ETF-Kosten 2026: Diese Kosten & Gebühren fallen bei ETFs an

ETFs sind günstig – das ist eines ihrer größten Verkaufsargumente. Weil sie die Performance eines Index automatisch nachbilden, fallen Gebühren für ein teures, aktives Fondsmanagement komplett weg. Dennoch ist die Geldanlage auch hier nicht völlig umsonst: Einige Kosten werden natürlich trotzdem fällig.

Welche Gebühren ihr beim ETF-Kauf berücksichtigen solltet, wie sie sich zusammensetzen und worauf ihr aus preislicher Sicht wirklich achten müsst, haben wir in diesem Artikel für euch zusammengefasst. Und so viel vorab: Lasst euch von den vielen Zahlen, Fachbegriffen und Abkürzungen nicht einschüchtern. Wie ihr gleich sehen werdet, ist stundenlanges Hin- und Herrechnen vor dem Kauf gar nicht nötig, wenn man die Logik dahinter einmal verstanden hat.

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Das Wichtigste auf einen Blick
  • Die Total Expense Ratio (TER) dient als erste Orientierung für die jährlichen „Betriebskosten“ eures ETFs. Die Gesamtkostenquote (TER) enthält jedoch nicht alle Gebühren und ist somit nur ein Teil der Wahrheit.

  • Wichtig ist auch die Tracking-Differenz (TD): Sie deckt alle versteckten Kosten auf und fungiert gleichzeitig als „Test-Barometer“, wie nah die Fondsrendite wirklich am Index liegt und ob sie diesen womöglich übertrifft.

  • Besonders effiziente ETFs erzielen durch Wertpapierleihe oder Steueroptimierung sogar eine negative TD – heißt: Sie schlagen den Markt (geringfügig) nach Kosten und verbessern damit eure Rendite.

  • Zusätzliche externe Kosten minimiert ihr durch die Wahl eines günstigen Neobrokers und Käufe während der Xetra-Öffnungszeiten (9:00 bis 17:30 Uhr), weil dann die marktüblichen Spreads geringer sind.

  • Da das kommende PFOF-Verbot der EU – bis Juni 2026 – die günstige Preiskultur vieler Broker verändern könnte, ist ein dauerhaftes Preismodell bei der Depotwahl wichtiger als kurzfristige Werbeversprechen.

  • Ein günstiger Broker und eine niedrige Tracking-Differenz auf einen breiten Welt-Index sind entscheidender für euren Erfolg als die Suche nach der niedrigsten TER.

Video
ETF-Kosten im Überblick: TER ist nicht alles!

Diese Kosten fallen bei ETFs an

Um die tatsächlichen Gesamtkosten – Total Cost of Ownership (TCO) – zu verstehen, müssen wir zwei Ebenen unterscheiden: die internen Kosten innerhalb des Fonds (z. B. die TER) und die externen Kosten bei eurem Broker.

Die wahren „Gesamtkosten“?

Die deutsche Übersetzung der TER als „Gesamtkostenquote“ ist leider irreführend. Sie suggeriert, dass damit bereits alles bezahlt sei. In Wahrheit umfasst die TER jedoch nur die internen Betriebskosten des Fonds. Die echten Gesamtkosten eurer Anlage werden als Total Cost of Ownership (TCO) bezeichnet. Diese beinhalten auch alle externen Faktoren wie Depot-Gebühren, Spreads und Steuern, die in der TER schlicht fehlen.

Wer die wahren Gesamtkosten (TOC) seiner Anlage kennen will, muss sowohl die Gebühren auf Fondsebene (intern) als auch die Kosten bei der Bank oder Broker (extern) addieren.

Interne ETF-Kosten

Schauen wir uns zuerst die wichtigste Kennzahl der internen Ebene an: die Total Expense Ratio, kurz: TER.

1.

Total Expense Ratio (TER)

Die TER ist das offizielle „Preisschild“ eines ETFs. Sie wird jährlich erhoben und anteilig an jedem Handelstag direkt dem Fondsvolumen entnommen. Ihr bekommt also keine Rechnung, sondern der Kurs des ETFs entwickelt sich einfach minimal schlechter als der zugrunde liegende Index.

