Sorry, aber du bist nicht Warren Buffett

Ob Kunst, Handwerk oder Börse: die Welt unterteilt sich in Profis und Amateure.

In unseren Jobs sind wir Profis…ok, wir sollten es idealerweise sein.

Dafür sind wir in allen anderen Lebensbereichen mehr oder weniger Amateure.

Doch egal ob wir hobbymäßig kochen, fotografieren oder Gitarre spielen – wir wären gerne wie die Profis. Wir sind Fans und haben Vorbilder, denen wir nacheifern.

Geht es ums Geld anlegen, ist das allerdings keine gute Idee…

Kunst kommt von Können

Was den Profi vom Amateur unterscheidet: sein Können und sein Material. Das Material der Profis können wir uns relativ schnell aneignen (das nötige Kleingeld mal vorausgesetzt).

Was das Können angeht, wird es schon schwieriger. Häufig ist von mindestens 10.000 Stunden Übung die Rede, die man braucht, um es zum Experten zu bringen.

Das ist – neben fehlendem Talent – der Grund, warum die allermeisten von uns leider nicht so kochen können wie ein Frank Rosin, nicht so fotografieren wie ein Helmut Newton und nicht so Gitarre spielen wie ein Eddie van Halen. Selbst wenn uns genau das gleiche Material zur Verfügung steht wie ihnen.

Warum wir Amateure bleiben sollten

Die gute Nachricht ist: wir brauchen weder das Können noch das Material der Profis, um beim Geld anlegen erfolgreich zu sein. Denn was beim Kochen, Gitarre spielen oder Fotografieren undenkbar wäre, funktioniert auf wundersame Weise beim Investieren:

Je weniger wir tun, um so besser schneiden wir ab.

Jep, so ist es. Aber nicht nur das: Wir schneiden sogar besser ab als die meisten Profis!

Je mehr wir aber versuchen, so zu handeln wie die Profis, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir an der Börse Erfolg haben werden. Das mag verrückt klingen, ist aber wissenschaftlich belegt.

Warren Buffett: Das Orakel von Omaha

Der wohl erfolgreichste Investor der Welt ist Warren Buffett. Er gilt als lebende Legende und falls du noch nie über seinen Namen gestolpert sein solltest – er ist als Investor das, was Lionel Messi unter Fussballern ist: eine absolute Ausnahmeerscheinung.

Falls du weder Warren Buffett noch Lionel Messi kennst…dann weiß ich auch nicht weiter. ;-)

Wir brauchen keine Zeit mit der Analyse zu verschwenden, wie Buffett als Investor agiert. Denn wir haben weder die Zeit noch das Know-How, um nachzuahmen, was er tut. Von seinen finanziellen Mitteln mal ganz zu schweigen.

Trotzdem gibt es einiges, was wir von ihm lernen können, denn er sagt mit schöner Regelmäßigkeit kluge Sätze…

Buffett hasst Verluste

“Die erste Regel des Investierens ist, kein Geld zu verlieren. Die zweite Regel ist, Regel Nr. 1 nicht zu vergessen.”

Das bedeutet keineswegs, dass Buffett jedes Risiko scheut. Anders wäre sein Erfolg als Investor auch gar nicht zu erklären. Er hat schließlich das Kunststück fertig gebracht, in den letzten 30 Jahren mehr als 18 Prozent Rendite zu erwirtschaften. Pro Jahr. Im gleichen Zeitraum hat der wichtigste amerikanische Aktienindex, der S&P500 „nur“ einen Zuwachs von knapp 11 Prozent erzielt.

Buffett hat also über einen langen Zeitraum „den Markt geschlagen“, wie es im Investorensprech heißt. „Na bitte, geht doch!“ denken sich Heerscharen von Hobbyanlegern und versuchen vom Heim-PC aus seinen Erfolgen nachzueifern.

Sinngemäß sagt Buffett allerdings: „Don´t do this at home!“ Privatanlegern rät er zu einer anderen Vorgehensweise…

Buffett empfiehlt Indexfonds

“Die meisten Investoren, sowohl institutionelle Investoren als auch Privatanleger, werden herausfinden, dass ein Indexfonds der beste Weg ist, Aktien zu besitzen.

Jene, die diesen Weg gehen, werden ganz sicher die Nettorendite (nach Gebühren und Ausgaben) übertreffen, welche die Mehrheit aller Investmentprofis erzielt.

Ernsthaft, Kosten spielen eine Rolle!”

