Postmaterialismus: Wir kaufen nichts!

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Irgendwas scheint mit mir nicht zu stimmen.

Es geht nun schon eine ganze Weile so: mir macht Kaufen einfach keinen Spass mehr.

Es ist nicht so, als ob ich mir nicht ab und zu etwas gönnen würde.

Aber diese Vorfreude auf das Kaufen um des Kaufens wegen…einfach weg.

Nehmen wir das Beispiel Klamotten. Egal ob Kaufhaus, Modekette oder Boutique – ich bin kaum durch die Eingangstür und hab schon keine Lust mehr.

Dabei entspreche ich überhaupt nicht dem Männer-Klischee des einkaufsfaulen Modemuffels. Ganz im Gegenteil. Ich mag schöne Sachen und habe durchaus einen Sinn für Ästhetik.

Was ist bloß los mit mir? Ich hab doch früher so gerne geshoppt.

Die Diagnose

Ich glaube, ich bin krank. Hab mir wohl was eingefangen.

Ja, ich war leichtsinnig. Ich habe nicht gut auf mich aufgepasst und vermutlich viel zu viele ungesunde Bücher und Blogs gelesen.

Im Nachhinein ist es schwer zu sagen, wo ich mir die Seuche geholt habe, aber ich habe schwer einen der folgenen Gedankenverdreher in Verdacht:

  • Leo Babauta von zenhabits.net
  • Joshua Fields Millburn & Ryan Nicodemus von theminimalists.com
  • Steve Pavlina
  • Arthur Schopenhauer („Aphorismen zur Lebensweisheit“)
  • Bertrand Russell („Lob des Müßiggangs“)
  • Henry D. Thoreau („Walden“)
  • Michel de Montaigne („Von der Kunst, das Leben zu lieben“)
  • Seneca („Das Leben ist kurz!“)
  • Marc Aurel („Wege zu sich selbst“)

Das Virus muss hochansteckend sein, denn mit Ausnahme der ersten vier sind alle anderen genannten Schreiberlinge längst tot, und das seit teilweise mehr als 2.300 Jahren!

Angestiftet durch die unvorsichtige Lektüre ihrer Texte mache ich mir nun schon einige Zeit Gedanken über Konsumverzicht, Freiheit, den Sinn des Lebens, Leidenschaft, Erfüllung und all dieses…nun ja, philosophische Zeugs.

So kenne ich mich gar nicht. Was sage ich, so kannte ich mich nicht, denn mittlerweile lebe ich ja nun schon ein paar Jahre mit dieser „Krankheit“.

Welche Krankheit?

Meine Recherche bei Dr. Google hat ergeben, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit am Postmaterialismus-Syndrom leide.

Dabei handelt es sich um eine (noch) relativ seltene Zivilisationskrankheit, die allerdings kaum heilbar ist. Einmal von ihr befallen, scheint es für die Betroffenen keine Rückkehr zum Bewusstseinszustand des eifrigen Konsumenten mehr zu geben.

Vermutlich machst du dir jetzt Sorgen, ob auch du von dieser heimtückischen Seuche befallen sein könntest. Leider sind die Symptome anfangs eher uneindeutig, erst in der vollen Blüte der Erkrankung zeigt sich das ganze Spektrum:

Du bist immun gegen Werbung

Sie wirkt einfach nicht mehr. Man könnte dir noch so viele Werbespots mit den tollsten Marken und Produken vorführen, aber du verspürst partout kein Bedürfnis, irgend etwas zu kaufen.

Du denkst nicht über Klamottenlabels nach

Du ziehst dich gerne gut an, kümmerst dich aber einen feuchten Kehricht darum, von welcher Marke die Sachen sind. Interessiert keinen Toten, welches Label auf der Jeans klebt, Hauptsache sie sitzt gut.

Du rechnest Überstunden nicht mehr in Schuhe oder Handtaschen um

Ok, das ist zugegeben ein sehr frauenspezifisches Phänomen. Ich weiß nicht, ob und in was Männer ihre Überstunden umrechnen…

Du machst dir nicht dauernd Gedanken über deine Wirkung auf andere

Underdressed? Overdressed? Der Schal passt nicht perfekt zu den Schuhen? Die Welt hat größere Probleme und was die anderen denken…ist ihr Problem.

Dir ist egal, was für ein Auto du fährst

Auf der Beifahrerseite kannst du vor lauter Müll die Fußmatte nicht sehen und der letzte Besuch in der Waschstraße war…ja, wann eigentlich? Ist dir aber latte, solange du von A nach B kommst.

Du freust dich plötzlich über die kleinen Dinge des Lebens

Du genießt es einfach draußen in der Sonne zu sitzen, ohne auf die Uhr zu schauen und freust dich, wenn die Omi vom Nachbarbalkon nett rüber winkt.

Bist du betroffen?

Und, hast du eines der Symptome bereits bei dir feststellen können? Falls ja, brauchst du nicht zu verzweifeln.

Das Kuriose ist nämlich, mir geht es ganz gut mit dieser ominösen Seuche. Mir geht´s irrwitzigerweise sogar besser als vorher. Besser als zum Zeitpunkt, an dem ich noch ein kerngesundes, vollwertiges Mitglied der Konsumgesellschaft war.

Dabei ist der Krankheitsgewinn eher gering, denn die größte Herausforderung des am Postmaterialismus-Syndrom Erkrankten besteht darin, Verständnis von all den Nichterkrankten zu bekommen.

Denn wer wenig kauft, macht sich schnell verdächtig. Er tut es vermutlich nur deswegen nicht, weil er kein Geld hat. Weil er arm ist. Wer kommt schon auf die abwegige Idee, dass jemand nicht kauft, weil er einfach nicht kaufen will?

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Der Krankheitsverlauf

Am Anfang ist es schlimm. Man stellt alles in Frage. Wird furchtbar kritisch. Man schaut sich um und denkt:

Was brauche ich wirklich?

