Kennst du deinen maximalen Lebensstandard?

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Maximaler Lebensstandard … Was soll das denn bitte sein?

Es existieren zahlreiche Definitionen für den minimalen Lebensstandard, auch Existenzminimum genannt.

Aber zu welchem Zweck sollte man eine Obergrenze für den materiellen Wohlstand bestimmen?

Das Streben der Menschen nach einer stetigen Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ist schließlich das Schwungrad des Kapitalismus.

Dabei ist ein maximaler Lebensstandard die beste Grundlage für entspannte Vermögensbildung. Sparen tut nämlich gar nicht weh, sobald man es aus der richtigen Perspektive betrachtet …

Höher, schneller, weiter

Bis vor kurzem warb eine große Supermarktkette mit vier Buchstaben (vor rotem Hintergrund) mit dem Werbeslogan: „Jeden Tag ein bißchen besser!“

Dieses Versprechen hat mich immer irritiert.

Es gibt Erdbeeren in der Weihnachtszeit, Lebkuchen ab Ende August und mehr Joghurtsorten als ich zählen kann, während ich an der Kasse Schlange stehe.

Was soll hier noch „besser“ werden? Besser in welcher Hinsicht?

Ich will in diesem Artikel nicht auf den allseits gehypten „Bio-Nachhaltigkeits-Regionale Produkte“-Busch klopfen, mir geht es um etwas ganz anderes.

Kaufen für ein besseres Leben?

Der Grundgedanke, den die Industrie per ausgeklügeltem Marketing in unseren Köpfen verankert, ist dieser: mit jedem neuen Produkt, das auf den Markt kommt, lässt sich unser Leben ein Stück besser machen.

Und je hochwertiger (teurer) das Produkt, umso größer ist der positive Effekt, den es auf unser Leben nimmt. Ein Porsche macht glücklicher als ein Audi macht glücklicher als ein Opel.

Auch ich habe das lange Zeit geglaubt.

Und wenn man das glaubt, ergibt sich daraus ein weiterer logischer Gedanke: je mehr Geld ich habe, desto mehr tolle Dinge kann ich kaufen. Und je mehr tolle Dinge ich habe, desto besser wird mein Leben.

Konsequenterweise heißt das im Umkehrschluss: wenn ich Geld für morgen spare, muss ich dafür auf Dinge verzichten, die mein Leben heute besser machen.

Nach dieser Logik führe ich also freiwillig ein schlechteres Leben, wenn ich Geld zurücklege.

Schön doof.

Stell dir vor …

…du hättest ab dem nächsten Monat 1.000€ netto mehr zur Verfügung. Welcher Gedanke kommt dir ganz spontan in den Sinn?

A: endlich kann ich mir XYZ kaufen!

B: toll, ich kann 1.000€ mehr zurücklegen, ohne mich einschränken zu müssen.

Ganz ehrlich, woran hast du zuerst gedacht?

Sollte dir wirklich B in den Sinn gekommen sein: Glückwunsch, du hast ihn schon definiert, deinen maximalen Lebensstandard. Du scheinst zufrieden zu sein mit dem, was du hast und glaubst nicht daran, dass dich weitere materielle Dinge noch glücklicher machen.

Wenn du spontan an A gedacht hast …lies weiter!

Leben wie ein Student?

Es mag ungewöhnlich klingen, aber es macht absolut Sinn, sein materielles Existenzmaximum zu bestimmen. Es geht um die bewusste Entscheidung: bis hierhin, und nicht weiter.

Du solltest dich fragen:
Welches Netto-Einkommen reicht aus, um meine materiellen Bedüfnisse zu befriedigen? Um all die Dinge zu bezahlen, die ich heute notwendig brauche.

Je früher im Leben wir uns diese Frage stellen, desto niedriger wird das benötigte Netto-Einkommen sein. Denn der Trend kennt über die Jahre nur eine Richtung: nach oben.

Jede Steigerung des Einkommens verführt uns im Laufe der Zeit dazu, unseren Lebensstandard entsprechend anzupassen. Wir geben das Geld aus für eine größere Wohnung, für ein schickeres Auto, für bessere Klamotten, für einen teureren Urlaub und andere Annehmlichkeiten.

Dieser Prozess verläuft so schleichend und unbemerkt, dass man sich nur wenige Jahre nach dem Start ins Berufsleben fragt, wie man als Student mit so lächerlich wenig Geld auskommen konnte. Und dabei kurioserweise auch noch in dem Gefühl lebte, die beste Zeit seines Lebens zu haben.

Nach der erfolgreichen „Eingliederung ins Berufsleben“ will man dann plötzlich nicht mehr „leben wie ein Student“, man will sich etwas leisten können. Schnell wird aus Pizzaservice Trattoria, aus IKEA bulthaup und aus Muttis altem Astra ein Firmenwagen mit allen Extras.

Kein Wunder, denn die Referenzgruppe hat sich geändert. Es ist nicht mehr ein Haufen mittelloser Studenten, der nun die Maßstäbe setzt, sondern Kollegen, Freunde und Nachbarn mit all ihren materiellen Ansprüchen.

Dabei geben die Alten den Ton an und machen den Jungen vor, was es zu erreichen gilt: Doppelhaushälfte, Mittelklassewagen, 4-Sterne-Pauschalurlaub.

Muss man haben. Weil es alle haben.

Kleiner Fisch im großen Teich

Sich bewusst dazu entscheiden, den materiellen Wohlstand anderer Leute nicht als Maßstab zu nehmen, erfordert schon ein gewisses Rückgrat. Man könnte auch sagen: ein dickes Fell.

Es ist der Nachbar, der mitleidig schaut, wenn du ein Auto vor seinem Haus parkst, das gute 10 Jahre auf dem Buckel und noch mehr Kratzer im Lack hat.

Es sind die Kollegen, die dich bedauern, dass du auch dieses Jahr „nur“ nach Holland fährst und Sandburgen baust, anstatt zum Tauchen auf die Malediven zu fliegen.

Es sind deine Freunde, die nicht verstehen, warum du immer noch zur Miete wohnst, obwohl du dir bei deinem Gehalt doch „was Eigenes“ leisten könntest, beziehungsweise den notwendigen Kredit dafür.

