Warum Ruhestand kein sinnvolles Ziel ist

Wie wäre es, wenn ich morgen aufhören könnte zu arbeiten?

Bestimmt hast auch du dich das irgendwann einmal gefragt.

Vielleicht hast du sogar schon Berechnungen angestellt, wie hoch Sparrate und Rendite sein müssten, damit du dich in X Jahren zur Ruhe setzen kannst.

Doch wie sinnvoll ist die Idee vom vorzeitigen Ruhestand überhaupt?

“Wir sollten das wertschätzen, was wir tun. Es gibt keine Vorbereitung für etwas anderes.”

– Shunryu Suzuki

Rente mit 30

Allein der Gedanke ist eine Provokation. In einem Alter in Rente gehen, wenn mancher Akademiker nach langem Studium überhaupt erst anfängt zu arbeiten?

Der amerikanische Blogger “Mr. Money Mustache” hat genau dies getan und zieht damit zur Zeit einige mediale Aufmerksamkeit auf sich.

Zum Ruheständler wurde er nach nur 9 Jahren Arbeit als Software-Ingenieur, in denen er zusammen mit seiner Frau viel verdient, einen großen Teil davon (65%!) gespart und (zur richtigen Zeit) in Aktien und Immobilien investiert hatte.

Er konnte sein Vermögen Jahr für Jahr um etwa 100.000$ vergrößern und verfügte beim Eintritt in den Ruhestand über mehr als 900.000$. Seitdem lebt er mit seiner Familie von 25.000$ im Jahr, das Geld stammt überwiegend aus Mieteinnahmen.

Würde das Ganze auch in Deutschland funktionieren? Christian Kirchner hat in seiner SPON-Kolumne ein paar Varianten der Finanzierung durchgerechnet und zeigt damit: vorzeitiger Ruhestand ist nicht unmöglich, aber teuer.

Zwischen 580.000 und 1,6 Millionen Euro kostet der Spaß, wenn man mit 40 in Rente gehen möchte und den Rest seines Lebens mit 20.000 Euro im Jahr auskommt.

Glücklich ohne Arbeit?

Was aber lässt den vorzeitigen Ruhestand überhaupt erst attraktiv erscheinen? Ist es der Gedanke, nie mehr arbeiten zu müssen?

“Wenn du die Vorstellung hasst, bis zum Ende des Lebens zu arbeiten, ist nicht die Sparrate das Problem. Es ist dein Beruf.”

– Marko Butler

Wenn du zufrieden bist mit deinem Beruf, warum ist vorzeitiger Ruhestand dann erstrebenswert?

Bist du hingegen unzufrieden mit deiner beruflichen Situation, stellt sich die Frage, was die bessere Strategie ist: Zähne zusammenbeißen und jahrelang für den “erlösenden” Ruhestand sparen oder beruflich etwas Neues wagen?

Wie viele Jahre deines Lebens bist du bereit zu opfern, um dem Ziel vom frühen Ruhestand näher zu kommen? Willst du wirklich solange warten, bis du dich den Dingen widmen kannst, die dir etwas bedeuten?

Ja, dies ist ein Blog über persönliche Finanzen. Und trotzdem sage ich:

Wer vom vorzeitigen Ruhestand träumt, sollte sich zuerst mit seiner beruflichen Situation beschäftigen und erst dann mit seinen Investments.

Arbeit ohne Ende?

Wenn schon der vorzeitige Ruhestand nicht unbedingt erstrebenswert ist, wie sieht es dann mit dem offiziellen Renteneintrittsalter aus? Soll man etwa nie aufhören zu arbeiten?

Gegenfrage: was spricht dagegen, solange es Spaß macht?

Offenbar denken immer mehr ältere Menschen so und arbeiten im Rentenalter weiter. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie es wollen.

Natürlich geht das nicht in jedem Beruf. “Kopfarbeiter” sind hier klar im Vorteil, denn zumindest die körperlichen Kräfte lassen im Alter nach und diverse Krankheiten werden wahrscheinlicher.

Genau das ist der Grund, warum man auf jeden Fall Vermögen bilden sollte, selbst wenn man nicht auf den Ruhestand hinarbeitet. Die Entscheidung für oder gegen den Rückzug aus dem Arbeitsleben sollte ab einem gewissen Alter nicht mehr vom Geld abhängen.