Warum habe ich all dieses Gerümpel gekauft?

Was kann ich Sinnvolleres mit meinem Geld anfangen?

Und plötzlich sieht man klar. Geld bekommt eine völlig neue Bedeutung: es schafft Freiheit.

In der Gegenwart schafft es Freiheit durch Verzicht.

Denn Geld, das nicht ausgegeben wird, braucht vorher erst gar nicht verdient zu werden. Das bringt freie Zeit. Und Geld, das einmal da ist, kann für später angelegt werden.

In der Zukunft schafft es Freiheit durch Vermögen.

Denn finanzielle Unabhängigkeit bedeutet, kein Geld mehr verdienen zu müssen.

Ja, aber das klingt doch alles sehr gesund, das kann doch nicht krank sein? Aus Sicht der Wirtschaft schon. Denn um zu wachsen, braucht sie aktive Konsumenten. Entweder hier bei uns oder eben woanders auf der Welt.

Das Vorsorge-Paradox

Je mehr wir verzichten, sparen und anlegen, desto weniger können wir kaufen und unsere Wirtschaft ankurbeln. Da trifft es sich ganz gut, dass wir „Exportweltmeister“ sind und wenigstens „das Ausland“ unsere Produkte kauft.

Wehe, wenn sich das mal ändert.

So mahnt auch der Internationale Währungsfonds (IWF) schon seit Jahren, Deutschland müsse seine Binnenkonjunktur stärken. Auf deutsch: wir sollen mehr shoppen, nicht etwa weniger!

Was wäre also, wenn noch viel mehr Menschen vom Postmaterialismus-Syndrom befallen wären? Wenn alle weniger ausgeben und mehr sparen würden?

Es würde nicht funktionieren.

Die Wirtschaft würde bestenfalls stagnieren, vermutlich deutlich schrumpfen. Die Aktienkurse würden nicht mehr steigen und damit wäre die Möglichkeit zunichte gemacht, auf bequeme Art und Weise Vermögen zu bilden und damit fürs Alter vorzusorgen.

Es mag zynisch klingen, aber wahr ist:

Unsere Hoffnungen ruhen auf Milliarden von Indern, Chinesen, Pakistanern und all den anderen, die noch auf das Erlebnis warten, vor endlosen Regalreihen stehend eine Entscheidung über das richtige Haarshampoo treffen zu dürfen.

Ihnen stehen die Segnungen des Kapitalismus noch bevor. Sie wollen verständlicherweise gerne kaufen und aus unserer Sicht müssen sie das auch.

Denn nur dann können wir – dem Materialismus überdrüssig – guten Gewissens sagen:

Wir kaufen nichts!

 
Solltest du schon Symptome des PMS (Postmaterialismussyndrom) bei dir bemerkt haben, schildere bitte deinen Leidensweg in den Kommentaren. Du gibst anderen Betroffenen damit Kraft und vielleicht können wir zusammen eine Selbsthilfegruppe gründen. 😉

Bildquelle: „Shop Window dolls…“ von Klearchos Kapoutsis (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

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Comments on this entry are closed.

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  • Katharina 17. Oktober 2013, 09:26

    ha ha – danke für dieses schön zu lesende Kopfkino!
    DAUMEN HOCH ! ! !
    An welchem PMS ich wann und wie leide, habe ich noch nicht so recht herausgefiltert – bin wohl noch in der „Übergangs-Erkrankungs-Phase“.
    Dank deiner Ausführungen werde ich mich auf Erkundungstour begeben und meinen Krankheits- oder Gesundheitszustand(?) künftig etwas genauer unter die Lupe nehmen.

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:09

      Sehr gut, Katha! Die Inkubationszeit ist durchaus variabel…

  • hanspeterroth@gmx.ch 17. Oktober 2013, 09:30

    Einfach geil, dieser Artikel! Ja bei mir zeigen sich schon ernsthafte Symptome
    des PMS. Vielleicht hat das auch etwas mit dem Alter zu tun. Sachen, die mal für das Prestige wichtige waren, haben heute für mich keine Bedeutung mehr. Man belächelt die vielleicht tatsächlich amüsante TV-Werbung, aber das Zeugs kaufen? Nein danke.

    Ich freue mich auf den nächsten tollen Artikel.
    Hanspeter

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:12

      Danke, Hanspeter! Ich schätze auch, dass die Erkrankungshäufigkeit mit dem Alter ansteigt. Muss man im Auge behalten, das PMS ist ja noch weitestgehend unerforscht 😉

  • Christoph 17. Oktober 2013, 09:32

    Ob ich schon an PMS „erkrankt“ bin, weiß ich nicht. Aber heute ist eh alles postmodern. Ich frage mich eher, wann es wieder promodern wird oder in diesem Falle ProMS? Ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, ob es schon viele „erwischt“ hat dieses Syndrom, wenn ich so Zeitungen, Illustrierte und Fernsehen sehe.
    Ich weiß aber genau, dass das 4. Gesetz des Geldes, was besagt, dass es äußerst nützlich ist Geld zu investieren, damit es optimal arbeitet, für Finanzielle Freiheit unerlässlich ist.
    Dafür braucht es kraftvolle Glaubenssätze zu Geld, Börse, Spekulation, Trading, Trendfolge und was auch immer.

    Grüße eines überzeugten Aktianers,
    Christoph

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:15

      Hallo Christoph,
      Zeitungen, Illustrierte und Fernsehen berichten kaum über das PMS, wohl auch um der Epidemie nicht weiter Vorschub zu leisten…

  • Marco 17. Oktober 2013, 09:35

    Hi Holger,

    🙂 vielen Dank für diesen herrlich humorvoll geschriebenen Artikel!
    Auch ich bin wohl ein Betroffener dieser Krankheit. Ich überlege immer öfter einige meiner Dinge zu verkaufen/los zu werden. Ebenfalls habe ich für mich festgestellt, dass z.B. ein schickes neues Auto nur für einen kurzen Zeitraum (es waren drei Tage 😀 ) die eigene Zufriedenheit steigert.
    Ich kann dich nur bestätigen…dafür gibt es bisher kein Gegenmittel!
    Aber mal ganz unter uns…ich bin bereits süchtig und möchte auch gar kein Gegenmittel haben 😉 .

