich mich nicht zwingend kann stattdessen die Erbschaftssteuerreform reinzuziehen. Dann würde ich wahrscheinlich lieber schlafen, was ich um die Zeit vielleicht sowieso besser tun sollte.

    Von dem her ist das wieder so eine Art Trade-Off zwischen Effizienz und Motivation beim Lernen. Zumindest kann ich das bei mir beobachten.

    Viele Grüße
    Alex

  • Kurti 29. Mai 2016, 17:25

    Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.

  • Christian Thiel 29. Mai 2016, 20:38

    Die allermeisten Menschen hören sehr frühzeitig auf zu lernen. Das ist sehr schade. Ich kenne nur wenige Menschen in meinem Alter (55), die überhaupt noch Bücher lesen. Das ist – eine Katastrophe! Was können wir nicht alles lernen, wenn wir das Wissen der Welt nutzen. Ein unermesslicher Schatz, einerlei ob es um die Liebe geht (mein Beruf) oder um Geldanlage (mein Hobby). Wer ein Buch liest, der denkt mit einem fremden Gehirn – habe ich neulich bei Facebook gelesen. Schade, dass so viele Menschen darauf bestehen, nur mit dem eigenen Gehirn zu denken.

    Toller Text – mach weiter so Holger!

  • Sylvia Schneider 3. Juni 2016, 19:21

    Das Wissen über Geld und seine Gesetmäßigkeiten ist das eine, es tun, konsequent umsetzen das andere.

    Danke für diesen tollen Beitrag.

  • Sylvia Schneider 3. Juni 2016, 19:21

    Das Wissen über Geld und seine Gesetzmäßigkeiten ist das eine, es tun und konsequent umsetzen das andere.

    Danke für diesen tollen Beitrag.

  • Andreas 6. Juni 2016, 07:42

    Hallo Holger,
    Ich habe dein Zendepot neulich entdeckt und bin vollauf begeistert. Es hat mir DEN Impuls gegeben, um meine Vermögensbildung selber in die Hand zu nehmen.

    Vielen Dank dafür

  • Mario 4. Juli 2016, 16:50

    Sehr guter Beitrag. Ich finde auch ein sehr gutes Webdesign. Mario von Gollaz.

  • sandra 23. August 2016, 12:13

    Toller Artikel, ich finde das Buch „Denke nach und werde reich“ bzw. „ interessant. Aber auf English soll es besser sein. Viele haben schöne Kommentare hinterlassen 🙂

    Gruß Sandra

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