Binäres Trading: Gier frisst Hirn oder einfach nur Betrug?

Binäres Trading

Binäres Trading …schon einmal davon gehört beziehungsweise gelesen?

Vielleicht in einer dieser Spam-Mails, die täglich unseren Posteingang verstopfen.

In diesen werden fantastische Gewinne bei Börsengeschäften versprochen, die dazu noch “kinderleicht” zu erlangen seien.

Auch in diversen Börsenforen ist mir in letzter Zeit eine erhöhte Nachfrage nach gewissen “Anlageformen” aufgefallen, die schnellen Reichtum “mit nur wenigen Klicks” versprechen.

Worum geht`s bei diesen Geschäften und was ist davon zu halten?

Der Köder

In ihrer Machart richten sich die Mails und die darin verlinkten Videos gezielt an unerfahrene Anleger, die mit der Idee vom schnellen Euro geködert werden sollen.

Eine vermeintliche Privatperson betont in einer der Mails ausdrücklich, dass man wirklich null Plan haben muss, um an der Börse ganz schnell ganz dick Kasse machen zu können. Zitat:

“Stellen Sie sich vor, Sie wüssten gar nichts über den Aktienmarkt! Jetzt gehen Sie hin und verdienen in nur einer Woche 4.575€!”

Während sich ersteres leider immer noch sehr viele Leute nur zu gut vorstellen können, gerät man bei der zweiten Aussage gedanklich schon schneller ins Schlingern.

“So viel Geld in nur einer Woche – kann das wirklich wahr sein?!?”

Man soll dann ein Video ansehen, in dem das System erklärt wird, mit dem die Traumgewinne innerhalb weniger Minuten eingefahren werden können.

Am Ende der Mail ist man plakativ um den Eindruck von Seriösität bemüht:

“PS: Ich habe ein naturwissenschaftliches Studium belegt und bin daher bei solchen Dingen sehr kritisch und nehme die Überprüfung solcher Dinge sehr ernst. Ich habe alle Details überprüfen lassen und das Video ist echt!”

Natürlich ist das Video echt. Und zwar echt hirnrissig.

Aber eins nach dem anderen…

Wer steckt dahinter?

Hinter solch verlockenden Angeboten stehen häufig die Betreiber von Handelsplattformen für sogenannte Binäre Optionen.

Es sind Broker, die sich auf den Handel mit diesen Optionen spezialisiert haben und mit besagten Mails auf Kundenfang gehen.

Dabei vermeiden sie es geschickterweise, potenzielle Kunden direkt zu adressieren, sondern schalten fiktive Privatpersonen als Absender der Werbe-Mails zwischen, die von eigenen Erfolgen “im Aktiengeschäft” berichten und so die ganze Sache glaubhaft machen sollen.

“Social Proof” nennen dies Marketing-Fachleute. Denn wir vertrauen Menschen eher als Organisationen.

Was sind Binäre Optionen?

Vornehm ausgedrückt handelt es sich bei Binären Optionen um Finanzderivate (Termingeschäfte).

Nüchtern betrachtet sind sie nichts anderes als banale Wetten mit einer Gewinn-/Verlustwahrscheinlichkeit von 50:50, auch “Cash or Nothing” genannt.

Man setzt auf das Eintreten bzw. Nicht-Eintreten eines bestimmten Ereignis innerhalb eines festgelegten (meist sehr kurzen) Zeitraums.

Eine Wette könnte zum Beispiel lauten: Der DAX hat jetzt 8.100 Punkte. Wird er in 30 Minuten bei über 8.100 Punkten stehen oder darunter?

Die Wetten sind zeitlich getaktet, man kann also innerhalb eines vom Broker vorgegebenen Zeitfensters Wetten abschließen und erfährt dann nach Ablauf der Zeit, ob man gewonnen oder verloren hat.

Innerhalb von einer Minute sind so schnell ein paar Hundert Euro in mehreren Wetten platziert.

Binäres Trading – Das “System”

Für welche Seite einer Wette entscheidet man sich nun?

