Tipp: Die 5 besten Finanzapps für ETF-Anleger (gleich testen!)

Finanzapp

In vielen Lebenslagen leisten sie heute nützliche Dienste: kleine Softwaretools, sogenannte Apps.

Ich möchte dir fünf Finanzapps vorstellen, die ich als ETF-Anleger nicht mehr missen möchte.

Die gute Nachricht direkt vorweg: alle genannten Apps sind gratis und grundsätzlich auf jedem humanoiden Endgerät lauffähig.

Einschränkend muss man allerdings sagen, dass in manchen Fällen Inkompatibilitäten mit anderen Programmen die Lauffähigkeit einzelner Apps beeinträchtigen können – wie bei Software so üblich.

Und auch wenn die meisten dieser wertvollen Helferlein bereits ab Werk vorinstalliert sind, wissen viele Anwender gar nicht, dass sie sie überhaupt haben.

Am Besten schaust du direkt nach diesem Artikel mal nach, welche der genannten Apps bei dir im Kopf (du hast richtig gelesen!) installiert sind, ob Updates notwendig sind oder wo es Inkompatibilitäten gibt.

Hier sind meine fünf Empfehlungen:

Finanzapp Nr. 1: Geduld

Der Name mag unspektakulär klingen, aber vermutlich ist dies das wichtigste Tool meines Großhirns. Denn ohne Geduld geht beim Geld anlegen gar nichts.

Anfangs habe ich diese App leider nur sehr sporadisch genutzt und war auf schnelle Gewinne fokussiert. Mittlerweile lasse ich sie ständig im Hintergrund mitlaufen, denn ihr Ressourcenverbrauch ist äußerst gering und der Mehrwert hoch.

So ist es mir nun möglich, ganz entspannt in großen Zeiträumen zu denken, ohne nervös zu werden. Eine echte Bereicherung, sowohl für meinen Gefühlshaushalt als auch für das Depot.

Finanzapp Nr. 2: Bescheidenheit (Anti-Gier-Blocker)

Dieses Teil filtert ziemlich zuverlässig Euphoriespitzen heraus, die vom Emotionsprozessor zum Hauptrechner geleitet werden.

Immer wieder liest und hört man ja von exorbitanten Gewinnen, die mancher Anleger durch „cleveres Trading“ an der Börse erzielt.

Während es mich früher ordentlich in den Fingern gejuckt hat, selbst auf große Renditejagd zu gehen, habe ich dafür heute nur noch ein müdes Lächeln übrig.

Immer wenn ich auch nur einen kurzen Moment darüber nachdenke, wie ich ganz schnell einen riesen Haufen Geld …zack, öffnet sich ein rot umrandetes Gedanken-Pop-Up und ruft laut:

„Achtung, Bullshit-Alarm!”

Finanzapp Nr. 3: Frustrationstoleranz

Spielt seine Stärken vor allem im Zusammenspiel mit App Nr. 1 aus. Es ist ja kein Geheimnis, dass es an der Börse nicht immer wie gewünscht läuft.

Auch wenn seit ein paar Jahren eitel Sonnenschein herrscht und die Kurse ständig weiter in die Höhe klettern, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Reise mal wieder rückwärts geht.

Und genau dann ist Finanzapp Nr. 3 gefordert und wird mich hoffentlich am Riemen reissen, damit ich nicht kopflos alles verkaufe (wie der Großteil aller panischen Börsenanleger) und so meinen Vermögensaufbau ruiniere.

Ein unentbehrliches Notfallprogramm also, bitte niemals deinstallieren!

Finanzapp Nr. 4: Lernbereitschaft

Auch für diese Tool bin ich sehr dankbar. Ich benutze es seit einiger Zeit anstelle der „Och, lass mal“-App.

Wenn mir jemand vor 10 Jahren ein Buch über Aktien unter die Nase gehalten hätte, wäre meine Antwort ziemlich sicher gewesen: „Och, lass mal!“

Ich habe lange geglaubt, dass ich vermutlich nie kapieren werde, was an der Börse geschieht. Wie auch, wenn man keine Lust hat, sich damit zu beschäftigen. Meine Lernbereitschaft in Sachen Finanzen dümpelte lange Zeit zuverlässig nahes des Nullpunkts herum.

Irgendwann habe ich dann doch ein paar Bücher in die Hand genommen. Es ist erstaunlich, was man alles erreichen kann, wenn man die Bereitschaft mitbringt, sich auch auf vermeintlich unattraktive Themen einzulassen und dazuzulernen.

