Warum ETFs nicht die Lösung sind (sondern nur Werkzeug)

ETFs sind Werkzeug

Irgendwann hast du beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann.

Schon länger hast du geahnt, dass auf Provisionen schielende Finanzverkäufer und überteuerte Finanzprodukte nicht die ideale Basis sind, um Vermögen aufzubauen.

Langsam ist die Einsicht gereift, dass du dich wohl oder übel doch selbst um dein Geld kümmern musst, wenn etwas daraus werden soll.

Und dann hast du irgendwo (vielleicht sogar auf diesem Blog) von dem finanziellen Allheilmittel gehört oder gelesen, das vermeintlich alle Probleme lösen kann:

Die Rede ist von börsengehandelten Indexfonds, auch ETFs genannt.

Das finanzielle Wunderprodukt?

Finanzwissenschaftler empfehlen sie, Verbraucherschützer ebenso. Auf Honorarbasis arbeitende Finanzberater raten ihren Kunden zu dieser speziellen Form von Investmentfonds und auch ich halte ETFs für das ideale Anlageprodukt für die langfristige Vermögensbildung.

Sind ETFs also die Lösung in Sachen Geldanlage?

Sie sind es nicht.

Warum das so ist, könnte man kaum treffender ausdrücken als mit diesem 30-Sekunden-Videoclip:

Tja, was hat nun ein als Schneidebrett missbrauchtes iPad mit ETFs zu tun?

Eine ganze Menge.

Du ahnst vielleicht, worauf ich hinaus will: Das tollste Werkzeug nützt nichts, wenn man es nicht benutzen kann oder falsch anwendet.

Auch ein ETF ist letztlich nur ein Werkzeug. Eines, dass wenn es richtig angewendet wird, viel Nutzen bringen kann. Und wenn es falsch eingesetzt wird, mindestens ebenso viel Schaden.

Können ETFs dem Depot schaden?

Unter dem Titel “The dark side of ETFs” erschien 2013 eine Studie, in der untersucht wurde, welchen Effekt die Investition in ETFs für das Depot von Privatanlegern hat.

Die Daten wurden bei einem großen deutschen Online-Broker erhoben. Während eines Zeitraums von etwa 2,5 Jahren (August 2006 bis März 2009) wurde eine Gruppe von mehr als 4.000 Privatanlegern untersucht, von denen 473 zum ersten Mal in indexorientierte Anlageprodukte (ETFs) investierten.

Die Ergebnisse dieser Arbeit klingen leider nicht sonderlich ermutigend.

Denn die Gruppe der ETF-Käufer schnitt im Mittel signifikant schlechter ab als diejenigen Anleger, die nicht in passive Anlageprodukte investiert hatten.

Bedenklich stimmt vor allem, dass sich die Portfolio-Performance der ETF-Investoren auch risikoadjustiert verschlechterte. Das bedeutet, dass nicht bloß weniger Rendite erzielt wurde, sondern die ETF-Anleger dabei auch noch ein höheres Risiko eingingen.

Das Fazit der Studie: Anleger, die erstmalig in ETFs investieren, schnitten schlechter ab als Anleger, die diesen Schritt nicht taten.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Interessant wird es, wenn man sich die Ursache ansieht, die in der Studie für das ernüchternde Ergebnis ausgemacht wurde.

Denn die meisten Anleger, die sich neu mit ETFs befassten, waren plötzlich aktiver und kauften und verkauften viel häufiger Wertpapiere als zuvor.

Dank eines miserablen Market Timings sorgten sie so für eine spürbare Verschlechterung ihrer Depot-Performance.

Um die Misere auf den Punkt zu bringen: Es wurde ein passives Anlageprodukt genommen und damit aktiv gehandelt.

Klingt paradox, und das ist es auch.

Was aber hat die ETF-Neulinge dazu bewogen, so fleissig mit dem neuen Anlagespielzeug zu “traden”?

Die Antwort könnte nicht trivialer ausfallen: Vermutlich einfach, weil es geht.

Zwei Paar Schuhe

Man darf nicht übersehen, dass es zwei Anlageprodukte gibt, die scheinbar den gleichen Namen tragen, sich aber in einem wesentlichen Detail unterscheiden.

Denn es gibt Indexfonds und börsengehandelte Indexfonds.