Kein Problem, der Broker liefert ein “Analysetool”, das einfach den Kursverlauf eines Wettobjekts, z.B. eines Börsenindex, in einem Fenster als Kursdiagramm (Chart) darstellt.

Dazu gibt der Broker seinen Kunden für den Handel einfache Regeln an die Hand. Will man gewinnen, muss man nur dem Trend folgen, den der Chart anzeigt. So einfach ist das. Selbst wenn man keinen blassen Schimmer davon hat, was man da gerade eigentlich tut.

Zeigt die Kurve nach oben, setzt man auf grün, zeigt die Kurve nach unten, auf rot. Klingt dir zu sehr nach Casino?

Stimmt, deswegen werden die beiden Wahlmöglichkeiten vom Broker auch lieber als “Call” und “Put” bezeichnet. Das hört sich direkt viel professioneller an, oder?

Wie stehen deine Chancen?

Gut. Jedenfalls wenn es darum geht, ordentlich Geld zu verzocken.

Warum?

Es liegt an der Konstruktion der Wette.

Zumindest die Handelsplattform, auf die ich mich in diesem Artikel beziehe (und deren Name ich bewusst nicht nenne) übervorteilt ihre Kunden nach einem einfachen Strickmuster, bei dem es mehr zu verlieren als zu gewinnen gibt.

Pro gewonnener Wette winken 60% Gewinn, aber 85 % Verlust. Setzt man 100€ ein, steht man hinterher im besten Fall mit 160€ da, andernfalls mit 15€. Immerhin ist nicht alles weg, könnte man sagen.

Aber wie heißt es so schön? Das Geld ist ja nicht weg, nur ein anderer hat es. Wer ist dieser “andere” beim Handel von Binären Optionen?

Du ahnst es sicher bereits. Der Broker.

Gehen wir mal davon aus, dass sich im Mittel Gewinner und Verlierer die Waage halten, wie es bei Wetten mit 50/50-Chance zu erwarten ist.

Dann streicht der Broker pro Wette a 100€ einen satten Differenzbetrag von 25€ ein, denn der Gewinner bekommt nur 60€, der Verlierer aber zahlt 85€.

Hast du nun eine ungefähre Vorstellung davon, was in aller Welt die Motivation sein könnte, dir derartige Werbe-Mails zu schicken? DICH reich machen vielleicht…?

Selbst wenn die Betreiber solcher Handelsplattformen ihre Dienste ehrenamtlich anbieten würden (total realistisch, ich weiß), wären bei jeder Wette und einer Quote von 60/85 rein rechnerisch immer noch 7 Verlierer notwendig, um 10 Gewinner zu finanzieren.

Im Werbevideo wird allerdings suggeriert, man könnte spielend die meisten Wetten gewinnen. Wie soll das funktionieren? Indem immer nur die anderen verlieren?

Sicher doch …

Was binäres Trading mit Geld anlegen zu tun?

Nix. Das ist ja das Schlimme.

Man könnte genauso gut im Zoo darauf wetten, ob innerhalb der nächsten 30 Minuten auf dem Pavianhügel Männchen A mit Weibchen B kopuliert oder eben nicht.

Geht das Männchen auf das Weibchen zu, zeigt der Chart nach oben. Du wettest auf erfolgreiche Paarung.

Alles sieht vielversprechend aus, aber kurz vor Ablauf der Zeit zieht es Pavianmännchen A plötzlich und völlig überraschend vor, ausgedehnt in der eigenen Nase zu bohren, anstatt sich mit Pavianweibchen B zu paaren.

Wette verloren. Geld weg.

Wetten in Form von Binären Optionen können sich zehnmal auf den Aktienmarkt beziehen, es bleiben banale Wetten.

Glücksspiel. Zockerei. Nichts anderes.

Mit Investieren hat das überhaupt gar nichts zu tun, strenggenommen ist es nicht mal Spekulation. Denn diese würde eine tiefergehende Analyse des Anlageobjekts voraussetzen, wovon hier kaum die Rede sein kann.

