Kapitel 4

DAS ETF PORTFOLIO

von Holger Grethe Letztes Update: 22. Jan 2017

Im fünften Kapitel dieses Guides erfährst du, worauf du beim passiven Investieren mit einem ETF Portfolio achten solltest.

Der wichtigste Punkt zuerst:

Minimiere die Kosten

Durch Kostenminimierung soll unser Depot möglichst wenig hinter der theoretisch erzielbaren Marktrendite zurückbleiben.

Wie bereits im ersten Kapitel erwähnt, arbeiten ETFs äußerst kosteneffizient.

Ihre geringe Gesamtkostenquote wirkt sich deutlich weniger negativ auf das erzielbare Vermögen aus als dies bei aktiv gemanagten Investmentfonds der Fall ist.

Kosten entstehen jedoch nicht nur auf Seiten der Anlageprodukte.

Sie hängen auch mit der Art und Weise zusammen, wie wir unser Depot führen.

Die alte Anlegerweisheit „Viel hin und her macht Taschen leer“ bringt zum Ausdruck, dass häufiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren (viel) Geld kostet.

Geld, das damit nicht mehr zur Verfügung steht, um Gewinne zu erzielen.

Idealerweise halten wir also möglichst lange an den Anlageprodukten (ETFs) fest, die wir einmal ausgesucht haben und schichten unser Depot nicht laufend um.

Grundsätzlich gilt:

Je geringer die Gesamtkosten unseres Portfolios sind, desto mehr Vermögen können wir damit bilden.

Minimiere die Risiken

Die Begrenzung unseres Anlagerisikos lässt sich auf zwei Wegen realisieren: durch Asset Allocation und einen langen Zeithorizont.

Das klingt hochtrabender als es ist, denn dahinter stehen ganz einfache Überlegungen:

Lege den Anlagehorizont fest

Passiv Investieren - Langfristig denken

Kurz gesagt: es gibt schlechte Börsenjahre und es gibt gute.

Langfristig überwiegen die guten Jahre.

Um in den Genuss der guten Börsenjahre mit hohen Renditen zu kommen, muss man nur lange genug dabei sein.

Und die Jahre mit Verlusten einfach aussitzen.

Alles auf einmal oder Stück für Stück?

Dabei ist es nahezu egal, ob man in regelmäßigen Abständen kleinere Summen investiert oder einen größeren Betrag – sofern man diesen zur Verfügung hat – auf einen Schlag.

Der vielbeschworene Durchschnittskosteneffekt (engl. Cost Average Effekt), der im Rahmen von (Fonds-)Sparplänen auftreten soll, führt nicht per se zu einem besseren oder schlechteren Ergebnis als die Einmalanlage.

Allerdings haben insbesondere junge Anleger nur selten die Wahl zwischen beiden Anlagevarianten.

Wer keine größeren Summen erbt, hat kaum eine andere Alternative, als seine Ersparnisse nach und nach zu investieren.

Bestimme die Asset-Allocation

Mit Asset Allocation ist gemeint, sein Vermögen unter bestimmten Gesichtspunkten auf verschiedene Anlageklassen (Assets) aufzuteilen (to allocate = zuweisen).

Also „nicht alle Eier in einen Korb“ zu legen, wie die Binsenweisheit besagt.

Die Begrenzung des (unvermeidlichen) Aktienmarktrisikos gelingt durch eine Aufteilung des Depots in zwei Anlageklassen: risikoreich und risikoarm.

Als risikoreich gelten Aktien, als risikoarm Anleihen.

Der risikoreiche Teil dient der Kapitalvermehrung, denn der Großteil der Rendite wird durch Aktien erwirtschaftet.

Der risikoarme Teil dient dem Kapitalerhalt und stabilisiert den Wert des Depots. Diese Funktion erfüllen Anleihen.

Wieviel Rendite wir mit unserem Portfolio erzielen, hängt nun von zwei Faktoren ab:

  1. der Rendite des Aktienmarkts und
  2. dem Anteil der Aktien am Portfolio.

So teilst du das Depot auf

Passiv Investieren - Asset Allocation

Das Leben eines Anlegers lässt sich in zwei Phasen unterteilen: in die Ansparphase und die Entsparphase.

In der Ansparphase wird Geld (durch Arbeit) verdient und angelegt.

In der Entsparphase lebt man von dem Vermögen, das man sich aufgebaut hat.

Insofern ist die Aufteilung unseres Depots ein dynamischer Prozess.

