Was taugen Dividendenstrategien?

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In den letzten Jahren ist – zumindest in meiner Wahrnehmung – ein regelrechter Hype um Dividendenstrategien entstanden.

Dabei handelt es sich um Anlagestrategien, bei denen vor allem die Gewinnausschüttungen von Aktieninvestments im Mittelpunkt stehen.

Die Argumente der Dividendenanhänger, die von diesen meist sehr leidenschaftlich vorgetragen werden, klingen ja durchaus verlockend:

Unabhängig von Kursentwicklungen soll ein dividendenstarkes Aktienportfolio für einen konstanten „Cash-Flow“ sorgen, der „passives Einkommen“ generiert und dadurch langfristig „finanzielle Freiheit“ ermöglicht.

Ein weiterer Aspekt: durch das niedrige Zinsniveau ist die Rendite von Anleihen unattraktiv geworden und so erscheint manchem Anleger ein Dividendenportfolio als sinnvolle Alternative.

Warum dividendenstarke Aktien allerdings keine Alternative für Anleihen sind und die Vorliebe für Dividendenaktien eher irrational ist, erfährst du in diesem Artikel.

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Was sind Dividenden?

Bevor wir tiefer ins Thema einsteigen, klären wir kurz ein paar Grundbegriffe:

Dividenden stellen eine Form der Gewinnausschüttung von Aktiengesellschaften dar. Unternehmen können eine Dividende an ihre Aktionäre zahlen, müssen dies aber nicht tun.

Eine Dividendenzahlung wird auf der jährlichen Hauptversammlung der Aktionäre beschlossen und erfolgt am sogenannten Ex-Tag.

Der Börsenkurs des betreffenden Unternehmens verringert sich am Ex-Tag um den Betrag der ausgeschütteten Dividende.

Dieser „Dividendenabschlag“ erfolgt selbstverständlich nicht manuell, sondern ergibt sich aus einem veränderten Verhältnis von Angebot und Nachfrage an der Börse.

Was ist eine Dividendenstrategie?

Investoren, die eine Dividendenstrategie verfolgen, suchen gezielt nach Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite (z.B. 3% und mehr).

Eine wichtige Frage bei der Auswahl geeigneter Aktien ist, ob in der Vergangenheit verlässlich Dividenden ausgezahlt und diese idealerweise stetig erhöht wurden. Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen, werden ehrfürchtig „Aristokraten“ genannt.

Dividendenorientierte Anleger bauen sich nach den genannten Kriterien systematisch ein Portfolio auf, dessen Hauptmerkmal eine möglichst hohe Ausschüttungsquote ist.

Soweit so gut …

Woher kommt die Rendite?

Die Verzückung über den stetigen Geldstrom, den die Dividenden dem Konto bescheren, sollte allerdings nicht den Blick auf eine wesentliche Tatsache verstellen:

Die Gesamtrendite eines Aktieninvestments setzt sich zusammen aus dem Kursanstieg UND der Dividendenausschüttung.

Anders ausgedrückt: Die Dividendenrendite ist Teil der Gesamtrendite, kein zusätzliches Plus.

Blendet man Steuern und Transaktionskosten aus, ist es also egal, ob eine Aktie im Jahr um 6% im Kurs steigt und keine Dividende ausschüttet oder ob sie um 4% im Kurs steigt und sich eine Dividendenzahlung in Höhe von 2% hinzuaddiert.

Gehoppst wie gesprungen

Wie bereits besprochen führt eine Dividendenausschüttung in Höhe von 1€ zu einem Preisrückgang der Aktie am sog. Ex-Tag um ebenfalls rund 1€.

Statt einer bestimmten Menge an Aktien zu halten, um den Betrag X an Dividende zu kassieren, könnte man auch einfach Aktienanteile im Wert von X verkaufen, um an „Cash“ zu kommen.

Warum tut das kaum einer? Warum „basteln“ auf „Cash-Flow“ fixierte Anleger sich ihre Gewinnausschüttung durch regelmäßige Verkäufe von Aktienanteilen nicht einfach selbst?

Weil sich das anders anfühlt und in manchen Marktphasen mit der Realisierung von Verlusten einhergeht.

Nichtsdestotrotz ist die Bevorzugung der Dividendenausschüttung irrational, denn unterm Strich laufen beide Vorgehensweisen auf das gleiche Ergebnis hinaus:

Der Dividendenstratege hält mehr Aktienanteile, aber zu einem geringeren Preis.

Der „Kursinvestor“ hält weniger Aktienanteile, aber zu einem höheren Preis.

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Was spricht gegen Dividendenstrategien?

Eine ganze Reihe von Argumenten stellt die Dividendenzahlung als primäres Auswahlkriterium für Aktieninvestments in Frage:

Es gibt bessere Strategien

Bei Licht betrachtet handelt es sich bei Dividendenstrategien letztlich um eine Art Value-Strategie. Was ist das nun schon wieder?

Value-Investoren bevorzugen Aktien von Unternehmen, deren realen Wert sie für größer einschätzen als den gegenwärtigen Börsenwert.

Um den „wahren“ Wert eines Unternehmens festzustellen, bedienen sich Value-Investoren diverser Kennzahlen.

Übliche Indikatoren sind zum Beispiel diese:

  • Kurs zu Buchwert-Verhältnis
  • Kurs zu Gewinn-Verhältnis
  • Kurs zu Cashflow-Verhältnis
  • Kurs zu Dividenden-Verhältnis

Der Finanzautor Larry Swedroe hat die unterschiedlichen Ansätze verglichen und kommt zu dem Ergebnis, dass eine Dividendenstrategie in der historischen Betrachtung die geringste Rendite unter den vier genannten Investmentstrategien hervorgebracht hat.

Auch wenn man die erzielte Rendite zum Wertschwankungsrisiko in Bezug setzt (sog. Sharpe-Ratio), schneiden Dividendenstrategien nicht besonders gut ab.

Ein Grund dafür ist sicherlich …

Unzureichende Diversifikation

Fakt ist: eine Dividendenstrategie ist eine Form des aktiven Investierens.

Auf der Suche nach attraktiven Dividendenwerten betreibt der Anleger Stock-Picking, d.h. er greift sich unter bestimmten Gesichtspunkten einzelne Aktien aus dem Gesamtmarkt heraus und verzichtet dafür mehr oder weniger auf den Effekt der Risikostreuung (Diversifikation).

Ein geringerer Diversifikationsgrad geht zwangsläufig mit einem höheren Wertschwankungsrisiko (Volatilität) einher. Und zwar ohne dass dieses Mehr an Risiko von einer entsprechenden Risikoprämie kompensiert würde.

Wie viele Einzelwerte minimal notwendig sind, um über ein ausreichend diversifiziertes Depot zu verfügen, ist umstritten.

15-30 Aktien sind vermutlich viel zu wenig, selbst mit 200 Werten liegt man noch nicht im Idealbereich.

„Die einzige Möglichkeit, die Risiken von Aktieninvestments wirklich zu minimieren, besteht darin, den gesamten Markt zu besitzen.“

– William J. Bernstein

The trend is (not) your friend

Dividendenstrategien sind en vogue. Insbesondere auch bei jüngeren, und damit zwangsläufig eher unerfahrenen Anlegern.

Das Problem ist, dass Aktien, die viele Investoren ihrer üppigen Dividendenrendite wegen kaufen, entsprechend der Nachfrage im Preis steigen.

Und höhere Preise bedeuten zwangsläufig geringere Renditeerwartungen in der Zukunft.

Wenn dazu noch viele „Zittrige“, wie die Börsenlegende André Kostolany unerfahrene Anleger mit schwachen Nerven bezeichnet hat, „Trendaktien“ halten, drohen bei der nächsten Krise überproportionale Verluste.

Denn die „Zittrigen“ drücken in solchen Situationen erfahrungsgemäß schneller auf den „Panikknopf“ als erfahrene Anleger.

Auch eine Dividendenstrategie kann den Markt nicht schlagen

So schlau sich das Konzept auch anhören mag – einfach dividendenstarke Unternehmen kaufen und ein passives Einkommen durch regelmäßige Ausschüttungen generieren…

…auf die Idee kommen in der Tat eine ganze Menge Leute.

Das bedeutet, dass die verlockenden Gewinnausschüttungen von Dividendenaristokraten bereits im Kurs solcher Aktien eingepreist sein müssen, sofern man nicht davon ausgeht, dass ein Großteil der übrigen Anleger auf den Kopf gefallen ist.

Darauf zu hoffen, mit einer Dividendenstrategie langfristig die durchschnittliche Marktrendite übertreffen zu können, ist aus diesem Grund wenig vielversprechend.

Natürlich mag dies im Einzelfall gelingen, aber eben NICHT bei gleichem Risiko.

Ist dir ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis wichtig?

Dann investiere passiv in den gesamten Aktienmarkt – mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs).

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Immer weniger Unternehmen schütten Dividenden aus

Insgesamt betrachtet ist die Zahl der Unternehmen, die eine Dividende zahlen seit 1972 rückläufig. Schütteten ganze 64% der Firmen im Jahr 1972 Dividenden aus, waren es 2011 nur noch 30%.

Welche Aussagekraft aber haben Dividenden über zukünftige Aktienmarktgewinne, wenn weniger als ein Drittel der börsennotierten Unternehmen überhaupt Dividenden ausschüttet?

Da unterm Strich die Gesamtrendite zählt, gibt es insbesondere auch unter steuerlichen Gesichtspunkten bessere Alternativen zur Dividende:

So kann sich beispielsweise ein Aktienrückkauf positiv auf die Kursentwicklung eines Unternehmens auswirken, ohne dass Anleger dafür steuerlich belastet würden.

Verzicht auf Rendite

Dividendenorientierte Investoren vernachlässigen einen Teil des Aktienmarktes, der historisch betrachtet den Gesamtmarkt um durchschnittlich 3% pro Jahr übertroffen hat: Small Caps.

Gemeint sind kleine Unternehmen mit einem Börsenwert von weniger als zwei Milliarden US-Dollar. Diese zahlen allerdings selten eine Dividende.

Die Umgehung von Small Caps als Anlageklasse bedeutet also zwangsläufig den Verzicht auf eine Renditeoptimierung des Gesamtportfolios.

Funktionieren Dividendenstrategien?

Ja, aber aus anderen Gründen als die Anhänger von Dividendenstrategien dies vermutlich annehmen.

Dividendensammler“ bringen häufig Eigenschaften mit, die einen langfristigen Anlageerfolg begünstigen:

Typischerweise sind sie disziplinierte Sparer, die Wertpapiere kaufen, um sie lange zu halten (buy-and-hold) und deren Depots eine hohe Aktienquote aufweist.

All diese Eigenschaften erhöhen die Chance auf ein ansehnliches Vermögen. Und dies ganz unabhängig von den Dividendenausschüttungen.

Kann ein Dividendenportfolio Anleiheninvestments ersetzen?

Nein, kann es nicht. Dividendenausschüttungen hin oder her, das Risiko für Wertschwankungen ist bei Aktien ungleich höher als bei Anleihen.

Auch wenn Dividendenzahlungen nicht so stark einbrechen wie Aktienkurse, sollte man nicht verdrängen, dass eine Dividende immer nur eine „Kann-Leistung“ ist und jederzeit vom Unternehmen gekürzt oder ganz gestrichen werden kann.

Anleihen hingegen berechtigen stets zu den vereinbarten Zinszahlungen und bleiben dadurch in JEDER Marktphase das Investment, das für Stabilität im Depot sorgt.

Das Fazit

Insbesondere in der Ansparphase sollten sich Anleger auf die risikogewichtete Gesamtrendite konzentrieren, und nicht allein auf die Dividendenrendite.

Die Wahrscheinlichkeit, mit einer Dividendenstrategie den Markt zu schlagen, ist äußerst gering und kann nur mit der Bereitschaft zu einem höheren Anlagerisiko erkauft werden.

Der beste Weg, um eine attraktive Gesamtrendite bei möglichst niedrigem Risiko zu erreichen, ist und bleibt ein weltweit diversifiziertes, passiv gemanagtes Portfolio.

Es mag sein, dass diese Strategie weniger Spiel, Spaß und Spannung bedeutet als die Jagd nach aussichtsreichen Dividenentiteln.

Auch die Betrachtung des regelmäßigen „Cash-Flows“ auf den Kontoauszügen verschafft sicherlich eine Art von Befriedigung, die ein „schmuckloses“ ETF-Depot nicht bieten kann.

Dieser „Cash-Flow“ symbolisiert aber eine gefühlte Überlegenheit, die es in Wahrheit für Dividendenstrategien gar nicht gibt.

Dividendenfans mögen als Anleger zwar irrational handeln (was wir mehr oder weniger ja letztlich alle tun), doch klar ist auch:

Eine diszipliniert durchgeführte Dividendenstrategie ist in jedem Fall besser als ohne Strategie zu investieren oder gar völlig auf Aktieninvestments zu verzichten.