Was glaubst du, was passieren würde, wenn es wirklich so einfach wäre? Wenn jeder, wirklich JEDER die Entwicklung von Börsenkursen ganz einfach vorhersehen könnte…?!?

Die Wahrheit ist:

Je kürzer das Zeitfenster, in dem man den Kurs eines Anlageobjekts betrachtet, desto zufälliger und damit unberechenbarer ist sein Verlauf.

Wie soll ich mit solchen Angeboten umgehen?

Was würdest du von folgendem Angebot halten:

“Der Wahnsinn! 20kg abnehmen in 5 Tagen! Ich dachte, man müsste dafür hungern oder sich sogar bewegen, aber nein – es war total einfach!”

Du musst sicher nicht lange darüber nachdenken, dass es sich hier nur um Bullshit handeln kann, oder?

Ab in den Trash-Ordner mit solchen Mails.

Und beim Thema Geld machst du es nicht anders. Alles was marktschreierisch Traum-Renditen in kurzer Zeit verspricht, kannst du bedenkenlos löschen.

Glaub mir, du wirst nichts verpassen.

Im Gegenteil. Du schützt dich selbst davor, Opfer deiner Gier zu werden und größere Dummheiten mit deinem Geld anzustellen.

Wer schlau ist, denkt gerade NICHT, dass er schlauer ist als alle anderen. Vor allem, wenn es ums Geld geht.

Bildquelle: “Great White Shark Cage Diving” von hermanusbackpackers (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

  • Minne 5. Oktober 2016, 00:52

    Hallöchen meine Damen und Herren,

    Ich betreibe dieses “Spiel” mit binären Optionen zum Spaß auf einem Demokonto einer seriösen Brokerplattform. Da ich ja nicht mit echten Geld arbeite, macht es ja auch nix, wenn ich “verliere”
    Ich kann sagen:

    1. es ist keine 50:50 Chance. Wenn man nichts über Trendlinien, Kerzencharts etc. weiß, dann mag es stimmen, dass es einfach nur zocken ist. Aber wenn man die Grundkenntnisse hat und die Marktanalyse beherrscht, dann sieht die Sache ganz anders aus.

    2. das bedeutet, man sollte Kenntnisse über die Börse haben um da tatsächlich was zu verdienen.

    3. Klar verdient der Broker was, sonst gäbe es den nicht.

    4. eine Rendite von 87% ist verlockend. Aber da 95% der Leute keine Geduld haben und tatsächlich drauf los raten, verlieren mehr Leute Geld, als dass sie welches gewinnen. Der Broker verdient daran. Die anderen 5% sind die Profitrader, die eine Erfolgswahrscheinlichkeit von ca. 80% haben, d.h. Von 10 Trades, 8 gewinnen.

    5. Wer es ausprobieren möchte oder Spaß an Wahrscheinlichkeitsrechnung, Technische Analyse etc. hat, sollte sich einen Testaccount zulegen und mit Spielgeld ausgiebig testen. Banken haben auch Börsenspiele im Angebot, wenn man da an den Wettbewerben teilnimmt, kann man sogar echtes Geld gewinnen.

    Mein Fazit: Optionen broken ist nur dann ein Wettspiel wenn man keine Fachkenntnisse hat und ohne Tradinplan und Risikomanagement drauf los klickt.

  • Kurt 23. Juni 2016, 09:09

    Hi , kurz und knapp – klasse Kommentar. Habe mir nur überlegt wie man in meinem angeschauten Beitrag – den Anbieter auf dessen lockangebot – er zahle aus seinem Privatvermögen 10.000 € wenn das system nicht klappen sollte , festnageln könnte – ggf mit RA . Machbar ? Was meinst du ?
    Gruß Kurt

  • Jan 17. März 2016, 04:44

    Guter und kritischer Artikel zum Thema. Man muss dazu aber auch sagen, wer sich von dem Gedanken verabschiedet, aus 100€ in einer Woche 10.000€ zu machen, das komplett ohne Kenntnisse und wer vor allem die eigene Gier im Griff hat, kann mit Binären Optionen durchaus Geld verdienen! Denn der Unterschied zur Wette oder Roulette ist, dass (Grundwissen zu Börsenhandel vorausgesetzt) die Wahrscheinlichkeit hier keineswegs bei 50/50 liegt!

