Ist die Investition in Rohstoffe eine gute Idee?

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Rohstoffe dürfen in keinem Depot fehlen, sagen die einen.

Auf diese Anlageklasse kann man gut und gerne verzichten, sagen die anderen.

Tragen Rohstoff-Investments wirklich dazu bei, das Gesamtrisiko eines Portfolios zu senken, wie immer behauptet wird?

Was ist dran an dem Vorwurf, die Spekulation auf Agrarrohstoffe verschlimmere Hungersnöte in Entwicklungsländern?

Um dir die Entscheidung für oder gegen ein Investment in Rohstoffe zu erleichtern, beleuchte ich in diesem Artikel die wichtigsten Aspekte dieser nicht ganz unumstrittenen Anlageklasse.

Pro und Contra

Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe, die für die Investition in eine bestimmte Anlageklasse sprechen:

  1. Mit der Investition sind attraktive Renditechancen verbunden
  2. Mit der Investition sinkt das Risiko des Gesamtportfolios, das heißt, es ist ein guter Diversifikationseffekt gegeben

Es gibt aber auch eine Reihe von Gründen, die gegen ein Investment in eine bestimmte Anlageklasse sprechen können:

  • das Investment ist schwer zu verstehen
  • es ist spekulativ, wenn keine Erträge wie Dividenden oder Zinsen erwirtschaftet werden
  • ethische, ökologische oder religiös-moralische Bedenken sprechen dagegen

Bevor wir Rohstoffe als Anlageklasse auf die einzelnen Punkte hin untersuchen, sollten wir kurz auf ein paar Basics eingehen.

Zu den wichtigsten Rohstoffen zählen …

  • Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink, etc.
  • Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin, etc.
  • Fossile Brennstoffe wie Öl und Gas
  • Agrarerzeugnisse wie Baumwolle, Bauholz, Kaffee, Reis, Zucker, Getreide, etc.

Wie Rohstoffe gehandelt werden

Ein Teil der Rohstoffe wird am Spot-Markt (Ware gegen Geld) gehandelt. Dort tummeln sich allerdings ausschließlich Produzenten und Großhändler, die miteinander Geschäfte machen.

Für Anleger sind die meisten Rohstoffe – mit Ausnahme der Edelmetalle – sinnvollerweise nur über sogenannte Futures bzw. Futureskontrakte handelbar.

Der Name Futures verrät bereits, dass es sich hier um irgendein Ereignis in der Zukunft handeln muss.

Ein Futureskontrakt ist ein Vertrag, der festlegt, zu welchem Zeitpunkt (in der Zukunft) ein bestimmter Rohstoff (z.B. Zucker) in welcher Menge (z.B. 5 Tonnen), in welcher Qualität und zu welchem Preis geliefert wird. Nach Ablauf des Vertrages wandert der Rohstoff wie vereinbart vom Verkäufer zum Käufer.

Halt, wir wollen keine 5 Tonnen Zucker im Keller bunkern! Wir wollen doch nur ein bisschen Geld damit verdienen …

Wie verdient man Geld mit Rohstoffen?

Um zu verhindern, dass die Ware ausgeliefert wird, muss der Futureskontrakt vor dem Ablauftermin weiterverkauft werden. Und an dieser Stelle wird klar, warum Anleger den Zirkus mit Rohstoffen überhaupt betreiben:

Ziel ist es, den Futureskontrakt vor Ablauf mit Gewinn weiterzuverkaufen. Zum Beispiel an jemanden, der die Ware auch wirklich geliefert bekommen möchte.

Anleger spekulieren also darauf, dass der Futureskontrakt während seiner Laufzeit im Preis steigt. Mit dem Verkaufserlös kann dann der nächste Kontrakt bezahlt werden.

Will man auf längere Sicht in Rohstoffe investieren, wird auch dieser Futureskontrakt vor Ablauf verkauft und in den nächsten Futureskontrakt „gerollt“. Das Vorgehen wird daher auch als „Rollover“ bezeichnet.

Ist der neue Kontrakt teurer als der alte, muss der Anleger für den Kauf Geld hinzuschießen. Das heißt, er macht einen Rollverlust. Ist der neue Kontrakt billiger als der alte, macht der Anleger einen Rollgewinn.

Man muss das Kaufen und Verkaufen der Futureskontrakte natürlich nicht selbst übernehmen. Mit dem Kauf von Anteilen eines Rohstoff-Fonds kann man einfach und bequem in diese Anlageklasse investieren.

