Aktien kaufen: Jetzt einsteigen oder besser noch warten?

Aktien kaufen

Du willst Aktien kaufen …

fragst dich aber, ob jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist?

Angesichts historischer Indexhöchststände drängt sich die Frage ja geradezu auf.

Wer heute einsteigt, ärgert sich morgen vielleicht über satte Kursverluste.

Wartet man hingegen zu lange, entgehen einem unter Umständen attraktive Gewinne.

Wie soll man sich da richtig entscheiden …Könnte es sein, dass es den “perfekten” Zeitpunkt gar nicht gibt?

Wie du beim Aktien handeln am Besten vorgehst, erfährst du in diesem Artikel.

Wann soll man einsteigen?

Wenn die Kurse gestiegen und Aktien damit “teuer” sind? Klingt nicht gut, wer kauft schon gerne teuer ein?

Oder besser wenn die Kurse gefallen sind? Doch was bedeutet schon „gefallen“?

Reden wir über einen Kursrückgang von 10 Prozent binnen einer Woche? Oder eher über einen ordentlichen Kursverlust von 20 oder mehr Prozent innerhalb einiger Monate?

Bloß nicht in ein fallendes Messer greifen!

…hört man gleich die vermeintlichen „Experten“ rufen.

Also keine Aktien kaufen, wenn sich die Kurse gerade im Sinkflug befinden.

Der (theoretisch) perfekte Zeitpunkt für den Aktienkauf wäre selbstverständlich dieser:

Wenn die Kurse so lange und so tief gefallen sind, dass der endgültige Wendepunkt erreicht ist.

Das Problem ist nur, niemand kennt im Vorhinein diesen Punkt.

Hinterher ist man immer schlauer

Denn typischerweise narrt eine ganze Reihe von Zwischenhochs die Anleger, bevor der endgültige Wendepunkt nach einer ausgiebigen Marktkorrektur erreicht ist.

Im folgenden Diagramm siehst du den Verlauf des amerikanischen Aktienindex S&P 500 zwischen den Jahren 2000 und 2004:

Börsencrash 2003

Datenquelle: Yahoo Finance

In dieser Zeit nahm ein fulminanter Crash seinen Lauf, der seinen absoluten Tiefpunkt im Jahr 2003 erreichte.

Und immer wenn es so aussah, als ob das Schlimmste bereits ausgestanden wäre, ging es noch einmal ein Stockwerk tiefer.

Immer wieder bildeten sich Zwischenhochs (im Diagramm eingekreist), die nur von kurzer Dauer waren.

Umgekehrt gilt das gleiche:

Auf dem Weg nach oben gibt es immer wieder empfindliche Dämpfer und Rückschritte im Kursverlauf.

Ist es da ein Wunder, dass es kaum jemandem gelingt, den richtigen Zeitpunkt zum Aktien kaufen und verkaufen zu erkennen?

Es gibt genügend Studien, die belegen, dass Privatanleger beim sogenannten Market Timing ziemlich kläglich abschneiden.

Und da ist noch ein weiteres Problem:

Was ist Hoch und was ist Tief?

Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung des Aktienindex S&P 500 zwischen 1980 und 2017:

Börse Hoch und Tief

Datenquelle: Yahoo Finance

Im Kursverlauf habe ich ein paar markante Punkte eingekreist. Wenn du dir Punkt 3 ansiehst, worum handelt es sich:

Börsentief oder Börsenhoch?

Die Antwort hängt ganz offensichtlich davon ab, zu welch anderem Punkt du Nr. 3 in Beziehung setzt.

Gemessen an den Punkten 2 und 4 handelt es sich eindeutig um ein Börsentief.

Zu welchem Schluss kommst du aber, wenn du Punkt 1 als Bezugspunkt nimmst? Ist Punkt 3 nun nicht ein eindeutiges Börsenhoch?

Tja, was nun …

Tief oder Hoch?

Ein Börsenhoch bedeutet nichts anderes als: Die Wertpapiere sind heute teurer als in der Vergangenheit.

Hohe Preise sind verständlicherweise nicht im Interesse von Aktienkäufern.

Allerdings könnten die Kurse weiter steigen und Aktien damit heute günstiger sein als morgen …

Mit anderen Worten: Man muss es so nehmen, wie es kommt.

Und idealerweise einer passiven Anlagestrategie folgen. Das heißt: Einfach stur Aktien kaufen und diese möglichst lange halten (“buy and hold”).

Das Endergebnis zählt

Was kümmert es dich heute, welche Pirouetten der Kursverlauf in den Jahren seit 1980 gedreht hat?

In diesem Zeitraum wären bei einem Investment in den S&P500 aus 1.000 Euro fast 20.000 Euro geworden. Was einer Durchschnittsrendite von 8,43 Prozent pro Jahr entspricht.

Gut, aber 37 Jahre sind auch verdammt lang!

Na, und?

Wenn nichts dazwischen kommt, ist das Leben ja auch ziemlich lang. Zumindest wünschen wir uns das …

Was spricht also gegen einen langen Anlagehorizont, wenn du dich später über ein ansehnliches Vermögen in Aktien freuen kann?

Dabei muss man gar nicht 37 Jahre warten, um mit einem Aktieninvestment sicher im Plus zu landen …

Nach 20 Jahren bist du auf der sicheren Seite

Das folgende Diagramm zeigt die rollierenden 20-Jahresrenditen des S&P 500 im Zeitraum zwischen 1926 und 2012:

S&P 500 rollierende Renditen

Datenquelle: allfinancialmatters.com

Legende

Rollierend bedeutet, dass beginnend mit dem Jahr 1926 geschaut wurde, welche durchschnittliche Jahresrendite der S&P 500 jeweils binnen der folgenden 20 Jahren geboten hat.

Der erste 20-Jahreszeitraum reicht von 1926 bis 1945, der nächste von 1927 bis 1946, der nächste von 1928 bis 1947 und so weiter und so fort.

Der letzte 20-Jahreszeitraum (von insgesamt 68) erstreckt sich von 1993 bis 2012.

Bei den dargestellten Werten handelt es sich um inflationsbereinigte jährliche Durchschnittsrenditen unter Berücksichtigung der Dividenden.

Bei der Berechnung wurde also unterstellt, dass die Dividenden jeweils wieder angelegt wurden.

Was man sieht:

Es gibt keinen einzigen 20-Jahreszeitraum mit einer Negativrendite.

Im aller schlechtesten Fall lag die Durchschnittsrendite bei 0,52 Prozent pro Jahr. Das war im Zeitraum zwischen 1962 und 1981 der Fall.

Wer also in der Vergangenheit mindestens 20 Jahre Geduld mitbrachte, hat mit einem breit gestreuten Aktieninvestment in den amerikanischen Aktienmarkt keinen Verlust gemacht.

Im Gegenteil: in den meisten Jahren konnte sich der Gewinn mehr als sehen lassen.

Wie immer gibt es eine Ausnahme von jeder Regel …

Das Japan-Problem

In den 1980er Jahren kam es in Japan zu einer Wirtschafts-, Immobilien- und Aktienblase. Als die Spekulationsblase platzte, brach der japanische Leitindex Nikkei 225 innerhalb eines Jahres um über 40 Prozent ein.

20 Jahre danach (2009) stand der Nikkei mit 10.546 Punkten bei weniger als einem Drittel seines Ausgangswertes (zum Höhepunkt der Blase):

Nikkei 225 Verlauf

Datenquelle: Yahoo Finance

Auch heute notiert der Kursindex noch immer weit unter seinem Allzeithoch vom Dezember 1989 (damals 38.916 Punkte).

Im Dezember 2016 stand er bei 19.114 Punkten, was einer Negativrendite von durchschnittlich 2,6 Prozent pro Jahr entspricht.

Selbst unter Einbeziehung der durchschnittlichen Dividendenrendite – ca. 1,2 Prozent pro Jahr zwischen 1990 und 2016 – lag die jährliche Durchschnittsrendite bei schätzungsweise minus 1,4 Prozent.

Hätte ein japanischer Anleger im Dezember 1989 Japan-Aktien im Wert von 10.000 Yen gekauft, wären davon 27 Jahre später noch schlappe 6.834 Yen übrig gewesen.

In diesem Fall hätten also nicht einmal 27 Jahre Anlagedauer gereicht, um ohne Verlust aus der Sache herauszukommen.

Klingt ziemlich dramatisch, aber es gibt gute Argumente …

Warum das Japan-Beispiel wenig relevant ist

Denn niemand, der bei Verstand ist …

…investiert an einem einzigen Zeitpunkt sein ganzes Vermögen in einen kleinen Ausschnitt des Aktienmarktes.

Wenn es darum geht, welche Aktien du kaufen solltest, dann heißt die Antwort eindeutig: Investiere weltweit.

Baue dir also ein “Weltportfolio”, wahlweise mit einzelnen Aktien oder mit Indexfonds (ETFs).

Letztere Variante wäre meine Empfehlung, wenn du mit minimalem Zeitaufwand in Aktien investieren willst.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

In den 27 Jahren des Nikkei-Niedergangs hat der MSCI World Index – der den weltweiten Aktienmarkt abbildet – eine durchschnittliche Rendite von 6 Prozent pro Jahr hingelegt:

MSCI World Verlauf

Datenquelle: MSCI

Aus 10.000 USD wären so 48.717 USD geworden.

Wer das Risiko beim Investieren breit streuen will, sollte deshalb Aktien auf der ganzen Welt kaufen.

Dann sollte ein Anlagehorizont von 20 Jahren ausreichen, um Verluste mit großer Wahrscheinlichkeit zu vermeiden …

Lässt dich nicht im Stich: die Dividende

Ein Grund, warum man mit Aktien trotz aller Kurskapriolen besser fährt als die meisten Leute glauben wollen, sind die Dividenden.

Die Aktienrendite setzt sich zusammen aus der Dividendenrendite und der Kursrendite.

Je länger die Haltedauer, desto größer wird der Anteil der Dividenden an der Gesamtrendite.

Dieser Zusammenhang wird gerne übersehen, bedeutet aber nichts anderes als stetige Gewinne auch dann, wenn die Kurse stagnieren.

Selbst in Crashphasen bleiben die Dividenzahlungen erstaunlich stabil.

Nach Beginn der Finanzkrise brach der S&P 500 zwischen 2007 und 2009 um mehr als 50 Prozent ein. Die Dividendenzahlungen fielen zwischen 2007 und 2011 hingegen nur um 10,6 Prozent und erholten sich schnell wieder.

Und es macht ja auch Sinn.

Im Rahmen einer Massenhysterie verkaufen alle panisch ihre Aktien. Dadurch kann sich zwar der Börsenwert eines Unternehmen zeitweise halbieren.

Trotzdem kann das gleiche Unternehmen weiter Gewinne machen. Und diese Gewinne in Form der Dividende an seine Aktionäre ausschütten.

Dividenden sind ein Grund, warum es sich jederzeit lohnt, an der Börse einzusteigen.

Deshalb stehe ich auf dem Standpunkt …

Der perfekte Zeitpunkt zum Aktien kaufen ist: Jetzt!

Der richtige Zeitpunkt zum Aktien kaufen

Es lohnt nicht, auf Kurseinbrüche und vermeintliche günstige Einstiegspunkte zu warten.

Denn man kann sie eh nicht erkennen. Höchstens hinterher und dann ist es zu spät!

Und während du geduldig auf den vermeintlich „richtigen“ Zeitpunkt wartest, bleibt dein Geld auf dem Tagesgeld- oder Sparkonto liegen und tut:

Nichts.

Wenn es also nicht den perfekten Einstiegszeitpunkt an der Börse gibt …

…dann ist im Umkehrschluss jeder Zeitpunkt eine ideale Gelegenheit, um Aktien zu kaufen.

Nicht alles auf einmal

Damit sage ich nicht, dass du du dein ganzes Geld sofort in Wertpapiere stecken sollst.

Das wäre nicht sonderlich clever.

Aber für Geld, dass du langfristig – sagen wir für die nächsten 20 oder mehr Jahre – entbehren kannst, gibt es wohl keinen besseren Aufenthaltsort als den Aktienmarkt.

Zumindest wenn du daran interessiert bist, dass sich deine Ersparnisse langfristig vermehren und zu einem netten Vermögen anwachsen.

Ein wichtiger Punkt noch:

Hör nicht auf Prognosen

Prognosen ignorieren

Vielleicht hast du irgendwo gelesen, dass…

…die Kurse in naher Zukunft (bitte beliebig kombinieren):
A – steigen werden
B – fallen werden

…, weil sie…
C – schon länger gestiegen sind
D – schon länger gefallen sind
E – schon länger nicht gestiegen sind
F – schon länger nicht gefallen sind

Du wirst in den Medien jeden Tag überall variantenreiche Begründungen für die Kombinationen A-C, B-C, A-D, B-D, A-E usw. finden.

Dabei ist es so einfach:

„Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten – oder umgekehrt.“

André Kostolany

Damit meinte André Kostolany ganz sicher nicht, dass jeder Aktionär ein Idiot ist. Idiotisch ist nur, Aktien immer nur dann zu kaufen wenn alle es tun und sie zu verkaufen, wenn alle verkaufen.

Dass es an der Börse ewig rauf und runter geht, weiß nun mittlerweile jedes Kind.

Warum das im Einzelfall passiert, kann uns herzlich egal sein, solange der Trend auf lange Sicht nach oben zeigt.

Das Fazit

Bei einem langfristigen Anlagehorizont spielt der Einstiegszeitpunkt für den Aktienkauf nicht wirklich eine Rolle.

Zumal es diesen einen Zeitpunkt in der Praxis häufig gar nicht gibt.

Denn in der Phase des Vermögensaufbaus dürfte periodisches Investieren für viele Anleger der Regelfall sein.

Wer beispielsweise 30 Jahre lang einmal pro Quartal Aktien kauft, schafft auf diesem Weg 120 Einstiegspunkte.

Unter diesen werden gute und weniger gute sein.

Doch am Ende wird daraus ein respektables Vermögen entstehen. Vorausgesetzt du lässt dich zwischendurch nicht zu panischen Verkäufen hinreißen.

Die entscheidende Frage ist also:

Hast du die Nerven und die Geduld?

 
Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf insgesamt drei Texten, die ich in den Jahren 2014 und 2015 zum Thema Market Timing veröffentlicht habe. Du findest die wesentlichen Inhalte nun vollständig überarbeitet und aktualisiert in diesem Artikel zusammengefasst.

  • Marco 9. Januar 2014, 09:41

    So langsam kriegst Du mich, Holger! Dieses ganze Aktiending ist ein Buch mit sieben Siegeln für mich, aber ich finde Deine Artikel immer sehr verständlich und lehrreich. Danke dafür!

  • Doris 9. Januar 2014, 11:38

    Hallo Holger,

    Wieder mal bringst du es verständlich und treffend auf den Punkt. Insbesondere, dass gerne die Dividende in der “emotionalen Berechnung” vergessen wird – denke ich oft auch nicht dran.

    Was mich beschäftigt ist allerdings die Frage, wenn der Horizont für Investitionen nicht ganz so langfristig sein soll. Sagen wir mal, z.b. aus Altersgründen, beträgt die Spanne nur fünf Jahre. Würdest du dann immer noch genauso argumentieren?

    Wo ist für dich die Grenze des “langfristig investieren”-Arguments?
    Kennst du eine Quelle, wo man die rollierenden 5-Jahresrenditen ablesen kann?