Letztere werden im Englischen als ETFs, also Exchange Traded Funds bezeichnet.

Man kann ETFs wie einzelne Aktien an der Börse handeln. Ihr Preis wird während der Handelszeiten der Börse fortlaufend berechnet und ständig aktualisiert.

Bei der klassischen Variante des Indexfonds hingegen wird der Preis eines Fondsanteils nur einmal pro Tag berechnet und bekannt gegeben. Man kann zwar auch klassische (Index)fonds über die Börse kaufen, aber eben nicht aktiv damit traden wie mit ETFs.

Das Problem ist der Anwender

Was ist ein Küchenmesser: Waffe oder Werkzeug?

Kommt ganz drauf an. Und zwar auf die Absicht desjenigen, der damit rumfuchtelt.

Ist die Schuld also bei den ETFs zu suchen, wenn Anleger mit diesem Anlageprodukt groben Unfug anstellen?

Sollten Privatanleger nur in die Sorte Indexfonds investieren, mit der nicht so schnell Schindluder getrieben werden kann? Oder gar in “ganz normale” Investmentfonds, wie sie immer noch die überwiegende Mehrheit der Anleger im Depot hat?

Besser nicht.

Denn klassische Investmentfonds haben eine indiskutabel hohe Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio; TER) von durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr, zu der sich auch noch fondsinterne Transaktionskosten (1 Prozent und mehr) hinzuaddieren.

Und auch nicht börsengehandelte Indexfonds weisen mit durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr eine höhere TER auf als ETFs, bei denen die Kostenquote im Mittel nur knapp 0,4 Prozent pro Jahr ausmacht.

Blendet man einmal den Aspekt der Handelbarkeit an der Börse aus, spricht die Kostenfrage demnach eindeutig für ETFs. Schließlich bedeutet jeder Prozentpunkt weniger Kosten langfristig gesehen mehr Rendite.

Um es an dieser Stelle ganz klar zu sagen:

ETFs sind hervorragende Anlageinstrumente, wenn man weiß, was man tut. Es sind passive Anlageprodukte, die wie geschaffen dafür sind, um eine passive Anlagestrategie in der Praxis umzusetzen.

Die Überlegenheit einer kosteneffizienten, indexorientierten (passiven) Anlagestrategie gegenüber aktiven Investmentstilen ist vielfach belegt.

Das Geheimnis des Erfolges: Produkt und Anlagestrategie müssen eine Einheit bilden.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

Es ist der Bauer, nicht die Badehose

Wir sollten aufhören, uns etwas vorzumachen. Denn das größte Problem beim Investieren sind nicht der Broker, nicht die Börse und auch nicht ETFs oder andere Anlageprodukte.

Das größte Problem sind wir selbst.

Diese Erkenntnis ist äußerst unbequem, das gebe ich zu. Denn sie bedeutet, dass es ganz offensichtlich unsere eigene Unzulänglichkeit ist, die für unbefriedigende Ergebnisse beim Geld anlegen sorgt.

Das traut sich in der Finanzbranche aber niemand den Kunden gegenüber offen zu kommunizieren. Stattdessen lenkt man die Aufmerksamkeit lieber auf Produkte und Marktentwicklungen.

Zum einen gibt es da immer wieder was Neues zu berichten und außerdem erspart man denn Anlegern so die bittere Erkenntnis, dass diese ihrem größten Problem bei der Geldanlage vermutlich täglich begegnen: Beim morgendlichen Blick in den Badezimmerspiegel.

Ein Zitat des Finanzautors Tim Maurer bringt die Sache ganz wunderbar auf den Punkt:

Angesichts von Statistiken, die darauf hinweisen, dass etwa 80 Prozent der Ratschläge, die Finanzplaner ihren Klienten geben, nicht von diesen umgesetzt werden, ist es endlich an der Zeit zu erkennen, dass es bei den persönlichen Finanzen mehr um das Persönliche geht als um die Finanzen.

Wissen und Werkzeug

Persönlichkeit hin oder her: Natürlich braucht man auch beim Investieren gutes Werkzeug. Aber das ist in Form von ETFs ja vorhanden.

Wie aber erlernt man aber den richtigen Umgang mit diesen Anlagewerkzeugen? Offensichtlich ist die ganze Angelegenheit ja doch anspruchsvoller, als bloß eine Handvoll ETFs ins Depot zu packen.