    Ein Anfänger ohne Plan von nix, kann aber natürlich nur verlieren! Da stimmt ich dir auf jeden Fall zu!

    Auf meinem Blog habe ich dazu auch einen Artikel geschrieben: Binäre Optionen – 500€ am Tag? ( http://erfolgreich-geld-im-internet-verdienen.info/binäre-optionen/ ) Dort beschreibe ich, was realistisch möglich ist und was für Voraussetzungen es für ein erfolgreiches Handeln braucht!

    Viele Grüße
    Jan

  • Pascal 7. Oktober 2015, 17:53

    Hallo,
    im Gegensatz zu vielen anderen Schlauen hier, habe ich mich auch fast dazu verleiten lassen mal “Binäre Optionen” auszuprobieren. Ich habe mir Videos auf Youtube angeschaut (The Way to 100k wäre so eins was wirklich gut gemacht ist…) und gedacht; “Wow der Kerl macht da wirklich Geld mit”. Natürlich auch mal ein paar Verluste, aber im Großen und Ganzen wirklich tolle Gewinne.
    Also weiter die Videos angeschaut und irgendwie wurde mir das dann doch alles etwas suspekt, die Kommentare unten Videos ebenfalls (wahrscheinlich gefaked).

    Schlussendlich habe ich mich GEGEN das Casinospielen mit “Binären Optionen” entschieden und ich denke das war auch eine sehr gute Entscheidung. Zu dem Zeitpunkt gab es leider noch keine Artikel über das Thema. Insofern vielen Dank dafür, auch wenn ich ihn somit nicht mehr benötigt habe, war er durchaus interessant zu lesen und wird sicherlich andere von dem Glücksspiel abhalten!

    Also: Hirn einschalten bei Finanzen und nicht zu gierig werden!

  • Daniel H. 6. Juli 2015, 22:36

    Also ich war ja grundsätzlich auch sehr skeptisch gegenüber den binären Optionen und den 60 Sekunden Trades. Ich habe mit 200 Euro begonnen. Zudem denke ich realistisch und ich wollte es einfach mal ausprobieren. Hab mich natürlich gut informiert vorher und ich seh die Gewinne als kleinen “leicht” zu ergatternden Nebenverdienst. Pro Tag mach ich zw. 15-25 Euro bei einem minimalen Zeitaufwand. Als kleines Zuckerl am Monatsende recht schön. Natürlich sind die 60 Sekunden Trades riskant, aber bisher läufts. Bisschen was muss man schon beachten und man lernt auch dazu wie sich der Chart wahrscheinlich verhält usw. Wenn mans geschafft hat, dass man seinen Einsatz zurück hat und n kleinen Gewinn, dann is es eigentlich alles reiner Zusatz und man kann sich nicht mehr selberschaden.
    Ich muss aber auch dazu sagen, dass man echt geduldig sein muss, vor allem bei so riskanten Trades. Lieber verzichte ich mal und warte auf die nächste Gelegenheit, bei der ich mir dann relativ sicher bin. Man darf sich nicht von Emotionen wie Wut/Hass/Angst/GIER usw. beeinflussen lassen, sondern sich einfach ganz ruhig und sachlich verhalten, dann wirds schon.

  • Uli G. 28. Juni 2015, 14:41

    Ein sehr schöner Artikel – vielen Dank. Interessant ist, dass der eigene Kopf oft die Überzeugung, dass so etwas nicht sein kann, schnell über den Haufen werfen kann. Neugierig bin ich schon, würde es aber eher wirklich als Spiel ansehen – ähnlich wie Online-Roulette. Ein kleiner Betrag, den man verschmerzen kann und schauen, was passiert. Als seriöse Geldanlage, um mittel- und langfristig etwas aufzubauen, sicher nicht.

