Wie du mit weniger Arbeit zu mehr Vermögen kommst

Die meisten Leute konzentrieren sich beim Vermögensaufbau vor allem auf eines: Geld verdienen.

Leider bleiben sie genau deswegen unter ihren finanziellen Möglichkeiten.

Denn viele Leute sind durch ihren Job so ausgelastet, dass ihnen Zeit und Nerven fehlen, sich um ihr hart verdientes Geld zu kümmern.

Sie geben alles, um mehr zu verdienen, aber ihr Geld macht einen lausigen Job.

Investiere 4 Minuten und du erfährst, wie intelligente Vermögensbildung wirklich funktioniert.

“Wer den ganzen Tag arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen.”

– John D. Rockefeller

Keine Nerven

Vielarbeiter und -verdiener kokettieren häufig mit dem Spruch “Wer viel arbeitet, hat keine Zeit, das Geld auszugeben“. Doch stimmt das wirklich?

Mein Bedürfnis, das Geld unter die Leute zu bringen war in der Vergangenheit jedenfalls erstaunlich eng an mein wöchentliches Arbeitspensum gekoppelt.

Denn wer beruflich “stark eingespannt” und/oder unzufrieden mit seiner Arbeitssituation ist, hat ständig das Gefühl, sich in seiner knappen Freizeit für die Zumutungen des Arbeitslebens entschädigen zu müssen.

Ob luxuriöse Urlaube, hochpreisige Klamotten oder ein neues Auto – ich gönn mir doch sonst nichts!

Sozialpsychologen beschreiben dieses Verhalten mit dem Modell der Ego-Depletion, das ich bereits im Zusammenhang mit der Anlageberatung erwähnt habe.

Demnach ist die Fähigkeit zur Selbstkontrolle abhängig von der Willenskraft und diese ist eine endliche Ressource. Sie erschöpft sich, wenn sie – wie es im Berufsleben nicht selten der Fall ist – über die Maßen in Anspruch genommen wird.

Je höher der Stresslevel, desto schwerer wird es, Belohnungen aufzuschieben und auf Konsum zu verzichten. Gestresste Menschen haben es schwerer, zu sparen.

Hinzu kommt, dass sie auch kaum Zeit haben, über ihr Konsumverhalten nachzudenken. Denn 99 Prozent der Gedanken kreisen schließlich um ihren Job.

Keine Zeit

Kaum freie Zeit und dann soll man sich noch mit so langweiligen Dingen wie Geldanlage beschäftigen? Im Zweifel bleibt das Geld eben auf dem Girokonto (ohne Verzinsung) oder auf einem Tagesgeldkonto (Verzinsung unterhalb der Inflationsrate) liegen.

Wen es juckt, der kann ein bisschen an der Börse spekulieren. Sind online ja nur ein paar Klicks – das kriegt man auch abends noch schnell hin. Wer weiß, vielleicht ist der Tipp von Kollege X, jetzt Aktie Y zu kaufen, wirklich der Bringer?

Oder man delegiert den ganzen Kram einfach an einen “unabhängigen” Finanz- oder Vermögensberater, das sind schließlich “Experten”. Die werden schon wissen, wo das Geld am Besten aufgehoben ist.

Das typische Anlageverhalten von Vielarbeitern ist dementsprechend häufig entweder

  • zu konservativ (kaum/keine Rendite),
  • zu spekulativ (erhöhtes Verlustrisiko), oder
  • zu kostenintensiv (Beraterprovisionen schmälern Rendite).

Besonders smart ist das nicht. Wäre es nicht deutlich sinnvoller, das Geld einen Teil der Arbeit machen zu lassen anstatt sich selbst bis zur Erschöpfung abzuplacken?

Der Vorteil: Wenn du dein Geld clever investierst, generiert dieses ein passives Einkommen. So kannst du es beim Verdienen ruhiger angehen lassen.

Darüber hinaus reduzierst du das Risiko, am Ende mit leeren Taschen dazustehen. Denn noch etwas anderes spricht dafür, sich nicht nur auf das Verdienen von Geld zu konzentrieren: Risikostreuung.

Risiken minimieren

Vermögensbildung basiert auf drei Ebenen:

3 Ebenen der Vermögensbildung

Nur wenn diese drei Ebenen, die aufeinander aufbauen, zusammen funktionieren, kann Vermögen gebildet werden. Wer nichts verdient, kann nicht sparen und wer nicht spart, hat nichts zum Anlegen. Klingt logisch, oder?

Auf allen Ebenen lauern unterschiedliche Risiken:

1. Verdienen
Finanzielle Risiken: Angestellte tragen das Risiko, ihren Job zu verlieren, Unternehmer das Risiko, Pleite zu gehen.

Gesundheitsrisiken: Wer zuviel arbeitet, setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Darüber hinaus geht er auch das Risiko ein, das Leben zu verpassen.

2. Sparen
Fehlbetragsrisiko I (engl. shortfall risk): Wer heute viel konsumiert, kann entsprechend wenig sparen. Das Risiko besteht darin, dass später nicht genug Geld zur Verfügung steht, um den gewohnten Lebensstandard halten zu können.

3. Anlegen
Verlustrisiken: Je nach Anlagestrategie sind Wertschwankungs-, Inflations-, Wechselkurs-, Ausfall-, Zinsänderungs- und weitere Risiken zu berücksichtigen.