    Schöne Grüße
    Doris

  • Daniel Schlingelhof 9. Januar 2014, 12:12

    Sehr schöner Artikel, welche ich gern im Netzwerk teile.

    2 Punkte als Ergänzung vorschlage:

    Verlustbegrenzung: Wenn sich meine Markterwartung und Investment nicht erfüllt, sollte zuvor die Regel aufgestellt werden: was mache ich bei einem Verlust? Beispielhaft befindet sich eine T-Aktie im Depot bei dem einen oder anderen Anleger. Wird Sie sich diese je erholen? Welche Wertsteigerung muss denn erfolgen um überhaupt wieder beim Einstieg zu sein?

    Risikotragfähigkeit: Mit welcher Schwankunsgbreite Verlust und gern auch Gewinn können Sie als Anleger gut schlafen? Wann realisieren Sie Gewinne? Was machen Sie beim Crash?

    • brokerskid 9. Januar 2014, 13:32

      Hallo Doris,

      was meinst du mit einem Anlagehorizont von 5 Jahren? Willst du in fünf Jahren aus dem Leben scheiden? Wenn du in fünf Jahren in den hoffentlich wohlverdienten Ruhestand gehst, ist das ja nicht das Ende deines Anlagehorizonts, außer wenn du dann dein gesamtes Geld aufeinmal auf den Kopf hauen willst.

      Also überlege einfach: Wann brauche ich das Geld? Und kann ich mit der Rendite leben oder benötige ich mehr Geld und muss den Grundstock verringern?

      Es ist wahrscheinlich in den meisten Fällen besser Geld langfristig (20+, geht auch mit 60 Jahren, bei einem Anlagehorizont bis 80 – kein ungewöhliches Alter bei Menschen in Industrieländern) anzulegen und ab einen Zeitpunkt X zu entsparen als es unter dem Kopfkissen oder auf dem Sparbuch mit “negativ” Rendite liegen zu lassen.

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 15:15

      “Einfach aus dem Bauch heraus handeln” dürfte das Problem in den meisten Fällen nicht lösen, denn es ist ja gerade das Bauchgefühl, das vielen Leuten sagt: Finger weg, ist zu gefährlich!

  • brokerskid 9. Januar 2014, 13:13

    Der Einstiegszeitpunkt ist irrelevant, solange man daran glaubt, dass sich ein Investment lohnt.
    Warum geht man einkaufen? Na klar, damit man etwas zu essen hat. Hierbei stellt sich auch niemand die Frage, ob es sich lohnt zu warten, um einen günstigeren Zeitpunkt (d.h. günstigeren Preis) für das Einkaufen zu erhalten.
    Wie ja schon oft geschrieben wurde (auch in anderen Kommentaren) es ist der Mix aus Rendite, Dividende und Diversifikation, die das Risiko senkt.
    Persönliche Aversionen sollte man hintenanstellen oder dem risikoreichen Bereichen fernbleiben, wobei das ganze Leben risikobehaftet ist. Man muss für sich sein eigenes Chance/Risiko-Verhalten finden und danach leben.
    Daher einfach aus dem Bauch heraushandeln, wenn es mal wieder kribbelt 😉

  • Börsenheini 9. Januar 2014, 18:36

    In deiner Rechnung fehlt noch ein wichtiger Punkt: Man investiert sein Geld ja nicht komplett auf einmal (von Ausnahmen einmal abgesehen), sondern alle drei Monate oder wie hoch auch immer die persönliche Sparrate ist.

    Daher relativiert sich das mit dem Zeitpunkt noch einmal, denn man kauft bei hohen Kursen, kauft dann aber wieder bei niedrigeren (Da bekommt man dann auch umso mehr fürs Geld).

    Das lässt sich im Prinzip handhhaben wie ein Sparplan, nur dass man immer wieder Aktien kauft bzw. nachkauft. Es ist ja äußerst selten, dass man sein Geld einmalig anlegt und dann nie wieder etwas. (Und erst noch auf dem Höhepunkt einer Börsenhausse.)

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 20:29

      So selten ist das nicht, dass Leute auf einem Haufen Erspartes sitzen (ob Tagesgeld oder auslaufende Festgeld- bzw. Bausparverträge) und sich in der jetzigen Niedrigzinsphase fragen: wohin mit dem Geld?

      Der von dir beschriebene Cost Average-Effekt existiert, ist einem Einmalinvestment aber nicht grundsätzlich überlegen, wie diese Untersuchung zeigt:

      Bei der Einmalanlage muss man zwar mit stärkeren Wertschwankungen leben, dafür ist das Endvermögen höher als beim periodischen Sparen. Je länger die Laufzeit, desto größer ist der Renditevorteil der Einmalanlage.

  • christian 9. Januar 2014, 21:06

    hallo, Holger!

    Ein Punkt ist auch, dass nur im Nachhinein der optimale Investitionszeitpunkt festgestellt werden kann. Die Zukunft ist ungewiss. Daher ist jeder Zeitpunkt ein guter Zeitpunkt zu investieren (sofern man eine für sich passende Strategie gefunden hat).

    Ich habe die Wandlung zum passiven Anleger bereits hinter mir und noch nicht bereut. Völlig stupide werden alle 6 oder 12 Monate ein paar (anfangs ausgewählte) ETFs gekauft und die Prozentaufteilung der ETFs zueinander angepasst. Das funktioniert in dieser derzeitigen börsenmäßig “ereignislosen” Zeit ausgezeichnet und konditioniert mich hoffentlich für die Zeit, wenn es mal wieder länger bergab geht. Es ist zwar relativ langweilig, aber man ist sowieso ständig damit beschäftigt der Versuchung zu widerstehen an der Strategie irgendwo herumzudrehen (Schwellenländeranleihen oder keine Schwellenländeranleihen, dass ist hier die Frage).

    ciao,
    christian

    ps. woher hast du die Grunddaten des S&P für deine Grafik?

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 22:27

      Hallo Christian!

      Investieren darf ruhig langweilig sein. Es gibt andere Dinge im Leben, die für Spannung sorgen können.

      Die Quelldaten für das Diagramm mit den rollierenden 20-Jahresrenditen sind in der Legende verlinkt.

    • christian 10. Januar 2014, 16:34

      danke!

  • Konrad 10. Januar 2014, 10:41

    Hallo Holger,
    danke für deine Blogs, die haben mich incl. deinem e-book schon deutlich vorangebracht in meiner Finanzplanung. Ich bin jung im Arbeitsleben und auch gerade dabei mit einer Ersparnis “einzusteigen”, nach Abwägen von für und wieder tendiere ich auch am ehesten zur mehrfach “beworbenen” passiven Anlagestrategie. Jedoch stellen sich mir noch 2 (generelle) Fragen:

    1. Man kann ja bekanntlich nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen (das ist beim Wetter ebenso wie bei im Casino, ebenso bei der Börse). Nun steigen die Entwicklungen der Indices ebenso wie die (recht eindrückliche) Grafik der rollierenden 20-Jahres-Renditen (zB des angegebenen S&P500). Es lässt einen zuversichtlich sein, dass das so weiter geht, aber kann eine Weltwirtschaft und damit ein Aktienmarkt tatsächlich für “immer” weitersteigen, oder sind “natürliche” Grenzen gesetzt? Das ist eher eine theoretische Frage, die einen in einer Lebensspanne von 86,7 Jahren wohl nur bedingt persönlich betrifft, dennoch fragt sich der (gesunde) Menschenverstand doch, ob es ein immerwährendes Wachstum “überall auf der Welt” geben können wird.

    2. Die engegebenen Indexfonds rentieren sich ab einer Mindestanlegenzeit von 15 – 20 Jahren zunehmend sicher, es kam schonmal die Frage auf nach Möglichkeiten für kürzere Anlagezeiten (wenn man zB sein Geld möglichst verlustfrei “parken” will bis man zB in 5-10 Jahren Kapital braucht. Am Markt bekannte Vermögensberater empfehlen dabei ja gern bei kurzem Anlagehorizont eine “sicherheitsorientierte” Managementstrategie (Streuung auf weniger Aktienanteile), je längerfristiger der Anlagehorizont ist, desto “dynamischer” solle die Managementstrategie sein. Am Ende springen dabei jedoch aktiv gemanagte Fonds raus (mit den bekannten, von dir mehrfach aufgezeigten Nachteilen). Zur Frage: Lässt sich diese Konzept für unterschiedliche Anlagehorizonte auf passives Anlegen transferieren, muss ich für unterschiedliche Anlagehorizonte mein Portfolio deutlich unterschiedlich gestalten? Ich nehme an ja, habe da aber überhaupt keine Erfahrung (bisher).

    Viel Text 😉 vielen Dank für die Antwort(en) und weiter so !!

    Konrad

  • Turing 10. Januar 2014, 12:31

    Ich stimme zu. Die Dividenden kombiniert mit einem langfristigen Anlagehorizont sind es, die mich zur Investition stören. Natürlich achte ich auf günstige Einkaufspreise, aber ich horte nicht bewusst Geld, weil ein Guru vielleicht einen 20-Prozent-Rücksetzer in einem halben Jahr erwartet. Es kann ja auch sein, dass es nicht so eintritt.

    Natürlich ging es im letzten Jahr mit den Kursen rasant nach Oben, aber man muss ja auch sehen, woher sie kamen. Die kamen aus einer Unterbewertung und nicht aus einer realistischen Bewertung heraus, wenn man sich die KGVs anschaut. Das ist etwas, was beispielsweise Dirk Müller permanent übersieht. Der schlussfolgert nur: Kurse stark gestiegen, also haben wir eine Blase. Ich halte ihn ziemlich unglaubwürdig; er erzählt seinem verschwörungstheorieaffinen Publikum, was es hören will. Was hältst du eigentlich von Dirk Müller?

    • Holger Grethe 10. Januar 2014, 15:54

      Hallo Konrad,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Zu Frage 1: Die Frage, ob es ewiges Wachstum geben kann, ist so faszinierend wie umstritten. Deswegen werde ich ihr schon bald einen ausführlichen Artikel widmen.

      Zu Frage 2: Wer sein Geld für 5-10 Jahre verlustfrei “parken” will, sollte dies überall tun, nur nicht an der Börse.

      Ich habe nicht umsonst einen Anlagezeitraum von 20 Jahren für das Diagramm im Artikel gewählt. Es ist der “kürzeste” Zeitraum, für den ein Verlust (in den Jahren 1926 bis 2012) definitiv ausgeschlossen werden konnte.

      Mit “Managementstrategie” meinst du vermutlich die Gewichtung zwischen risikoarmen Anlagen (Anleihen) und risikoreichen Anlagen (Aktien). Natürlich reduziert ein gewisser Anleihenanteil das Verlustrisiko des Gesamtportfolios.

      Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass bei einem Anlagehorizont <20 Jahre weiterhin ein Verlustrisiko für Aktieninvestments besteht.

    • Turing 10. Januar 2014, 12:41

      Korrektur: Der zweite Satz ist natürlich für die Tonne. Es müsste heißen:

      Die Dividenden kombiniert mit einem langfristigen Anlagehorizont sind es, die mich zur Investition bewegen.

      Und ich investiere auch nicht auf einen Schlag viel Geld, sondern kontinuierlich, alle zwei bis drei Monate. Dann kauft man mal teuer, mal billig. Selbst der pessimistische Fall, z. B. 1961 alles zu investierten und genau bis 1982 zu halten, ist es sehr unrealistisch.

    • Holger Grethe 10. Januar 2014, 16:04

      Wenn ich den Namen Dirk Müller höre, muss ich immer an eine Fernsehsendung (ich fürchte es war die von Johannes B. Kerner) im Jahr 2008 denken. Mag auch 2009 gewesen sein, spielt aber keine Rolle…

      Jedenfalls saß da eine hochbetagte Dame, die freimütig bekannte, dass sich ihr Aktiendepot infolge der Finanzkrise im Wert halbiert hatte. Aber das seien ja nur Buchwertverluste.

      Soweit ich mich erinnere, widersprach Dirk Müller ihr vehement und sagte sinngemäß: “Verlust ist Verlust. Immer!”

      Worauf die alte Dame seelenruhig antwortete: “Ist kein Problem. Ich brauche das Geld jetzt ja nicht.”
      😉

    • christian 10. Januar 2014, 17:08

      Vor dem Investieren in Wertpapieren, die Notfallrücklage nicht vergessen. Man sollte ca. 6-Monats-Gehälter am Sparbuch haben (großteils täglich fällig, ein Teil kann kurz gebunden sein), damit man nicht bei einem größeren Problem (Auto kaputt, Job verloren) in die Verlegenheit kommt, sein Depot anzapfen zu müssen (möglicherweise bei schlechtem Börsewetter).

      Frage 1 ist sehr interessant und meinen Meinung dazu ist, das wir derzeit noch auf einen begrenzten Lebensraum (die Erde) mit begrenzten Ressourcen angewiesen sind. Deshalb wäre es sehr unlogisch, dass ein unbegrenztes Wachstum möglich wäre (vor allem bei unserem derzeitigen Lebensstil). Wann Mutter Erde nicht mehr kann und ob wir das noch erleben, ist eine andere Frage.
      Aber angenommen wir zapfen auch noch die Ressourcen und den Lebensraum anderer Planeten an, dann kann das Spiel noch länger so weitergehen. Dass sich an unserem Lebensstil (freiwillig) etwas ändert, kann ich nicht erkennen. Und auch die Chinesen (nur exemplarisch) möchten – zu Recht – den westlichen Lebensstandard genießen.

      zu Frage 2: Ich kann dir sagen wie ich es halte: alles am Depot ist langfristig (mein Anlagehorizont ist mind. 20 Jahre – und dann bin ich noch immer nicht im pensionsfähigem Alter, aber vielleicht irgendwann finanziell unabhängig). Der Rest liegt am “Sparbuch” (Festgeld von 3 Monaten bis 3 Jahre bzw. Prämiensparen mit 8 Jahren).

      ciao,
      christian

  • Michael 10. Januar 2014, 13:37

    Danke mal wieder für den schönen Artikel, lieber Holger!

    Ich habe schon vor einigen Jahren meine Lehren aus den verschiedensten Direktinvestionen gezogen. Schließlich habe ich den Börsenhype der 1990er Jahre und die Dotcomblase miterlebt.

    Ein Sprichwort besagt: “An der Börse wird zum Ein-/Ausstieg nicht geklingelt.”
    Doch gerade das glauben viele Privatanleger dank der großzügigen Medienberichterstattung. Das ist und bleibt reines Wunschdenken, ein schönes Märchen aus dem Reich der Phantasie.

    Kurse spiegeln nicht die Realität wieder. Natürlich wird dies in der Öffentlichkeit nicht oder nur selten gesagt: wer gibt schon gerne zu, dass die Börse nichts anderes ist, als das größte und schönste Spielkasino auf diesem Planeten.

    Und in einem Kasino gibt es immer wenige Gewinner, dafür um so mehr Verlierer – die in den meisten Fällen direkt oder indirekt Privatanleger heißen.

    Vergessen wir mal das schöne Märchen von Ehrlichkeit, Fairnis und Gerechtigkeit. An den Börsen geht es nicht um ein paar weinge Euros/Dollars, es geht um Milliarden; und da ist fast jedes Mittel erlaubt.

    Und auch das Wort “Zufall” können wir aus der Börsensprache streichen.
    Bei solchen Summen existiert dieses Wort mE nicht, zumindest für die Leute nicht, die im Vorfeld immer mehr wissen und entsprechend positioniert sind, denn es ist und bleibt ein… NULLSUMMENSPIEL.