    Liebe Grüße,
    Marco

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:18

      Hallo Marco,
      freut mich zu hören, dass du es dir mit der Erkrankung gut eingerichtet hast. Ich habe die Hoffnung auf ein Gegenmittel längst aufgegeben 😉

  • frank katzer 17. Oktober 2013, 10:13

    ha ha!
    sehr schön ge-/beschrieben.
    wär‘ ich doch nur soweit 😉
    aber vielleicht ist dieser artikel ja ansteckend.
    mehr davon!

  • zentrader 17. Oktober 2013, 11:35

    Wow, großartig!

    Endlich, endlich sehe ich, dass es auch noch andere Menschen mit PMS gibt.
    Das ist gut, sogar sehr gut. 🙂

    Ich fühle mich verstanden und irgendwie denke ich mir, dass ich diesen Artikel
    hätte auch schreiben können…
    Aber halt. Ich kanns ja gar nicht!
    Ich kann weder so toll schreiben noch bin ich so lustig. 🙂

    Also, ganzen lieben Dank!

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:20

      Nichts zu danken! Freut mich, dass so viele Menschen nun offen zu PMS stehen können. 🙂

  • Kevla the Beauty Motion 17. Oktober 2013, 12:43

    Danke! „Alte Wege öffnen keine neuen Türen“ Endlich mal ein Virus der Freude am wirklichen Leben bringt, der so gesund macht, das wir Freude an uns Selbst haben. Als uns ständig mit kaufen, kaufen, kaufen von unserer wahren Indentität abzulenken.

    Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der wir uns von Mensch zu Mensch begegnen, in der wir uns geliebt fühlen, und in der wir mit Begeisterung tun, was uns interessiert. Ich glaube, dass das keine Utopie ist und ich weiss, dass wir dafür bei uns selbst anfangen müssen.

    Diese Haltung ist für mich seitdem sozusagen ein Experiment, das dazu einludt, mir die Frage zu stellen: wie will ich leben und arbeiten? was macht mich glücklich? Alles liegt in mir und nicht in den Regalen der Boutiquen.

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:23

      Hallo Katarina!

      „Alles liegt in mir und nicht in den Regalen der Boutiquen.“

      Das ist quasi Schopenhauer 2.0, sehr schön! 🙂

  • Willi 17. Oktober 2013, 13:31

    Oh ja das Gefühl kenne ich zu gut. Ich leide aber nicht denn leiden ist der falsche Ausdruck dafür. Klar war ich erschrocken festzustellen das die Freude nach dem Einkauf nicht da ist und das man diese vermisst und sich fragt ob mit einem noch alles ok ist. Ja ist es mir geht es gut nur ich durchschaute das System 😉

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:26

      Hi Willi!
      Solange du den Durchblick hast, ist doch alles ok 😉

  • Monika Lohmann 17. Oktober 2013, 15:29

    Da hat’s mich auch voll erwischt. Schlimme Krankheit. Weiss nun endlich, wie sie heisst.

    Doch wie geh ich damit um? Selbsthilfegruppe wäre eine super Idee. Offline oder online? 😉 LG

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:27

      Hi Monika,
      wie du siehst, bist du nicht allein mit deinem „Leiden“. Schauen wir mal, wie viele wir noch werden… 😉

  • Dummerchen 17. Oktober 2013, 18:26

    Großartiger Artikel! Da merkt man dem Mediziner richtig an, dass er voll in seinem Element ist :-)!
    Die beschriebene Krankheit bricht meiner Beobachtung nach häufig ausgelöst durch einen bewußten Wertewandel des Patienten aus. Vielfach sind Erkenntnisse über wahre Werte wie Freundschaft, Liebe, Gesundheit (oder eben dem Eintreten des jeweiligen Gegenteils) der Auslöser für das veränderte Denken darüber „was wirklich wichtig ist“.
    Und danke für die offenen Worte, Holger – wir finden sicher für jeden einen Platz in der Therapiegruppe ;-).

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:32

      Danke, Dummerchen! „Bewusster Wertewandel“…da ist was wahres dran.
      Hier sind auf jeden Fall noch genug Plätze in der Therapiegruppe frei 😉

  • Jogi 17. Oktober 2013, 21:30

    Super Artikel Holger!
    Damit hast du uns gezeigt, warum wir kaufen was wir brauchen sollen. Shoppen um die Wirtschaft anzukurbeln, finde ich auch nur halb wahr.
    Ich glaube, ich bin auch ein Betroffener des Syndroms. Da dieses Syndrom heutzutage selten zu finden ist, würde ich auch gerne ein Treffen des PMSs in meiner Umgebung mitorganisieren. Ich wohne in Karlsruhe-Umgebung, also wer wohnt noch in der nähe? 🙂

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:36

      Jogi, ein echtes PMS-Treffen wäre natürlich der Knaller. Leider ist Karlsruhe nicht direkt bei mir um die Ecke… 😉

    • Jogi 19. Oktober 2013, 02:01

      Aber ein Treffen in Düsseldorf würde ich gerne dabei sein :).

  • Meli 17. Oktober 2013, 21:43

    Werbung
    -> Ich mach die Augen auf der Rolltreppe zu, damit ich nicht ständig von diesen lauten Werbeplakaten in meinen Gedanken gestört werde…

    Klamottenlabels
    -> Deren Popularität ist mir genauso rätselhaft wie die schnelle Verbreitung von Modetrends… Obwohl…So abrasierte Haare… Muss man da aufpassen, ob man die linke oder rechte Seite rasiert?

