Zendepot Blog

Das Zen der Vermögensbildung

Holger Grethe
Autor
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Buddhismus scheint im Trend zu liegen. Zumindest wenn man sich in Deko-Läden umsieht.

Wer seiner Wohnungseinrichtung einen Hauch von fernöstlicher Spiritualität verleihen will, greift zu einer der Buddha-Figuren, die in unzähligen Varianten angeboten werden.

Das hatte ich allerdings weniger im Sinn, als ich beschlossen habe, diese Website zendepot zu nennen.

Hinter der milde lächelnden Figur in Meditationspose steckt mehr als eine freundliche Erinnerung an Achtsamkeit und Entschleunigung. Insbesondere der Zen-Buddhismus steht für ein Verständnis der Welt, das unsere westliche Denkweise auf bereichernde Weise in Frage stellt.

Alles schön und gut, aber was hat das mit Geldanlage bzw. Vermögensbildung zu tun?

Mehr als man auf den ersten Blick denken mag.

Zen steht für eine Form der Gelassenheit, die uns als Anleger nur gut tun kann. Und wer sich für Passives Investieren an der Börse interessiert, findet im Zen die philosophische Begleitmusik für diese Anlagestrategie.

Mag sein, dass bei dem einen oder anderen Leser hier die Esoterik-Warnlampe angeht. Wer allerdings immer noch glaubt, dass es beim Investieren nur um „harte Fakten“ geht, sollte jetzt…tief einatmen…ausatmen…und den nachfolgenden Text einfach auf sich wirken lassen. ;-)

Ich habe eine paar wundervolle Zitate von Zen-Meistern ausgewählt, die mit wenigen Worten erklären, was Zen ausmacht. Besser als ich es je könnte. Daher beschränke ich meine Worte in diesem Artikel auf ein paar einordnende Kommentare.

Um Missverständnissen vorzubeugen: für die einen ist Buddhismus Religion, für die anderen Philosophie. Ich sympathisiere mit der Philosophie des Zen, würde mich aber nicht als Buddhist bezeichnen.

Was ist Zen?

"Auf die kürzeste Formel gebracht, besagt Buddhas Lehre, dass der Mensch leidet, weil er Dinge, die ihrem Wesen nach vergänglich sind, besitzen und für immer festhalten möchte." – Alan Watts

Ob Geld, Status, Besitz oder das eigene Leben – wir machen uns ständig Sorgen aus Angst, alles zu verlieren.

"Wir erfahren grenzenloses Leiden, weil wir grenzenloses Verlangen haben." -Shunryu Suzuki

Egal wie gut es uns geht, es bleibt Besseres vorstellbar. Wir sind unzufrieden, wenn wir immer nur die Dinge sehen, die uns fehlen. Stattdessen sollten wir uns über all das freuen, was wir bereits haben.

"Werde ich also gefragt, was Zen lehrt, so muss ich antworten, dass Zen nichts lehrt. Was immer für Lehren es im Zen gibt, sie kommen aus dem eigenen Inneren jedes einzelnen. Wir selbst sind unsere Lehrer; Zen weist nur den Weg." – Daisetz T. Suzuki

Zen ist frei von Dogmen, Mythen und Ritualen. Das macht es mir so sympathisch. Wer nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens sucht, findet sie am ehesten in der Beschäftigung mit sich selbst.

Einfachheit

Forme Ton und bilde ein Gefäß: Es ist die Leere, die es brauchbar macht. Schneide Tür und Fenster aus, damit ein Raum entsteht: Es sind die Löcher, die ihn brauchbar machen. Also kommt Gewinn durch das, was da ist, Brauchbarkeit durch das, was nicht da ist. – Laotze

Wir sollten auf alles verzichten, was wir nicht unbedingt brauchen – auch beim Geld anlegen. Wenn die Dinge einfach und übersichtlich sind, verlieren wir nicht so schnell den Überblick.

Erfolg mit wenig Aufwand

Das Geheimnis der Konzentration und des Erfolges bei jeder Art von Tätigkeit besteht darin, gerade nur so viel Kraft aufzuwenden, wie zur Erreichung eines bestimmten Resultats erforderlich ist. – Alan Watts

Durch Passives Investieren können wir mit minimalem Aufwand überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Aktives Anlegen hingegen kostet Zeit, Geld und Nerven und lohnt sich nur für die wenigsten Anleger.

