Warum gute Anlageberatung selten ist

Bekommst du schlechte Laune, wenn du an Geldanlage und Altersvorsorge denkst?

Dich nervt dieser Finanzjargon, bei dem man kaum versteht, worum es eigentlich geht?

Gleichzeitig hast du ein schlechtes Gewissen, weil du dich mehr mit diesen Themen auseinandersetzen solltest – wenn sie nur nicht so schrecklich langweilig wären?

Gut, dass es nette und “unabhängige” Finanzberater gibt, die dir diese lästige Arbeit abnehmen, oder?

In diesem Artikel erfährst du, warum du die Verantwortung für deine Finanzen besser nicht an andere abtreten solltest, wenn dir dein Geld lieb ist.

Beratung oder Verkauf?

Finanzberater kommen gerne zu dir nach Hause, sogar abends, wenn andere Leute längst Feierabend haben, und erzählen dir geduldig alles über Riester, Rürup, Bausparen, Lebensversicherungen, Fonds und vieles mehr. Und das Beste daran ist, ihre Zeit kostet dich nichts.

Wirklich?

Komm schon, du weißt genau, wer diese Leute bezahlt. Du bist das, wie sollte es anders funktionieren? Es sei denn, du kaufst nichts, was allerdings auch der geduldigste Finanzberater, der ja im Grunde Finanzverkäufer ist, nicht lange mitmacht. Denn davon lebt er ja, vom Verkaufen, von den Vertragsabschlüssen.

Nur weil du am Ende des Gesprächs nicht in die Tasche greifen musst, bedeutet das nicht, dass du nicht an anderer Stelle für die Beratungsleistung bezahlst: durch Provisionen.

Doch Provisionen sind nicht das eigentliche Problem im Zusammenhang mit Finanzberatern.

Viel problematischer ist, dass das, was als Anlageberatung bezeichnet wird, in den meisten Fällen nicht mehr als der Verkauf von Anlageprodukten ist. “Vermittlung” läuft übrigens auf das gleiche hinaus, es klingt nur harmloser.

Der Strukturvertrieb

Hinter vielen Finanz- und Vermögensberatern stecken sogenannte Strukturvertrieb-Verkäufer, im Jargon auch “Strukkis” genannt. Ein Strukturvertrieb ist eine pyramidenartig organisierte Verkaufseinheit, bei der Verkäufer auf jede Hierarchieebene an den Verkaufsabschlüssen aller darunter liegenden Ebenen mitverdienen.

Im Mittelpunkt dieses Systems steht weder der Kunde noch eine fundierte Beratungsleistung, es geht allein um Abschlüsse.

Von “Unabhängigkeit” kann bei den meisten Beratern keine Rede sein, auch wenn diese gerne damit werben. In der Regel übernehmen Berater den Vertrieb für einige wenige Produktanbieter, mit denen möglichst attraktive Provisionsvereinbarungen geschlossen wurden.

Ein unabhängiger Berater ist also häufig nichts anderes als ein abhängiger Verkäufer.

Win-Lose-Situation

Ich will nicht bestreiten, dass es Berater geben mag, die auf die individuelle Lebenssituation ihrer Kunden eingehen, die eine Haushaltsanalyse vornehmen, die nach Wünschen und Träumen ihrer Kunden fragen.

Im Idealfall ist dem Berater am Ende dieses Prozesses klar, welches Anlageprodukt das Beste für den Kunden ist. Wenn er dieses überhaupt anbieten kann.

Und dann?

Dann muss der Berater abwägen, ob das Beste für den Kunden auch gleichzeitig das Beste für ihn ist. Denn in der Produktpalette, die Beratern beim Verkauf zur Verfügung steht, wird es immer Produkte geben, die mehr Provision einbringen als andere.

Welche Produkte könnten das wohl sein? Vielleicht jene, bei denen auch der Produktanbieter die Konditionen eher zu seinen Gunsten ausgelegt hat und dadurch gut am Kunden, also an dir, verdient?

Ein klassischer Zielkonflikt, der letztlich unlösbar ist: das beste Anlageprodukt für dich kann nicht gleichzeitig das Beste für den Berater sein.

Warum?

Aus Sicht des Anlegers sind Provisionen Kosten und Kosten mindern die Rendite und damit den Gewinn. Aus Sicht des Beraters sind Provisionen Einnahmen und von diesen möchte er (gut) leben. Des einen Freud ist des anderen Leid.