Doch muss es wirklich Arbeit sein? Reicht es nicht, wenn wir uns irgendwie beschäftigen? Im Ruhestand hätten wir doch viel Zeit dazu …

Arbeit vs. Beschäftigung

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag: Arbeit und Beschäftigung sind nicht dasselbe.

“Arbeit ist immer Arbeit für andere, sonst ist es Beschäftigung.”

– Reinhard K. Sprenger

Um Arbeit handelt es sich, wenn wir Werte für andere Menschen schaffen. Für Beschäftigung gilt das nicht.

Wir können uns zwar aus purem Eigeninteresse mit Literatur, Musik, Autos oder was auch immer beschäftigen. Aber ist es nicht befriedigender, wenn wir mit unserem Wissen und Können das Leben anderer Menschen bereichern? Wenn wir also arbeiten, in welcher Form auch immer?

In diesem Licht betrachtet, scheint auch “Mr. Money Mustache” die Beschäftigung mit sich und seinem Privatleben nicht zum alleinigen Glück zu reichen.

Seine Texte inspirieren andere Menschen, sich mit ihrer Beziehung zum Geld auseinanderzusetzen. Mit der Arbeit an seinem Blog schafft er Werte für uns alle. By-the-way verdient er damit mittlerweile soviel, dass man “eine Familie davon ernähren könnte”…

Wie realistisch ist finanzielle Unabhängigkeit?

Treibendes Motiv für den vorzeitigen Ruhestand war für “Mr. Money Mustache” der Gedanke, kein Geld mehr verdienen zu müssen. Ihm ging es also nie darum, nicht zu arbeiten, sondern sich vom Zwang zum Verdienen zu befreien.

Man darf allerdings neidlos feststellen, dass es dazu neben Konsumverzicht, Immobilien und einem glücklichen Händchen an der Börse vor allem zwei (sehr) hohe Einkommen brauchte. Und die muss man mit Mitte 20 erst einmal haben.

Um weit vor dem 60. Lebensjahr finanziell unabhängig zu werden, sind Sparraten von 40 Prozent des Netto-Einkommens und mehr notwendig. Doch die wenigsten verdienen in jungen Jahren soviel Geld, dass sie sich solche Sparraten leisten können. Selbst wenn sie es wollen.

Statt sich unnötigen Stress mit der fixen Idee vom vorzeiten Ruhestand zu machen, sollte man lieber einer Arbeit nachgehen, die einem Spass macht, sparsam leben und seine Ersparnisse vernünftig anlegen.

Sich auf Staat, Kapitalmärkte und seine Besitztümer zu verlassen, ist und bleibt ohnehin immer ein Risiko. Denn vor Rentenkürzungen, Börsencrashs oder Wertverlusten wird es auch in Zukunft nur wenig Schutz geben.

Die Fähigkeit, durch Arbeit Geld zu erwirtschaften, kann uns niemand so schnell nehmen. Daher ist die eigene Arbeitskraft der mit Abstand wertvollste Vermögenswert, den wir haben.

Wir sollten gut auf ihn aufpassen.

 
Mich interessiert deine Meinung: hältst du die Idee vom vorzeitigen Ruhestand für erstrebenswert? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Hinweis: zu diesem Artikel hat mich ein Kommentar von Marko Butler auf “You need a budget” inspiriert.

Zitatquelle: Shunryu Suzuki – Zen-Geist Anfänger-Geist – Unterweisungen in Zen-Meditation (*)
Bildquelle: “Jumping the Fence” von Ramsey Nasser (bearbeitet), lizensiert unter CC BY 2.0

  • Hanspeter 25. Juli 2013, 09:42

    Grüezi Holger
    Ein ganz toller Artikel, den ich mit Genuss gelesen habe. Über meinen vorzeitigen Ruhestand habe ich mir persönlich schon viele Gedanken gemacht und bin immer noch ein “Suchender”. Ich habe das Glück, schon einen “Mini-Ruhestand” (nur noch 60%-Anstellung) zu geniessen. Ich habe Deinen Artikel in meinem Blog sehr gerne meinen Lesern vorgestellt.

    • Holger Grethe 25. Juli 2013, 15:45

      Hallo Hanspeter,

      herzlichen Dank für deine netten Worte und die Vorstellung des Artikels in deinem Blog. Hat mich sehr gefreut.

