Zehn Wege mit einer Immobilie unglücklich zu werden

Einer der reichsten Männer der Welt, Warren Buffett (84), nennt sein eher bescheidenes Haus in Omaha, Nebraska, gerne sein zweitbestes Investment.

Damit will er zum Ausdruck bringen, dass eine stabile Partnerschaft die wichtigste Grundlage für ein glückliches Leben ist.

Sie steht für Warren Buffett nämlich auf Platz 1 und ist damit sein bestes Investment. Sympathisch.

Ein Haus gilt zweifellos vielen Menschen als erstrebenswertes Ziel. Es verheißt Glück, Geborgenheit und Stabilität.

Nicht immer zurecht. Vielen Singles wie Paaren gelingt es, auf die eine oder andere Art, mit einer Immobilie unglücklich zu werden.

Die Immobilie als Weg ins Unglück? Schauen wir mal. Hier kommen zehn Wege, wie eine Immobilie privates Unglück nach sich ziehen kann. Kann – aber nicht muss.

Hinweis: Dies ist ein Gastartikel von Christian Thiel, der den Wunsch nach einer eigenen Immobilie aus Sicht eines Single- und Paarberaters analysiert.

Erster Weg: Immobilien machen Singles immobil

Wer Single ist und damit auf Partnersuche, der sollte flexibel sein. Gut möglich, dass der passende Partner 50 Kilometer entfernt wohnt (oder mehr) und dass das zukünftige Paar sich eine gemeinsame Bleibe suchen muss, will es eines Tages zusammenziehen.

Wie passt eine Immobilie da in die Lebensplanung? Schlecht. Denn wie der Name schon sagt: Eine Immobilie macht immobil und ist damit bei der Partnersuche eher ein Klotz am Bein.

Weil sie den Suchradius einengt und so die Zahl der Kandidatinnen oder Kandidaten für eine Partnerschaft deutlich reduziert.

Wenn du also Single bist, dann verschlechtert der Kauf einer Immobilie deine Chancen auf eine gute und stabile Partnerschaft.

Ein Trost für alle Hausbesitzer unter den Singles: Bist du bereit, zugunsten der Partnerschaft umzuziehen und ein gemeinsames Nest zu beziehen, erhöht das die Chancen bei der Suche.

Zweiter Weg: Weniger Zeit für die Liebe

Häufiger als Singles machen sich Paare mit einer Immobilie unglücklich. Ein junges Paar kommt in die Beratung. Es hat sich ein Haus gebaut und hat damit eine anstrengende Zeit hinter sich – nun steht es nur ein Jahr nach dem Einzug ins neue Haus kurz vor der Trennung.

Erstaunlich?

Nicht unbedingt. Als Berater sehe ich oft Paare, die das anstrengende Abenteuer eines Hausbaus hinter sich haben – und unglücklich sind.

Wie kann eine Immobilie seine Besitzer in so kurzer Zeit unglücklich machen?

In der Zeit des Hausbaus wird die Zuwendung zum Anderen drastisch beschnitten. Man hat keine Zeit füreinander – und keine Energie.

Der Partner oder die Partnerin wird vernachlässigt, es gibt kaum persönliche Gespräche und auch die Sexualität wird seltener. Die Zeit wird nun für anderes gebraucht.

Die Basis der Partnerschaft wird durch mangelnde Zuwendung zum anderen mit der Zeit brüchig.

Dritter Weg: Noch weniger Zeit mit Kindern

In aller Regel baut ein Paar, weil es Kinder hat. Es braucht mehr Platz. Und die Kinder sollen einen Garten haben und eine Buddelkiste dazu.

Kinder setzen das Zeitbudget eines Paares bereits ohne Immobilie unter Druck. Wann bleibt Zeit für Freunde? Wann Zeit für Sport? Wann Zeit für den Partner?

Junge Eltern sind deshalb ohnehin schon in einer schwierigen Lage und anfällig für Missstimmungen.

Kein Wunder: Leben sie doch mit maximalem Stress. Erhöht sich der Stress nun noch einmal durch das Projekt „Hausbau“, ist die Stimmung schnell gänzlich dahin. Es bleibt noch weniger Zeit.

Und das kann eine gut laufende Beziehung in Richtung Abgrund schieben. Weil die Liebe eines Paares nicht (noch) weniger Zeit füreinander verträgt.

Vierter Weg: Unrealistische Glückserwartungen

Oft folgen Paare bei ihrem Wunsch, ein Haus zu bauen, gesellschaftlichen Vorstellungen. Ein Haus zu bauen, gehört einfach dazu. Alle machen es.

Und angeblich macht es auch alle glücklich. Und so erwartet ein Paar Wunderdinge von dem Einzug ins neue Heim.

Doch was passiert dann wirklich? Nichts! Die Stimmung ist so wie zuvor. Oder die Stimmung ist nur für kurze Zeit gehoben und dann – so wie zuvor.

Aus der Forschung zu diesem Thema ergibt sich, dass Immobilien nicht dauerhaft glücklich machen. Wir gewöhnen uns schnell an die Vorteile der neuen Wohnlage. Das nennt die Wissenschaft „hedonistische Adaption“.

Dieses Phänomen trübt das Glück über ein neues Haus ebenso schnell, wie die Freude über einen Millionengewinn in der Lotterie oder eine Gehaltserhöhung. Man gewöhnt sich umgehend an das, was man hat.

Fünfter Weg: Geldknappheit

Ein Hausbau führt beinah immer zu Geldknappheit. Zwar wird im Vorfeld geplant und gerechnet, aber am Ende wirft in aller Regel irgendein unvorhergesehenes Ereignis den Plan über den Haufen.

Es entstehen zusätzliche Kosten.

Plötzlich muss gespart werden. Der lange nötige Erholungsurlaub fällt den Sparmaßnahmen zum Opfer, ebenso die heiß ersehnte neue Küche.

Was auch immer es im Einzelfall ist, was die Sparmaßnahmen erfordern – finanzielle Probleme setzen Paare zusätzlich unter Druck.

Sechster Weg: Negative Folgen im Alltag

Die meisten Menschen bedenken beim Bau eines Hauses nicht die negativen Folgen, die das für ihren Alltag haben kann. Das gekaufte Grundstück liegt weit außerhalb – weil Grundstücke dort günstiger sind. Längere Fahrtwege sind die Folge.