 
Wie stehst du zu Dividendenstrategien? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Links zum Podcast

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

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  • John 8. Mai 2014, 09:37

    Hallo Holger,

    was bei deiner Betrachtung meiner Meinung nach untergeht, ist, dass es auch ETFs gibt, die eine Dividenenstrategie abbilden. So hat man dann auch wieder eine aussreichende Diversifizierung und auch eine passive Anlagestrategie.

    Desweiteren ist ja unter anderem das Ziel der Dividendenstrategie, irgendwann von den Ausschüttungen leben zu können. Wenn ich rein auf Kursgewinne setze, aber regelmässig Geld brauche, muss ich u.U. in einer schlechten Marktphase mit deutlichen Verlusten verkaufen.

    Meiner Meinung nach sind die einzigen wirklichen Nachteile der Dividendenstrategie
    a) Man kann nicht den gesamten Markt kaufen, sondern nur Dividendentitel (entweder direkt oder als ETF)
    b) Da die Ausschüttungen direkt versteuert werden, hat man auf das versteuerte Kaptial kein Zinsestzinseffekt

    Wenn man jedoch von den Erträgen seines Depots leben will, ist die Dividendenstrategie meiner Meinung nach doch das richtige, weil es über einen ETF wieder passiv ist und automatisch regelmässige Ausschüttungen hat.

    Unabhäging sollte man natürlich auch eine Asset-Diversifikation machen und Anleihen bzw. Anleihen-ETFs im Depot haben. Einziges Problem hier, das die Rendite aktuell im Anhleihen bereicht sehr zu wünschen übrig lässt.

    – John

    • Dummerchen 8. Mai 2014, 12:59

      Hi John,

      es ist nicht unbedingt ein Kriterium für Diversifikation, dass man in einen ETF investiert. Ein Thailand-ETF ist auch ein Indexfonds, aber damit diversifiziere ich nicht weltweit. Ähnlich ist es auch bei Dividenen-ETFs. Man setzt halt auf Unternehmen, die ganz speziellen Kriterien genügen, in diesem Fall einem hohen Dividenden-zu-Kurs-Verhältnis. Eine lokale breite Streuung ist damit sicher realisierbar, aber man beschränkt sich doch auf bestimmte Unternehmen – Du sprichst es ja selber auch an. Ich bin kein Dividendenexperte, aber Versorger und Produzenten von Komsumgüter sind häufig genannte Dividendenausschütter, oder?

      Ob Du oder das Unternehmen 2% aus Deinem Depot verkauft, spielt letztlich keine Rolle; ebenso ist der Kaufkurs für die Bewertung, ob das zum Verkaufszeitpunkt gut oder schlecht ist ebenfalls irrelevant (s.mein Kommentar unten).

      Gruß
      Dummerchen

  • Tom 8. Mai 2014, 09:49

    Danke für den interessanten Artikel! Angenommen ich habe meinen Sparerfreibetrag noch nicht ganz ausgeschöpft, Dann würde sich eine Dividendenstrategie eher lohnen, oder?

    Mir ist schon klar, dass man in einem Artikel nicht alle steuerlichen Aspekte berücksichtigen kann. Wenn du mal einen Artikel zu allgemeinen steuerlichen Problemen schreiben würdest, würde mich das sehr interessieren.

    Das ist ja ein ziemlich langweiliges Thema. Ich denke deshalb machen auch die meisten Autoren einen großen bogen darum.

    Folgende Themen finde ich besonders interessant:
    – Steuerfreibetrag
    – Quellensteuer
    – ETFs aus dem Ausland (besonders iShares)
    – Thesaurierung

    • Jens 8. Mai 2014, 11:34

      „Angenommen ich habe meinen Sparerfreibetrag noch nicht ganz ausgeschöpft, Dann würde sich eine Dividendenstrategie eher lohnen, oder?“ > Korrekt, weil dann auf die Dividende (bei Einrichtung des Freistellungsauftrags) keine Abgeltungssteuer anfällt, bis zur Freigrenze. 🙂

      Ausländische Thesaurierer & die Steuer… Das wäre mal eine Petition für Berlin wert! 🙂

    • Dummerchen 8. Mai 2014, 13:01

      @Jens: Volle Zustimmung! Ich unterschreibe sofort!

    • Dummerchen 8. Mai 2014, 14:08

      @Tom:
      Zum Thema Steuern hat Holger ja schon einmal einen kleinen Beitrag verfasst: https://zendepot.de/boerse-einfach-verstehen-teil-5-abgeltungssteuer/

      „Angenommen ich habe meinen Sparerfreibetrag noch nicht ganz ausgeschöpft, Dann würde sich eine Dividendenstrategie eher lohnen, oder?“

      Du musst unterscheiden zwischen ausschüttenden Fonds/ETFs auf der einen Seite und einer Konzentration auf Dividenden auf der anderen.
      Ausschüttende Fonds/ETFs sind in der Tat steuerlich vorteilhaft, solange Du den Sparerfreibetrag noch nicht ausgeschöpft hast. Dazu musst Du Dich aber keiner Dividendenstrategie verschreiben, die ja explizit solche Aktienanlagen in den Fokus nimmt, die besonders hohe Dividenden ausschüttet. Die Ausschüttung ist hier nur höher als in einem breiter gestreuten weltweit diversifizierten Depot.

      (Ganz allgemein würde ich die Steuer immer erst als letztes Kriterium bei der Anlageentscheidung heranziehen. Nur wenn sich eine Anlage auch ohne Steuer rentiert, ist eine steuerliche Optimierung bestenfalls das i-Tüpfelchen. Leider wurde in D mit der Steuerersparnis schon so mancher Mist (z.B. Kapitallebensversicherungen) verkauft.)

  • Philipp 8. Mai 2014, 09:51

    Mal wieder ein super Artikel, großes Lob an dich und die ständige Weiterentwicklung deines Blogs!

    Was mir bei all den ganzen wirklich guten Artikeln jedoch immer irgendwie fehlt, ist eine Art Beispielportfolio für passives Investieren. Gibt es das eventuell in deinem Kurs oder empfiehlst du generell keine konkreten ETFs, sondern gibst nur die Infos um selbst das richtige Portfolio aufzubauen?

    • Holger Grethe 8. Mai 2014, 20:00

      Hallo Philipp,

      Musterportfolios gibt es wie Sand am Meer. Ich halte sie nur nicht für allzu hilfreich, solange man die Prinzipien des passiven Investierens (noch) nicht wirklich verinnerlicht hat.

      Die Konstruktion des Portfolios inklusive Gewichtung und Depotführung über lange Zeiträume ist ein Prozess. Die konkrete Auswahl der Anlageprodukte, der ETFs also, ist nur ein kleiner Teil davon. Und nicht der wichtigste!

      Im Kurs lernst du, dir Schritt für Schritt selbständig eine Anlagestrategie zu erarbeiten, ein Depot einzurichten, die Indizes auszuwählen und bekommst Hinweise, nach welchen Kriterien du schließlich passende ETFs auswählst. Ist das nicht besser als konkrete Anlage-Tipps zu befolgen, ohne zu wissen, warum? 😉

  • Carsten Drawer 8. Mai 2014, 10:09

    Holger, wieder ein durchdachter Artikel, der allerdings eine ganz untypische Verkürzung enthält, die fast schon als fahrlässig qualifiziert werden muss: Dividendenanleger als „irrational“ zu bezeichnen ist sicherlich sehr provokativ. Das ist völlig legitim.

    Leider wird das vermutlich viele an Geldanlage Interessierte – und das sind wohl alle Leser deines Blogs – davon abhalten, wirklich vertieft über Geldanlage nachzudenken. Denn niemand möchte ja als irrational abgestempelt werden.

    Ohne auf Details sehr einzugehen, wird man bestimmt über Dividenden dann anders denken, wenn man das/die Depot(s) als Unternehmen ansieht. Mit dem Eigentümer als CEO.

    Genau wie eine Immobilienfirma davon lebt, dass deren Mieter Miete zahlen, lebt der Income Investor davon, dass ihm „seine“ Aktien/Anleihen regelmäßig Dividenden/Zinsen zahlen. So entsteht dann, wie bei jedem anderen Unternehmen, der Cash-Flow, der zu unternehmerischem Erfolg führt.

    Wenn mag als Income Investor beginnt, ist es möglicherweise frustrierend, mit einem Cash-Flow von einigen Euro / Monat zu beginnen. Dieser wird durch regelmäßige Neuinvestitionen und Re-Investitionen der gesammelten Dividenden über die Jahre immer größer.
    Wenn du dann noch dem Ansatz des“Dividend Growth Investing“ folgst, besorgt alles weitere – gerade beim jungen Investor, der Jahrzehnte Zeit hat, um kumulative Effekte voll zur Geltung zu bringen – die Zeit. Jeder Interessierte sollte diese Stichworte mal googlen. Ganz entscheiden ist dann nicht mehr das Glück, die „richtigen“ Werte auszuwählen. Das ist auch eine Crux in deinem Artikel. Natürlich kann der normale deutsche Börsianer (für mich fast ein Schimpfwort) Werte verkaufen, um Gewinne zu realisieren. Dumm nur, wenn gerade keine Gewinne da sind aber Geld gebraucht wird.

    Das ist noch ein Wesen von Dividenden: der Cash-Flow ist bei einem genügend diversifiziertem Dividendenportfolio wesentlich besser kalkulierbar als Kursgewinne, die das letztlich gar nicht sind. Außerdem ist das Geld schon verdient, bevor es ausgeschüttet wird. Man kann sagen, dass jeder Chinese, der einen Mercedes kauft, einen Bruchteil eines trillionstels zur Daimler-Dividenden beiträgt. Bei Procter & Gamble ist es jeder Käufer des Head & Shoulder – Shampoos.

    Zwei Hinweise zu guten websites diesbezüglich: „Motley-Fool“ und „Seeking-Alpha“. Dort kann man sich umfassend schlau machen.

    Der Hinweis, das immer weniger Unternehmen Dividenden zahlen, ist zudem sachlich falsch – sogar für europäische Aktien. In einem Beitrag hat letztens sogar die Kapitalsammelstelle Blackstone gewarnt, dass sich die Unternehmen, auch in Europa, nicht auf Dividendenzahlungen zulasten des operativen Cash-Bedarfs kaprizieren sollen.

    • Dummerchen 8. Mai 2014, 13:41

      Hallo Carsten,

      ich weiß nicht, warum es wichtig ist, auf welche Art man sein Depot anschaut: ob als „CEO“ oder als Privatanleger, der ein Depot als das sieht, was es ist: eine Sammlung von Aktienanteilen. Der von Dir genannte „Income Investor“ erhält am Dividendentag eine Auszahlung eines Unternehmens, dessen Wert aber dadurch sinkt, da es ja weniger Eigenkapital besitzt. Das unterscheidet eine Dividendenausschüttung auch von einer Zinszahlung z.B. einer Staatsanleihe: Das ausgeschüttete Geld, d.h. die Zinsen, verringern den Kurs nicht.
      Am Ende ist doch immer entscheidend „was hinten rauskommt“, d.h. die Gesamtrendite (aus Kursgewinn und Ausschüttung) ist doch entscheidend und nicht, ob z.B. regelmäßig eine Dividende von 2% ausgeschüttet wird (und dadurch der Kurs um 2% sinkt). Das mag planbarer erscheinen, da man nicht auf den Kurs der Aktie schauen und selbst „den Schmerz eines Verlustverkaufs“ durchleben muss. De factor ist es aber das gleiche, wenn das Unternehmen diese Unternehmensanteile an die Anleger ausbezahlt.

      Dass die Anzahl der gehaltenen Aktien bei einem Verkauf sinkt, ist übrigens genauso irrelevant wie bei einem Aktiensplit sich die Anzahl der Aktien z.B. verdoppelt. Entscheidend ist immer das Produkt aus Anzahl der Aktien und dem Kurswert.

      Ich halte Aktien, die Dividenden zahlen übrigens nicht für schlecht – nur damit hier kein falsches Bild entsteht – einzig die Konzentration von Anlegern allein auf diese Aktien finde ich verwirrend. Warum sollte man daran „die guten“ Aktien erkennen?

      Wie Du darauf kommst, dass die Anzahl der Unternehmen die Dividenden zahlen nicht gesunken ist, habe ich nicht verstanden. Blackrock-Chef Fink hat die Höhe der Dividendenzahlungen kritisiert.

      Gruß
      Dummerchen

    • Carsten Drawer 8. Mai 2014, 15:56

      Hallo Dummerchen,
      zuerst muss ich mich bei Holger entschuldigen, die bloße Anzahl der Dividendenzahler weiß ich gar nicht und weiß aber auch nicht, auf welche Aktien sich die Aussage bezieht (D, Europa, USA, Thailand, Kasachstan, Welt?).