      Ich finde den Begriff “Mini-Ruhestand” in Bezug auf Teilzeit-Arbeit sehr passend. Ich arbeite auch seit einigen Jahren ganz bewusst “nur” in Teilzeit und will es nicht mehr missen…

  • Philipp 25. Juli 2013, 12:36

    Interessanter Artikel. Ich habe in letzter Zeit auch einiges zum Thema Early Retirement gelesen und finde die Idee nicht schlecht.

    Jedoch ist die Frage, ob man wirklich auf den Ruhestand spart oder ob man die Chance, vom passiven Einkommen zu leben, nutzt, um nicht mehr die Pflicht hat zu arbeiten und statt dessen eben wirklich etwas macht, dass man gern will, aber die Wahrscheinlichkeit davon sein Leben bestreiten zu können gering ist.

    Ich meine damit zum Beispiel Musik und Kunst, aber dazu kann auch Bloggen oder Bücher schreiben zählen. Natürlich kann man das auch in seiner Freizeit tun, aber die Zeit, die man auf Arbeit verbringt und die zusätzliche Zeit für Arbeitsweg und “runterkommen” nimmt meist einen Großteil des Tages ein. Je nach Stresslevel liegt dann auch jegliche Kreativität und Motivation brach.

    Wichtiger ist meiner Meinung nach jedoch in erster Linie das Vermögen aufzubauen. Wenn man von dessen Erträgen leben kann, ist man ja nicht zum Ruhestand gezwungen.

    • Holger Grethe 25. Juli 2013, 16:08

      Hallo Philipp,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Wenn vom passiven Einkommen die Rede ist, sollte man aus meiner Sicht zwei Varianten unterscheiden:
      1. Passives Einkommen durch Kapitalvermögen
      2. Passives Einkommen durch ein skalierbares Geschäftsmodell (Unternehmen)

      Variante 1:
      Um Einkommen aus Kapitalvermögen zu erzielen, braucht man einen ordentlichen Kapitalstock. Erst recht, wenn man davon leben möchte (siehe die Rechenbeispiele in dem oben verlinkten SPON-Artikel).

      Bis man diesen Kapitalstock aufgebaut hat, darf man nicht von ihm zehren. Bis dahin verfügt man also nicht über ein passives Einkommen, denn “you can´t have your cake and eat it”.

      Variante 2:
      Ist man unternehmerisch tätig, lässt sich ein Einkommen erwirtschaften, dass nicht mehr im direkten Zusammenhang mit der Arbeitszeit stehen muss (Passives Einkommen).

      Vorteilhaft ist ein skalierbares Geschäftsmodell, z.B. der Verkauf eines eBooks (einfaches Beispiel). Der Zeitaufwand für das Schreiben ist immer der Gleiche, egal ob 1, 100 oder 10.000 Kopien verkauft werden.

      “Passives Einkommen” klingt theoretisch immer reizvoll, praktisch bedeutet es aber in aller Regel erst einmal viel “aktive Arbeit”, bevor man die Füße hochlegen kann… 😉

  • Dummerchen 25. Juli 2013, 20:10

    Hallo Holger,

    na, da hast Du aber ein Thema aufgegriffen, das relativ frisch in Deutschland ankommt. Literatur zum Thema gibt es ja schon länger (vgl. “Your Money or your life”, Robin (1998)).

    Ich finde allerdings den Namen für das, was MrMoneyMustache so treibt, elementar bei der Beantwortung, ob ich das erstrebenswert finde oder nicht. Du nennst es Ruhestand, was ja ein spezielles Bild in den meisten von uns auslöst: Füße hochlegen, nichts tun. Ich glaube nicht, dass das die Maxime ist, nach der MMM lebt oder die Message ist, die er transportieren will. Den Begriff der “finanziellen Unabhängigkeit” finde ich hingegen deutlich passender: Dem nachgehen zu können, was man möchte ohne einem finanziellen Druck ausgesetzt zu sein.