Auf längere Sicht Geld verdienen lässt sich mit Rohstoffen nur durch Rollgewinne, denn es gibt weder Zinsen noch Dividenden, die ausgeschüttet werden.

Da liegt die Frage auf der Hand, ob sich der ganze Aufwand im Verhältnis zum Risiko auch bezahlt macht …

Welche Rendite bieten Rohstoffinvestments?

Grundsätzlich gilt: wer mehr Rendite erzielen möchte als mit risikoarmen Anlageklassen (als Referenzpunkt dienen Staatsanleihen mit hoher Bonität) machbar ist, muss mehr Risiko in Kauf nehmen.

Das Risiko besteht bei Rohstoffinvestments im Wesentlichen in unerwarteten Preisentwicklungen mit der Folge von Rollverlusten.

Wie es im Einzelnen zu Gewinnen und Verlusten kommt, ist bei Rohstoff-Investments zugegebenermaßen nicht ganz einfach zu verstehen. Wenn du es genauer wissen willst, dann kann ich dir diese Übersicht von Vanguard empfehlen.

Historische Renditen

Rohstoff-Futures als für Privatanleger handelbare Anlageklasse haben eine vergleichsweise junge Geschichte. Der S&P GSCI ist einer der älteren Rohstoffindizes, in den man investieren kann. Er wird seit 1991 berechnet.

Für weiter in die Vergangenheit reichende Renditebetrachtungen besteht das Problem, dass keine einheitlichen Datenserien existieren. Finanzwissenschaftliche Untersuchungen zur historischen Rendite von Rohstoffen behelfen sich daher meist mit eigens konstruierten Indizes für den gesamten Rohstoffmarkt.

So konnte in der bereits zitierten Vanguard-Studie im Zeitraum zwischen 1959 und 2009 für den Rohstoffmarkt eine durchschnittliche nominale Rendite von 9,8 Prozent pro Jahr ermittelt werden. Im gleichen Zeitraum wuchs der amerikanische Aktienmarkt um 9,0 Prozent jährlich.

Auch andere Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass sich sowohl die mit Rohstoffen erzielbare Rendite als auch ihre Volatilität (die Schwankungsbreite der Jahresrenditen) etwa auf dem Niveau von Aktien befindet.

Wer eh Aktien im Depot hat, hätte also allein aufgrund des Chance-Risiko-Profils keinen harten Grund, daneben in Rohstoffe zu investieren.

Die Beliebtheit, der sich Rohstoffe in den letzten Jahren als Anlageform erfreuen, beruht auf einer anderen Eigenschaft.

Gemeint ist der …

Diversifikationseffekt

Rohstoffe gelten aufgrund ihrer geringen Korrelation mit dem Aktienmarkt als ideales Investment, um das Gesamtrisiko eines Portfolios bei gleichen Renditechancen zu senken.

Eine niedrige Korrelation zwischen zwei Anlageklassen bedeutet, dass ihre Jahresrenditen sich mehr oder weniger unabhängig voneinander entwickeln. Während man also in einem Jahr mit Aktien Verlust macht, kann dieser durch einen Gewinn mit Rohstoffen aufgefangen werden.

Doch dieses schöne Bild bekommt zunehmend Risse. Immer mehr Autoren monieren, dass die Korrelation zwischen Aktien und Rohstoffen zwar langfristig gering sei, ungünstigerweise aber ausgerechnet in Krisenzeiten deutlich steige.

Insbesondere die Aktienmarktverluste zu Beginn der Finanzkrise in 2008 wurden durch Rohstoffe nicht aufgefangen.

Der Aktienindex S&P 500 brach 2008 um 38,5 Prozent ein, der Rohstoffindex DJ GSCI verlor im Jahr darauf 41 Prozent, der Rogers International Commodity Index (RICI) gar 44 Prozent (gemessen an den jeweiligen Jahresschlussständen).

Versagen Rohstoff-Investments also genau dann, wenn man sie am dringendsten braucht?

Ja, meint der Finanzautor William J. Bernstein und begründet dies in „Skating Where the Puck Was: The Correlation Game in a Flat World“ (*) unter anderem mit der stetig zunehmenden Verflechtung globalisierter Märkte.

Der Diversifikationseffekt von Rohstoffen sei nur solange vorhanden gewesen, wie eine begrenzte Zahl von Anlegern Zugang zu dieser Anlageklasse hatte.