      Der „Income Investor“ ist keine Erfindung von mir, vielmehr die im angloamerikanischen Sprachraum gängige Bezeichnung für Investoren, denen es nicht in erster Linie um die Kursgewinne ihrer Anlagen geht, sondern um das generierte Einkommen.

      Bezüglich des Dividendenabschlags: genauso wie du dachte ich auch einmal; kommt wahrscheinlich aus der besonders in D einmal jährlich erfolgenden großen Zahlung. Aber darauf achte ich z.B. überhaupt gar nicht. Die Regelst verständlich, am Tag der Dividendenzahlung verliert das Unternehmen den Wert der Zahlung.

      Gerne erläutere ich dir das finanzielle perpetuum-mobile (meine eigene Wortkreation): Nehmen wir an, du investiertest heute 10.000,- Euro, die dir 400,- p.a. Dividende (33,333 pro Monat) bescheren.
      Diese 33,333 investierst du jeden Monat in einen DivDax-ETF und legst 16,666 dazu, um auf die 50,- Mindestsparrate zu kommen.
      Nach 12 Jahren hast du wieder 10.000,- zum investieren. Nun bekommst du 800,- p.a. Dividende (66,666 pro Monat).
      Du legst nun sogar 33,333 dazu und kannst 100,- jeden Monat in den ETF sparen. Die nächsten 10.000,- hast du nach 7 Jahren.
      Die investierst du wieder und bekommst 1200,- (100 pro Monat). Du kannst dir jetzt sogar leisten, 50,- dazu zu legen und sparst 150,- jeden Monat in den ETF.
      Jetzt genügen 5 Jahre, um auf die nächste Investmentsumme von 10.000,- zu kommen. Du kannst mittlerweile noch 66,666 dazu legen und sparst samt deiner Dividenden i.H.v. 1600,- p.a. (133,333 pro Monat) also 200,- jeden Monat.
      Wieder 4 Jahre später dasselbe Spiel etc.

      Du hättest im Beispiel heute mit 10.000,- begonnen und in den nächsten 28 Jahren dein Dividenden-Depot auf 50.000,- vergrößert. Dein Cash-Flow beträgt im Beispiel nach 28 Jahren schon 2000, p.a.
      Die Wahrscheinlichkeit ist groß, das dein Dividenden-Depot sich in 28 Jahren insgesamt verdreifacht, ergo auf 150.000,- kommt. Die dir natürlich nur die 2000,- Cash-Flow bringen. Das wirst du im Laufe der Zeit aber ausfeilen und verbessern, diente nur zur Veranschaulichung.

      Nehmen wir weiter an, du bist bei Beginn 25 Jahre jung, dann bist du am Ende des Beispiels 53. Rechne das Beispiel weiter bis 65 und du kommst auf astronomische Summen.

      Das ist der Vorteil einer diszipliniert durchgehaltenen Dividendenstrategie. Du musst es nur durchhalten und so früh wie möglich anfangen. Jetzt setze dieses Zahlenwerk noch in Beziehung zu einer Dividend Growth Strategie…Auch ein Beispiel: Eine Aktie schüttet 5% aus. Diese Aktie erhöht ihre Dividende nach jährlich um 10%. Die Dividendenrendite liegt nun bei 5,5%. Und so weiter. Ein Beispiel für eine solche Geldmaschine ist Altria. Cisco könnte die nächste werden. Aber niemand kennt die Zukunft. Die Zahlen dabei sind nach 28 Jahren ebenfalls schwindelerregend. Aber genauso würde es kommen.

    • Dummerchen 8. Mai 2014, 18:35

      @Carsten: Wofür braucht’s denn da Dividendenausschüttungen für Dein „finanzielles Perpetuum Mobile“? Genau den gleichen Sparvorgang (regelmäßig sparen, diszipliniert durchhalten, usw. usf) kann man doch mit jedem nicht auf Dividenden ausgerichteten Portfolio genauso anstellen. Einziger Unterschied: Ich würde nicht jährlich 4% dem Vermögen entnehmen und wieder neu anlegen müssen. Wenn ich mir die Transaktionskosten sparen kann, mache ich das gerne.
      Ansonsten ist das von Dir Beschriebene für mich einfach: Sparen, sparen, sparen. (Bei der Geldanlage sind dies eh die drei wichtigsten Größen ;-)!)

    • Carsten Drawer 8. Mai 2014, 18:41

      @Dummerchen: Der alles entscheidende Unterschied ist natürlich, dass du kaum eigenes Geld zum sparen in die Hand nehmen musst. Der Großteil kommt aus deinen Dividenden. Dadurch erst wird es zum perpetuum mobile, dass ohne Energie-, in diesem Fall Kapital-, Zuführung von außen läuft und läuft und läuft …

      Dein Geld kannst du also, wenn du willst, verjuxen. Oder natürlich mehr investieren. Davon spreche ich bewusst, „sparen“ macht auf deutsch einen vollkommen falschen Eindruck, worum es mir geht. Gerade Deutschen ;-)))

  • Carsten Drawer 8. Mai 2014, 10:16

    Um meinen Kommentar zu komplettieren: Natürlich kann ein reines Dividenden-Depot ein Anleihen-Depot ersetzen. Es ist immer am Ende des Tages eine Glaubensfrage: Glaubst du, dass die Firma / das Land der / dem du dein sauer verdientes Geld leihst, die Zinsen bedienen wird oder bevorzugst du, dein Geld nicht zu verleihen, sondern sich an etwas real existierenden zu beteiligen? Das kannst du nur mittels Aktienbesitzes.

  • Jens 8. Mai 2014, 11:31

    Wow… Ein echt guter Beitrag zu einem sehr interessanten Thema! Vielen Dank! Besonders eigenartig wird die Logik der Dividendenjäger aus meiner Sicht ja, wenn besagte Fans in der Rückwärtsbetrachtung ins Feld führen, dass die Rendite noch höher liegt, wenn man die ausgeschüttete Dividende jeweils re-investiert hat! Ja, erst auszahlen lassen, dann wieder im gleichen Papier anlegen?! I don’t know… Dann doch besser gar keine Dividende auszahlen. 🙂

    Obwohl ich zugeben muss, dass ich den DWS Top Dividende schon sehr, sehr gut finde. Wer ihn mit Rabatt auf den Ausgabeaufschlag kauft und möglicherweise in einem Depot verwahrt, dessen Vermittler eine (teilweise) Rückerstattung der Bestandsprovision (Kick-backs) anbietet, kann gut abschneiden. Dass das in weiten Teilen nicht rational ist, kann ich nachvollziehen. Aber wenn’s (auch künftig!) alle machen, bin ich gern schon jetzt (und auch „gestern“) dabei! Das mit den „Zittrigen“ gibt mir indes doch zu denken. Insofern: Lieben Dank für diesen Beitrag! 🙂

    • Carsten Drawer 8. Mai 2014, 16:27

      @Jens: Wenn die der DWS-Fonds so zusagt, dann mach doch einfach den „Jens Top-Dividende“ und spar die den Ausgabeaufschlag ganz. Schau nach, wie viel p.a. der Fonds ausschüttet und kaufe dann kleine Positionen von Aktien, die mindestens ebenso viel ausschütten. Du kannst es wahrscheinlich genau so gut und hast keine Verwaltungskosten.

      Die gesammelten Dividenden müssen natürlich nicht in dieselbe Aktie re-investiert werden, sondern nur in eine ordentliche mit guter Ausschüttung – meine Meinung.

  • Dummerchen 8. Mai 2014, 12:41

    Hallo Holger,

    interessante Sichtweise auf das Thema „Dividende“. Ich habe bislang nicht verstanden, was den genauen Reiz einer möglichst hohen Dividende ausmacht. Wenn man den grundsätzlichen Zusammenhang des von Dir zitierten „Dividendenabschlags“ anerkennt, spielt es doch tatsächlich keine Rolle für den Börsenwert, ob ich z.B. vom 100 Euro-Kurswert am Tag der Dividendenausschüttung z.B. 2 Euro erhalte und der Kurs anschließend bei 98 Euro liegt oder ob der Kurs bei 100 Euro bleibt.

    Wer diesen Cashflow braucht, kann ja auch selbst z.B. 2% seiner Aktienanteile verkaufen. Ob man das selbst tut oder Unternehmen 2% ausschütten, ist mathematisch kein Unterschied. Emotional ist es vielleicht etwas anderes, ob man 2% seiner Aktienanteile verkauft oder ob die Aktienunternehmen dies tun. Das liegt aber nur daran, dass man auf den Kurs ggü. dem Kaufkurs schaut und dann eben mit Gewinn oder Verlust verkauft. Der Kaufkurs sollte aber bei der Entscheidung „Soll ich einen Teil meiner Aktien vom Unternehmen X, die heute den Wert Y haben, verkaufen?“ überhaupt keine Rolle spielen. Warum sollte es für Anleger A besser sein, eine Aktie zu verkaufen, bloß weil er sie mit Gewinn verkauft, während Anleger B zum selben Zeitpunkt die gleiche Aktie mit Verlust verkaufen würde und dies deshalb schlecht für ihr wäre? Entweder die Aktie ist ggw. nach eigener Auffassung vom Markt zu hoch bewertet und deshalb ist ein Verkauf sinnvoll oder sie ist zu niedrig bewertet und deshalb ist kein Verkauf sinnvoll. Da spielt der Kaufkurs keine Rolle.

    Ganz generell halt ich Dividendenausschüttungen übrigens nicht für schlecht, vielmehr erscheint mir die alleinige Konzentration hierauf problematisch zu sein. Man blendet viele Unternehmen per se aus.
    Wenn mein ausschüttender ETF mich mit einer Zahlung „beglückt“ freue ich mich übrigens auch zunächst :). Dann stelle ich aber wenig später fest, dass es ganz schön doof ist, dass ich dann wieder mit zusätzlichen Transaktionskosten und Steuern die alte Gewichtung wiederherstellen muss, um de facto wieder beim alten Stand zu landen :(.

    Gruß
    Dummerchen

  • fqnd 8. Mai 2014, 14:04

    Hallo Holger,

    ich denke ein Argument für eine Dividendenstrategie liegt in folgendem Satz: „Blendet man Steuern und Transaktionskosten aus…“

    Beim Verkauf von Aktienanteilen zur Generierung eines gewünschten Cash-Flows fallen nämlich Transaktionskosten an. Mit einer Dividendenstrategie hat man diese Transaktionskosten üblicherweise nicht.

    • Holger Grethe 8. Mai 2014, 20:24

      Transaktionskosten fallen zwar nicht bei der Ausschüttung von Dividenden an, aber sehr wohl bei deren Wiederanlage.

      Viel wichtiger ist aus meiner Sicht, dass Dividenden besteuert werden, Kursanstiege während der Haltedauer jedoch nicht. Im letzteren Fall ergibt sich so ein Steuerstundungsvorteil, den der Dividendenstratege nicht hat.

    • Jens 12. Mai 2014, 20:51

      Interessanter Aspekt: „Transaktionskosten fallen zwar nicht bei der Ausschüttung von Dividenden an, aber sehr wohl bei deren Wiederanlage.“

      Gibt es thesaurierende Dividenden-Strategie-Fonds? : )

      *ad absurdum*

  • Henra 8. Mai 2014, 16:49

    Hallo Holger,

    anbei ein Link, wo die Performance von Dividenden Aristokraten mit dem S&P Index verglichen wird.

    Gruß

    http://www.suredividend.com/wp-content/uploads/2014/03/SP500-Dividend-Aristocrats-Index-Fact-Sheet-February-2014.pdf

  • Kevin Stephan 8. Mai 2014, 17:23

    Hallo Holger!
    Da ist er ja, der lang ersehnte Artikel zu den Dividenden. Und wie aus den Kommentaren in anderen Artikeln schon absehbar war hast du, ähnlich wie mit dem Immobilien-Kauf einen sensiblen Nerv getroffen.
    Für mich interessant ist nun die Frage, ob der psychologische Aspekt bei der Dividenden-Strategie mehr in den Vordergrund gerückt werden sollte. Häufig ist im Zusammenhang mit dem Cashflow die Rede von dem besonderen Gefühl, seine ersten „Gewinne“ einzufahren. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, und selbst wenn es irrational ist, verläuft das Dividenden-Portfolio zumindest was die Kursrealisierung angeht automatischer. So können gerade die nervöseren Anleger an dieser Stelle passiver bleiben, ohne sich zu Sorgen.
    Auch ich würde mich über einen Artikel zum Thema Steuern freuen!
    Liebe Grüße,
    Kevin Stephan

    • Holger Grethe 8. Mai 2014, 20:19

      Hallo Kevin!

      „Häufig ist im Zusammenhang mit dem Cashflow die Rede von dem besonderen Gefühl, seine ersten “Gewinne” einzufahren.“

      Wer in den Genuss des Zinseszinseffekts kommen möchte, muss nur leider diese schönen Gewinne wieder „ausfahren“, sprich: wieder anlegen.

