Reich werden durch Nachdenken – geht das wirklich? [Teil 2/2]

Reich werden durch Nachdenken - geht das wirklich?

Willkommen zum zweiten Teil meines Artikels über Napoleon Hills Klassiker “Denke nach und werde reich”.

Im ersten Teil ist deutlich geworden, dass unsere Gedanken die Voraussetzungen für finanziellen Erfolg schaffen.

Darüber hinaus haben wir uns angesehen, welche sechs praktischen Schritte Napoleon Hill auf dem Weg zum Reichtum empfiehlt.

Und welche drei Faktoren jeder mitbringen muss, der es zu einem (größeren) Vermögen bringen will.

In diesem zweiten Teil gehe ich auf eine Reihe von Fehlern ein, die Hill in seinem Buch auflistet. Diese solltest du unbedingt vermeiden, sofern du finanziellen Reichtum anstrebst.

Daneben erfährst du, warum Herdentiere selten erfolgreich sind und es für ein erfolgreiches Leben nie zu spät ist. Am Ende des Artikels folgt dann meine Kritik zum Buch.

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Diese Fehler gilt es zu vermeiden

Napoleon Hill betont, dass Erfolg und Versagen größtenteils das Ergebnis von guten bzw. schlechten Gewohnheiten sind. In “Denke nach und werde reich” listet er eine ganze Reihe von schlechten Gewohnheiten auf, mit denen sich die meisten Leute selbst im Weg stehen.

Ich habe 18 Fehler herausgegriffen, die mir am Bedeutendsten erscheinen:

1. Kein Ziel und keine Bestimmung

Wer nicht weiß, was er will, wer kein Ziel hat, braucht nicht auf Erfolg zu hoffen. Napoleon Hill schätzt, dass 98 Prozent aller Menschen ziellos durch ihr Leben gehen und dadurch nicht ihr volles Potenzial entfalten.

2. Mangelnde Ambitionen

Fehlender Ehrgeiz eines Menschen zeigt sich darin, dass es ihm oder ihr genügt, Mittelmaß zu sein. Klar ist: ohne überdurchschnittliche Anstrengungen kann man keine überdurchschnittlichen Ergebnisse erwarten.

3. Fehlende Selbstdisziplin

Ab und an muss man einfach die Zähne zusammenzubeißen und auch dann weiter an einer Sache arbeiten, wenn einem eigentlich nach ganz anderen Dingen ist …

4. Aufschieberitis

Vom Hang zur Prokrastination kann sich wohl niemand ernsthaft freisprechen. Getreu dem Motto “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen” warten viele Menschen auf den perfekten Zeitpunkt, um so richtig durchzustarten.

Doch dieser Zeitpunkt kommt nie, da niemals alle Umstände im Leben perfekt sind. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung auch dann zu starten, wenn man sich noch nicht zu 100 Prozent bereit fühlt.

Keine Sorge: Der Weg zum Erfolg ist lang genug, um unterwegs noch Korrekturen vornehmen zu können.

5. Fehlendes Durchhaltevermögen

Wer es schafft zu starten, hat den meisten Leuten schon viel voraus. Die Spreu vom Weizen trennt sich allerdings erst dann, wenn es ans Durchhalten geht. Denn bis zum Ziel halten nur die wenigsten durch.

Warum Durchhaltevermögen ein nicht zu ersetzender Faktor für Erfolg ist, erfährst du im ersten Teil.

6. Negative Persönlichkeit

Echte Stinkstiefel bringen es im Leben meist nicht sehr weit. Auch wenn es immer wieder Ausnahmen von dieser Regel gibt, die kaum zu erklären sind.

Kooperation mit anderen Menschen ist ein wichtiger Baustein für Erfolg. Und negative Persönlichkeiten kooperieren nur ungern mit anderen Menschen.

7. Unkontrollierter Spieltrieb

Bei manchen Leuten hält sich hartnäckig der Glaube daran, “etwas für nix” bekommen zu können. Sie setzen ihr Geld in riskanten Spielchen ein und hoffen, so ohne größere Anstrengung zu Reichtum zu gelangen.