Mit anderen Worten: sobald auf der ganzen Welt Hinz und Kunz in Rohstoffe investieren kann, ist er dahin, der Diversifikationseffekt. Zumal die breite Masse ja gerne dazu neigt, in Krisenzeiten panikartig alles zu verschleudern, was gewissen Wertschwankungen unterliegt. Also auch Rohstoffe.

Was spricht gegen Rohstoffinvestments?

Neben der umstritteten Frage bezüglich ihrer Korrelation zum Aktienmarkt gibt es eine Reihe von Argumenten, die Rohstoffe als Anlageklasse für Privatanleger in Frage stellen:

1. Rohstoffinvestments sind schwer zu verstehen

Grundsätzlich empfiehlt es sich, nur in Anlageklassen und -produkte zu investieren, deren Chancen und Risiken man zumindest einigermaßen versteht.

Wer sich bereits tiefer mit Rohstoffinvestments beschäftigt hat, weiß, dass es sich um eine hochkomplexe Geschichte handelt, bei der einem schnell der Schädel qualmt.

Ich bin in diesem Artikel bewusst nicht auf Begriffe wie „Contango“ und „Backwardation“ eingegangen, um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften.

Man darf und sollte also mehr als skeptisch sein, ob eine derart komplizierte und verglichen mit Aktien und Anleihen noch relativ junge Anlageklasse wirklich ein gutes Investment für (unerfahrene) Privatanleger ist.

Insbesondere für Anleger, die auf eine „buy-and-hold“-Strategie setzen.

2. Rohstoffinvestments sind spekulativ

Man kann durchaus die Position vertreten, dass es sich bei Rohstoff-Futures um rein spekulative Investments handelt.

Rohstoffe sind nicht produktiv, mit ihnen lassen sich also keine laufenden Einnahmen wie Dividenden oder Zinsen erwirtschaften. Sie bleiben letztlich eine Wette auf die Preisentwicklung.

3. Es gibt ethische Bedenken

Auch Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais und Zucker gehören zur Gruppe der Rohstoffe.

Begibt man sich als Anleger nun in die Rolle des Preistreibers und trägt mit Schuld daran, wenn durch Rohstoffspekulation Lebensmittel für Menschen in Entwicklungsländern unerschwinglich werden?

Fehlalarm, sagen Wissenschaftler der Universität Halle, die insgesamt 35 Studien auf diese Fragestellung hin untersucht haben.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Preiskapriolen der jüngeren Vergangenheit realwirtschaftliche Ursachen hatten und eher nicht auf spekulative Vorgänge zurückzuführen sind.

Genau weiß es allerdings niemand.

Was bedeutet, dass selbst für Experten die Zusammenhänge in ihrer Gesamtheit kaum zu überblicken sind.

Das Fazit

Was unter dem Strich bleibt, ist ein Diversifikationseffekt, dessen Wirksamkeit umstritten ist, sowie ethische Bedenken hinsichtlich der Spekulationseffekte bei Agrarrohstoffen.

Es fällt dadurch nicht ganz leicht, beim Thema Rohstoffe zu einem eindeutigen Urteil zu kommen.

Anders als im Strafrecht üblich habe ich mich hier im Zweifel gegen den Angeklagten entschieden und verzichte daher völlig auf diese Anlageklasse.

Es gibt andere Mittel und Wege, um das Gesamtrisiko seines Depots zu senken. Auch ohne Rohstoffe.

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Dr. Holger Grethe
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Comments on this entry are closed.

  • ChrisM Okt 25, 2015 @ 9:31

    Hallo Holger,

    ich teile Deine Einschätzung, dass es für den durchschnittlichen passiven Anleger nicht sinnvoll ist in Rohstoff-Futures zu investieren.
    Ich bin ein großer Anhänger des Weltportfolio-Konzeptes von Gerd Kommer, habe mich aber auch aus mehreren Gründen gegen ein Investment in Rohstoff-Futures
    entschieden.