    MMM hat ja auch nicht wirklich aufgehört, einer Beschäftigung nachzugehen – er kauft Häuser, renoviert sie von Grund auf und vermietet sie weiter. Seine Frau ist (wenn ich mich recht entsinne) als Maklerin tätig. Aber beide müssten dies nicht tun – sie haben Spaß daran, sind aber finanziell nicht davon abhängig. Die Werte, die MMM in seinen Beiträgen transportiert, finde ich übrigens deutlich wichtiger als das Ziel des Ruhestands: Auskommen mit dem Einkommen; kein Streben nach unnützem Zeugs; Verzicht auf unsinnige Autos und überflüssige Autofahrten usw..

    So ein Leben könnte ich mir schon gut vorstellen. (Mal abgesehen davon, dass ich eine andere Einstellung zu Häusern habe, aber das habe ich ja schon darlegen dürfen ;-).) Ich würde gerne etwas anderes tun; vermehrt ehrenamtlich tätig werden, Menschen helfen (zum Beispiel mit ihren Finanzen ;-)), Kindern etwas beibrigen. Finanziell kann und will ich mir das heute Vollzeit nicht leisten. Mit einem gewissen Finanzpolster im Rücken wäre das aber durchaus ein Ziel. Und ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass ich nicht unglücklich mit meiner Arbeit bin: Mit den Kollegen verbringe ich teilweise sogar die Freizeit, die tägliche Arbeit macht mir Spaß und richtig schlecht scheine ich meinen Job auch nicht zu machen ;-), denn auch meine Chefs sind mir wohlgesonnen. Es ist also im Gegensatz zu dem einzigen von Dir genannten Motiv nicht notwendigerweise Unzufriedenheit mit dem Beruf, der Menschen von “finanzieller Unabhängigkeit” träumen lässt.

    Dass es natürlich besser ist, einen Job aufzugeben, der den Menschen unglücklich macht, sollte klar sein. Dies ist aber nicht notwendigerweise ans Thema vorzeitigen Ruhestands geknüpft.

    PS: Kann man die Kommentare eigentlich auch irgendwie formatieren? (Fett, kursiv, etc oder Links einfügen)

    • Holger Grethe 25. Juli 2013, 20:46

      Hi Dummerchen,

      ja du kannst Kommentare formatieren mit üblichen HTML-Tags. Vielleicht sollte ich dazu noch eine kleine Legende mit HTML-Befehlen einfügen.

      Ohne jetzt Wortklauberei betreiben zu wollen, aber MMM (Mr. Money Mustache) spricht selbst davon “how I retired at age 30”. Und retirement heißt Ruhestand. 😉 Der Begriff “financial independence” kommt allerdings auch bei ihm vor.

      Natürlich ist finanzielle Unabhängigkeit eine fantastische Angelegenheit. Die Frage ist, zu welchem Zeitpunkt. Mit Ende 60 wäre ich auch gerne finanziell unabhängig und das ist ein Ziel, was sich mit Sparsamkeit und einer vernünftigen Anlagestrategie wohl auch erreichen lässt.

      Je früher man allerdings finanzielle Unabhängigkeit erreichen will, desto größere Verrenkungen muss man anstellen. Welchen Preis ist man bereit dafür zu zahlen? Wie realistisch ist dieses Vorhaben für die meisten von uns?

      Du sagst es ja selber: Menschen träumen davon (von der frühzeitigen finanziellen Unabhängigkeit). Und für die meisten wird es wohl auch ein Traum bleiben – was aber keine Katastrophe ist, solange man – und das ist mein Punkt – mit seiner Arbeit zufrieden ist.

      Man muss einfach sehen, wie viele persönliche Faktoren und glückliche Umstände bei MMM zusammengekommen sind, damit er sein Ziel erreichen konnte. Und das sage ich völlig neidlos.

      Der entscheidende Schlüssel zu seinem Erfolg ist allerdings auch die größte Lektion für uns alle: steigere deine Ansprüche nicht parallel zu deinem Einkommen. Denn MMM ist über all die Jahre bescheiden geblieben, trotz einer spürbaren jährlichen Gehaltserhöhung.

      Dazu gehört ein großes Maß an persönlicher Reife und Unabhängigkeit im Denken. Denn bei den meisten Leuten setzen reflexhaft Konsumwünsche ein und der Lebensstandard wird solange nach oben angepasst bis man sich irgendwann gar nicht mehr vorstellen kann, wie man früher mit weniger auskommen konnte.