Ein weiteres wichtiges Feature von „Lernbereitschaft“ verhindert ganz nebenbei, dass wir als Anleger dieselben Fehler immer wieder machen.

Finanzapp Nr. 5: Entschlossenheit

Ebenfalls zu meinen Top 5 gehört eine sehr mächtige Applikation: die Fähigkeit, Entscheidungen treffen und Dinge wirklich tun, anstatt nur über sie nachzudenken.

Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass sie sich nicht mit der Anwendung „Gedankenkarussell“ verträgt. Diese solltest du bei Gelegenheit deinstallieren, zumindest aber beide Programme nicht gleichzeitig benutzen.

Ohne die Entschlossenheits-App hätte ich wohl heute noch kein Depot und würde ewig darüber sinnieren, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um an der Börse zu investieren.

Gibt´s denn wirklich gar nix fürs Smartphone!?

Ich glaube wirklich, dass die wichtigsten Programme, die beim Geld anlegen eine Rolle spielen, nach wie vor in unserem Kopf laufen sollten und nicht auf dem Smartphone.

Ich kann dir leider nicht sagen, welche tollen Apps es gibt, um beim Investieren besser abzuschneiden. Weil ich schlicht keine benutze (obwohl ich ansonsten ein echter Smartphone-Junkie bin).

Ich kann dir allerdings ein paar Spielereien nennen, die du besser nicht installierst…

Finanzapps, die du meiden solltest

Feedreader für Börsennachrichten

Täglich Wasserstandsmeldungen von der Börse zu verfolgen, mag einen gewissen Unterhaltungswert haben. Um mehr aus seinem Geld zu machen, ist es allerdings weder notwendig noch sinnvoll.

Im Zweifelsfall erzeugt dieser stetige Strom nichtssagender Neuigkeiten und fragwürdiger Experten-Prognosen nur das Gefühl, dringend handeln zu müssen. Das kostet nicht nur Geld (Transaktionskosten), sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für Fehlentscheidungen.

Kursticker

Du musst nicht wissen, wann der DAX eine neue Bestmarke erreicht. Wirklich nicht. Wenn du dein Geld langfristig investierst, ist es völlig unerheblich, wo welches Börsenbarometer heute, morgen oder übermorgen steht.

Jedes Indexhoch ist relativ und vergänglich, genau wie jedes Indextief. Alles, was zählt, ist der langfristige Trend – und der zeigt am Aktienmarkt erfreulicherweise zuverlässig nach oben.

Depot App

Du musst nicht jederzeit wissen, wie der Stand deines Wertpapierdepots ist. Das Geld wird ganz sicher nicht mehr werden, wenn du es ständig unterwegs nachzählst.

Auf der Fahrt in den Urlaub kommst du schließlich auch keinen Meter schneller voran, nur weil du alle fünf Minuten gewissenhaft die bereits zurückgelegten Kilometer protokollierst, oder?

Es reicht absolut aus, alle paar Wochen im Depot mal nach dem Rechten zu sehen. Oder alle paar Monate.

Das Geld läuft dir nicht weg…

  • easyfolio 26. Juni 2014, 09:19

    Hallo Holger,

    sehr witziger Ansatz. Hatte wirklich Apps erwartet und war gespannt was da jetzt kommt.
    Auch die Dont´s-Apps regen zum nachdenken an.

    Viele Grüße
    Markus Jordan

  • Carsten Drawer 26. Juni 2014, 09:48

    Holger, ein prima Artikel über die ganz entscheidende persönliche Ausstattung, die man sich verschaffen muss, um beim Geldanlagen irgendwann Erfolg zu haben. Ich halte die “Lernbereitschaft” und die “Entschlossenheit” für die wichtigsten, brauchen tut man aber ALLE!

    Eigentlich ganz einfach, aber für das Leben der Meisten wohl ziemlich untypisch ist die Eigenschaft des Finanzmarktes, Entscheidungen ganz digital zu belohnen oder zu bestrafen. Hast du ein Wertpapier im Depot bekommst du Dividenden oder Zinsen, Kursgewinne und -verluste. Letztere sogar in Echtzeit und sofort!

    Man kann über die Märkte Aktien/Anleihen/Edelmetalle etc. reden sovielmal will, jeder Konjunktiv ist z.B. im Gebrauch der Finanzmedien. Bloß, du wirst solange weder belohnt noch bestraft. Das ändert sich mit erst mit der Eröffnung eines Depots und dem Erwerb von Wertpapieren. Dann s.o. Wer so weit gekommen ist und sich selbst in Hinsicht auf Euphorie- uns Panikvermeidung nicht über den Weg traut – das sind wohl die meisten Menschen -, sollte zunächst in kleinen Dosen investieren, um zu lernen, mit den Emotionen, die dann entstehen, umzugehen.