    1. Spekulative Assetklasse ohne inneren Wert.
    2. Insb. bei Sparplänen, aber auch durchschnittlichen Einzelanlagen (<5000-10.000 EU), im Weltportfolio-Konzept finde ich die Anschaffungsgebühren im Verhältnis zum Anlagebetrag zu hoch. Und das auch selbst bei einem günstigen Rohstoff-ETF wie dem WKN ETF090.
    3. Wer sich einen MSCI World oder Emerging Markets-ETF kauft, weiß das dort auch rohstoffverarbeitende Firmen wie Texaco etc. darin enthalten sind. Das läßt sich nicht umgehen.
    Wer aber mal näherbetrachtet, wie z.B. Gold/Silber aber auch Öl etc. gefördert werden und welche Folgen dass u.a. für die Umwelt hat, da kann ich nicht mit gutem Gewissen in Rohstoff-Futures investieren. Und das durch dich genannte Thema "Nahrungsmittelspekulation und Preistreiberei" durch Rohstoff-Futures habe ich noch nicht angesprochen.
    Hier kann ich meine Entscheidung gegen ein Investment aber bewußt treffen!
    Solange insb. letzteres nicht klar wissenschaftlich widerlegt ist und die durchaus vorhandene Effizienz zur Kostensenkung im Bereich der Rohstoffförderung sich auch für die Unternehmen als Folgekosten im Bereich Umwelt/Menschenrechte/Ethik niederschlägt und berücksichtigt wird, ist ein Rohstoffinvestment für mich nicht denkbar.

    Gruß,
    Christian

  • Christina Jun 17, 2015 @ 16:31

    Hallo Holger,

    abgesehen von der Undurchschaubarkeit der Anlage würdest Du auch Goldinvestments als moralisch kritisch betrachten?

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Christina

    • Holger Grethe Jun 17, 2015 @ 16:38

      Hallo Christina,

      moralisch hätte ich da weniger Probleme. Eher damit, dass Gold ein spekulatives Investment ist und keine Erträge erwirtschaftet.

      LG
      Holger

    • Christina Jun 17, 2015 @ 17:39

      Hallo Holger,

      vielen Dank für die schnelle Antwort. :-)). Mit Gold wird intuitiv meiste etwas Positives verbunden und ich habe gerade von dem BWF-Gold-Betrugsfall berichtet. Ich finde es sehr gut, dass Du auf den hoch spekuativen Charakter der Anlage eingehst. Im Periodensystem liegt Quecksilber direkt neben Gold. Dennoch könnte man keinen Kleinanleger mit einem Quecksilber-Investment hinter dem Ofen hervorlocken. :-)
      Ethisch gesehen sehe ich jetzt aber auch kein Problem bei Edelmetallen. Bleibt natürlich die Frage, ob damit indirekt der unmenschliche Abbau gefördert wird …

      Liebe Grüße
      Christina

  • Gio Mai 14, 2015 @ 1:49

    Zur Absicherung gegen Einbrüche am Aktienmarkt sind Agrarrohstoffe also wenig geeignet. Wenn man sich aber auf einen richig großen Crash einstellt m.E. schon. Selbst wenn Auto-, Öl-, Elektronik-, Modeindustrie usw. zusammenbrechen (u. damit auch die Preise für viele Edelmetalle) – essen werden die Menschen weiterhin.

  • Korrelationer Feb 26, 2015 @ 18:00

    Hi zusammen,

    da das der Artikel auf deiner Seite ist, der am meisten mit „Korrelation“ zu tun hat hier mal meine Frage:

    Die Commerzbank hat (heute?) eine Korrelationsmatrix veröffentlicht, die ich (leider) nicht verstehe:
    http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/korrelationsmat4gutskpcq5.jpg
    Quelle: http://iads.fazcdn.net/asv/comstage/Korrelationsmatrix.jpg

    Könnte mir jemand netterweise erklären, warum die Korrelation zwischen „Dax-Dax“ oder S&p 500 – S&p 500 nicht gleich 1 ist?
    Ich dachte, Korrelation gibt an, wie sich der eine Wert (Index-X) zu einem anderen Wert (Index-Y) in der Vergangenheit entwickelt hat. Werte deutlich unter 1 bedeuten eine geringere Korrelation, eine unter 0 bedeutet, dass sich die Werte sogar entgegengesetzt entwickelt haben.

    Gleiche Indizes (Dax-Dax) müssten doch eigentlich eine Korrelation von 1 haben?! Irgendwie stehe ich da auf dem Schlauch…

    VG, Korrelationer

    • Korrelationer Feb 26, 2015 @ 18:24

      wer lesen kann ist klar im Vorteil…

      Hat sich erledigt! die Dax-Dax Felder zeigen die Volatilität an.

      Kompliment an dieser Stelle für deinen Blog! Wirklich hilfreiche Informationen und einsteigerfreundlich formuliert =)

    • Dummerchen Feb 26, 2015 @ 23:45

      Na, da wurden aber möglichst viele Infos in einer Übersicht untergebracht. Die Deutung der Werte hast Du ja schon selbst hingekriegt ;-).