    Überstunden
    -> Mach ich nicht. 🙂 Hab sogar im Frühling von 40 auf 36 Stunden verkürzt, um mehr Zeit für mich zu haben…

    Wirkung auf andere
    -> Ich bin froh, wenn ich nicht wahrgenommen werde… und unbemerkt beobachten kann…

    Auto
    -> Hab als Stadtbewohnerin keins… 🙂 Und könnte mich auch nie für eins entscheiden… Zuviel Auswahl… Deswegen koche ich auch Marmelade lieber selbst… Zuviel Auswahl im Supermarkt…

    Die kleinen Dingen
    -> Meine Orchidee blüht demnächst wieder!!!!! Juhuuuu! Die riecht dann immer so herrlich nach Vanille!! *vorfroi*

    Ich bin noch nicht einmal 30 Jahre alt, gibt es noch Hoffnung für mich??!

    Liebe Grüße
    Meli

    P.S.: Toller Artikel! Es gibt also doch noch mehr Menschen wie mich! 🙂

    • Holger Grethe 17. Oktober 2013, 22:42

      Hallo Meli!
      So wie du die Symptomatik beschreibst, ist der Krankheitsverlauf bei dir wohl kaum noch aufzuhalten…Aber, du bist ja nicht allein 😉

    • Jogi 19. Oktober 2013, 02:07

      Hi Meli, so eine nette PMS-Kranke möchte ich gerne kennenlernen. Wir können eine Selbsthilfegruppe gründen wenn du nicht zu weit weg bist 🙂

  • verena 18. Oktober 2013, 09:23

    Schön, dass es Leidensgenossen gibt 🙂

    erst letztens habe ich mich riesig gefreut, beim bummeln durch ein Outlet Center nichts gekauft zu haben. Ich hattte überhaupt kein bedürfnis. statt dessen war es einfach schön, mit einem leckeren cafe latte das bunte treiben zu beobachten mit der gewissheit, sich dem kaufzwang a la „ich muss mir in meiner kargen freizeit mein glück kaufen“ lächelnd entziehen zu können.

    Wie man so schön sagt: Vermögen belastet. wie wahr….

    • Holger Grethe 18. Oktober 2013, 13:24

      Hi Verena,
      einfach so durch ein Outlet Center spazieren und nichts kaufen? Dir ist wohl auch nicht mehr zu helfen… 😉

      In einem Punkt muss ich dir allerdings widersprechen: Vermögen belastet nicht. Also mich jedenfalls nicht. Wie im Artikel angedeutet, kann es Freiheit von ökonomischen Zwängen bedeuten.

      Dafür muss man natürlich einen gedanklichen Automatismus stoppen, der da lautet: „Ok, ich hab Geld, wohin jetzt damit? Was kann ich noch kaufen?“

      Mit Geld kann man tolle Sachen machen. Man sollte aber eher in Erfahrungen als in materielle Dinge investieren. Oder wie mein Blogging-Buddy Markus Cerenak sagt: „Sammle Momente und nicht Dinge.“

  • Khani 18. Oktober 2013, 12:08

    Lieber Holger, auf jeden Fall hat mich Dein sehr gut geschriebener Artikel erstmal zum nachdenken gebracht.

    Als Werber muss ich aber gestehen, dass mein erster Gedanke „Mist! Wie kann man Werbung (noch) effektiver machen, damit erst gar nicht zu viele von dem Virus befallen werden?“ war.

    Danach fiel mir auf, dass die beschriebenen Symptome eigentlich 1:1 auf meinen 81-jährigen Vater zutreffen. Selbst wenn er Werbung im Fernsehen sieht, ist er dagegen immun und schwört nur auf altbewährtes. Ihm ist auch egal von welchem Label die Butze ist, die er trägt oder welches Auto er fährt. Überstunden macht er als Renter sowieso keine und wenn, würde er sie gewiss nicht in Konsumgüter umrechnen. Was andere über ihn denken ist ihm schon lange egal und er freut sich ebenso über die kleinen Dinge des Lebens, wie einen Anruf von seinem Sohn oder einen leckeren Nachtisch.

    Konsequenter Weise drängt sich also folgende Frage auf: ist mein Vater hochgeradig von PMS betroffen oder gibt es dieses Syndrom womöglich gar nicht, weil es einfach nur eine andere Umschreibung fürs Älter werden ist?

    Wäre definitiv eine höchstkreative Methode (von denen es bekanntlich sehr viele gibt) um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, dass man alt wird oder vielleicht sogar schon ist? 😉

    Abgesehen davon: Kudos für Deinen großartigen Blog & keep up the good work!

    • Holger Grethe 18. Oktober 2013, 13:48

      Hey Khani,
      vielen Dank für deinen guten Kommentar und die lobenden Worte!

      Ja, ich denke, im Alter stellt sich bei den meisten wohl von selbst so etwas wie ein PMS ein. Nicht ohne Grund ist häufig von „Marktanteilen in der werberelevanten Zielgruppe der 20-49jährigen“ die Rede.

      Vermutlich haben die meisten nach 49 Lebensjahren kapiert, dass Werbung grundsätzlich mehr Glückseligkeit verspricht als die Produkte letztlich halten.

      Aber man kann auch früher drauf kommen, dass uns materielle Dinge nicht zu glücklicheren Menschen machen. Unzählige psychologische Studien kommen übereinstimmend zu dem gleichen Ergebnis: Materialismus macht nicht nur nicht glücklich, sondern häufig sogar unglücklich.

      Denn es ist ja nie genug. Es geht immer noch besser, luxuriöser, schöner, bequemer usw. Diesen Gedanken bei den „Verbrauchern“ zu erzeugen, ist unter anderem Sinn und Zweck von Werbung.

      Ist Werbung deshalb schlecht? Würde ich so pauschal nicht sagen. Dass Werbung den Wunsch nach Konsum auslösen will kann man ihr wohl genau so wenig zum Vorwurf machen wie dem Papst seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche.

      Es liegt eben an jedem selbst zu entscheiden, für welche Botschaften er empfänglich ist und für welche nicht. Ich blende Werbung im Alltag weitestgehend aus, auch wenn sie mich unterbewusst vermutlich doch beeinflusst.