Nur der Vollständigkeit halber: aus Sicht der Produktanbieter, also Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften etc., stellen Provisionen Verkaufsanreize dar. Über ihre Höhe lässt sich Einfluss auf den Absatz nehmen, indem das Verkaufsverhalten der Vertriebsleute/Verkäufer (für dich: Berater) entsprechend gesteuert wird.

Aber der Kunde hat doch etwas von meiner Beratungsleistung, die kann es nicht umsonst geben“, sagen die Berater. Was grundsätzlich richtig ist, denn wer hat schon Lust, ehrenamtlich zu ungünstigen Tageszeiten über Rentenversicherungen zu plaudern?

Nur, wieviel echte Beratung und intensive Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen des Kunden passen wirklich in ein Gespräch von ein bis zwei Stunden, dem üblichen Zeitrahmen für Gespräche dieser Art?

Vermutlich wenig, wenn vor allem ein Verkaufsabschluss das Ziel ist und der Kunde sich vorher kaum oder gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Das Verkaufsgespräch

Führen wir uns kurz vor Augen, wie so eine “Beratung” im Alltag typischerweise abläuft. Ich weiß, wovon ich rede, ich hatte in der Vergangenheit genug dieser Gespräche.

Du hetzt nach einem anstrengenden Arbeitstag gestresst nach Hause, denn am frühen Abend wartet ja noch der Termin mit dem freundlichen Herrn, der im Auftrag eines großen Finanzdienstleisters mit drei (vier) Großbuchstaben kommt, auf dich.

Du hast Kopfschmerzen und nicht so richtig Lust auf das Gespräch. Meistens wollen diese Finanzfuzzis einem ja immer noch mehr andrehen, als man eigentlich haben will.

Aus dem kurzen Vorgespräch am Telefon weiß Herr Menschmeier, so heißt dein Berater, dass du dich für Altersvorsorge interessierst. Von Interesse im eigentlichen Sinne kann zwar keine Rede sein, aber was solls, irgendetwas musst du ja machen. Liest man ja immer wieder, von wegen Altersarmut und so.

Was genau du machen sollst, weiß Herr Menschmeier, denn er hat sich, anders als du, auf das Gespräch vorbereitet: Riester heißt die Lösung für dich. Denn da gibts Geld vom Staat dazu. Geld vom Staat? Immer gut.

Herr Menschmeier hat schon alles ausgerechnet: wenn du ab sofort die nächsten 35 Jahre jeden Monat den Betrag X einzahlst, bekommst du ab dem 67. Lebensjahr monatlich den Betrag Y zurück. Garantiert.

Sicher, du kannst dir das alles noch einmal in Ruhe durchlesen, aber wenn du sofort unterschreibst, kann Herr Menschmeier deinen Antrag gleich mitnehmen und weiterleiten. Geht viel schneller und du willst ja nun auch keine Zeit mehr verlieren, denk an das Geld vom Staat.

Entscheidung für den Rest des Lebens

Ganz ehrlich: wieviel nimmst du aus einer derartigen “Beratung” mit? Wieviel von dem, was dir erzählt und erklärt wurde, kannst du am nächsten Tag in eigenen Worten wiedergeben, wenn du jemandem davon erzählen sollst?

Das alles unter der arg optimistischen Annahme, dass im Ansatz wirklich so etwas wie Beratung stattgefunden hat. Was nicht selbstverständlich ist.

Bleiben wir bei dem Riestervertrag als Beispiel: angenommen, du zahlst 35 Jahre ein und bekommst 15 Jahre (die du nach Rentenbeginn noch lebst) Geld ausgezahlt. Dann läuft dieser Vertrag ganze 50 Jahre lang. Ein halbes Jahrhundert.

Wie gut muss eine Beratung sein, dass eine derartig weitreichende Entscheidung auf Basis eines ein- bis zweistündigen Beratungsgespräches getroffen werden kann?

Können in dieser kurzen Zeit wirklich deine Lebenssituation, deine Wünsche und Ziele erfasst werden? Kann wirklich umfassend über Vor- und Nachteile sowie Alternativen gesprochen werden?

Wohl kaum.

