So erklärst du deinen Freunden, warum du in ETFs investierst

So erklärst du deinen Freunden, warum du in ETFs investierst

“Wollt ihr nicht auch was Eigenes kaufen?”

“Nein, wir investieren unser Geld an der Börse in ETFs.”

“In E-T-F-s? An der Börse?”

(ungläubiges Kopfschütteln)

Auch im Jahr 2016 wissen noch immer viele Leute nicht, was sich hinter dem Drei-Buchstaben-Kürzel verbirgt und warum es eine gute Idee ist, sein Geld in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) zu investieren.

Wie macht man seinem – in Wertpapier-Investments unbedarften – Umfeld nun klar, warum man sich ausgerechnet für diesen Weg der Vermögensbildung entschieden hat?

Dabei konzentriere ich mich allein auf die Vorteile des passiven Investierens mit ETFs und gehe nicht (erneut) auf die Frage ein, warum man in Wertpapiere statt in Wohneigentum investieren sollte.

Diese Frage kommt ja so sicher wie das Amen in der Kirche, wenn man sich mit anderen Leuten über Vermögensbildung unterhält. Um auch bei diesem Thema zu punkten, findest du auf meiner Immobilien-Seite genügend Argumente.

Diesen Artikel als Podcast hören

Hier kommen 10 Argumente, mit denen du dein Umfeld von ETF-Investments in Aktien überzeugen kannst (ohne zu missionieren!):

1. Du profitierst von der attraktiven Rendite des Aktienmarktes

Im Durchschnitt betrug die inflationsbereinigte Rendite des Aktienmarkts in den letzten 200 Jahren etwa 6 Prozent pro Jahr. Keine andere Anlageklasse erreicht diesen langfristigen Durchschnittswert.

Die Kehrseite der Medaille: Aktien-Anleger müssen bereit sein, zwischenzeitliche Wertschwankungen in Kauf zu nehmen. Keine Chance ohne Risiko. Denn in etwa drei von zehn Börsenjahren kommt es zu Kursverlusten.

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass man sich in sieben von zehn Jahren über ordentliche Gewinne freuen kann, welche die Verluste über lange Zeiträume mehr als wett machen.

2. Du erzielst eine Wertsteigerung für dein investiertes Geld

Risikoarme Anlagemöglichkeiten wie Tages- der Festgeldkonten werfen in der nun seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase kaum noch Erträge ab.

Solange die Inflation ebenfalls auf niedrigem Niveau stagniert, lässt sich der Wert der Ersparnisse auf diesem Weg vielleicht gerade noch erhalten.

Aber leider nicht vermehren.

Eine Wertsteigerung des angelegten Vermögens durch eine positive Realrendite ist auf dem Aktienmarkt hingegen weiterhin möglich und auch zu erwarten.

Dafür sorgt der Risikozuschlag für Aktien, im Englischen als equity risk premium bezeichnet. Dieser Risikozuschlag betrug in der Vergangenheit im Durchschnitt etwa 2,7 Prozent pro Jahr gegenüber risikoarmen Anlageformen wie Sparbuch & Co.

3. Du musst nicht mit Aktien „handeln“

Viele Leute schreckt die Vorstellung ab, sich laufend mit Aktienkursen und Börsennachrichten befassen zu müssen, um mehr aus ihrem Geld zu machen.

Dabei ist es weder notwendig noch sinnvoll, ständig irgendwelche Aktien zu kaufen und zu verkaufen.

Denn je mehr man als Privatanleger versucht, so zu handeln wie die Profis, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man an der Börse Erfolg hat. Gepflegtes Nichtstun, sprich: passives Investieren, verspricht viel mehr Erfolg.

4. Du musst keine Schulden machen

Für die einen ist es das Selbstverständlichste auf der Welt, sich für eine Immobilie zu verschulden. Bei anderen löst die Vorstellung, 20 oder mehr Jahre bei einer Bank in der Kreide zu stehen, allerdings ziemliches Unbehagen aus.