      Vermögend wird man aber nur dann, wenn man bereit ist, “unter seinen Verhältnissen zu leben”.

    • Dummerchen 26. Juli 2013, 18:43

      Hallo Holger,

      über Begrifflichkeiten brauchen wir nicht diskutieren – MMM definiert den Begriff Retirement für sich anders (http://www.mrmoneymustache.com/2013/02/13/mr-money-mustache-vs-the-internet-retirement-police/), bei der reinen Übersetzung hast Du natürlich Recht.

      Ich verstehe noch nicht ganz, warum Du finanzielle Unabhängigkeit erst mit einem hohen Alter (Ende 60) positiv bewertest, zuvor jedoch eher kritisch siehst. Ich lese in und zwischen den Zeilen, dass dies in Deinen Augen nur unter großem Verzicht (“Verrenkungen”, “Preis zu zahlen”) möglich ist. Da bin ich nicht ganz bei Dir.

      Wenn ich an meine Studienzeit zurückdenke, hatte ich ein Minibudget gegenüber heute und hatte trotzdem eine Superzeit! Die Anpassung des Lebensstandards ist, wie Du ja selbst schreibst, der Kostentreiber. Warum also nicht einfach ein bescheidenes und trotzdem zufriedenes Leben führen? Ich würde das noch nicht mal “unter seinen Verhältnissen leben” nennen.

      Habe ich plötzlich neue Bedürfnisse, bloß weil mein Gehalt sich nach oben geändert hat? Die Frage ist doch, was man zum glücklichen Leben braucht? Ein teures Auto, eine große Wohnung, teure Designerklamotten, Schmuck, ständig aktuelle Techgadgets, hippe Urlaubsreisen? Ist ein Leben ohne dies eine Verrenkung?

      Die besten Dinge im Leben wie Freundschaft, Liebe, Gesundheit, Seelenglück kann man nicht kaufen – daher denke ich nicht, dass eine Person, die vor 60 finanziell unabhängig wird, ein unglücklicheres Leben geführt haben muss und den freiwilligen Verzicht auf Schnickschnack überhaupt negativ bemerkt hat.

      Worin wir uns absolut einig sind:
      Wer die finanzielle Unabhängigkeit nur anstrebt, um aus einem unglücklichen Arbeitsleben zu entfliehen, sollte sich natürlich fragen, ob er nicht einen hohen Preis in den Gegenwart zahlt, um auf eine vermeintliche Entschädigung in der Zukunft zu hoffen. Ich würde das Leben im Hier und Jetzt auch immer höher bewerten als jede Zukunftsvision, die sich vielleicht als gar nicht so erstrebenswert herausstellt oder die man schlimmstenfalls gar nicht mehr erlebt.

    • Holger Grethe 26. Juli 2013, 20:00

      Ich sehe frühzeitige finanzielle Unabhängigkeit überhaupt nicht kritisch, sondern absolut positiv. Ich gebe nur zu bedenken, dass dafür gewisse Anstrengungen notwendig sind und bestimmte Voraussetzungen gegeben sein müssen.

      Mit einem Brutto-Jahresgehalt von 100.000€ lässt sich bei identischem Lebensstil verständlicherweise immer eine höhere Sparquote realisieren als mit einem Einkommen von 40.000€. Es gibt einfach einen Sockel an Lebenshaltungskosten, der kaum als Verfügungsmasse dienen kann.

      Wer als Geringverdiener von frühzeitiger finanzieller Unabhängigkeit träumt, muss sich daher in meinen Augen “verrenken”, um dieses Ziel zu realisieren. Erst recht, wenn eine Familie versorgt werden will.

      Ein Ziel zu haben ist ja keine schlechte Sache, aber es sollte auch erreichbar sein. Man muss sehen, dass der Anteil der Geringverdiener in Deutschland vergleichsweise hoch ist (und vermutlich weiter zunehmen wird).

      Wenig überraschend betreiben im einkommensschwächsten Fünftel der Bevölkerung 65 Prozent überhaupt keine Altersvorsorge! Aber selbst im einkommensstärksten Fünftel sorgen 36 Prozent gar nicht vor (Quelle).

      Es gibt also noch viel zu tun, denn ein Großteil der Bevölkerung strebt offensichtlich weder vorzeitige, noch rechtzeitige, sondern gar keine finanzielle Unabhängigkeit an.