Was aber macht uns anfällig dafür, allerernstens abends nach einem Zehn-Stunden-Tag am Küchentisch mal eben eine Entscheidung zu treffen, die Einfluss auf die nächsten 50 Jahre unseres Lebens hat?

Sozialpsychologen bezeichnen dieses Phänomen als Ego-Depletion. Unsere Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist abhängig von Ressourcen, die endlich sind. Wer den ganzen Tag bei der Arbeit unter Strom stand, hat diese Ressourcen abends schlicht aufgebraucht.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit eine suboptimale Entscheidung zu treffen, die langfristig viel Geld kosten kann.

Do it yourself

Wollen wir optimale Entscheidungen für unsere Finanzen treffen, kommen wir nicht drumherum, uns selbst mit den Dingen zu beschäftigen. Und zwar in Ruhe. Es gibt wirklich keine andere Möglichkeit.

Die Alternative ist, wir treffen irgendwelche Entscheidungen oder lassen diese von den “unabhängigen Beratern” treffen, um unser Gewissen zu beruhigen.

Meine Überzeugung ist: finanzielle Entscheidungen lassen sich nicht delegieren.

Die Verantwortung für mein Geld lässt sich genauso wenig an Berater übertragen wie die Verantwortung für meine Gesundheit an den Hausarzt. Dieser kann mir noch so oft dazu raten, mich gesund zu ernähren und mehr zu bewegen – tun muss ich es schon selbst.

Psychologisch gesehen bietet das Delegieren unserer finanziellen Angelegenheiten an andere natürlich einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: geht die Sache schief, haben alle Schuld, nur wir selbst nicht. Das ist wirklich praktisch.

In der festen Annahme einfach nur schlecht und falsch beraten worden zu sein, wechseln wir einfach den Finanzberater. Dann beginnt das Spiel von vorn und wir können weiter so tun, als ginge uns das alles nichts an.

Bedeutet das, dass Berater grundsätzlich keine Option sind?

Nein. Es kann durchaus sinnvoll sein, eigene Überlegungen mit jemandem zu besprechen, der über Expertise in Sachen Geldanlage verfügt.

Du solltest dir nur im Klaren darüber sein, was du von einem Berater erwartest. Beratung und der Verkauf von Anlageprodukten sind zwei völlig unterschiedliche Angelegenheiten.

Die Honorarberatung

Eine Honorarberatung scheint der bessere Ansatz zu sein. Dabei bezahlst du den Berater direkt, zum Beispiel stundenweise für die erbrachten Leistungen.

Ein Honorarberater sollte nicht gezwungen sein, am Ende des Beratungsprozess’ zu einem Verkaufsabschluss kommen zu wollen. Wieviele Honorarberater es gibt, die wirklich so arbeiten, kann ich nicht einschätzen.

So holst du das Optimum aus einem Beratungsgespräch auf Honorarbasis raus:

  • Grenze das Thema vor dem Gespräch ein. Worum soll es genau gehen? Langfristige Vermögensbildung? Absicherung von Risiken? Altersvorsorge? Stelle dazu möglichst konkrete Überlegungen an und arbeite Optionen heraus. Bleibe im Gespräch bei diesem Thema.
  • Schau dir vorher Anlageprodukte an, die für dich grundsätzlich in Frage kommen. Welche Anbieter gibt es? Worin unterscheiden sich diese?
  • Erstelle eine Liste mit konkreten Fragen an den Berater.
  • Gehe ausgeruht in das Gespräch, lege es am Besten auf einen Tag, an dem du frei hast.
  • Sage dem Berater im Vorgespräch, dass du kein Produkt von ihm kaufen wirst und ihn stattdessen für sein Know-how bezahlen möchtest.
  • Manche Berater werden dir am Ende der Beratung trotzdem Kaufangebote unterbreiten. Diese prüfst du in aller Ruhe. Du hast überhaupt keinen Zeitdruck.

Was ist gute Beratung?

Ein Berater sollte dir bei der Entscheidungsfindung helfen und auf Dinge hinweisen, die du vielleicht übersehen hast. Es geht um einen anderen Blickwinkel, um eine zweite Meinung. DAS ist in meinen Augen Beratung.

Ob mit Berater oder ohne – das Allerwichtigste ist: du entscheidest selbst. Und das auf der Grundlage deiner eigenen Überlegungen.
 

