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Haus gekauft – Zehn Wege mit einer Immobilie unglücklich zu werden

Autor
Holger Grethe
Letzte Aktualisierung

Warren Buffett (84), einer der erfolgreichsten Investoren der Welt, hat vor langer Zeit ein Haus gekauft.

Er nennt es gerne sein zweitbestes Investment.

Damit will er zum Ausdruck bringen, dass eine stabile Partnerschaft die wichtigste Grundlage für ein glückliches Leben ist.

Sie steht für Warren Buffett nämlich auf Platz 1 und ist damit sein bestes Investment. Sympathisch.

Ein Haus gilt zweifellos vielen Menschen als erstrebenswertes Ziel. Es verheißt Glück, Geborgenheit und Stabilität.

Nicht immer zurecht. Vielen Singles wie Paaren gelingt es, auf die eine oder andere Art, mit einer Immobilie unglücklich zu werden.

Die Immobilie als Weg ins Unglück? Schauen wir mal. Hier kommen zehn Wege, wie eine Immobilie privates Unglück nach sich ziehen kann. Kann – aber nicht muss.

Hinweis: Dies ist ein Gastartikel von Christian Thiel, der den Wunsch nach einer eigenen Immobilie aus Sicht eines Single- und Paarberaters analysiert.

Erster Weg: Immobilien machen Singles immobil

Wer Single ist und damit auf Partnersuche, der sollte flexibel sein. Gut möglich, dass der passende Partner 50 Kilometer entfernt wohnt (oder mehr) und dass das zukünftige Paar sich eine gemeinsame Bleibe suchen muss, will es eines Tages zusammenziehen.

Wie passt eine Immobilie da in die Lebensplanung? Schlecht. Denn wie der Name schon sagt: Eine Immobilie macht immobil und ist damit bei der Partnersuche eher ein Klotz am Bein.

Weil sie den Suchradius einengt und so die Zahl der Kandidatinnen oder Kandidaten für eine Partnerschaft deutlich reduziert.

Wenn du also Single bist, dann verschlechtert der Kauf einer Immobilie deine Chancen auf eine gute und stabile Partnerschaft.

Ein Trost für alle Hausbesitzer unter den Singles: Bist du bereit, zugunsten der Partnerschaft umzuziehen und ein gemeinsames Nest zu beziehen, erhöht das die Chancen bei der Suche.

Zweiter Weg: Weniger Zeit für die Liebe

Häufiger als Singles machen sich Paare mit einer Immobilie unglücklich. Ein junges Paar kommt in die Beratung. Es hat ein Haus gekauft beziehungsweise gebaut und hat damit eine anstrengende Zeit hinter sich – nun steht es nur ein Jahr nach dem Einzug ins neue Haus kurz vor der Trennung.

Erstaunlich?

Nicht unbedingt. Als Berater sehe ich oft Paare, die das anstrengende Abenteuer eines Hausbaus hinter sich haben – und unglücklich sind.

Wie kann eine Immobilie seine Besitzer in so kurzer Zeit unglücklich machen?

In der Zeit des Hausbaus wird die Zuwendung zum Anderen drastisch beschnitten. Man hat keine Zeit füreinander – und keine Energie.

Der Partner oder die Partnerin wird vernachlässigt, es gibt kaum persönliche Gespräche und auch die Sexualität wird seltener. Die Zeit wird nun für anderes gebraucht.

Die Basis der Partnerschaft wird durch mangelnde Zuwendung zum anderen mit der Zeit brüchig.

Dritter Weg: Noch weniger Zeit mit Kindern

In aller Regel baut ein Paar, weil es Kinder hat. Es braucht mehr Platz. Und die Kinder sollen einen Garten haben und eine Buddelkiste dazu.

Kinder setzen das Zeitbudget eines Paares bereits ohne Immobilie unter Druck. Wann bleibt Zeit für Freunde? Wann Zeit für Sport? Wann Zeit für den Partner?

Junge Eltern sind deshalb ohnehin schon in einer schwierigen Lage und anfällig für Missstimmungen.

Kein Wunder: Leben sie doch mit maximalem Stress. Erhöht sich der Stress nun noch einmal durch das Projekt „Hausbau“, ist die Stimmung schnell gänzlich dahin. Es bleibt noch weniger Zeit.

Und das kann eine gut laufende Beziehung in Richtung Abgrund schieben. Weil die Liebe eines Paares nicht (noch) weniger Zeit füreinander verträgt.