Die TER ist heute bei Standard-Indizes (MSCI World, S&P 500) sehr niedrig. Alles über 0,3 % TER ist für einen einfachen, breit gestreuten Welt-ETF im Jahr 2026 schon fast etwas zu teuer.

Folgende Positionen sind i.d.R. Teil der TER:

  • Verwaltungsgebühren: Auch wenn die automatische Nachbildung eines Index wesentlich einfacher ist, fallen dennoch Kosten für das Management des Portfolios und die Wirtschaftsprüfung an.

  • Lizenzgebühren: ETF-Anbieter müssen an Indexanbieter wie MSCI oder FTSE Gebühren zahlen, um deren Indexdaten nutzen zu dürfen.

  • Marketing- und Vertriebskosten: Kosten für die Erstellung von Prospekten und Werbung.

Die TER wird an jedem Handelstag anteilig dem Fondsvolumen entnommen.

TER-Beispiel:

Beim beliebten Vanguard FTSE All-World UCITS ETF liegt die TER bei 0,22 %. Wenn ihr 1.000 € investiert habt, zahlt ihr jährlich also ca. 2,20 € an Vanguard.

2.

Die „versteckten“ Kosten: Was die TER verschweigt

Die TER allein reicht nicht aus, um die Kosten eines ETFs zu bewerten. Es gibt Gebühren, die gesetzlich nicht in die TER eingerechnet werden dürfen:

  • Depotgebühren: Bei den meisten Online-Brokern und sogar Direktbanken fällt sie zwar mittlerweile weg, aber bei manchen Anbietern sind nach wie vor Depotgebühren fällig, die jedes Jahr anfallen.

  • Handels- und Transaktionskosten: Bei fast allen Brokern bezahlt ihr pro Kauf bzw. Verkauf eine kleine Gebühr, die in der Regel bei wenigen Euros liegt. Bei manchen Brokern handelt es sich um eine feste Kostenpauschale pro Kauf, bei anderen ist diese Gebühr hingegen ans Kaufvolumen gekoppelt. 

  • Transaktionskosten auf Fondsebene: ETFs müssen gelegentlich Aktien kaufen und verkaufen, um ihr Portfolio an den Index anzupassen. Auch diese Transaktionen sind mit Kosten verbunden.

  • Spread: Beim Spread, der auf Deutsch auch als Geld-Brief-Spanne bezeichnet wird, handelt es sich um die Differenz zwischen dem Ver- und Ankaufskurs an der Börse. Hier gibt es nämlich geringfügige Unterschiede, die von der Liquidität des Wertpapiers und von der Handelszeit abhängig sind.

  • Swap-Gebühren: Synthetisch replizierende ETFs verwenden Tauschgeschäfte, sogenannte Swaps, um sich die Indexrendite zu sichern. Auch dafür fallen Gebühren an, die sich auf die Rendite auswirken.

  • Payment for Order Flow (PFOF): Viele Neobroker erhalten Rückvergütungen von Handelsplätzen. Die EU hat dieses Modell ab 2026 weitgehend verboten. Das könnte dazu führen, dass manche „Gratis-Broker“ künftig wieder geringe Ordergebühren einführen müssen.

Schließlich fehlt noch ein wichtiges Barometer: Denn was ist, wenn euer ETF besser performt als der zugrundeliegende Index? Die Antwort: der ETF hat dann eine negative Tracking-Differenz und das wirkt sich positiv auf eure Rendite aus.

3.

Die Tracking-Differenz (TD)

Da die TER, wie oben beschrieben, eben nicht alle Kosten abdeckt, gibt es die wichtige Kennzahl: die Tracking-Differenz. Sie ist der ultimative „Test“ für einen ETF. Sie beschreibt den realen Unterschied zwischen der Rendite des Index und der Rendite eures ETFs.

Die Tracking Differenz lässt sich erst nach Ablauf eines Kalenderjahres berechnen und ist damit kein Planungs-, sondern ein Vergleichsinstrument.

Ein Beispiel: Falls ein Index in einem Jahr 7 % macht und euer ETF nach Abzug aller Kosten bei 6,9 % landet, beträgt die Tracking-Differenz 0,1 %.

Das Besondere: Die negative Tracking-Differenz

In manchen Fällen schlägt der ETF den Index sogar (z. B. TD von -0,1 %). Das liegt an zusätzlichen Einnahmen des Fonds:

  • 1.