Der Grund für die Überlegenheit der Indexfonds ist ihre Kosteneffizienz. Zumindest solange sie im Rahmen einer Passiven Anlagestrategie eingesetzt werden.

Denn aktives Handeln von einzelnen Wertpapieren kostet Geld, das dadurch dem Vermögen entzogen wird. Schafft man es nicht wenigstens ins obere Drittel aller Anleger, lohnt sich der ganze Aufwand des Hin- und Herhandelns von Aktien nämlich nicht.

Buffett ignoriert Marktvorhersagen

“Wir haben seit langem das Gefühl, dass der einzige Wert von Leuten, die Prognosen über den Verlauf von Aktienkursen abgeben, der ist, Wahrsager gut aussehen zu lassen.

Charlie (Munger; Anm.: Buffetts Geschäftspartner) und ich glauben weiterhin, dass kurzfristige Marktvorhersagen Gift sind und an einem sicheren Ort weggesperrt werden sollten.

Weg von Kindern und auch von Erwachsenen, die sich auf dem Aktienmarkt so benehmen wie Kinder.”

Obwohl die meisten Prognosen über Kursverläufe oder Indexstände grober Unfug sind, werden wir in den Medien durch vermeintliche „Experten“ immer wieder mit neuen Vorhersagen beglückt.

Das Schlimme ist, dass die meisten dieser Prognosen den Blick auf kurzfristige Ereignisse lenken, die für die langfristige Börsenentwicklung ohne jede Relevanz sind. Sie verleiten nur zu unüberlegtem Aktionismus und sorgen damit für unterdurchschnittliche Ergebnisse.

Buffett versucht nicht, den Markt zu timen

“Unsere Unbeweglichkeit spiegelt unsere Ansicht wider, dass der Aktienmarkt als Verschiebebahnhof dient, auf dem Geld weg von den Aktiven hin zu den Geduldigen geschoben wird.”

Ähnlich hat das einmal die Börsenlegende André Kostolany formuliert. Aktien gelangten seiner Überzeugung nach letztlich immer von den „Zittrigen“ in die Hände der „Hartgesottenen“. Am Besten fahren demnach diejenigen, die zwischenzeitliche Turbulenzen einfach stur aussitzen.

Buffett ist sparsam

„Dein Lebensstandard entspricht nicht deinen Lebenshaltungskosten.”

Gemessenen an seinem unfassbar großen Vermögen, lebt er weit unter seinen Verhältnissen. Buffett…

  • wohnt im gleichen Haus, das er 1958 für 31.500$ gekauft hat
  • isst am liebsten Burger und trinkt dazu Cherry Coke (ja, damit kann man alt werden, der Mann ist Jahrgang 1930)
  • mag keine Luxusautos
  • zahlt sich seit 25 Jahren unverändert ein Gehalt von 100.000$ jährlich aus

Buffett gibt mehr als er nimmt

“Gäben wir mehr als 1% meines Vermögens (Aktienanteile an der Berkshire Hathaway Holdinggesellschaft) für uns aus, würden weder unser Glück noch unser Wohlbefinden steigen.

Im Gegensatz dazu können die anderen 99% einen großen Effekt auf die Gesundheit und das Wohlergehen anderer haben.”

Warren Buffett gehört zu den 5 reichsten Menschen der Welt und verfügt über ein Vermögen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar.

Zusammen mit Bill Gates hat er die Initiave Giving Pledge gegründet, welche die reichsten Menschen der Welt dazu bewegen will, einen Teil ihres Vermögens der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Warren Buffett hat versprochen, 99% seines Vermögens gemeinnützigen Einrichtungen zu spenden.

Buffett über das Geheimnis seines Erfolgs

“Erfolg ist wirklich das zu tun, was du liebst und es gut zu tun. Komplizierter ist es nicht. Jeden Tag das zu tun, was man liebt – das ist wirklich der ultimative Luxus.”

Recht hat der Mann.

Bildquelle: „Warren Buffet and O-H-I-O“ von Aaron Friedman (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

Dr. Holger Grethe
Hallo, ich bin Holger Grethe, ETF-Investor und Gründer von Zendepot! Seit 2013 unterstütze ich Privatanleger dabei, auf zeitsparende Weise Vermögen in Eigenregie aufzubauen. Mehr über mich und diese Website erfährst du hier.