Das Ergebnis: Noch weniger Zeit. Für Freunde. Für Sport. Für Hobbys.

Die Stimmung in der Partnerschaft sinkt, weil ein man viele Dinge nicht mehr tut oder sie sich einfach nicht mehr leisten kann.

Siebter Weg: Zu viel Arbeit für beide

Eine nahezu unausweichliche Folge eines Immobilienkaufs lautet: Mehr Arbeit. Das betrifft zunächst einmal das Haus selber. Ein eigenes Haus macht immer mehr Arbeit, als ein gemietetes.

Um die Tilgung des Kredits zu ermöglichen, müssen Paare außerdem nach dem Kauf oft mehr arbeiten, als zuvor. Die Männer erhöhen ihren Einsatz im Beruf oder nehmen einen Job an, der mehr Einkommen bei deutlich längeren Arbeitszeiten verspricht.

Oder beide Partner erhöhen ihre Belastung über die Grenze des Erträglichen hinweg. Die Freizeit wird knapp und die Zeit für den Partner ebenso. Die Folge: wachsende Unzufriedenheit.

Achter Weg: Scheidung

Wer ein Haus baut, denkt, dass er darin bis ans Lebensende als glückliches Paar wohnen wird – genau so wie Warren Buffett und seine erste Frau Susann, die 2004 starb. Die beiden waren 52 Jahre lang verheiratet.

Bis das der Tod uns scheidet.

Leider ist die Hoffnung von Paaren auf ewiges Glück in vielen Fällen eine Illusion. Die Hälfte aller Ehen wird irgendwann geschieden.

Das ist für alle eine schwere Zeit, für beide Partner und für die Kinder. Eine gemeinsame Immobilie macht die Trennung noch schwieriger und seelisch belastender.

Denn ein Haus stellt Paare im Trennungsfall vor sehr schwierige Fragen. Sie lauten: Wer bekommt das Haus? Kann einer alleine es überhaupt bezahlen? Muss das Haus verkauft werden?

Oft muss die Immobilie für deutlich weniger verkauft werden, als sie einmal gekostet hat. Und so bleiben im Scheidungsfall häufig Schulden, die von beiden Partnern getragen werden müssen.

Kaum ein Paar kalkuliert derartig negative Entwicklungen ein. Immobilien gelten den meisten Menschen als eine ausgesprochen sichere Geldanlage.

Dabei schwanken sie stark im Wert und garantieren auch auf lange Sicht keinen Gewinn. In manchen Gegenden Deutschlands sinken die Immobilienpreise schon seit über 20 Jahren.

Dieses Phänomen betrifft vor allem ländliche Gegenden fern von Ballungsräumen, die sich nach und nach entvölkern.

Neunter Weg: Die Harmoniefalle

Paare mit Kindern haben in aller Regel den festen Wunsch zusammenzubleiben. Das ist zunächst einmal kein Problem. Wer wollte da schon dagegen sein!

Die Frage ist aber: Wie?

Viele Paare nutzen dazu einen problematischen Weg. Sie gehen Konflikten in der Partnerschaft aus dem Weg – der Harmonie zuliebe. Und genau das ist gefährlich.

Denn Paare, die Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg gehen, sind einige Jahre später mit einer höheren Wahrscheinlichkeit getrennt, als Paare, die Konflikte offen austragen.

Welche Wirkung hat eine Immobilie auf die Bereitschaft von Paaren, sich offen auseinanderzusetzen?

In vielen Fällen entwickelt sie sich negativ. Das Bedürfnis nach Harmonie ist nach dem Hausbau noch größer als zuvor. Und so gefährdet das gemeinsame Haus paradoxerweise das Fundament der Ehe.

Zehnter Weg: Verzicht im Alter

Eine Immobilie kann ein Paar alle seine Ersparnisse kosten. Ist das Paar schon im Rentenalter, dann hat es in Zukunft keine Möglichkeit mehr, auf seinen Besitz zurückzugreifen, es sei denn, es verkauft sein Zuhause.

Und wer will das schon.

Viele Paare geraten in ernsthafte finanzielle Engpässe oder müssen den Gürtel enger schnallen, wenn sie sich im Alter noch den Traum vom eigenen Heim verwirklichen. Es bleibt weniger Geld für all die angenehmen Seiten des Lebens.

So trägt die Immobilie dazu bei, dass seine Besitzer nach dem Kauf weniger glücklich sind, als zuvor. Sie überschätzen den langfristigen Einfluss der Immobilie auf ihr Zufriedenheitsgefühl.

Und sie unterschätzen die hohen emotionalen Kosten, die der Verzicht auf Konzertbesuche nach sich zieht (zu teuer!), die reduzierten Urlaubspläne (zu teuer!), das früher so gewohnte Essen gehen (zu teuer!) und die selteneren Besuche bei entfernten Freunden (zu teuer!).

Erst nachdenken, dann kaufen

Welchen grundsätzlichen Fehler machen Menschen, wenn es um Immobilien geht? Sie setzen den Glücksfaktor für den Besitz eines Hauses oder einer Wohnung schlicht zu hoch an. Und sie kümmern sich zu wenig um die emotionalen Kosten.

Wichtiger als die Grundsteinlegung fürs eigene Heim ist, für einen festen Grund für die eigene Partnerschaft zu sorgen.

Dazu gehört, dass du genug Zeit für deinen Partner oder deine Partnerin hast. Für das Gespräch. Und für eine lebendige Sexualität.

Außerdem sollten du alle Kosten berücksichtigen, die eine Immobilie nach sich zieht, auch die Kosten für deine Zufriedenheit, wenn du durch einen Hauskauf mehr arbeiten musst als bislang und weniger Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens hast.

Die Freude an dem schönen Haus lässt mit der Zeit stark nach. Die Kosten aber bleiben. Ebenso wie der lange Fahrtweg zur Arbeit, das Rasenmähen im Sommer, das Laubkehren im Herbst und das Schneeschippen im Winter.

Laubkehren und Schneeschippen statt Zeit für Sexualität – in meinen Augen die schlechteste Entscheidung, die du treffen kannst.