Sie bedauern und belächeln dich, selbst wenn du mit dem, was du hast, völlig zufrieden bist.

Mit einem maximalen Lebensstandard bekommst du allerdings etwas, was all denen, die deine materielle Bescheidenheit missverstehen, abgeht: finanzielle Unabhängigkeit, innere Ruhe und Zufriedenheit.

Wenn du entscheidest, dass dir hier und jetzt nichts fehlt, dann fehlt dir auch das Geld nicht, dass du jeden Monat über hast, um es auf die Seite zu packen.

Und je mehr Geld du verdienst, desto mehr kannst du sparen, ohne dass du auf etwas Wichtiges verzichten müsstest.

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Um Missverständnissen vorzubeugen

Mit all dem ist nicht gemeint, dass…

  1. es schlecht ist, viel Geld zu verdienen.
  2. ich das Studentenleben mit seinen materiellen Beschränkungen glorifiziere.
  3. ich den Anspruch, die eigenen Lebensumstände zu verbessern, grundsätzlich in Frage stelle.

1. Ein hohes Einkommen ist nicht das Problem

Zum Problem können immer nur unsere Ansprüche werden, die aus einem hohen Einkommen resultieren. Nicht das Einkommen selbst. Mehr Geld macht zwar nicht automatisch glücklich, aber das ist ein anderes Thema.

2. Betrifft nicht nur Studenten

Man muss nicht Student gewesen sein, um das Phänomen der wachsenden Ansprüche nachvollziehen zu können. Die gesellschaftliche Konditionierung hinsichtlich Traumhaus, Traumauto, Traumurlaub etc. geift vermutlich in Ausbildungsberufen noch viel früher.

Es geht auch nicht darum, sein ganzes Leben „wie ein Student“ zu verbringen, sondern bewusst wahrzunehmen, wie sich die eigenen materiellen Ansprüche im Laufe der Zeit verändern.

3. Qualität statt Quantität

Ob minimaler oder maximaler Lebensstandard: beide machen sich an materiellen Dingen fest.

Einen maximalen Lebensstandard hinsichtlich materieller Dinge zu definieren, heißt nicht, dass unsere Lebensqualität nicht weiter positiv zu beeinflussen wäre. Wir könnten zum Beispiel mehr Zeit mit den Dingen verbringen, die uns etwas bedeuten.

Ich habe 2012 mein Arbeitspensum als Freiberufler bewusst reduziert, um nochmal ein wenig zu studieren. Nicht an irgendeiner Uni. Und nichts, was mit meinem Arztberuf auch nur annähernd zu tun gehabt hätte.

Ich habe in diesem Jahr einfach im Selbststudium rund 100 Sachbücher gelesen, die mich wirklich interessiert haben. Das Themenspektrum reichte von Philosophie über Psychologie bis hin zu Politik, Finanzen, Persönlichkeitsentwicklung, Marketing, Businessliteratur, Webdesign und anderem mehr.

Das Ergebnis: diese Website und damit auch der Text, den du gerade liest. Ich könnte und würde nicht so schreiben, wie ich es tue, wenn ich dieses Investment in meine Bildung nicht getätigt hätte.

Und obwohl sich Texte, Podcasts und Co nicht von selbst erledigen, hat die Arbeit an zendepot bisher sehr zu einer Verbesserung meiner Lebensqualität beigetragen.

Ich kann sagen: es ging mir noch nie so gut wie heute.

Und dass, obwohl ich ein altes Auto fahre, zur Miete wohne und noch immer nicht auf den Malediven war.

So ein Pech aber auch. 😉

 
Hast du dir schon einmal Gedanken über deinen maximalen Lebensstandard gemacht? Lass es mich wissen, ich freue mich auf deinen Kommentar.

Bildquelle: „Stop All Way“ von Peter Kaminski (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

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Comments on this entry are closed.

  • Hanspeter 5. Dezember 2013, 09:58

    Gratuliere zu diesem tollen Artikel, der so wunderschön in die Weihnachtszeit passt. Ich werde mir diese Gedanken in meine Jahreszieleplanung einfliessen lassen.

  • Martin 5. Dezember 2013, 10:11

    Hallo Holger, ein toller Artikel!

    Für mich sind deine Gedanken zum diesem Thema die heimlichen Highlights deiner Blogging-Aktivitäten. Objektiv kann ich wohl sagen, dass ich ganz unbewusst in ähnlicher Weise gelebt und priorisiert habe. Heißt: Nicht mitgemacht, wenn plötzlich alle einen Kaffevollautomat für 800 EUR zuhause hatten, denn Filterkaffe in meiner 39 EUR Maschine schmeckt immer noch am besten. (ca. 2 Tage mehr Freizeit) Belächelt, wenn sich die Nachbarn alle 2 Jahre einen Neuwagen vor die Tür gestellt haben, denn selbst wenn ich in meinen Polo pro Jahr mal 500 EUR für Reperaturen stecke so ist das immer noch viel billiger als zwei Monatsraten für den X5 von nebenan (Ca. 2 Wochen mehr Freizeit).

    Einen kleinen Unterschied sehe ich aber doch: Für mich ist gibt es auch einen maximalen „Sparstandard“. Das ist in der Prognose etwas mehr, als dass es später für die Studienfinanzierung der Kinder reicht und mir und meiner Familie einen gesunden Ruhestand ermöglichen wird. Der Rest aus den Ersparnissen aus einem konstantem und gemäßigtem Konsumverhalten geht in folgende Position: MEHR ZEIT!

    In sofern wundere ich mich immer über die Frage von Kollegen, Freunden oder Nachbarn: Wie schaffst du das mit einer 4 Tage Woche zu überleben, oder warum hast du so viel Zeit um Kartoffeln zu pflanzen, Hühner zu halten, Arbeiten am Haus selbst zu machen, mit den Kindern in den Wald zu gehen?

    Die Antwort darauf steht in deinem Artikel.