Befreiung vom Ego

Ich denke, ihr könnt verstehen, worin der Unterschied zwischen Persönlichkeit und Ego besteht. Das Ego ist etwas, das eure Persönlichkeit überdeckt. – Shunryu Suzuki

Wir müssen beim Geld anlegen weder uns noch anderen etwas beweisen. Wir können an der Börse Gewinne erzielen, ohne jemand anderen schlagen, besiegen oder ausstechen zu müssen.

Sich nicht vergleichen

Weil wir ständig irgendwelche Maßstäbe verwenden und derart von ihnen abhängig sind, glauben wir, dass sie tatsächlich existieren. – Shunryu Suzuki

Sich mit anderen Leuten zu vergleichen ist ein Drang, der sich nur schwer abstellen lässt. Ob Status, Vermögen oder Schönheit: letztlich handelt es sich um völlig willkürliche Maßstäbe, nach denen wir Rangfolgen und Hierarchien erstellen.

Wer passiv investiert, verzichtet auf den Vergleich mit anderen Anlegern und freut sich über das, was er selbst erreichen kann.

Wir betrachten die Dinge durch unsere gefärbte Brille. Die Welt, mit der wir zufrieden sind, und die Welt, mit der wir unzufrieden sind, haben wir selbst fabriziert.
– Kodo Sawaki

Akzeptanz von Verlusten

Wenn wir erkennen, dass wir bereits alles haben, dann werden wir an nichts festhalten. – Shunryu Suzuki

Verluste gehören zum Leben dazu. Je weniger wir uns mit ihnen abfinden können, desto unglücklicher werden wir.

Wer sich verbissen an sein Geld klammert, kann seinen Wohlstand nicht genießen und wird auch als Anleger kaum erfolgreich sein. Denn die übertriebene Angst vor Verlusten ist ein schlechter Begleiter bei der Entscheidung, wie man sein Geld anlegt.

Lass dich von nichts gefangen nehmen, bleibe an nichts hängen. – Kodo Sawaki

Glück und Zufriedenheit nicht in materiellen Dingen suchen

Welche Art von Leben ihr führt, ist nicht so wichtig. Das Allerwichtigste ist, dass ihr euch des Lebens freuen könnt, ohne euch von den Dingen irreführen zu lassen. – Shunryu Suzuki

Nichts ist wichtiger als das Gefühl, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Das muss nicht ausschließen, dass wir uns um unser Geld kümmern und Vermögen bilden. Wir kommen schließlich kaum darum herum, auf eigene Faust finanziell vorzusorgen. Aber wir sollten es mit Gelassenheit tun.

Und wir können unser Vermögen besser einsetzen als zum Kauf von Statussymbolen und Luxusartikeln. Denn nichts ist kostbarer als Zeit zu unserer freien Verfügung.

 
Was ist deine Philosophie, wenn es ums Geld anlegen geht? Lass es mich wissen, ich freue mich auf deinen Kommentar.

Zitatquellen und Buchempfehlungen:
Shunryu Suzuki – Zen-Geist Anfänger-Geist – Unterweisungen in Zen-Meditation (*)
Shunryu Suzuki – Seid wie Reine Seide und Scharfer Stahl (*)
Alan Watts – Vom Geist des Zen (*)
Daisetz T. Suzuki – Die große Befreiung: Einführung in den Zen-Buddhismus (*)
Alan Watts – Der Lauf des Wassers – Eine Enführung in den Taoismus (*)
Kodo Sawaki – Zen ist die größte Lüge aller Zeiten (*)

Bildquellen:
„Zen 2.0“ von Pittaya Sroilong (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0
„Bamboo, Tokyo“ von Morten Skogly (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0
„Zen rock on beach sand“ von Alon (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0
„Derravaragh as a place of Zen“ von Fiona MacGinty-O’Neill (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0
„Zen“ von Michael Day (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0
„Zen Buddhist Temple Japan“ von Ivan Walsh (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0
„Snowy Zen #2“ von Edward Dalmulder (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0
„A Branch of Zen“ von Randon Pederson (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

Autor: Holger Grethe
Holger hat Zendepot Anfang 2013 gegründet und dort als einer der ersten deutschen Blogger regelmäßig über passives Investieren mit ETFs und weitere Finanzthemen informiert. Im Juni 2021 beschloss Holger, das Projekt Zendepot für sich abzuschließen, um sich auf sein Kerngeschäft, die eigene Praxis, zu konzentrieren. Die Beiträge von Holger können jedoch weiterhin im Zendepot-Blog abgerufen werden.