Vierter Weg: Unrealistische Glückserwartungen

Oft folgen Paare bei ihrem Wunsch, ein Haus zu bauen, gesellschaftlichen Vorstellungen. Ein Haus zu bauen, gehört einfach dazu. Alle machen es.

Und angeblich macht es auch alle glücklich. Und so erwartet ein Paar Wunderdinge von dem Einzug ins neue Heim.

Doch was passiert dann wirklich? Nichts! Die Stimmung ist so wie zuvor. Oder die Stimmung ist nur für kurze Zeit gehoben und dann – so wie zuvor.

Aus der Forschung zu diesem Thema ergibt sich, dass Immobilien nicht dauerhaft glücklich machen. Wir gewöhnen uns schnell an die Vorteile der neuen Wohnlage. Das nennt die Wissenschaft „hedonistische Adaption“.

Dieses Phänomen trübt das Glück über ein neues Haus ebenso schnell, wie die Freude über einen Millionengewinn in der Lotterie oder eine Gehaltserhöhung. Man gewöhnt sich umgehend an das, was man hat.

Fünfter Weg: Geldknappheit

Ein Hausbau führt beinah immer zu Geldknappheit. Zwar wird im Vorfeld geplant und gerechnet, aber am Ende wirft in aller Regel irgendein unvorhergesehenes Ereignis den Plan über den Haufen.

Es entstehen zusätzliche Kosten.

Plötzlich muss gespart werden. Der lange nötige Erholungsurlaub fällt den Sparmaßnahmen zum Opfer, ebenso die heiß ersehnte neue Küche.

Was auch immer es im Einzelfall ist, was die Sparmaßnahmen erfordern – finanzielle Probleme setzen Paare zusätzlich unter Druck.

Sechster Weg: Negative Folgen im Alltag

Die meisten Menschen bedenken beim Bau eines Hauses nicht die negativen Folgen, die das für ihren Alltag haben kann. Das gekaufte Grundstück liegt weit außerhalb – weil Grundstücke dort günstiger sind. Längere Fahrtwege sind die Folge.

Das Ergebnis: Noch weniger Zeit. Für Freunde. Für Sport. Für Hobbys.

Die Stimmung in der Partnerschaft sinkt, weil ein man viele Dinge nicht mehr tut oder sie sich einfach nicht mehr leisten kann.

Siebter Weg: Zu viel Arbeit für beide

Eine nahezu unausweichliche Folge eines Immobilienkaufs lautet: Mehr Arbeit. Das betrifft zunächst einmal das Haus selber. Ein eigenes Haus macht immer mehr Arbeit, als ein gemietetes.

Um die Tilgung des Kredits zu ermöglichen, müssen Paare außerdem nach dem Kauf oft mehr arbeiten, als zuvor. Die Männer erhöhen ihren Einsatz im Beruf oder nehmen einen Job an, der mehr Einkommen bei deutlich längeren Arbeitszeiten verspricht.

Oder beide Partner erhöhen ihre Belastung über die Grenze des Erträglichen hinweg. Die Freizeit wird knapp und die Zeit für den Partner ebenso. Die Folge: wachsende Unzufriedenheit.

Achter Weg: Scheidung

Wer ein Haus baut, denkt, dass er darin bis ans Lebensende als glückliches Paar wohnen wird – genau so wie Warren Buffett und seine erste Frau Susann, die 2004 starb. Die beiden waren 52 Jahre lang verheiratet.

Bis das der Tod uns scheidet.

Leider ist die Hoffnung von Paaren auf ewiges Glück in vielen Fällen eine Illusion. Die Hälfte aller Ehen wird irgendwann geschieden.

Das ist für alle eine schwere Zeit, für beide Partner und für die Kinder. Eine gemeinsame Immobilie macht die Trennung noch schwieriger und seelisch belastender.

Denn ein Haus stellt Paare im Trennungsfall vor sehr schwierige Fragen. Sie lauten: Wer bekommt das Haus? Kann einer alleine es überhaupt bezahlen? Muss das Haus verkauft werden?

Oft muss die Immobilie für deutlich weniger verkauft werden, als sie einmal gekostet hat. Und so bleiben im Scheidungsfall häufig Schulden, die von beiden Partnern getragen werden müssen.

Kaum ein Paar kalkuliert derartig negative Entwicklungen ein. Immobilien gelten den meisten Menschen als eine ausgesprochen sichere Geldanlage.

Dabei schwanken sie stark im Wert und garantieren auch auf lange Sicht keinen Gewinn. In manchen Gegenden Deutschlands sinken die Immobilienpreise schon seit über 20 Jahren.