    Daher bitte: mehr davon …

    • Holger Grethe 5. Dezember 2013, 20:22

      Hallo Martin,

      danke für die Blumen! 🙂

      Was den maximalen „Sparstandard“ angeht, kann ich dir nur zustimmen. Wie bei allem kann man es auch hier übertreiben.

      Wenn man einmal seine finanziellen Ziele bestimmt hat und weiß, wie hoch Sparquote und Rendite ungefähr sein müssen, um diese Ziele zu erreichen, kann man jeden weitere Überschuss in freie Zeit umwandeln. Mache ich genauso…

    • Turing 8. Januar 2014, 16:30

      Als Student wurde ich von einem Bekannten gefragt, wie ich es denn schaffe, zu überleben, bei so wenig Geld. Ich hatte ca. 350 € regelmäßiges Einkommen (Halbwaisenrente + Kindergeld), ich hatte aber auch zeitweise als Hiwi an der Uni gearbeitet. Ich antwortete: „Ich rauche nicht, ich trinke nicht.“ – Die zwei Laster stellvertretend für allerhand anderes unnützes Zeug. Ich habe so viele Sachen nicht, die andere für selbstverständlich halten: Flachbildfernseher, neueste Musikanlage, Laptop, Tablet, Smartphone, Kaffeekapselsystem usw.

      Andererseits leiste ich mir manchmal richtig guten Kaffee (den von Illy), der auch richtig teuer ist. Ich nutze die Bialetti-Kanne, denn von Vollautomaten halte ich nichts. Die sind teuer in der Anschaffung, nehmen Platz weg, die Reinigung beansprucht viel Zeit und der Kaffee schmeckt mir nicht wirklich gut. Wir haben so einen Automaten in der Firma. Filterkaffee ist im Vergleich dazu lecker. Einen echten Espresso bekommen die meisten Vollautomaten sowieso nicht hin. Ich trinke außerdem sehr viel Tee und schon als Student verschmähte ich den Teebeuteltee. Ich kaufe fast nur noch losen Tee der höchsten Qualitätsstufe bei einem Teehändler, bei dem ich jährlich ca. 80 € für Tee hinterlasse. Guter Tee und guter Kaffee sind mir wichtig.

      Ich weiß ja nicht, was kommt. Ich hätte gerne Familie und dann brauche in 10 Jahren richtig Geld, um konsumieren und um es reinvestieren zu können. Ich kenne eine Familie, die haben eine fünfjährige Tochter. Ich mache mir richtig Sorgen, wenn ich mir deren Lebensstil anschaue. Natürlich arbeiten beide, aber wenn einer arbeitslos wird, wird’s eng. Die fliegen mit ihrer Tochter auch schon nach Florida… Was hat das Mädel davon? Das Mädel kann doch die Ostsee nicht vom Golf von Mexiko unterscheiden; ich würde das Geld sparen und in 12 Jahren einen Schüleraustausch finanzieren. Das Kind hat auch sehr viele Spielsachen, gefahren wird ein nagelneuer BMW („gekauft“, kurz bevor das Kind kam, oder besser gesagt: geleast), sie sind computertechnisch sehr gut ausgerüstet (besser als ich, dabei bin ich Informatiker), haben Smartphones, einen riesigen Flachbildfernseher, sie wohnen in einer der teuersten Städte Deutschlands (weil sie dort arbeiten) und dürften zusammen ca. 3500 € netto nach Hause bringen. Sie sind keine Akademiker, d.h. das Potential für Karriere und Gehaltssteigerungen ist dann doch eher gering. Er hatte auch schon mal einen Zweitjob annehmen müssen, als sie noch in der Babypause war. Das ist natürlich traurig, wenn man als Vater in dieser Phase nicht viel von seinem Nachwuchs mitbekommt. Schon alleine deshalb sollte man als junger Mann sparen, nicht dass man sich kaputtrackern muss, weil die Frau nicht arbeiten kann, weil sie einen Säugling verpflegen muss.

      Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sachschäden am Auto sind an sich schon schlimm genug, aber bei diesem engen Budget wird die Belastung potentiert, denn das Auftreten eines Problems führt zwangsläufig zum Geldproblem und das führt dann häufig zum Ende der Ehe.

      Wenn ich meinen Lebenshaltungskosten mit 1000 € monatlich beziffere ich und ich 60000 € auf der hohen Kante habe, weiß ich, dass ich damit dann 60 Monate durchhalten könnte, ohne Berücksichtigung von Arbeitslosengeld. Und das gibt mir ein unglaubliches Gefühl der Gelassenheit, das ich nicht mehr missen will. Ich bin ja mittlerweile bei knapp 90000 € allein in Aktien.

  • zentrader 5. Dezember 2013, 10:34

    Danke Holger.

    Einfach ein toller Artikel! Hoffe sehr, dass er auch von all Deinen schon jetzt vorhandenen Lesern „geteilt“ und weiterverschickt wird, so dass noch mehr
    Deine so inspirierenden Artikel lesen können…

    Er paßt besonders, aber nicht nur in die Weihnachtszeit- er paßt eigentlich immer.

    @Martin +1 🙂

    • Holger Grethe 5. Dezember 2013, 20:23

      Danke, zentrader! Sagen wir so: der Zeitpunkt für die Veröffentlichung ist nicht ganz zufällig gewählt. 😉 Das trifft auch auf den Artikel zu, der nächste Woche erscheinen wird…

  • Markus KM 5. Dezember 2013, 11:07

    Gratulation Holger,

    deine Postings immer wieder zu lesen, motiviert immer wieder auf’s neue in die Richtung etwas zu unternehmen, steter Tropfen höhlt den Stein 🙂
    In diesem Sinne danke für die wiederkehrenden Inspirationen!
    Markus

    • Holger Grethe 5. Dezember 2013, 20:24

      Danke, Markus! Freut mich immer zu hören, wenn meine Texte etwas bewegen.

  • rwsub 5. Dezember 2013, 14:07

    Stimme den Kommentatoren zu, ein wirklich sehr gut gelungener Beitrag in dem sehr viel Wahrheit und Weisheit steckt.