      Aber, ich muss auch sagen: Werbung kann ganz großartig sein. Ein Beispiel für die Zielgruppe Eltern ist der „Mama“-Spot eines bekannten Creme-Herstellers. Ja, dieses Blog ist werbefrei, aber an dieser Stelle mache ich mal wohlwollend eine Ausnahme, einfach weil es so gut gemacht ist 😉

  • Michael Georgi (@Seelenwaage) 20. Oktober 2013, 15:09

    Dieses Gefühl habe ich immer öfter.
    Lebensmittel, vielleicht ein Buch oder Magazin, das wars.
    Auto nach der Pannenstatistik gekauft.
    Auf Party oder Zwangslustig sein ala Fasching habe ich kein Bedürfnis.
    Lieber ausgesuchte Festivals wo ich mich das ganze Jahr darauf freue.

    Auf der anderen Seite wird es vorgelebt, wer Harz IV hat darf nichts besitzen.
    Also zuwas soll ich mir was kaufen das später mir genommen wird?
    Dies habe ich schon den Behörden gesagt, dann verzichte ich zu kaufen.
    Sie meinte das geht doch nicht und sie müssen vorsorgen.
    Meinte ich, zuwas?
    Es gibt für sowas Harz IV das sowieso jeder Rentner bald haben wird.
    Wenn Ihr Wissen wollt wie Handel Funktioniert müsst Ihr in die Schweiz fahren,
    da waren sie beleidigt.

    Auf jedenfall deckt sich meine Erfahrung mit den was du hier schreibst.

    • Holger Grethe 20. Oktober 2013, 15:20

      Hi Michael,

      unfreiwilliger Verzicht ist natürlich etwas anderes, als wenn er selbst gewählt ist. Ich drück dir die Daumen, dass du schnell Arbeit findest.

      lg, h.

    • Michael Georgi (@Seelenwaage) 20. Oktober 2013, 15:53

      Hallo Holger,

      stimmt, Freiwillig ist etwas anderes.
      Ich hatte hohen Verdienst und auch kaum was wie jetzt.
      Auch dies wird sich ändern.
      Habe dadurch den Vergleich und Frage mich, was mir da gefehlt hat und zuwas?
      Früher spielte ich viele PC-Games, heute nicht mal Interesse für Onlinegames.
      Mit der Zeit verändern sich die Hormone und damit wechseln auch die Ansichten was wichtig ist.
      Auch in der Weihnachtszeit kaum was, das mir gefallen würde.
      Werbung sehe ich sowieso kaum, da ich kaum Zeitung lese.
      Mich Interessiert nur alles was mit Selbstbestimmten Leben zu tun hat und Techniken bzw Tools für Kreativität.

      Ich finde ein Satz im Zeitdiätbuch sehr gut von 2005,
      “ Bringt es dich weiter, wenn du jetzt dir ein Kaffee holst?“
      Dies verwende ich jetzt für alle Lebenslagen.
      Bringt mich diese News weiter?
      Bringt es mich weiter, wenn das neuste Smartphone/Smartlet kaufe?
      Oder, zuwas muss ich jetzt in die Stadt fahren?

      Oft Frage ich mich bei immer mehr Dingen, was soll ich damit?
      Es ist genau was Markus aktuell beschreibt, sammle Momente und keine Dinge!

  • Der Privatier 21. Oktober 2013, 10:43

    Ich habe es ja schon immer geahnt, dass es eine Krankheit ist !
    Gut, dass mir das jetzt von kompetenter Seite durch einen Arzt bestätigt wird. Danke.

    Allerdings muss ich dem Mediziner an einer Stelle widersprechen: An eine Infizierung durch die im Beitrag aufgeführten schlauen Bücher glaube ich nicht. Ich habe sie alle nicht gelesen!

    Und dennoch habe ich alle geschilderten Symptome. Und zwar in der ausgeprägtesten Version. So lasse ich mich nicht nur durch Werbung nicht beeinflussen – ich nehme sie gar nicht wahr. Zumindest in Zeitschriften und im Internet habe ich da wohl einen eingebauten Filter, der solche Dinge gar nicht erst an mein Bewusstsein kommen lässt. Von daher tippe ich eher auf ein Gen-Defekt.

    Bestätigt wird die Vermutung dadurch, dass ich die meisten Symptome schon (fast) immer habe. Auf jeden Fall habe ich ganz sicher noch nie irgendetwas in Handtasche oder Schuhe umgerechnet. Und meine Autos haben die Waschstrasse noch nie mehr als zwei Mal im Jahr gesehen.

    Ich nehme einmal an, uns allen hier fehlt ein wichtiges Gen: Das Shoppen-Gen.

    Gruß, Der Privatier

    • Holger Grethe 21. Oktober 2013, 19:51

      Lieber Privatier,

      Literatur ist vermutlich nur ein Übertragungsweg unter vielen. Der Gen-Defekt ist sicher auch eine Möglichkeit. 😉

  • Roman 2. November 2013, 15:45

    Somit bin ich also auch schon seit Jahren krank. 😉
    Zum Thema Klamotten, Du hast recht scheissegal was da draufsteht. Was mir aber wichtig ist, ist wie das Ding hergestellt wurde. Es gibt Lables die sich echt bemuehen transparent zu sein, „fair“ zu produzieren, gerechte Loehne zahlen und/oder gar zuhause zu produzieren.

  • Rico 23. November 2013, 22:58

    Wirklich toller Artikel. „Nichts kaufen“ würde ich aber nicht so absolut darstellen. Es gibt durchaus viele Dinge, die es wert sind, gekauft zu werden. Gutes Essen, komfortable Schuhe, ein Regenschirm oder ein Sofa für die Wohnung. Der entscheidende Unterschied ist, ob man bereit ist, zusätzliche Dinge zu kaufen, die wirklich keinen wesentlichen Vorteil mehr bringen?