Welche Erfahrungen hast du bisher mit Finanzberatern gemacht? Delegierst du deine finanziellen Entscheidungen (noch) gerne an andere? Was hält dich davon ab, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Bildquelle: Mariana Abasolo (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

  • Alexander Schwarz 8. April 2013, 19:31

    Mensch Holger,

    hättest du den Artikel nicht vor 20 Jahren schreiben können? Da wäre mir einiges erspart geblieben. 😉

    Gerade auch den Hinweis auf die Ego-Depletion finde ich in dem Zusammenhang sehr wertvoll. Du hast recht, solche Anlageentscheidungen haben oft ein enormes Gewicht und werden dafür ganz schön leichtfertig getroffen. – Und stattdessen stehen wir beim Einkaufen eine Viertelstunde vor dem Zahnpastaregal aus Angst, die falsche Wahl zu treffen…

    LG, Alex

    • Holger Grethe 8. April 2013, 22:02

      Hallo Alex,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      “Und stattdessen stehen wir beim Einkaufen eine Viertelstunde vor dem Zahnpastaregal aus Angst, die falsche Wahl zu treffen”

      Schönes Beispiel. Leider verhalten wir uns meistens vorhersagbar irrational, wie Dan Ariely (http://goo.gl/IFWU8) so treffend sagt.

    • Turing 7. Januar 2014, 23:25

      Ja, die Menschen sind wirklich dämlich.

      Viele studieren auch die Prospekte von Famila, Aldi, Lidl und Co. Da geht es um Differenzen im Cent-Bereich. Wenn die Woche für Woche eine Stunde in dieses Prospekt-Studium reinstecken und aufgrunddessen einen weiter entfernten Discounter anfahren (mehr Zeit, mehr Sprit), dann ist das Geld doch wieder weg. Man könnte genauso gut eine Stunde lesen, z. B. alle Finanzblogs abgrasen, was es neues gibt. Ginge ganz leicht mit den RSS-Feeds. Oder man lernt Vokabeln oder macht mit dem Kind zusammen Hausaufgaben. Alles viel sinnvoller.

      Und was ist, wenn es im Lidl das Schweineschnitzel im Sonderangebot gibt und es genau deshalb kauft? Dann vergisst man, dass im Kühlschrank etwas steht, das kurz vorm Verderben ist und noch verspeist werden könnte. Der Kühlschrank schickt leider keinen Prospekt. Man kauft das Schnitzel im Sonderangebot, hat also “gespart” und schmeißt das Verdorbene aus dem Kühlschrank einen Tag später weg.

      Viele Menschen wenden viel zu vielen Arbeit für diese Preisermittlung auf. Ich habe noch die Prospekte auf Sonderangebote durchforstet.

  • Dummerchen 19. Juni 2013, 09:11

    Selbst bei einem vermeintlichen Honorarberater aus einem großen deutschen Verband habe ich schon teils ungute Erfahrungen sammeln können:

    Bei einer Riesterberatung, bei der ich wissen wollte, ob ich mit meiner Einschätzung bezüglich Riester richtig liege, wurden umfassend Daten von mir erfragt. Dies habe ich mit Wohlwollen gesehen, denn nur wer ein “Gesamtbild” vom Kunden hat, kann zielgerecht beraten. Die Kommunikation lief komplett per Mail bzw. Telefon, was mich auch erfreut hat.

    Vom Ergebnis der Beratung war ich dann allerdings eher enttäuscht. Es wurde ein Angebot unterbreitet, bei dem ich in das (wahrscheinlich einzige provisionsträchtige) Fondsprodukt (DWS Riesterrente Premium) einzahlen sollte. Warum gerade dieses und ob die Fondsstrategie sinnvoll ist, konnte nicht zufriedenstellend beantwortet worden.

    Letztlich wurden auch keine Honorargebühren erhoben, “da der Aufwand ja auch nur gering war”. Es war also kein echter “Verlust” für mich, aber ein fader Beigeschmack ist trotzdem geblieben. Ich hatte mir eine Beratung erhofft, die frei von Provisionszwängen gewesen wäre. Auch die Aussage “Riester lohnt sich für Sie nicht” wäre mir ein Honorar wert gewesen…

    Zur aktuellen “Verkäufer-“leistung stellt Finanztest wieder einmal schlechte Noten aus:
    Beratung “Baufinanzierung”
    http://www.test.de/Baufinanzierung-Viele-Berater-scheitern-im-Praxistest-4555679-0/
    Anlageberatung
    http://www.test.de/Banken-im-Test-Die-Blamage-geht-weiter-4113924-0/

    • Holger Grethe 19. Juni 2013, 10:51

      Ich würde bei einer Honorarberatung auch erwarten, dass das Ende “ergebnisoffen” ist.