    Je mehr man zu Verfügung hat, desto mehr möchte man sich auch leisten. Daher wächst der Konsum von Jahr zu Jahr immer weiter. Und die meisten denken darüber nicht mal mehr nach.

    Einige wenige aber halten inne, reflektieren, sammeln Wissen und Fähigkeiten und beschließen das Leben zu ändern. Nach dem Motto, weniger ist mehr. Weniger zu haben kann auch entlasten. Man ist zum Teil flexibler und weniger auf manche Dinge angewiesen.

    Ich sehe das Problem bei vielen, dass Sie sich bewusst oder unbewusst mit anderen Vergleichen. Der Nachbar hat ein neues Auto also muss ich mir demnächst auch eine neue Karre anschaffen. Argumente finden sich schnell um den Kauf zu rechtfertigen obwohl es keinen guten Grund dazu gibt.

    Das Alte Auto bringt einem auch noch sicher von A nach B und hält noch seine 8 Jahre durch. Aber nein, man vergleicht.

    Man gönnt den anderen auch nichts und man ist Neidisch und will auch das haben was die anderen haben. Haben wollen unbewusst oder bewusst und die wichtigen Dinge im Lebe werden dabei vergessen bzw. geraten aus dem Blickfeld.

    Zum Teil liegt das Problem aber auch darin das wir Manipuliert werden. Werbung verspricht uns wenn wir das Kaufen oder das Besitzen geht es uns gut.

    Und so dreht sich das Hamsterrad immer schneller, weiter, höher…

    Danke für den Beitrag und für das Teilen der Gedanken.

    Gruß
    rwsub

    • Holger Grethe 6. Dezember 2013, 14:03

      Vielen Dank für deinen Kommentar, der leider versehentlich im Spam-Ordner gelandet ist. Neid ist ein gutes Stichwort, denn auch Neid kann man sich mit einem maximalen Lebensstandard entledigen.

  • Glitzerschimmer 6. Dezember 2013, 00:05

    Dem kann ich nur beipflichteten … wobei ich jetzt den „Druck“ von Nachbarn, Freunden und Kollegen nicht habe … letztere sind z.B. recht bescheiden und eher immateriell eingestellt, wobei man als Informatiker schon schaut, dass man ein ordentliche Notebook und Smartphone hat …

    Da schätzt man aber mehr den technischen Wert als den Status, welchen es vermeintlich mit sich bringt … das mag in der Marketing-, Vertriebs- oder Managementabteilung durchaus anders sein … ich für meine Teil möchte gar nicht in eine Gegend wohnen, wo die Nachbarn irgendwie nur die Nase rümpfen … basta!

    • Holger Grethe 6. Dezember 2013, 14:06

      Ich gestehe, ich habe auch verhältnismäßig viel Geld für Apfelprodukte ausgegeben, denn ein zuverlässig funktionierender Rechner ist schon was Feines. 😉

  • Micha 6. Dezember 2013, 14:59

    Super wichtiger Artikel!

    Ich bin der Meinung, dass wir unseren selbst definierten Lebensstandard statt am Geld, viel mehr am Glücksfaktor bemessen dürfen. Wenn der Kollege zu Besuch kommt und dich für deinen alten Röhrenmonitor bemitleidet, dann kannst du ihm deine Sicht der Dinge erklären, die so ganz anders ist als seine.

    Ich sehe viel Potenzial darin, seine eigenen Prioritäten zu setzen und selbst zu bestimmen, was „geil an meinem Leben“ ist. Vielleicht ist es nicht das Auto, das Haus, der Urlaub oder die Technik. Vielleicht aber mehr, was du mit deinen vorhandenen Dingen anstellst!

    Eine Staffelei, auf der du dich kreativ ausdrückst. Ein altes Keyboard, auf dem du klassische Stücke spielst. Ein Sessel mit Leselampe, in dem du in andere Welten eintauchst und dich weiter bildest.

    Genauso wie eine teure Küche kein leckeres Essen für dich kochen kann, so kann ein wohlhabendes Leben nicht von selbst für ein geiles, glückliches Leben führen.

    Danke für den Artikel! Hammer!

    • Holger Grethe 6. Dezember 2013, 20:58

      Hi Micha,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Es stimmt, Wohlstand ist nicht gleichbedeutend mit Glück. Das ist ja das Verrückte: wir haben alles und sind trotzdem nicht zufrieden…

  • Rene 6. Dezember 2013, 15:05

    Hallo Holger,

    vorab vielen Dank für Deine tolle Arbeit hier. Ich habe Deinen Blog gestern gefunden und versuche mich langsam „durch zu arbeiten“. Gern würde ich meine Gedanken zu diesem Artikel teilen und zur Diskussion stellen.

    Zuerst fand ich den Artikel sehr treffend und ich fühlte mich bestätigt. Meine Gedanke beim lesen war, JA genau so muss man das Ziel der Finanziellen Freiheit angehen. Beim hinterfragen: „mach ich es aber auch wirklich so, oder habe ich es bisher so gelebt“?

    Stellte ich schnell fest, dass ich immer beides haben wollte. Was ich kritisch sehe, dass das Streben nach Luxus oft als kontra Indikator und die dahinter stehenden Menschen negativ beurteilt werden. Viel wichtiger als der Verzicht ist das Bewusstsein in welchen Verhältnissen man lebt und wie viel kann ich ausgeben.

    Wenn ich mein Big Picture kenne, kann ich zum Beispiel Deine Frage mit A+B Beantworten.

    Für mich heisst mehr Geld immer mehr Luxus UND eine höhere Sparquote! Warum sollte ich einen Schritt zurückgehen um zwei vor zu gehen, wenn man die Möglichkeit bekommt einen Schritt nach dem anderen zu machen?

    Für alle diejenigen die immer nur auf der Stelle treten oder sogar Rückwärtslaufen empfiehlt sich dieser Artikel und sollte jeden Abend mindestens einmal gelesen werden. Für die anderen freue ich mich auf einen „weiterführenden“ Artikel.

    Beste Grüße
    Rene

    • Holger Grethe 6. Dezember 2013, 21:10

      Hallo Rene,

      vielen Dank für deine weiterführenden Gedanken.