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  • Mario Schröder Mai 11, 2016 @ 20:21

    Ich finde den Mann nicht nur wegen seinen Leistungen und seiner Performance echt genial, sondern auch wegen seiner Werte die Buffett verkörpert und Lebt. In dem Buch „das Leben ist wie ein Schneeball“ wird deutlich wie zuverlässiger ist und wie diszipliniert und fleißig er arbeitet bevor (!) er investiert.

  • Hermann Siebenhaar Mai 15, 2015 @ 12:07

    Hallo Gemeinde,

    Ja, ich oute mich als ETF-Fan. Warum? Die angesprochenen 10.000 Std. investiere ich in meine Firma. Da habe ich eine ordentliche Rendite und weis in der Regel was passiert. Ca. 100 Std. habe ich in Informationen zum Thema ETF investiert. Mit dieser Streuung meiner Zeit bin ich sehr gut gefahren. Aktives Management betreibe ich als Selbständiger sowieso. Bei meinen Geld bleib ich beim passiv Investieren. Ich bin kein Börsenguru sondern Kaufmann. Übrigens: mit meinen ETFs-Depot habe ich zwischen 2012 und 2014 11.8% Rendite erwirtschaftet (nach Kosten). Ohne Aufwand und Stress. Mein Investment ist auf 15 Jahre angelegt und so lange nehme ich eine „Schlaftablette“.

    Liebe Grüße
    Hermann Siebenhaar

  • Christian Feb 19, 2015 @ 22:57

    Habe intensiv den UBS World ETF untersucht (LU0340285161). Der ist scheinbar wirklich voll (!) replizierend.

  • Christian Feb 19, 2015 @ 12:41

    Also wenn ich mir den ishares World ETF anschaue sehe ich 1.637 Positionen.
    Da es sich nicht um einen swap handelt wird die Struktur teil replizierend sein und diese 1.637 Positionen sind echt. Ich bin also an 1.637 Unternehmen beteidigt wie jemand der sich 20 „echte“ Aktien kauft, oder?
    Bei swaps sieht man nur die Positionen von dem abgebildeten Index nicht jedoch das Trägerportfolio. Sehr schön zu sehen bei dem Deka EM https://www.deka-etf.de/products/34/composition Inhalt: Daimler, Pro7, SAP & Co.
    Weiter zu dem world ETF. Mit einem klick sehe ich noch „Durschn. verliehen 7,82%“. Das ist also ein dritten von den hier genannten 20%. Außerdem wird eine Besicherung von 112,49% angegeben. Außerdem gibt es die Kennzahl Tracking Differenz über die man erkennt, wie gut der Index abgebildet wird.
    Ich habe also eine Menge echte Positionen, eine sehr gute Indexdarstellung und Sicherheit. Das ist doch alles super oder bin ich naiv / habe ich einen Denkfehler?

    • Christian Feb 19, 2015 @ 13:56

      wahrscheinlich doch ein Denkfehler denn dann hätte der ETF ja alle Positionen im Bauch und das kann ich mir nicht vorstellen. Werde heute Abend mal den Geschäftsbericht wühlen.

  • Carsten Drawer Jul 10, 2014 @ 12:01

    Den Artikel über Warren Buffet usw. habe ich erst jetzt entdeckt. Die vielen, wie immer durchdachten, Kommentare bringen mich zu meinem Lieblingsthema. Denkt bitte darüber nach (entscheidende Tätigkeit auch bei der Geldanlage), das Warren Buffet sein Vermögen auch zu nicht geringem Teil mit den Dividenden seiner frühe Holdings gemacht hat. Wenn du der einzige Aktionär bist und die Dividendensumme nur an dich komplett geht, hast du viel „Pulver trocken“, dass du wieder anlegen kannst.

    Dividenden x Zeit = großes Vermögen ist eine Gleichung, die immer aufgeht. Denkt darüber nach, das kann euch keiner abnehmen!

  • Stoiker Mai 3, 2014 @ 3:59

    Das ist eine wirklich schöne Diskussion. Ein Punkt, der mich an ETFs in Deutschland/Europa zu den Indexfonds in den USA stört, ist der Punkt „Wertpapierleihe“. Da werden einfach ohne mich zu fragen erhebliche Summen des ETFs im Tausch an andere Banken verliehen. Ich empfehle einen Blick auf die Angaben bei ishares. Das sind teilweise 20% des Fondsvolumens, das verliehen ist bzw. schlimmer gegen Papiere getauscht wird, die ich nicht mit dem ETF haben wollte (z.B. spanische & italienische Bankaktien).