Wie sagte Warren Buffett: Der Kauf seines Hauses war die zweitbeste Investition seines Lebens. Die erste sollte immer unsere Partnerschaft sein.

In sie zu „investieren“ ist wichtiger, als alles andere.

 

Christian ThielGastautor Christian Thiel ist Single- & Paarberater.
 
Mit seinem Buch über Liebesirrtümer “Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben” (*) stand er über zehn Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste.
 
Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Berlin. In einer Mietwohnung.
 

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

  • Marco 14. Mai 2015, 11:40

    Toller Artikel. Danke für’s Öffnen der Augen.

  • Melanie Mittermaier 14. Mai 2015, 11:59

    Lieber Christian, lieber Holger,

    toller Beitrag! Danke! Ich habe ein Leben lang beobachtet (bei meinen Eltern) wie eine Immobilie Freiheit und den finanziellen Spielraum einschränkt.
    Deshalb wohne ich mit meiner Familie in einem wunderschönen Haus – zur Miete. Wenn irgendwas kaputt ist, rufen wir unseren Vermieter an und der kümmert sich um alles. Das ist total toll.
    Darüber hinaus haben wir Ziele, die wir ohne Immobilie deutlich leichter erreichen werden.
    Ich bin Mitglied an einem Mädels-Stammtisch mit 15 Mädels und ich bin die einzige, die kein eigenes Haus hat. Das hat man halt so (am oberbayerischen Land sowieso). Und manche unglückliche Ehepaare trennen sich nicht – wegen der Kinder UND wegen einem Haus. Für mich ist das eine verrückte Welt.

    Herzlichst
    Melanie

  • Gregor on Tour 14. Mai 2015, 12:46

    Wo ich Christian recht geben muss, ist das ein Haus bindet, vor allem an einem Ort.

    Deswegen sollte – nein muss (!) – der Hauskauf extrem gut überlegt sein. Und vor allem nur ein Haus kaufen, welches man sich trotz und vorhersehbarer Probleme leisten kann. Es gibt immer mal teuere Dinge, die kaputt gehen können und teuer in der Neuanschaffung sind.

    Kommt es zu finanziellen Problemen ist man im eigenen Haus unglücklich … bah, wer will das schon?

    Dennoch: Was gibt es Schöneres, wenn Kinder im eigenen Haus lärmen und trampeln können wie sie lustig sind. Das hat auch einen Wert und erspart Ärger mit den Nachbarn in Mietshäusern.

  • Finanzkoch 14. Mai 2015, 13:19

    Das Thema Immobilie mal von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Danke dafür:)

  • Alex 14. Mai 2015, 13:54

    So langsam wird’s aber langweilig… Ja, ich habe mittlerweile begriffen, dass jeder der eine Immobilie kauft – und dann viellleicht um Himmels Willen auch noch selbst nutzt (das ist ja dann die Dummheit des Lebens) – einen Fehler begeht und nicht weiß was er tut.

    Auch wenn das entgegen des Mainstreams hier ist: Wir haben in 2004 ein Haus gebaut, fühlen uns sehr wohl darin und genießen die Lebensqualität, die damit verbunden ist.
    Und nein, wir haben uns nicht bis ans Lebensende verschuldet, sondern zahlen derzeit 500€/Monat und werden – so nichts Unerwartetes passiert – in 2018 schuldenfrei sein (trotz 100%-Finanzierung) – dann bin ich 44 Jahre alt. Ich finde den Gedanken schön, mich danach finanziell nur im die laufenden Kosten und die Instandsetzung kümmern zu müssen. Welche Attraktivität darin innewohnt, die nächsten Jahrzehnte einem Vermieter Miete zu zahlen, um ihm zu helfen, seinen Kredit abzubezahlen, erschließt sich mir nicht.
    Und nein, ich fahre keine zwei Stunden zur Arbeit, sondern brauche unter 40 Minuten mit dem Fahrrad.
    Und nein, wir ernähren uns nicht nur von trocken Brot und Wasser.
    Und nein, wir sind nicht gezwungen, jeden Urlaub zu Hause zu verbringen. Wir können sogar in den Urlaub fahren, in den wir möchten.
    Und nein, wir sind nicht pleite, sondern haben am Monatsende noch Geld übrig.
    Und wir haben tatsächlich Zeit für die Kinder – denn wir haben das Haus gebaut, bevor unsere Kinder geboren wurden.

    Ironie und Sarkasmus beiseite… Für mich bedeutet das eigene Haus mit Grundstück ein hohes Maß an Lebensqualität, die Kinder finden es toll, einfach die Terrasse aufzumachen und in ihrem Spielparadies zu sein und ich finde es toll, mir keine Gedanken zu machen, was mein Vermieter dazu sagen könnte, wenn ich irgendwas im Garten oder Haus umgestalte. Und ich weiß jeden Tag, wenn ich die Terrassentür aufmache und mich am Garten erfreue, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

    Der Punkt ist aus meiner Sicht eher, dass man – wie bei allen Dingen im Leben – die Entscheidung für den Kauf einer Immobilie vorher gut durchdenken muss. Man muss sich genau fragen, was man in seinem Leben will, muss sich genau überlegen, welches Finanzierungsvolumen tragbar ist und sich bewusst sein, welche Einschränkungen dies möglicherweise nach sich zieht. Und man muss natürlich so realistisch bleiben und wissen, dass es immer Umstände geben kann, die es nötig machen, die Lebensplanung zu ändern.

    Wer im Unterschied dazu allerdings nach der Devise agiert “Ich mach’ mal und gucke dann, was passiert und wie’s mir mit der Enscheidung geht”, der wird natürlich nicht glücklich werden. Das gilt für den Immobilienkauf wie für jede andere Entscheidung im Leben auch. Der Unterschied ist nur, dass ein leichtfertig auf Konsumentenkredit gekaufter Ultra HD-Fernseher zwar finanziell schmerzt, aber irgendwann in überschaubarer Zeit finanziell vearbeitet ist. Beim Kauf oder Bau einer Immobilie, möglicherweise in einer Lage, die einen Verkauf kaum möglich macht, hingegen spürt man die negativen Folgen einer nicht durchdachten Entscheidung noch Jahre oder Jahrzehnte später.