      Das einzige Problem bei Korrelationen ist halt, dass sie nur bedingt eine Aussagekraft haben, da sie sich ständig ändern (können). Wenn Du besonderes Interesse am Thema hast – hier mein Lesetipp: William Bernstein: Skating where the puck was

  • Florian Jun 29, 2014 @ 14:32

    Hallo,

    Einen netten Blog betreibst du hier, großes Lob an dich für die leicht verständliche Darstellung komplexer Inhalte. Weiter so!

    Eine Frage habe ich zu der Geldanlage in Rohstoffen: Gibt es Fonds die breit in Rohstoffunternehmen investieren? Über diese Anlagemöglichkeit könnte man doch quasi indirekt in Rohstoffe investieren. Dies natürlich unter dem Blickwinkel einer breiten Streuung und eines langfristigen Ansatzes.

  • Dummerchen Feb 9, 2014 @ 16:32

    Hallo Holger,

    das Thema „Rohstoffe – ja oder nein“ ist eine Frage, die auch ich mir vor einiger Zeit gestellt habe und die ich für mich mit einem „Nein“ beantwortet habe.

    Ich habe allerdings keine ethischen Bedenken, da mir nicht einleuchtet, warum der Kauf eines Rohstoff-Futures den Preis eines Lebensmittels erhöhen sollte.

    Da geht es mir ähnlich bei der Verwendung eines Mobiltelefons. Auch dort gibt es ja etliche Studien, dass Mobiltelefone gefährlich und schlecht für den Menschen sein sollen. Gegenstudien gibt es auch – wem also glauben?

    Auch hätte ich kein Problem damit, Milch von Kühen zu trinken, die unter Hochspannungsleitungen Gras gefressen haben – soll ja auch ganz schlimm sein. Kann natürlich sein, dass ich in allen Punkten irre, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass die jeweiligen Bedenkenträger auch nicht immer alle vom Fach sind…

    Aber zurück zu den Rohstoff-Futuren. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich einen Denkfehler habe, aber ich glaube, dass die Preisermittlung und das Thema Rollgewinne/-verluste ein klein wenig anders verläuft, als es von Dir beschrieben wurde:

    Der Rohstoffmarkt hat einen Spot-Markt, der den aktuellen Preis z.B. von Weizen handelt und weitestgehend von Angebot und Nachfrage getrieben sein sollte. Bei überdurchschnittlichen großen Ernten sinkt also der Preis. Steigt die Nachfrage am Weltmarkt, steigt der Preis.

    Daneben existiert der Futures-Markt, d.h. der Kaufer eines Rohstoff-Futures bietet dem Verkäufer (z.B. dem Weizen-Bauern) an, ihm zu einem Zeitpunkt in der Zukunft (z.B. in 3 Monaten) Ware zu vorher festgelegten Preis (Futurepreis) abzukaufen. Dieser Preis wird sich daran orientieren, welchen Preis der Verkäufer und Käufer in der Zukunft am Spotmarkt erwarten.

    Nach 3 Monaten sind natürlich zwei Szenarien denkbar: Der dann aktuelle Preis für Weizen ist höher oder niedriger als der zuvor vereinbarte Futurepreis. Ist der aktuelle Preis höher, so hat der Futurekäufer einen Gewinn gemacht:

    Er hat eine Tonne Weizen für z.B. 195 Euro gekauft, während der aktuelle Preis z.B. 200 Euro/Tonne ist. Für den Finanzinvestor, der keinen Weizensilo im Garten stehen hat, bedeutet dies, dass er seinen Future an einen realen Weizenkäufer (z.B. eine Mühle) weiterverkaufen kann und dabei einen Gewinn erwirtschaften wird.

    Im umgekehrten Fall (Spotpreis niedriger als Futurepreis) kann er den Future nur mit Verlust verkaufen. Für genau dieses Risiko wird der Finanzinvestor eine Risikoprämie haben wollen, wenn er mit dem Verkäufer von Weizen den Futurepreis festlegt.

    Er wird also bestrebt sein, den Futurepreis unterhalb des erwarteten zukünftigen Spotpreis festzusetzen. Wenn man so will, ist der Investor quasi eine Art Versicherung für den Warenverkäufer gegen unerwartet hohe Preiseinbrüche.

    Der Investor in Rohstoff-Futures kann also sowohl einen Gewinn erzielen, wenn Rohstoffpreise steigen oder fallen. Er muß nur hoffen, dass der heute verhandelte Preis einer Ware unterhalb des zukünftigen Preises liegt.