    Ich denke, es wird immer Dinge geben, die es wert sind, gekauft zu werden. Die Wahrheit ist aber, dass diese in der Anzahl und vom Wert her viel geringer sind, als uns Werbung einreden will. Denn der Job von Werbung ist es ja gerade, das beworbene Ding als „notwendig“ zu beschreiben.

    • Holger Grethe 24. November 2013, 15:23

      „Wir kaufen nichts!“ ist einfach eine griffige Headline. Das sollte man nicht wörtlich nehmen. 😉

      Ich kauf mir ja auch schöne Dinge, darunter Sachen, die man nicht unbedingt braucht. Kerngedanke ist, dass Shoppen kein Hobby oder Zeitvertreib sein sollte. Und man sich vom Materialismus keine Wunder erwarten sollte, was das Glücksempfinden anbelangt.

  • Simon 27. November 2013, 16:46

    gefällt mir sehr sehr gut der artikel! ich empfinde mal so mal so, also vielleicht noch irgendwo im anfangsstudium von pms – frag mich dann nur immer, ob es nicht auch daran liegen kann, dass man sich „finanzielle flauten“ oder mangelnde geschäftserträge vielleicht bloß schön reden möchte… da bin ich mir echt noch unschlüssig!

    • Holger Grethe 27. November 2013, 20:59

      Hi Simon,

      nicht die Ausgaben- mit der Einnahmenseite in einen Topf schmeissen! Es geht darum, bewusst Dinge nicht zu kaufen, obwohl man sie sich leisten könnte.

  • blackfairy 2. Januar 2014, 08:22

    Holger, ich muss gestehen, ich weiß jetzt nicht, ob ich weinen oder lachen soll.

    Lachen, weil mir endlich jemand meine Genmutation erklärt oder weinen, weil ich eigentlich vorhatte, demnächst etwas Ähnliches in die Welt zu setzen wie deine Artikel über Konsumverzicht/bewussten Konsum. War mal wieder jemand schneller 😉

    Ich kam mir schon fast wie ein Alien vor, weil mir nichts mehr Freude macht, als bevorzugt nachts durch leere Einkaufspassagen zu schlendern und mich darüber zu freuen, dass ich mich maximal in den Bücherladen oder das Reisebüro verirren würde, so denn geöffnet.

    Mich hat bisher jede Trennung von meinem geliebten Vehikel durch den TÜV sehr traurig gemacht; meine Wohnungseinrichtung ist ein Sammelsorium meines gesamten Lebens und ich bin stolz darauf, dass keiner mehr erkennt, in welchem Jahr ich in welchem Möbelhaus geshoppt habe, wie das leider amüsanterweise bei vielen Zeitgenossen anzutreffen ist; Lieblingsklamotten werden oft gleich dreifach erworben, da ja demnächst wieder „die Kollektion“ wechselt und nun ja, meine technischen Geräte müssen auch auseinanderfallen, bevor ich zum Neukauf sozusagen gezwungen bin.

    Als Frau mit maßgeschneideter Lieblingshandtasche Tag für Tag durch die Welt zu stapfen, befördert mich wohl unverzüglich auf die Intensivstation für PMS-Erkrankte;-)

    Da Einzige was ich mir ausgiebig leiste, sind Reisen, Reisen und Reisen, Kultur, Spaß und gutes Essen.

    Also offensichtlich bin ich unheilbar erkrankt. Und stolz darauf!

    Aber dass das Virus um sich greift, liegt doch (jedenfalls meiner Meinung nach) daran, dass im Moment fast nur noch Schrott produziert wird (im technischen Sektor – ich sag nur die eingebaute Zeitschaltuhr), die Modeindustrie immer Grauseligeres hervorbringt und neue Autos einfach nur noch alle gleich aussehen.

    Irgendwann hat auch der Letzte nicht mehr wirklich Lust, sich durch 5000 neue Produkte zu kämpfen, um dann eines zu finden, was wirklich gefällt und tut, was es soll – welches aber nach Ableben der Gewährleistungsfrist, d.h. Produkttod, wieder zu ersetzen ist – aber – oh Schreck – völlig neue Sortimente auf dem Markt – und back to start.

    Diese Masche, das Wirtschaftswachstum schön konstant zu halten, hat bei mir das Gegenteil bewirkt: Konsumverzicht so gut es geht. Eh ich mir einen neuen Laptop kaufe, der mir nach 3 Jahren um die Ohren fliegt, vertraue ich weiter dem alten Modell, solange der noch seinen Job erledigt. In zwei Jahren wäre der Neue nämlich genauso kaputt/veraltet wie mein jetziger…

    In diesem Sinne: lass uns eine Epidemie starten – ich bin dabei!

    Danke für den tollen Artikel – hat meinen Tag gerettet!

    • Holger Grethe 2. Januar 2014, 18:55

      Hallo blackfairy,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!

      Lass dich durch meine Artikel auf keinen Fall entmutigen, selbst etwas über Konsumverzicht, Konsumkritik etc. zu schreiben. Wenn du gute Ideen hast und es dir ein Bedürfnis ist, diese mit anderen zu teilen, dann fang an zu bloggen! Jede(r) hat eine andere Perspektive auf das Thema, also: nur zu…

  • Turing 7. Januar 2014, 20:29

    Dem Händler ist es eigentlich egal, warum wir z. B. ein Buch kaufen, ob es der Kurzweil dient oder eine Investition darstellt. Wir brauchen nicht konsumieren wie die Blöden, dass es uns besser geht. Schon gar nicht brauchen wir uns verschulden. Wenn mir wer Maß halten würden, also statt 10 mal McDonald’s im Monat nur noch einmal, dann sparen wir eine Menge Geld und im Gegenzug würde der Bäcker an der Ecke verdienen oder das italienische Restaurant, weil wir es dann umso häufiger besuchen.