Anders als bei einer Kreditverpflichtung kannst du die Höhe der Sparraten, die in dein ETF-Depot fließen, jederzeit anpassen.

Damit bleibst du finanziell flexibel und kannst dir zum Beispiel erlauben, einfach mal weniger zu arbeiten, eine Auszeit zu nehmen oder dich selbständig zu machen.

5. Du setzt nicht alles auf eine Karte

Wer erfolgreich Vermögen bilden will, sollte sein Risiko streuen. Denn nicht alle Investitionen entwicklen sich so, wie gewünscht.

Wer sein Geld in Aktien-ETFs anlegt, investiert damit automatisch in eine Vielzahl von einzelnen Wertpapieren. Im MSCI World Index stecken beispielsweise rund 1.600 Unternehmen aus der ganzen Welt.

Selbst wenn ein paar davon pleite gehen, spielt das für die Entwicklung deines Gesamtvermögens keine entscheidende Rolle.

6. Es kostet nur wenig Zeit

Als Passivanleger lässt sich mit kaum vorhandenen Zeitaufwand an der Börse Vermögen bilden. Verwaltung und Pflege eines gut strukturierten ETF-Portfolios kosten keine fünf Stunden Arbeit – pro Jahr!

Anfangs ist natürlich ein gewisser Zeiteinsatz notwendig, um sich das notwendige Know-How fürs passive Investieren mit ETFs zu erarbeiten. Denn ohne Strategie und Hintergrundwissen ist es wenig sinnvoll, in Wertpapiere zu investieren.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

7. Es ist kostengünstig

Verglichen mit der Anlage in klassische Investmentfonds oder Immobilien sind die Kosten, die beim passiven Investieren in ETFs entstehen, ziemlich überschaubar.

Die Gesamtkostenquote (engl. total expense ratio; TER) liegt durchschnittlich bei etwa 0,4 Prozent pro Jahr. Hinzu addieren sich nur noch die Transaktionskosten des Online-Brokers, bei dem die ETF-Anteile gehandelt werden. Ausgabeaufschläge oder Vermittlerprovisionen fallen beim Kauf von ETFs keine an.

Fakt ist: je geringer die Kosten eines Investments, desto mehr bleibt dir vom Gewinn übrig.

8. Es ist einfach

Man muss nicht Mathematik oder BWL studiert haben, um sein Geld mit ETFs an der Börse zu vermehren. Sicher, ein paar Grundbegriffe sollte man beherrschen und über die Funktionsweise des Aktienmarktes sollte man zumindest ungefähr im Bilde sein.

Aber das alles ist keine Raketenwissenschaft.

Beim Investieren in Immobilien muss man sicher deutlich mehr Sachverstand mitbringen, um dabei nicht auf die Nase zu fallen. Schon allein aus dem Grund der geringen bzw. kaum vorhandenen Risikostreuung.

9. Es ist langfristig gesehen eine sichere Anlagestrategie

Je länger der Anlagehorizont bzw. die Haltedauer, desto unwahrscheinlicher werden Verluste bei Aktien-Investments. Wer 20 oder mehr Jahre auf sein angelegtes Geld verzichten kann und seine Investments breit streut, wird mit großer Wahrscheinlichkeit keine Verluste erfahren.

Ein weiterer Aspekt: ETFs gelten so wie andere Investmentfonds auch als Sondervermögen. Das Geld der Anleger wird also unabhängig vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt und ist damit auch bei deren Insolvenz sicher.

10. Es ist finanzwissenschaftlich fundiert

Passives Investieren mit ETFs ist ausnahmsweise mal kein neumodischer Hokuspokus, den sich die Finanzindustrie ausgedacht hat, um ahnungslose Privatanleger über den Tisch zu ziehen.