Ich kann dir sagen, wie ich es gelernt habe:

Mir sind vor einigen Jahren ein paar exzellente Bücher des Finanzautors Gerd Kommer (*) in die Hände gefallen. Gerd Kommer war meins Wissens der erste deutschsprachige Autor, der über indexorientiertes Investieren Bücher veröffentlicht hat, die sich an Privatanleger richten.

Ich habe seine Bücher gelesen…und erst einmal nichts unternommen.

Ein paar Jahre später habe ich sie wieder aus dem Schrank geholt und plötzlich wollte ich mehr wissen. Daraufhin habe ich mir englischsprachige Bücher über passive Anlagestrategien besorgt und als ich noch mehr wissen wollte, habe ich angefangen, finanzwissenschaftliche Artikel zu lesen. Und habe parallel dazu mein erstes ETF-Depot aufgebaut.

“Klingt ziemlich anstrengend! Gibt es keine angenehmere Möglichkeit, wie man passiv Investieren mit ETFs lernen kann?”

Ja, gibt es.

Wie wäre es mit einem Online-Video-Training?

Mein Online-Kurs ZENinvestor ist eine videobasierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, gemacht für Börseneinsteiger und -umsteiger, mit der du das Passive Investieren mit ETFs lernen kannst.

Und zwar so, dass es Spaß macht und garantiert nicht langweilig wird. Auf dieser Seite bekommst du weitere Informationen zum Kurs.

Seit dem ersten Durchgang im März 2014 haben bis heute mehr als 600 Teilnehmer an ZENinvestor teilgenommen. Welche Erfahrungen die Absolventen auf ihrem Weg zur finanziellen Selbstbestimmung gemacht haben, kannst du hier nachlesen.

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

  • Patrick M. 27. Februar 2014, 14:55

    Hallo Holger,
    Lange haben wir auf den Kurs gewartet und persönlich bin ich wirklich sehr gespannt. Ich hatte zwar nicht direkt erwartet, dass dein Kurs etwas kostet, doch gute Arbeit soll ja auch belohnt werden! Wie hoch wird deine Belohnung sein bzw. mit welchen Kosten darf man rechnen?

    Danke

    • Holger Grethe 27. Februar 2014, 15:48

      Hallo Patrick,

      vielen Dank für dein Interesse. In ein paar Tagen werde ich den fertigen Kurs präsentieren mit allen Informationen, die dazugehören, um eine sinnvolle Kaufentscheidung treffen zu können.

      Bitte habe Verständnis, dass ich den Preis vorher nicht nennen kann. Es wäre schlicht und einfach eine nutzlose Information, solange nicht eindeutig klar ist, was du für dein Geld bekommst.

      Soviel kann ich allerdings schon verraten: gemessen an dem, was du mit dem im Kurs vermittelten Wissen langfristig erwirtschaften kannst, ist der Kursbeitrag ein Klacks. 😉

  • geldexperimente 27. Februar 2014, 18:54

    hallo,

    gemeiner Titel – ich dachte schon, ich hätte die letzten zwei Jahre was falschgemacht 😉

    Sind ETFs die Lösung? Kommt aufs Problem drauf an, würde ich sagen.

    ciao,
    christian

  • Chris 28. Februar 2014, 08:28

    Hallo,

    die Vorteile der ETFs habe ich schon verstanden, aber woher weiß man nun als Einsteier welchen ETF man sich ins Depot legen sollte. An welchen Kriterien macht man so etwas fest? Das wäre mal ein Punkt der mich interessieren würde.

    • Dummerchen 28. Februar 2014, 16:00

      Hallo Chris,

      welchen ETF sollte man kaufen? Gute Frage. Leider ist eine Antwort auf die Frage nicht so einfach möglich, wie es vielleicht klingen mag. Hast Du Dir die Passiv Investieren Serie von Holger schon durchgelesen? Einschließlich der Kommentare ;-)? Falls nicht, solltest Du dies nachholen.