    Und dann hab’ ich mich mal gefragt 😉 : Wer verdient eigentlich so alles an der Börse? Es sind…

    A die Emittenten / Banken
    B die Börsenbriefe
    C die Börsenzeitungen
    D die Börsensender
    E die Gurus (Förtsch, Frick & Co. mit 0190-Nummern)
    F die Fonds
    G die AGs, die das Kapital dann sicher anlegen
    H die Berater
    I die Abo-Herausgeber
    J die …
    etc.

    Und wer bezahlt das alles? Der Anleger.

    Mit anderen Worten: Wer Aktien kauft um reich zu werden, ist eigentlich ein Riesenidiot.
    Zuerst sollte man da mal “A bis Z” versuchen! 😉

    Nichtsdestotrotz sehe auch ich ein gutes, auf Dividenden (reglm. cashflow) ausgerichtetes Investmentportfolio als attraktive Beimischung zu den verschiedensten – nicht börsengehandelten – Direktinvestitionen und Immobilienstrategien. Zukünftig auch gerne mehr ETFs 🙂

    Übrigens auch für das Thema “Stiftungsportfolios”, da Stiftungen in der Vergangenheit sehr auf Sicherheit betonte, kostenbelastete Investments tätigten, die heute kaum noch die nötigen Renditen abwerfen.

    Hier auch noch ein weiteres, schönes Zitat von André Kostolany:

    “Wer es kann, handelt an der Börse, wer es nicht kann, berät Andere!”

    Viel Erfolg weiterhin!

  • Stefan 12. Januar 2014, 15:57

    Hallo Holger,
    als ich die Überschrift zu diesem Artikel las, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Die bisherigen Kommentare zeigen augenscheinlich, wie emotionsgeladen der Dialog mit Miss Börse auf breiter Front geführt wird. Und dabei sollte er völlig frei von Emotionen sein …

    Nachfolgend meine ganz persönlichen Statements, die sicher polarisieren werden:
    <—
    – Es gibt weder gute noch schlechte Zeitpunkte, um "einzusteigen". Es gibt ausschließlich Zeitpunkte.

    – Der Preis einer Aktie ist zum Kaufzeitpunkt völlig irrelevant. Relevant ist allerdings, welche Aktien ich kaufe.

    – ETF heißt das Produkt der Wahl für regelmäßige Kapitalbildungen (Sparplan) und für alle Konten, die für Aktien nicht hinreichend kapitalisiert sind (
    Das sind meine Leitlinien. Nach vielen Jahren als Spekulant bin ich seit geraumer Zeit als gelassener Investor unterwegs.

    Wie du anschaulich zeigst, ist eine gehörige Portion Geduld notwendig – Geduld und eine ganzheitlich positive Lebenseinstellung. Dann steht dem nachhaltigen Börsenerfolg nichts im Wege.
    In Wertpapiere zu investieren ist deshalb nichts für “Merchants Of Doom” 🙂

    Viele Grüße,
    Stefan

    • Holger Grethe 12. Januar 2014, 16:54

      Hi Stefan,

      vielen Dank für deinen treffenden Kommentar!

      Ja, Geld anlegen sollte frei von Emotionen sein, was praktisch allerdings kaum machbar sein dürfte. 😉

      Was man allerdings immer versuchen sollte, ist, den Grad der Emotionalität zumindest so weit zu reduzieren, dass man langfristig sinnvolle Entscheidungen treffen kann.

      Geduld und eine positive Lebenseinstellung halte auch ich für zwei ganz elementare Wesenszüge, die einem als Investor sicher nicht schaden werden.

    • geldexperimente 12. Januar 2014, 17:17

      hallo Stefan,

      also bei Punkt 2 muss ich widersprechen: man sollte zwar erst gar nicht Einzelaktien kaufen, aber wenn man es macht, sollte der Kaufpreis ein wichtiges Kriterium sein. Nämlich in dem Hinblick, ob der Preis nicht völlig überbewertet ist. Was nützt einem eine Beteiligung an einem Unternehmen mit einem erfolgsversprechendem Geschäftsmodell, wenn zukünftige Gewinne bereits eingepreist sind und/oder sich dann das Geschäftsmodell als nicht ganz so gewinnträchtig erweist?

      Sonst stimme ich zu.

      ciao,
      christian

      (ps.: oder bin ich jetzt auf Troll-Bait hineingefallen?)

  • Christoph 13. Januar 2014, 14:21

    Alles viel zu kompliziert. Geld folgt seinen eigenen Gesetzen. An allen Börsen dieser Welt ist es stark versammelt und das Geld liebt das Spiel. Wer´s spielerisch angeht hat mehr vom Geld und vom Leben.

  • Frank 23. April 2014, 22:47

    Hallo Holger,

    danke für Dein hilfreichen Informationen, die sehr motivieren, Deine Strategien in die Tat umzusetzen. Deinen Online-Kurs werde ich gerne wahr nehmen, zumal sich mein jetziger Anlagehorizont bis zum Ruhestand durchaus auf 20 Jahre erstrecken kann.
    Frage:
    Was ist, wenn nach 20 Jahren gerade alles am Boden ist, ich aber auf mein Kapital zwecks Ruhestand (sukzessive) zurückgreifen muss? Die Börse richtet sich ja nicht nach meinem persönlichen Anlagezeitraum.
    Welche Strategien zum geregelten “Exit” würdest du empfehlen?

    Beste Grüße
    Frank

    • Holger Grethe 24. April 2014, 11:08

      Hallo Frank,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Um in der Ruhestandsphase genügend Kapital aus deinem Depot entnehmen zu können, gestaltest du die Aufteilung zwischen dem Aktienteil und dem Anleihenteil deines Portfolios entsprechend.

      Das bedeutet praktisch, dass zum Ende der Ansparphase der Anteil der Anleihen je nach Bedarf mehr als 50% deines Gesamtdepots ausmachen sollte. Im Detail erkläre ich das alles im Kurs…

      Viele Grüße
      Holger

  • Benedikt 30. Mai 2014, 15:07

    Nur allzu gerne würde ich zustimmen und sagen, ja, ich habe noch ca. 15-20 Jahre Zeit bis zum geplanten Ruhestand. Also, nichts wie rein in mein 50/50 ETF-Portfolio.

    Dann kommt, aber diese Stimme in mir, die sagt “Moment, 50% Aktien machen bei Dir einen sechstelligen Betrag aus. Wenn die Börsen das tun, was sie immer tun, also im Schnitt 30% (die zwei Jahrhundertcrashs mal aussen vor) korrigieren, dann riskiere ich damit den Wert einer 1-2 Zimmerwohnung in einer deutschen Großstadt.”

    Ja, aber Anleihen werden es schon auffangen. In einem 0% Zinsumfeld? Wieviel Potenzial ist da noch für Zinssenkungen nach dem 5. Juni? Und das ist meiner Meinung nach in Kombination mit der Notenbankpolitik ein enormer Unterschied zu den letzten 100 Jahren.

    Ich habe keine Lust auf “Market Timing”, da ich keine Glaskugel habe und irgendwie fühle ich mich aktuell dazu gezwungen. Und so verwerfe ich den Plan wieder.

    Was ist so jemanden, wie mir zu raten? Weiter auf den Crash warten? Aktienquote runter? Teure Mischfonds? Danke für Eure Ideen.

    • Holger Grethe 31. Mai 2014, 15:16

      Hallo Benedikt,

      ein paar Gedanken zu deinem Kommentar:

      1. Wenn du in etwa 15-20 Jahren in den Ruhestand gehen willst, dann ist dein Anlagehorizont noch weitaus länger. Es soll zwar Unglücksraben geben, die es kurz nach Rentenbeginn aus den Schuhen haut, aber das ist sicher nicht die Regel.

      2. Du wirst dein Portfolio kaum bei Ruhestandsbeginn komplett liquidieren, sondern nach und nach entsparen wollen, oder? Grobe Faustregel für die Entsparphase: stehen die Aktien schlecht verkaufst du Anleihen, stehen die Kurse gut, verkaufst du vorzugsweise Aktien.

      3. Das Niedrigzinsumfeld ist kein Spaß, trotzdem erfüllen Anleihen weiterhin ihre Funktion als Risikodämpfer im Depot. Genau das ist auch ihre Aufgabe, selbst wenn der Anleihenteil eine (leichte) Negativrendite erwirtschaftet.

      “Was ist so jemanden, wie mir zu raten? Weiter auf den Crash warten? Aktienquote runter?”

      Du solltest das tun, womit du dich wohl fühlst. Auf den Crash warten IST Market Timing und imho nicht sinnvoll. Andererseits musst DU es aushalten können, wenn der “Wert einer 1-2 Zimmerwohnung in einer deutschen Großstadt” zeitweise pulverisiert wird.

      Man darf nie vergessen: genau für das Aushalten dieses Verlustschmerzes belohnt der Aktienmarkt die Mutigen und Standhaften mit der höchsten Rendite aller Anlageklassen. Man bekommt eben nichts (oder nur wenig) geschenkt im Leben 😉

  • Peter 22. Januar 2015, 07:43

    Hallo Holger,

    wie immer vielen Dank! Es kommt von Herzen. 🙂
    Das Umstellen auf passives Investieren wirft Probleme auf, die ich als Anleger in aktiv gemanagte Fonds bisher nicht hatte.

    Ich habe eine (Anfänger)Frage zu einem anderen Aspekt von Timing.

    Bsp.:
    Anlagesumme 100.000 €, Xetra als größter Handelsplatz für den Wunsch-ETF, Problem (oder auch keins) es gibt Handelstage in der Woche mit 10.000€ und wieder andere mit 1.000.000€ Umsatz in dem ETF.

    Frage:
    Macht in so einer Konstellation ein zeitlich gestufter (10×10.000€, 4×25.000€, 2×50.000€, etc.) Kauf trotz der höheren Gebühren und der Mehrarbeit aber evtl. mit dem im Durchschnitt besseren Preis Sinn oder sind das meist Nullsummenspiele?

    LG

    Peter

    • Holger Grethe 24. Januar 2015, 17:14

      Hallo Peter,

      der Umsatz eines ETF wirkt sich meines Wissens auf den Spread aus, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei hohem Umsatz sollte der Spread geringer sein als bei geringem Umsatz, da der Market-Maker (zuständig für die Bereitstellung der Kurse) mehr Kauf- und Verkaufsgesuche zusammenführen kann.

      Bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro (pro ETF!) wirken sich natürlich auch Spread-Differenzen im Cent-Bereich aus. Aber welcher Privatanleger schiebt schon auf einen Schlag 100.000 Euro in einen ETF!?

      Ich halte das Ganze also eher für ein hypothetisches Problem 😉

  • Stefan 22. April 2015, 11:02

    Guter Artikel. Meine Meinung ist ähnlich.

    Viele Anleger haben solche Angst vor Verlusten, dass sie die Chancen übersehen.
    Mein Ziel ist es auch, dass ich einem Börsencrash möglichst ausweiche. Aber lieber sitze ich einen Crash aus, als dass ich gar nicht investiert bin.

    Wenn ein Anleger allerdings einen kurzen Zeithorizont hat, ist die Angst auch richtig. Wer sein Geld in 5 Jahren benötigt sollte nicht in Aktien anlegen.
    Ansonsten werden die meisten Kleinanleger wohl erst wieder an die Börse kommen, wenn der “Zug” wieder voll beschleunigt hat.

  • Markus 11. Juni 2015, 09:28

    Hallo Holger,

    na wenn ich mal kein Timing habe: eine Minute, bevor dein Newsletter in meine Inbox geflattert war, “kam ich gerade zurück” von meinem Online Broker wo ich einen aktuell sonst nirgends benötigten 1000er in einen ETF gesteckt habe 🙂

    Ich stimme dir zu: sich einzubilden, Market Timing zu haben ist bestenfalls naiv.

    Leider ist die Anlegerpsychologie nicht nur oft irrational sondern auch sehr stark.
    In der Vergangenheit hat es mir auch zu schaffen gemacht nach einem Kauf meine neue Position 5 – 10% in wenigen Tagen abrutschen zu sehen. Da hilft nur eins: Augen zu und durch – nach ein paar Jahren sieht es ganz anders aus und man ist froh im Markt zu sein. Und rückblickend kann man über die eigenen Schreckensgespenster schmunzeln.

    Börsenanlage hat was olympisches: dabei sein ist alles!

    VG
    Markus

  • Claudius 11. Juni 2015, 09:59

    Hallo Holger,

    Ich bin ganz deiner Meinung. Oft lese Ich von Leuten, die sich viel zu oft an Kleinigkeiten aufhalten und deshalb nicht handeln.
    Sie vergleichen stundenlang irgendwelche Kennzahlen und hoffen so noch 0,1% mehr Rendite zu erwirtschaften. Am Ende sind sie so verunsichert, dass sie gar nicht handeln. Das bringt ihnen dann aber genau 0% Rendite.

    Mein Tipp um den Einstiegspunkt nicht wählen zu müssen ist es, einen Sparplan anzulegen und so mehrere Einstiegspunkte zu haben.

    Gruß,

    Claudius

  • Alex 11. Juni 2015, 12:30

    “Wenn es also nicht DEN perfekten Einstiegszeitpunkt an der Börse gibt, dann ist im Umkehrschluss JEDER Zeitpunkt eine ideale Gelegenheit, an der Börse zu investieren.”

    Danke, Holger, dieser Artikel und besonders dieser Satz bringt es toll auf den Punkt. Es gibt so viele Ausreden, weshalb wir uns davor drücken, unsere finanzielle Zukunft eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Und für alle, die mit dem Gedanken spielen, an der Börse zu investieren, gehört der berühmte “richtige” oder auch “falsche” Zeitpunkt sicher dazu.

    Danke für den Impuls! Der richtige Zeitpunkt, mit etwas Wichtigem loszulegen, ist fast immer genau JETZT.

    Beste Grüße
    Alex

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 18:57

      Stimmt, mit Sparplänen bzw. durch periodisches Investieren relativiert sich das Problem, da man so viele verschiedene Einstiegszeitpunkte schafft.

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 19:01

      Danke euch!

  • Thomas 11. Juni 2015, 12:55

    Es reizt mich, mich ein bisschen mit der Börse zu beschäftigen, aber ich werde sicher einen Kurs brauchen. Der Online-Kurs ZENinvestor scheint mir interessant zu sein.
    Denn an der Börse sein Geld zu investieren, ohne sich in diesem Bereich ordentlich auszukennen, finde ich blöd 😉
    Danke für diesen Beitrag.

  • Freymund 11. Juni 2015, 13:07

    Lieber Holger, danke für Deine unterhaltsame und präzise Wissensvermittlung! Sunny cheers Freymund

  • Frank 11. Juni 2015, 14:19

    Hallo Holger,

    wieder mal ein toller Artikel von Dir. Man (ich) merke dass Du wirklich was von der Sache verstehst, Dinge hinterfragst und dann auch eine Lösung anbietest. Ich habe den Kurs Zeninvestor bereits gekauft und durchgearbeitet. Ich finde ein toller Kurs. Jetzt stehe ich kurz vor der Umsetzungsphase. Dabei lasse ich mich aber nicht drängen (wie früher…auch nicht von mir selbst), da alles seine Zeit braucht und es ja eh nicht den perfekten Zeitpunkt gibt. Großes Lob und mach weiter so.

    Gru Frank

  • Juan 11. Juni 2015, 17:59

    Hallo Holger,

    kannst Du verraten und zeigen, wie man aus der Datenquelle zum S&P die schöne Chart zaubert?