Es fusst auf finanzwissenschaftlichen Theorien wie der Random-Walk-Theorie, der Effizienzmarkthypothese, der Modernen Portfoliotheorie und dem Dreifaktorenmodell.

Das musst du dir natürlich nicht alles merken. Sag einfach, Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Investieren in ETFs eine gute Idee ist.

Übrigens: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Leute alles glauben, wenn man behauptet, Wissenschaftler hätten es herausgefunden 😉

Spass beiseite, deine Argumentation wird in jedem Fall überzeugender und glaubwürdiger, wenn du auch auf die potenziellen Schattenseiten einer passiven Anlagestrategie hinweist. Ich denke, auf die folgenden drei Nachteile sollte man im Zusammenhang mit ETF-Investments aus Gründen der Fairness hinweisen:

1. In ETFs investieren braucht Disziplin

Ein passive Anlagestrategie geht nur dann auf, wenn man diese lange genug durchhält. Die Betonung liegt auf Durchhalten. 20 Jahre sollten es mindestens sein – umso länger, desto besser. Diese Zeit hat nicht jeder bzw. nicht jeder möchte so lange auf sein Geld verzichten.

Und die Flexibilität, die man als Wertpapier-Anleger genießt, bringt auch nicht nur Vorteile mit sich. Sie hat einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Nachteil:

Du musst dich selbst dazu bringen, jeden Monat einen Betrag X zurückzulegen und in dein ETF-Depot zu stecken. Beim Investieren in Wertpapieren gibt es keinen Zwangsspareffekt, der einen wie beim Immobilien-Kredit zur Haushaltsdisziplin zwingt.

2. Es ist nicht leicht

Passives Investieren mit ETFs mag einfach sein, trotzdem ist es nicht leicht. Eine emotionale Herausforderung ist zum Beispiel die mediale Begleitung des Börsengeschehens, welche die täglichen Bewegungen der Börsenkurse zum großen Bohei aufbauscht.

Da muss man als (unerfahrener) Anleger erst einmal die Nerven behalten. Der Immobilienmarkt steht mangels Verfügbarkeit tagesaktueller Marktdaten längst nicht so im Fokus des medialen Interesses.

3. Es eignet sich nur bedingt für Gutmenschen

Immer wieder schreiben mir Leser, dass sie es nicht gutheißen können, in “Standard-ETFs” wie MSCI World Index und Co. zu investieren. Schließlich enthalten diese Rüstungsunternehmen, Pharmafirmen, Betreiber von Atomkraftwerken, Ölkonzerne und noch andere schlimme Finger.

Ob es da nicht Möglichkeiten gäbe, auf ökologisch-nachhaltige und sozial verantwortliche Weise in ETFs zu investieren?

Sorry, aber alles was alles im Bereich Investmentfonds als “grün” oder moralisch veredelt daherkommt, halte ich für Augenwischerei und Gewissensberuhigung. Warum, erfährst du hier.

Der Investmentberater Josh Braun kommentiert diese beiden Investmentansätze mit beißender Ironie wie folgt:

Grüne/saubere Technologie: “Ein Korb voll staatlich subventionierter Experimente und ein paar Aktien von General Electric”

Nachhaltig: “Sowas gibt es nicht – alle Unternehmen sind böse, du Penner”
😉

In einem Satz

Wie lässt sich all das gesagte in Kürze zusammenfassen?

Ich bringe es gerne so auf den Punkt:

Passives Investieren mit ETFs ist die beste Strategie für alle, die ihr Geld selbst anlegen wollen.