      Wie immer bei solchen komplexen Themen/Problemen gilt: die reine Lehre gibt es nicht bzw. sie kann es nicht geben. Das Streben nach Luxus sehe ich nicht grundsätzlich als verwerflich an. Es kommt ganz drauf an, wie man Luxus definiert und welche Opfer er verlangt.

      Ein Anwalt einer Großkanzlei mag sich ein Auto mit 500 PS und Urlaube in 5-Sterne-Ressorts leisten können. Wenn dieser Luxus aber mit einer 70h-Arbeitswoche erkauft wird, frage ich mich, ob hier das Gesamtkonzept wirklich stimmig ist?

      Mit freier Zeit kann ich als „Luxusbegriff“ viel eher etwas anfangen.

      Es spricht auch überhaupt nichts gegen dein Vorgehen, mehr Einkommen zu gleichen Teilen in Vorsorge und Konsum zu stecken. Entscheidend ist, und du hast es ja auch genannt, dass man bewusst entscheidet.

  • Covacoro 6. Dezember 2013, 21:39

    Sehr schöner Artikel und er paßt auf so vieles im Kleinen wie im Großen.
    Ich habe witzigerweise zuerst an die Arte-Doku „Heilen und Fasten“ gedacht (kann man auf Youtube noch ansehen), wo es darum geht, seinem Körper durch bewußten Kalorienverzicht etwas gutes zu tun … und erst letzte Woche war in der WiWo dazu ein Artikel. Ansonsten schließe ich mich den Vorrednern an.

  • Marco Beba 10. Dezember 2013, 15:51

    Hallo Holger, das ist der erste Artikel, den ich von dir lese, und ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Super Beitrag!

    Zwei kleine Anmerkungen:
    1. Der Slogan der großen Lebensmittelkette mag vielleicht in diesem Zusammenhang zu „konsumorientiert“ sein, ich halte ihn aber dennoch für ein gutes Konzept. Das Ziel in unserem Leben kann doch nicht Stillstand sein, sondern eher ständige persönliche Verbesserung (die nicht unbedingt monetär sein muss).
    2. Die Idee mit den 100 Fachbüchern finde ich genial!!! Durch Lesen und Selbststudium kann man sich so viel Wissen aneignen, das sollten viel mehr Leute machen.

    • Holger Grethe 10. Dezember 2013, 23:27

      Hallo Marco,

      vielen Dank für dein Lob und deine Anmerkungen!

      Ich bin auch für Persönlichkeitsentwicklung und kann der Idee, „sich zu verbessern“ grundsätzlich ja etwas abgewinnen. Stillstand ist sicher nicht erstrebenswert, aber ab und zu vielleicht einmal „Stille“. Also der Genuss des Moments ohne den Anspruch, immer noch besser werden zu wollen…

  • Michael 4. Januar 2014, 17:37

    Danke Holger für den schönen Beitrag,

    mir gefallen grad die Hintergründe wie du an ein Thema gehst.
    Das mit den Minimalismus ist bei mir auch ein wichtiges Thema und ich sehe das grad mit den Schulden, das etwas sich ändern muss.

    Habe grad eine 117 qm Wohnung und es ist schön zu leben, grad weil ich lieber Studiere als TV zu sehen, wie meine Frau.
    Dazu die Bibliothek, die auch ihren Platz brauch in ihren Büro.
    Deswegen geht es jetzt darum mich zu verkleinern, welche Bücher kann ich über Ebooks bekommen und wo kann ich die Sachen aus den Büro hinräumen?
    Unser Auto mussten wir damals leasen, immerhin war es mit 5,5 Prozent billiger als ein Kredit mit 13 Prozent in der Schweiz.
    Es ist ein großes Komplexes Thema, was auch zu deinen anderen Blogthema mit den „keine Lust mehr was zu kaufen“ geht.
    Habe gemerkt das ich vieles überhaupt nicht mehr will und denn Zorn der Familie auf mich ziehe, da Karriere und Wohlstand nur noch hohle Phrasen sind.
    Das Lebensglück ist viel wichtiger geworden und ich sehe jetzt was günstig.
    Dies weder billig oder Luxus, sondern genau was für mein Empfinden es mir Wert ist.

    Könntest ein Blogthema zu denn Büchern machen, die du liesst.

    Liebe grüße
    Michael

    • Holger Grethe 4. Januar 2014, 20:00

      Hallo Michael,

      ich habe bereits geplant, eine Seite mit Buchempfehlungen auf dem Blog einzurichten. Kommt…

  • begonia 29. März 2014, 19:40

    Lieber holger, ich danke dir vom herzen fuer deinen – wie immer – gelungener artikel. Derzeit durchlaufe ich eine persoenliche schwierige phase und konnte viele der gedanken sofort uebernehmen . Weiter so !

  • wencke 5. Mai 2014, 22:09

    Hallo Holger,
    zufällig stosse ich auf diesen Artikel. Wie immer einfach treffend geschrieben! Ich bin ein unregelmäßig wöchentlich lesender Fan und fühle mich manchmal wie ein Groupie an Deinen Gedanken klebend. Danke dafür, dass Du sie mit uns teilst.
    Gerade heute erhielt ich einen ungeahnten Geldsegen von der KK. Freu. Sofort schossen mir Gedanken durch den Kopf, mir mal endlich wieder etwas zu gönnen … ein gutes Seminar soll es sein! Einen Teil werde ich anlegen und ein Malle-Urlaub ist auch noch drin … Anfang des Jahres hätte mir der TÜV meinen geliebten Fiesta BJ 99 entrissen. Den zu retten hätte mich mehr gekostet, als umzusatteln. Mit viel Glück erstand ich für 2.500 einen 7 Jahre alten Golf. Von mehreren wurden Vermutungen laut, ich würde den Wagen leasen! Also Leute, spätestens von Bodo Schäfer lernen wir doch, dass ein Wagen nicht mehr als 2 Monatseinkommen kosten sollte! Als Vaters Tochter habe ich verinnerlicht, nie mehr auszugeben, als ich einnehme, wer sich keinen Wagen leisten kann, der muss zu Fuss gehen … und … dass Banken und Versicherungen nie zu trauen ist.