    Danke!
    Juan

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 19:01

      Hallo Thomas,

      ohne Plan bzw. Anlagestrategie sollte man in der Tat nicht loslegen. Freu mich über dein Interesse an meinem Kurs! 🙂

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 19:02

      Danke. Das ist ein großartiges Kompliment, Frank! Freut mich sehr, wenn dich der Kurs weitergebracht hat:-)

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 19:06

      Hallo Juan,

      kein Problem. Der Workflow (auf dem Mac) sieht so aus:
      “Download to spreadsheet” auf der Yahoo Finance-Seite klicken > CSV-Datei runterladen und in die Tabellenkalkulation Numbers importieren (als kommaseparierte Liste) > Tabelle sortieren nach Datum > Liniendiagramm einfügen und nach Wunsch formatieren > Nachbearbeitung in einem Grafikprogramm deiner Wahl (die roten Kringel habe ich in diesem Fall in der Bild-Vorschau von OSX eingefügt) > Als JPG exportieren > fertig 🙂

  • Ex-Studentin 11. Juni 2015, 20:14

    Ich habe eine Verständnisfrage: Bei dem abgebildeten Index fällt auf, dass er 2011 niedriger steht als 2000. Gibt es eine Möglichkeit, zugehörige ausgeschüttete Dividenten einzusehen? Bzw. erfolgen ggf. auch bei einem Abwärtstrend des Indexes Ausschüttungen? Für mich als Leihe sehen diese Schwankungen nämlich nicht so vertrauenserweckend aus. Bzw. kann ich mir das mit Dividenden so vorstellen, dass ich bei einem Aufwärtstrend z.B. 10% Rendite schaffe und es bei einem Abstieg Nullnummern werden? Und ich Geld nur dann verliere/”Verlust realisiere”, wenn ich meine Anteile verkaufe?

    • Ex-Studentin 11. Juni 2015, 21:05

      *Sollte natürlich “Laie” heißen.

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 23:15

      Einen historischen Vergleich der Kursvariante mit der Total-Return-Variante (inklusive reinestierte Dividenden) des S&P500 findest du z.B. hier (erstes Diagramm).

      Wie in dieser Arbeit nachzulesen ist, gehen in Crashphasen auch die Dividendenzahlungen zurück. Nicht aber in dem Ausmaß, in dem die Kurse fallen. Zudem kehren die Dividendenausschüttungen nach einer Marktkorrektur schneller auf ihr Ausgangslevel zurück.

      Grundsätzlich ist es so, dass Verluste immer nur Buchwertverluste (und damit reversibel) sind, solange du im Besitz der entsprechenden Wertpapiere bist. Erst durch den Verkauf im Börsentief werden dadurch realisierte (“echte”) Verluste.

  • Julia 11. Juni 2015, 20:15

    Hallo Holger,

    das Diagramm zum Zinseszinseffekt verzerrt die Realität, weil die Zeitachse nicht linear ist. Generell stimmt es zwar, dass die Unterschiede erst später wirklich groß werden. Aber die großen Abstände zwischen 3 und 10 Jahren suggerieren quasi keinen Unterschied bis 10 Jahre, was so nicht stimmt.
    Dann könnte man ja gleich nach 10 Jahren einsteigen 😉
    Tatsächlich liegen die angesparten Summen auch nach 10 Jahren schon 13% auseinander…

  • Bahman 11. Juni 2015, 21:13

    Hallo Holger,

    ich verfolge auch fleißig deinem Blog, habe auch mittlerweile einige auch von dir empfohlene Bücher über das Investieren gelesen und daher auch mutig ein paar Kröten an der Börse angelegt. Nur eines hat mich immer gewurmt mit dem sogenannten “Risiko”:
    “In der Entscheidungstheorie werden mit Unsicherheit zukünftige Umweltzustände beschrieben, für welche keine Wahrscheinlichkeiten vorliegen. Unsicherheit wird dabei in Ungewissheit, Risiko und Unwissen unterteilt. Bei der Ungewissheit sind die möglichen Auswirkungen bekannt, man verfügt jedoch nicht über Informationen zur Eintrittswahrscheinlichkeit. Beim Risiko ist als zusätzliche Information die Eintrittswahrscheinlichkeit bekannt, nicht aber der Zeitpunkt. Beim Unwissen sind auch die Auswirkungen der untersuchten Handlungsalternativen nicht vollständig bekannt. Die Entscheidungstheorie bietet verschiedene Methoden zur Entscheidung unter Ungewissheit, Entscheidung unter Unsicherheit und Entscheidung unter Risiko. Die Anwendung mathematischer Modelle zur Repräsentation von Unsicherheit ist extrem schwierig.” Das Zitat stammt von Wikipedia.
    Ich denke dass die meisten Leute eine berechtigte intuitive Angst von der UNGEWISSHEIT bisweilen sogar auch UNWISSENHEIT (der Anlegermassen), die nunmal an der Börse herrscht, haben. Denn das viel zitierte “Risiko” gibts es, soweit ich die Börse verstanden habe, nicht wirklich in der Welt der Anlagen, oder?
    Gruss Bahman

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 23:04

      Hmm, die Zeitachse ist schon linear, die Abstände sind ja gleich. Ich sage ja auch nicht, dass es keinen Unterschied gibt, sondern nur, dass es keinen nennenswerten Unterschied gibt.

      Man könnte nun diskutieren, ob 13% nach 10 Jahren nennenswert sind oder nicht. Mir wäre die Differenz jedenfalls nicht nennenswert genug, um für diesen Anlagehorizont das Wertschwankungsrisiko des Aktienmarkts auf mich zu nehmen.

    • Holger Grethe 11. Juni 2015, 22:59

      Risiko vs. Ungewissheit ist ein schönes Thema 😉 Wenn du insbesondere im Zusammenhang mit der Börse mehr dazu erfahren willst, kann ich dir das Buch Der Schwarze Schwan (*) von Nassim Nicholas Taleb empfehlen!

  • Lars Hattwig 12. Juni 2015, 07:48

    Hallo Holger,

    das ist ein ganz wichtiger Artikel für Leute, die an der Börse ihr Geld anlegen wollen. Exemplarisch erinnere ich mich noch an den letzten Herbst und Winter. Als sich die großen Aktien-Indizes im Herbst 2014 im Korrekturmodus befanden, hielten sich viele zurück, weil sie noch tiefere Kurse befürchteten. Die meist machten bis Januar 2015 nichts, dann aber auf einmal mit der Begründung, jetzt sei der Markt schon zu stark gestiegen. Offenbar gibt es immer irgendwelche Gründe keine Aktien zu kaufen, letztendlich zieht sich dieses Zögern schon seit Jahren während der gesamten Aktien-Hausse hin.

    Aktien sind langfristige Investments und deshalb spielt der Einstiegszeitpunkt auf Sicht von 10 Jahre und mehr eine untergeordnete bis quasi keine Rolle. Daher unterstütze ich die Aussage: Wer Geld hat, sollte es in Intervallen in den Markt investieren, unabhängig vom aktuellen Börsenkurs.

    VG und allen viel Erfolg!
    Lars

  • Finanzwesir 12. Juni 2015, 11:41

    Hallo Holger,
    danke für die nette Erwähnung. Was das Timing angeht, so halte ich es mit Sir John Templeton.
    Der Sir sagt: “Der beste Zeitpunkt, Geld anzulegen, ist dann, wenn Sie Geld haben.” 😉

    Gruß
    Albert

  • wirtschaftswaise 12. Juni 2015, 14:19

    “JEDER Zeitpunkt eine ideale Gelegenheit, an der Börse zu investieren. ”

    Meine Rede seit 1815 😉

    Auch unter versierten Börseninteressenten gibt dieses “End-of-History”-Denken.

    OMG – der DAX steht über 12000 – jetzt ist es zu spät zum investieren. Oder die Am-Spielfeldrand-Steher, die immer auf den niedrigeren Kurs warten und somit sinnloses Market-Timing versuchen.

    Sehr schöner Artikel!

  • Skeptiker1337 12. Juni 2015, 18:06

    Hallo Holger,

    den perfekten Zeitpunkt zu treffen ist erstmal unmöglich. Richtig.
    Falsch ist aber, dass jeder Zeit der richtige Zeitpunkt ist. Das stimmt einfach nicht.
    Selbst Gerd Kommer hat festgestellt, dass der Einstiegszeitpunkt auf jeden Fall einen Einfluß auf die Rendite hat. Vielleicht nicht sehr groß über 20-30 Jahre (Vergangenheit bis jetzt).

    Wenn man sich die letzten 15 Jahre anschaut bezüglich MSCI World Euro mit Inflation/Steuer/Kauf/Verkauf/Verwaltung/Währung usw…. dann waren die letzten 10-15 Jahre ehr schlecht für ETF MSCI World in Euro und der Einstiegszeitpunkt hat sehr wohl eine Rolle gespielt.
    http://www.wertpapier-forum.de/topic/46437-renditedreieck-msci-world/

    15 Jahre keine lange Zeit? Ob in 5 Jahren diese Verluste aufgeholt werden ist fraglich.

    Und natürlich kann man anders kaufen. Man kann kaufen, wenn die Kurse fallen, dabei braucht man gar nicht den Tiefpunkt zu treffen. Also den perfekten Zeitpunkt. Man kauft konstant im Abschwung.
    Oder von mir aus in konstanten kleinen Happen (Volumen + Zeit).

    Der Nikkei ist ein Paradebeispiel dafür, dass kaufen egal wann und lange halten eben nicht “sicher” ist.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nikkei_225#/media/File:Nikkei_225%281970-%29.svg
    Der gleiche Stand wie vor 30 Jahren und da ist die Inflation noch gar nicht mit eingerechnet.

    Es ist relativ einfach den Aktienmarkt auf seine Bewertung halbwegs zu überprüfen.
    Mehrere Jahre ein starkes Wachstum über dem Durchschnitt (Index/Aktien/Gewinnen der Unternehmen) muss zwangsweise zu einer Korrektur führen und dann sollte man kaufen.

    Im Moment herrscht “Anlagennotstand” durch niedrige Zinsen bei Anleihen/Festgeld und alle rennen in der Aktienmarkt. Gleichzeitig erhöhte Aktienkurse durch die niedrigen Zinsen. In den letzten Wochen stiegen die Zinsen leicht am Anleihenmarkt und der ganze Index hat gewackelt…
    Perfekte Voraussetzungen für eine starke Korrektur in der nächsten Zeit.

  • Skeptiker1337 14. Juni 2015, 11:42

    “Na, dann ist nach Deiner Definition ja doch gerade JETZT ein guter Kaufzeitpunkt:
    * Der DAX ist seit April um rund 1000 Punkte gefallen
    * Der MSCI World ist seit April um 5% gefallen.
    Wenn das mal kein Abschwung ist!!”

    Oem Dax von 9400 Punkte Januar 2015 auf 12300 Februar 2015. Was sind da bitte schön 1000 Punkte in die andere Richtung? Kein Grund zu kaufen.
    MSCI World sehe ich irgendwie nicht die -5% seit April/Mai….aber vielleicht bin ich ja nur zu blöde zum Rechnen…

    “Oder ist das in Deinen Augen gar kein Abschwung? Woran erkenne ich den Abschwung und woran den Aufschwung?”
    Nimm dir alte Zeitungen aus der Zeit der Crashs und lies dort mal die Stimmung aus den Artikeln. Wie stark ist der Index in der Zeit gefallen? -1%? Oder vielleicht mal -3% oder vielleicht sogar -5% oder -10%?

    “Was hätte das für einen Anleger bedeutet, der z.B. 1980 in den S&P500 investieren wollte, aber bei den damaligen Höchstkursen (136 Punkte) auf den 35%-Absturz gewartet hat?”
    Oem Wiki?
    “Der größte prozentuale Rückgang an einem Tag ereignete sich am Schwarzen Montag, den 19. Oktober 1987, als der S&P 500 um 20,47 Prozent fiel.”
    Vielleicht genau dann kaufen? Und bis dahin einfach Staatsanleihen halten? Zinsen für Staatsanleihen 8-10% in diesem Zeitraum.

    Das ist doch nichts neues, dass die Börse keine Dekade ohne irgendeinen Crash überlebt… Abzuwarten ist natürlich schwer. Aber einfach mal irgendwo an der Spitze zu kaufen ist einfach leichtsinnig.

    “In der Theorie klingt das ganz einfach: „Kauf doch einfach im Tief/bei fallenenden Kurse!“ Die Praxis ist aber doch ein klein wenig komplizierter – daran scheitern schließlich auch regelmäßig die Profis (Fondsmanager). Wenn’s doch so einfach wäre!”
    Wann müssen die Fondsmanager kaufen? Können sie paar Jahre warten? Eher nicht oder?
    Niemand wirklich Niemand wird dir sagen, dass der Kurs egal ist, wann man etwas kauft an der Börse. Weder Warren Buffett noch André Kostolany oder andere Börsenveteran. Einfach den Index kaufen egal wann und dann jedes Jahr im Durchschnitt 5-6% einfahren? Hat bei Japan nicht funktioniert und hat auch in den letzten 15 Jahren für den MSCI World nicht funktioniert.

  • Skeptiker1337 14. Juni 2015, 12:41

    @Holger

    1.”Die Aktienrendite setzt sich zusammen aus der Dividendenrendite und der Kursrendite.”
    Ja und? Das Renditedreieck MSCI World ist mit dem Performanceindex berechnet.
    In der Krise sinkt der Aktienkurs und die Dividendenrendite wird dadurch nominal automatisch weniger.
    Und was soll wir hier vergleichen Dividenden Aristokraten? Oder Performanceindex?

    2. Man kauft im Bärenmarkt. Das ist kein fester Zeitpunkt.
    Beispiel Finanzkrise. Der Bärenmarkt dauerte 18 Monate. Der aufstieg +50% nochmal ca. 12 Monate. Also in 2-3 Jahren soll man es nicht schaffen 10-20 mal was zu kaufen?
    Und der Crash war ja wohl mehr als eindeutig erkennbar. Einfach mal alte Zeitungen durch sehen.

    “Wer über 30 Jahre jedes Quartal Betrag X investiert, schafft auf diesem Weg 120 Einstiegspunkte. Unter diesen werden gute und weniger gute sein.”
    Oem ich kann mich nicht erinnern, dass dies in deinem letzten Podcast so rüber kam?
    Oder doch?
    Bzw. das sollte man sich dazu auch mal durchlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Durchschnittskosteneffekt

    “Auf Kurseinbrüche warten, in den Glauben, diese erkennen zu können, ist Market Timing.”
    Also du willst sagen, dass du -7% 2008 im Dax und das an DREI Tag im Jahr 2008 nicht als Kurseinbrüche erkannt hast? Bei gleichzeitiger Horrorstimmung in den Medien?
    Also Holger bitte…das ist wirklich Unsinn.

    “Wer der Meinung ist, an der Börse besser als andere durchzublicken, darf sein Glück selbstverständlich versuchen.”
    Es geht einfach darum, dass die Empfehlung den Index zu kaufen egal wann einfach mal unklug ist.

  • Finanzkoch 15. Juni 2015, 19:50

    Hallo an alle,

    ich würde mich gerne noch in die Diskussion einbringen.

    Ich durfte heute einem erfrischenden Vortrag von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen erleben. Das Thema war Demografie.
    Ich möchte ein Zitat sinngemäß weitergeben:
    “Wer vor Jahren keine Aktien gekauft hat, war aus heutiger Sicht dumm. Wer aktuell Aktien kauft, muss nicht clever sein.”