    Wertpapierleihe: Der ETF verleiht Aktien gegen Gebühr an andere Investoren. Diese Erträge fließen zurück in den Fonds und senken eure effektiven Kosten.

  • 2.

    Steueroptimierung: Große Anbieter können Quellensteuern auf Dividenden oft effizienter zurückfordern als der Indexanbieter es berechnet.

Eine wichtige Kennzahl!

Die Tracking-Differenz ist ein wichtiger Wert. Wenn ein ETF eine TER von 0,3 % hat, aber eine TD von 0,0 %, ist er für euch am Ende günstiger als ein ETF mit 0,1 % TER und einer TD von 0,2 %. Warum? Lest dazu gerne unseren Artikel.

Externe Kosten: Gebühren bei Broker und Börse

Selbst wenn ihr den effizientesten ETF mit negativer Tracking-Differenz gefunden habt, können die Kosten eures Depots die Rendite wieder auffressen. Diese Kosten hängen nicht vom Fonds ab, sondern allein davon, wo und wie ihr kauft.

1.

Depotgebühren & Orderkosten

Hier hat sich in den letzten Jahren extrem viel getan. Es gibt kaum noch klassische Banken, die eine jährliche Depotgebühr verlangen, euer Konto ist also bei fast allen Online-Brokern und Neobrokern kostenlos. Wenn ihr etwas bezahlt, dann i.d.R. Gebühren für einzelne Orders (z. B. Aktienkauf) oder für euren ETF-Sparplan.

  • 1.

    Ordergebühren: Das ist die Gebühr pro Kauf oder Verkauf. Neobroker (z. B. Trade Republic oder Scalable Capital) verlangen hier oft nur 0 € bis 1 € pro Trade.

  • 2.

    Sparplan-Gebühren: Für den langfristigen Vermögensaufbau sind Sparpläne ideal. Viele Broker bieten diese mittlerweile komplett ohne Ausführungsgebühren an.

Bei Trade Republic kostet jeder Trade einen Euro. ETF Sparpläne sind kostenlos.

Das PFOF-Verbot ab 2026

Aktuell finanzieren sich viele Neobroker über Rückvergütungen von Handelsplätzen – Payment for Order Flow. Die EU hat dieses Modell (PFOF) jedoch mittlerweile verboten – bis spätestens Juni 2026 muss es umgesetzt sein.

Was das für euch bedeutet: Es ist gut möglich, dass die „(Fast-)Gratis-Kultur“ der Broker etwas zurückgeht und künftig wieder geringe, transparente Pauschalen pro Order fällig werden. Achtet daher bei der Broker-Wahl nicht nur auf „0 €-“ o. „1 €”-Werbeversprechen, sondern auf ein dauerhaft faires Preismodell.

2.

Der Spread: Kosten an der Börse

Der Spread (Geld-Brief-Spanne) ist die Differenz zwischen dem Preis, zu dem ihr kauft – Briefkurs – und dem Preis, zu dem ihr sofort wieder verkaufen könntet –Geldkurs. Dieser Unterschied ist im Grunde eine versteckte Gebühr.

Die goldene Regel für minimale Spreads

Handelt nur zu den Öffnungszeiten der Referenzbörse Xetra (9:00 bis 17:30 Uhr).

Warum? In dieser Zeit ist das Handelsvolumen am größten und die Neobroker sind gesetzlich verpflichtet, euch mindestens so gute Preise wie auf Xetra zu bieten. Wer abends um 21:00 Uhr oder am Wochenende kauft, zahlt oft deutlich höhere Spreads – und damit unnötige Gebühren.

Zwischen 15:30 Uhr (US-Börsen öffnen) und 17:30 Uhr (Xetra schließt) sind die Spreads für Welt-ETFs meist am geringsten, da sowohl europäische als auch US-Händler aktiv sind. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.

3.

Steuern: Der „automatische“ Kostenfaktor

Steuern sind technisch gesehen keine Gebühr des ETFs, schmälern aber euer Endergebnis. In Deutschland führt eure Depotbank die Abgeltungsteuer (25 % + Soli + ggf. Kirchensteuer) – auch Kapitalertragssteuer genannt – automatisch ans Finanzamt ab.