8. Entscheidungsschwäche

Erfolgreiche Menschen kommen schnell zu einer Entscheidung und ändern ihre Meinung, wenn überhaupt, nur langsam.

Erfolglose Menschen hingegen entscheiden, wenn überhaupt, nur sehr langsam und ändern dafür laufend ihre Meinung.

9. Übertriebene Vorsicht

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So einfach ist das. Übertriebene Vorsicht und Risikoaversion ist im Übrigen genau so schlecht wie leichtsinniges Verhalten durch fehlendes Risikobewusstsein.

10. Die falschen Geschäftspartner

Laut Napoleon Hill eine der häufigsten Ursachen für gescheiterte Unternehmungen.

11. Aberglaube und Vorurteile

Erfolgreiche Leute sind im Allgemeinen “open minded” und damit offen für andere Sicht- und Denkweisen. Auch wenn sich diese konträr zur eigenen Meinung verhalten.

12. Falscher Beruf

Aus meiner Sicht eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Menschen nicht ihr volles Potenzial entfalten und unglücklich werden. Man kann eine Sache nur richtig gut machen, wenn man sie gerne tut.

13. Unkontrolliertes Konsumverhalten

Wenn alles rausgeht, was reinkommt, wird es mit dem Vermögensaufbau schwierig. Es sollte deshalb zur Gewohnheit werden, jeden Monat einen gewissen Prozentbetrag des Einkommens auf die Seite zu packen. Ohne Sparen geht es nunmal nicht.

14. Fehlender Enthusiasmus

Ohne Begeisterung für eine Sache lassen sich auf Dauer keine herausragenden Ergebnisse erzielen (siehe oben: “falscher Beruf”). Auf der anderen Seite wirkt Begeisterung so gut wie immer ansteckend und motivierend auf Menschen.

15. Intoleranz

Intoleranz signalisiert die fehlende Bereitschaft dazuzulernen. Und wer aufhört, sein Wissen zu erweitern, missachtet einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren.

16. Unehrlichkeit

Es gibt keine Alternative zu Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Ein paar Leute lassen sich immer hinters Licht führen, aber die meisten Menschen haben eine gute Intuition und spüren, ob es jemand ehrlich mit ihnen meint.

17. Egoismus und Eitelkeit

Wer nur an sich denkt und an nichts anderes als auf sein Wirken auf andere bedacht ist, mag kurzfristig Erfolge feiern können. Langfristig wird er oder sie aber an Grenzen stoßen, denn mit Egoisten arbeitet auf Dauer niemand gerne zusammen.

18. Mutmaßen statt denken

Denken hilft, ist aber anstrengend. Was wohl der Grund sein dürfte, warum sich nur ein überschaubarer Teil der Leute für dieses mühsame Hobby begeistern kann.

Mit der Kombination aus gefährlichem Halbwissen und Bauchgefühl kommt man sicher irgendwie durchs Leben. Wer wirklich erfolgreich sein will, wird allerdings nicht darum herumkommen, sich seine eigenen Gedanken zu machen.

Leithammel oder Herdentier?

Ohne Wertung konstatiert Napoleon Hill nüchtern, dass es zwei Sorten Menschen auf der Welt gibt: Anführer und Mitläufer.

Bezogen auf das erzielbare Einkommen ist der Unterschied zwischen beiden Typen gewaltig. Wenig überraschend können Mitläufer nicht mit der gleichen finanziellen Entschädigung für ihre Bemühungen rechnen wie diejenigen, die bereit sind, vorneweg zu gehen.

Hill betont, dass harte Arbeit und Aufrichtigkeit alleine nicht zum Reichtum führt. Großer Reichtum ist aus seiner Sicht nie das Ergebnis harter Arbeit, sondern basiert – wenn überhaupt – auf klar umrissenen Wünschen und der Anwendung bestimmter Prinzipien.

Warum du nicht zu alt bist für Erfolg

Wer glaubt, der Zug für finanziellen Erfolg sei mit Mitte Ende 20 schon abgefahren, wird in “Denke nach und werde reich” eines besseren belehrt.

Aus seinen umfangreichen Analysen konnte Hill ableiten, dass sich herausragender Erfolg selten vor dem 40. Lebensjahr einstellt und viele ihn erst jenseits ihres 50. Lebensjahrs erfahren.