    Er hat zudem klar gestellt, dass die Zukunft unsicher ist. Niemand kann sie vorhersagen. Das ist das Wesen der Zukunft.

    Für uns bedeutet das:
    Niemand weiß, wie sich der Aktienmarkt morgen, übermorgen oder in den nächsten 10 Jahren entwickelt. Was wir wissen ist, dass Aktien in der Vergangenheit eine durchschnittliche Rendite von sieben bis zehn Prozent pro Jahr erreicht haben.

    Es steht also folgende Annahme im Raum:
    Langfristig erreichen wir mit einer Aktienanlage sieben bis zehn Prozent jährlich.

    Nehmen wir an, sie stimmt und wir wissen weiter nichts über die Zukunft.
    In diesem Fall ist die Renditeerwartung, bei einem sofortigen Einstieg (all in), am größten. Wir nutzten so den positiven Drift der Aktienmärkte bestmöglich aus. Wenn wir auf Rücksetzer warten (niemand weiß ob es noch einmal tiefer geht, denn dann könnte er die Zukunft vorhersagen), verlieren wir wertvolle Zeit.

    Wenn wir maximale Rendite anstreben, stimmt die Aussage: „Der perfekte Zeitpunkt zum Einstieg an der Börse ist: Jetzt!“ also.
    Dabei haben wir folgende Annahmen getroffen:
    Wir können nicht in die Zukunft schauen und Aktien steigen langfristig.

    Viele Grüße
    Finanzkoch

  • Skeptiker1337 16. Juni 2015, 08:16

    @Dummerchen
    Hm…erst jetzt deinen letzten Kommentar gesehen…

    “Ein eintägiger Einbruch um 20% ist es augenscheinlich schon. (Da mag man nur hoffen, dass so eine einmalige Gelegenheit nicht im Urlaub passiert und man mal ein paar Tage offline ist.)”
    …19. Oktober 1987, als der S&P 500 um 20,47 Prozent fiel….
    Bärenmärkte 25. Aug. 1987 bis 4. Dez. 1987
    http://www.sniper.at/crash-87/stock-market-crash-1987.GIF
    Und dann kann man immer noch mehrere Monate im Aufstieg nachkaufen.
    Diese Entwicklung ist doch nicht nur ein Tag oder 1-2 Wochen nach dem Crash.
    Wie in meinem letzten Kommentar schon beschrieben, hast du mehrer Monate Zeit ganz in Ruhe stückchenweise zu kaufen. Eben wenn die Stimmung schlecht ist und die Kurse fallen oder stark gefallen sind.

    “Ein Absinken um 8% im DAX oder 5% im MSCI World innerhalb von 2 Monaten ist es augenscheinlich nicht.”
    Nochmal -8% im Dax über 3-6 Monate ist was anderes als -8% im Dax an einem Tag.
    Oder wie siehs du die +30% im Dax in den ersten 3 Monaten dieses Jahres, wenn der Durschnitt nur 8-9% PRO JAHR sein kann? Oder wie würdest du die Kurse sehen, wenn der Dax in einem Jahr +100% macht? Oder +200%? Kann man dann immer noch ganz cool behaupten, dass der Einstigszeitpunkt egal ist? (Gewinne der Unternehmen/Inflation im Durchschnitt)
    “Als Börsenkrach (oder Börsencrash) wird ein extremer Kurseinbruch an der Börse bezeichnet. Er dauert einige Tage bis hin zu wenigen Wochen. In dieser Zeit dominieren – meist panikartige – Verkäufe, die einen großen Angebotsüberhang erzeugen und so zu drastisch fallenden Kursen führen.” Wiki
    Und das kann man sehr wohl erkennen auch, wenn man mitten drin ist.

    “Und sonst so zwischen diesen beiden Extremen? Was ist denn ein ganz konkretes Kriterium, das man nutzen kann? Wieviel Prozent Wertrückgang in welchem Zeitraum? Einzig auf den eintägigen Megacrash zu warten kann es ja wohl nicht sein.”
    Ich habe nicht gesagt, dass man wartet bis der Crash kommt und dann einfach alles an einem Tag kauft. Ehr wartet man ab bis der Zeitpunkt günstigt ist und kauft dann stückweise bis zu einem bestimmten Kurs kontinuierlich nach. Das kann nach einem Crash sein bzw. nach einer starken Korrektur. Oder nach schwachen Jahren der Börse, wo der jährliche Anstieg der Kurse kleiner war als der Durschnitt.

    Bei der Börse ist auch ein großer Teil Psychologie bei. Wenn die Stimmung schlecht ist, dann kann das wieder ein Zeichen für einenen günstigen Einstig sein.

    Die Lösung ist nicht einfach radikal zu sagen, dass man nur im Crash kauf oder einfach immer. Das sind einfach zwei Extreme. Man sollte einfach versuchen das beste aus beiden zu machen. Man muss auch nicht Aktien kaufen. Man kann auch mit Festgeldtreppen, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und/oder REITs arbeiten. In Gedult sollte man sich üben…gerade bei Aktien.

    “Dass der Einstieg nicht der einzige Investitionszeitpunkt bleiben wird, versteht sich hoffentlich von selbst.”
    Ich weiß nicht ob das jeder versteht. Was bei Holger unter Einstieg zu verstehen ist, hat er nicht genauer in seinem letzten Podcast ausgeführt. Vielleicht irre ich mich…aber ich kann mich nicht daran erinnern.
    Seine Meinung ist, dass es keine Zinsen mehr gibt und deswegen sollten jetzt alle Aktien kaufen egal wann…egal wieviel…
    Wenn alle in Aktien “flüchten” nur weil es keine Zinsen gibt, dann blähen sich die Kurse automatisch auf und eine Korrektur ist unausweichlich.

    Nur weil die Deutschen wenig Aktien kaufen heißt es noch lange nicht, dass der Rest der Welt oder Fonds usw. nicht stark Aktien nachkauft und die Preise in die höhe treibt.
    Weil man darf eines nicht vergessen. Erstens muss jemand bereit sein die Aktien zu dem jeweiligen Kurs zu kaufen und die Bewertung der Unternehmen richtet sich nach seinen Gewinnen.

  • Lizenz zum Geld drucken 16. Juni 2015, 17:25

    Mit Abstand der beste Beitrag den ich seit langen gelesen habe dazu die tollen Grafiken und die ganzen Informationen.
    Einfach klasse…

  • CrashProphet 16. Juni 2015, 18:44

    Seit dem “Tag der Aktie” (die Älteren erinnern sich, die Banken haben uns 9 Euro geschenkt) ist der Dax bereits über 10% im Minus. War das ein besserer Kaufzeitpunkt als heute?

    Auch ein Investment über mehrere (z.B. 120) Quartale zu strecken, ist Markettiming. Kein Markettiming ist sofort “all in” zu gehen.

    Ein Blinder mit Krückstock sieht, dass es aktuell noch mindestens eine Etage tiefer gehen wird. Und das soll clever sein, das zu ignorieren?

    Mögliche Lösung z.B. bei Online-Brokern kostenfrei – Limits setzen, z.B. ETF zu 10% unter dem aktuellen Wert.

  • Skeptiker1337 18. Juni 2015, 11:00

    Stimmt…habe ich selbst noch nicht so gesehen.
    Wenn der Zeitpunkt/Volumen keine Rolle spielt, dann einfach all in… 🙂

  • Geldoo 21. Juni 2015, 15:45

    Hallo Holger.
    Danke für den Beitrag. Ich habe eine Frage an dich. Bei welchen deutschen Bluechip siehst du die größten Wachstumchancen im Moment?

  • Ric 23. Juni 2015, 12:39

    Ich bin der Meinung, man sollte so lange sparen bis man 1.000 EUR zusammen hat (ich selbst spare sogar immer bis 1.500 EUR) Anschließend kann man dann die Wunschaktie erwerben. Durch den cost-average-effekt zahlt man auf Dauer immer den Durchschnittlichen, also “wahren” Preis. Auf die Kurse schaue ich nicht, außer es liegt wieder genug Geld zum investieren bereit. 😀

  • Marco 23. Juni 2015, 19:14

    Hallo Holger,

    sehr schön erklärt 🙂 Besonders dein Statement das niedrige Zinsen kein Grund sein sollten eine Immobilie zu kaufen, nur um des Investments-Willen, finde ich klasse! Ebenso sollten z.B. steuerliche Vorteile – so wie es in den 90ern ja der Fall war als alle unbedingt in Ost-Immobilien investieren wollten, wegen der Steuervorteile, und dadurch leider gehörig auf die Nase gefallen sind – niemals ein Grund für eine Immobilieninvestition sein.

    LG; Marco

  • Christian 12. Juli 2015, 22:40

    @Dummerchen & Holger wie steht ihr zu Nachkäufen bei Kursrückgängen? Holger hat mal erzählt das er einen steigenden Solldepotwert hat und wenns crasht, muss er entsprechend mehr kaufen. Ich hatte mir auch sowas gebaut die Plansparrate, eine realistische Steigerung, steigender Anleihenanteilen, aber damit arbeite ich noch nicht.
    Also nehmen wir aktuelle Themen bzw. Positionen.. Europa, besonders Euroland, China. Ich hatte Urlaub und konnte beobachten, wie die Kurse fallen und langsam wieder steigen. Mit einem Sparplan bekommt man das vielleicht garnicht mit. China schon eher.
    Aber die Frage ist: Schaut ihr regelmäßig in eure Depots und kauft ggf. außerplanmäßig bei Kursrückgängen nach?
    Sinnvoll ist es doch oder? Die Ausgangslage ist wie bisher. Wir wissen nicht ob der aktuelle Kurs gut, hoch oder schlecht, niedrig ist. Wir wissen auch nicht ob er fällt oder steigt und erstrecht nicht wieviel. Aber wenn ich die Chance habe günstiger zu kaufen als bisher, ist das doch ein ganz objektiver Pluspunkt?
    Danke Christian

    • Dummerchen 13. Juli 2015, 15:59

      Hallo Christian,

      ich kann Dir nicht sagen, was “das Beste” ist, aber ich berichte gerne, wie ich mit der Situation umgehe:
      Wenn ich Geld investiere (üblicherweise einmal monatlich), betrachte ich meinen aktuellen Depot-/Finanzstand (über alle(!) Anlagearten wie festverzinsliche Anlagen, Renten, Aktien). Dann treffe ich die Entscheidung, in welche Anlage(n) das Geld fließt. Die Entscheidung basiert dann nur auf der Abweichung zu meiner festgelegten Asset-Allocation, also dem einmalig entschiedenen Plan, welche Anlage welche Gewichtung am Gesamtportfolio haben soll.
      Sind also im konkreten Fall gerade die Aktien unterhalb ihren Sollwert gesunken (warum auch immer: Ukraine-Krise, China-Krise, Griechenland-Krise, Russland-Krise, irgendeinen Krise gibt’s ja immer…) dann wird hier nachgekauft. Aber nur in dem Maße wie es meine Asset-Allocation vorgibt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich versuche möglichst konstant das Verhältnis von Aktien zu Anleihen/Festgeld/Tagesgeld gleich zu halten.
      Somit lauten die konkreten Antworten auf Deine Fragen:
      * Ich schaue zwar häufiger mal ins Depot (was ich nicht müsste), investiere aber wirklich nur einmal im Monat – das muss reichen.
      * Ich habe keine Sparpläne, sondern kaufe regelmäßig nach.

      Dir würde ich raten:
      Wenn Sparpläne für Dich günstiger sind, bleib dabei. Kosten sind das A und O und alles andere eher vernachlässigbar. Auch bei Sparplänen profitierst Du von gesunkenen Preisen/Kursen.
      Denke daran, dass Du zumindest einmal im Jahr nach den Gewichtungen schaust und schichte dann um -> Rebalancing.
      Versprich Dir von solchem taktischen Kleinklein nicht zu viel. Geld wird vor allem über längere Zeitspannen erwirtschaftet. Dabei wirst Du mal einen besonders günstigen Investitionszeitpunkt treffen und mal weniger günstig das Geld investieren. So what?! Wusstest Du, dass die Kurse den vermeintlichen Tiefpunkt während Deines Urlaubs erreicht hatten? Hätte ja auch sein können, dass es sinnvoller gewesen wäre, bis zu Deinem Sparplantermin mit der Anlage zu warten:
      Kein Mensch weiß vorher, was besser gewesen wäre. Mach Dir weniger Gedanken um dieses Hin- und Her und genieße das Leben abseits der tagesaktuellen Börsenereignisse.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

  • Anleger46 13. Juli 2015, 14:46

    Hi Holger,

    sehr guter Kommentar. Ich bin auch der Meinung, dass es nicht DEN perfekten Zeitpunkt gibt um Geld zu investieren. Es gibt weltweit tausende Experten zu solchen Themen und selbst diese Experten können nur waage Vorhersagen treffen, die auch niemals zu hundert Prozent eintreffen. Deshalb glaube ich, wie du schon gesagt hast, das es diesen Punkt nicht gibt und selbst wenn man ihn nicht kennen würde.
    Auch ein guter Aspekt den du genannt hast ist die Anlagezeit. Niemand wird an der Börse über Nacht reich. Aber mit etwas Geduld kann man durchaus eine hohe langfristige Rendite erzielen.
    Gut gemacht und Bitte weiter solche Artikel.

  • Christian 13. Juli 2015, 22:05

    @Dummerchen da bleibt mir nicht mehr zu sagen als vielen Dank für die Hilfe 🙂

  • Christian 15. Juli 2015, 15:23

    @Dummerchen wie hälst du das denn mit den Ordergebühren? Wenn du montlich in evtl. mehrere Positionen investierst, brauchst du ja ein ganzschönes Volumen um Grenzen zu knacken (500 € diba) oder Gebühren zu drücken (1,5% max 4,9 EUR comdirect).
    Als Alternative könnte man monatlich oder zweimonatlich 500 € (diba kostenlos) in die Position packen, die der Soll Allocation am stärksten hinterher hinkt?

    • Dummerchen 15. Juli 2015, 21:38

      Hallo Christian,
      wenn Du Fixkosten hast, bzw. Grenzen überschreiten musst, dann schau, wie Du die Kosten möglichst gering hältst. Das von Dir genannte Vorgehen, nur in eine Position mit der stärksten Abweichung zu investieren, kann eine gute Lösung sein. Bei mir ist es auch selten mehr als eine Position, in die das Geld fließt.
      Ich habe aber den Eindruck, Du machst Dir noch immer zu viele Gedanken um Kleinigkeiten. Sparpläne sind auch völlig ok, wenn Du regelmäßig (jährlich?) schaust, dass Du die Aufteilung wieder zurechtrückst (Rebalancing).

      Liebe Grüße
      Dummerchen

    • Holger Grethe 20. Juli 2015, 20:58

      “Zwar „schwächt“ man die Zeitmacht des Zinseszins, dafür kann man die Kapitalrendite wesentlich erhöhen.”

      Ein wesentlicher Teil der Kapitalrendite stammt bei Aktien aus Dividendenzahlungen. Diese bekommt aber nur der Anleger, der wirklich in Aktien investiert ist und nicht auf den “richtigen” Zeitpunkt wartet.

      Stell dir nur vor, der Shiller-Index bleibt die nächsten 5-10 Jahre bei >20? 😉

  • Mike 15. Juli 2015, 16:19

    Hallo Holger,

    danke für den interessanten Artikel!

    Es ist wirklich so gut wie unmöglich den perfekten Zeitpunkt für einen Einstieg ins Börsengeschehen zu finden.