 
Fallen dir weitere Argumente ein, die geeignet sind, andere vom passiven Investieren mit ETFs zu überzeugen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

  • Gerrit 26. Juni 2016, 11:19

    Lieber Holger,

    vielen Dank für diese schöne Zusammenfassung! Insbesondere in folgendem Punkt kann ich Dir aus meiner Erfahrung zustimmen: Es ist durchaus sinnvoll, diese Punkte im Gespräch anzubringen, aber nicht mit dem Ziel zu missionieren. D.h. man sollte nicht erwarten, dass der jeweilige Gesprächspartner, der vielleicht 20, 40 oder 60 Jahre lang an das Immobilienmärchen geglaubt hat, aufgrund eines solchen Gesprächs plötzlich feststellt: “Stimmt, Du hast recht, ich lag mein ganzes bisheriges Leben lang falsch. Mach ich jetzt halt ETFs, danke für den Tip.” Man sollte ggf. bedenken, dass man selbst auch einen gewissen Weg zurückgelegt hat, um ETFs für sich zu entdecken und für sinnvoll zu befinden. Diesen Weg müssen andere auch erst gehen, und man sollte ihnen diese Zeit und diese Arbeit an sich selbst zugestehen. D.h. ETFs anregen ja, aber Zustimmung erwarten nein, erst recht nicht spontan.
    Im Übrigen werden ETFs in Deutschland ja erst seit dem Jahr 2000 angeboten, das ist noch nicht sooo lange, dass sich auf breiter Ebene Erfolgsgeschichten etablieren konnten. Viele Anleger, die schon vorher sinnvollerweise in Aktien investieren wollten, mussten sich entweder mit wenig diversifizierten Einzelaktien (die Telekom lässt grüßen) oder teuren Fonds rumschlagen und haben entsprechend schlechte Erfahrungen “mit Aktien” gemacht. Dass ETFs diese Probleme nicht haben, muss sich erst mal rumsprechen und Vertrauen entstehen.

    Aber da es jetzt ja unabhängige und wissenschaftlich fundierte Blogs wie Deinen gibt, bin ich zuversichtlich, dass noch viele Ihr ETF-Glück finden werden 🙂

    Beste Grüße,
    Gerrit

    • Holger Grethe 26. Juni 2016, 15:53

      Hallo Gerrit,

      missionieren sollte absolut nicht das Ziel sein, da gebe ich dir recht. Absolut berechtigt ist auch der Hinweis, dass es sich bei ETFs um eine – zumindest in Deutschland – noch relativ junge Anlagemöglichkeit handelt. Immobilien hingegen gab es schon immer …

  • beate 26. Juni 2016, 18:51

    Das schreckt mich jetzt aber.ich bin absoluter Anfänger bzl. Etf oder Aktien.
    Und du schreibst 20 Jahre solle man in etf investieren? Ich dachte mir so 10 Jahre…

  • Jens 28. Juni 2016, 13:56

    Hallo Holger,

    ich vermute der 20-Jahres Zeitraum könnte sich deutlich reduzieren, wenn man nicht den S&P 500 betrachtet, sondern ein weltweit diversifiziertes Portfolio oder?

    Grüße,
    Jens

    • Holger Grethe 1. Juli 2016, 14:18

      Hallo Jens,

      ich sehe das nicht so. Die Korrelation der weltweiten Aktienmärkte ist ja schon ziemlich hoch (> 90%, wenn ich mich richtig erinnere). Vor allem in Crashphasen ist der Gleichlauf noch höher.

      Verlustrisiken lassen sich bei Aktien-Investments deshalb nur durch zwei Maßnahmen effektiv reduzieren: Asset-Allocation und Laufzeit.

      Natürlich macht Risikostreuung im Sinne eines Weltportfolios trotzdem Sinn …

    • Jens 3. Juli 2016, 11:45

      Korrekt! Aber da es
      a) immerhin einen (wenn auch geringen) Diversifikations-Vorteil beim Weltportfolio (auch in Abschwungphasen) gibt und
      b) die Asset-Allokation selten bei 100% Aktien liegen dürfte
      halte ich auch deutlich geringere Anlagehorizonte (ab 7-10 Jahren) für denkbar. Natürlich erhöht sich dann die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Verlust einfahren könnte.
      Den Grundtenor der Aussage “umso länger, desto besser” unterschtreiche ich voll und ganz!