Die größte (kreative) Schaffenskraft sieht er zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr erreicht und stützt diese Erkenntnis auf die sorgfältige Beobachtung tausender Frauen und Männer.

Aus diesem Grund rät Hill, die Dekade zwischen 40 und 50 nicht ängstlich und sorgenvoll anzugehen, sondern hoffnungsvoll und in froher Erwartung.

Meine Meinung zum Buch

Ich habe das Buch in der englischen Version gelesen und fand es sehr inspirierend. Vor allem weil es deutlich macht, dass es im wesentlichen bestimmte Persönlichkeitsfaktoren und Denkmuster sind, welche die Grundlage für Erfolg – auch finanzieller Natur – bilden.

Sicherlich können auch Angestellte etwas bei der Lektüre mitnehmen, doch ich glaube, dass insbesondere Selbständige und Unternehmer von den Erkenntnissen aus diesem Buch profitieren werden.

Natürlich lässt sich auch als Angestellter gutes Geld verdienen, in bestimmten Branchen, Firmen und Positionen, bei entsprechendem Arbeits- und Zeiteinsatz.

Doch richtig reich werden wohl in erster Linie Unternehmer, die ihre Leistungen hoch skalieren können und deren Einkommen per Definition nicht gedeckelt ist.

Auffallend ist, das Hill in seinem Buch fast ausnahmslos von “men” spricht, was wohl der Zeit geschuldet ist, in der das Buch entstand. In den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts hielt sich die Zahl erfolgreicher Unternehmerinnen vermutlich nicht zuletzt aufgrund eines anderen Rollenverständnis noch in engen Grenzen.

Eine Frage, die das Buch nicht beantwortet, ist: Wie erstrebenswert ist es überhaupt, finanziell reich zu werden?

Und was muss man zu tun oder zu ertragen bereit sein, um dieses Ziel irgendwann zu erreichen? Sofern man nicht auf dem Weg dahin scheitert …

Das Leben genießen kann man definitiv auch ohne finanziellen Reichtum, denn Geld macht bekanntermaßen nicht glücklich – zumindest nicht oberhalb eines bestimmten Einkommenslevels.

Wenn man aber schon gut lebt und glücklich ist: was soll Reichtum dann noch an Verbesserung bewirken?

Vielleicht kennst du Heinrich Bölls Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral?

Sie ist bekannt als die Geschichte, in der ein Tourist einen in der Sonne dösenden Fischer davon überzeugen will, mehr zu arbeiten und unternehmerisch zu expandieren.

Der Fischer hört sich die enthusiastisch vorgetragenen Pläne des Touristen zur Umsatz- und Gewinnsteigerung geduldig an, nur um zu erfahren, dass er als Lohn seiner Anstrengungen später bequem in der Sonne liegen könne, womit wieder der Ausgangspunkt der Geschichte erreicht wäre.

Wer sich ein wenig mit dem Begriff beschäftigt, merkt zudem: Reichtum ist immer relativ (siehe Podcast 006).

Egal wie viel man hat, es gibt andere, die haben noch mehr. Wann ist es jemals genug?

Auch wenn Napoleon Hill diesen Punkt eher verneint – aus meiner Sicht spielt neben Talent, Können, Selbstdisziplin und Fleiß noch ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle:

Glück. Glück im Sinne positiver Zufälle.

Ein Punkt, den viele erfolgreiche Menschen auch demütig eingestehen: Vieles hängt im Leben eben davon ab, einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein und die richtigen Menschen getroffen zu haben.

Das Glück des Tüchtigen besteht darin, sich für genau diese Momente zu wappnen.

Und dabei kann “Denke nach und werde reich” in jedem Fall helfen.
 