      Deine Frage fängt leider am falschen Ende in der Kette der Entscheidungen an – Du fragst nach einem konkreten Produkt. Zuvor sollte aber die Entscheidung gefallen sein, in welchen Index (oder in welche Indizes) Du überhaupt investieren möchtest. Doch bevor Du diese Entscheidung triffst, würde ich Dir raten, Dir Gedanken über die gesamte Aufteilung Deines Vermögens zu machen – wieviel soll ich “sichere” Anlagen fließen, wieviel in “riskantere” Anlagen (wie Aktien-ETFs). Dabei sind Fragen wie “Wieviel Risiko kann ich vertragen?” sowie “Wieviel Risiko ist für mich überhaupt notwendig?” wichtig. (Teil 4 der o.g. Serie beschreibt den Prozess, wie man ein Depot aufbauen kann, eigentlich ganz schön.)

      Wenn Du für Dich all’ diese Entscheigungen getroffen hast – sowas macht man nicht mal eben so im Vorbeigehen, nimm Dir also Zeit – gebe ich Dir gerne noch ein paar Hinweise, auf welche Kriterien man im konkreten Fall achten könnte. Falls Du Dir allerdings einen Hinweis auf einen konkreten ETF erhoffst, muss ich Dich enttäuschen. Den wirst Du von mir nicht bekommen – ich bin kein Fachmann und will mit meiner bescheidenen Meinung niemanden in sein Unglück stürzen :).

    • Holger Grethe 28. Februar 2014, 17:21

      Hallo Chris,

      deine Frage spiegelt das Dilemma der meisten Anleger wider, so wie ich es ja auch im Artikel beschrieben habe.

      99% der Gedanken kreisen um das Anlageprodukt, dabei steht die Auswahl der Anlageprodukte sinnvollerweise erst ganz am Ende einer Entscheidungskette.

      Ohne die Auseinandersetzung mit deinen finanziellen Zielen und Bedürfnissen, ohne Anlagestrategie (“was mache ich, wenn Fall XYZ eintritt?”), ohne Verständnis für die verschiedenen Risiken bei der Geldanlage ist es eher unwahrscheinlich, dass du irgendeinem ETF über 10, 20 oder 30 Jahre die Treue hältst.

      Genau diese Treue ist aber notwendig, wenn du an der Börse erfolgreich Vermögen bilden willst.

      Ohne schamlos Werbung für ZENinvestor machen zu wollen, aber genau für Leute wie dich habe ich meinen Online-Kurs (siehe oben) entwickelt. Vielleicht ist das ja was für dich?

  • Dummerchen 28. Februar 2014, 11:46

    Bei der berechtigen Freude über die Möglichkeit einer kostengünstigen breitgestreuten Investitionsmöglichkeit in Aktien mittels ETFs, darf man nicht übersehen, dass die Anbieter auf der ETF-Welle auch Produkte anbieten, die nicht mehr viel mit der marktbreiten Investition in Indexfonds zu tun hat. Daher ist die Überschrift dieses Artikels gar nicht so widersprüchlich, wie sie zunächst klingen man. 2001 gab es in Deutschland nur 18 ETFs, heute sind es über 1000. Klar, es gibt mittlerweile ein bis zwei Handvoll ETF-Anbieter in Deutschland, die einen vergleichbaren ETF auf den gleichen Index anbieten, aber die Gesamtzahl der ETFs erscheint doch arg hoch.

    Es gibt mittlerweile zahlreiche ETFs, die für den Privatanleger von zweifelhaftem Nutzen sind: Neben ETFs auf einzelne Länder (FTSE Vietnam UCITS ETF – wer wollte noch nicht in dieses spezielle Land investiert haben?), Branchen (STOXX Europe 600 Optimised Health Care – Gesundheit ist ja schließlich wichtig!) gibt es gehebelte (Leveraged-ETFs) und Short-ETFs, die auf fallende Kurse setzen. Ich weiß nicht, wie viele Privatanleger in solche Produkte investieren – hoffe aber, dass die Anzahl klein ist und wenn sie doch gekauft wurden, dass die Leute wissen, was sie tun.

    Die beiden explizit genannten Indizes liegen übringes im Spitzenfeld der aktuell höchsten erzielten Renditen seit Jahresbeginn 2014. Würde ich sie deswegen kaufen – nein! Sie passen nicht in meine Strategie. Womit ich Holgers Ausführungen unterstreichen will: Nur wenn die Strategie und das persönliche Handeln zum Produkt passen, wird aus der Anlage eine runde Sache.