      Warum das Geld nicht direkt im Depot bleiben kann, sondern eine „Ehrenrunde“ übers Verrechnungskonto (abzüglich Besteuerung und Transaktionskosten) drehen soll, erschließt sich mir nicht ganz… 😉

    • Carsten Drawer 9. Mai 2014, 16:48

      @Stephan: Du sprichst den Cash-Flow an, der ja für den Erfolg jedes Unternehmens entscheidend ist. Also auch für dein eigenes (die Cash-maschine im Aktiendepot). Ganz wichtig dafür sind meiner Meinung auch zwei Erkenntnisse.

      1. Geld ist IMMER ein Fließgleichgewicht.
      2. Wenn dauerhaft mehr Geld ZUFLIESST, als ABFLIESST, ist dein finanzielles Wohlergehen ebenso dauerhaft gesichert.
      3. Der Kapitalstrom, der täglich um die Welt strömt, ist mehrere Billionen stark. Du kannst dich ans Ufer setzen und brauchst nur deinen Fingerhut hinein zu halten. Gefüllt wird er automatisch.

      Für den Erfolg einer Dividendenstrategie ist weiterhin Bescheidenheit notwendig. Gib´ dich mit den erzielbaren 6% p.a. nach Steuern zufrieden. Du bekommst die dann aber sehr viel verlässlicher als mögliche Kursgewinne. Erstens sind die ohnehin nie da, wenn du sie brauchst und zweitens schließt du auf diese Art und Weise das Prinzip Hoffnung weitgehend aus deiner Geldanlage aus.

  • Stefan 9. Mai 2014, 12:40

    Hallo Holger,

    auf folgender Seite deines Blog-Kollegen wird genau das gleiche Thema (Vor-/Nachteil Thesaurierer-ETFs und Ausschütter-ETFs) sehr schön erläutert:
    http://finanziell-umdenken.blogspot.de/2012/08/teil-2-warum-ich-dividenden-aktien.html

    Fazit: In bestimmten Situationen können Ausschütter besser sein als Thesaurierer.
    Einen klaren Vorteil hat ein Thesaurierer nicht. Bis auf die Gebühren für die Wiederanlage bei den Ausschüttern sind die laufenden Kosten (Gebühren bei Erstkauf und permanente Abgeltungssteuern bei den Fondserträgen) bei Ausschüttern und Thesaurieren gleich, oder? Auch die Abgeltungssteuer bei den Verkaufserlösen ist doch die gleiche. Oder liege ich hier falsch? Worin liegt denn genau der Steuerstundungsvorteil? Ein Beispiel wäre hier sehr hilfreich.

    Desweiteren zeigt sich ja scheinbar, dass eine Dividendenstrategie grundsätzlich gut ist wie der Link von Henra weiter oben deutlich aufzeigt. Die S&P 500 Dividend Aristocrats schneiden scheinbar deutlich besser ab als der Gesamtmarkt S&P 500. Macht ja auch Sinn – Unternehmen die in der Lage sind überhaupt Dividenden zu zahlen machen auch Gewinne und sind deutlich erfolgreicher als Unternehmen, die überhaupt keine Dividenden zahlen können und folglich kaum/keine Gewinne haben. Wenn ich mir aber den gesamten Markt kaufe, dann sind halt leider auch solche Underperformer mit dabei.

    Um Zustimmung oder Korrekturen meines Beitrags wird ausdrücklich gebeten! 🙂

    Viele Grüße
    Stefan

    • Holger Grethe 9. Mai 2014, 14:19

      Hallo Stefan,

      Gegenstand meines Artikels war weniger die Frage, ob nun ausschüttende oder thesaurierende Fonds „besser“ sind, sondern ob eine aktive Selektion von Aktien unter dem Gesichtspunkt der Dividendenausschüttung sinnvoll ist.

      Der Steuerstundungsvorteil ergibt sich, wie bereits erwähnt, für nicht realisierte Kursgewinne.

      Dazu ein hypothetisches Beispiel:
      Aktie A stagniert im Wert, bietet aber eine Dividendenrendite von 3% p.a. (Aktienrendite = 0 + 3 = 3%)
      Aktie B steigt jedes Jahr um 3% im Kurs, schüttet aber keine Dividende aus (Aktienrendite = 3 + 0 = 3%)

      Werden beide Aktien über 10 Jahre gehalten, muss die Dividendenausschüttung von Aktie A jedes Jahr versteuert werden, der Kursgewinn von Aktie B aber nicht. Dieser unterliegt erst bei Verkauf in der Zukunft einer Besteuerung.

      „Desweiteren zeigt sich ja scheinbar, dass eine Dividendenstrategie grundsätzlich gut ist wie der Link von Henra weiter oben deutlich aufzeigt.“

      Ich bin froh, dass du das Wort „scheinbar“ benutzt hast. 😉 Grundsätzlich kann man mit jedem Chart immer das zeigen, was man möchte. Man muss nur Zeitraum und Zeitfenster solange anpassen, bis das gewünschte Ergebnis zutage tritt.

      Ein Zeitraum von 10 Jahren ist einfach nicht lang genug, um damit eine Beweisführung pro Dividendenstrategie anzutreten.

      „Macht ja auch Sinn – Unternehmen die in der Lage sind überhaupt Dividenden zu zahlen machen auch Gewinne und sind deutlich erfolgreicher als Unternehmen, die überhaupt keine Dividenden zahlen können und folglich kaum/keine Gewinne haben.“

      Nein, das macht so keinen Sinn, denn ob eine Dividende gezahlt wird oder nicht, ist im Wesentlichen eine strategische Entscheidung des Unternehmens. Möchte ein Unternehmen z.B. wachsen, wäre eine Dividendenausschüttung eher kontraproduktiv…

      „Wenn ich mir aber den gesamten Markt kaufe, dann sind halt leider auch solche Underperformer mit dabei.“

      Stimmt. Für die Gesamtrendite ist aber viel wichtiger, die Outperformer nicht zu verpassen. Und genau das passiert mit höherer Wahrscheinlichkeit, wenn man sich bei der Auswahl von Aktien an der Dividendenausschüttung orientiert. 😉

    • Dummerchen 9. Mai 2014, 15:01

      @Stefan:
      „Macht ja auch Sinn – Unternehmen die in der Lage sind überhaupt Dividenden zu zahlen machen auch Gewinne und sind deutlich erfolgreicher als Unternehmen, die überhaupt keine Dividenden zahlen können und folglich kaum/keine Gewinne haben.“

      Bist Du Dir sicher, dass da wirklich so ist? Ich nehme mal zwei Beispiele:
      1. Das Unternehmen Apple hat in den Jahren 2004-2012 keine Dividende gezahlt. Der Kurs hat sich verdreizigfacht. Hatten sie keine Gewinne in dieser Zeit? (Seit 2013 zahlt Apple Dividenden – hat da der „Schatzmeister“ zum ersten Mal gemerkt, dass das Unternehmen doch profitabel ist?)
      2. Das Unternehmen RWE hat in den Jahren 2004-2014 jährlich eine Dividende (zwischen 3% und 7%) gezahlt. Der Kurs steht heute ungefähr auf dem selben Niveau wie vor zehn Jahren.
      Ich würde mich von der Vorstellung lösen, dass Dividendenzahlungen und unternehmerischer Erfolge kausal zusammenhängen.

    • Jens 12. Mai 2014, 21:01

      Immer, wenn Holger von Steuer-Nachteilen in diesem Kontext schreibt, geht er davon aus, dass

      a) ein vermögender Anleger bereits seit 801/1602 Euro Freibetrag ausgeschöpft oder
      b) ein unaufgeklärter Anleger erst gar keinen Freistellungsauftrag engerichtet oder falsch auf mehrere Kreditinstitute/Banken/Gewossenschaften verteilt

      hat. Auf lange Zeiträume gerechnet, hat Holger damit recht. Wenn von ausgezahlter Dividende X immer 25%+X abgehen, dann ist das nicht so gut, als wenn die Summe X im Depot bleibt und eben keine „Ehrenrunde“ übers Verrechnungskonto dreht.

      Aber: Es gibt eben viele Anhänger, die diese Nachteile nicht so sehen. Habe heute noch mit einem Arbeitskollegen gesprochen, der froh und dankbar ist, dass Opa damals 10.000 Mark in RWE- und VW-Aktien angelegt hat – und er immer schönes jährliches Dividenden-Taschengeld bekommen hat + Kursgewinne. Für seine gerade geborene Tochter will der Kollege das gleiche machen.

      Mein Einwand, dass besagte Tochter sich in 18-20 Jahren bei Einhaltung einer passiven Strategie einen Golf und keinen VW Up wird leisten können, ließ besagter Kollege nicht gelten. Dann wird’s halt ein Kleinwagen. 🙂

      Ich stehe weiter auf dem Standpunkt: Das eine tun – das andere aber nicht lassen. 🙂

  • John 9. Mai 2014, 14:58

    Hallo Holger,

    um die Hinweise aus deinem Artikel mal praktisch umzusetzen:

    Ich sollte also den „gesamten“ Markt kaufen, z.B. ein ETF auf MSCI World oder ggf. ein S&P 500 ETF (wenn ich davon ausgehe, das die USA die besseren Marktbedingungen weltweit hat, ist ja auch eine Empfehlung von Warren Buffet) oder ein EURO STOXX 600 ETF (Home-Bias), richtig?

    – John

    • Dummerchen 9. Mai 2014, 15:26

      Ich bin zwar nicht Holger, aber antworte trotzdem mal:

      „Ich sollte also den “gesamten” Markt kaufen, „

      Ja, das schlägt Holger vor – ich bin der gleichen Meinung.

      „z.B. ein ETF auf MSCI World“

      Damit hättest Du die großen Unternehmen der entwickelten Märkte im Depot; die aufstrebenden Märkte („Emerging Markets“) würden vor allem für den Gesamtmarkt noch fehlen, aber so hättest Du schon das Gros schon an Bord.

      „oder ggf. ein S&P 500 ETF (wenn ich davon ausgehe, das die USA die besseren Marktbedingungen weltweit hat, ist ja auch eine Empfehlung von Warren Buffet) oder ein EURO STOXX 600 ETF (Home-Bias), richtig?“

      Ähm, nein. Nur USA oder nur Europa sind sicher nicht „der gesamte Markt“ und damit eine Regionen-Wette. USA macht zwar schon rund die Hälfte des Gesamtmarkts aus, aber eben nur die Hälfte. Und mit der Fixierung auf Europa schränkst Du Dich auch ziemlich ein und Du würdest dem von Dir ja schon erwähnten Home-Bias „zum Opfer fallen“.

      (BTW: Es gibt keinen Euro Stoxx 600-Index. Der „Euro Stoxx“ ist ein Bruchteil des „Stoxx Europe 600“ und beschränkt sich auf die größten Unternehmen der Euro-Länder, d.h. er ist vor allem ohne Schweiz und Großbritannien aufgebaut – das aber nur am Rande.)

  • John 9. Mai 2014, 16:33

    @Dummerchen

    Ok, ersetzen wir den MSCI World durch den MSCI ACWI All Caps, dann sollte man wohl wirklich fast alles drin haben, oder?

    Wobei ich der Meinung bin, dass dieses „ich kaufe den gesamten Mark““ und der wird auf die Dauer (min. 10-20 Jahre) im Plus sein“ sich nicht unbedingt auf EMs anwenden, da dort die juristischen und politischen Rahmenbedingungen u.A. doch sehr abweichen.

    Daher sollte man als passiver Anleger vielleicht doch lieber nur in den Developed Markets investieren und dort sind die Rahmenbedingungen in den USA halt immer noch am Besten (vergleiche mal MSCI AWCI vs. STOXX Europe 600 vs. S&P 500 über die letzten Jahrezehnte).

  • Dummerchen 9. Mai 2014, 17:27

    „Wobei ich der Meinung bin, dass dieses “ich kaufe den gesamten Mark”” und der wird auf die Dauer (min. 10-20 Jahre) im Plus sein” sich nicht unbedingt auf EMs anwenden, da dort die juristischen und politischen Rahmenbedingungen u.A. doch sehr abweichen. “

    Ja, die politischen Rahmenbedingungen sind andere. Das ist sowohl Chance als auch Risiko. (Eine höhere Rendite bekommt man nie geschenkt.)

    „(vergleiche mal MSCI AWCI vs. STOXX Europe 600 vs. S&P 500 über die letzten Jahrezehnte)“
    Ich habe mal den MSCI ACWI (also EM+DM (=developed markets)) mit dem MSCI World verglichen (also nur DM), Du auch? Mich hat der Vergleich (auf der Seite von msci.com) nur bestärkt.