Hast du “Denke nach und werde reich” gelesen? Was ist deine Meinung zum Buch? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Denke nach und werde reichIn seinem Bestseller Denke nach und reich fasst der Schriftsteller Napoleon Hill seine Erkenntnisse aus über 500 Interviews zusammen, die er Anfang des 20. Jahrhunderts mit finanziell erfolgreichen Menschen geführt hat. Klicke hier für weitere Informationen
Shares 121

  • Florian Müller 8. Juni 2016, 17:17

    Hallo Holger,

    vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich erachte auch die mentale Stärke als eine wichtige Eigenschaft um langfristig erfolgreich zu sein. Dabei habe ich mir das Hörbuch von Jens Corssen (Der Selbst-Entwickler) angehört. Dies ist meines Erachtens ein Pflicht Hörbuch für jeden, der etwas aus seinem Leben machen möchte.

    Beste Grüße dein Bloggerkollege

    Florian

  • Covacoro 15. Juni 2016, 20:39

    Hallo Holger,
    vielen Dank für die ausführliche Buchvorstellung. Ich möchte Dir und Deinen Lesern das Buch “Reich werden und bleiben” von Rainer Zitelmann empfehlen, Erscheinungsjahr 2015, das sehr gut und lesenswert ist. Eine ausführliche Rezension findest Du auf meinem Blog unter http://www.covacoro.de/2015/12/23/buchreview-reich-werden-und-bleiben/
    Viele Grüße Covacoro

  • Alex von Qleverkauf 17. Juni 2016, 15:56

    Hallo Holger,

    vielen Dank fürs teilen und das übersichtliche Auflisten der 18 Fehler die es zu vermeiden gilt!

    Grüße
    Alex von Qleverkauf

  • Hallo!
    In meinen Augen hast du die Themen aus dem Buch sehr gut zusammengefasst und auch ausgewählt. Ich selbst habe das bUch schon vor einigen Jahren gelesen. Leider fehlte mir damals noch etwas der Background dafür.

    Zwei deiner Punkte möchte ich nochmal rausgreifen:

    1. Sehr gut finde ich, dass du die Frage stellst, wie sinnvoll ist es überhaupt, vermögend zu werden?

    Meiner ERfahrung nach stellen sich genau diese Frage die alllerwenigstens Leute. Und sicherlich bereuen das nicht wenige im weiteren Verlauf ihres Lebens . Du kannst auch als Unternehmer im Hamsterrad enden.

    Ich persönliche habe meine eigene Definition von ERfolg.

    Reichtum spielt darin überhaupt keine Roll mehr! Für mich lebst du ein erfolgreiches Leben, wenn du ‘ungeschönt’ (wohlgemerkt nicht eingeredet) glücklich bist. Alles andere ist letzten Endes nur Mittel zum Zweck.

    Glücklich bist du in der Regel, wenn du deine persönlichen Ziele erreichst und deine wahren Bedürfnisse gestillt werden.

    Der zweite Punkt ist der Einfluss des Glücks!

    Auch wenn das sogar viele erfolgreiche Leute eingestehen, würde ich behaupten, dass sehr viele von ihnen ihr persönliches Glück dennoch – wenn auch unbewußt – erzwungen haben. Natürlich nicht sofort und unmittelbar, sondern über die Spanne ihres erfolgreichen Lebens.

    Gerade das Beispiel Leute/ Ort richtiger Zeitpunkt wird gerne für den sogenannten Zufall hergenommen. Ich glaube da nicht dran!

    Erfolgreiche Menschen entwickeln unterbewußt ein zielgerichtetes Verhalten. Sie suchen die Situationen, welche für diese ‘Zufälle’ prädestiniert sind. Genau das machen die anderen Erfolgreichen auch und früher oder auch später passt es dann einfach zwangsläufig (darin wird deutlich, dass du schon erfolgreich bist, bevor du oder andere es überhaupt merken).

    Erfolgreiche Menschen erhöhen mit ihren zielgferichteten Verhaltensweisen ganz einfach die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie irgendwann eben tatsächlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

    Klar: Es kann vorkommen, dass du auf Anhieb einen Volltreffer landest, dabei spielt Glück natürlich eine Rolle. In vielen Fällen ist es jedoch nicht so. Den meisten Erfolgen gehen viele ‘Fehlschläge voraus’. Hier kommt dann auch das vielbeschworene Durchhaltevermögen und die Disziplin ins SPiel.

    Tolle Seite, weiter so 😉

    Grüße
    Ingmar

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