    • Holger Grethe 28. Februar 2014, 17:27

      Die Überschwemmung des Marktes mit Themen- und Trend-ETFs ist in der Tat ein weiteres Fass, dass ich in diesem Artikel nicht auch noch aufmachen wollte.

      Es ist leider Ausdruck einer Industrie, die zu 105% produktorientiert denkt und dadurch glaubt, Anleger mit einem stetig größer werdenden Wust von ETFs beglücken zu können…

  • Covacoro 1. März 2014, 00:02

    Tja, Holger, so langsam nähern wir uns an. ETFs sind nicht die Lösung, die Anleger setzen das Vehikel falsch ein, sie sind selbst ihr größter Feind. Alles richtig.

    Dann könnte man doch jetzt hinterfragen, ob Index-Tracking noch weitere Probleme hat? Ignorieren wir also Sektor-ETFs, Short-/Hebel-ETFs und gewisse Modelösungen, wie ETFs auf Trendthemen etc. und sehen uns die typischen marktkapitalisierungsgewichteten Indizes an, die passive Investoren einsetzen, die eine gewisse Diversifikation erreichen wollen, also z.B. Stoxx600, S&P500, MSCI World, MSCI Emerging Markets, Russel 2000, breite Bondindizes usw. usf. Dann ergibt die Suche in der Literatur z.B. diesen Link hier von der CASS Business School in London: http://www.cassknowledge.com/sites/default/files/article-attachments/Monkey-presentation-Prof-Andrew-Clare.pdf
    Fazit: Market-Cap gewichtete Indizes sind das schlechteste Vehikel, was man wählen kann – niedrigste Performance und niedrigste Sharpe Ratio. Sie werden sogar von einem Zufallsportfolio Marke “Affe wirft Dartpfeil” oder einem simplem 1/n gleichgewichteten Portfolio geschlagen, das 1x pro Jahr rebalanciert wird. (Was ja ganz gut zu Deiner zitierten Studie passt, wo der “aktive Depotanteil” immer noch eine höhere Rendite als der “passive Depotanteil” erzielte. Diese Anleger waren ja keine Übermenschen bei der Aktienauswahl im aktiven Teil des Depots.)
    Ach ja, das die Experten dann letztendlich empfehlen als Lösung bzw. Risikofilter den Markt zu timen und damit Buy&Hold eine Absage erteilen, diskutiere ich hier mal nicht weiter. Dann wären wir ja bei einer aktiven Anlagestrategie, fürchterlich!
    Grüße Covacoro.

    • Holger Grethe 1. März 2014, 07:06

      Ich hätte mir denken können, dass die kritische Beleuchtung passiver Anlageinstrumente aktive Anleger auf den Plan ruft, die sich durch die gemachten Aussagen in ihrer Strategie bestätigt fühlen.

      Obwohl das nicht die Aussage ist, darf natürlich jeder meinen Artikel interpretieren, wie er möchte. 😉

      Aber ein paar Sachen muss ich doch gerade rücken:

      1. Die Gewichtung von Indizes nach der Marktkapitalisierung mag einer Reihe von alternativen Gewichtungsmethoden (geringfügig) unterlegen sein. Sie ist aber letztlich DIE Gewichtungsvariante, die für Privatanleger praktisch investierbar ist.

      Es ist schön zu wissen, dass “im Labor” andere Gewichtungsmethoden in der Vergangenheit während gewisser Zeiträume (nicht in allen!) besser abgeschnitten haben, wenn sich für diese Methoden keine investierbaren ETFs finden.

      Oder nur ETFs, deren Fondsvolumina (mangels Nachfrage) so klein sind, dass man ständig Angst vor der Fondsschließung haben muss.

      Insofern sind die üblichen Verdächtigen wie MSCI World, S&P500 usw. mitnichten das “schlechteste Vehikel”, das man wählen kann. Sie sind ganz im Gegenteil das beste Vehikel, das Privatanleger wählen können angesichts der auf dem Markt verfügbaren Alternativen (aktiv gemanagte Fonds, fondsgebundene Lebensversicherungen etc.)

      2. Market Timing als “Risikofilter” zu empfehlen, halte ich für eine ziemlich gewagte Aussage. Es ist nun hinreichend belegt, dass der Schuss dabei für die Mehrheit der Privatanleger nach hinten losgeht.