  • Covacoro Okt 26, 2013 @ 15:11

    @ Dummerchen

    Nein, ich werfe da nichts durcheinander. Es gibt 3 Replikationsmethoden: voll replizierend, teil replizierend und last but not least die Swapmethode. Ich nehme Bezug auf die 2.Methode, die bei Indizes mit mehr als 50 Aktien sehr oft zur Verwendung kommt. Manchmal verwendet man auch die Bezeichnung Index-Sampling stattdessen, siehe Seite 5 der db-x PDF „Präzise Marktabbildung
    Ein Leitfaden zu den Replikationsmethoden von ETFs“. Die Diskussion ist jetzt schon ziemlich weit von Warren Buffett abgedriftet, daher lasse ich es mal an dieser Stelle gut sein.

    • Dummerchen Okt 26, 2013 @ 19:54

      Hmm, ja, Covacoro, da hast Du natürlich recht. Im besagten Dokument wird die von Dir beschrieben Methode erwähnt. Da du schriebst „Die ETF-Anbieter z.B. die deutsche Bank / DWS geben offen zu, dass sie viele Indizes mit einem reduzierten sogenannten repräsentativen Aktienkorb abbilden (statt alle im Index enthaltenen Werte), um die Kosten zu reduzieren.“, nahm ich an, dass Du Dich auf die bevorzugte Replikationsmethode beziehst. Da db-x trackers rund 220 von 230 ETFs swapbasiert realisiert hat, war ich wohl zu voreilig in meiner Schlußfolgerung.

  • Covacoro Okt 25, 2013 @ 21:36

    @Holger:

    So wie Du passives Investieren im Kommentar beschreibst (Buy und Hold, langfristig, Vermeidung von unnötigen Kosten) kann ich das unterschreiben. Allerdings finde ich dafür das Wort „passiv“ irgendwie immer noch unpassend :-) ohne das mir ein besseres Adjektiv dafür einfällt. Vielleicht „gelassen“ Investieren ?

    Der ärgste Feind des Investors ist und bleibt er selbst, nicht der Markt, auch wenn es schwerfällt das zuzugeben. Es benötigt schon aktive Willensanstrengung, rational statt emotional vorzugehen.

    Und „aktive“ Investoren (keine Trader) handeln gar nicht so oft, wie man annimmt. Wenn es 10 oder 15 Transaktionen sind pro Jahr ist das ja nicht wirklich viel. Bei einem Discountbroker kann man flat für um die 6€ auch größere 5-stellige Volumina handeln und dann habe ich Transaktionskosten von unter 100€ im Jahr.

    Zum Vergleich: wenn ein preiswerter ETF Managementgebühren von 0.25% hat, dann kann ich 40000,- € für ein Jahr anlegen und habe die gleiche Kostenbelastung – nur ich merke sie nicht. Für die meisten ETF zahle ich aber eher 0.4-0.6% Managementgebühr p.a., was im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds immer noch günstig ist. Nur: Aktien selbst im Depot zu halten, kostet 0,00 €.

    Insofern: wenn Du ein 6-stelliges Depot hast, rechne Dir mal Deine Kosten p.a. aus und frage Dich, warum Du das Geld nicht selbst diversifiziert über 10 oder 20 Aktien anlegst. Es ist einfacher als man denkt, die Indexperformance zu erzielen, wenn man ausreichend diversifiziert. Die ETF-Anbieter z.B. die deutsche Bank / DWS geben offen zu, dass sie viele Indizes mit einem reduzierten sogenannten repräsentativen Aktienkorb abbilden (statt alle im Index enthaltenen Werte), um die Kosten zu reduzieren. Das funktioniert wirklich. ;-)

    Und bevor ich es vergesse: danke für den Blog und die Diskussion. Ich schaue hier regelmäßig vorbei.

    Covacoro

    • Holger Grethe Okt 25, 2013 @ 22:14

      Hi Covacoro,

      was die Kostenbelastung angeht muss ich dir in vielen Punkten Recht geben. Wer nicht täglich oder wöchentlich hin- und hertradet kann die Transaktionskosten sicher niedrig halten.

      Und natürlich sind ETFs im Verlauf kostengünstig, aber eben nicht umsonst. Auch 0,4-0,5% Gebühren p.a. reduzieren die Rendite. ETFs machen es dem Anleger eben bequem, auf einen Schlag so breit wie möglich in den Aktienmarkt zu investieren. Und diese Bequemlichkeit – für die ich den Begriff „passiv“ sehr passend finde – kostet eben immer ein bißchen Geld.