Dieses Phänomen betrifft vor allem ländliche Gegenden fern von Ballungsräumen, die sich nach und nach entvölkern.

Neunter Weg: Die Harmoniefalle

Paare mit Kindern haben in aller Regel den festen Wunsch zusammenzubleiben. Das ist zunächst einmal kein Problem. Wer wollte da schon dagegen sein!

Die Frage ist aber: Wie?

Viele Paare nutzen dazu einen problematischen Weg. Sie gehen Konflikten in der Partnerschaft aus dem Weg – der Harmonie zuliebe. Und genau das ist gefährlich.

Denn Paare, die Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg gehen, sind einige Jahre später mit einer höheren Wahrscheinlichkeit getrennt, als Paare, die Konflikte offen austragen.

Welche Wirkung hat eine Immobilie auf die Bereitschaft von Paaren, sich offen auseinanderzusetzen?

In vielen Fällen entwickelt sie sich negativ. Das Bedürfnis nach Harmonie ist nach dem Hausbau noch größer als zuvor. Und so gefährdet das gemeinsame Haus paradoxerweise das Fundament der Ehe.

Zehnter Weg: Verzicht im Alter

Eine Immobilie kann ein Paar alle seine Ersparnisse kosten. Ist das Paar schon im Rentenalter, dann hat es in Zukunft keine Möglichkeit mehr, auf seinen Besitz zurückzugreifen, es sei denn, es verkauft sein Zuhause.

Und wer will das schon.

Viele Paare geraten in ernsthafte finanzielle Engpässe oder müssen den Gürtel enger schnallen, wenn sie sich im Alter noch den Traum vom eigenen Heim verwirklichen. Es bleibt weniger Geld für all die angenehmen Seiten des Lebens.

So trägt die Immobilie dazu bei, dass seine Besitzer nach dem Kauf weniger glücklich sind, als zuvor. Sie überschätzen den langfristigen Einfluss der Immobilie auf ihr Zufriedenheitsgefühl.

Und sie unterschätzen die hohen emotionalen Kosten, die der Verzicht auf Konzertbesuche nach sich zieht (zu teuer!), die reduzierten Urlaubspläne (zu teuer!), das früher so gewohnte Essen gehen (zu teuer!) und die selteneren Besuche bei entfernten Freunden (zu teuer!).

Haus gekauft – besser zuerst nachdenken

Welchen grundsätzlichen Fehler machen Menschen, wenn es um Immobilien geht? Sie setzen den Glücksfaktor für den Besitz eines Hauses oder einer Wohnung schlicht zu hoch an.

Und sie kümmern sich zu wenig um die emotionalen Kosten.

Wichtiger als die Grundsteinlegung fürs eigene Heim ist, für einen festen Grund für die eigene Partnerschaft zu sorgen.

Dazu gehört, dass du genug Zeit für deinen Partner oder deine Partnerin hast. Für das Gespräch. Und für eine lebendige Sexualität.

Außerdem sollten du alle Kosten berücksichtigen, die eine Immobilie nach sich zieht, auch die Kosten für deine Zufriedenheit, wenn du durch einen Hauskauf mehr arbeiten musst als bislang und weniger Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens hast.

Die Freude an dem schönen Haus lässt mit der Zeit stark nach. Die Kosten aber bleiben. Ebenso wie der lange Fahrtweg zur Arbeit, das Rasenmähen im Sommer, das Laubkehren im Herbst und das Schneeschippen im Winter.

Laubkehren und Schneeschippen statt Zeit für Sexualität – in meinen Augen die schlechteste Entscheidung, die du treffen kannst.

Wie sagte Warren Buffett: Der Kauf seines Hauses war die zweitbeste Investition seines Lebens. Die erste sollte immer unsere Partnerschaft sein.

In sie zu „investieren“ ist wichtiger, als alles andere.

Gastautor: Christian Thiel ist Single- & Paarberater.

Mit seinem Buch über Liebesirrtümer „Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben“ (*) stand er über zehn Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste.

Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Berlin. In einer Mietwohnung.

Autor: Holger Grethe
Holger hat Zendepot Anfang 2013 gegründet und dort als einer der ersten deutschen Blogger regelmäßig über passives Investieren mit ETFs und weitere Finanzthemen informiert. Im Juni 2021 beschloss Holger, das Projekt Zendepot für sich abzuschließen, um sich auf sein Kerngeschäft, die eigene Praxis, zu konzentrieren. Die Beiträge von Holger können jedoch weiterhin im Zendepot-Blog abgerufen werden.