  • Der Privatier 26. Juli 2013, 07:49

    Mir gefällt das Wort “Ruhestand” auch nicht so besonders (auch wenn ich es immer wieder selber verwende). Das Wort “Ruhestand” beinhaltet nun mal die beiden Teile “Ruhe” und “Stand” und beides assoziiert man eben gerne auch mit eher negativ besetzten Begriffen wie Stillstand, Trägheit, Passivität bis hin zu Rückständigkeit und Verfall.

    Ich gehöre zu der wohl recht kleinen Gruppe von Menschen, die von sich sagen können, den Schritt in die “Freiheit” (das hört sich schon viel besser an…) gewagt zu haben, denn ich habe mich vor nun fast 2 Jahren entschieden, meinen Beruf aufzugeben.

    Allerdings war es bei mir weit weniger spektakulär als bei Mr. Money Mustache. Einfach schon deshalb, weil ich zu diesem Zeitpunkt bereits 56 Jahre alt war.

    Das werden nun viele für keine große Kunst halten. Ist es auch nicht. Für mich sind es aber zehn Jahre gewonnene Lebensqualität ! Eine Zeit, in der ich mich endlich meinen Hobbies und Interessen widmen kann. Zeit für so luxuriöse Dinge wie der Besuch von Museen, von Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen. Zeit zum Lesen.
    Zeit zu wandern und um die Natur zu geniessen. Zeit, neue Dinge zu lernen. Und mehr Zeit, die ich gemeinsam mit meiner Frau verbringen kann oder mich mit Freunden treffen kann. Zeit, wieder am Leben teil zunehmen.

    Ist etwas aufgefallen ? Es geht bei allen diesen Tätigkeiten um die “kleinen” Dinge des Lebens. Denn die machen das Leben lebenswert.

    Aber ich “beschäftige” (auch so ein Wort, das ich nicht mag. Klingt irgendwie nach Therapie…) mich auch mit anderen Dingen. So habe ich zu den finanziellen Aspekten, die auf dem Weg zum Privatier zu berücksichtigen sind, ein ganzes Buch geschrieben: “Gedanken eines Privatiers” (von P. Ranning). Auszüge daraus und die Möglichkeit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen zu berichten, gibt es auf meiner Internet-Seite http://www.der-privatier.com
    Holger, ich möchte Dich und Deine Leser ganz herzlich einladen, doch einmal vorbeizuschauen und vielleicht den einen oder anderen Gedanken für den Aufbau des eigenen Vermögens mitzunehmen !

    Bis dahin, Der Privatier

    • Holger Grethe 26. Juli 2013, 11:25

      Hallo Peter,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich assoziiere mit “Ruhestand” auch genau die Dinge, die du beschreibst. Gerade deswegen habe ich den Titel des Artikels bewusst gewählt, um zu zeigen, dass Ruhestand nicht das ist, was man sich wünschen sollte.

      Finanzielle Unabhängigkeit (vor dem offiziellen Renteneintrittsalter) ist natürlich eine feine Sache. Nachdenklich stimmt mich, dass es für dich offensichtlich einen sehr drastischen Zugewinn an Lebensqualität bedeutet hat, wie du schreibst. Das klingt fröhlich und traurig zugleich, denn im Umkehrschluss bedeutet dies, dass du lange Jahre keine Zeit für “die kleinen Dinge des Lebens” hattest?

      Ich weiß, dass deine Generation sicher noch ganz anderen beruflichen Zwängen ausgesetzt war als die heutige. Über die Jahrzehnte lässt sich da eine gewisse Entwicklung verfolgen. Während lange Zeit galt “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen”, diskutiert man seit einigen Jahren über “Work-Life-Balance” und scheint jetzt (endlich) bei “Work-Life-Integration” angekommen…

      Wie schon angesprochen glaube ich, dass Teilzeitarbeit (z.B. in Form einer 4-Tage-Woche) wesentlich zur Lebensqualität beitragen kann. Ja, das bedeutet weniger Einkommen, muss aber nicht heißen, dass damit finanzielle Unabhängigkeit unerreichbar wird.

      Wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe, hängt Vermögensbildung ja nicht nur vom Geld verdienen ab. Mit Sparsamkeit und einer guten Anlagestrategie lässt sich trotz weniger Einkommen viel erreichen…

  • Der Mosi 26. Juli 2013, 17:37

    Hi Holger,
    toller Artikel, und du hast völlig recht: wer jetzt schon zum Ruhestand schielt, macht jetzt schon beruflich etwas falsch. Klar hat jeder Job so seine Nachteile, z.B. nächtliche Einsätze als Gasmann, Beuteldrücker oder ähnliches… Man kann ja gerne über eine Stundenreduktion nachdenken, um mehr Zeit für Familie und Hobbies zu haben, aber ganz die Null anstreben oder alle tollen Aktivitäten auf den Ruhestand verschieben oder diese dann erst erwarten ? Wie wir ja aus unserem erlernten Beruf wissen, ist es ja auch nicht garantiert, dass wir den Ruhestand überhaupt erreichen, es gibt genug blöde Erkrankungen da draußen….
    In diesem Sinne – weiter so, toller Blog, lass uns das Leben jetzt (!) genießen
    dein Mosi

    • Holger Grethe 26. Juli 2013, 19:31

      Hey Mosi,

      freu mich sehr über deinen Kommentar.

      Du erwähnst eine Tatsache, die leider allzu viele Leute gerne verdrängen: nicht jedem ist es vergönnt, alt zu werden. Unfälle und Krankheiten können uns jederzeit treffen, daher sollte man sein Leben besser nicht auf Morgen verschieben.

      Vielleicht noch ein paar erklärende Worte für alle Nicht-Mediziner: Anästhesisten werden im Krankenhausjargon gerne als “Gasmänner” (bezieht sich auf Narkosegase) bzw. “Beuteldrücker” (bezieht sich auf Beatmungsbeutel) bezeichnet. In dieser Fachrichtung sind sowohl Mosi als auch ich tätig… 😉

  • Jogi 28. Juli 2013, 23:37

    Super Thema und sehr anregende Kommentare zum Nachdenken!

  • Ulrich Eckardt 31. Juli 2013, 20:35

    Hi,

    ich habe das Glück einen Beruf (Hypnotherapeut) zu haben, dem man auch im hohen Alter nachkommen kann und der nichts an seiner Attraktivität einbüßt. Der Beruf ist weder Arbeit noch eine Beschäftigung, sondern Berufung.

    Alleine dies, würde es schon unmöglich machen, mit 30 in Rente zu gehen.

    Grüße aus München

    Ulrich Eckardt

  • Michael Georgi (@Seelenwaage) 22. Oktober 2013, 14:08

    Hallo Holger,

    diesen Thema beschäftigt mich natürlich auch.
    Da ich jetzt 39 Jahre bin und bei der Rente um 139 Euro aktuell bekommen würde,
    ist guter Rat gefragt.
    Für mich gibt es allerdings die Möglichkeit mit der Schweiz.
    Also Staatliche Rente Deutschland, Staatliche Rente der Schweiz, dazu Rentenvorsorge der Schweiz.
    Jetzt auf Versicherungen oder Bankprodukte zu gehen, das bringt nichts,
    Geld zum Investieren habe ich nicht.
    Daher bin ich grad dabei mein Berufsabschluss Nachzumachen, dadurch ein höheres Einkommen zu erzielen und Nebenberuflich sehen wo ich mich Selbstständig machen kann.

    Die Schwierigkeit an der Sache ist erstens, woher Informationen nehmen?
    Behörden Blockieren den Kontakt und Ratgeber gehen immer von Bürojobs aus und Einkommen die grad im Osten kaum einer kennt.
    Allerdings wenn jemand unter 1000 Euro verdient, für den ist es fast unmöglich da an Wissen zu kommen.
    Vorallem geht es nicht nur darum das ich Harz IV als Rentenersatz brauche, sondern was ist wenn 80 Prozent der Rentner auf Sozialhilfe angewiesen sind?
    Der Deutsche Städtetag bekommt seit Jahren davon Panik und aus der Disskusion wissen wir ja das Herr Schäuble und Frau Merkel dieses Problem einfach Archiviert haben und sich weigern das anzugehen.
    Auf Politiker möchte ich lieber mich nicht verlassen, wie auch auf den Finanzsektor.
    Genau da geht es los, was für mich die beste Lösung ist, damit ich selber für mein Einkommen sorgen kann.
    Ein Ansatz ist es auch mit 90 Jahren noch mit Spass arbeiten zu können und das nächste mein Wesen möglichst Artgerecht nach Naturgesetzen zu behandeln.