    Nichts desto trotz bin ich ein großer Verfechter von “Was du bezahlst ist der Preis, was du bekommst, ist der Wert” & “Kaufe wenn die Kanonen donnern”.

    Für mich habe ich den Shiller KGV (CAPE ratio) entdeckt. Dabei wird der Gewinn durchschnitt der letzten 10 Jahre genommen, um konjunkturelle Schwankungen geglätten + inflationsbereiningt.

    Das ist natürlich wieder nur ein Indikator, aber ein recht guter um zu sehen ob ein Markt Grundsätzlich überbewertet ist.

    Warum Jetzt nicht der perfekte Zeitpunkt für den Einstieg ist: Schiller KGV auf den S&P 500 liegt bei ca. 16 (je nach Datenreihe) für die letzten 140 Jahre (http://www.boerse.de/indizes/shiller-kgv/grafik). Momentaner KGV des S&P 500 = 20,61 (http://www.multpl.com/).

    Versteh mich bitte nicht falsch. Ich bin ein großer Fan von passiven Investments und ich bin kein Trader. Jedoch stelle ich mir die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, das Geld noch ein paar Jahre liegen zu lassen und frühsten erst dann zu zu schlagen wenn zu mindest der Schiller KGV stimmt. Frei nach dem Motto: Ich will einen geringeren Preis für ein höheren Wert erhalten.

    Zwar “schwächt” man die Zeitmacht des Zinseszins, dafür kann man die Kapitalrendite wesentlich erhöhen. Und da die Börsen wie die Jahreszeiten vergehen ist der nächste Crash nicht weit.

    Wie siehst du das?

    Freu mich schon auf deine Antwort!

    LG,
    Mike

  • Christian 20. Juli 2015, 14:01

    Wenn man aktuelle Bewertungen ignoriert und einfach voll investiert, erhöhe man doch das Risiko in eine Blase zu investieren erheblich? Wenn ich da nur an China denke. Die Kurse brechen plötzlich drastisch ein, alle Welt ist skeptisch ob sie sich überhaupt wieder auf das Niveau erholen. Sicher, in 20-25 Jahren wird das bestimmt klappen, aber will man solange im Minus sein?
    Ich bin mir bewusst: Keiner weiß was passiert. Aber ich denke schon, dass es solche Zeiten in denen mal eben 15 Mio. neue Depots eröffnet werden und jeder Chinese Aktien auf Pump kauft nicht so schnell wiederkommen.
    Nun hat China in einem Weltportfolio nur einen kleinen Anteil hat (10% * 22% = 2,2%?) dennoch ist es ein gutes Beispiel denn China ist eine der Weltmächte.
    Ich habe in dem Crash nachgekauft aber ich wundere mich wirklich wie negativ weiterhin und skeptisch berichtet wird.
    Da kann es doch nicht schaden, wenn man einen großen Sparplan ausführt und hin und wieder auf die Länder KGV schaut?
    Ist es bei euch wirklich so das ihr euch endweder über gute Kurssteigerungen oder günstige Kaufpreise freut und den rest ausblendet?
    Danke für Kommentare 🙂

  • Peter 22. Juli 2015, 10:38

    @Dummerchen

    Wie gelingt Dir das, unabhängig vom Kursniveau zu kaufen und Dich von den ganzen News abzuschotten? Ich finde das nahezu bewundernswert. Beides fällt mir enorm schwer.

    • Dummerchen 23. Juli 2015, 11:20

      Hallo Peter,
      beides ist im Grunde keine besondere Fähigkeit sondern eine Frage der Lebenseinstellung. Ich traue mir nicht im geringsten zu, mehr zu wissen als der Markt. Das ist für’s Ego natürlich ne harte Nuss. Sich selbst einzugestehen, dass man genau wie der Rest im Trüben fischt, braucht seine Zeit – und ich bin ja auch schon ein paar Jahre länger in Aktienfonds investiert und hatte Zeit, das zu lernen.

      Danach ist die Umsetzung ganz einfach: Ich besuche die typischen Börsennews-Seiten im Internet nicht. Wenn ich spaßeshalber doch mal dort vorbeischaue, finde ich keine Informationen, die mir wirklich weiterhelfen. Für Dich war ich jetzt auf der Handelsblattseite und finde dort einen Bericht von gestern über Apples Quartalszahlen, die die Anleger trotz Milliardengewinne enttäuscht haben. (“Die Anleger” – also auch mich?!) Der Kurs war zuvor gefallen. Soll ich jetzt deswegen auch Apple verkaufen? Zehn Stunden später erscheint auf der gleichen Seite ein Artikel, dass man Apple-Aktien eigentlich immer kaufen kann, da es sich in der Vergangenheit von solchen Rückschlägen immer schnell erholt hat. Soll ich jetzt Apple-Aktien kaufen?
      Mir bringen diese Glaskugelberichte überhaupt nichts, da ich mir gar nicht erst einbilde, besser als der Markt informiert zu sein. Ich kann mir da irgendwas zurechtspinnen, aber die wirtschaftlichen Zusammmenhänge sind derart komplex (und mitunter psychologisch getrieben), dass ich für mich beschlossen habe, einfach entspannt am Börsenrand zu stehen und gelassen abzuwarten.

      Ebenso “unterhaltsam” finde ich alltäglich “Börse vor acht” im Vorfeld der Tagesschau. Dort wird “zuschauergerecht” (also für den typisch “finanzgebildeten” Deutschen ;-)) ein Zusammenhang erläutert. In der ARD-Mediathek findet man dann zum Beitrag am Dienstag: “Ein gesundes Luftholen nach einer langen Gewinnsträhne, so würde man die heutigen Kursverluste wohl nennen. Zeitweise sackte der Dax unter 11.600 Punkte. Nimmt er jetzt Anlauf für den Sprung über die 11.800er-Marke? Oder macht die Berichtssaison den Optimisten einen Strich durch die Rechnung?” Aha. Jetzt weiß ich mehr. (Dann doch lieber gleich die Parodie “Pörse im Ersten” – gleicher Informationsgehalt.)

      Auch der Kauf unabhängig vom Kursniveau basiert auf der gleichen Einstellung: Wer bin ich, dass ich glaube könnte, mehr als der Markt zu wissen? Ergo: Einmal im Monat wird investiert. Habe damit jetzt mehrere Crashs überlebt und natürlich tun zwischenzeitlich Verluste dann auch weh. Das ist das Schmerzensgeld, dass Du für eine langfristig höhere Rendite zahlen musst. Du musst halt festlegen, wie viel Vermögensrückgang Dich noch vernünftig schlafen lässt. Daraus kannst Du dann bestimmen, wie hoch Deine Aktienquote ungefähr sein sollte. (Ich würde einfach mal einen 50%-Crash als Maßstab für solche Überlegungen heranziehen.)

      Peter, sei einfach mal ehrlich zu Dir selbst – Du musst es ja keinem anderen verraten: Wie viel finanzielle Vorbildung (Ausbildung, Studium, …) im Bereich Finanzwesen besitzt Du? Wie viele Geschäftszahlen kannst Du in einem Abschlussbericht verstehen und in einem Gesamtzusammenhang (Konkurrenzsituation, allg. Finanzumfeld, …) einordnen? Kennst Du die Möglichkeiten, wie man unbequeme Wahrheiten in solchen Berichten weglassen kann? Kannst Du die wirtschaftliche Situation (Steuern, Infrastruktur, …) in anderen Ländern (Indien, China, Südkorea, Australien, …) tatsächlich einordnen? Kannst Du beurteilen, was eine Produktions- oder Entwicklungsverlagerung in ein anderes Land kurz- und langfristig für ein Unternehmen bedeutet? Ohne Dich zu kennen, vermute ich, dass Du das meiste nicht kannst – ich kann’s auch nicht. Macht aber nix. Es geht auch ohne – das “Wie” zeigt Holger ja recht klar.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

    • Peter 23. Juli 2015, 12:57

      Hallo Dummerchen,

      vielen Dank für Deine ausführliche und sehr gute Antwort! Ich wusste, dass es eine gute Idee war, Dich zu fragen. Es bringt mich zum Nachdenken und das ist gut so.

      Bei den News stimme ich Dir voll und ganz zu. Ich habe mir schon immer gedacht, dass ich ca. 20 Trades pro Tag durchführen müsste, um all das zu befolgen, was mir die Finanzmedien und Expertenseiten “raten”.

      Du wärst überrascht, wieviel ich davon kann. Aber nein, natürlich masse ich mir das nicht an und ich habe auch keine Lust mich durch den Geschäftsbericht von General Electric oder United Technologies zu wühlen. Es mag Privatanleger geben, die das sehr gerne machen. Ich schätze – wenn ich mir diverse Dividenden-Blogs angucke – dass es viele Anleger gibt, die Einzelaktien ohne vorherige Analyse kaufen. Bei einer Nestlé oder Procter & Gamble mag das ok sein.

      Der schwerste Punkt für mich: Kaufen unabhängig vom Kursniveau. Ich ertappe mich oft dabei den Kauf hinauszuzögern oder gar ganz zu verschieben, weil mir die Kurse wieder sehr “hoch” erscheinen. Das Geld schlummert dann für satte 0,5-1% auf dem Tagesgeldkonto. Ich kaufe manuell für einen festen Betrag, um die Orderkosten möglichst gering zu halten. Dumm nur, wenn gerade an dem Tag Draghi wieder etwas falsches gegessen hat oder Yellen ein Wort aus ihrer Rede streicht und der Markt schnell 3% höher steht. Dann denke ich mir natürlich, ich warte bis der Kurs wieder bei x steht. Ankerheuristik. Ich weiss.

      Aber wir lernen ja zum Glück nie aus. Ich werde es weiter probieren.

      Ganz ehrlich, wenn mir das so gelingt, wie Du es für Dich beschreibst, dann würde ich mich sehr wohl mit meinen Anlagen fühlen.

      Immer wieder schön, Deine Kommentare zu lesen. Danke!

    • Dummerchen 23. Juli 2015, 17:21

      Hallo Peter,

      “Ich kaufe manuell für einen festen Betrag, um die Orderkosten möglichst gering zu halten. Dumm nur, wenn gerade an dem Tag Draghi wieder etwas falsches gegessen hat oder Yellen ein Wort aus ihrer Rede streicht und der Markt schnell 3% höher steht. Dann denke ich mir natürlich, ich warte bis der Kurs wieder bei x steht. Ankerheuristik. Ich weiss.”

      Na, das klingt aber doch sehr reflektiert. “Selbsterkenntnis ist der erste Weg…”
      Ob der Markt an Deinem Investitionstag um 3% gestiegen oder gefallen ist, wird Dich in 20 Jahren nicht wirklich stören. Du investierst ja über viele, viele Zeitpunkte hinweg und da wird sich das alles ausgleichen. Man merkt sich halt solche Negativerlebnisse eher als die umgekehrten Glücksgriffe. Typisch Mensch.
      Das Ankerproblem habe ich übrigens so nicht – ich kaufe einfach am besagten Tag für die Investitionssumme ein und kenne die Kursdaten der Vortage nicht (bzw. suche nicht danach). Mein tagesaktuelles Excel-Sheet sagt mir nur, wo zu investieren ist und ganz grob weiß ich auch, ob es in letzter Zeit über alle ETFs gesehen rauf- oder runtergegangen ist.
      Holger hat mal einen guten Artikel über das Thema Kursdaten verfolgen geschrieben. Eine Zeit lang fand ich Zahlen zu wissen, auch immer ganz wichtig (bin halt irgendwie immer ein Ingenieur – auch privat). Man kann aber lernen, das zu ignorieren.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

  • Gustav 23. Juli 2015, 13:20

    @Dummerchen

    Verstehe das gar nicht mit den News.

    Hier ist doch ein Experte, der sieht Kaufsignale und weiss auch die genauen Zielmarken.

    http://www.godmode-trader.de/analyse/daxtecdaxeurostoxx50-das-sind-die-mittelfristigen-rallyziele,4284515

    Also kaufen bis der Arzt kommt. Wann? Jetzt!

  • Moritz 24. Juli 2015, 16:01

    Ich finde es auch immer wieder spannend zu überlegen, wann man Geld an der Börse investieren sollte. Es spiegelt immerhin vieles wieder was uns bewegt, Griechenland-Krise, China-Krise mit Staatseingriff in den Markt, Russland-Geschäftseinbruch (Stand Mitte 2015) … Aber leider ist das dann auch alles.
    Es ist unmöglich den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Aber es ist wichtig dabei zu bleiben und das Geld was gerade nicht kurzfristig benötigt wird, langfristig anzulegen. Ein Fehler ist es ein paar Tausend EUR an der Börse zu investieren und dann davon auszugehen, dass es automatisch mehr wird – ein wenig mitdenken darf man schon und das machte es spannend. Aber ich will keine Spannung ich will “Zen”. Spannung habe ich genug im Alltag, den brauche ich beim Anlegen von Geld nicht.
    Aber es muss doch klar sein, dass es ein Auf und ein Ab gibt. Ich finde, die Idee die Holger hier präsentiert hat, es gibt nur kurzfristig Geld zurücklegen oder sehr langfristig anzulegen, doch eine schöne Investment-Strategie. Wenn man auf das Geld kurzfristig angewiesen ist, sollte es besser nicht in Aktien / ETFs investiert werden. Wenn man aber davon ausgeht, es wahrscheinlich nicht in den nächsten Jahren zu brauchen, dann ist der Zeitpunkt wirklich egal. Es gibt doch die Regel “Kaufe niedrig, verkaufe hoch” – d.h. aber eben genau nicht auch “kaufe am niedrigsten Punkt und verkaufe am höchstens Punkt” – denn genau das wird nur mit Glück passieren.
    Ich möchte noch etwas sagen: Wer es geschafft hat in den letzten 2 Jahren eine positive Performance, sogar im 2-stelligen Prozentbereich – im eigenen Depot hinzubekommen, gehört deswegen noch lange nicht zu Börsengurus. Wer aber eine negative Rendite in dem gleichen Zeitraum bekommen hat, dem würde ich doch Tagesgeldkonten / Sparkonten oder noch besser eine Basis-Schulung zur Diversifizierung bei Börsen-Investments empfehlen.

    • Gustav 27. Juli 2015, 13:13

      “Ich möchte noch etwas sagen: Wer es geschafft hat in den letzten 2 Jahren eine positive Performance, sogar im 2-stelligen Prozentbereich – im eigenen Depot hinzubekommen, gehört deswegen noch lange nicht zu Börsengurus. Wer aber eine negative Rendite in dem gleichen Zeitraum bekommen hat, dem würde ich doch Tagesgeldkonten / Sparkonten oder noch besser eine Basis-Schulung zur Diversifizierung bei Börsen-Investments empfehlen.”

      Ich befürchte, das kann man nicht so pauschal sagen. Stellen Sie sich vor, jemand hat sich nach reichlich einlesen, recherche usw. ein Weltportfolio zusammengestellt & überlegt, er kauft 2mal im Jahr mit je 10.000 Euro. Wenn es ganz blöd gelaufen ist, dann steht dieser Anleger (z.B. wenn eine der Raten im April war) jetzt gerade so Null auf Null da. Alles falsch? Nein, zwei Jahre sind ein zu kurzer Zeitraum, um eine Strategie zu bewerten.