    Deshalb gilt hier wie überall bei Entscheidungen mit größerer Tragweite: Erst nachdenken und dann handeln.

    • Dorf 15. Mai 2015, 05:58

      Ich schliesse mich mit damit ein, der Autor des Artikels kam mir armselig vor, einer der sich scheut, sich ein Herausförderung zu stellen. Einer, der nicht am Strand fahren will, weil es vllt. Regnen könnte. Aber so oder so. Ich möchte auch im Alter Stress-free u. Zu Miete in ein Großstadt wohnen, frage mich aber ernsthaft, wie attraktiv bin ich dann als Mieter ohne Job (trotz meines beachtliches Depots ) in manch’ umkämpfte Wohnungsmärkte? Bin ich dann gezwungen, eine Wohnung zu kaufen? Was meinen Sie

    • Paul 16. Mai 2015, 13:13

      Ähnlich wie der Gedanke von “Dorf” ist es mir auch ergangen.

      In der Großstadt Köln wollte ich einen Penthousewohnung mieten. Da ich nicht nur “nicht feste” sondern keinerlei Einkünfte nachweisen konnte, bekam ich die Wohnung nicht.
      Das ich gerade mein Unternehmen verkauft hatte und dem Vermieter anstatt 3-Monate-Mietkaution anbot, ihm 3 oder 5 JAHRE Kaution oder Mietvorauszahlung zu zahlen, interessiert ihn überhaupt nicht.

      Aber bereits 25 km entfernt von Köln ist es als Vermieter nicht möglich überhaupt eine Kaution zu verlangen. Da lachen einen Mietinteressenten aus, wenn man nach einer Kaution von 300,- € fragt.

    • Mitleser 21. Mai 2015, 10:30

      Alex, Du schreibst: “Wir haben in 2004 ein Haus gebaut, fühlen uns sehr wohl darin und genießen die Lebensqualität, die damit verbunden ist.
      Und nein, wir haben uns nicht bis ans Lebensende verschuldet, sondern zahlen derzeit 500€/Monat und werden – so nichts Unerwartetes passiert – in 2018 schuldenfrei sein (trotz 100%-Finanzierung)”

      Da drängt sich mir die Frage auf, was das für eine Bruchbude sein muss, wenn diese lediglich 84.000 € Euro kostet?! (500 € x 12 Monate x 14 Jahre, bei 100% Finanzierung).

    • Alex 21. Mai 2015, 14:56

      Zunächst: Die Rechnung (12 x 14 x 500 EUR) passt so nicht, da die die Ratenhöhe Zins und Tilgung beinhaltet. Entsprechend ist nur ein Teil davon wirklich die Tilgung.

      Du hast natürlich recht, dass man mit 84.000 EUR nicht sonderlich weit kommt. Wir haben zum Ende der Zinsbindung in 2013 das Darlehen prolongiert und zu dem Zeitpunkt schon sehr viel Schulden abgetragen, mit zuvor natürlich deutlich höheren Raten und Sondertilgungen. Die 500 EUR, die jetzt monatlich “übrig” bleiben, sind entsprechend ein kleinerer Teil dessen, was wir vorher bezahlt haben.

      Auch auf die Gefahr hin mit Kommentaren nach dem Motto “Milchmädchenrechnung” und “Am Ende zahlt Ihr sowieso drauf” konfrontiert zu werden: Wir haben dann insgesamt 10 Jahre viel an Kreditraten gezahlt, 5 Jahre eher wenig und die übrigen Jahrzehnte gar keine mehr (entweder, weil wir dort wohnen bleiben oder weil wir aus irgendwelchen Gründen verkaufen und uns etwas Neues kaufen oder weil wir aus irgendwelchen Gründen vermieten oder woanders kaufen oder mieten). Und ich weiß, dass es natürlich viel besser ist und gewesen wäre, bis an sein Lebensende die Immobilienfinanzierung eines Vermieters abzubezahlen – Kommentare in die Richtung sind daher nicht nötig…

    • Peter 23. Mai 2015, 14:50

      Spannendes Thema von verschiedenen Seite beleuchtet…
      Ich wohne auch im selbstgebauten Haus und habe meine Kinder im eigenen Haus & Hof spielen und aufwachsen sehen. Was gibt es schöneres?
      Lieben Gruß

  • Ex-Studentin 14. Mai 2015, 18:49

    An sich rate ich Freunden von überstürzten Immobilienkäufen ab, halte generell aber viel vom “Betongold”, wenn die Umstände passen. Wichtig ist es, sich nicht zu sehr an eine Immobilie zu ketten. D.h. Haus mit Kindern schön und gut, aber man sollte auch bereit sein, wieder in was Kleineres zu ziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Ob ich mich daran in ein paar Jahrzehnten selber dran halte, weiß ich natürlich nicht. Habe es aber zumindest vor. Wer zur Miete wohnt, hat vielleicht mehr Geld am Ende des Lebens übrig, aber das geht schnell für Altersheim und Pflege drauf, während Immobilien oft erhalten bleiben und auch noch von den Erben genutzt werden können. Aber vielleicht kommt nun bald die Zeit, wo man z.B. auch ETFs, Aktien & Co. vererbt. Für mich steht nur fest, dass ich meinen Kindern, die es hoffentlich mal geben wird, mehr als Fotos hinterlassen möchte. Denn ich muss gestehen, dass ich manchmal Leute beneide, die sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen, weil sie z.B. in das alte Haus von Oma ziehen können oder von den Eltern vorzeitig das Haus überschrieben bekommen und Ähnliches. Aber wie gesagt, kommt auf die Umstände an. Derzeit wohne ich auch lieber zur Miete, weil man so beruflich, finanziell und privat flexibler ist. Aber man ist auch eingeschränkt: Unsere Wände sind weiß geblieben, damit wir im Falle eines Auszuges nicht nochmal streichen oder gar tapezieren müssen, bei jeder Delle im Laminat habe ich Angst, dass uns das mal von der Kaution abgezogen wird. Eine maßgeschneiderte Küche oder Möbel würde ich auch keinem Mieter empfehlen.