      Also, dass entweder kein Produkt empfohlen wird, weil man – wie in deinem Fall – zu der Erkenntnis kommt, dass sich Riester für den Kunden nicht lohnt.

      Oder es wird eine Auswahl an Produkten angeboten, bei denen man jeweils die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen kann.

  • NLPete 1. August 2013, 10:57

    Hallo Holger,

    ich stimme Dir voll zu.

    Wie in vielen Bereichen ist es wichtig, sich unabhängig zu informieren.

    Niemand erwartet von einem Autoverkäufer, dass er im Verkaufsgespräch die Vorzüge anderer Marken objektiv erwähnt und hervorhebt.
    Dasselbe gilt natürlich auch für die Verkäufer von Finanzprodukten, deren Maxime natürlicherweise auch die Optimierung der eigenen Einnahmen ist.
    Dazu zählt zwar auch, Kunden nicht so arg über den Tisch zu ziehen, dass Reibungshitze entsteht und durch negative Mund-zu-Mund-Propaganda zukünftige Kundschaft vergrault wird.

    Dennoch ist es eminent wichtig, sich vor einem Gespräch, dass auf einen Abschluss hinausläuft, unabhängig zu informieren.
    Im Zeitalter des Internet stehen dafür enorm viele Ressourcen zur Verfügung, mit denen man sich gute Grundlagen erarbeiten kann.

    Honorarberatung sehe ich persönlich im Anschluss daran, dass man sich bereits umfassend informiert hat.
    Und auf dieser Basis dann ganz konkrete Spezialfragen der eigenen Situation klärt.
    Dann kommt man auch mit wenig Zeit aus und der Preis dafür ist allemal deutlich geringer als der für schlechte Vermögensanlagen.

    Viele Grüße
    Peter

    • Holger Grethe 6. August 2013, 17:43

      Sehe es auch so, dass Honorarberatung eine Ergänzung und kein Ersatz für eigene Überlegungen sein sollte.

  • Anne 15. August 2013, 10:57

    Hallo Holger,

    Du könntest hier noch weiter ausführen, denn es gibt sogenannte zertifizierte Vermögensberater. Das sind Berater, die keine Produkte verkaufen und eine Provision erhalten, sondern nur alleine von der Vermögensberatung leben. Kann man googeln und erhält dann die Adressen in seinem Bereich.

    Ich habe so einen Berater auch schon mal eingeladen, aber da ich mich sehr gut auskenne, brauchte ich letztendlich nicht. dennoch war es eine angenehme Erfahrung, das jemand erstmal fragt, wofür man denn das Geld investieren möchte und was das Ziel sein soll.

    Meiner Erfahrung nach, sind allerdings die meisten Leute nicht bereit, für etwas Geld auszugeben, was man doch umsonst(!!) vom netten Bankberater von nebenan erhält. Ich habe mir den Mund schon fusselig geredet, das dieser Mensch auch gerne seinen Job behalten möchte und daher die hauseigenen Bankprodukte vorrangig abietet, egal, ob sie nun so gut auf die Lebenssituation passen oder nicht. Ich geb es nun auf und mache mich selber reich (zwinker…)

    • Holger Grethe 15. August 2013, 12:07

      Hallo Anne,

      ja, da muss wohl noch ein Umdenken einsetzen bei vielen Leuten. Keine Beratung ist umsonst, also darf man sich entscheiden zwischen Honorar oder Provision. Und da erscheint die Bezahlung des Beraters per Honorar als die eindeutig bessere Variante…

  • Olaf 6. Dezember 2013, 18:34

    Hallo Holger,
    ich bin sehr angetan von Deiner Webseite: Auch ich bin vor zwölf Jahren als naiver Berufsanfänger in die Fänge der “Bank – und Versicherungsberater” geraten und habe heute noch eine Stinkwut – eher auf die Strukturen und die extrem suggestiven und kundenverblödenden Verkaufsstrategien als auf die Menschen – und ich habe mich natürlich nachträglich über meine eigene Dummheit geärgert. Ich hatte mir eine Rentenversicherung und eine Riester- Kapitalvernichtende Lebensversicherung andrehen lassen.