    Der Gewinn resultiert (im Gegensatz zu Deiner Aussage) nicht daraus, ob der heute verhandelte Futurepreis höher oder niedriger als der vorherige ist. Meines Erachtens nach muss die Glaskugel des Investors „nur“ klarer als die des Warenverkäufers sein, um unerwartete Preiseinbrüche vorherzusehen.

    Und genau bei der Glaskugel habe ich mein Problem mit Rohstoff-Futuren. Ich verstehe einfach nicht, wie genau die Preisfestlegung konsistent funktionieren soll, so dass langfristig eine risikoadäquate Rendite entsteht.

    Über jeden sachdienlichen Hinweis von Dir, Holger, oder einem anderen Mitlesenden wäre ich dankbar. Sei es, dass ich den Prozess der Gewinnermittlung wider Erwarten falsch verstanden habe, oder dass mir ein anderer Denkfehler unterlaufen sein sollte.

    Gruß
    Dummerchen

    • Holger Grethe Feb 9, 2014 @ 18:39

      Hi Dummerchen,

      wie bereits gesagt: die Sache mit dem Rohstoffhandel ist nicht ohne. Für ein Einmalinvestment hast du den Gewinn-/Verlustmechanismus nach meiner Einschätzung richtig skizziert.

      Das Problem ist aber, dass es ja mit einem Einmalinvestment nicht getan ist, sondern es beim langfristigen Investieren (buy-and-hold) zu einer Kette von Future-Investments kommt, mit den erwähnten Rollgewinnen und -verlusten.

      Das Management eines Rohstoff-Fonds muss also immer mit mehreren Bällen jonglieren und schauen, dass keiner jemals zu Boden fällt. Sprich: jeder Futureskontrakt muss vor Ablauf in den nächsten gerollt werden, damit es nicht zu einer Lieferung des jeweils gehandelten Rohstoffs kommt.

      Welche Risiken dabei lauern, wird in der verlinkten Vanguard-Arbeit beleuchtet. Wirklich Spaß, das zu lesen, macht es allerdings nicht… ;-)

  • Holger Grethe Feb 2, 2014 @ 20:46

    Hallo Bobby,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich versuche, auf jeden deiner Punkte kurz einzugehen.

    Man kann sicher diskutieren, wie weit das Verständnis auf Seiten des Anlegers reichen muss, um ein Anlageprodukt sinnvoll für die Vermögensbildung einzusetzen.

    Man muss einfach sehen, dass für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bereits Aktien böhmische Dörfer darstellen. Die Komplexität des Rohstoffhandels liegt im Vergleich zum Aktienmarkt imho noch mal locker ein paar Etagen höher…

    Andererseits kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass man nicht selbst in der Pfanne gelegen haben muss, um ein gutes Schnitzel hinzubekommen…

    Die Geschichte mit den ethischen Bedenken ist genauso relativ zu sehen.

    Mein Punkt ist: Mit Essen spielt man nicht. Solange nicht eindeutig belegt ist, dass die Spekulation auf Agrarrohstoffe NICHT für mehr Hunger in der Dritten Welt sorgt, lasse ich die Finger von dieser speziellen Anlageform. Ist ja nicht so, als gäbe es sonst nix, in das wir investieren könnten.

    Dass mag irrational sein, da ich von meinen Aktieninvestments als Passivinvestor auch nicht erwarte, dass sie „ethisch astrein“ sind. Aber in der Zusammenschau aller Befunde, wie der Mediziner gerne sagt, ist es einfach ein weiterer Punkt auf der Contra-Seite.

    „In der Finanzkrise 2008 hat meines Wissens keine Korrelation zwischen den Hauptanlageklassen mehr gestimmt –im Vergleich zur Vergangenheit.“

    Das ist so nicht ganz richtig, denn Anleihen haben auch zu Beginn der Finanzkrise positive Renditen gebracht. Und das war es auch schon. Egal ob Small Caps, Emerging Markets oder REITS – die Korrelation mit Standardaktien war zu Beginn der Finanzkrise hoch.

    Anleihen scheinen die letzte Anlageklasse zu sein, die sich weiterhin unabhängig vom Aktienmarkt entwickeln. Was der Grund ist, warum sie aus meiner Sicht in keinem Depot fehlen dürfen.