    Aber es lohnt sich, sich auf diesen Weg zu begeben, da der menschliche Geist die Fähigkeit besitzt, sich selbst erziehen zu können.

    Ein, neben den Apps, noch entscheidender Punkt auf dem Weg zu einem als Investor erfolgreichen Leben ist die gedankliche Durchdringung der Prozentrechnung. Neben der Unterscheidung von relativen und absoluten Werten ist das Verständnis von deren Abhängigkeiten zueinander ganz wichtig.

    Es ist auch bezeichnend, dass man darüber in den deutschen Finanzmedien nie etwa findet, es bringt einfach keine Leserzahlen, sich mit einem trockenem mathematischen Thema zu befassen. Deutsche Anleger, auch die “Profis” sind vollkommen auf den Kurs eines Wertpapiers fixiert und damit hängt deren Erfolgs- oder Misserfolgserlebnis ich ganz vom Kursverlauf ab. M.E. die Anleitung für die allermeisten zum Unglücklichsein.

    Ganz egal, welche Strategie jemand verfolgt, der sich aufgeklärt hat und sich erzogen hat, muss man auch die Banalität akzeptieren “learning never ends”. Gerade als Investor ist man nie am Ende der Lernkurve.

    Kursticker- und Depotabfrage-App können zur Selbsterziehung sehr nützlich sein, ich weiß wovon ich rede. “Lernen durch Schmerzen” ist für manchen halt das nachhaltigste. Aber man muss ja zum Glück nicht jeden Fehler selber machen. Obwohl es mit unheimlich geholfen hat, zur Zeit des Neuen Marktes (die Älteren werden sich erinnern) alles durchs Spekulieren verloren zu haben. Und so hoffe ich, dass Kostlany nicht recht hat, wenn er sagt: “Man muss an der Börse dreimal pleite gehen, bevor man Geld verdient.”. Ich hoffe, dass mir einmal reicht.

    • Holger Grethe 26. Juni 2014, 22:04

      Danke, Carsten. 3x pleite muss nicht unbedingt sein, finde ich ;-)

  • Olaf 26. Juni 2014, 09:49

    Klasse Herangehensweise! Ich würde noch Vertrauen dazu nehmen und zwar in die eigenen Entscheidungen. Denn dann lasse ich mich von anderen, die meine Anlagestrategie in Frage stellen, nicht verunsichern. Mut gehört ebenfalls dazu, doch das steckt ja auch zum Teil schon in der tollen App Nr. 5 ;-)

    • Holger Grethe 26. Juni 2014, 22:09

      Danke, Olaf! Freut mich, dass es gefällt :-)

  • Lothar 26. Juni 2014, 09:53

    Hi Holger,
    wie fortschrittlich. Im Silicon Valley geht gerade der Trend hin zu “wearables” statt Smartphone. Deine Apps sind sogar schon implantiert, quasi eine gentechnologische Lösung ;-)
    Ich selber nutze zwar keine Apps, dafür aber meinen Verstand, ganz nach dem Motto von Kant: “Habe den Mut Dich Deines Verstandes zu bedienen.” Oder etwas moderner ausgedrückt: Nutze Deinen gesunden Menschenverstand!
    Deshalb den Verstand nie ausschalten! Nur gut das unser Gehirn nicht batteriebetrieben ist. Vorsicht nur vor Emotionen, die können den Verstand stark beeinflussen.*

    *Was übrigens nicht heißt Emotionen zu unterdrücken, sondern sie sich bewußt zu machen und in die Entscheidung mit einzubeziehen. Nur Anlageentscheidungen im Einklang mit unseren Emotionen haben eine Chance langfristig zu wirken, Angst und Ungeduld sind die größten Feinde langfristiger Anlageerfolge.

    Herzliche Grüße
    Lothar

    • Holger Grethe 26. Juni 2014, 22:03

      Danke, Lothar! Emotionen spielen in der Tat eine große Rolle…

  • Juanito 26. Juni 2014, 10:05

    Sehr schöne Zusammenfassung! Danke für die Erinnerung daran. Leider gelingt mir das nicht immer so, wie ich mir das wünsche.

    In Zeiten der Dauerbeschallung von allen Seiten ist es ja auch nicht einfach.