    Als mir die Idee kam, mich doch lieber selber um mein Geld zu kümmern und als ich mich dazu noch notgedrungen um das Geld meiner Eltern kümmern mußte, habe ich allerdings auch einen Honorarberater gefunden, mit dem ich sehr zufrieden bin und dem ich dankbar für einige entscheidende Denkanstöße bin.

    Ich war so mißtrauisch, daß ich die Bedingung stellte, daß keine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Finanzprodukt am Ende der Beratung stehen durfte. So lief die Beratung dann auch ab, und die wesentlichen Punkte waren:

    -zunächst die Frage, weshalb ich überhaupt sparen will und wieviel (ich war zunächst etwas perplex, ich hatte aus vergangenen Erfahrungen heraus damit gerechnet, daß mir sehr schnell gesagt wird, wo es langgeht, und auf diese banale Frage hatte ich keine Antwort)

    -eine Abschätzung des Bedarfs nach der Pensionierung unter der Voraussetzung, ich möchte dann meinen Lebensstandard nicht zurückschrauben (was ich ja auch noch könnte….)

    -Sparen in eine Kombination aus Tagesgeld und internationalem ETF-Portfolio je nach der eigene Renditeerwartung und Risikotragfähigkeit

    -keine Angst vor der Finanzkrise mit anschließendem Eurozerfall und Weltuntergang, daher auch bitte keine angstgetriebenen riskanten Investitionen wie Edelmetalle etc.

    -Hinweis auf Kommers Buch “Mieten oder Kaufen?”, damit war meine unreflektiert von den Eltern übernommene Vorstellung vom sicheren Betongold dahin (meine inzwischen erworbenen leidvollen Erfahrungen im Immobilienverkauf lassen mich innerlich die Augen verdrehen, wenn Menschen Immobilienbesitz mit Altersvorsorge gleichsetzen – wenn die gesundheitliche Katastrophe da ist, hat man zusätzlich noch den Immobilienklotz am Hals, den loszuwerden nicht unbedingt so einfach ist wie vorher fantasiert und schon gar nicht notwendigerweise renditeträchtig).

    -auch andere Literaturtips wie z.B. N. Taleb

    -Umgang mit dem Vermögen der pflegebedürftigen Eltern (das war ein Brocken, der zentnerschwer auf mir lastete): schnellstmöglicher Verkauf der vermieteten Eigentumswohnung und Verkauf ihres Hauses, sobald beide im Heim untergebracht sind ; Vermögen muß liquide sein. Tagesgeld und möglicherweise ein nicht zu großer Anteil, der sicher mindestens 10 Jahre nicht gebraucht wird, als ETF-Portfolio.

    Um eine Zweitmeinung einzuholen, habe ich dann noch eine Beratung der Verbraucherzentrale in Anspruch genommen, das Ergebnis war ähnlich, wenn auch die Beratung mir nicht ganz so professionell und nicht in jedem Punkt so überzeugend vorkam.

    Ist er unabhängig? Nein, das behauptet er auch nicht. Er hat einen ETF-Dachfonds aufgelegt, und natürlich findet er gerne Kunden dafür. Das war auch der Grund dafür, daß ich mir sehr lange den Kopf darüber zerbrochen habe, ob dieses Eigeninteresse die Beratung beeinflusst haben könnte. Bei einer weiteren Beratung äußerte ich dann größtmögliche Sicherheitsbedarf für das Vermögen der Eltern, – da sagte er, dann bleibe nur Tagesgeld übrig – mit der Konsequenz, daß eben die Inflation etwas dran knabbert.

    Später sagte er mir zu, er könne mich beraten, wenn ich mir mein ETF-Portfolio selber organisieren möchte. Ich habe mich aber zunächst für einen Sparplan in seinen Fonds entschieden, und ich möchte mir nach und nach in Ruhe überlegen, ob ich vielleicht doch mal zum Selbermachen übergehe – oder auch nicht oder vielleicht beides parallel mache…..