    Ich glaube auch weiterhin an den Diversifikationseffekt durch die Investition in unterschiedliche Anlageklassen. Dieser ist ja moderat schon gegeben, solange die Korrelation nicht genau 1 ist. Man sollte nur keine Wunder erwarten, was Rohstoffe als Risikopuffer angeht.

    Deine Anregung bzgl. eines Artikels über die ETF-Branche nehme ich gerne auf.

    Viele Grüße
    Holger

  • Bobby Feb 2, 2014 @ 12:15

    Hallo Holger

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zu Deinem sehr gelungenen Blog.
    Ich verfolge immer sehr interessiert deine Beiträge und die weiterführenden Literaturempfehlungen – insbesondere diese, die nicht direkt zum Thema Investieren gehören.

    Ich selber investiere in ETF basierte passive Anlageformen –darunter auch Rohstoffe (CRB Index).
    Die aufgeführten Gründe gegen Rohstoff-Investments müsste man dann aber aus meiner Sicht konsequenterweise auf alle seine eigenen Investitionen anwenden.

    Zu „das Investment ist schwer zu verstehen“
    Im Vergleich zu anderen Anlageklassen ist das sicher so.
    Wenn man als Privatanleger in einen breiten Index wie z.B.
    Reuters/Jefferies CRB-Index (CRB = Commodity Research Bureau),
    GSCI-Index (Goldman Sachs Commodities Index),
    DJ-AIG-Index (Dow Jones-AIG Commodity Index)
    oder Rogers International Commodities Index
    anlegt und die Eigenschaften von einem Rohstoff Future verstanden hat, ist es aus meiner Sicht aber durchaus machbar.
    Ich finde den Abschnitt (sowie das ganze Buch) Rohstoffe bei Gerd Kommer (2012) „Herleitung…eines passiven Investmentansatzes…“ noch hilfreich.

    Zu „ethische, ökologische oder religiös-moralische Bedenken sprechen dagegen“
    Wenn man aus den oben genannten Gründen ein Investment nicht tätigt, ist das natürlich legitim.
    Aber ich finde es fast ein wenig „scheinheilig“, da es in anderen Bereichen des ETF Investierens genauso viele Gründe aus meiner Sicht geben würde – im Vergleich zu Rohstoffanlagen –nicht zu investieren.

    Wenn man z.B. in Aktienindizes in Europa, USA, Asien und vielleicht noch Schwellenländer via ETF investiert, hat man aus meiner Sicht Anteile von so vielen Unternehmen erworben, dass man kaum noch kontrollieren kann, ob das mit den persönlichen Präferenzen hinsichtlich Ethik, Ökologie und Religion vereinbar ist.

    Bekleidungshersteller, Nahrungsmittelkonzerne, Rüstungshersteller, IT Konzerne , Rohstoffhändler, Rohstoffhersteller etc.
    Alle diese Branchen/Unternehmen und oder deren Zulieferer sind in vielen Standardaktien ETFs vertreten und sind bei einer genauen Betrachtung hinsichtlich Ethik, Ökologie und Religion möglicherweise Zweifelhaft.

    Diversifikationseffekt
    „Insbesondere die Aktienmarktverluste zu Beginn der Finanzkrise in 2008 wurden durch Rohstoffe nicht aufgefangen.“
    In der Finanzkrise 2008 hat meines Wissens keine Korrelation zwischen den Hauptanlageklassen mehr gestimmt –im Vergleich zur Vergangenheit.

    „Mit anderen Worten: sobald auf der ganzen Welt Hinz und Kunz in Rohstoffe investieren kann, ist er dahin, der Diversifikationseffekt.“
    Wenn das so ist, würde das aber auch die These stützen, dass die Diversifikationsrendite an sich an Bedeutung abnimmt?

    Heute hat ja jeder Privatanleger und Institutioneller Investor Zugang zu fast allen Anlagegruppen via ETF.
    Ich denke, dass die Korrelation sich zwischen den Hauptanlageklassen immer leicht ändern wird, aber deshalb werde ich nicht den „Glauben“ an das „Free Lunch“ – die Diversifikation – verlieren.

    „Es gibt andere Mittel und Wege, um das Gesamtrisiko seines Depots zu senken. Auch ohne Rohstoffe.“
    Kannst Du hier mehr verraten? Rohstoffe können aus meiner Sicht das Risiko im risikobehaftetem Teil des Portfolios senken. Was gibt es neben Aktien, Rohstoffen und Immobilien noch für weitere sinnvolle Anlageklassen für den risikoreichen Teil des Portfolios?