      Grüße,
      Jens

  • Guy Incognito 2. Juli 2016, 02:45

    Ach ja. Die lieben Leute sind ja im Grunde zu gefühlt 90 Prozent alle gleich. Kaum weicht man ein wenig von der Norm ab, hat eine eigene Idee für seine Geldanlage, schon erntet man ungläubiges Kopfschütteln und entsetzte Blicke. “Sind ja alles Zocker, die mit der Börse”. Das noch von jemanden, der dem Bankverkäufer, Versicherungsverkäufer, Immobilienmakler oder Bauunternehmen bedingungslos glaubt. Ich kenne das.

    Ich würde mich niemals für Jahrzehnte verschulden um einige Ziegel mein eigen zu nennen, schon deshalb nicht, dass man doch nie weiß was morgen sein wird. Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung, obwohl die Ehe vor einem halben Jahr noch so harmonisch aussah. Glaubt man mir nicht? Schwarzmalerei? Hat es alles in meinem Bekanntenkreis schon gegeben!

    Ich fühle mich dann mit meinem ETF und Aktiendepot viel wohler und freue mich auf meine Dividendenzahlungen.

  • Reinhard 2. Juli 2016, 07:23

    Hallo Holger,

    vorrauschicken möchte ich eine kurzes Lob für deine ansehnliche und lehrreiche Internetpräsenz; ich bin ein regelmäßiger Hörer deines Podcasts, und ich beginne mich, dank dir, immer mehr für diese Dinge zu interessieren.

    Da ich jetzt immer konkreter darüber nachdenke in ETF’s Geld zu investieren, habe ich intensiver zum Thema nachrecheriert, und bin unter der größtenteils ETF positiv-darstellenden Artikeln, nun in der Zeit auf einen gestoßen der das viel kritischer betrachtet. –> http://www.zeit.de/2016/25/indexfonds-sparen-anleger/komplettansicht

    Mich, als eher risikoscheuer Mensch, macht das unsicher, und lässt mich zögern in diese Anlageform zu investieren, darum, und weil ich deine Expertise diesbezüglich sehr schätze, würde ich mich über ein kurzes Kommentar zum, im Zeit-Artikel beschriebenem, Problem mit ETF’s freuen.

    Mit freundlichen Grüßen, Reinhard

    • Holger Grethe 2. Juli 2016, 12:01

      Hallo Reinhard,

      auf ein paar der im ZEIT-Artikel angesprochenen Kritikpunkte bin ich bereits in diesem Artikel eingegangen:
      https://zendepot.de/ist-passives-investieren-nur-eine-mode-die-bald-vergeht/

      Insbesondere auf den Vorwurf, ETFs gefährdeten die Stabilität der Finanzmärkte …

      Noch eine Anmerkung zum im ZEIT-Artikel zitierten John Bogle, den Gründer von Vanguard. Soweit ich seine Ausführungen in der Vergangenheit verfolgt habe, hat er kein Problem mit ETFs an sich. Er bemängelt im Wesentlichen zwei Dinge:

      1. Mit ETFs kann man traden, also schnell kaufen und verkaufen (mit klassischen Indexfonds geht das nicht) – Das widerspricht natürlich jeder buy-and-hold-Philosophie, aber nur weil man mit ETFs traden kann, heißt das nicht, dass man es auch tun muss

      2. Die Finanzindustrie pervertiert die Idee von Indexfonds (in den Markt als Ganzes zu investieren), indem sie laufend neue Nischenprodukte auflegt, mit Derivaten anreichert und damit zur Spekulation aufruft

      Ich bin nach wie vor überzeugt, dass börsengehandelte Indexfonds (ETFs) ein gutes Investment sind, wenn man weiß, was man tut und sich bei der Portfolio-Gestaltung auf das Wesentliche konzentriert.

    • Walter 3. Juli 2016, 11:47

      Ich finde, die Zeit schreibt da teilweise ziemlichen Quark.