      Ob 10-20 Einzeltitel im Depot zu einer ausreichenden Risikostreuung führen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Insbesondere in Zeiten hoher Volatilität (große Schwankungsbreite der Jahresrenditen) erscheint mir diese Zahl an Aktien als grenzwertig gering, um unsystematische Risiken (Einzelwert- und Branchenrisiko) ausreichend wegzudiversifizieren.

      Es stimmt, dass nicht jeder physisch replizierende ETF unbedingt alle Titel eines Index kauft, sondern nach der Sampling-Methode nur in die für die Wertentwicklung des Index maßgeblichen Werte investiert.

      Dabei werden aber immer noch mehr Einzeltitel zusammen kommen als nur 10-20. Und selbst wenn, dann sind sinnvollerweise ja noch weitere ETFs im Depot, welche zur Risikostreuung beitragen…

      In deinem letzten Kommentar hast du geschrieben, dass du bald 20 Jahre an der Börse aktiv bist. Das ist ja eine ganze Menge Erfahrung! Was ich hier „predige“ richtet sich ja in erster Linie nicht an erfahrene Anleger wie dich. Meine Motivation besteht sicherlich nicht darin, anderen ihre bewährten Anlagemethoden pomadig zu machen.

      Ich schreibe hauptsächlich für Einsteiger und für diese Zielgruppe ist das Passive Investieren einfach „the best bang for the buck“. Was keineswegs heißt, dass nicht auch erfahrene Anleger so investieren sollten ;-)

      Umso mehr freue ich mich, dass sich hier auch aktive Anleger zumindest gut unterhalten fühlen und immer wiederkommen. :-)

    • Dummerchen Okt 25, 2013 @ 23:35

      warum Du das Geld nicht selbst diversifiziert über 10 oder 20 Aktien anlegst. Es ist einfacher als man denkt, die Indexperformance zu erzielen, wenn man ausreichend diversifiziert. Die ETF-Anbieter z.B. die deutsche Bank / DWS geben offen zu, dass sie viele Indizes mit einem reduzierten sogenannten repräsentativen Aktienkorb abbilden (statt alle im Index enthaltenen Werte), um die Kosten zu reduzieren. Das funktioniert wirklich. ;-)

      Ich fürchte, Du wirfst hier etwas durcheinander. Die ETF-Anbieter, die einen Index über einen Swap abbilden (wie z.B. die db x-trackers ETFs (Deutsche Bank)) halten einen Aktienkorb, der nicht dem Index entspricht. So weit, so richtig. Zusätzlich schließen sie aber einen Vertrag mit einer Partnerbank (dem sog. Swapkontrahenten) ab. Dieser Vertrag besteht darin, dass die Bank die Entwicklung des Aktienkorbs des ETF-Anbieters gegen die Entwicklung des Index tauscht.

      Am Beispiel wird es vielleicht deutlicher: Der db x-trackers MSCI World hatte in der Vergangenheit ca.30 Aktien aus einer Handvoll Ländern in seinem Besitz. Mit der Partnerbank (Deutsche Bank) wurde ein Swap auf den MSCI World Index vereinbart. Dieser Index beinhaltet ca 6000 Aktien aus über 20 Ländern.
      Steigt nun der 30-Aktien-Korb um 5%, der MSCI World aber um 6%, so zahlt die Partnerbank 1% als Ausgleich an den ETF. Im umgekehrten Fall (Aktienkorb +6% und Index +5%) würde der ETF 1% an die Partnerbank abführen.

      Es ist also nicht so, dass der reduzierte Aktienkorb die gleiche Rendite und das gleiche Risiko wie der Index hat. Rendite und Risiko des Aktienkorbs können völlig anders sein. Nur durch den zusätzlichen Vertrag wird sichergestellt, dass das Ergebnis für den Kunden immer der Rendite und dem Risiko des Index entspricht.