  • Claudius 15. Mai 2015, 08:50

    Als Ich anfing den Artikel zu lesen und die ersten Argumente las, wollte Ich noch dagegen argumentieren. Doch als Ich am Ende des Artikels angelangt war dachte Ich mir nur: “Puh … Da ist ja doch so einiges dran. Vielleicht sollte Ich das nochmal überdenken.”
    Ein sehr sehr guter Artikel, der mir wirklich die Augen geöffnet hat. Bitte mehr davon.
    Gruß,

    Claudius

  • Hartmut Schwentzen 15. Mai 2015, 12:13

    Kleine Ergänzung: Buffett lebte die letzten Jahre getrennt von seiner Frau. Susan Buffett (mit einem “n”) zog nach Kalifornien, nicht ohne vorher noch für eine würdige Nachfolge zu sorgen. Meines Wissens fand Sie eine Frau für Warren Buffett im eigenen Unternehmen und führte beide zusammen.

    Eine Scheidung hätte übrigens Berkshire Hathaway vor erhebliche Probleme gestellt.

  • GDL 15. Mai 2015, 17:19

    Die oben genannten 10 Wege ins Unglück haben nur mittelbar etwas mit dem Kauf einer Immobilie zu tun. Solche Fehltritte wurzeln in der jeweiligen mentalen Voraussetzung der angesprochenen Person und können grob gesagt jede weitere Anlageklasse betreffen. Ich finde nicht, dass der Immobilienkauf per se solche Fehler provoziert, sondern die angesprochene Person in jenen 10 gezeigten Fällen schlicht überfordert ist, aber das wäre sie auch- wie gesagt – bei solch einer mentalen Voraussetzung bei jeder anderen Entscheidung des Lebens, wo es über das Maß des alltäglichen Nachdenkens hinaus geht.

  • Patrick 16. Mai 2015, 09:35

    Leider kann ich die “schlimmen” Erfahrungen und großen Gefahren, die hier genannten werden nicht teilen. Vielleicht ist mein Heimatort – Frankfurt am Main – nicht repräsentativ, wobei ich bisher dachte, dass die deutschen Großstädte sich da sehr ähneln.

    Ich habe als Anfang 40er nun das große Glück zwei abbezahlte Immobilien zu besitzen. Meine erste Wohnung im Frankfurter-Westend habe ich als Single mit Teilfinanzierung (oh je, oh je) vor 15 Jahren für etwas unter umgerechnet 300.000 Euro erworben. Ein für mich damals unvorstellbar hoher Betrag gerade als Berufsanfänger mit etwas Eigenkapital. Heute ist die Wohnung 1,1 Mio. Euro wert und zwischenzeitlich abbezahlt. Monatliche Mieteinnahme 2.800 Euro. Irgendwas sagt mir, dass es zwar damals ein Risiko war, aber vielleicht doch nicht die blödeste Idee meines Lebens.

    Diese Miete können und wollen wir uns übrigens als Kleinfamilie nicht leisten. Unsere selbstgenutzte Immobilie ist ebenfalls bereits abbezahlt, da meine Frau zusätzliches EK eingebracht hat und wir eigentlich immer im Monat mehr übrig haben (zur Sondertilgung) als wir ausgeben wollen/müssen.

    Ich bin hier sicherlich nur eine Ausnahme und wäre bestimmt viel besser dran gewesen mit ETFs.

  • Michael 16. Mai 2015, 15:30

    Ach Leute,

    seid ihr so schwache Persönlichkeiten, das ihr euch immer gleich angegriffen/angesprochen fühlen müßt, wenn eine bestimmte Richtung nicht eurem Ideal des Lebens entspricht ;)?

    Das eine Immobilie in den meisten Fällen mehr Risiken/Nachteile mit sich bringt als die Beteiligung an einem Unternehmen in Form von z.B. ETFs liegt doch auf der Hand. Alleine schon die Immobilität ist für mich keine schöne Idee, dazu je nach Lebenssituation die lange Bindung durch einen Kredit, die Willkür des Staates mit neuen Vorschriften, ..

    Michael

  • GAFIB 17. Mai 2015, 14:50

    Der Artikel spricht zweifellos wichtige Wahrheiten an, die Kommentare zur erhöhten Lebensqualität bei Immobilienbesitz tun es ebenfalls.
    Beim Thema “Immobilien” wird es hochemotional, aber kommt darauf an, was man will: “Beeindrucken” und “sich wohlfühlen” kann man eher mit Immobilienbesitz, den kann man quasi “spüren”. Ein – noch so großes – Depot hingegen bleibt “blass”. Auch wenn offensichtlich ist, dass Warren Buffet keine 100.000 Häuser hat, sondern “nur” ein großes Depot. Wer mit vergleichbar gutem Grundwissen an ein Aktieninvestment herangeht wie an ein Immobilieninvestment, wird eindeutig belohnt: Aktien rentieren deutlich höher als Immobilien (ca. Faktor zwei) – was kein Zufall ist, denn Renditetreiber sind schlicht die Unternehmensgewinne von ca. 8-10% p.a. Glücksfälle mit Immo-Wertsteigerungen zählen nicht, denn die kann man – sogar noch deutlicher – haben mit einzelnen Unternehmensbeteiligungen. Es zählt nur der Vergleich der Anlageklassen – und der spricht eindeutig für ein langfristiges und global gestreutes Aktieninvestment.

  • Sebastian 17. Mai 2015, 23:19

    Grundsätzlich gibt es, wie fast immer im Leben, zwei Seiten der Medaille. Eine Immobilie hat Vor- und Nachteile. Gerade die Immobilie als Eigenheim würde ich als persönlichen Luxus bezeichnen. Denn aus wirtschaftlichen Aspekten ist dies sicherlich nicht die beste Lösung. Dem gegenüber stehen natürlich Faktoren wie Sicherheit, Wohlfühlfaktor oder Freiheit.
    Zum Autor kann ich nur sagen, das Gartenarbeit und das Werkeln am eigenen Haus nicht immer nur “Arbeit” sein muss, sondern auch Freude bereiten kann. Und darunter nicht zwangsläufig die Partnerschaft leiden muss. Auch das Gegenteil kann sein, nämlich, dass das gemeinsame Eigenheim noch mehr zusammen führt.