    • Holger Grethe 5. Mai 2014, 22:14

      Hallo Wencke,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Dass ich „Gedankengroupies“ habe, wusste ich auch noch nicht. 😉

  • ute 28. Juni 2014, 11:06

    wer sein lebensglück und seine zufriedenheit nicht an materiellen dingen festmacht, kann seine zukunftssicherung entspannter angehen: und zwar eben nicht nur, dass er im hier und jetzt mehr zur seite legen kann ohne dass es wehtut. sondern eben auch – sollte es in späteren jahren dann doch weniger ist als geplant sein – werden diese menschen auch mit einem geringeren (finanziellen!) lebensstandard zufrieden sein!
    sollten diese späteren jahre dann als kostenintensiver pflegefall enden, ist es dann aber trotzdem angenehm, ein bisschen zusätzlich auf dem konto zu haben.

    gruß und weitere gute reise in’s hier und jetzt und die innere mitte!

    • Holger Grethe 28. Juni 2014, 15:03

      Hallo Ute,

      das ist ein guter Punkt:
      „…sollte es in späteren jahren dann doch weniger ist als geplant sein – werden diese menschen auch mit einem geringeren (finanziellen!) lebensstandard zufrieden sein!“

      Mit weniger auskommen können, ist ganz sicher keine schlechte Eigenschaft!

  • Stefanie Müller 2. September 2014, 14:07

    Hallo Holger,

    ich habe diesen Artikel – obwohl er schon älter ist – erst jetzt gelesen, vermutlich, weil ich mich erst jetzt mit Grenzen auseinandersetzen mag. Den minimalen Lebensstandard kenne ich bei mir schon. Jetzt bin ich ins Nachdenken geraten. Gar nicht so einfach, zu bestimmen, wenn die Ansprüche dann auch immer weiter steigen…Wie macht man das dann praktisch? Einfach einen Betrag festsetzen, sich selbst ein halbes Jahr damit beobachten und dann sehen, ob das ok war?

    Danke für diesen anregenden Artikel, ich werde sicher noch eine Weile damit beschäftigt sein.

    Viele Grüsse von
    Stefanie

    • Holger Grethe 2. September 2014, 20:42

      Hallo Stefanie,

      stimmt, es ist nicht einfach, seinen maximalen Lebensstandard zu bestimmen. Auch wenn man keine konkrete Zahl nennen kann oder will, ist es sinnvoll, sich gelegentlich bewusst mit seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.

  • Doro 17. November 2014, 12:45

    Hallo Holger,
    danke für deinen Artikel. Ich denke, mein max. Lebensstandard ist gar nicht so hoch. Was mir aber wichtig ist, ist dass ich zu Beginn des Rentenalters ein Dach über dem Kopf habe, da ich vermutlich nie Rente beziehen werde. Leider habe ich bei der Finanzierung den Fehler gemacht, dass ich einer zu hohen Rückzahlungsrate zugestimmt habe und daher fehlt mir jetzt das Geld selbst für die notwendigen Sachen. Ich meine, natürlich ist ein Haus auch eine Art Vermögen, aber das hilft mir im Moment auch nicht weiter. Da wir zu zweit abzahlen, kann ich auch nicht so einfach aus dem Vertrag raus, da mein Partner nicht mitziehen will. Bin noch auf der Suche einer Lösung.

    • Holger Grethe 18. November 2014, 13:13

      Hi Doro,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      „Was mir aber wichtig ist, ist dass ich zu Beginn des Rentenalters ein Dach über dem Kopf habe, da ich vermutlich nie Rente beziehen werde. „

      Entscheidend ist, dass du später über genug Vermögen verfügst, um gut leben zu können. Wohneigentum ist in dieser Hinsicht eine Option, leider nicht die Flüssigste. Das bedeutet, dass sicher einige Immobilienbesitzer im Alter das „Dach über dem Kopf“ gegen einen Mietwohnung tauschen müssen, um genug Geld über zu haben für Gesundheits und Pflegekosten etc.

  • Ex-Studentin 11. Dezember 2014, 20:20

    Leben wie ein Student trifft es recht gut. Bereits im Studium kam ich mit meinem Geld gut zurecht und habe auch danach nicht viel an meinem Leben geändert. Zwar zahle ich nun mehr Miete für meine Wohnung, dafür verzichte ich weiterhin aufs Auto. Unsere Möbel haben mein Freund und ich aus unseren Studentenzimmern mitgenommen. Dass mein Freund nun nach dem Studium noch eine Ausbildung macht, ist aktuell zwar finanziell eher nachteilig, aber dafür bleiben wir beide auf dem Boden. Wer einen sparsamen Freundeskreis hat, gibt weniger aus. Zudem muss ich klar sagen, dass es einen Vorteil hat, früh in den Beruf einzusteigen. Bis ich mal Kinder habe, kann ich bis dahin hoffentlich noch einiges zur Seite legen. Und bei all der Sparerei nie vergessen: Wenn’s um die Gesundheit geht, nicht geizig sein!

  • Lutz 21. Januar 2015, 20:21

    Hallo Holger,

    ich bin zufällig über deinen Blog gestolpert und ich muss sagen ich bin fast sprachlos! Mir schwirren so viele Dinge im Kopf rum, die ich dir gerne sagen möchte, aber es fällt mir schwer all das passend zu formulieren.

    Daher mache ich es kurz: Danke für diesen tollen Blog, der ein für viele Menschen schwieriges Thema etwas Transparenter und weniger „undurchschtig“ macht. Und vor allem vielen Dank, dass du so gut herausgearbeitet hast, dass i.d.R. der Mensch, das Individum, über gedei oder verderb entscheidet. Gerade beim, für uns deutschen, so wichtigen Thema Geld.