    Quintessenz. Ja, man kann einen guten Honorarberater finden, und der kann und soll einen beim selbstständigen Denken unterstützen. Und ja, vermutlich kann man auch alles selber machen, wenn man so weit ist, daß man glaubt, den Berater beurteilen zu können. Man kann aber auch einen Teil delegieren.

    Viele Grüße, Olaf

    • Holger Grethe 6. Dezember 2013, 21:22

      Hallo Olaf,

      herzlichen Dank für deinen langen, aber ebenso wertvollen Kommentar! Ich finde klasse, wie du deinen Weg schilderst und mit welcher Konsequenz du die Dinge angepackt hast.

      Was du über den Honorarberater berichtest, klingt in meinen Ohren sehr vernünftig. Einzig die Sache mit dem ETF-Dachfonds ist vielleicht nicht unbedingt das Nonplusultra, aber das vermag ich ohne tiefergehende Infos nicht zu beurteilen.

      Auch wenn ich überzeugter DIY-Investor bin und gerne dazu ermutige, die Vermögensbildung in Eigenregie anzugehen, halte ich die Dienste eines guten(!) Honorarberaters durchaus für sinnvoll. Insbesondere in der Startphase zum DIY-Investor, wenn es auch darum geht, alte Zöpfe abzuschneiden und zu beraten, ob und welche Altverträge noch fortgeführt werden sollten und welche nicht.

  • Turing 7. Januar 2014, 23:15

    Man braucht keinen Berater, sondern einen Lehrer. Ich finde schon, dass es nicht zu viel verlangt ist, wenn man sich ein paar Fachbücher kauft, Blogs liest (es gibt ja nun einige) und wenigstens mal bei Google Fachbegriffe eingibt, um das Schlimmste zu verhüten. Über die Sterbegeldversicherung wird in allen Medien sehr kritisch berichtet. Man muss nur mal bei Google diesen Begriff eingeben und schon weiß man, dass man besser die Finger davon lässt. Selbst das unterlassen viele. Ich hatte in meiner Familie einen Fall, da hat ein junger Mann ohne Berufsausbildung eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Unfallversicherung abgeschlossen. Die BU-Versicherung wäre mit dem 40sten Lebensjahr abgelaufen. Ein Witzvertrag! Meines Wissens sind sind Verträge gekündigt, aber nach einem Jahr Laufzeit kriegt man keinen Rückkaufwert zurück, sondern darf auch noch draufzahlen.

    Es gibt zwei richtig dumme Sprüche. Einer ist: Der Klügere gibt nach. Der andere ist: Über Geld redet man nicht, Geld hat man. Letzterer geht mir besonders gegen den Strich, denn über Geld muss(!) man reden, denn wer über Geld redet, redet über Finanzen, Investitionen, Schulden, Tilgen… Gehört alles dazu. Man muss ja nicht gleich das Gehalt offenlegen, was ja in Deutschland ziemlich heikel ist.

    Durch die vielen Finanz-Blogs in deutscher Sprache steigt hoffentlich das Interesse für das Thema, denn was die Journalisten in den Regionalzeitungen schreiben, ist häufig der gleiche Unfug, den sie schon vor zwanzig, dreißig Jahren geschrieben haben, dass Aktien riskant seien, Sparbuch aber total sicher. Und leider enttäuschen auch Handelsblatt und FAZ manchmal, wenn sie die Benchmark der “zehn besten Riesterversicherungen” durchführen. Selbst die beste dieser zehn, dürfte für den Versicherten eine schlechtes Geschäft sein. Man könnte genauso über die zehn besten Viruserkrankungen oder die zehn besten Knochenbrüche schreiben.

  • Philipp 27. Januar 2015, 11:53

    Sehr guter Artikel, mann muss seine Geldanlage selber in die Hand nehmen und sich bewusst sein, dass es wichtiger ist als ein Autokauf oder Laptopkauf für den manche auch sehr viel Zeit aufwenden.
    Honorarberatung ist zwar definitiv besser, aber da sind auch nicht alle sehr kompetent und bei kleineren Vermögen lohnt es sich meiner Meinung auch nicht, sondern man kauft am besten ein paar gute ETFs, Wikifolios oder Aktien und liest ein Buch oder Blogs dazu. Wer auf der Suche nach Honorarberatern ist findet aber auch hier eine gute Zusammenstellung: http://www.investresearch.net/honorarberatung/

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