  • Christiane 18. Januar 2015, 11:21

    Sehr guter, ent-täuschender Artikel!
    Auf seine Gier muss man auch aufpassen, wenn irgendwelche Finanzdienstleister einem etwas verkaufen wollen. Ich habe dabei seehr viel Geld verloren.

    Wie bekommt man an der Börse am schnellsten eine Million? –
    Wenn man mit zwei Millionen anfängt.

    Viele Grüße,
    Christiane

  • Melinda 10. Juli 2014, 22:52

    Hallo!
    Zitat im letzten Kommentar: “Trotzdem bleibe ich dabei: Binäre Optionen sind hochspekulative Investments und damit nichts für unerfahrene Anleger.”

    Frage…welches Investment ist den für unerfahrene Anleger geeignet…keines!

    Ich gebe Dir aber vollkommen Recht…die Versprechnungen in manchen Werbemails zum Handel mit binären Optionen sind echt lächerlich und weit von der Realität entfernt.

    Aber man kann mit binären Optionen Geld verdienen, dabei sollte man aber die Finger von den kurzfristigen 60-Sekunden-Optionen lassen…

    Ich nutzen für den Handel mit binären Optionen meist nur Kursausbrüche, schaue mir den Wirtschaftskalender an, warte auf die Nachricht, meist zu Währungspaaren, setze dann bei einem Kursausbruch alle Währungspaare die mit der betroffenen Währung verbunden sind.

    Aber eines ist auf jeden Fall Klar…binäre Optionen sind keine Geldanlage im klassischen Sinn…aber Geld verdienen kann man damit, Geduld und Kenntnisse vorausgesetzt, was bei mir auch nicht über Nacht ging.
    Seit 2012 spekuliere ich nun schon mit binären Optionen, habe viele Strategien probiert, habe auch viel Lehrgeld gezahlt, aber mit Kursausbrüchen und dem Wirtschaftskalender funktioniert es.

    Nochmals zu den angesprochenen Mails…man sollte alles mal mit gesundem Menschenverstand hinterfragen, dann muss man auch nicht lange überlegen was man von solchen Versprechnungen in den Werbemails halten soll (und was man mit den Mails tun sollte)…

    • Ingeburg 15. Juli 2016, 09:40

      Erfahrungen hat nur der nicht, der nicht bereit ist, welche zu machen – wenn auch mit Risiko.
      Bin absoluter Laie, habe es trotzdem ohne Vorkenntnisse mit binären Optionen probiert, mich nicht an die Anweisungen des Brookers gehalten sondern meine eigenen Erfahrungen gemacht. Vielleicht habe ich auch mit dem Geld gespielt. Was sag ich Euch – es hat geklappt. Ich habe nicht gezockt, aber trotzdem nicht unerheblich gewonnen, und nicht nur Erfahrungen.

  • Markus Kohler 12. Juli 2013, 12:34

    Danke für deinen kritischen Artikel. Du hast vollkommen recht, diese Art der Abzocke ist unseriös und wenn ich einen Brief in mein Emailfach bekomme, der mir verspricht, dass ich in 10 Tagen mehrere hundert Euro verdienen kann, dann lese ich das gar nicht durch.

    Allerdings teile ich deine Meinung nicht ganz, dass binäre Optionen ein reines Glücksspiel sind.

    Natürlich kommt es immer wieder zu verlusten, aber diese “Trendfolgestrategie” funktioniert tatsächlich, aber natürlich nicht immer. Man schlägt eigentlich der Wahrscheinlichkeit ein Schnippchen: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Trend umkehrt, ist geringer, als das er beibehalten wird. Wer also immer darauf setzt, dass sich der Trend beibehält, wird im Endeffekt Gewinne erzielen.

    • Holger Grethe 12. Juli 2013, 20:28

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Markus!

      Ich sehe drei Probleme bei der von dir angesprochenen Trendfolgestrategie:

      1. Wenn der Broker gleichzeitig auch Market Maker ist, also den Kurs für das Spekulationsobjekt selbst stellen darf, muss ich davon ausgehen, dass Manipulationsmöglichkeiten vorhanden sind und diese im Zweifel vom Broker auch zu seinen Gunsten genutzt werden (inoffiziell natürlich).