      Es ist Blödsinn, zu denken, dass der ETF-Preis an der Börse durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, so wie es natürlich klassisch mit Aktienhandel der Fall ist.

      Der ETF bildet unabhängig davon immer den zugrundeliegenden Benchmark – i.d.R. ein Index – ab. Angebot und Nachfrage für ETF-Anteile wird im Hintergrund durch den Creation/Redemption Prozess reguliert, der somit als Puffer für solche (Ver-)kaufsspitzen dient.
      –> http://www.boerse-am-sonntag.de/etfs/etfs/artikel/der-creationredemption-prozess-von-der-erschaffung-eines-etfs.html
      Hierbei ist der zugrundeliegende Aktienkorb des ETFs von der Börse abgekoppelt, da der Handel außerbörslich stattfindet (–> https://de.wikipedia.org/wiki/Dark_Pool). Nachkauf bzw. Verkauf von Aktienpaketen zur Erhöhung/Reduzierung von ETF-Anteilen beeinflußt somit den Börsenpreis erst mal nicht.

      Das mag in Panikzeiten evtl. anders sein. Aber solche Tage sind ja nicht die Regel und für Langzeitinvestoren eigentlich immer eine günstige Gelegenheit für Käufe^^.

    • Holger Grethe 4. Juli 2016, 21:28

      Hallo Walter,

      “Es ist Blödsinn, zu denken, dass der ETF-Preis an der Börse durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, so wie es natürlich klassisch mit Aktienhandel der Fall ist.”

      Dein Einwand ist so nicht ganz korrekt. Die Preisbildung der ETF-Anteile vollzieht sich kurzfristig(!) sehr wohl durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Das sagt zum Beispiel auch iShares selbst:

      “For ETFs, like stocks, the current market price reflects the highest price at which buyers are willing to buy and the lowest price at which sellers are willing to sell. In other words, the current market price is set by supply and demand.”

      Dadurch kann der Börsenkurs eines ETF bei einer sprunghaften Änderung der Nachfrage (in beide Richtungen) von seinem Nettoinventarwert (NAV) = Summe der im Fonds enthaltenen Wertpapiere abweichen.

      Und zwar solange, bis durch den – von dir bereits angesprochenen – Creation-/Redemption-Prozess der Kurswert wieder an den NAV angeglichen wurde.

      Sind diese kurzfristigen Abweichungen (“premiums” bzw. “discounts”) nun ein Problem für den Passivanleger? Ich glaube: nein.
      Und auch iShares stellt fest:

      “It’s important to note that premiums and discounts are less relevant if your ETF is part of a buy-and-hold strategy.”

      Ist ein komplexes Thema. Vielleicht schreibe ich doch einmal einen Artikel darüber …

  • Commander 2. Juli 2016, 15:23

    Hallo Holger,

    nachdem ich nun eine geraume Zeit dein Blog lese und die Aussagen (Pro ETF, contra Eigenheim und besonders: Pro sich mit dem Thema beschäftigen) hat eine ganz besondere Person an meiner Seite eine Frage die ich ihr nicht beantworten kann:

    Was ist der Unterschied zwischen ETF und einem (Dach)fond?

  • Alex von qleverkauf 5. Juli 2016, 10:14

    ZITAT
    „In E-T-F-s? An der Börse?“
    (ungläubiges Kopfschütteln)

    Irgenwie gibt einem sowas doch den nötigen Rückhalt und Antrieb! Wer es liebt mit der Herde zu schwimmen wird es an der Börse sowieso schwer haben. Das sagt auch Warren Buffett.

  • Ronny 8. Juli 2016, 19:25

    Genialer Artikel, vielen Dank.

  • Der Finanzfisch 10. Juli 2016, 10:22

    Hallo Holger,
    guter Artikel. Deine Tipps helfen bestimmt, den einen oder anderen von ETFs zu überzeugen, und das ist auch dringend nötig.