    • Juanito 11. Mai 2014, 15:44

      Die Debatte über die „richtige Aufteilung“ innerhalb des Aktienteils sehe ich etwas differenzierter. Die Streuung über verschiedene Indizes, Aktienregionen, Assetklassen etc. soll ja letztlich das Risiko durch Diversifikation minimieren bzw. reduzieren. Das gelingt besonders gut, wenn man Anlagen wählt, die wenig miteinander korrelieren, d.h. sich unterschiedlich entwickeln. Markowitz bekam für diese Erkenntnis sogar einen Nobelpreis.

      Das eigentliche Problem ist aber, dass die Theorie spätestens seit der Finanzkrise und der dauerhaften Notenbankintervention in der Praxis nicht mehr funktioniert. Früher entwickelten sich Emerging Markets anders als die Aktien der entwickelten Märkte. Simplifiziert kann man heute sagen, dass (fast) alles zusammen steigt und fällt. Als Beispiel empfehle ich einen Blick auf eine Korrelationsmatrix, die von verschiedenen Anbietern regelmäßig veröffentlich wird (z.B.: http://www.assetcorrelation.com/majors).

      Fazit: Wenn Risikominimierung das Ziel der Verteilung auf verschiedene Anlageklassen ist, dann sollte man solche miteinander kombinieren, die sehr gering oder gar nicht miteinander korrelieren, z.B. Aktien + Cash, Aktien + AAA-Staatsanleihen, etc. Die „richtige“ Allokation innerhalb des Aktienbereichs auf Promille genau ist unter Risikoaspekten weniger entscheident.

    • Holger Grethe 11. Mai 2014, 21:33

      Es ist sicher richtig, dass man sich von unterschiedlichen Assetklassen innerhalb der Gruppe der Aktien keine Wunderdinge in Sachen Diversifikation erwarten darf. Die Korrelationen sind allerdings Schwankungen unterworfen und können immer nur rückwirkend berechnet werden.

      Staatsanleihen (hoher Bonität) funktionieren aber nach wie vor als „Risikopuffer“ für Aktieninvestments. Wer das Wertschwankungsrisiko seines Portfolios minimieren will, hat also weiterhin ein gutes Mittel zur Verfügung.

    • Dummerchen 11. Mai 2014, 22:42

      Hallo Juanito,

      danke für Deine differenziertere Sicht der Dinge. Die Korrelationen innerhalb der Aktienmärkte sind tatsächlich stärker als „früher“(TM) geworden. Sollte man Deiner Meinung nach daraus dann schließen, dass es egal ist, ob man „Weltweit“ (ACWI) oder nur in den „entwickelten Staaten“ oder nur in den USA oder nur in Europa investiert? (Das war Johns Vorschlag und ich wollte ihn davon überzeugen, dass eine breite Streuung mindestens über alle entwickelten Märkte (und sogar darüber hinaus) durchaus Sinn macht.)

      Das blöde an den Korrelationsmatrizen ist halt, dass sie immer den Blick in den Rückspiegel, d.h. die Vergangenheit, zeigen und nicht exakt genauso bleiben werden. Genau deshalb sind Optimierungsstrategien nach Markowitz zum Scheitern verurteilt, denn kleine Abweichungen in den Korrelationen können das Anlageergebnis völlig ändern.
      [Wer mehr dazu lesen möchte (und mit Finanzlektüre jenseits der Basics kein Problem hat), wird bei William Bernstein „Skating where the puck was“ fündig.]

      Entscheidend bei dem Thema bleibt aber: Keiner kennt die Zukunft und deshalb ist es eine gute Strategie, möglichst breit zu streuen.

      Und ja, besonders gut streut man seine Anlagen über verschiedene Assetklassen wie Aktien und AAA-Staatsanleihen. Das war hier aber gar nicht die Frage, denn John sprach über den Aktien-Anteil.

      Gruß
      Dummerchen

      PS: Hast Du Dir mal den Spaß gemacht und die von Dir zitierte Korrelationstabelle über einen Betrachtungszeitraum von 5 Jahren (und nicht wie in der Voreinstellung von 3 Monaten) angeschaut?

    • John 13. Mai 2014, 16:01

      @Dummerchen

      Ja, du hast schon recht, mit EMs ist man in den letzten 10 Jahren deutlich besser gefahren, ob sich das in den nächsten 10 Jahren so wiederholt, weiss man nicht (ich denke nicht das so ein Wachstum, wie die BRIC Länder hin gelegt haben einfach mal so schnell wiederholt werden kann). Ich setze daher mehr auf DMs (und wie Juanito ja auch schon richterweise festgestellt hat, sind ja diesen Indices ja auch viele Global Player dabei, die ihre Umsätze u.a. auch in dem EMs machen).

      Was das Thema Asset-Allokation angeht, bin ich bei meinen Recherchen nicht sehr weit gekommen, und zwar wegen folgender Prolematiken:

      – Immobilien über die Börse entweder risikoreich sind (geschlossene Immo Fonds), offene Fonds funktionieren meiner Meinung nach vom Grundprinzip nicht (Lidiqidtätsproblematik) und REITs korrelieren zu stark mit dem Aktienmarkt. -> daher keine Option

      – Staatsanleihen sind entweder total unattraktiv (mit Inflationsrate) oder zu politisch und damit risikobehaftet (EMs)

      – Rohstoffe kenne ich mich zu wenig aus und ich finde das Roll-Over-Contract-Prinzip auch irgendwie nicht als langfristiges Invvestionsvehikel

      Damit bleiben eigentlich nur noch Cooperate Bonds und Aktien, die zwar auch in einem gewissen Mass korrelieren, aber je nach Risikobehaftung kann man dort meiner Meinung nach die Korrelation relativ gering halten ohne eine allzu schlechte Rendite zu bekommen (siehe Staatsanleihen).

      Um nochmal zum Grundthema zurück zukommen Dividenden-Strategie vs. breiter-Index-Strategie, muss ich sagen, dass der Argumentation von Dummerchen in soweit schon folgen kann, dass man, wenn man die Dividendenzahlungen nicht als Massstab nimmt, natürlich eine breitere Investionsgrundlage hat, die man sonst ausser Acht lassen würde. Ebenso hat man auch noch den Zinseszins-Effekt, der ja bei der Ausschüttung nicht in dem Masse erfolgen kann, da ich die Ausschüttung ja versteuern muss und Transaktionskosten für den Neuerwerb von Anteilen habe.
      Anderseites muss ich halt u.U. in einer schlechten Marktsituation verkaufen, wenn ich ein regelmässiges Einkommen haben will, und das ist meiner Meinung nach das groesse Manko.

      Desweiteren ist natürlich der psychologische Effekt ein komplett Anderer:

      Als Dividenen-ETF-Investor muss ich überhaupt nicht aktiv werden und haben regelmässig Geld auf meinen Konto durch Ausschüttungen. Passiver gehts gar nicht 🙂

    • Dummerchen 13. Mai 2014, 16:45

      Auf einen Aspekt möchte ich nur kurz eingehen und das ist die Funktion der verschiedenen Assets in einem Portfolio. So schön es wäre, wenn alle Assets (Aktien, Anleihen, …) „Rendite-Turbos“ wären; sie sind es nicht und vor allem zumeist nicht zur gleichen Zeit:
      Wenn die Börsen boomen, sind Anleger zumeist wenig an Anleihen interessiert und deren Kurse dümpeln daher im Keller. Geht’s an den Börsen mal steil bergab, flüchten viele Anleger von den „bösen Aktien“ wieder „in den sicheren Hafen“ der Anleihen und die Anleihenkurse steigen aufgrund der erhöhten Nachfrage. (Das ist kein sinnvolles Massenverhalten, aber es wiederholt sich immer wieder.) Stark vereinfacht könnte man sagen, dass eines der beiden Assets tendentiell weniger attraktiv ist, wenn es mit dem anderen gerade nach oben geht. Es ist also ggw. gar nicht so verwunderlich, dass Staatsanleihen wenig rentabel sind.
      In meinem Portfolio haben(*) AAA-Staatsanleihen die Funktion des „sicheren Ankers“. Irgendwann (und niemand weiß wann) werden die Börsen wieder fallen und dann ist ein Teil meines Geldes nicht von diesem Abwärtstrend erfasst. Jeder muss für sich selbst wissen, wie hoch der risikoarme Anteil des Portfolios bei ihm sein soll. Einer braucht 90% „Sicherheit“, ein anderer 20%. Es gibt da kein richtig oder falsch.
      Will man eine höhere Rendite als Staatsanleihen, könnte man in Unternehmensanleihen investieren. Ich bin kein Freund davon – Holger findet diesen Anleihentyp hingegen nicht schlecht. Meiner persönlichen Meinung nach hat man mit Unternehmensanleihen ein Mittelding zwischen Aktien und Anleihen. Damit geht mir die Ankerfunktion verloren, denn Unternehmensanleihen korrelieren stärker mit Aktien. Ich würde daher eher den Aktienanteil im Portfolio erhöhen und stattdessen den risikoarmen Anleihenanteil mit AAA-Staatsanleihen ausstatten, anstatt mir Unternehmensanleihen ins Boot zu holen.

      (*)Ich habe gar keine Staatsanleihen, da ich Sparbriefe/Festgeldleitern bevorzuge. Die Depotfunktion ist aber die selbe.

  • Juanito 12. Mai 2014, 10:03

    Hi Dummerchen,

    Danke für Deine Antwort. Nein, an der breiten Streuung (über möglichst gering korrelierte) Anlageklassen führt kein Weg vorbei.

    Ich wollte damit deutlich machen, dass m.M.n. die genaue Aufteilung des Aktienteils – immer vorausgesetzt, dass eine Diversifikation innerhalb dessen besteht – überbewertet wird & diverse heuristische Modelle mindestens genauso gut funktioniert haben.

    Man könnte ja auch der Ansicht sein, dass die z.B. im MSCI World, S&P 500 oder Stoxx Europe 600 Index enthaltenen Werte zwischen 20-40% Umsatz in den Emerging Markets machen (siehe Coca Cola, Unilever, Nestle etc.) und man deshalb keine weitere Allokation mehr in diese Märkte benötigt. Aber das sind Nuancen. M* hat(te) auf ihrer Seite ein paar schöne Beispiele, wie simple 50/50 Portfolios (Dax/Rex, Stoxx 600/Euro Sov etc.) 98% aller Mischfonds über fast alle Zeiträume schlagen.

    Ja, hab ich mir angeschaut und als „Nerd“ mit recht robusten Statistikkenntnissen sogar diverse Male selbst Korrelationen & Kovarianzen berechnet. Es stimmt schon, was Du sagst, dass es regelmäßig zu Verschiebungen kommt, aber auffällig ist, dass innerhalb von Assetklassen kaum noch sinnvoll diversifiziert werden kann in puncto Korrelation.

    Saludos
    Juanito

  • Dirk 13. Mai 2014, 21:15

    Hallo Holger,

    ersteinmal möchte dir für zu deinem Blog gratulieren, es ist sicher einer der besseren deutschsprachigen Finanzblogs zum Thema Vermögensaufbau. Schön dass du auch die bei der Kapitalanlage vernachlässigten Themen aus dem Bereich Behavioural Econ ansprichst. Und die Immobilienbeiträge natürlich 😉

    Dieser Beitrag und ein paar andere lassen mich aber mit viel Stirnrunzeln zurück.

    Zum einen verwendest du implizit in deiner Argumentation im Podcast die Effizienzmarkthypothese (also: den Markt kann man ohnehin nicht schlagen, denn sonst würden es schon viele ausgenutzt haben), auf der anderen Seite argumentierst du mit einer angeblich historisch überdurchnittlich guten Marktperformance der Small-Caps und widersprichst damit der Effizienzmarkthypothese. Das ist nun nicht sehr konsistent. Das die behaviouristische Forschung der EMH auch wiederspricht sei hier nur kurz angemerkt.

    Obwohl ich noch kein expliziter Dividendensammler bin, sondern nur bislang gewöhnliche ausschüttende ETFs in meinem Depot habe möchte ich gerne mal eine Lanze für Dividendenstrategien brechen:

    1) Gerade bei im Aufbau befindlichen Depots ist sehr sinnvoll seinen Sparerpauschbetrag von 801€ auszunutzen, da ich hierdurch viel mehr Freibeträge mitnehmen kann, als wenn ich nur thesauriere. Klar, ich kann auch meinen Freibetrag auch durch einfaches Verkaufen und direkt nachfolgendes Einkaufen ausnutzen. Ja, aber passiv ist es dann nicht mehr.
    Da ist die Dividendenstrategie naturgemäß im Vorteil.

    2)Value-Aktien (Aktien mit einem hohen KBV) geben eine überdurchschnittliche Performance:
    http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1960510
    Auch dein Link Richtung Fama/French sagt entsprechendes aus.

    Da es naturgemäß eine starke positive Korrelation zwischen Firmen mit einem hohen Buchwert und Firmen mit einer hohen Dividendenausschüttung gibt, wählen Dividendensammler implizit die Aktien im Markt, die sich besser als der gesamte Markt entwickeln.