  • Christian 27. Juli 2015, 18:49

    @Dummerchen
    Ich mache mir ja Sorgen, dass ich ein wenig zu schnell eingestiegen bin. Habe erst langsam angefangen aber dann in Grexit Krise nachgekauft und in den China Stürzen auch zweimal. Da ich aber immer Gebührenfrei kaufe, dürfte es nach “unserer” Logik ja kein zu schnell gehen? Kann ich dir mal irgendwie mein Musterdepot zeigen?
    Gruß Christian

    • Peter 27. Juli 2015, 19:56

      Schau mal, Christian. Dummerchen hatte Folgendes in seiner Antwort (siehe oben) an mich geschrieben:

      “Auch der Kauf unabhängig vom Kursniveau basiert auf der gleichen Einstellung: Wer bin ich, dass ich glaube könnte, mehr als der Markt zu wissen? Ergo: Einmal im Monat wird investiert. Habe damit jetzt mehrere Crashs überlebt und natürlich tun zwischenzeitlich Verluste dann auch weh. Das ist das Schmerzensgeld, dass Du für eine langfristig höhere Rendite zahlen musst. Du musst halt festlegen, wie viel Vermögensrückgang Dich noch vernünftig schlafen lässt. Daraus kannst Du dann bestimmen, wie hoch Deine Aktienquote ungefähr sein sollte. (Ich würde einfach mal einen 50%-Crash als Maßstab für solche Überlegungen heranziehen.)”

      Finde ich sehr treffend formuliert.

      Viele Grüße
      Peter

    • Dummerchen 27. Juli 2015, 20:33

      Ach, Christian. Du machst Dir wirklich zu viele Gedanken über Kurshöhen und Zeitpunkte. Wie schnell brauchst Du Dein Geld wieder? Wie häufig wirst Du noch Geld investieren?
      Ich hoffe doch, Du investierst für einen Zeitraum von 10-20 Jahre und wirst noch viele, viele Jahre zusätzlich Geld investieren. Dann wirst Du mal gute und mal nicht so gute Zeitpunkte für die Investitionen treffen – leider weiß man erst rückblickend, was ein guter Zeitpunkt war. Eins sei Dir aber gewiss: Das wird sich auf lange Sicht ausgleichen.
      Ich verstehe, dass man am Anfang noch etwas skeptisch und unsicher bei Kursrückgängen reagiert. Ich habe zum Beispiel den 2000er Crash voll mitgemacht und mein damals noch kleines Depot wurde von meinen Sparplanraten regelmäßig gefüttert, wuchs aber wegen der Kursrückgänge (DAX von 8000 auf 2500 in rund 2 Jahren) nicht an. Da ist es nicht leicht, trotzdem unbeirrt weiter zu machen. Ein regelmäßiger Sparplan hilft da weiter. Die Anteile, die ich zu Zeiten von DAX-Tiefständen gekauft habe, stehen heute auf dem vier- bis fünffachen Wert. Und selbst die damaligen Höchststände sind heute übertroffen. Es braucht halt alles seine Zeit. Geduld, Beharrlichkeit, innere Ruhe, nicht in Panik verfallen – das sind die Schlüsseleigenschaften, die Du (*) vielleicht noch lernen musst.
      (*) Ich hätte jetzt fast StarWars-like, “junger Padawan” geschrieben – ich weiß ja gar nicht, ob Du wirklich jünger als ich bist ;-)!

      Was genau versprichst Du Dir davon, mir Dein Musterdepot zu zeigen? Ich bin auch nicht klüger und kann nicht sagen, wie genau ein bestmögliches Depot aussehen sollte. Breit gestreut wäre MIR wichtig (also z.B. in MSCI World und MSCI Emerging Markets) und ein passendes Verhältnis von risikoarmen (Tages-/Festgeld, Anleihen,…) zu risikoreichen (Aktien-ETFs, …). Aber auch dieses Verhältnis ist eine individuelle Geschichte.
      Wenn es Dich irgendwie beruhigt, wenn mal jemand darüberschaut, kannst Du gerne eine Mail-Adresse posten, über die ich Kontakt zu Dir aufnehmen kann. Versprich Dir aber nicht zu viel davon. Ich werde Dir keinen Segen geben können, dass Dein Depot rundum perfekt ist.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

    • Pascal 28. Juli 2015, 07:38

      Oder poste Dein Depot doch hier mit % Aufteilung, dann haben wir alle etwas davon.

    • Dummerchen 29. Juli 2015, 23:18

      Hallo Sparschwein,

      “Wäre das so als Einstiegs Depot i. O.?”

      So etwas wie ein Einstiegsdepot gibt es meines Erachtens nach nicht unbedingt. Selbst mit einer 1-ETF-Lösung kann man auch ein millionenschweres Depot vernünftig streuen. Mehr ETFs heißt nicht notwendigerweise besser. Deine Lösung mit einem MSCI World, MSCI Emerging Markets (und meinetwegen einer höheren Gewichtung von Europa) ist eine Standardlösung und sicher nicht verkehrt. (Die konkreten Fonds habe ich mir nicht im Detail angeschaut.)

      Welche Schwierigkeit hast Du denn bei der Suche nach einem passenden EM-ETF? Wenn Du Dich “seit Woche” abmühst, machst Du was falsch.Auf der Seite von der Ing-Diba kann man doch halbwegs gut filtern – ein paar Spezialvarianten wie Small Cap sind zwar noch enthalten, aber das kriegst Du doch sicher herausgefunden.
      Jetzt kannst Du entweder einen Ausschütter auswählen oder einen Thesaurierer mit Fonddomizil Deutschland oder einen Thesausrierer mit Swap, der ausschüttungsgleiche Erträge wegswapped. Da müsstest Du mal im Bundesanzeiger entsprechend nachschlagen.

      Ich hoffe, das hilft Dir erstmal weiter. Eine konkrete Empfehlung kann (und will) ich nicht aussprechen. Da musst Du schon selbst entscheiden.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

    • Peter 30. Juli 2015, 08:58

      Ich bin mir auch nicht so sicher, wo Dein “Problem” genau liegt.

      MSCI World + EM in Deiner Wunschkombi, z.B. 90/10, 80/20, 70/30 usw. würde doch schon über mehr als 2.000 Unternehmen streuen. Was willst Du mehr? Der Zusatz von Stoxx Europe gibt Dir ein Übergewicht in Grossbritannien. Vielleicht magst Du die “Tommies” ja besonders. Ansonsten bräuchtest Du den ETF zur Streuung. Falls Du aus welchen Gründen auch immer den Heimatanteil erhöhen möchtest, dann würde ein simpler Dax-ETF oder eine EuroStoxx besser passen.

      Dir weiterhin viel Erfolg!

  • Sparschwein 28. Juli 2015, 04:29

    Hallo!

    Ich bespare zur Zeit 2 ETF:
    1. MSCI Word: DBX1MW (100 Euro monatlich)
    2. Stoxx Europe 600: ETF060 (50 Euro monatlich)
    3. ETF: ?
    Nun ist als Ergänzung ein dritter ETF gefragt für die Emerging Markets.
    Wäre das so als Einstiegs Depot i. O.? Ginge ja auch nur MSCI World und EM, da der Europe allerdings schon drinnen ist und ich ungerne mit Verlust verkaufe, könnte man den ja vielleicht einbauen.

    Suche mich schon seit Wochen dumm und dämlich. Voraussetzungen:
    – bei der Diba erhältlich (Sparplan kein Muss)
    – steuereinfach

    Ich hoffe ihr könnt mir hier einen kleinen Schritt weiter helfen.

  • Christian 30. Juli 2015, 10:50

    Danke, besonders natürlich @ Dummerchen. Du hast Recht, die Schlüsseleigenschaften sind es wohl, die sich noch entwickeln müssen
    und mich doch immer wieder verunsichern, obwohl ich doch schon
    von dem was wir tun überzeugt bin.
    Ich sehe auch ein, dass eine Depotbesprechung sinnlos wäre.
    Dennoch poste ich einfach mal grob die Positionen.
    World Anteil 64% bisher -1,1%
    Euro Stoxx 24% bisher 5,11% (günstig in Griechenlandphase nachgekauft)
    Emerg. Markets 12% -2,94% (noch höheres Minus nach zwei Crashs reduziert).
    Viele Grüße Christian

    • Christian 30. Juli 2015, 10:55

      “noch höheres Minus nach zwei Crashs reduziert”
      Also durch Käufe natürlich 🙂

    • Gustav 30. Juli 2015, 11:44

      Dich verunsichern Rückgänge von 1% oder 3%? Ich rate Dir, Deine Risikotoleranz zu überprüfen bevor (!) es mal ordentlich bergab geht. Und das es bergab geht, ist keine Frage des “ob”, sondern des wann und von/bis zu welchem Level. Stell Dich drauf ein, dass Du im Laufe Deines Anlegerlebens mehrere 20, 30 oder 40% Rücksetzer erleben darfst. Da sollten Dich 1, 2% nicht interessieren.

  • Christian 30. Juli 2015, 13:45

    @Gustav Ich glaube meine Unsicherheit ist entstanden, weil ich in der letzten Zeit doch recht viel gekauft habe und mitlerweile eine gewisse Depotgröße habe. Auf jeden Fall eine größere, als ich mir vor einem halben Jahr gedacht habe.
    Und je größer das Depot wird desto weniger Potential habe ich noch nachzukaufen.
    Ich habe im moment ja auch nur ein 100% Aktiendepot. Kommt ein 50% Crash vom MSCI World, wäre ich schon bereit die gleiche Depotgröße nochmal zu kaufen. Dann wäre aber auch finito mit Aktien und ich könnte nur noch Renten-ETF besparen.
    Also meine Sorge war habe ich evtl. den Großteils meines Depots zu einer überbewerteten Zeit gekauft? Aber das ist eben die klassische Einmalzahlung vs. Sparplan-Frage. Die Theorie sagt blind: Nein! Ich kann das Geld auf jeden Fall mindestens 20 Jahre schlummern lassen. Und selbst wenn China arg überbewertet war, so stellt EM bei mir eh nur einen kleineren Anteil und China im EM ja auch nur 25%. Von daher beruhige ich mich schon wieder 😉 Aber auch danke für deine Hilfe!

  • Paddy 4. August 2015, 06:52

    Hallo Dummerchen,

    ich habe Deine Kommentare auf die Fragen mit großem Interesse gelesen.

    Mir ist aufgefallen, dass Du von mehreren ETFs schreibst, die Du regelmäßig besparst.

    Ohne die Produkte zu nennen, würdest Du uns einen Einblick in die Regionen geben, die Du abdeckst? Ich vermute mal, Du hast ein Weltportfolio mit einem “Tilt”.

    Vielen lieben Dank!

    • Dummerchen 4. August 2015, 08:49

      Hallo Paddy,

      da mir ein ACWI ggw. von den Gebühren her zu teuer ist, brauche ich mehrere ETFs, um den Markt abdecken zu können. Daher habe ich einen MSCI World und einen MSCI Emerging Markets. Damit decke ich bereits 98% (oder so) der relevanten Märkte ab. Die fehlenden MSCI Frontier markets kann ich nicht kostengünstig erwerben zumal der Einfluß aufs Gesamtdepot minimal sein dürfte. (Wie du siehst, bilde ich die Märkte eher “einfach” ab und nicht über 3-4 verschiedene Regionen-ETFs.)

      Einen “Tilt” habe ich ganz sicher in meinem Depot, zumindest wenn man dies als Abweichungen von der “Norm” auffasst. Ich bin nämlich nicht der Auffassung, dass eine BIP- oder Marktkapitalisierungs-Gewichtung exakt angestrebt werden muss. Die grobe Richtung sollte stimmen. Alles andere erscheint mir eine Verkomplizierung an einer Stelle zu sein, an der es kein (vorhersehbares) Richtig oder Falsch gibt.

      Ist deine Frage bezüglich der Regionen damit beantwortet?

      Lieben Gruß
      Dummerchen

      PS: Dass ich meinen schwankungsarmen Anteil nicht über ETFs abbilde, diesen Anteil aber durchaus habe, möchte ich noch kurz betonen.

    • Paddy 4. August 2015, 13:28

      Hallo Dummerchen,

      vielen Dank. Ja, beantwortet. Du hälst es wirklich schön einfach, das gefällt mir.

      Ja, mit “Tilt” meinte ich eine Abweichung von der Norm. In den diversen Foren liest man ja über die tollsten Ergänzungen zum MSCI World/EM. Einmal Euroraum oder China oder Small Caps oder 4 ETFs usw.

      Ich möchte es auch weiterhin recht einfach und übersichtlich halten.

  • Christian 5. August 2015, 10:54

    Die Frage ist, welcher Struktur man wie genau folgen möchte. Dem Markt = Der Marktkapitalisierung? Dem BIP? Einer Mischung? Oder möchte man die drei großen Regionen Amerika, Europa & EM gleich gewichten? Alles ist in Ordnung, solange man den Aufwand und die Gebühren im Griff hat. Da hat jeder andere Vorstellungen und Möglichkeiten.

  • Jan 20. August 2015, 10:31

    Hallo Holger,

    Deine Seite ist der Hammer, Gratulation!

    Ich verfolge seit 2004 eine passive Anlagestrategie mit ETFs auf Grundlage der Portfoliotheorie:
    20% Cash, 60% Akien (im wesentlichen 50 Welt, 30 Europa, 20 EM, noch ein paar Einzelaktien mit hoher Dividende als Satelliten), 10% Unternehmensanleihen und 10% Rohstoffe, davon 5% physisch in Gold und Silber). Gesamtportfolio Risiko und Rendite müsste ich jetzt nachschauen, seit dem China Crash etwas verändert.

    Bezüglich des market timing stimme ich dir nicht zu 100% zu. Ich habe damals zum Lehmann Crash in Aktien investiert, seitdem 105% Portfolio Wertzuwachs. Kann Zufall gewesen sein. Aber es gibt eindeutige Zeichen, wann es am Aktienmarkt eine Trendumkehr gibt. Zumindest kann man die Trendumkehr mit einer einigermaßen hohen Wahrscheinlichkeit treffen. Wie lange der Trend andauert ist ja bei langem Zeitraum egal, zumindest hat man “etwas günstiger” eingekauft. Alles dazu im Buch: “das große Buch der Markttechnik”. Wenn man die Börse verstehen will, das beste Buch, was ich kenne. Obwohl ich das ganze Zeuchs studiert habe, habe ich erst danach verstanden, wie Kurse an der Börse wirklich entstehen :-).

    Nochmals: geniale Seite, hast mich in meiner Überzeugung bestärkt, kein Haus zu kaufen, auch aus Mikroemotionalen Gründen ;-).

    Bis denne
    Gruß
    Jan

  • Skeptiker1337 24. August 2015, 22:45

    Wer sich in Gedult geübt hat kann jetzt überlege LANGSAM einzusteigen.

    Der Artikel stimmt eben nicht für jeden Zeitpunkt und schon gar nicht vor 2 Monaten…

    • Paddy 25. August 2015, 16:31

      Ich hoffe, Du warst schnell genug sonst hat das dann nicht geklappt mit dem günstig einsteigen.

      Ist die Seite hier eigentlich tot?

    • Holger Grethe 26. August 2015, 16:36

      Da sich die Sorgen um zendepot zu häufen scheinen: Spätestens Mitte September geht es mit neuen Beiträgen und einem “Facelift” der Website weiter!

    • Dummerchen 25. August 2015, 17:01

      Hallo Paddy,

      tot wohl eher nicht. Aber der Hausherr ist meines Wissens nach in der (wohlverdienten) Urlaubspause. Zumindest in diesem Blogbeitrag spiele ich in der Zwischenzeit aber gerne den “Auf-Fragen-Reagierer” ;-).