    Ich kaufe auch nicht jeden elektronischen Schnickschnack. Mein Computer ist fünf Jahre alt, meine Stereoanlage und mein Fernseher sind 20 Jahre alt. Ich überlege nun schon länger, ob ich nicht eine neue Stereoanlage mit DAB+, Web-Radio und allem Drum und Dran kaufen sollte, aber solange meine Anlage noch läuft, läuft sie.

    Ich lebe recht sparsam, aber auf der anderen Seite erlaube ich mir dann doch Extravaganzen, z. B. den Kaffee von Illy. Und da bekommt man was gescheites für sein Geld. Andere Leute geben mehr Geld für schlechteren Kaffee aus, der dann meistens in Kaffeepads oder Kapseln verpackt ist.

    • Holger Grethe 7. Januar 2014, 21:04

      Zur Ehrenrettung der Kaffeekapseln muss ich gestehen, dass mir die von Herrn Clooney beworbene Marke doch recht gut schmeckt. 😉

  • Gerhard 11. Januar 2014, 18:34

    Danke! Endlich ein Befund! PMS und nicht ordinärer GEIZ, ich bin nur noch erleichtert!

    Ein wunderschöner Artikel, der auf humorvolle und entspannte Art ein Gefühl beschreibt, das mich schon seit geraumer Zeit erfasst hat. Ist ein Konsumakt erst einmal vollzogen, erlöscht im gleichen Augenblick das vorher in Aussicht gestellte Glücksversprechen.
    So etwas kann stark verunsichern, schließlich will sich ein Belohnungseffekt gar nicht mehr einstellen, es droht der Verlust des Konsumsinns!
    Den Jüngern auf dieser Seite kann ich bestätigen, dass dieser Effekt sich mit zunehmenden Lebensalter noch deutlich verstärkt.

    Gibt es dagegen ein Mittel?

    Meine Frau, die ganz ähnliche Symptome zeigt und ich, haben uns einen Hund angeschafft.
    Sind wir bis vor kurzem noch hin und wieder zum Shoppen in das nächste Einkaufszentrum/Outlet/… gefahren, nehmen wir jetzt den Hund an der Leine und machen einen Streifzug durch den Wald.

    Der Konsumblues ist dadurch vollständig verschwunden!

    Die Nebenwirkungen wie Zecken, schmutzige Kleidung und den gelegentlichen Ärger mit Joggern, welche durch den Hund zu neuen Bestzeiten getrieben werden, nehmen wir als das kleinere Übel in Kauf.

    Sie sehen an unserem Beispiel, das PMS ist keine hoffnungslose Erkrankung, der man völlig wehrlos ausgeliefert ist. Es gibt durchaus vernünftige und praktikable Therapieansätze.

    • Holger Grethe 11. Januar 2014, 21:48

      Vielen Dank für diesen unterhaltsamen Kommentar, Gerhard!

      „Konsumblues“ ist auch ein schönes Wort 😉

  • Liz 14. April 2014, 11:09

    Wie wahr, wie wahr, und so schön humorvoll von Dir geschrieben. Ein passender Vergleich für die Diagnose PMS ist oft, dass man sich nun „ausserhalb der Matrix“ befindet. Beschreibt das Gefühl ziemlich gut, wie ich finde.
    Danke für deinen Blog!

  • Juanito 12. Mai 2014, 12:03

    Ich leide auch schon seit Jahren dran und es wird immer schlimmer.

    Nur – was wenn jetzt alle so denken, dann sollte ich lieber doch nicht in Aktien(-ETFs) investieren, die in den letzten 100+ Jahren genau von diesem Wachstumswahn profitiert haben?!? Oder sind dann irgendwann die größten Werte im MSCI World nicht mehr Apple, Nestle, Procter & Gamble etc., sondern irgendwelche Tausch-Kooperativen, Vereine und Mehrgenerationen-Projekte?

    Zum Glück gibt es ja noch genug Gesunde da draussen mit dem Motto „shop til you drop“.

  • der kleinetom 21. August 2014, 21:12

    Hi, toller Artikel, da denkt man an vieles. Buchtip zu den „Marken“ „Bye,bye LOGO“ genau das thema.
    Reichtum ist der Zeitraum den ich ohne Einkommen meinen Lebensstandard halten kann.Das passt auch zu wir kaufen nichts, denn damit ist mein Reichtum höher.

  • Sönnke 26. September 2014, 14:44

    Auf Basis dieser Zusammenfassung haben meine Freundin und ich dieses Zustand erreicht. Bei ihr ist es zwar so, dass sie generell wenig Geld zur Verfügung hat, aber keine Wünsche hat.
    Mich hat da eher das gesamte Spektrum erwischt. Bereits jetzt während der Ausbildung habe ich einen deutlichen Überschuss, den ich zur Zeit für die Anschaffung eines Autos anteilig zurück lege. Ja, jetzt mag man denken, „Was will er denn? Es ist doch sinnvoll.“ Aber wenn man noch bedenkt, dass ich nicht alles beiseite lege und mir immer einen Teil für das Essen unterwegs behalte, hat man schnell diesen Zustand erreicht:

    Was mache ich mit dem Geld, das übrig bleibt?

    Rein rechnerisch betrachtet hat man ja relativ schnell das Geld zusammen, auch ohne Weihnachtsgeld. Die Autofahrer würden jetzt auch sagen, „Hey pass auf die Nebenkosten wie Versicherung, Steuern und Benzin auf! Das frisst schnell das Budget!“ Ja danke, das habe ich bereits berücksichtigt. Dennoch: Was jetzt vom Geldeingang abgezwackt wird für die Anschaffung, geht nachher in die regelmäßigen Kosten über un es bleibt etwas übrig. ABER ICH BIN JA NOCH IN DER AUSBILDUNG! Wie soll es denn erst gehen, wenn man ausgelernt hat und „volles“ Gehalt bekommt? Ja klar, für die Rente, aber muss man denn immer nur darauf sparen? Wenn man jetzt schon sparsam ist, dann kommt man auch später zurecht.