Dabei gibt es jedoch einen Hebel, um Kosten zu sparen: die Teilfreistellung.

ETF-Typ

Teilfreistellung

Effektive Steuerlast

Aktien-ETF (> 51% Aktien)

30 %

~18,5 %

Misch-ETF (> 25% Aktien)

15 %

~22,4 %

Immobilien-ETF (REITs)

60–80 %

Variabel

ETFs werden in Deutschland an drei Punkten besteuert – beim Verkauf, bei Ausschüttungen und jährlich über die Vorabpauschale, die auch ohne Gewinnrealisierung anfällt.

Interne & externe ETF-Kosten: Tabelle

Die folgende Tabelle fasst nochmal alle internen wie externen Kosten zusammen, die ihr als Anleger:innen zumindest kennen solltet:

Ebene

Kostenpunkt

Sichtbarkeit

Beschreibung

Intern (Fonds)

TER

Factsheet

Jährliche Fixkosten (Management, Lizenzen).

Transaktionskosten

Rechenschaftsbericht

Kosten, wenn der Fonds intern Aktien umschichtet.

Swap-Gebühren

Indirekt

Nur bei synthetischen ETFs (Tauschgebühren).

Wertpapierleihe

Rendite-Plus

Erträge, welche die internen Kosten effektiv senken.

Extern (Broker)

Ordergebühren

Broker-Preisliste

Kosten pro Kauf oder Verkauf (0 € bis ~10 €).

Depotgebühr

Broker-Preisliste

Kontoführungsgebühr (heute meist 0 €).

Spread

Handelsmaske

Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis an der Börse.

Staat

Steuern

Abrechnung

Abgeltungsteuer (nach Abzug der Teilfreistellung).

Wie ihr an der Tabelle erkennt, bildet die TER (Gesamtkostenquote) beileibe nicht alle Kosten ab. Die wahre Kennzahl für euer Depot ist die Total Cost of Ownership (TCO), die auch Broker-Gebühren und Spreads mit einberechnet.

Während ein gängiger Welt-ETF oft eine TER von nur 0,15 % bis 0,20 % ausweist, liegt die realistische TCO am Ende meist zwischen 0,35 % und 0,50 % pro Jahr.

ETF-Auswahl und Kosten: Was ihr beachten solltet

Jetzt habt ihr so gut wie alle relevanten Kostenfaktoren und Messwerte kennengelernt. Welche dieser Zahlen aber solltet ihr bei der Auswahl des richtigen ETFs berücksichtigen?

Unser Ansatz: Am besten nicht in den Details verlieren. Mit der Kostenrechnerei kann man es schließlich auch übertreiben. Erstens sind ETFs generell günstig und Kostenunterschiede innerhalb des ETF-Preisspektrums fallen häufig nicht allzu sehr ins Gewicht. Zweitens ist der Preis nur einer von vielen Faktoren, die es bei der Auswahl von ETFs zu berücksichtigen gilt – und nicht gerade der wichtigste.

Broker-Kosten, TER und Trackingdifferenz: Wer diese drei Punkte beachtet, behält mehr von seiner Rendite.

Aus Kostensicht ist es sinnvoll, vor dem ETF-Kauf folgende Überlegungen anzustellen:

1.

Günstigen Broker auswählen

Zunächst benötigt ihr ein Konto bei einem Online-Broker. Besonders günstig sind die Angebote von Neobrokern wie z. B. Smartbroker+, Scalable Capital oder Traders Place. Doch auch andere Broker sind einen Blick wert. Wenn ihr euch noch unsicher seid, welcher Broker wirklich zu euren Bedürfnissen passt, dann schaut euch gerne unseren Depot-Vergleich für 2026 an

Video
Depot Vergleich 2026 – Die besten 5 Broker im Test
2.

Sinnvolle ETFs mit vernünftiger TER auswählen

Welche Kriterien ihr bei der Auswahl eines ETFs beachten solltet, lest ihr in unserem Artikel zur ETF-Auswahl. Wer gerade erst damit anfängt, in ETFs zu investieren, macht mit marktbreiten ETFs auf Indizes wie MSCI ACWI oder FTSE All World wenig verkehrt. Bei ETFs, die in die nähere Auswahl kommen, solltet ihr natürlich auch auf die TER achten. Alles unter 0,3 % würden wir als „gut“ empfinden.