    • Dummerchen 1. März 2014, 10:32

      Hallo Covacoro,

      ja, diese Studie ist schon interessant, gell? Mich irritiert allerdings unmittelbar, warum zahlreiche andere Studien zeigen, dass aktive Fondsmanager es nicht schaffen, diese ach so schlechten Vehikel der marktgewichteten Indexfonds konsistent zu schlagen. Wäre demnach doch total einfach – sogar ein Zufallsgenerator schafft das ja laut Studie. (Klar, in einer Studie nimmt man dann den Ausdruck des Affen mit Dartpfeilen – klingt auch spektakulärer und man kann sich sicher sein, von mehr als dem Fachpublikum gelesen zu werden.) Klingt auf den ersten Blick widersprüchlich. Ist es das auch?

      Ich habe ja den dumpfen Verdacht, dass die Erklärung relativ einfach ist und hier lediglich Faktoren wie “Small Cap” und “Value” je nach alternativer Indexmethode eine höhere Gewichtung erhalten haben. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass z.B. Small Caps langfristig(!) eine höhere Rendite als Large Caps haben und wenn ich nun z.B. durch Gleichverteilung oder durch gleichberechtige (Affen-)Auswahl aus allen Werten (also Large und Small Cap) einen Index bilde, bilde ich eine höhere Gewichtung auf diese potentiell höherrentablen Anlagen. Ich vergleiche also (bedingt durch die Marktgewichtung) einen überwiegenden Large Cap-Index mit einem selbstgebastelten Mix aus Large und Small Cap. Man vergleicht also Äpfel mit Birnen.

      Überrascht daher die Studie? Mich überrascht sie nur bedingt. Die Verfasser der Studie sehen das aber anders: “Each of the alternative equity index weighting schemes considered above seek to reduce the sorts of concentration risks that can arise from a straightforward application of Market-cap weights. None have a basis in finance theory, and there is no ex-ante reason why investors should expect one to perform better than the other.” Das halte ich für wenig glaubwürdig. Zumindest der Small-Cap-Faktor liegt doch ganz klar auf der Hand. Dann zu schreiben “Ups, wir haben den Heiligen Gral gefunden – war ganz einfach, aber warum das funktioniert, können wir uns auch nicht erklären” finde ich etwas befremdlich.

      Im übrigen sollte man mit Hinblick auf den durchschnittlichen Anleger sagen, dass die Studie eher ein Luxusproblem beschreibt. Der durchschnittliche Anleger erzielt nur die Hälfte der (ach so schlechten) Marktrendite, weil er im falschen Moment investiert (“Buy high, sell low”). Für die meisten wäre es schon ein Riesengewinn, annähernd die Marktrendite zu erzielen.

      Was leite ich für mich als Anleger aus der Studie ab? Soweit ich weiß, gibt es keine derartig gestrickten Indexfonds am Markt, wie sie von der Universität London in der Studie gebastelt wurden. Wären diese tatsächlich zu einen vergleichbaren Preis wie die ggw. angebotenem marktgewichteten Indizes verfügbar, würde ich gern sehen, wie sich diese tatsächlich am Markt bewähren.
      Was also jetzt tun? Ich selbst habe auch Small Caps in meinem Portfolio. Sinnvoll erscheint mir das aber erst ab einer hinreichend großen Anlagesumme (Stichwort Transaktionskosten). Wer erst mit der Anlage in Aktienfonds/ETFs beginnt, sollte wohl eher erstmal vorrangig auf Large Caps wie z.B. dem MSCI World setzen.

      PS: Ich weiß nicht, ob nur ich das so empfinde, aber wenn ich die Folien der Uni sehe, habe ich insbesondere bei den Affenbildchen (z.B. S.29!) das Gefühl, es geht hier um Effekthascherei. Mich würde es jedenfalls wenig wundern, wenn wir demnächst Fonds sehen würden, die mit Hinweis auf diese Studie eine ggü. den bestehenden ETFs höhere Kostenquote rechtfertigen wollen. Nur so ein Gefühl…

  • Covacoro 1. März 2014, 20:38

    @Dummerchen: Du hast vollkomen Recht. Small Caps bzw. Value-Aktien sind ein Weg, eine bessere Rendite zu erzielen, wobei auch klar ist: höhere Rendite-Chance bedeutet auch höhere Volatilität. Mancher Anleger wird das zuerst als Risiko wahrnehmen. In der Realität bedeutet es auch, dass es Phasen gibt, wo diese bewußt gewählte Strategie schlechter läuft als die typischen (Large-Cap) Indizes.