    Und dennoch besteht diese Hemmschwelle. Immer diese Kampf zwischen „Wozu brauch ich das?“ und „Was soll ich mit dem Geld, wenn ich tot bin?“ Auch als junger Mensch denkt man darüber nach.

    Was soll man also machen, wenn man schon in jungen Jahren „Nichts“ mehr braucht?

    • Holger Grethe 26. September 2014, 23:47

      Hallo Sönke,

      ich picke mir mal zwei Fragen aus deinem Kommentar heraus:

      „Was mache ich mit dem Geld, das übrig bleibt?“

      Ich würde sagen: gut anlegen. Am Besten durch passives Investieren mit ETFs. 😉

      „Was soll man also machen, wenn man schon in jungen Jahren “Nichts” mehr braucht?“

      Mein Tipp: das Leben genießen und sich freuen, dass man auch ohne übertriebenen Materialismus glücklich sein kann. 🙂

  • dirk k aus w 22. Dezember 2014, 22:58

    Leider bin ich erst jetzt auf Deinen Blog und auf diesen Beitrag gestoßen. Sehr gut geschrieben und viele der Themen sprechen mir aus der Seele. Als gelernter Bankkaufmann, der einige Jahre versucht hat, die Thematik auf anständige Art selbständig zu betreiben kann ich da Vieles nachvollziehen.

    Zu PMS: Da unsere seelige Bundesregierung in vorauseilendem Gehorsam noch keine Impfaktion gestartet hat, habe ich keine Angst, daß aus PMS eine Pandemie werden könnte. Und ehrlich gesagt, kenne ich nicht so viele Leute, die davon befallen sind.

    Ich frage mich schon viele Jahre lang, ob ich Dinge wirklich brauche. Eine Zeit lang blieb mir mal nichts anderes übrig, da ging monatlich ein netter Betrag an den Treuhänder
    der meine Privatinsolvenz betreut hat. Aber auch die Jahre davor und jetzt auch danach wieder hält sich dieser Virus hartnäckig.

    Einen Punkt möchte ich noch loswerden: viele Betroffene wollen sich ja nicht dem Konsum vollständig verweigern, sondern leiden sicherlich nach dem Motto: wer billig kauft, kauft zweimal. Wenn es die Dinge noch in ordentlicher Qualität und für den eigentlichen Zweck geeignet zu kaufen gäbe, dürfte manches auch gerne mehr kosten. Ich erfreue mich an Dingen, die ich mir wohl bedacht ausgesucht (!) habe und um die ich mir in diesem Leben keine Gedanken mehr machen brauche.

    In diesem Sinne: Frohe Weihnachten

    ich wollte gar nicht so viel schreiben, vielleicht sollte ich doch mal über einen Blog nachdenken…..

  • madel 11. Januar 2015, 20:38

    Schön geschrieben, und so wahr!

    Seit einigen Jahren schon macht es mir einfach keinen Spaß mehr, Dinge jedweder Art zu kaufen. Dabei hat mich das doch früher regelrecht befriedigt, für irgendetwas Geld ausgeben zu können?? Heute denke ich fast immer, Neee, brauch ich eigentlich gar nicht… dabei bin ich doch noch keine 30! Und meinen Freund stecke ich auch langsam an. Wenn der sich etwas (meiner Meinung nach unnötiges) kauft, frag ich immer ganz entsetzt „waaaaaas? schon wieder neue xy???“ Auf Dauer sorgt das zumindest für ein schlechtes Gewissen, wenn nicht gar zu einer Überdenkung der eigenen Konsumgewohnheiten 😉

    Seit einer Zeit im Studium, wo ich wirklich auf jeglichen Konsum verzichten musste (und verfügbare Euros zu allem Übel auch noch in Fahrstunden umrechnen musste 😉 ), ist mir klar geworden, dass es mir durch den „Verzicht“ nicht schlechter, sondern besser geht! Es ist so schön, sich nichts kaufen zu müssen / zu wollen, während andere sich mit der neuesten Technik und einer Vielzahl an Klamotten ausrüsten. Und dabei gar nicht merken, wie gefangen sie sind.

    Werbung finde ich ziemlich spannend, weil es mich beeindruckt, was sich die Leute da manchmal einfallen lassen (im positiven und negativen Sinne). Mit besonders auffälligen Spots diskutiere ich dann auch gerne Mal 🙂

    In diesem Sinne, hier auch noch mal Danke für die vielen anderen Artikel, die mein Interesse geweckt haben, meine finanziellen Angelegenheiten endlich mal richtig in die Hand zu nehmen!

  • Bubgebube 10. Dezember 2015, 18:51

    Der Mensch gewöhnt sich an alles. Erst tut es etwas weh, wenn 100 Euro auf die Seite gelegt werden, die nicht in den Kosum fließen. Nach einer gewissen Zeit fallen die zurückgelegten 100 oder auch mal 200 Euro nicht mehr auf. Wichtig ist es dass man nicht übertreibt. Geizen auf Teufel komm`raus bringt auch keine Lebensfreude. Somit bin ich ein Feind des Handels. An mir verdient kaum noch jemand etwas. Ich kaufe wenn ich etwas benötige und nicht wenn die Werbung es verlangt.
    Leider gibt es ein Problem das in der Zukunft liegt. Wenn man jahrelang sparsam gelegt hat, kann man im Rentenalter plötzlich den Spieß umgekehren? Das Leben ist auf den jahrenlangen Konsumverzicht eingestellt. Über seinen eigenen Schatten zu springen wird schwer sein….

  • Doris 6. Februar 2016, 19:26

    Hoppla! Die Krankheit hat mich auch befallen und ich will mich nicht heilen lassen. Die Folgen sind dramatisch. Es bleibt monatlich viel Geld übrig. Also werde ich meine Arbeitszeit verkürzen und im nächsten Sommer nachmittags im Garten in der Sonne sitzen. Es ist schon kurios. Die erste Krankheit, bei der es mir richtig gut geht.