      2. Der Handel mit Binären Optionen hängt entweder von Kollege Zufall ab oder vom Können des Traders. Wenn Trendfolgestrategie bedeutet, dass alle Trader nach dem gleichen simplen Strickmuster handeln, kann es sich nicht um Können handeln. Also ist es doch zufallsbasiert…

      3. Man sollte immer überlegen: wer ist mein Handelspartner? Wer sitzt auf der anderen Seite? Wer wettet gegen mich? Und bei den Optionsbrokern ist das…der Broker, wenn ich mich nicht irre. Insbesondere im Zusammenspiel mit Punkt 1 wird klar, wer bei dem Geschäft die Fäden in der Hand hält.

      Btw: auch wenn wir inhaltlich sicherlich wenig Schnittmenge haben, deine Website präsentiert das Thema sehr ansehnlich und aufgeräumt.

      Trotzdem bleibe ich dabei: Binäre Optionen sind hochspekulative Investments und damit nichts für unerfahrene Anleger.

  • Rene 31. Mai 2013, 20:05

    Finde sehr gut, dass Du einmal kritische Worte zu diesem Konstrukt des “Zockens” bringst. Ich selbst bin schon seit Jahrzehnten mit der Börse und der Geldanlage gewachsen. In meinem “Börsenmasterplan” – Positionstrading, Trendfolge und dem Akkumulieren von Dividenden-Aktien versuche ich noch bis 2015 zu zeigen, dass man auch an der Börse Geld verdienen kann.

    Beim Positionstrading nutze ich sehr häufig Optionen, also die amerikanischen Optionen. Diese sind jedoch nicht mit den von Dir genannten Binären Optionen zu vergleichen. Das Problem vielen Menschen sind letztlich immer zwei Emotionen. Gier, zu viel zu wollen. Angst gar nicht erst sich mit Börse zu beschäftigen.

    Für meinen Geschmack fehlt eine Ausbildung bereits in der Schule, was Geld, Wirtschaft, Geldanlage, Chance/Risiko bedeutet. Ich denke aber, dass diese gar nicht in der Gesellschaft und dem Staat gewünscht wird. Das ist aber wieder ein anderes Thema.

    Auf alle Fälle hast Du die Fallstricke dieser Zockerei sehr gut erklärt und begründet.

    Weiterhin viel Erfolg – Gruß René

    • Holger Grethe 31. Mai 2013, 20:24

      Hallo Rene,

      danke für deinen Kommentar.

      Du hast die beiden wichtigsten Emotionen angesprochen, die beim Geld anlegen eine Rolle spielen: Angst und Gier. Es ist schon kurios. Die einen trauen sich erst gar nicht an die Börse und die anderen wollen dort “richtig Kasse” machen, und das möglichst schnell.

      Ich plädiere ja für den Mittelweg. Im Rahmen einer passiven Anlagestrategie mitnehmen, was der globale Aktienmarkt langfristig hergibt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das ist in meinen Augen die sinnvollste Variante, insbesondere für unerfahrene Anleger.

  • Christoph Simon 29. Mai 2013, 19:09

    Kurz vorweg ums richtig einzuordnen. Ich bin nun seit kurz vor dem Crash des Nikkei im Jahr 1988 aktiv an der Börse tätig. Aktien und Hebel. Vielleicht hast Du mal was von Optionsscheinen, wie Kitano Constructions gehört? So was hatte ich damals;)
    Ich finde es nicht nur als geldcoach extrem wichtig sich mit dem 4. Gesetz im Gelduniversum zu beschäftigen, das da lautet: Das Gesetz des Investierens – Überfluß arbeitet und vermehrt sich von selbst.

    Persönlich bin ich zutiefst überzeugter Trendfolger seit so. ca. 10 Jahren und habe damit in allen Up & Downs die besten Erfahrungen gemacht.

    Deinen Post zu binären Optionen finde ich gut. Was ich aber auch wichtig finde ist, das aus einer gewissen Perspektive der Geldmagie, Investition immer mit einer Haltung einhergeht. Aus dieser Perspektive sind Binäre Optionen nicht ganz so kritisch zu betrachten, weil das Geld es liebt zu spielen.