    Bei ETFs paaren sich häufig Unwissenheit, Halbwissen und Vorurteil. Eine gefährliche Mischung. Es hält sich leider noch immer der Irrglaube, dass ETFs ein total unseriöses Finanzprodukt seien, an dem nur die Emittenten gewinnen können.

    Ich wurde neulich erst gefragt: “Und was ist mit deinen ETFs beim Brexit passiert?” – Häää? Was soll damit passiert sein? Der Dax-ETF hat sich in etwa so verhalten wie der DAX, der MSCI World ETF etwa so wie der MSCI World und der MSCI Emerging Markets , oh Wunder, in etwa so, wie der MSCI Emerging Markets.

    Alles in Allem also total unspektakulär. Allerdings habe ich es bei einigen meiner Freunden nicht so leicht, da gelte ich zu Teilen schon als böser Kapitalist, Zocker und Wallstreet-Trader, weil ich in Aktien und ETFs investiere. Da liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns und ich werde Deine Argumente bei nächster Gelegenheit mal “im Feld” testen 😉

    Viele Grüße
    der Finanzfisch

    • Holger Grethe 10. Juli 2016, 21:26

      Jaaa, der Brexit, voll die Katastrophe … Deswegen steht der FTSE100 aktuell ja auch höher als noch vor dem Referendum 😉

  • K. 14. Juli 2016, 23:53

    Ein interessanter Artikel zum Thema ETFs findet sich auch hier: http://www.zeit.de/2016/25/indexfonds-sparen-anleger/komplettansicht

    Fürs Protokoll: Ich habe und bespare Dank Holger, seinem Blog und seinem Online-Kurs und auch Dank Tim Schäfer ( timschaefermedia.com ) sowie finanziell-umdenken vermehrt ETFs seit letzten Herbst. Und habe auch vor dies weiterhin zu tun.

    Aber vermutlich sind solche Tage mit “Panik” die das Gleichgewicht aus den Fugen geraten lassen hoffentlich eher selten (wie ein Kommentator weiter oben schon benannte) und ggf. ist die Modeerscheinung ETF bald rum so das hier keine Blase entstehen kann. Ich werde trotzdem dabei bleiben, aber wenn quasi der “Urvater” sowas äußert, dann grübelt man halt etwas.
    Buy&Hold hat sich bisher, egal bei was, in der Regel auf Dauer bezahlt gemacht. Und breit streuen (diversifizieren) nur mit Einzelaktien als “kleiner” Privatanleger geht halt nicht so einfach.

    Ich werde jetzt mal prüfen in wie weit “klassische” Indexfonds sich von ETFs unterscheiden und welche “klassichen” Vanguard-Indexfonds über meinen deutschen Broker erhältlich sind…..
    Oder vielleicht hat Holger den Unterschied von “Klassiker” zu ETF parat?
    Wie stehst Du, Holger, zu diesem Artikel?

  • Marco 27. Juli 2016, 14:30

    Hey Holger,

    danke für diese super Zusammenfassung! Ich investiere mittlerweile seit mehr als 1 1/2 Jahren in ETF’s und konnte bereits jetzt eine durchaus sehenswerte Rendite erzielen. Klar kommen auch mal Zeiten wo es schlechter läuft, aber ich denke hier ist auch wie so oft in diesem Gebiet das Stichwort “Ausdauer”.

    In Zukunft werde ich meinen Freunden und Bekannten das gar nicht mehr erklären, sondern einfach direkt auf deinen Beitrag verweißen! 😉 Das ist sowohl für mich einfacher und bringt dir den ein oder anderen Leser hoffentlich.

    Liebe Grüße
    Marco

  • Karsten 31. Juli 2016, 15:45

    Auch meine Erfahrung ist, dass in der Bevölkerung große Unwissenheit herrscht. So werde ich eben wegen dieser auch als Spekulant oder Zocker von meinen Bekannten und Freunden betrachtet weil ich ETFs bespare. Meines Erachtens sollte Finanzwissen gezielt in der Schule unterrichtet werden.