    Zu diesen wirklich tollen Artikel, samt der Idee dahinter, möchte ich noch eine Bemerkung los werden:
    Ich bin mir nicht mehr sicher wo ich es genau gehört habe. Jedenfalls ging es um das Thema Altersvorsorge. Auf die Frage nach der besten Altersabsicherung wurde sinngemäß geantwortet: Die beste Absicherung vor Altersarmut ist, aus „Mainstreamsicht“, ein niedriger Lebensstandard. Denn wenn man nicht an das Futte gewöhnt ist, wird einem auch nichts fehlen…

  • Millionärin 25. Januar 2015, 18:41

    Hallo Holger,

    ich lese Deinen Blog mit großem Interesse und danke für die vielen Gedankenanstösse. Dieser hier ist mir nicht neu, genau nach diesem Prinzip lebe ich seit 30 Jahren (ich bin fast 50). Meinen Lebensstandard habe ich nach dem Studium nur ganz langsam ansteigen lassen, einmal, weil ich unbewusst immer ein bisschen unsicher bin, was danach kommt, zum anderen auch, weil ich schnell erkannt habe, dass mir freie Zeit wichtiger ist, als ein hoher Lebensstandard. Also habe ich selbst in Führungspositionen immer geschaut, wieviel ich pro Tag bekomme und dann geschaut, wieviele Tage pro Woche sein müssen. Mehr als vier Tage kamen noch nie raus.
    Was ich anders gemacht habe, als Du hier schreibst – ich habe mein Geld mit Immobilien gemacht. Erst – eher aus Versehen, wir wollten eigentlich ein Haus für eine Kommune – ein Mietshaus zusammen mit einem Freund gekauft. Damals mit lächerlich wenig Eigenkapital. Die Mieter haben in den nächsten Jahrzehnten den laufenden Kredit abbezahlt, ich hab, wenn ich Geld übrig hatte Sondertilgungen gemacht. Dann irgendwann eine Wohnung aus dem Haus mit Gewinn verkauft und dafür mein eigenes kleines Häuschen gekauft. Und so weiter.
    Seit letztem Jahr habe ich die Million geknackt. Und lebe immer noch, wie ich es schon immer tue. Bescheiden und nicht allzu auffällig. Doch, ich habe mir zum ersten Mal ein Auto gekauft. Aber es ist mir so fremd, dass ich eher Angst habe, es zu fahren und schon wieder nachdenke, es wieder zu verkaufen. Ich brauch auch eigentlich nicht mehr zu arbeiten, aber – ich bin längst freiberuflich unterwegs und tue das sehr gerne – was soll ich denn dann den ganzen Tag machen? Klar, immer mal wieder ein Urlaub ist toll, aber die Perspektive bis zum Tod nichts mehr zu tun? Die geht doch gar nicht. Und Anerkennung für meine Arbeitsleistung ist immer noch mit Geld verbunden. Ja, gut ich mach manchmal auch was ehrenamtlich. Aber es fühlt sich – auch von der Wertschätzung der anderen Seite – oft komplett anders an.
    So, und nun bin ich am Punkt dass ich meinen maximalen Lebensstandard eigentlich hochschrauben könnte. Aber ich habe mich sehr dran gewöhnt, es fällt mir echt schwer. Ich weiß, dass das ein Luxusproblem ist. Dennoch habe ich mich so eingerichtet, dass ich eben nicht mit reichen Menschen befreundet bin, die ein Vorbild sein könnten. Eine Freundin hat reich geerbt, die kaufen jetzt immer teuren Käse ein. Das wollen wir in Zukunft auch so machen – aber im Augenblick ist doch wieder nur Supermarktkäse im Kühlschrank. Alle anderen Freunde sind eher auch sehr auf dem Teppich, da würden wir eher auffallen, wenn wir jetzt die Sau rauslassen.
    Eine Antwort liegt natürlich auf der Hand: Weiterhin das Geld gut anlegen (im Augenblick verkaufe ich die erste Wohnung mit fettem Gewinn) und auf die Rente warten. Und vielleicht dann in Saus und Braus leben – keine Ahnung, was sich bis dahin ändert.
    Und für die weitere Zukunft – den Tod – schaue ich bereits jetzt, welche Stiftungen und Verbände mir gefallen. Dann hat im Zweifel nach mir irgendeine gute Einrichtung was von meinem Geld.
    Aber manchmal zweifle ich schon an diesen sparsamen Gewohnheiten (die ich auch von meinen Eltern mitbekommen haben, waren beide Flüchtlingskinder) und ärgere mich, dass ich beispielsweise bei einer Speisekarte nicht zuerst danach schaue, auf was ich Lust habe, sondern erstmal die rechte Seite nach den Preisen scanne.
    Was mir übrigens völlig abhanden gekommen ist, ist dieses Gefühl: „Ich habe extra Geld bekommen/verdient, was will ich mir dafür leisten.“ Weil ja eh genug da ist, kommt extra Geld einfach automatisch auf die hohe Kante. Der Impuls – Neues Geld gleich neuer Kauf – ist weg. Damit habe ich aber oft den Eindruck, dass es noch weniger Kaufimpulse gibt.
    Natürlich sind das alles Probleme – oder besser Themen – die mich nicht tagaus tagein belasten, sondern die ich eher neugierig beobachte. Und wahrscheinlich habe ich den langen Text jetzt auch geschrieben, um jüngere LeserInnen zu motivieren. Aber vielleicht auch Gesprächspartner zu finden. Menschen, die schon länger im Vermögensaufbau erfolgreich unterwegs sind, melden sich immer so wenig.

  • Oliver Montag 2. Juli 2015, 12:36

    Hallo,
    wahre Worte. Ich versuche diese gerade in mein Leben zu bringen.
    Dadurch das meine Frau mich verlassen hat, ich Unterhalt für meine Tochter zahlen muss und auch noch nur normaler Facharbeiter bin bin ich sozusagen „gezwungen“ mich damit zu beschäftigen. Sehr guter Artikel, ich hoffe ich kann das an nehmen…

  • Sebastian 5. August 2015, 13:35

    Hi, super Beitrag. Die Frage nach dem maximalen Lebensstandardt ist gar nicht so einfach. In der heutigen Leistungsgesellschaft geht es meist nur noch um „größer, schneller, weiter“. Das man aber auch mit weniger zufrieden sein kann und vielleicht sogar zufriedener ist, realisieren die meisten gar nicht. Ich persönlcih brauch keinen überschwenglichen Konsum. Ich wohne zur Miete, fahre eigentlich nur Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln, brauche nicht jedes Jahr ein neues Smartphone oder Tablett.