    Für manche Anleger mag die Buy&Hold Strategie mit ETFs funktionieren, wenn sie tatsächlich hohe zeitweilige Verluste von 50% und mehr verkraften können, eisern weiter sparen und nicht aussteigen. Daran zweifele ich ein bißchen, gibt ja Beispiele und Studien genug, wie lange der durchschnittliche Sparplan, die durchschnittliche Lebensversicherung etc. läuft bei deutschen Anlegern … vorzeitige Kündigungen sind eher die Regel.

    Wer aber genau nachrechnet (siehe mein Kommentar zum Blogartikel “Warren Buffet”), der sieht einerseits, dass eine ETF-Anlage nicht die kostengünstigste Variante ist, die Aktienmarktrendite einzufahren. Ein vernünftiges Indexsampling mit Aktien ist in Zeiten von Discountbrokern und 0% Haltekosten (nicht 0.6% p.a. a la ETF) überlegen.
    Wer sich zweitens mit den verwendeten Indizes und Rendite/Risiko-Gesichtspunkten beschäftigt der sieht, dass die Market-Cap Indizes nicht optimal sind und man die Erkenntnisse der Finanzwissenschaft für sich nutzen kann: im Sinne was man kauft, wie oft man rebalanciert usw. usf. Hier kommt es genauso auf Strategie und Disziplin an, wie bei der ETF-Anlage, daher soll man nicht sagen, dass wäre nicht machbar.
    Wer sich drittens damit beschäftigt, was es für die langfristige Performance bedeutet, wenn man große Verluste diszipliniert vermeidet, der sieht Buy & Hold in einem anderen Licht. Ganz ehrlich: ich hinke dem Marktindex gerne in Aufwärtstrendphasen etwas hinterher, wenn ich dafür eine Phase wie März 2000 bis 2003 und den einhergehenden Kapitalverlust vermeide bzw. begrenze, stimmt die Endabrechnung immer noch.

    Insofern habe ich nix einzuwenden gegen einen ausgewogenen Mix verschiedener Instrumente (ETFs, Aktien & Bonds), aber gegen eine “nur ETFs” und “nur passiv” und “gehalten wird durch dick & dünn” Philosophie.
    Und vieles was Holger schreibt, finde ich wichtig und richtig, trotzdem gilt gerade an der Börse: hinterfrage alles. Ich möchte die Leser ermutigen, tiefer zu bohren.

    • Dummerchen 1. März 2014, 23:12

      Ja, viele Anleger gehen mit Geldanlagen wie Lebensversicherungen, Aktienanlagen oder Sparplänen falsch um. Das liegt aber in meinen Augen vor allem an der Produktorientierung derjenigen, die diese verkaufen. Wie Holger schon schrieb, muß der Anleger verstanden haben, welches Produkt bzw. welche Produktpalette für ihn passt und wie er damit umzugehen hat. Das ist doch die eigentliche Ursache, warum Privatanleger z.B. zum falschen Moment Aktien verkaufen bzw. kaufen. Sie bekommen nur ein Produkt vorgesetzt getreu dem Motto: “Nimm dies – das ist das Beste für Dich. Glaub mir. Verstehen musst Du es nicht wirklich.” Daher auch diese Produktorientierung, die immer wieder in Fragen auftauchen. Die Folge ist dann eine Hilflosigkeit, wenn man mit dem Produkt dann dasteht und nicht weiß, wie es z.B. in einem Börsencrash weitergehen soll. Grund ist doch nicht die Dummheit der Anleger oder die Emotionalität. Nur wer sich bereits vor dem Kauf mit den möglichen Szenarien auseinandergesetzt hat, ist wirklich ein mündiger Anleger und versteht die Mechanismen des Markt und seines Seelenlebens. (Ich hoffe, dass Holger solche Themen in seinem Kurs ausreichend beleuchtet, denn das ist meines Erachtens nach viel wichtiger, als zu wissen, ob man jetzt diesen oder jenen MSCI World ETF kaufen oder xy% eines Small Caps ETF beimischen sollte.)