    Will heißen Binary Options kann man dann gut machen, wenn es aus einer Haltung der Neugierde, des Spasshabens und der Freude am Spiel geschieht.
    Das mag das Geld nach meiner Erfahrung sehr und belohnt dann manchmal sogar den momentanen Halter dieser Energie.

    (An den Geldmärkten ist halt die Intention entscheidend)

    Ist nur so eine Erfahrung, die ich in bestimmt über 100 Geld,-Aktien und Depotaufstellungen gemacht habe.

    Werde mir bei Gelegenheit deine anderen Posts noch ansehen. Danke
    Für deinen Erfolg im Gelduniversum,
    Christoph

    • Holger Grethe 29. Mai 2013, 20:17

      Hallo Christoph,

      danke für deinen Kommentar.

      Wenn ich dich richtig verstehe, schreibst du dem Geld ein gewisses Eigenleben zu. Ich gestehe, dass ich dir diesbezüglich nur bedingt folgen kann. ;-)

      “Will heißen Binary Options kann man dann gut machen, wenn es aus einer Haltung der Neugierde, des Spasshabens und der Freude am Spiel geschieht.”

      Hmm, mein Standpunkt ist eher, dass eine gute Geldanlage primär eine solide Rendite bei überschaubarem Risiko bringen sollte. Wer Spaß, Spiel und Spannung sucht, hat so viele andere Möglichkeiten (Fallschirm springen, Fussball spielen, Horrorfilm gucken, was auch immer…) – muss man diese Bedürfnisse unbedingt beim Geld anlegen befriedigen?

    • Dummerchen 29. Mai 2013, 22:34

      “Das mag das Geld nach meiner Erfahrung sehr und belohnt dann manchmal sogar den momentanen Halter dieser Energie.”
      Das Geld hat einen eigenen Willen? Ich dachte bislang immer, dass die am Geldhandel Beteiligten (Käufer/Verkäufer, Gläubiger/Schuldner) einen eigenen Willen haben und damit durch ihr Handeln die erzielbaren Rendite beeinflussen. Deine Aussage klingt für mich doch irgendwie arg esoterisch.

  • Katharina 28. Mai 2013, 14:18

    Herrlich!!!!

    Vielleicht muss der ein oder die andere aber in dieser Form Lehrgeld bezahlen und sich selbst davon überzeugen, dass er/sie wirklich nichts verpasst. Phänomen “heiße Herdplatte”.

    Häufig werden diese Angebote ja auch noch so wunderbar verpackt, um den Verstand gänzlich auszuhebeln. Da liest man dann z. B.:
    “Deine Freunde werden dir vielleicht davon abraten, denn sie können nicht glauben, dass es so einfach gehen kann, aber du weißt es besser! Jetzt ist die Zeit es allen zu beweisen, sei von Anfang an Teil dieser Revolution …. ”
    Die Botschaft ist dann praktisch: “Abnehmen geht mit viel Essen und gänzlich ohne Sport – die anderen haben da einfach die falschen Glaubenssätze – gleiches gilt für’s Geldverdienen.”

    Die Ausreden für’s Misslingen solcher “Produkte” sind kreativ und vielzählig, denn sollte man es nicht schaffen über 4000 Euro pro Woche damit zu verdienen, liegt das nicht etwa an einem Zockersystem sondern daran, dass der Gutgläubige “Investor” vielleicht doch unentschlossen und zögerlich war, nicht genug eingezahlt hat oder sich an einen der dämlichen Vorschriftspunkte nicht gehalten hat … so kann das ja auch nix werden!

    Schön, dass du klar herausstellst, dass das mit Investition nicht’s zu tun hat. Geld sparen und dann anlegen ist eben etwas anderes, als es zu sparen und es dann “abzugeben” … ohne Eigenverantwortung geht’s eben nicht.