      Mit einer Investition in 10-20 Aktien erreichst Du übrigens leider nicht die gleiche Risikostreuung wie mit einem breiten Index. Ich hoffe, Holger verzeiht mir, wenn ich auf eine Ausarbeitung außerhalb dieses Blogs verweise. Die Quintessenz ist: Mit z.B.20 zufällig ausgewählten Aktien aus dem deutschen Aktienmarkt erreicht man im Mittel die gleiche Rendite wie der Index bestehend aus DAX, M-DAX und S-DAX. Aber da jeder Anleger andere 20 Aktien auswählt (und bitte nicht glauben möge, er wisse, welche die zukünftigen Topperformer sind), schwanken die Ergebnisse der Anleger erheblich. Statt der Marktrendite von 17% in den Jahren 2009-2013 lag der Großteil der mit 20 Aktien erzielten Renditen zwischen 12% und 22%.
      Durch die Beschränkung auf einen Bruchteil des Index spekuliert man somit darauf, besser als der Index abzuschneiden. Die Wahrscheinlichkeit, schlechter abzuschneiden ist aber ebenso hoch. Ich würde es nicht riskieren wollen 5 Prozentpunkte schlechter als der Markt abzuschneiden. Für mich macht es langfristig einen großen Unterschied, relativ langweilig mit einen Index z.B. 6% Rendite zu erwirtschaften und es nicht zu riskieren mit 1% ziemlich dumm aus der Wäsche zu schauen.

  • Katharina Okt 25, 2013 @ 17:35

    Das schöne an diesem Blog ist, neben den Artikeln, die Diskussionen die durch deine Schreibe ausgelöst werden. Habe den Artikel und alle Kommentare gelesen und muss sagen: Liebe Herren: DANKE! Euer Zusammenspiel (der Austausch hier) bereichert die Informationsgabe und macht mich „gefühlt“ etwas schlauer, auch wenn der Eindruck entsteht dass Geld und Gefühle nicht wirklich zusammen gehen sollte (?!)

    • Holger Grethe Okt 25, 2013 @ 21:18

      Danke, Katharina!

      Ich kenne Leute, die lesen hier sogar bevorzugt die Kommentare. ;-)

      Das spricht für die Kommentatoren, bei denen ich mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für ihr Engagement bedanken will!

  • Covacoro Okt 24, 2013 @ 21:35

    Guten Abend,
    und sorry Holger, dass ich wieder den Advocatus Diaboli spielen muß. Dein Artikel ist gut, aber ich formuliere es mal so: etwas zu suggestiv in der Argumentation, etwas zu absolut in einigen Schlußfolgerungen.
    Was ich damit meine?

    Beispiel 1: „Buffet … eine absolute Ausnahmeerscheinung.“ Aber: er ist nicht der einzige Value-Investor, der erfolgreich ist, nur der Bekannteste unter allen und das hat er übrigens selbst in einem Vortrag eingeräumt. Link zur deutschen Übersetzung des Vortrags: http://www.valueinvesting.de/graham-and-doddsville.htm
    Buffett hat mit Abstand das beste Marketing, schau dir mal an, wie er die HV von Berkshire vermarktet. Andere Value-Investoren in Europa und USA agieren viel weniger im Brennpunkt der Öffentlichkeit, gar nicht zu reden von vielen Privatinvestoren die im Durchschnitt die Indexperformance erreichen, aber eben auch einige Jahre haben, wo sie deutlich den Markt schlagen – als Sahnehäubchen sozusagen – und einige Jahre wo sie underperformen.

    Beispiel 2: „Häufig ist von mindestens 10.000 Stunden Übung die Rede, die man braucht, um es zum Experten zu bringen.“ Ok, denke ich, wer sagt, dass ich Experte von heute auf morgen werden muß und rechne im Kopf mal nach: seit 1995 an der Börse aktiv, anfangs 3h die Woche, jetzt eher 9h, da komme ich auf grob 6.000 Stunden. Zumindest ein halber Experte :-) und was ist so schlimm daran, wenn es das ist, was einem Spaß macht? Aber muß ich Experte sein, um an der Börse erfolgreich zu sein? Eher nicht – es gilt hier das Argument auch für den Laien und Privatanleger, dass professionelle „Experten“ bzw. „Fondsmanager“ den Index nicht schlagen. Vielleicht geht es dann gar nicht darum besonders schlau zu sein? Wenn man Kahnemann oder Gigerenzer liest, die sich mit Wissenserwerb, Risiko, Verhalten etc. beschäftigen, dann wirst Du wissenschaftliche Nachweise finden, warum das so ist. Stichwort: Bias, Overconfidence etc.
    Ich bin daher der Meinung: Das Argument liest sich gut, ist aber nicht differenziert genug beleuchtet.