  • Buster 20. Mai 2015, 20:28

    Das scheint wohl eine recht emotionale Sache zu sein. Dabei ist es eigentlich recht einfach – mache ich das optimale aus meinem Geld oder leiste ich mir einen gewissen Luxus. Eine eigene Immobilie (auch wenn die Kinder noch so lieb im Garten spielen) ist meistens Luxus. Ist wie mit Essen – gesund oder schmackhaft. Manchmal ist beides moeglich, aber meistens eher nicht.

    Ein eigens Haus mit Freiheit und Sicherheit gleichzusetzen erscheint mir fragwürdig. Was passiert wenn man den Job verliert und den Kredit, die Erhaltung, die laufenden Kosten oder Steuern nicht mehr zahlen kann? In Zeiten wie diesen auch zu bedenken. Vermögenssteuern auf Immobilien sind für den Staat recht schmerzlos: Es gibt schon ein Register, das Kapital ist gefangen, die Besteuerung führt zu keinen großen Verzerrungen.

    Sich selber die Welt schön reden hilft auch nix. Wo soll denn die tolle Rendite herkommen? Aja – Wohnraum wird knapp und die Preise koennen nur steigen. Genau.

    • Hartmut Schwensen 21. Mai 2015, 09:43

      – Es gibt einen Rechner der Stiftung Warentest zum Thema Mieten oder Kaufen. https://www.test.de/Immobilien-Kaufen-oder-Mieten-1159353-0/ – gegebenenfalls etwas veraltet, aber zum Rumspielen geeignet
      – Ansonsten empfehle ich auch dringend: “Kaufen Oder Mieten?: Wie Sie Für Sich Die Richtige Entscheidung Treffen von Gerd Kommer – Über viele Jahrhunderte hat sich durch Vergleich in diversen Ländern wenig mehr als ein Inflationsausgleich errechnen lassen. Mein Fazit war hier ganz eindeutig, als Anlageobjekt nicht geeignet, schon gar nicht bei Selbstnutzung. Letztendlich trifft man eine Lebensstilentscheidung, die man sehr bewusst trennen sollte von Renditegesichtspunkten
      – Apropos: Es ist müßig, mit Leuten im Bekanntenkreis darüber zu diskutieren. Es kommen immer die gleichen Argumente, die auch sonst auf der Strasse hört. Erspart Euch die Mühe, über Rendite zu reden. Das ist vergebene Liebesmüh und tötet die Stimmung. Auch hier gilt wieder die alte Buffett Regel “Sei gierig, wenn andere ängstlich sind und sei ängstlich, wenn andere gierig sind.” Momentan sollte man bei Immobilien sehr ängstlich sein, wenn schon die Marktfrauen über Wohnungskäufe als Anlage diskutieren.
      – Ach ja, wir 2012 wegen Eigenbedarfskündigung unser Haus in einer deutschen Großstadt kaufen “müssen” für ca. 20-22-fache Jahresmiete. Letztendlich haben wir uns Ruhe gekauft (Lebensstilentscheidung), da die Kinder ein paar Wochen später zur Schule mussten und ein Umzug kaum noch möglich war. Außerdem wohnten wir schon drin und sparten Makler und Umzug. Alternativen auf dem Markt waren eher schlimmer. Heute bin ich immer noch nicht sicher, ob es gut war, weil sich die Ansprüche ständig verändern. Vermutlich würden wir heute für ein paar Jahre ein viel größeres Haus mieten. Deswegen kann ich nur dringend den Tipp geben, niemals bei einem Vermieter einzuziehen, der nur ein Objekt hat. Die Gefahr der Kündigung ist zu groß und diese kommt immer zum falschen Zeitpunkt.

  • Phil 21. Mai 2015, 15:51

    Ich kann beide Seiten nachvollziehen. Was ich aber überhaupt nicht verstehe, ist die absolute fast schon Verteufelung einer Immobilie.

    Wir haben über die Familie z. B. 0 % finanziert und haben die Eigentumswohnung in einigen Jahren (einstellig) abgezahlt. Danm simd wir Ende 30. Will mir ernsthaft jemand erzählen, dass es einem mit insg. guten 3000 netto und lediglich 200 Euro Nebenkosten in einer selbst bewohnten Immobilie schlecht geht bzw. man einen großen Fehler begangen hat?!
    Nein danke, einen Fehler sehe ich nicht annähernd.

    • Hartmut Schwensen 21. Mai 2015, 18:01

      Also ich nehme die Diskussion hier als sehr wohltuend ausgewogen und sehr sachlich wahr. Aber so wie Sie rechnen, sind sie hier in diesem Forum nach meinem Verständnis komplett falsch. Man könnte es auch als Milchmädchenrechnung, ohne dass ich hier Milchmädchen zu nahe treten möchte, bezeichnen.

      Solange Sie nicht Alternativmieten, alternative Renditen und echte Kapitalkosten rechnen, ist es wenig hilfreich, mit Zahlen zu jonglieren:

      “Über die Familie zu 0% finanziert” – aha. Und Tanken tun Sie auch immer nur für 10 Euro? Also wirklich, Sie haben nie wirklich gerechnet. Erinnert mich an eine Freundin, die sich eine ETW nach zehn Minuten Besichtigung gekauft hat zur Vermietung und noch nicht mal grob das Baujahr wusste.

      Und wer Laufzeiten von 20 -30 Jahren mal mit Renditenunterschieden von ein paar Prozentpunkten durchspielt, wird merken, dass er sich gegebenenfalls eine sehr schöne, dem Alter entsprechende Wohnung oder ein Haus mieten könnte und immer noch eine Menge über bliebe.

      Freuen Sie sich über Ihre Entscheidung, aber wer so argumentiert, hat wird in der Tat nie erfahren, ob er “einen Fehler” gemacht hat. Muss ja auch nicht sein. Manchmal ist das ja sehr beruhigend.

  • Robert Kraxner 21. Mai 2015, 17:45

    Lieber Christian,

    ein sehr spannender Artikel. Ich bin 23 und habe mir schon oft die Frage gestellt, warum sich Menschen (vorschnell) an ein Haus / Immobilie binden.