    Daher haben Dividendenstrategien für mich nichts irrationales, sondern sind schon sinnvoll.

    Stock-Picking ist natürlich für einen Kleinanleger nicht sinnvoll. Neben der Klumpenproblematik unterliegt nicht nur der Kleinanleger hier viel zu vielen Wahrnehmungsproblem. Ferner kann man auch noch Transaktionskosten und Doppelbesteuerungsproblematiken erwähnen.

    Aber dafür gibt’s ja auch ETFs auf Basis von Dividenden und Value-Strategien. Sogar welche die die Dividenden thesaurieren 😉
    Für meine nächste Strategie- und Depotüberprüfung im Spätherbst steht daher durchaus eine Entscheidung darüber an.

    Gruss,
    Dirk

    • Holger Grethe 13. Mai 2014, 22:12

      Hallo Dirk,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      „Zum einen verwendest du implizit in deiner Argumentation im Podcast die Effizienzmarkthypothese (also: den Markt kann man ohnehin nicht schlagen, denn sonst würden es schon viele ausgenutzt haben), auf der anderen Seite argumentierst du mit einer angeblich historisch überdurchnittlich guten Marktperformance der Small-Caps und widersprichst damit der Effizienzmarkthypothese. Das ist nun nicht sehr konsistent.“

      Nein, die überdurchschnittliche Performance von Small-Caps stellt keinen Widerspruch zur Effizienzmarkthypothese (EMH) dar. Diese besagt im Kern ja nur, dass Anleger keine überdurchschnittlichen Renditen einfahren können, ohne dabei überdurchschnittliche Risiken einzugehen.

      Genau das ist aber bei Small-Caps der Fall, denn diese haben eine höhere Volatilität als Large Caps. Der Anleger wird für dieses höhere Risiko jedoch mit einer entsprechenden Risikoprämie entlohnt: einem Renditeplus von etwa 3% im Vergleich zur Durchschnittsrendite des Gesamtmarktes.

      Diesen Zusammenhang kann man also nutzen, um durch eine Beimischung von Small Caps die Rendite des Gesamtportfolios zu optimieren.

      Gemäß des 3-Faktoren-Modells von French/Fama (es tut mir für alle mitlesenden Einsteiger Leid, wenn es an dieser Stelle zugegeben etwas speziell wird) gibt es darüber hinaus eine Risikoprämie für Value-Aktien. Diese fällt sogar noch höher aus als die Risikoprämie für Small Caps.

      Wie in diesem Artikel ausgeführt wird, ist die Orientierung an der Dividendenausschüttung allerdings die schlechteste aller Value-Strategien.

      Aber das sind letztlich Kleinigkeiten.

      Der Grund, warum ich viele Dividendensammler liebevoll als „irrational“ tituliere, ist die häufig emotionale „Beziehung“ zur Ausschüttung. 😉

      Nicht nur bei der Vermögensbildung gilt der Satz: „You can´t have your cake and eat it.“

      Soll heißen: wenn ich langfristig Vermögen aufbauen will, sollte ich mir tunlichst den Zinseszinseffekt zunutze machen. Dazu müssen die Dividendenausschüttungen wieder angelegt werden. Wenn ich die Dividenenauschüttungen in der Ansparphase als passives Einkommen betrachte und verkonsumiere, fehlen diese zwangsläufig bei der Vermögensbildung.

      Ich habe den Verdacht, dass es diesbezüglich einfach zwei unterschiedliche Argumentationslinien bzw. Zielsetzungen gibt, die für Missverständnisse sorgen.

      Die Tagline meines Blogs ist nicht zufällig „Erfolgreiche Vermögensbildung in Eigenregie“. Es gibt ja nun schon genug Blogger, die auf den „Erreiche finanzielle Unabhängigkeit durch passives Einkommen“-Busch klopfen 😉

  • Dirk 13. Mai 2014, 23:39

    Hallo Holger,
    danke für deine Antwort!

    Gedanklich hat sie mich selbst weitergebracht im Bezug auf Fama/French; mir ist das Modell erst durch deinen Beitrag begegnet und konnte es zur Zeit meines Kommentars daher noch nicht dort richtig einordnen.

    Einig sind wir uns ohnehin darin, dass das Stock-Picking von Dividendentiteln nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Dennoch scheint mir eine strategische Umsetzung von Value-Strategien zur Renditeoptimierung sinnvoll zu sein, wenn man risikobewusst ist und das Rentenalter noch weit weg.
    Wenn man monatlich per Sparplan einzahlt, ist man natürlich sehr schnell bei Dividenden-ETFs; da Value-ETFs meistens nicht sparplanfähig sind oder andere Negativpunkte aufweisen.

    Übrigens, aus meiner Sicht wichtig darauf hinzuweisen: Die der SMB Faktor von French/Fama der die Überrendite der Small-Caps misst ist sehr stark länderabhängig. In Deutschland ist er negativ (siehe Paper von oben).

    Danke für den Hinweis mit Fama/French,

    Dirk

  • Karl 14. Mai 2014, 21:49

    Hallo Holger,

    ich finde es bewundernswert, dass du mit Logik an dieses emotionale Thema herangegangen bist.
    Ich glaube für beide Strategien spricht ihr Teil.
    Der eine braucht jeden Monat die sichtbare Bestätigung auf dem Konto, dass sein Geld „arbeitet“, der andere nicht. Welche Strategie in Zukunft besser funktioniert werden wir sehen
    Bei der Dividendenstratg. nutze ich zumindest den derzeitigen Abgeltungssteuersatz. Wie hoch der in Zukunft ist werden wir sehen. Nur niedriger wird er eher nicht.
    Der passive Ansatz ist toll, nur leider kann ich da wenig selbst beeinflussen (soll man nicht- möchte ich aber). Man kauft einen (den gesamten) Markt und sitzt dann damit rum.
    Das kann ich aber auch mit Dividenden ETFs-machen und mir dann jeden Monat überlegen, wo ich jetzt wieder investieren möchte (So mach ich das). Das Verkonsumieren von Erträgen sollte man sich abschminken. (zumindest bis zur sog.„Rente“).

    Klar ist, bei beiden Ansätzen braucht der Anleger Selbstdisziplin.

    • Holger Grethe 15. Mai 2014, 07:23

      Hallo Karl,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      „Der passive Ansatz ist toll, nur leider kann ich da wenig selbst beeinflussen (soll man nicht- möchte ich aber). Man kauft einen (den gesamten) Markt und sitzt dann damit rum.“

      Man kann natürlich einfach nur sitzen, oder aber die Zeit anderweitig nutzen. Deswegen ist ja mein Motto: Lebe aktiv, investiere passiv. Und nicht andersrum… 😉

    • Dummerchen 15. Mai 2014, 12:03

      Off-Topic, aber ich kann nicht anders:

      „Ich sitze hier, weil es mir Spaß macht!“
      -> Grandiose Verlinkung.

  • KA Marx 15. Mai 2014, 15:45

    Hallo Herr Grethe,
    super Artikel zu einem „emotionalen“ Thema. Rein rational betrachtet sehe ich auch nur die folgenden wirklichen Vorteile:
    1. Ausschöpfung aller vorhandenen Freibeträge, ggf. auch solche der Kinder
    2. Einsparung von (Börsen-)Verkaufsgebühren, wenn regelmäßige Liquidität benötigt wird. Dividendenzahlungen kommen spesenfrei, also rein netto.

    Alle anderen Punkte sind eher emotionaler Natur, deshalb aber nicht unwichtig:
    3. Regelmäßige Liquidität ist erfreulich, erhöht und erhält die Sparmotivation
    4. Regelmäßige Liquidität kann systematisch genutzt werden, um anti-zyklisch nachzukaufen.

    Fazit:
    Es gibt für nicht wenige Sparer bis ca. 30-40.000 € Depotvolumen gute Gründe, Div.-Titel bzw. Div.-ETFs zu wählen zur Ausschöpfung des Freistellungsvolumens.

    Da viele Dividendenwerte deckungsgleich sind mit Value-Aktien, ist es „eine Art von Value Investing mit angeschlossener Dividendenstrategie“. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass sich ein solches Segment sinnvoll einfügen muss in eine rationale Gesamt-Portfoliogestaltung.

  • Bockenheimer 19. Mai 2014, 17:04

    Ich würde mal gerne als kritischen Einwurf die möglichen Gefahren durch ETFs bringen.

    1.) Synthetische Konstruktionen = d.h. ich kaufe mit einigen ETFs alles, aber nicht die Werte des Index, z.B. wird der japanische TOPIX gerne von db-xtrackers genommen.

    2.) Wertpapierleihe = Alle ETF-Anbieter, wenn sie replizierende Produkte anbieten, gehen solche „Tauschgeschäfte“ teilweise mit erheblichen Teiles des Portfolios ein. Das machen viele aktive Fonds auch. Ich empfehle mal einen Blick z.B. auf ishares. Da ist man teilweise bis 20% in südeuropäischen Bankanleihen investiert, obwohl man doch in den MSCI World investieren wollte.

    3.) Aktien werden bei ETFs nach Marktkapitalisierung gewichtet. Das ist ein Konstruktionsfehler, denn so steigen in einer Hausse die Top-Holdings überproportional.
    Siehe auch z.B. http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/indexfonds-bank-of-england-sieht-gefahren-durch-etfs-a-963162.html

    http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/a-890012.html

    4.) Der Vorteil ist auch zugleich Nachteil. Wenn es kracht, bin ich voll dabei und zahle noch eine jährliche Gebühr dafür.

    ETFs sind nicht die eierlegende Wollmilchsau. Dahinter steckt immer noch eine Finanzindustrie, die alles dafür tut, an „unser Bestes“ ranzukommen.

    Vielleicht widmest Du dem Thema mal einen Artikel, so dass jeder für sich einschätzen kann, welche Vor-/Nachteile überwiegen.

    • Holger Grethe 19. Mai 2014, 18:25

      Die möglichen Gefahren von ETFs unter einem Artikel über Dividendenstrategien zu diskutieren, ist zwar ziemlich „off topic“, aber gut…

      „1.) Synthetische Konstruktionen = d.h. ich kaufe mit einigen ETFs alles, aber nicht die Werte des Index, z.B. wird der japanische TOPIX gerne von db-xtrackers genommen.“

      Das Phänomen ist bekannt und kann durch die Beschränkung auf physisch replizierende ETFs auf Wunsch umgangen werden.

      „2.) Wertpapierleihe = Alle ETF-Anbieter, wenn sie replizierende Produkte anbieten, gehen solche “Tauschgeschäfte” teilweise mit erheblichen Teiles des Portfolios ein. Das machen viele aktive Fonds auch.“

      So ist es. ALLE machen es. Man sollte nicht davon ausgehen, dass das Fondsmanagement eines ETF jedem x-beliebigen Marktteilnehmer Wertpapiere leiht, ohne dafür entsprechende Sicherheiten einzufordern.

      „3.) Aktien werden bei ETFs nach Marktkapitalisierung gewichtet. Das ist ein Konstruktionsfehler, denn so steigen in einer Hausse die Top-Holdings überproportional.“

      Das ist sicher kein Vorteil, aber die Gewichtung nach Marktkapitalisierung als Konstruktionsfehler zu bezeichnen halte ich doch für etwas weit hergeholt. Meines Wissens hat sich in der Langzeitbetrachtung keine alternative Gewichtungsmethode als überlegen herausgestellt.

      „4.) Der Vorteil ist auch zugleich Nachteil. Wenn es kracht, bin ich voll dabei und zahle noch eine jährliche Gebühr dafür.“

      Viel wichtiger ist es, dabei zu sein, wenn die Kurse in den Himmel steigen und dann nicht an der Seitenlinie auf einem Haufen Cash sitzend auf den vermeintlich „optimalen“ Einstiegszeitpunkt zu warten. 😉 Es ist eindeutig belegt: die Market Timing-Fähigkeiten von Privatanlegern sind mehr als dürftig und sorgen dafür, dass diese die Marktrendite deutlich verfehlen…

      „Vielleicht widmest Du dem Thema mal einen Artikel, so dass jeder für sich einschätzen kann, welche Vor-/Nachteile überwiegen.“

      Diese Anregung greife ich bei Gelegenheit gerne auf!

    • Dummerchen 19. Mai 2014, 19:22

      „3.) Aktien werden bei ETFs nach Marktkapitalisierung gewichtet. Das ist ein Konstruktionsfehler, denn so steigen in einer Hausse die Top-Holdings überproportional.
      Siehe auch z.B. http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/indexfonds-bank-of-england-sieht-gefahren-durch-etfs-a-963162.html

      Hast Du auch mal den zitierten und genauso (Entschuldigung!) dummen FAZ-Artikel gelesen?
      http://www.faz.net/aktuell/finanzen/etfs-gefaehrden-finanzmarktstabilitaet-12884615.html

      Im Kommentarbereich wird der Autor zurecht auf seinen Denkfehler hingewiesen – ich zitiere mal:
      „Ein Index-ETF muss, da es ja die Aktien im Index zur Indexgewichtung haelt, nur dann zu- oder verkaufen wenn sich die Zusammensetzung des Index aendert, Dividenden gezahlt werden oder es zu Zu- oder Abfluessen aus dem ETF kommt. Marktbewegungen loesen keine Transaktionen aus, da der ETF ja den Index abbildet und somit seine Kursbewegungen 1:1 nachvollzieht.“
      Mehr ist dem eigentlich nicht hinzuzufügen.