    Beispiel 3: Die immer wieder hier mehr oder weniger wiederholte Aussage, dass „die meisten Anleger“ mit Aktien und einem aktiven Anlagestil nicht erfolgreich sind, es aber mit Indexfonds und passiven Investieren sein werden, weil sie so die Kosten im Griff haben. Ich könnte auch sagen: das ist Marketing der ETF-Industrie bzw. der Versuch etwas als einfach, bequem und erfolgreich darzustellen. Zum Beispiel lösen Indexfonds das Problem nicht, aus Angst zu verkaufen, wenn der Markt fällt und zu kaufen, wenn der Markt gestiegen ist, d.h. die Emotionen im Griff zu behalten. Sie lösen auch nicht das Problem, kein Markttiming zu betreiben, sondern langfristig zu investieren. Sie lösen ebenfalls nicht das Problem, wie an anderer Stelle schon angemerkt, dass man mit seinem Geld für die Altervorsorge auch Verantwortung übernehmen sollte, welche Unternehmen damit unterstützt werden.

    Insofern lautet mein Fazit: du bist nicht Warren Buffett – mußt es aber auch nicht sein.

    • Holger Grethe Okt 24, 2013 @ 22:16

      Licht und Schatten. ;-)

      Ich will gar nicht bewerten, ob Buffett der beste Value-Investor ist oder nicht. Er dient in diesem Artikel lediglich als prominenter Aufhänger für meine Kernaussage: Privatanleger fahren mit einer passiven Anlagestrategie (buy and hold) am Besten.

      Dies mag man suggestiv finden oder nicht, aber ich werde hier nicht müde, diesen Punkt immer wieder klarzustellen.

      Dass die meisten aktiven Anleger daran scheitern, den Vergleichsindex zu schlagen ist mitnichten Marketing der ETF-Industrie sondern simple Logik. Ich verweise auf den dritten Teil meiner Artikelserie zum Passiven Investieren, insbesondere auch auf die Diskussion in den Kommentaren zum Artikel.

      Natürlich ist ein ETF nur ein Anlageprodukt und nicht die Instantlösung für alles und jeden. Aufgrund der von dir angesprochenen emotionalen Herausforderungen (das Marktrisiko ist für aktive und passive Anleger ja gleich), sage ich auch (immer wieder): Passiv Investieren ist einfach, aber nicht leicht.

      Deinen letzten Satz hätte ich eigentlich gut als Schlusssatz für den Artikel nehmen können: „du bist nicht Warren Buffett – mußt es aber auch nicht sein.“

      Genau so ist es.

  • Christoph Okt 24, 2013 @ 19:58

    Ich weiß ja nicht, ob es o.k. ist auf weitere Kommentare zu antworten.
    Ich machs trotzdem mal.
    An Dummerchen.
    Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber für mich macht es vom Gefühl her einen Riesenunterschied, ob ich Apple im Depot habe oder Indexfonds Nr. sowieso, selbst wenn da natürlich Aktien/Unternehmen hinterstehen. Identitätsmässig ist das so, wie wenn einer zu mir Christoph sagt oder 123 usw.
    Und zu Warren habe ich geschrieben „so gut wie ein Trendfolger“ und nicht ein Trendfolger. Und das Trendfolger zwingend verkaufen, wenn der Trend nach unten zeigt muss noch lange nicht sein. Es gibt mit Sicherheit viele, die sich Trendfolger nennen und trotzdem kaufen und halten.
    Aber, ist auch nicht so wichtig.

    • Dummerchen Okt 24, 2013 @ 20:32

      Hallo Christoph.
      Ja, auch für mich macht es einen Riesenunterschied, ob ich Apple oder z.B. einen MSCI World im Depot hätte. Allerdings scheinen wir unterschiedliche Gefühle dabei zu verspüren. (Mir ist eine breite Marktstreuung wichtiger. Der Vorteil, mich nicht ständig um Bilanzen einzelner Unternehmen und ihrer Konkurrenten kümmern zu müssen, ist für mich gewonnene Lebensqualität. Aber da sind Menschen sicher unterschiedlich. Wäre ja sonst auch langweilig ;-).)
      Und wenn Trendfolger gar nicht notwendigerweise einem Trend folgen müssen, um sich Trendfolger nennen zu dürfen, dann kann man natürlich auch Herrn Buffet einen Trendfolger nennen. Da gebe ich dir selbstverständlich recht.
      Viele Grüße
      Dummerchen

    • Holger Grethe Okt 24, 2013 @ 20:41

      Ich kann nur empfehlen, sich bei der Depotkonstruktion nicht von Gefühlen leiten zu lassen, sondern von finanzwissenschaftlichen Erkenntnissen. Und die sprechen nun mal eindeutig für Indexfonds, auch wenn sich das nüchterner anfühlen mag als eine direkte Investition in Apple oder Coca-Cola. ;-)

  • Christoph Okt 24, 2013 @ 9:37

    Jetzt habe ich doch glatt die %0 Milliarden Euro-Frage übersehen.