    Wenn man sich mal so einen Index anschaut ist die Argumentation dabei recht simpel. Man muss sich nur mal überlegen was man selbst so jeden Tag macht.
    Nach dem Aufstehen mache ich das Licht an (Energieunternehmen), im Bad putze ich mir die Zähne mit Zahnpaste (Chemieunternehmen), dann esse ich etwas (Nahrungsmittelhersteller), mit der Bahn / meinem Auto (Transportunternehmen/Automobilindustrie) fahre ich zur Arbeit wo ich Geld zum Leben verdiene (Banken) und mit Freunden telefoniere/chatte ich (Telekommunikationsunternehmen). In die erfolgreichsten deutschen Unternehmen die mir all das ermöglichen, mit Millionen von Kunden noch dazu, investiere ich quasi direkt über meinen ETF. Warum sollte das bitteschön spekulativ sein?
    Oder anders gefragt was passiert denn wenn der Dax zusammenbricht wie einige Unverbesserliche immer wieder beschwören? Dann würde unser gesamtes Leben mit zusammenbrechen, denn das hieße ja all das oben genannte nicht mehr tun zu können weil genau diese Unternehmen alle in der Krise stecken.

    BTW: Ich habe 2007 mit einer großen Einmalanlage angefangen in Fonds zu sparen. Habe also den Wertverlust 2007/08 voll mitgenommen. Ich habe die Anlagen bis heute gehalten und seit 2011 investiere ich in ETF Sparpläne. Heute sagen mir meine Vergleichsrechnungen, dass ich, Kaufprovision mit bedacht, ca. 5,3% pro Jahr Gewinn habe.

  • Finanzielle Freiheit 5. August 2016, 22:23

    Eine schöne Zusammenfassung der Vorteile von ETFs! Ich teile Deine Meinung, dass man eine tolle, reicht einfach zu verfolgende Strategie mit ETFs verfolgen kann. Allerdings sind mir meine tollsten Investitionen mit Einzelaktien gelungen. Dennoch lasse ich in letzter Zeit immer mehr die Finger von Einzelaktien.
    Ich werde demnächst auch zu ETFs einen Artikel auf meinem Blog publizieren und freue mich, wenn Du mal vorbeischaust!

  • Jürgen 15. September 2016, 11:22

    Hallo Holger,
    zunächst mal Kompliment für diese strukturierten, entspannten Einführungen in die durchaus umfangreiche Thematik der persönlichen Finanzen. Schon die erste “Motivations e-Mail” hat mich -zugegebenermaßen im Urlaub auf Mallorca- zur Beschäftigung mit der Thematik motiviert. Im Prinzip ist es wirklich ganz einfach, wie im Berufsleben eigentlich auch einfache Regelkreise zu etablieren. Da wäre das Ziel und anschließend der Plan. Ggf. immer mal wieder eine Kontrolle ob`s “noch läuft” und gut ist. In meinem Fall wäre mein persönliches Ziel anstatt mit 67 Jahren die Rente doch schon mit 60 oder spätestens 63 azutreten. Man sollte sich also mit dem kompletten Zahlenwerk beschäftigen welches ggf. ja auch auf mehreren Säulen basiert (Riester Sparplan, Eichel Förderung, LV durch den AG bezahlt, ETF Sparplan). Eventuell führt mich mein Weg dann auch nochmal zu einer Beratung bei unserer Verbraucherzentrale in FFM.
    However, jedenfalls ein sehr gelungenes Angebot welches du da auf die Beine gestellt hast sowohl in Youtube, Podcasts und Blog.

77 Shares
Share75
Tweet2

FINDE DIE BESTEN ETFs

Hol dir die Checkliste mit den 3 wichtigsten Kriterien zur ETF-Auswahl - direkt in deinen Posteingang