Hier seht ihr eine Liste mit geeigneten Welt-ETFs zum Vermögensaufbau.

Größe Alter Kosten Score
Vanguard FTSE All-World
Thesaurierend
IE00BK5BQT80
32,8 Mrd. € 6 Jahre 0,19 %
4,6
iShares MSCI ACWI
Thesaurierend
IE00B6R52259
23,6 Mrd. € 14 Jahre 0,20 %
4,6
Vanguard FTSE All-World
Ausschüttend
IE00B3RBWM25
19,7 Mrd. € 13 Jahre 0,19 %
4,6
State Street SPDR MSCI All Country World
Thesaurierend
IE00B44Z5B48
8,8 Mrd. € 14 Jahre 0,12 %
5,0
State Street SPDR MSCI All Country World Investable Market
Thesaurierend
IE00B3YLTY66
4,6 Mrd. € 14 Jahre 0,17 %
4,6
UBS MSCI ACWI SF
Thesaurierend
Swap
IE00BYM11H29
3,4 Mrd. € 7 Jahre 0,21 %
4,6
Invesco FTSE All-World
Thesaurierend
IE000716YHJ7
2,5 Mrd. € 2 Jahre 0,15 %
4,0
Amundi MSCI All Country World
Thesaurierend
Swap
LU1829220216
2,0 Mrd. € 14 Jahre 0,45 %
3,8
Scalable MSCI AC World Xtrackers
Thesaurierend
LU2903252349
472 Mio. € 1 Jahr 0,17 %
3,0
UBS MSCI ACWI SF
Ausschüttend
Swap
IE00BJXFZ989
248 Mio. € 6 Jahre 0,21 %
3,8
Zeige 1-10 von 17 ETFs
3.

Mit Tracking-Differenz abgleichen

Schaut bei www.trackingdifferences.com vorbei, um euch die Tracking-Differenz der Anbieter in den vergangenen Jahren anzuschauen. Wenn sie tendenziell mit der TER gleichauf oder sogar niedriger war, ist alles gut. Wenn sie hingegen oft höher als die TER ausfiel, ist dem ETF regelmäßig Rendite entgangen.

Hier seht ihr den Vergleich von sechs verschiedenen ETFs auf den STOXX Europe 600 im Zeitraum 2016–2024. Deutlich wird: Obwohl alle Fonds denselben Index abbilden, unterscheidet sich ihre reale Effizienz (von -0,07 bis -0,31).

Eine niedrige oder sogar negative TD ist ein Qualitätsmerkmal und bedeutet am Ende mehr Rendite für euch.

Fazit: ETF-Kosten sind nicht das wichtigste Auswahlkriterium

Günstige Kosten sind das Fundament für euren langfristigen Erfolg an der Börse, weil sie den Zinseszinseffekt verstärken. Doch wie wir gesehen haben, ist das prominenteste Preisschild im Factsheet – die TER – nur die halbe Wahrheit. Wer die wahren Gesamtkosten – Total Cost of Ownership – im Griff haben will, muss das Zusammenspiel aus den internen Kosten auf Fondsebene und den externen Kosten auf Depot-Ebene verstehen.

Konzentriert euch bei der Auswahl auf die großen Hebel: Wählt einen günstigen Broker ohne Depotgebühren und achtet bei der ETF-Wahl primär auf eine niedrige oder sogar negative Tracking-Differenz. Eine TER unter 0,3 % ist ein guter Richtwert, aber erst die TD zeigt euch, wie viel Rendite am Ende wirklich bei euch ankommt. Denkt zudem an das richtige Timing beim Kauf, um unnötige Kosten durch weite Spreads zu vermeiden.

Am Ende gilt jedoch: Verliert euch nicht in der Jagd nach der dritten Nachkommastelle. Ob ein ETF 0,12 % oder 0,15 % kostet, ist für euer Endergebnis weniger entscheidend als die Wahl des richtigen Index und die Disziplin, eure Strategie über Jahrzehnte durchzuhalten. Kosten zu minimieren ist wichtig – aber langfristig investiert zu sein, in den passenden Welt-ETF, ist wichtiger.

FAQs – Wichtige Fragen kurz erklärt

Wo finde ich die Kosten eines ETFs schwarz auf weiß?