      Ach, und der Artikel bezog sich auf einen Vortrag der Bank of Scotland. Wenn Du Lust hast, schau doch mal selbst in diesen Vortrag. Google BankofScotland und speech723 und Du wirst fündig werden und erstaunt sein, dass die FAZ sich da was aus den Fingern gesaugt hat, ohne das Konstrukt eines ETFs verstanden zu haben.

  • S. Schnabel 24. Mai 2014, 12:59

    Wer im Alter ein relativ konstantes Zusatzeinkommen will, ist mit Dividenden gut beraten. In der Ansparphase ist das Reinvestieren ein Kostenfaktor. In der Entnahmephase hingegen sind Dividenden überlegen. Nicht nur, weil man dann keine Transaktionskosten hat. Sondern auch, weil man seine Depotstruktur nicht kaputt macht. Jemand hat geschrieben, man „kann ja auch selbst z.B. 2% seiner Aktienanteile verkaufen“. Um die Depotstruktur nicht kaputt zu machen, müsste ich aber 2% JEDER Aktie verkaufen. Bei 100 Aktien also 100 gebührenpflichtige Verkauforder! Wenn ich weniger Orders will, müsste ich zwei Aktien komplett verkaufen und würde mir Stück für Stück die Diversifikation kaputt machen. Dividenden kommen ausserdem verteilt über das Jahr, wenn ich das über aktive Verkäufe realisieren will, habe ich nochmals viele Order mehr.
    Das Diversifizierungsproblem kann man natürlich elegant über ETFs lösen, hat allerdings wieder Gebühren. Eben genau wie beim aktiven Nachkaufen und Verkaufen.

  • Covacoro 1. Juni 2014, 17:30

    Holger sagte: „Meines Wissens hat sich in der Langzeitbetrachtung keine alternative Gewichtungsmethode als überlegen herausgestellt.“

    Was wäre für Dich denn eine Langzeitbetrachtung der Gewichtungsmethode?
    20 oder 30 oder 50 Jahre? Du erwähnst ja weiter oben bereits das „Risk premium“, d.h. die höhere Rendite bei höherem Risiko, was mit einer Übergewichtung von Small Cap Aktien und Value-Aktien erreichen kann. Meine Denke hier ist übrigens: es ist keine Übergewichtung, sondern die Korrektur der Untergewichtung dieser Unternehmen in den marktkapitalisierungsgewichteten Indizes, die die News und Finanzindustrie bestimmen. Uns wird eingeredet, dass wir diese Indizes als Benchmark nutzen sollen…

    Zurück zum Thema: 20 Jahresbetrachtung zu Indexgewichtung z.B. S&P500 TR von 1991 bis 2010 findet man z.B. hier:
    http://valueweightedindex.com/IndexComparison/Comparison/
    und die CASS Business school hat eine ähnliche Studie für den Zeitraum 1969-2011 gemacht und kommt zum gleichen Ergebnis: „We find that all of the alternative indices considered here would have produced a better riskadjusted
    performance than could have been achieved by having a passive exposure to a
    market-capitalisation weighted index.“
    http://www.cassknowledge.com/sites/default/files/article-attachments/evaluation-alternative-equity-indices-part-1-cass-knowledge.pdf
    http://www.cassknowledge.com/sites/default/files/article-attachments/evaluation-alternative-equity-indices-part-2-cass-knowledge.pdf

    Wo ist denn für Dich der Fehler in diesen Studien ?
    Covacoro

    • Holger Grethe 2. Juni 2014, 21:04

      Für mich ist kein Fehler in den Studien, sondern ich sehe vielmehr ein praktisches Problem: alternative Gewichtungsmethoden sind für Privatanleger kaum investierbar.

      Es gibt zwar ein paar ETFs, die nicht nach Marktkapitalisierung gewichten, aber deren Fondsvolumina sind tendenziell klein. Damit steht in den Sternen, ob es diese Produkte 10, 20 oder gar 30 Jahren überhaupt noch gibt und sie nicht vorher geschlossen werden.

      Aus der branchenweiten Präferenz für die Marktkapitalisierung eine Art Verschwörung von Medien und Finanzindustrie abzuleiten, halte ich zudem für etwas weit hergeholt.

      Selbst Fondsgesellschaften wie Dimensional Funds Advisors (DFA) gewichten, wenn ich mich nicht arg täusche, nach der Marktkapitalisierung. Und das, obwohl sie mit ihren Assetklassenfonds völlig unabhängig von allen kommerziellen Indizes agieren. Dies hat sicher finanztheoretische Gründe, ich bin aber gerade zu faul, nach passenden Studien zu suchen. 😉

      Man muss sich auch klar darüber sein, dass eine Diskussion über Gewichtungsmethoden von Indizes mehr oder weniger akademische Fingerspielereien sind. Die Mehrheit aller Anleger plagt ganz andere Probleme. Da lautet die Frage eher, ob man überhaupt in den Aktienmarkt investieren sollte und nicht, wie nun Small Caps im Verhältnis zu Large Caps zu gewichten sind.

    • Covacoro 3. Juni 2014, 17:44

      @Holger

      Diese Betrachtung als akademisches Fingerspielchen abzutun, ist nicht gerechtfertigt. Warum soll ein Privatinvestor überhaupt einen ETF kaufen, wenn bei näherem Hinsehen sowohl Diversifikation als auch Kosteneffizienz durch direkte Investition besser gelöst werden können?

      DFA will v.a. auch seine Produkte verkaufen. Denn Diversifikation ist ja kompliziert und nur ein „unabhängiger“ Finanzberater blickt da durch und darf Dir daher einen Fonds verkaufen. Zitat von ihrer Webseite:
      „Dimensional bietet daher seine Fonds nicht direkt Privatanlegern an. Stattdessen machen wir Privatanlegern unsere Fonds über ausgewählte Finanzdienst-leistungsunternehmen zugänglich. Anlageerfolg beginnt mit einem ordentlich diversifizierten Portfolio. Der Aufbau eines solchen Portfolios ist ein kompliziertes Verfahren, das am besten von qualifizierten, professionellen Beratern unterstützt wird.“ Dazu sage ich mal nichts weiter.

      Im Übrigen wäre es schon schön, wenn Du detailliert auf die Studien antworten würdest. Sowohl die Methode Gleichgewichtung (jede Aktie erhält anfänglich 1/n Gewicht und Rebalancierung darauf) als auch die Methode „Affe wirft Dartpfeil 1x jährlich“ schlagen die Methode nach Marktkapitalisierung in den 70er, 80er und 2000er Dekade, nur in den 90er Jahren performten diese gut. Sowohl Gleichgewichtung als auch Zufallsauswahl sind sehr wohl für den Privatanleger investier- und umsetzbar. Finanzen sind nicht kompliziert – sie werden so gemacht !
      Der Wohlfühlfaktor in einem breit angelegten ETF investiert zu sein, wird sich beim nächsten Crash schnell in Luft auflösen.

    • Dummerchen 3. Juni 2014, 19:37

      Irgendwie habe ich das Gefühl, eine Art deja-vu zu erleben:
      https://zendepot.de/warum-etfs-nicht-die-loesung-sind/#comment-1567

      Hatten wir die Studie nicht schon mal beleuchtet? Ich würde weitestgehend beim Inhalt meines damaligen Kommentars bleiben. Wer kleine Unternehmen ggü. ihrer Marktkapitalisierung übergewichtet, hat eine höhere Renditeerwartung (und ein höheres Risiko!). Meiner bescheidenen Meinung nach, zeigt die Studie nicht viel anderes auf.

      (Kleiner Mathe-Exkurs: Eine 1/n-Gewichtung ist eine Übergewichtung kleinere Unternehmen, da ja jedes Unternehmen unabhängig von seinem Kapitalisierung gleich stark (z.B. mit 1/600 im Stoxx Europe 600) gewichtet wird.
      Und eine Zufallsauswahl mit gleicher Wahrscheinlichkeit für die Wahl jedes Unternehmens führt auch zu einer Übergewichtung kleinerer Unternehmen. Ein Unternehmen mit dem Gewicht von einem Zehntel des Index-Top-Unternehmen wird schließlich mit gleich hoher Wahrscheinlichkeit ausgewählt und nicht mit einem Zehntel.)

      Und eine Gewichtung mit Value-Kriterien ist auch nicht ohne Probleme, da diese Value-Daten wieder interpretiert werden müssen. Klingt für mich irgendwie nach einer aktiven Investmentstrategie mit zusätzlichen Kosten und daher suboptimal.

      Ich frage mich immer noch: Warum nur sind all diese hoch bezahlten Investmentbanker nicht in der Lage, mit Ihren Dartpfeilen die entsprechenden Vergleichsfonds konsistent zu schlagen? Das muss doch so einfach und ohne jeden Aufwand möglich sein ;).

      Auf mich macht Dein Posting so ein klitzekleines bisschen den Eindruck, als würdest Du das Haar in der ETF-Suppe suchen: Bloß weil es Möglichkeiten gibt, mit höherem Aufwand und höherem Risiko, die Marktrendite zu schlagen, sind ETFs per se für Dich schlecht. Die 0,2%-0,4% jährlichen Kosten sind auch viiiel zu hoch, denn wenn man direkt Aktien kauft, ist das ja viiiiel günstiger. Ja, eine Direktinvestment in Aktien ist günstiger. Aber es ist auch riskanter, da Du mit vertretbaren Mitteln kaum marktbreit streuen kannst. Was lässt Dich so sicher sein, dass Du in der Lage bist, diejenigen Firmen herauszupicken, die mindestens so gut sind wie der Index? Ich kann’s nicht. Und ob gesampelten Replizierer das konsistent schaffen, wage ich je nach Anzahl der Samples auch zu bezweifeln.

      Deine Aussage, dass ein Direktinvestment sogar besser als eine Investition in einen breiten Index diversifiziert, finde ich darüber hinaus bedenklich. Das Merkmal einer Diversifikation ist doch gerade die Streuung.

      „Der Wohlfühlfaktor in einem breit angelegten ETF investiert zu sein, wird sich beim nächsten Crash schnell in Luft auflösen.“

      Huh, ich fühle mich ein wenig wie bei „nostradamus tv“ ;).

      Und ganz im Ernst: Der Wohlfühlfaktor in Aktien investiert zu sein, wird sich bei einem Aktiencrash bei jeder Art der Aktienbeteiligung in Luft auflösen. Ob Du dann Deine 20 oder 30 Aktien im Depot hast oder ich meine ETFs wird dabei keine Rolle spielen. Entscheidend wird vielmehr sein, ob jeder die Nerven behält und eben nicht im Crash verkauft. Der verlorene Wohlfühlfaktor ist der Preis, den jeder Anleger zu zahlen hat, wenn er das „Risk premium“ einer Aktienanlage erhalten möchte. Da ist es aber egal, ob Aktien-ETFs oder Einzelaktien in den Keller rauschen. Mit dem richtigen Mindset und einer sinnvoll gewählten Aufteilung von risikoarmen und risikoreichen Anlagen, sollte das aber eigentlich kein Problem sein.

      Außer natürlich, man weiß vorher, welche Aktien besser als der Markt abschneiden. Dann ist generell die Direktanlage vorzuziehen. Meine Glaskugel ist hier allerdings kaputt – ich traue mir den Nostradamus nicht zu. Genau deshalb investiere ich marktbreit in ETFs.