    Bewusster Verzicht macht meiner Erfahrung nach glücklicher. Vielleicht mal drüber nachdenken und ausprobieren.

    Schöne Grüße

    Sebastian

  • Pascal 7. Oktober 2015, 11:02

    Hallo Holger,
    interessanter Beitrag, den ich ich in gewisser Weise nur bedingt Teile.
    Also ich bin auch sehr sparsam, habe nur eine kleine Wohnung und ein älteres Auto und ein altes Smartphone. Aber ich merke auch das ich zunehmend geiziger mir und auch anderen gegenüber werde. Wie die Frau Millionären (s.o.), gucke ich im Restaurant auch immer erst nach den Preisen auf der Speisekarte, anstatt einfach mal das zu bestellen, worauf ich Lust hätte. Im Grunde ärgert mich das wieder.
    Und auch ich überlege mir jetzt mal ein schickes neues (teures) Fahrzeug anzuschaffen. Ich möchte auch mal was tolles haben. Natürlich lebt einem die Gesellschaft es vor, dass man unbedingt das neuste, schönste und teuerste brauch. Man muss sich dagegen währen wenn man etwas für sein Alter tun will, aber ganz einschränken und sich nichts leisten finde ich auch nicht so richtig.

    Vielleicht sollte man einen Kompromiss machen, gucken was man wirklich benötigt und was nicht, aber mit sich selbst geizen sollte man auch nicht. Und man sollte sich auch mal was leisten.

    Ich werde mir jetzt jedenfalls mal Autos angucken gehen 🙂

    Macht es wirklich Sinn sich und sein Leben so dermaßen einzuschränken?

    • Sabine 4. September 2016, 12:01

      Hallo Pascal,

      ich selbst lebe seit vielen Jahren eher bescheiden. Doch wenn ich mir etwas anschaffe, dann hat das Luxusqualität. Da ist z. B. eine neue Lampe fällig, ein neuer Kühlschrank. Ganz sicher kaufe ich keine Billig-Marke. Würde ich auch beim Auto nicht machen. Da würde ich ein richtig tolles Auto leasen. Es geht nicht um maximale Einschränkung sondern um maximales Wohlbefinden. Ich will nicht 40 Stunden die Woche Arbeiten, zusätzlich 10 Stunden Fahrzeit, nur um mir eine große Wohnung oder ein Haus leisten zu können. Mir ist freie Zeit wichtiger. Und wenn ich genügend Geld für einen Luxusschlitten hätte, dann würde ich mir den leisten!
      Herzliche Grüße
      Sabine

  • Annabella 10. Oktober 2015, 15:19

    Ich wurde sparsam erzogen und lebe auch eher so, mit der Ausnahme eines kostenintensiven Hobby’s,
    meine Mutter hat all ihr Leben gespart und sich eine Eigentumswohnung gekauft, mit fast 78 lässt ihre körperliche und geistige Verfassung rapide nach, wo andere Senioren noch aktiv sind und es sich nun verdientermassen gut gehen lassen, wird meine Mutter bald in ein Pflegeheim umziehen müssen, ich wünschte so sehr sie hätte sich mehr gegönnt als es noch gut ging. Was kann ich daraus lernen? Im Übrigen habe ich natürlich auch eine Eigentumswohnung und auch Geld in Aktien angelegt.

  • Tim 4. März 2016, 10:13

    Hallo Holger,

    deinen Blog kenne ich noch nicht lange, aber ich finde deine Artikel und vor allem diesen hier richtig gut! 🙂

    Das Konzept vom maximalen Lebensstandard kenne ich zwar schon, kann mich aber an keinen Text erinnern, in dem es so klar und anschaulich erklärt wurde. Gefällt mir sehr gut.

    Zum Thema „Leben wie ich Student“: Ich arbeite täglich mit Studentinnen und Studenten zusammen. Das Bild vom „armen Studenten“ mag zwar vereinzelt noch stimmen und es gibt mit Sicherheit noch eine Vielzahl an Studis, die wirklich aufs Geld achten müssen, aber die Anzahl der Studierenden, die durch lukrative Nebenjobs oder Sponsoring der Eltern richtig gut leben können, steigt hart an. Ganz pauschal davon zu sprechen, dass Studentenleben Verzicht bedeutet, halte ich deswegen für falsch. 🙂

    Ich weiß, dass du das nicht so gemeint hast und das Bild für dich an dieser Stelle gut passt, aber die Realität sieht anders aus (wobei ich als Student auch jeden Euro zwei mal umdrehen musste…).

    Dein Blog kommt übrigens in meinen Feedreader. Hervorragender Content!

    Schöne Grüße
    Tim

  • Der Finanzfisch 5. März 2016, 10:27

    Der Artikel spricht mir aus der Seele.

    Als ich vor einem Jahr von der Uni kam, habe ich mir genau diese Gedanken gemacht. Eigentlich fehlte mir nichts in meinem Leben. Deshalb war es für mich nicht interessant, meinen Lebensstandard meinem Gehalt anzupassen.

    Bereits als Jugendlicher konnte ich mir durch mein Nebengewerbe mehr Luxus leisten, als andere. Aber im Nachhinein muss ich feststellen, dass sich meine Lebensqualität dadurch nicht wirklich erhöht hat. Das war eine wichtige Erkenntnis für mich.

    Ich kann jetzt einen enormen Anteil meines Einkommens sparen und investieren. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es wirklich will. Das ist ein gutes Gefühl!

    Dank deinem Blog und anderen Quellen im Internet bin ich inzwischen eher zur Person B in deinem Artikel geworden. Und ich bin sehr glücklich damit!

    Ich weiß zwar nicht, ob das mein maximaler Lebensstandard ist, aber ich wüsste nicht, was ich ändern müsste, um noch glücklicher zu werden.

    Viele Grüße und weiter so!
    Der Finanzfisch