Fehlbetragsrisiko II: selbst wenn viel gespart wird, bleibt das Risiko, dass durch ein zu konservatives Anlageverhalten das Vermögen zum Erhalt des Lebensstandards später nicht ausreicht.

Das Gesamtrisiko lässt sich dadurch reduzieren, dass man einzelne Risiken nicht zu groß werden lässt.

Wer weniger arbeitet, verspürt idealerweise weniger Kaufimpulse, was zu einer höheren Sparquote führt. Und er hat Zeit, sich mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen.

Balance halten

Wenn du deine Muskeln kräftigen willst, kannst du dies auf unterschiedliche Art und Weise tun. Eine davon ist, sich ganz auf das Stemmen schwerer Hanteln in Rückenlage – auch Bankdrücken genannt – zu konzentrieren.

Falls du dich jemals in ein Fitness-Studio verirrt hast, wirst du die traurigen “Erfolge” dieser Trainingsmethode bestimmt schon einmal bewundert haben: ein überdimensionierter Oberkörper auf viel zu dürren Beinchen.

Nichts anderes ist es, sich bei der Vermögensbildung allein auf den Gelderwerb zu konzentrieren und die anderen Ebenen zu vernachlässigen. Genau wie beim Sport sind nicht nur Kraft (Geld), sondern auch Ausdauer (Sparen) und Koordination (Anlagestrategie) gefragt.

Sein maximales Potenzial erreicht man nur dann, wenn alle drei Ebenen der Vermögensbildung im Gleichgewicht sind.

Ich habe Leute kennengelernt, die in ihrem Berufsleben Millionen verdient haben und am Ende doch mit Nichts da standen, weil sie sich “verspekuliert” oder auf zu großem Fuß gelebt hatten.

Wer sein Konsumverhalten im Griff hat und die Ersparnisse clever investiert, muss nicht Unmengen verdienen und pausenlos arbeiten, um seinen Lebensstandard langfristig zu sichern.

Wenn du die Risiken gleichmäßig streust und deine zeitlichen, körperlichen und finanziellen Ressourcen möglichst effizient einsetzt, kommst du mit weniger Arbeit zu mehr Vermögen.

 
Wie gehst du den Vermögensaufbau an? Hast du genügend Zeit und Ruhe, um dich mit deinen Finanzen zu beschäftigen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Bildquelle: “Walter Jursevskis playing chess” von BiblioArchives/LibraryArchives (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

  • Tommy 21. Januar 2016, 16:34

    …und jede der drei Ebenen kann man enorm optimieren. Beim Sparen ist das ganz einfach, weil es allein in den eigenen Händen liegt. Ich habe als Student von 206 Euro im Monat gelebt und davon noch 180€ Miete gezahlt. Wenn man nicht viel hat, muss man eben erfinderisch werden: Trampen statt Autofahren, Obst von Streuobstwiesen sammeln, Couchsurfing, Foodsharing, FreeYourStuff-Gruppen, Dumpster-Diving, Tauschen. Ein Bekannter von mir, Raphael, lebt (fast) ganz ohne Geld. Dadurch gewinnt er unendlich viel Zeit, die er mit seiner Familie verbringen kann, statt für einen Arbeitgeber zu schuften. Holger, meinste ich soll mal ein E-Book zu dem Thema schreiben ;-)?

  • Micha 26. Mai 2013, 14:38

    Bei mir ist erstmal die Abwehr der Wohungsräumung angesagt. Das kam daher weil mein Arbeitgeber der Meinung war im Winter seine Angestellten nicht bezahlen zu müssen. An November ist das Betreibungsamt dabei mir den Lohn so tief zu kürzen das ich keine Miete zahlen konnte. Der Arbeitgeber meiner Frau will überhaupt kein Lohn zahlen. Dieses Thema in dien Eintrag geht mir seit Februar durch den Kopf.

    Wo kann ich sparen und wieviel kann ich Investieren in Bücher um mein Bewusstsein zu schärfen und wie kann ich anfangen passives Einkommen zu erzeugen. Durch die langen Arbeitszeiten (50 Stunden die Woche) ist es schwierig das zu erreichen.

    Irgendwie ist da ein Gefühl, das da ein System gibt warum manche sich immer zum Opfer machen und andere immer wieder zu Geld kommen. Ich halte nichts davon über Reiche Unternehmer zu schimpfen, den das ist ist nur Neid und Gier. das sind Eigenschaften die ich nicht besitze.

    • Holger Grethe 26. Mai 2013, 15:01

      Hey Micha,

      das hört sich wirklich nach einer (finanziellen) Pechsträhne an. Nicht schön…

      Wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du dich gerne beruflich verändern bzw. aussteigen aus einem frustrierenden Job? Du hast absolut Recht, dass bei einer 50h-Woche nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken geschweige denn aktiv werden bleibt.

      Das Blog von Markus Cerenak kennst du, oder? Sein Thema ist das (berufliche) Hamsterrad und wie du es verlassen kannst. Kann ich nur empfehlen.

      Ich bezweifle, dass es ein “System” gibt, dass manche Menschen zu finanziellen Opfern werden lässt und andere reich macht. Es liegt vermutlich eher an der Denkweise und Haltung jedes einzelnen.

      Einen wichtigen Schritt hast du bereits getan, denn du hast bereits die Erkenntnis, dass da was nicht stimmt und es so nicht für dich weitergehen kann. Ab da kann es konstruktiv weitergehen.

      Lass mich wissen, wenn ich dir irgendwie helfen kann…

      Holger