    Danke für diesen Artikel, der mich in meiner Wahrnehmung bestätigt, dass solche Abzocken seit einiger Zeit scheinbar deutlich mehr Gegenwind erfahren. Mehr Menschen sprechen offen aus, was Lug und Betrug ist und bilden damit einen Gegenpol, der zum Nachdenken anregt. Mir reicht das erstmal schon, selbst wenn es nur beim Nachdenken und der kritischen Auseinandersetzung bleibt. Solche Angebote wird es wahrscheinlich immer geben.

    • Holger Grethe 28. Mai 2013, 22:55

      Hey Katharina,

      danke für deinen Kommentar!

      Ja, ich glaube auch, dass es solche Angebote leider immer wieder geben wird. Der Traum vom schnellen Reichtum ist einfach zu verlockend.

      Das, was Menschen wollen ist aber häufig nicht das, was sie brauchen… ;-)

  • Dummerchen 17. Mai 2013, 12:58

    Verkürzt könnte man auch sagen: Alles was “zu schön um wahr zu sein” ist, ist dies üblicherweise auch.

    Allerdings frage ich mich auch, wer allen Ernst einem von Dir zitierten Versprechen Glauben schenkt. Einen Betrag innerhalb einer Woche zu verdienen, den kaum jemand im Monat verdient?? Und das ohne Risiko? Wie naiv muss man sein, um das zu glauben?

    Der seriöse Anstrich ist natürlich das perfide an dem von Dir zitierten Vorgehen. (Nichts anderes ist natürlich auch der Versicherungsverkäufer im schicken Anzug. Auch hier wird Seriösität suggeriert, die leider oftmals nicht vorhanden ist. Darauf fallen leider noch viel mehr Geldanleger herein.)

    Finanzielle Bildung ist wirklich das einzige, was hier hilft. Wer nicht weiß, was realistische Renditen sind, wird auch auf eine “sicherer Anleihe” mit einer Rendite von 5-7% bei einer Laufzeit von 2 Jahren hereinfallen (Stand 05/2013). Was nicht marktüblich ist, muss einen Haken haben!

    • Holger Grethe 17. Mai 2013, 14:07

      “Wer nicht weiß, was realistische Renditen sind,…”

      Genau das ist der Punkt. Die Tatsache, dass durch solides Investieren am Aktienmarkt langfristig etwa 5-6% Rendite drin sind (inflationsbereinigt) und mehr Rendite nur durch Spekulation (und damit mehr Risiko!) erzielt werden kann, ist nicht wirklich vielen bekannt.

      Und selbst die 5-6% Nettorendite sind ja nur eine Annahme, denn was in der Vergangenheit war, kann in der Zukunft natürlich anders aussehen…

  • Tim 17. Mai 2013, 12:20

    Holger….

    Dein bisher bester Artikel! Gefällt mir sehr gut.

    Hatte mich mit Binären Optionen noch nie beschäftigt aber Call und Put kannte ich, und konnte es nicht recht einordnen.

    Extrem guter Artikel der mir wirklich eine Menge beigebracht hat. Respekt und Danke.

  • Barbara 17. Mai 2013, 09:21

    Hallo lieber Holger,

    du weißt auch ich habe einige Zeit solche Mails erhalten, und bedanke mich für deine hilfreichen Tipps und Ratschläge aus deiner Mail. Es ist oft wirklich so, dass manche Menschen bei solchen Angeboten den Verstand nicht mehr richtig benützen können ;-) .

    Ich habe mich gleich aus dem Verteiler gelöscht und solche Mail einfach ignoriert. Dein heutiger Artikel war einfach, klar und deutlich erklärt.

    Vielen Dank möchte ich dir auch für dein super hilfreiches neues Ebook sagen. Hätte es etwas gekostet; hätte ich es auch gekauft ;-) . Sehr einfach,sehr geeignet und hilfreich wie für mich gemacht,eine absolute Anfängerinn in Sachen Börse. Wünsche dir weiterhin viel Erfolg, Danke.

    • Holger Grethe 17. Mai 2013, 13:58

      Vielen Dank für deine netten Worte, Barbara!

      Freut mich sehr, dass dir das eBook gefällt… :-)