    In diesem Zusammenhang ebenfalls empfehlenswert:
    http://www.dobelli.com/wp-content/…/Dobelli_Vergessen_Sie_die_News.pdf

  • Sascha Mrowka 26. Juni 2014, 17:38

    Hallo Holger,

    ein wirklich toller Artikel. Ich war schon gespannt, was denn da jetzt so an Apps genannt wird und wurde total überrascht. Gut auf den Punkt gebracht. :-)

    Gruß
    Sascha

    • Holger Grethe 26. Juni 2014, 22:00

      Vielen Dank, Sascha! Freut mich, dass die Überraschung gelungen ist ;-)

  • Dummerchen 27. Juni 2014, 19:05

    Hallo Holger,
    bei mir läuft noch die Disziplin-App, eine kleine Applikation, dessen Name ziemlich “unsexy” klingt. Nicht zu verwechseln mit der “Zucht und Ordnung”-App. Sie wird leider gerne als “old-school” abgewertet und ist mitunter aus Platzgründen von manchen humanoiden Endgeräten gelöscht worden. Ich empfehle sie aber dringend wieder zu installieren. Sie erinnert z.B. am Monatsanfang (und nicht erst am Monatsende, wenn das Konto bereits leer ist), etwas zur Seite zu legen. Auch verhindert sie sowohl in Börsenpanik- als auch Kaufrausch-Situationen Verkäufe von Depotanteilen durch eine mehrstufige Abfrage à la “Willst Du wirklich verkaufen?”, “Bist Du Dir ganz sicher?”, “GANZ SICHER??”. Ich bin sehr zufrieden damit und würde sie jederzeit wieder installieren.
    Gruß
    Dummerchen

    • Holger Grethe 28. Juni 2014, 14:57

      Ja, Disziplin klingt wirklich altmodisch ;-) Ich glaube, dass es sich dabei mehr oder weniger um App 3 (Frustrationstoleranz) handelt…

    • Dummerchen 28. Juni 2014, 22:03

      Ja, die Apps sind ähnlich. Meine ist allerdings vor allem beim Sparvorgang noch etwas umfangreicher. Die beiden Apps sind aber kompatibel und ergänzen sich bislang bei mir gut.

  • Friedrich 28. Juni 2014, 09:52

    Hallo Holger,

    vielen Dank für die tolle Überraschung! Hatte mir den Blog extra für Samstag vormittag, “zum Genießen” aufgespart, und nicht nur “husch-husch” und bin voll auf meine Kosten gekommen. Sitze vor dem Rechner und muß laut lachen! Volltreffer.

    Bin vor 10 Jahren ausgestiegen, weil ich ein Options-Junkie war und keine Zeit mehr für Leben und Arbeit hatte, und erst jetzt, seit Januar und der Kenntnis Deiner Blogs wieder eingestiegen – natürlich mit laaanger Perspektive.

    Mit diesen Tipps werden wir deutschen vielleicht doch wieder zu einem Aktienvolk.

    Weiter so,

    Friedrich

    • Holger Grethe 28. Juni 2014, 14:59

      Hallo Friedrich,

      würde mich wirklich freuen, wenn mehr Leute die Börse für sich entdecken!

  • Der Privatier 1. Juli 2014, 07:05

    Hallo Holger,
    da hast Du mich mit Deiner Überschrift aber mächtig in die Falle gelockt!
    Und ich konnte und wollte es auch gar nicht glauben: Holger vom Zendepot stellt Finanz-Apps für die Geldanlage vor? Wie passt denn das zusammen? Wo er doch sonst eher für eine gelassene, entspannte und passive Strategie bekannt ist?
    Da stellt er gleich 5 Apps vor? Die auch noch “unentbehrlich” sind?

    Und ich habe es auch nicht gleich gemerkt, was Du wirklich sagen wolltest. Erst als die Lauffähigkeit auf humanoiden Endgeräten zur Sprache kam, hat es langsam gedämmert. Humanoides Endgerät? Was ist das nun wieder?
    Hmm… Android / Humanoid… Hmm…Aah!

    Eine schöne Idee für einen Beitrag und inhaltlich sehr treffend. Hat mir sehr gut gefallen.

    Gruß, Der Privatier

  • Covacoro 1. Juli 2014, 20:10

    “Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und alle Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muß man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muß einen Zeitplan machen und muß handeln.“ Lee Iacocca

  • Hendrik 8. Oktober 2015, 07:02

    Hallo Holger,

    im ersten Moment dachte ich “Jetzt verlässt er seine Strategie und schreibt Blödsinn.”
    Eine sehr gute Herangehensweise die Informationsgier in den Bereich auf die Schippe zu nehmen ;-)

    Danke, für den Denkanstoß.