    Danke und Grüße
    Bobby

    P.s. Ich fände es sehr spannend wenn Du mal einen Artikel über die ETF Branche selbst schreibst.
    – Risiko der Anbieter-Konzentration in der ETF Branche für den Privatanleger?
    – Gibt es rationale Gründe seine Investments auf verschiedene ETF Anbieter zu verteilen?
    – Risiken/Rechte bei einer Schließung von einem ETF? Was sind mögliche Früherkennungs-Indikatoren?

  • Stefan Jan 31, 2014 @ 20:20

    Hallo zusammen,

    meine Rohstoffe beschränken sich auf Gold und Silber in kleinen Stückelungen – für den Fall des Falles. Und ich halte – das will ich nicht verschweigen – einen Pennystock aus dem Uran-Sektor. Ist aber rein spekulativ zu sehen. Ich warte, bis er entweder verfällt oder durch die Decke geht.

    Ethische Bedenken habe ich keine. Schlussendlich will ich mit meinen Börsenaktivitäten eher Geld verdienen als Wohltaten vollbringen.

    Vorstellen kann ich mir Trades auf Commodities, die Trends ausbilden. Ich würde also eher versuchen, Swings zu traden. Dadurch wäre ich wieder ein Spekulatius ;-) und kein entspannter passiver Investor!
    Und da ich im technischen Sektor zu Hause bin:
    Investments in Kupfer (-> Kabel) und Aluminium (-> Hochspannungsleitungen) sowie Seltene Erden (ohne diese funkt gar nichts mehr) halte ich auf Sicht von Jahren für lukrativ.

    In meinem Depot befinden sich jedenfalls keine ETCs zur Diversifikation.

    Viele Grüße
    Stefan

    • Holger Grethe Feb 1, 2014 @ 22:14

      Hi Stefan!

      In dir tobt er noch, der Kampf AKTIV vs. PASSIV, stimmt´s? ;-)

    • Stefan Feb 2, 2014 @ 7:59

      @Holger:
      Du hast recht, der Kampf tobt wohl immer noch in mir ;-)
      Das mag auch daran liegen, dass ein Zeithorizont von 25 Jahren zwar einem jüngeren passiven Investor attraktiv erscheint; Ich werde jedoch, sollte ich es erleben, dann schnurstracks auf meinen 80sten zugehen – und da möche ich momentan eher nicht drüber nachdenken …

      Viele Grüße
      Stefan

  • Couponschneider Jan 30, 2014 @ 17:48

    Ich halte nichts von Rohstoffen, denn Rohstoffe haben weder Personal, die Werte schaffen, noch einen Kupon, den man abschneiden kann. :-)

    Ich müsste mich bei einer Direktinvestition mit dem Rohstoff auskennen. Ich kenne mich aber kaum aus und will mich eigentlich auf meine Arbeit konzentrieren. Ich kaufe mir lieber Unternehmensanteile, denn Unternehmen haben Manager und die wissen hoffentlich, was zu tun ist.

    • Holger Grethe Jan 30, 2014 @ 21:53

      Ob man sich im Einzelfall immer darauf verlassen kann, dass Manager das Richtige tun? Ich bezweifle das, aber mit einer ordentlichen Risikostreuung lässt sich dieses Problem ja in den Griff bekommen.

  • Thorsten Jan 30, 2014 @ 11:46

    Habe selbst aus Diversifikationsgründen 5% in einem Rohstoff-ETF exklusive Agrar angelegt und 5% in Form von kleinstückeligem Metall für den aboluten worst case unterm Kopfkissen, überlege aber angesichts der Fragwürdigkeit des Diversifikationseffektes umzuschichten…….hätte man halt die Glaskugel und könnte 20 Jahre weiter blicken…

    • Holger Grethe Jan 30, 2014 @ 21:51

      Tja, niemand hat die Glaskugel…mal abgesehen von den ganzen „Experten“, die sinnbefreit regelmäßig Indexstände zum Jahresende prognostizieren (und dabei so gut wie immer falsch liegen).

  • Philipp Jan 30, 2014 @ 9:28

    Wenn ich da an die Worte meines Finanz-„Beraters“ denke, der Rohstoffe als das beste Investment empfohlen hat… Andererseits wollte er mir dann später auch Windratbeteiligungen andrehen.

    • Philipp Jan 30, 2014 @ 9:54

      Und mit „rat“ meinte ich natürlich „rad“.

    • Holger Grethe Jan 30, 2014 @ 21:49

      Spricht jetzt nicht direkt für den „Berater“… ;-)