      Auch wenn Du es als geradezu unmöglich ansiehst, ich persönlich habe bislang den Buy-and-Hold-Ansatz über viele Jahre und mehrere Börsencrashs durchgehalten und kann gut damit leben. Es ist halt auch wichtig, dass man sein Risikoprofil kennt und weiß, wie viel Risiko man in Form von Aktien, ETFs, etc. eingehen kann und selbst nach einem Crash noch ruhig schlafen kann. (Und ich bin nicht in einer Familie aufgewachsen, in der Aktienanlagen auch nur annähernd ein Thema gewesen wären.)

      Und ja, Du hast nun mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass Markettiming bei Dir funktioniert. Glückwunsch – statistisch gesehen bist Du leider in der Minderheit. Die nahe Zukunft lässt sich halt für den Durchschnittsanleger schwer prognostizieren.

      Dass die Investition in einen kleinen Korb von Einzelaktien ein höheres Risiko hat als eine breite Streuung, haben wir bereits im von Dir benannten Beitrag diskutiert. Ich kann Dich leider nicht überzeugen, daher brauchen wir darüber auch nicht weiter philosophieren. Dass ich dafür im Schnitt 0,3%-0,4% an jährlichen Kosten habe, verschmerze ich gerne. Mir reicht die Marktrendite abzüglich dieser Kosten völlig aus.

      Bei Deinem Schlußwort bin ich ganz bei Dir: Es ist wichtig, die Hintergründe zu hinterfragen. Das macht einen mündigen Anleger aus.

  • Alfred Himmelweiss Hypnose lernen 23. Februar 2015, 05:06

    Hallo Holger,

    wie immer ein wunderbarer Artikel. Dein Kurs und besonders Dein Live Workshop stehen bei mir ganz oben auf der Liste fuer dieses Jahr 2015! Danke fuer die vielen guten Anregungen.

    Ich wuensche Dir weiterhin viel Freude und Erfolg,
    Alfred

  • GutenTag 30. Juni 2015, 14:57

    ich hab auf den Kurs-link geklickt, weil ich wissen wollte, was es kostet, aber da kam nur was zum newsletter-Eintragen. vielleicht liegt’s an firefox, vielleicht sitzt das Problem hinter den Rechner, aber ich möchte bei allen Angeboten als allererstes wissen, was es kosten wird, bevor ich mich überhaupt damit beschäftige. Ein jeder hat halt sein Budget für so was.
    Insofern würde ich mich freuen, wenn Du diese Informationen auch für diesen Artikel oder spätestens für den zweiten Klick nachtragen könntest.
    Ich bin durchaus bereit, gute Dinge zu bezahlen, aber ich will’s von Anfang an wissen, was auf mich kostentechnisch zukommt.

    • Holger Grethe 30. Juni 2015, 18:11

      Du bekommst alle relevanten Informationen zum Kurs (Ablauf, Inhalt, Preis etc.) im Newsletter!

  • Dr. Elmar Basse 10. September 2015, 12:52

    Schöner Artikel, der die Hintergründe von ETFs beleuchtet. Die kritischen Punkte sollte jeder beachten, der an der Börse sein Geld verdienen und nicht verlieren will.

    Beste Grüße
    Elmar Basse

  • Hans im Glück 11. Dezember 2015, 12:33

    Hallo zendepot Fans, Hallo Holger,

    erstmal finde ich die Seite hier super. Eine Frage aber zu ETFs.

    Sind ETFs nicht Derivate und keine reelen Werte? Bei einem Horizont von 20-30 Jahren und wenn das gesamte Vermögen darin schlummert, muss man sich doch Gedanken machen, wieviel im Zweifelsfall so ein Derivat wert ist oder?

    Freue mich auf eure Gedanken dazu.

    Euer Hans

    • Holger Grethe 11. Dezember 2015, 16:17

      Hallo Hans,

      ETFs gelten wie klassische (offene) Investmentfonds auch als Sondervermögen. Und solange sich darin Wertpapiere wie Aktien befinden, handelt es sich um “reelle Werte”.

      Die Indexnachbildung bei ETFs kann im Fall von SWAP-basierten Produkten mittels Derivate realisiert werden, das ist richtig. Aber auch in diesem Fall werden “echte” Wertpapiere als Fondsvermögen hinterlegt.

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