    Ich würde ein riesiges Geld-Business- Geldbewusstseins-Institut aufbauen mit vielen engagierten Menschen, die Börse, Glaubenssätze zu Geld, Negative Gefühle zu Geld verändern, Finanzieller Freiheit und Wohlstand den Menschen nahe bringen. So was in der Art wie ein riesiges Geldpsychologie-Institut. Ja, das fände ich richtig klasse.

    Gruß, Christoph

  • Christoph Okt 24, 2013 @ 9:34

    Hallo,
    Ich mag Warren. Ich halte es gerne mit einem Mix an Indexfonds und Aktien. Buffett sagt ja auch, dass er nicht in Aktien sondern in Unternehmen investiert. Das ist ein entscheidender Unterschied, weil ich dann Teilhaber einer Company bin. Das stärkt auch das Selbstbewusstsein und gibt eine andere Identität.

    Zudem ist der Reiz, Teil einer Firma zu sein, einfach interessanter als Nutzer/Besitzer von Anteilen eines Indexfonds zu sein. Und ein wenig Spass sollte an der Börse auch sein.

    Wie gesagt, ich bin ein Freund des Sowohl-Als auch. Im übrigen ist das Problem mit den 10000 Std, nach Gladwell an der Börse auch die Strategie. Wenn ich 10000 Stunden in Trendfolge investiere, ist das was anderes als 10000 Std. Positionstrading und hier (beim Trading) gibt es ja auch wieder ganz unterschiedliche Strategien und somit sehr viele Möglichkeiten und somit auch Verwirrungen.

    Da viele Anleger, ich eingeschlossen, versuchen (versucht haben) mit vielen Aspekten an der Börse Geld zu erwirtschaften – also, alles durcheinander machen, ist das mit dem Experten und den 10000 Stunden schwierig. Buffett hat glaube ich mit 14 Jahren angefangen zu investieren und schnell Benjamin Graham gefunden. Da war die Entscheidung durch und dann kommt man schnell auf 10.000 Std. Ich habe lange gebraucht, um mich für eine Strategie zu entscheiden und ärgere mich manchmal immer noch darüber, dass ich so lange gebraucht habe ;)

    In gewisser Weise ist Buffett ja auch Trendfolger. Ich möchte nicht wissen, wie lange er schon Coca Cola oder Mc Donalds hält. Ich mache es schon seit Jahren so, wie es Peter Lynch empfiehlt. Die Aktien/Unternehmen zu kaufen, die man eh alltäglich nutzt.

    Das ist bei mir z.B. amazon, Apple, Mc. Donalds, Colgate-Palmolive usw. Damit fahre ich sehr gut.

    Deine Beiträge finde ich gut. Danke,
    Christoph

    • Dummerchen Okt 24, 2013 @ 18:11

      Hallo Christoph!

      Ich bin ja kein Experte, aber warum sollte man bei der Investition in einen Indexfonds nicht auch Teilhaber eines Unternehmens (bzw. vieler Unternehmen) sein? Erwerbe ich nicht Anteile an einem Fonds, der wiederum Aktien (entsprechend der Zusammensetzung eines Index) erwirbt? Ok, zur Mitarbeiterversammlung werde ich nicht eingeladen, aber am Wohl und Wehe des Unternehmenserfolgs partizipiere ich doch genauso, oder was habe ich da falsch verstanden? Meines Erachtens nach braucht man daher keine Einzelaktien, wenn man bereits in Indexfonds investiert ist, die diese Einzelaktien beinhalten.

      Dass Warren Buffet Trendfolger wäre, würde mich wundern. Als Trendfolger werden schließlich Börsentrader bezeichnet, die bei langfristig steigenden Kursen kaufen und langfristig fallenden Kursen verkaufen. Genau das macht Warren Buffet eher nicht. Er gehört eher der Buy-and-Hold-Fraktion an.

      Viele Grüße,
      Dummerchen