  • Sams1974 4. Juni 2014, 13:03

    Schöner Blog, dafür mal ein Kompliment.
    Ich habe bis jetzt nur Aktien einzelner Unternehmen im Depot.
    Damit bin ich bis jetzt zufrieden und ich warte mal auf eine Baisse um zu schauen wie sich es dann mit dem Depot verhält.
    Naives Ziel vor etwa 4 Jahren war einfach den Freibetrag abdecken. Tja das ging dann schneller als erwartet.
    Übrigens einer meiner Fehler, Sicherheit Übergewichten.
    Bei der Sparquote auf die Kacke gehauen. Rauchen aufgehört etc. Schon rollt der Rubel.
    Ein paar kleine Gedanken was an den Dividenden und Aristokraten mich in Sicherheit wiegt, soweit ein Subjekt sich einbilden kann objektiv zu sein.
    1. Der Cashflow auf dem Konto bringt etwas Entscheidungsspielraum.
    Er erhöht die monatliche Sparquote, Liquidität kann damit finanziert werden…
    So gesehen ist es ein Wert an sich, bei schlechter Marktlage weniger
    Handlungsdruck. Wenn man glauben will das auch der Markt hin und wieder
    irrational ist.
    2. Aristokraten die 30-50 Jahre die Dividenden anheben haben wohl unleugbar einen
    Cashflow. Vergangenheit ist Geschichte ok aber worauf beruhte der Umstand das in
    der Regel positiver Geldzufluss über Dekaden zu verzeichnen war?
    Marken, Marktmacht und mit Sicherheit ein funktionierendes Geschäftsmodell, alles
    Vergangenheit ok aber die Wahrscheinlichkeit das KO weiter seine Brause
    verkauft. Altria seine Malboro vertickt etc. Auf jedenfall ist nur das glotzen auf
    die Dividendenrendite ein Fehler. Aktienrückkäufe richtig. Wenn das Unternehmen
    mit dem Cashflow gut investieren kann muss das machen, keine Frage.
    Eben da ist es nicht egal ob ich einen Index habe oder ein Unternehmen das
    Cashflow produziert, wenn die Börsen korrigieren. Da ist es dann ungünstig zu
    verkaufen da wirkt dann der Cashflow auf mein Depot denn die Dividende hat mehr
    mit dem Unternehmen zu tun als mit dem „Markt,Börse“. Natürlich nur wenn man
    davon ausgeht das der Markt eben nicht rational ist.
    3. Die Streuung ist natürlich ein Problem keine Frage das dort anderes besser ist, aber
    eines habe ich hier noch nicht gelesen. Ich rede über Unternehmen die auf jeden
    Kontinent vertreten ist.
    Sogar ein Midcap wie Südzucker ist jetzt doch schon heftig was Geschäftsbereiche
    und Gebiete angeht „diversifiziert“
    Nun ja ich danke für ein paar lesenswerte Infos und Denkanregungen. Überlege die Quote von 100% in Einzelunternehmen etwas zurückzunehmen.
    Anleihen, ETF´s man wird sehen.
    mfg

  • Julian 5. April 2015, 22:38

    Ich habe ehrlich gesagt sehr lange über diesen Artikel nachgedacht.
    Mir leuchtet der Ansatz von Holger auch vollkommen ein. Andererseits verstehe ich die Leute, denen regelmäßige Auszahlungen lieber sind. Hier wird mal wieder klar, dass man ein klar formuliertes Ziel braucht…..hohes Vermögen zum Zeitpunkt X vs. „passives Einkommen“ durch Dividenden (quasi als Zinsersatz). Das hat sicherlich auch etwas mit dem Anlagehorizont zu tun.

    Ich möchte allerdings einen weiteren Punkt beleuchten:
    Nachdem ich 2013 mein Depot mit einer etwas modifizierten „Kommer Strategie“ startete, musste ich ca. 2 Jahre später nochmals in seinem Buch (S.117- „Fehler Nr. 7-Ein gutes Unternehmen für eine gute Aktie halten“) nachschauen was die Gründe für den Ansatz „Large Caps-Value/Small Caps- Blend“ waren. Meiner Meinung geht es dem Autor dort ja gar nicht um die Dividendenauszahlungen der Large Caps Positionen selbst, sondern um die Hypothese, dass Aktien (ETfs) mit höheren Dividendenzahlungen oft auch unterbewertete Titel seien und somit im Einkauf günstiger sind als Growth Aktien. Habe ich das falsch verstanden?Vielleicht kann hier jemand dazu auch noch etwas sagen.

  • Mike 19. April 2015, 18:29

    Zufällig bin ich auf diesen Artikel gestoßen und muss Julian zustimmen. Es kommt immer darauf an, was jeder möchte und die Ziele sind. Ich habe einige Aktien von großen Unternehmen vererbt bekommen. Die Dividenden und die Steigerungen der Dividenden der letzten Jahre lassen mich ein finanziell unabhängiges Leben führen. Ich möchte nicht auf Kursgewinne angewiesen sein. Mein Einkommen ist relativ gut planbar. Um ein Vermögen mit der Dividendenstrategie aufzubauen kann ich nicht sagen, da habe ich keine Erfahrung. Wenn aber genug da ist, lebt es sich damit sehr gut.

    Mike

  • Jean 7. Oktober 2015, 10:23

    Ich empfehle Jeremy Siegel „Überlegen investieren“, hier wird deutlich über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren aufgezeigt, dass Dividendenaktien im Gegensatz zu Aktien die keine oder nur eine geringe Dividende (Ausnahme W. Buffet) auszahlten, eine deutliche höhere Langfristrendite bringen.

    http://www.amazon.de/%C3%9Cberlegen-Investieren-traditionellen-Anlage-Strategien-auszahlen/dp/3898792048

  • JoJo 9. Oktober 2015, 19:06

    Hallo!

    Ich schließe mich den vorrednern an: zum vermögensaufbau bringt die dividenden strategie keinen vorteil gegenüber „keiner strategie“
    beweise, dass aristokraten in der vergangenheit besser gelaufen sind als andere aktien sind doch dasselbe wie: google ist besser gelaufen als nestle, soll ich jetzt google kaufen?

    An einem punkt aber denke ich muss man von reiner strategie mal absehen. Und zwar wenn sich die Frage stellt: Aus welchen Teilen meines aktienvermögens soll ich laufende Erträge zum Konsum beziehen?
    a) aus Dividendenaktien über die Dividende
    b) aus Verkäufen von nicht ausschüttenden Unternehmen

    Ich würde für a) plädieren und das hat keinen Grund der sich auf Depot oder Börsenebene findet sondern auf Unternehmensebene.

    Warum/wann schüttet ein Unternehmen Gewinne aus ? Wenn das Unternehmen dieses Geld nicht gewinnbringender investieren kann als die dividendenrendiete.
    Aktionärsversammlung: Sollen wir 3,50 ausschütten oder lieber eine Fabrik bauen, die uns „garantiert“ ein ROI von 10% bringt im nächsten Jahr?
    Ein Unternehmen, dass seine Gewinne nicht ausschüttet, von dem darf man Wachstum erwarten. berkshire überweist dir halt nicht die dividende, sondern kauft lieber ne firma davon, die die dividendenredite übertrifft.
    deswegen wachsen die dividendenaristokraten auch nicht mehr so stark. worin soll coke noch die anderen 30% dieses milliardenumsatzes investieren?? werbung ist schon am limit, ne neue sorte gibts im labor für 2 mark 50

    diese aussage hilft einem natürlich nur weiter wenn man google und nestle im depot hat und überlegt ob man nicht die nestle divi reinvestieren sollte (noch mehr dividende im nächsten jahr) und google dafür verkaufen sollte um seinen konsum zu finanzieren.

    eine kauf/verkauf entscheidung mit freiem geld ist wesentlich tiefgreifender

    übertragbar auf ETF, habe es mal mit beispielunternehmen gemacht, da bildlicher.

    VG

    JoJo

  • John 24. Oktober 2015, 17:41

    Hi,

    sehr guter Artikel! Ich glaube übrigens, dass Menschen gar nicht rational sein können, jedenfalls nicht durchgängig, da wir ja schließlich keine Vulkanier sind 😉

    Ich handhabe das ganz pragmatisch: Ich kaufe vorrangig Titel mit guter Divi-Rendite, allerdings nicht NUR wegen dieser, sondern weil ich dem Titel auch Kursgewinne zutraue. DIe Dividende hält mich bei Laune, bis der gewünschte Kursanstieg eingetreten ist u. wenn es mal nach Süden geht. Ich halte nicht auf Biegen und Brechen an einem Dividendetitel fest, wenn der Kursgewinn bereits die Dividende über mehrere Jahre hinweg beinhaltet. Bei satten Kursgewinnen wird ohne wenn und aber verkauft oder zumindest ein Teilverkauf gemacht.

  • Patrick O. 28. Februar 2016, 21:01

    Guten Abend, die Herrschaften.

    Also was ich bei dem inzwischen schon kollektiven ETF-Boom, dem „investiert in den breiten Markt “ und gerade hier etwas nervig finde und (gerade hier) vermisse, sind harte, gerade sehr greifbare und brandaktuelle Fakten wie dass eine Weltwirtschaft mal grausam bis jahrelang bärisch sein kann, da liest man plötzlich internetweit in all dem blindgegeißelten pro-ETF-Gewusel und Kommer-Jüngern (stellenweise schon weit unerträglicher als Zeugen Jehovas an der Tür) nichts von roten Performance-Prozentzahlen, die sich Märkteweit durch ALLE Konten fressen.

    Bin noch im recht neutral-unentschlossenen Beobachter- und Auswerterstatus; aber ohne hier (direkt) polarisieren zu wollen, muss man den Dividendenleuten hier lassen, dass „Aristokraten“ und „Zwölfender“ weltmarktkonjunkturunabhängig Jahrzehnte zahlen. Das heisst Jahrzehnte lang am Tag X zu zahlen. Hier liegts an einem selbst, die Diversifikation und seine Dividendenauswahl nicht den Konjunktur- und Branchensorgen angepasst zu haben. Einziger valider Kritikpunkt: Ja, Das ist semiaktives Picking.

    Nicht fürn Zehner pro Order seine Aufstellung den News- und turnusmäßigen Firmendatenzahlen angepasst zu haben und wirklich leer auszugehen. Aber das ist wie ein Gärtner, dem man vorwerfen kann (und muss), seine Pflanzen nicht gewässert zu haben, wenn das Gewächshaus aus braungewelktem Biomüll besteht. Und ja, klar kann immer mal wer nicht zahlen. aber seit dem letzten Herbst, einschließlich Winter 2015 („Die Jahresendrally kommt!“), vermenge ich mit dem Wort Passiv die Albtraumbegriffe Passiv und Ausgesetztsein. Gut, kann arg subjektiv geprägt sein. 😉 Denn genau die fahren doch zweigleisig, einmal den Trumpf Dividende und Nice-to-have Kursgewinn, im Idealfall (um den ein ETF-Passivist *immer* bangen muss!) beides zugleich [und/oder/bzw nacheinander].
    Man liest schon, ich kann dem neumodischen Kauft-alle-ETFs nichts abgewinnen, hinter den unzähligen ETF im heutigen Finanzratgeber-Netz verbirgt sich nicht mehr als dass in 99% der Konten ein MSCI World Sparplan liegt und ein, höchstens zwei Konter- und diversifizier-ETFs.
    Und das ist mathematisch gesehen bissl platt finde ich. Da zolle ich vollblut-Dividendenhaien einiges mehr an Respekt, die haben – mit der richtigen Steuer-Magic und dm richtigen Re-Investment-management klar die Nase vorn.
    Entschuldigt den eventuell spitzen Unterton, mich nervt seit einiger Zeit, dass zu oft zu blind ETF-trittbrettgefahren wird. Das ist bestimmt für die breite Masse das bessere Investment, aber das dauerplatte Dividenden=blöd, ETF=geil-und-das-beste-überhaupt (und am Ende kauft Hans Dampf einen MSCI World und gut is‘) nimmt einem son bissl die Objektivität, (und die hat mir hier auch so etwas gefehlt).

    Um eines besseren belehrt zu werden und viele erleuchtende Kommentare bitte ich hiermit. Das Bisherige hat das leider noch nicht.

    Liebe Grüße,
    Euer Patrick.

    • Capri 26. April 2016, 19:45

      Aehm, was wolltest Du uns nochmal sagen mit Deinem Beitrag?!

  • Jens 7. April 2016, 17:31

    Danke für diesen Artikel. Allerdings möchte ich gerne folgende Studie dagegen halten und damit insbesondere die These in Frage stellen, dass die Gesamtrendite von Unternehmen mit hoher Dividendenausschüttung den Markt nicht schlagen kann. Das Gegenteil scheint der Fall.

    http://www.dsw-info.de/uploads/media/Dividendenstudie_2015_ONLINE.pdf

  • elisa 2. September 2016, 16:25

    „Blendet man Steuern und Transaktionskosten aus, ist es also egal, ob eine Aktie im Jahr um 6% im Kurs steigt und keine Dividende ausschüttet oder ob sie um 4% im Kurs steigt und sich eine Dividendenzahlung in Höhe von 2% hinzuaddiert.“

    Das ist die perspektive aus nicht-Unternehmersicht. Wenn man selbst einige Firmen aufgebaut hat weiß man es geht um Arbeitslohn. 10 Jahre Daimler halten mit Dividene bringt zuverlässigen Cashflow und konstate Einnahmen. Während die Trader und Zockertruppe in schlechten Marktphasen einfach nicht an Ihr Kapital kommt und dann weder passive noch aktive Einnahmen generieren kann. (Oder noch schlimmer sie verkaufen Aktien.)

    Deswegn 10 Jahre Daimler 5 Minuten Arbeit 45 % + Rendite ….