      LG Dummerchen

      PS: Bin auch ganz gespannt, wann Holger wieder in die Tasten haut :-).

  • Godzillarissa 25. August 2015, 13:45

    Dann nutze ich doch die Gelegenheit (ja, bisschen spät, ich weiss) um auch eine Frage zum Thema Timing zu stellen.

    Es wurde ja viel über den gesamten Markt gesprochen und es scheint generell Konsens zu sein, dass man lieber kaufen sollte, wenn der Kurs unten ist (was man aber nicht wissen kann). Wenn ich das jetzt auf Teile des Marktes beziehe, macht es dann nicht Sinn, den Teil des Marktes zu kaufen, der schlechter dasteht?

    Konkretes Beispiel: Ich habe einen ETF MSCI World und einen ETF MSCI EM. Wenn der MSCI World wesentlich besser dasteht als der MSCI EM, sollte ich dann nicht den EM kaufen, wenn der gerade so günstig ist? Oder anders: Warum sollte ich stur den MSCI World kaufen, wenn der gerade eher etwas teurer ausfällt?

    Die Annahme hierbei ist, dass ich bei einem Rückkehr zum Mittel einen größeren Gewinn verzeichnen kann, wenn ich konstant in den (zu dem Zeitpunkt) schwachen ETF investiere. Und mit diesem Rückkehr zum Mittel, und der Identifikation dieses Mittels steht und fällt die Vorgehensweise. Mein Bauchgefühl sagt mir also, ich kann das Mittel einzelner ETFs genauso wenig einschätzen, wie das des Marktes. Und nur, weil ein ETF im Vergleich günstig aussieht, muss er es noch lange nicht sein.

    Auf der anderen Seite könnte es im Durchschnitt und auf lange Sicht natürlich trotzdem von Vorteil sein, den tendenziell billigeren ETF zu kaufen. Das zu berechnen und/oder zu bewerten traue ich mir nicht zu, daher die Frage: Lohnt es sich, vermeintlich günstigere ETFs bevorzugt zu kaufen?

    • Holger Grethe 26. August 2015, 16:34

      Sowohl ich als auch die Seite leben nach wie vor, keine Bange. 😉

    • Dummerchen 26. August 2015, 20:33

      “Wenn ich das jetzt auf Teile des Marktes beziehe, macht es dann nicht Sinn, den Teil des Marktes zu kaufen, der schlechter dasteht?”

      Dieses Prinzip kann man durchaus anwenden. Dazu braucht es noch nicht mal besondere Fähigkeiten. Im Prinzip solltest Du Dich für eine feste Asset-Allocation entscheiden, z.B. 50% Tages- und Festgeld, 40% MSCI World und 10% MSCI EM (um mal irgendein Beispiel zu nehmen). Das heißt, der MSCI Wolrd macht 80% des Aktienanteils aus und der MSCI EM 20%.
      Fällt nun der MSCI EM stärker als der MSCI World, so könnten sich die Gewichtungen innerhalb des Aktienanteils so verschieben, dass der MSCI World 90% und der MSCI EM nur noch 10% ausmachen.
      Legst Du nun vermehrt in den zuvor gefallenen MSCI EM an, so stellst Du das ursprünglich von Dir gewählte Verhältnis von MSCI World zu MSCI EM wieder her und nutzt die gefallenen Kurse aus.
      Dieses Rebalancing während der Neuanlagen sehe ich durchaus als sinnvolles Vorgehen an. Man sollte allerdings die dabei anfallenden Kaufkosten im Auge behalten. Eine Übergewichtung eines ETFs gegenüber der zuvor gewählten Asset-Allocation aufgrund vermeintlich günstiger Kurse würde ich aber nicht in Betracht ziehen.

    • Godzillarissa 27. August 2015, 10:41

      Hallo Dummerchen, vielen Dank für deine Antwort 🙂

      Mit der Asset Allocation hab ich im Moment noch zu kämpfen. Meine Risikobereitschaft ist dank meinem Anlagehorizont von >20 Jahren gegenwärtig extrem hoch, daher möchte ich (was meinen risikobehafteten Teil angeht) eine zu genaue Diversifizierung eigentlich nicht forcieren, wenn anderweitig die Rendite höher wäre. Inwiefern ich da an der Rendite was machen kann, bin ich gerade am Recherchieren. Mal kucken ob ich da irgendwann zu einem Schluss komme, ist ja doch ziemlich kompliziert.

      Lieben Gruß,
      Larissa

  • Axel Walldorf 25. August 2015, 14:36

    Hallo Holger,
    mit dieser Einstellung hast du völlig Recht.
    Auf den perfekten Zeitpunkt zu warten, macht keinen Sinn.
    Der wird nie kommen…deshalb ganz nach dem Motto: Jetzt oder nie!
    Viele Grüße

  • Jan 28. August 2015, 09:20

    Hallo zusammen,

    Man muss sich nur im Klaren sein: wenn man langfristig in Aktien investiert, dann sollte man davon überzeugt sein, dass…

    – …der Kapitalismus (und das Weltbild des Homo oeconomicus) in 20-30 Jahren grundsätzlich noch gilt (Marktprämisse)
    – …der Befarf an Dienstleistungen und Gütern ständig (mit wachsender Bevölkerung) steigt (Wachstumsprämisse)
    – es keine großen politischen/territorialen Verwerfungen gibt und das Kriegsniveau in der Welt kein unkontrolliertes Ausmaß annimmt (Stabilitätsprämisse)

    Alles andere ist Volatilität und dann tatsächlich irrelevant, wie hier schon klasse diskutiert. Ich hab trotzdem nach dem “China Crash” mein Portfolio neu ausbalanciert ?.

    Bis denne
    Gruß
    Jan

  • Christian 29. August 2015, 11:07

    @Godzillarissa mit dem Hintergedanken wäre es sinnvoll, eine world Position zu vermeiden. Dann kann man gezielter nachkaufen.

    @Jan 20% Cash sagt ja nichts über die Sicherheit aus, das können wenig sein oder verdammt viel. Solche Werte muss jeder für sich ganz individuell festlegen.
    Dein Depot ist mit 50 Welt 30 Europa 20 EM ja sehr europalastig, warum hast du nicht 60 Welt 20 Europa 20 EM? Europa bezieht sich ja sicherlich auf Euro Stoxx / EMU? Wenn Market Timing so einfach wäre, würde es ja jeder machen. Trends folgen, Indikatoren lesen, Marktanalysen lesen (natürlich professionelle und nicht die üblichen von Börse online & Co.) und danach ETF kaufen. Aber dann ist es schon wieder ein aktiver Ansatz der sich zumindest in der Vergangenheit bei den Profis nicht bewährt hat. Warum sollte das jemand, der sich nicht 60 Stunden die Woche damit beschäftigt besser können?
    An deine Krisenszenarien denke ich auch oft. Ich bin Eurokritiker, habe Sorgen über den nicht vorhandenen Weltfrieden, allgemein Skeptisch über progressives Wachstum.. aber was ist die Alternative? Immerhin kaufen wir uns mit Aktion doch schon Sachwerte. Die einzigen Sorgen die ich mir noch mache sind, ob ETF wirklich sicher sind oder bei dem ETF boom auch mal ein ETF Skandal folgt.
    Zumindest versuche ich auf synthetische Modelle zu verzichten.

  • Jan 4. September 2015, 20:39

    @Christian: vielen Dank für deine Anregung bzgl. ETF-Aufteilung. Mir ist bewusst, dass ich mit der 50/30/20 Lösung einen etwas stärkeren Fokus auf den europäischen Markt habe, da im MSCI World ja auch bereits ca. 20% Euro-Aktien enthalten sind. Je nachdem, wie sich die Weltwirtschaft in den nächsten 5 -10 Jahren entwickelt, kann es durchaus sein, dass ich die Gewichtung nochmal anpasse.
    Zum Thema Timing: es ist immer eine Frage der Anlagedauer. Natürlich kann man mit Hilfe der Markttechnik eine Trendumkehr bestimmen. Mit entsprechendem Wissen und gut gesetzten Stop-Losses lässt sich mit diesem in der Tat aktiven Ansatz “spekulieren”. Das mache ich manchmal mit etwas Geld, was ich übrig habe. Damit finanziere ich mir im Wesentlichen meine Urlaube. Ist aber eher Spaß und natürlich auch mit Arbeit verbunden, umsonst ist nix.
    Mein einfacher passiver Ansatz (um den es hier geht): ich bespare die ETFs im Quartal und wenn die Kurse rapide fallen (so wie letzte Woche), dann nutze ich die Marktübertreibungen nach unten zum Einstieg mit ein paar Euros zusätzlich. Rapide fallende Kurse sind immer ein Ergebnis einer Stop-Loss-Kettenreaktion und eine Chance für mich über einen längeren Zeitraum, mehr rauszuholen:-). Ach ja: Zur Absicherung meines Portfolios hedge ich dies jährlich mit einer Put-Option. Ist aber eher eine Versicherung, mir ist bewusst, dass die Rendite “kostet” und eher meiner Paranoia geschuldet.

    Bei einer richtigen Krise (Krieg, Unruhen, Naturkatastrophen, Nuklearkatastrophe,…) helfen nur richtige Sachwerte wie Vorräte (Lebensmittel, Energie, Wasser etc.), Waffen, Handelsware (Schnaps, Zigaretten, Werkzeuge, Sprit, Antibiotika,…), Bug-Out-bag, sowie skills. Dafür gibt es aber andere Foren und Internetseiten ;-).

    Gruß
    Jan

  • Viktor K. 21. April 2016, 14:24

    Hallo Holger,

    top, ich find’s immer wieder interessant deine Beiträge zu lesen. Vor allem das ewige Thema mit dem Eigenheim, da bin ich ganz deiner Meinung.
    Ich überlege seit längerem in Aktien einzusteigen, habe es auch schon einige mal gemacht. Gekauft, verkauft, am Ende plus minus 0 €. Was mich wirklich sehr stört, sind die ganzen Gebühren beim kaufen und verkaufen von Aktien mit dem Depot bei der Bank.
    Gibt es einen besseren Weg als sein Depot bei einer Bank anzulegen um mit Aktien handeln zu können? Ich habe bereits zur Ing-DiBa gewechselt da dort die Gebühren vergleichseweie niedrig sind. Jedoch ist das trotzdem nicht optimal wenn man kurzfristig kaufen und verkaufen will.

    Beste Grüße und mach weiter so!

  • Urs 3. Juni 2016, 10:55

    Toller Artikel mit einleuchtenden Beispielen und nett geschrieben. Das Langzeitinvestment an der Börse scheint ja wirklich Sinn zu machen, wenn man sich die Kursentwicklung der Vergangenheit so anschaut.

    Das ist ja im Grunde auch die Herangehensweise eines Warren Buffet, wenn ich das so richtig verstehe, nur dass der Kleinanleger sich an dem Index orientieren sollte, während Buffet eher in einzelne Unternehmen investiert.

    Da aber auch immer wieder schlecht abschneidende Unternehmen aus dem Index ausscheiden, ist doch die performance in gewisser Weise geschönt, nicht war?

    • Holger Grethe 3. Juni 2016, 15:54

      Hallo Urs,

      “Da aber auch immer wieder schlecht abschneidende Unternehmen aus dem Index ausscheiden, ist doch die performance in gewisser Weise geschönt, nicht war?”

      Nein, die Performance eines Index ist (ungeschönt) wie sie ist. Wenn ein Unternehmen nicht mehr zu den Top 30, 50, 500 – oder wie groß auch immer der jeweilige Index gefasst ist – zählt, fliegt es raus und wird durch ein anderes Unternehmen ersetzt, dass die Indexkriterien erfüllt.

      Durch diese Form der “Selbstreinigung” werden die Nieten immer aussortiert, trotzdem ziehen sie vor ihrem Ausscheiden die Performance des Index natürlich nach unten.

  • T. 15. Juli 2016, 15:44

    Hallo Holger,
    Wäre es aus Deiner Sicht ratsam beim Investieren nebenbei auch ein wenig zu berücksichtigen, wie die Bewertungen sind, also sich am Shiller-KGV zu orientieren? Findest Du das als passiver Investor überflüssig? Wenn ja, warum? Danke für eine kurze Antwort!
    P.S. Shiller KGV Emerging Markets derzeit: 11, expected Return: 8%
    Shiller KGV USA derzeit: 25, expected Return: 4% oder gar nur 2%

    • Holger Grethe 16. Juli 2016, 17:16

      “Wäre es aus Deiner Sicht ratsam beim Investieren nebenbei auch ein wenig zu berücksichtigen, wie die Bewertungen sind, also sich am Shiller-KGV zu orientieren?”
      Nein.

      “Findest Du das als passiver Investor überflüssig?”
      Ja.

      “Wenn ja, warum?”
      Weil es dann nicht mehr passiv ist und man die Sache vermurkst. 😉

      Siehe hier:
      https://zendepot.de/passiv-investieren-teil-3-passiv-schlaegt-aktiv/

  • T. 17. Juli 2016, 15:51

    Hallo Holger, danke für Deine Antwort und den Link zu Deinem Artikel.
    Folgende Gedanken habe ich noch: ich wollte nicht einer aktiven Strategie das Wort reden. Ich wollte sagen, dass es vielleicht möglich ist passiv und das Shiller KGV zu verbinden aber schon global anzulegen, mittelfristig orientiert am GDP der Regionen. Die Regression zum Mittelwert kennen wir alle. Das gilt es zu nutzen. Es geht dabei auch nicht darum, klüger zu sein als andere u f deren Fehler auszunutzen. Viele institutionelle Anleger haben viel kürzere Anlagehorizonte. Das gilt es zu nutzen. Das Shiller-KGV ist auch so angelegt. Auch Burton Malkiel hat vor kurzem auf Bloomberg gesagt, dass man heute unbedingt in den Emerging Markets investieren müßte, weil dies in 15-20 Jahren viel bringen würde. Aber das tun die institutionellen Anleger nicht. wovon auch Morningstar kritisch berichtet.
    Die Argumentation, dass man dann, wenn man in Bärenmärkten investieren will, immer und täglich präsent sein müßte, verstehe ich nicht. Bei jedem Brooker kann man Limitkäufe in Auftrag geben.
    Gruß, T.

  • T. 18. Juli 2016, 13:17

    Hallo Holger,
    Mir fiel noch ein, dassja Fama letztes Jahr in der FAZ ein Interview gegeben hat. Dort sagte er:
    Frage Journalist: Worauf sollten sich Anleger denn stattdessen konzentrieren?

    “Die Menschen müssen sich die Gefahren der Volatilität stets bewusst machen: Die Kurse schwanken, vor allem bei Aktien. Darum ist die Geldanlage eine langfristigere Sache, als viele meinen. 35 Jahre sind ein guter Anlagehorizont, auch das haben wir getestet. Nimmt man sich weniger Zeit, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man Geld verliert.”
    Vermutlich ist es diese Angst, dass man den Einstiegszeitpunkt optimieren möchte. Jedenfalls ist mein Anlagehorizont nur ca. 20 Jahre.
    Gruss,
    T.

  • Bankenmärchen 17. Februar 2017, 16:35

    Deine Meinung teile ich! Jetzt einsteigen und liegen lassen… einfach liegen lassen. Das Nichtstun ist für viele jedoch schwieriger als wild zu kaufen und verkaufen. Man möchte ja immer etwas tun. Aber in diesem Fall ist einfach abwarten die beste Strategie! 😉

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