Verlasst euch nicht nur auf die Werbeseite des Anbieters. Die rechtlich verbindlichen Kosten stehen im sogenannten Basisinformationsblatt (KID oder BIB) und im Factsheet. Jeder Broker ist gesetzlich verpflichtet, euch diese Dokumente vor dem Kauf anzuzeigen. Sucht dort gezielt auch nach der Tabelle „Zusammensetzung der Kosten“.

Sind ETFs günstiger als Einzelaktien?

Das kommt auf eure Strategie an. Bei Einzelaktien zahlt ihr keine laufende TER. Allerdings fallen bei jedem Kauf und Verkauf Ordergebühren und Spreads an. Um dieselbe Diversifikation wie ein Welt-ETF – tausende Unternehmen – mit Einzelaktien nachzubauen, müsstet ihr tausende Trades ausführen, was extrem teuer wäre. Für den breiten Marktzugang sind ETFs daher unschlagbar günstig.

Fallen beim Verkauf meiner ETF-Anteile Gebühren an?

Ja. Viele Anleger vergessen, dass die Broker-Gebühren (Orderprovision) beim Verkauf erneut fällig werden. Während ETF-Sparpläne beim Kauf oft kostenlos sind, kostet der spätere Verkauf im Einmalbetrag meist die reguläre Ordergebühr des Brokers. Plant diese „Ausstiegskosten“ in eure langfristige Rechnung mit ein.

Was bedeutet „Payment for Order Flow“ (PFOF) für meine Kosten?

PFOF, das ist eine Rückvergütung, die Neobroker von Handelsplätzen erhalten, um euch 0-Euro-Orders anzubieten. Die EU hat dieses Modell jedoch verboten (Umsetzung bis Juni 2026). Das bedeutet für euch: Die extremen Gratis-Angebote könnten verschwinden und durch transparente, aber geringe Pauschalgebühren ersetzt werden. Für die Qualität der Ausführung ist das Verbot jedoch eher ein Vorteil.

Kostet mich die Dividendenausschüttung etwas?

Bei den meisten deutschen Brokern ist die Gutschrift von Dividenden kostenlos. Es gibt jedoch Ausnahmen (oft bei Depots im Ausland oder bei sehr alten Verträgen), die eine Gebühr pro Dividendenzahlung verlangen. Bei einem thesaurierenden ETF umgeht ihr dieses Risiko komplett, da die Erträge innerhalb des Fonds reinvestiert werden.

Warum ist die TER bei Schwellenländern o. Nischen-Indizes höher?

In Märkten wie Indien oder Brasilien ist der Aktienhandel für die Fondsgesellschaften aufwendiger und teurer als in den USA oder Europa. Auch die Index-Lizenzen für spezielle Themen (z. B. Cybersecurity oder Clean Energy) lassen sich die Anbieter teurer bezahlen. Überlegt euch daher gut, ob euch die Nische den Aufpreis (oft 0,40 % oder mehr) wert ist.

Schützt ein hoher Fondsstatus (Fondsgröße) vor Kosten?

Indirekt ja. Je größer ein ETF ist (Fondsvolumen über 500 Mio. Euro), desto effizienter kann das Management arbeiten. Die Fixkosten verteilen sich auf mehr Anlegerkapital, was oft zu einer besseren Tracking-Differenz führt. Zudem sind sehr große ETFs an der Börse liquider, was eure Spreads beim Kauf senkt.

Kann ich die ETF-Kosten von der Steuer absetzen?

Nein. Seit der Investmentsteuerreform 2018 können Privatanleger keine Werbungskosten – z. B. Depotgebühren – mehr steuerlich geltend machen. Dafür profitiert ihr bei Aktien-ETFs von der Teilfreistellung, durch die 30 % eurer Gewinne pauschal steuerfrei bleiben. Damit zahlt ihr deutlich weniger Kapitalertragsteuer.

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Martin schrieb schon im Studium über Finanzthemen: Seine Masterarbeit verfasste er über die Geschichte amerikanischer Zentralbanken, später forschte er zum Thema Wahlkampffinanzierung. Privat investiert er seit mehreren Jahren in ETFs und Aktien. Heute lebt er in London und arbeitet als freier Texter in den Bereichen Technologie und Finanzen.
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