    Mittlerweile führe ich das auf Unbewusstheit bzw. unbewusste Konditionierungen zurück. Es wurde uns gesagt, dass es “dazu gehört” irgendwann eine eigene Immobilie zu besitzen und sich an einem fixen Ort niederzulassen.

    Persönlich bin ich der Meinung, dass eine Immobilie an Freiheit kostet.

    Aus meiner Sicht (die eines 23 jährigen) erachte ich es für mich als sinnvoll, einen Immobilien-Kauf nicht vorschnell zu tätigen. Ich denke, dass wir diese veraltete Ansicht, dass es eine eigene Immobilie sein muss, verabschieden sollten.

    Es kann schließlich auch gemietet werden!

    DANKE
    Alles Liebe
    Robert

  • Georg Lohrer 26. Mai 2015, 11:56

    Gut dass der Autor schrieb: “Hier kommen zehn Wege, wie eine Immobilie privates Unglück nach sich ziehen kann. Kann – aber nicht muss.”

    Also Konjunktiv. Ansonsten hätte man ihm Schwarzseherei unterstellen können. So aber wird eine Warnung daraus. Eine die man ernst nehmen sollte. Ich gebe dem Autor in den ersten sieben Punkten unumwunden recht. Habe ich so erlebt.

    Dann hat es sich aber anders entwickelt. Ist also gut gegangen. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass sowohl meine Frau, als auch ich, äußerst heftig selbst mit zulangten, ziemlich ausdauernd und auch ziemlich stressresistent sind.

    Wir wohnen heute im dritten Haus, das wir diesmal, im Gegensatz zu den ersten beiden, weder selbst gebaut noch selbst saniert haben. Immobilien sind immer so immobil, wie es der Inhaber ist.

    Allerdings kann man sich dabei auch mächtig ein Bein stellen. So wie im Beitrag angeklungen ist ein Verkauf immer dann mit Verlust verbunden, wenn die Preise und damit der Marktwert gefallen sind. Und dann geht die Kalkulation so richtig nach hinten los.

    Um das zu vermeiden, muß man unbedingt, und gerade bei der selbst genutzten Immobilie auf drei Dinge achten: “Lage, Lage, Lage”. Was nützt mir das ach so billige Baugrundstück in Kleinpimpelsdorf, wo schon heute niemand hin will. Wenn ich das mal verkaufen wollte, finde ich noch nicht einmal Käufer.

    Wir haben dies immer berücksichtigt und lieber mehr Geld in die Hand genommen (oder gar keines), bevor wir zugegriffen haben. Das hat oft bedeutet zu warten, zu recherchieren und alles bereit zu haben. Also mit dem Banker gesprochen zu haben, die Finanzierung schon fix und fertig in der Tasche zu haben über einen bestimmten Betrag. Dann kann man sehr schnell zuschlagen.

    Ich mag das oftmals vorgetragene Eigentümer- oder Nicht-Eigentümer-bashing nicht. Die einzelnen Schwerpunkte, die einzelnen Entscheidungswerte, sind meistens sehr unterschiedlich.

    Dem einen seine mobile Freiheit, ist dem anderen sein Hobbygarten. Oder der eine will tolle und oft auch teure Urlaube machen, der andere geht’s etwas sparsamer an, verwirklicht aber seinen Traum vom vermieterunabhängigen Wohnen.

    Da gibt’s kein generelles Besser oder Schlechter. Nur ein passend oder unpassend. Und das hängt von der jeweils individuellen Situation, den eigenen Wünschen und Werten, dem Eigenkapital und oft auch von einem Quentchen Glück ab.

    Ciao, Georg

  • Capri 27. Mai 2015, 10:01

    Was ich durchaus noch erwähnenswert finde, ist die Tatsache, dass für ein Hauskauf und Hausbau an sich viel Zeit drauf geht. Wer nicht in eine Falle tappen möchte, muss viel Freizeit investieren um soviel Wissen aufzubauen, das der Kauf/Bau intelligent angegangen werden kann.

    Wenn ich dann überlege, dass ich diese Zeit auch in Weiterbildung stecken kann, die mir garantiert ein besseres Einkommen beschert…. . Dieser Verlust ist nicht einholbar.

    Aber gut, hier kommt es auf persönliche Präferenzen an.

    Grüße

  • Daniela 9. Juni 2015, 10:56

    Der Autor hat ja grundsätzlich recht. Mir fiel allerdings auf, dass sich der Artikel ausschließlich auf Argumente im Zusammenhang mit Partnerschaft/Ehe/Single/Familie bezieht. Also nur in Verbindung mit dem Familienstatus. Gibt es nicht noch andere, beziehungsunabhängige Möglichkeiten, sich mit einer Immobilie unglücklich zu machen? (Etwa Selbstüberschätzung durch zu hohe Kreditbelastung ohne Überlegung, wie sicher mein Job eigentlich ist, etc).

    Ich habe mir vor 2 Jahren mein Haus gekauft (als Single), habe gute Kreditkonditionen (Miete käme mich teurer) und einen nach menschlichem Ermessen gesicherten Job. Und bin rundum glücklich, wenn ich in meiner Freizeit im Garten werkeln oder im Haus verschönern kann 🙂

  • Patently Absurd 23. August 2015, 13:17

    @Daniela:

    Vieles aus diesem interessanten Artikel von Christian Thiel lässt sich sicherlich auf den Immobilienkauf für andere Zwecke übertragen, insbesondere auch die nicht-selbstgenutzte Immobilie als Anlageklasse, aber auch die Immobilie, die sich ein Single für die Eigenutzung kauft.

    Ob ein Immobilienkauf persönlich sinnvoll ist, hängt allerdings von allen Umständen des Einzelfalls ab, insbesondere auch vom Kaufpreis, der Lage und Größe des Objekts, vom Kaufszweck und den sonstigen Konditionen (Eigenkapitallage etc.).

    Die allgemeine Problematik, die in dem Beitrag angesprochen wird, trifft den Nagel allerdings in erstaunlich vielen Fällen auf den Kopf.