Wer jung ist, kann – so die Theorie – mit Wertschwankungen leben, denn dank seiner Arbeitsleistung ist er auf sein Finanzvermögen nicht angewiesen.

Wer alt ist, benötigt Wertstabilität, denn er muss von seinem Vermögen leben können.

Es wäre ungünstig, wenn genau in dieser Phase das Depot stark an Wert verliert.

Aus dieser Theorie ergibt sich die praktische Formel:

Aktienquote = 100 minus Lebensalter

Dein Depot im Lebenszyklus

Investiert man auf Basis der oben genannten Formel, ändert das Depot im Laufe der Zeit zwangsläufig sein Gesicht.

Lässt man die persönliche Risikoneigung außen vor, sieht das Ergebnis so aus:

Änderung der Depotzusammensetzung in Abhängigkeit vom Lebensalter

Legende:
Der dynamische Social Media Marketing Consultant auf der linken Seite startet im Alter von 30 Jahren sein Depot mit einer Aktienquote von 70 Prozent (entsprechend 30 Prozent Anleihen).

Im Laufe seines Lebens reduziert sich der Aktienanteil, bis dieser im Alter von 70 Jahren bei 30 Prozent liegt und die wertstabilen Anleihen das Depot mit einem Anteil von 70 Prozent dominieren.

Ein weiter Aspekt beeinflusst die Aufteilung unseres Portfolios: die individuelle Risikobereitschaft.

Wähle das Risikolevel

Welche Wertschwankungen bist du bereit, zu (er)tragen? Wie sehr macht dir ein zwischenzeitlicher Wertverlust der Aktien zu schaffen?

Soll man im Zweifel lieber „auf Nummer sicher gehen“ und mehr Anleihen statt Aktien ins Depot nehmen?

Kann man machen.

Solange du dir im Klaren darüber bist, dass mehr Sicherheit automatisch weniger Rendite bedeutet.

Behutsam vorgehen

Wer noch nie vorher in Aktien investiert hat, dürfte Probleme damit haben, sich mit seinen kompletten Ersparnissen in das Abenteuer Börse zu stürzen.

Das ist aber auch gar nicht nötig.

Wichtig ist, dass du zuallererst eine Anlagestrategie entwirfst, mit der du dich auch dann noch wohl fühlst, wenn es an der Börse mal abwärts geht.

Denn so etwas wie “Welpenschutz” gibt es an der Börse nicht.

Eine denkbare Lösung ist, erst einmal nur einen kleinen Teil des Vermögens in Wertpapiere zu investieren.

Und die eigene Belastbarkeit in Sachen Wertschwankungen eine zeitlang zu auszutesten.

Nach und nach kannst du dann weiteres Geld ins Wertpapierdepot transferieren.

Wähle die Indizes

Mit welchen ETFs lässt sich die bisher beschriebene Strategie nun realisieren? Wie könnte ein einfaches ETF Portfolio aussehen?

Die einfachste Variante eines ETF Portfolios besteht aus mindestens zwei Fonds:

Jeweils ein ETF für den Aktienmarkt und einer für den Anleihemarkt.

Die einfachste Möglichkeit den weltweiten Aktienmarkt mit einem ETF abzubilden, bietet der MSCI World Index.

Sein Nachteil: Aktien von Schwellenländern (engl. emerging markets) fehlen darin.

Alternativ dazu lässt sich seit einigen Jahren in den MSCI All Countries World Index (ACWI) investieren.

Dieser enthält die Schwellenländer-Aktien entsprechend ihres Anteils an der weltweiten Marktkapitalisierung von zur Zeit etwa 10 Prozent.

Ein geeigneter Anleihen-Index wäre zum Beispiel der EB.REXX Government Germany 1.5-2.5, der von der Deutschen Börse AG herausgegeben wird.

Der Index beinhaltet die liquidesten deutschen Staatsanleihen mit Restlaufzeiten zwischen 1,5 und 2,5 Jahren.

Suche nach passenden ETFs

Für alle genannten Indizes gibt es mindestens eine Fondsgesellschaft, die einen entsprechenden ETF im Programm hat.

Einen ersten Überblick kann man sich mit einem ETF-Finder verschaffen.

Wie du dabei vorgehen solltest, erfährst du in meinem ultimativen ETF-Guide.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

Bonus: Welche 3 Kriterien du bei der ETF-Auswahl unbedingt berücksichtigen solltest, habe ich in einer übersichtlichen PDF-Checkliste für dich zusammengefasst. Diese kannst du dir hier herunterladen.
 

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