  • Axel Walldorf 26. August 2015, 17:08

    Wie bei allem, was man tut, gibt es natürlich auch hier Hürden, die man überspringen muss. Mit realistischer Einschätzung und guter Vorbereitung geht das alles ein bisschen leichter…
    Viele Grüße

  • Dieter 10. Mai 2016, 13:14

    Hallo,
    erst einmal danke für den wirklich tollen Blog und die vielen gelungenen Beiträge. Keine Ahnung ob das hier noch jemand liest, da lange kein Eintrag mehr erfolgt ist. Ich versuche es dennoch. Ich bin seit einigen Jahren immer wieder am Überlegen, ob es sich für mich lohnt eine Immobilie zu kaufen oder nicht. Es ist mir klar, dass es hier zwei “Philosophien” gibt und dass es genau so wenig Sinn macht Anhänger der einen von der anderen zu überzeugen, wie politische Extremisten “umzupolen”.
    Ich selbst sehe auf beiden Seiten Vor- und Nachteile. Das Hauptargument für mich, warum ich mir noch keine Immobilie gekauft habe, ist die Flexibilität und persönliche Freiheit. Mir widerstrebt der Gedanke einen Kredit aufnehmen zu müssen und dann von einer Bank abhängig zu sein.
    Ich habe auch schon viel gelesen und kenne auch die Hauptkritiker bzgl. Eigenheim (Kommer, Hörhan…) und kann auch all deren Argumente nachvollziehen. Was ich mir allerdings denken ist, dass meist davon ausgegangen wird, dass man eine Immobilie kauft oder stattdessen das Geld in ein Wertpapierdepot investiert. Aber da hinkt der Vergleich für mich ein wenig. Denn wenn ich Miete zahlen muss, dann steht mir das Geld ja auch nicht für ein Investment zur Verfügung, sondern ist dann in der Tasche des Vermieters, also für mich schlicht und einfach weg. Wenn man eine Immobilie kauft, kann man hingegen mit genau dem Geld, das sonst in die Miete fließt, seinen Kredit abbezahlen. Klar verdient da die Bank eine nicht unbeträchtliche Summe, aber über die Jahre gerechnet ist das dann nicht so viel, wie ich z.B. 30-40 Jahre lang an den Vermieter abgebe. Und im Fall der Immobilie hat man am Ende dann diese im Besitz, auch wenn der Wert durch den Gebrauch stark gemindert wird, aber immerhin. Oder übersehe ich da was?
    Vlt. noch kurz zu mir: ich bin 41 (leider erst spät im Thema Vermögensbildung aktiv geworden) und lebe in einer Partnerschaft, aber in 2 getrennten Wohnungen. D.h. ich würde die Immobilie (Stadtwohnung, kein Haus am Land!) alleine kaufen, wäre also auch nicht vom Thema Scheidung o.ä. betroffen. Außerdem hätte ich doch auch einiges an Eigenkapital bereits angespart. In meinem Fall, so denke ich, wäre die Immobilie tatsächlich eine Investition.
    Vom Gefühl her gefällt mir die Idee flexibel zu sein allerdings viel besser. Wenn mir mein Job nicht mehr gefällt, dann schmeiß ich ihn hin und keine Bank kann mich daran hindern. Mit meinen Ersparnissen könnte ich ohne weiteres 2-3 Jahre auch ohne Job leben, und genau dieses Gefühl ist für mich ein Stück Freiheit.
    So, sorry für den ewig langen Post. Wollte mir das mal von der Seele schreiben und vlt. gibt es ja noch die ein oder andere Antwort dazu?!
    Liebe Grüße!

    • Holger Grethe 10. Mai 2016, 21:45

      Hallo Dieter,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      “Denn wenn ich Miete zahlen muss, dann steht mir das Geld ja auch nicht für ein Investment zur Verfügung, sondern ist dann in der Tasche des Vermieters, also für mich schlicht und einfach weg. Wenn man eine Immobilie kauft, kann man hingegen mit genau dem Geld, das sonst in die Miete fließt, seinen Kredit abbezahlen.”

      Weil mir dieses Missverständnis immer wieder begegnet, schreibe ich noch einmal einen ausführlichen Artikel dazu. Kommt demnächst …

    • Dieter 11. Mai 2016, 17:49

      Hallo Holger,

      danke für die rasche Antwort! Freu mich auf den Artikel und bin sehr gespannt!

      LG

  • Selmi 7. Oktober 2016, 03:39

    mh, ich habe durch einen glücklichen Blick ins Internet meine Eigentumswohnung bekommen- ich suchte eine Wohnung und wollte wie immer mieten und in genau diesem Wohnblock schon immer mal gerne wohnen- die gefundene 2ZKB-Wohnung war allerdings nur zu verkaufen…lag direkt an der Straßenbahn und 10 min mit dem Rad von der Arbeit
    entfernt.
    Meine Bank hatte nichts dagegen mich zu finanzieren und ich hatte damals knapp 1700E netto…entschied mich für relativ hohe Raten (770 ,-) und die Wohnung ist nun abbezahlt. Nun kam ich auf die spleenige Idee mir ein älteres Haus zu kaufen und ich muß nicht auf dem neuesten Stand leben (finde Holzofen zB ganz gemütlich und man ist im gegensatz zur Gastherme unabhängig von Strom, man weiß ja nie was so politisch/global noch kommt), es reizt mich im Grünen zu leben, gerne auf dem Land…dies sind Gedanken, die mich aber bei Durchführung wieder an die Bank binden, weswegen ich meine Wohnung (auch schon älteres Baujahr, ruhige Eigentümergemeinschaft, aber jeder lebt für sich) dann verkaufen würde um wieder Eigenkapital haben zu können.
    Der Hauptgrund den ich gegen einen solchen Kauf habe ist wirklich der Verlust an persönlicher Freiheit, daher schlage ich hier mal Lesern vor, die etwas “im Grünen” möchten, sich ein Gartengrundstück zu kaufen oder zu pachten. Ich persönlich bin eh viel in der natur unterwegs und brauche auch das nicht…
    wer eine nette Gemeinschaft sucht und noch den Service, dass WC und Dusche immer geputzt werden könnte sich auch einen Campingplatz mieten, der Wagen, Vorzelt etc kämen viel günstiger als ein Haus und sind mobil woanders hin mitzunehmen, wenn man der Liebe oder des Jobs wegen umziehen möchte…

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