  • Gabriele und Lorenz Himer 13. Juni 2014, 16:15

    Wir sind seit Oktober 2013 im selbst bestimmten Vorruhestand. In ihrem Artikel können wir zwar interessante Ansätze erkennen, jedoch sind wir im Detail durchaus anderer Meinung. Insbesondere die Art und Weise des Aufbaus des notwendigen Vorsorgekapitals hat auch andere Facetten und müsste detaillierter betrachtet werden. Wir werden unsere Erfahrungen dazu noch in diesem Jahr publizieren. Vorab veröffentlichen wir ausgewählte Artikel in unserem Blog: http://www.morethancakes.de

    • Holger Grethe 13. Juni 2014, 17:07

      Das wäre ja langweilig, wenn immer alle einer Meinung sind. 😉
      Viel Freude mit dem Blog!

  • Peter Maiser 9. Januar 2015, 17:11

    “Doch die wenigsten verdienen in jungen Jahren soviel Geld, dass sie sich solche Sparraten leisten können. Selbst wenn sie es wollen.”
    “Je früher man allerdings finanzielle Unabhängigkeit erreichen will, desto größere Verrenkungen muss man anstellen. Welchen Preis ist man bereit dafür zu zahlen?”

    Ich finde diese Kommentare gehen in die Richtung “complainypants”. MMM beschreibt sehr genau, was man tun muss, dass das keine “Verrenkungen” sind und der Verzicht auf Konsum kein hoher “Preis” ist.

    Meine Geschichte ist folgende.
    Mein Einstiegsgehalt in jungen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter war 3000 EUR brutto. Das ist weniger als die Industrieeinstiegsgehälter. Meine jetzige Frau hat das gleiche verdient. Also 6000 zusammen. Netto hatten wir ca. 4000. Leben konnten wir locker von 1500. Ergibt eine Sparrate von knapp 60%. Damit hätten wir nach 15 Jahren FI sein können. (Und btw: wir hatten zwei Autos und eine schöne sanierte Dreizimmerwohnung mit Parkett in einem angesagten Viertel.) Wir waren sehr glücklich und uns hat nichts gefehlt, ausser beruflicher Weiterentwicklung.
    Am FI habe ich damals noch nicht gedacht, und so wir haben unsere Ausgaben dann deutlich gesteigert. Wir verdienen jetzt, zehn Jahre später, zwar mehr als das dreifache von damals.
    Aber wir haben uns teure Urlaube angewöhnt, und das schnelle Auto ist auch viel teurer als früher. Macht uns das alles glücklicher? Wir sind keine Arbeitssklaven im Konsumrausch, hatten immer noch solide Sparraten von über 50% und ein grosses ETF-Depot. Aber wenn mal ein Kind kommt, wären die Sparraten schnell bei 0. Deshalb ist das Gebot der Stunde, den Konsum zurückzufahren und zu schauen, wo man nachhaltiger wirtschaften kann.

    – Es steht jedem frei (viel einfacher als im Land von MMM) zu studieren und gutes Geld zu verdienen.
    – Um den Faktor drei gesteigerte Konsumausgaben machen nicht dreimal glücklicher.
    – Mit einen Lebenspartner zusammen ist alles einfacher. Wenn zwei von einem Gehalt leben können, hat man schonmal eine Sparrate von 50%. Das würde ich von vornherein anstreben, statt zu denken “wow, zusammen wir sind reich mit unseren zwei Einkommen”.
    – Und natürlich: gespartes Geld wird anhand der Tipps auf dieser Website investiert

  • Kurt 20. Februar 2015, 20:13

    Ja,ja.
    *30 Jahre, da mancher Akademiker nach langem Studium erst zu Arbeiten anfängt…*
    Da habe ich (mit 3,5 Jahren Lehre) schon 15!! Jahre Gearbeitet. (absichtlich großgeschrieben) 😉
    Und darum gönne ich mir in 2 Jahren den “Ruhestand” mit 49 Jahren.

  • Christiane 22. März 2015, 18:34

    Ein sehr schöner Artikel über die Frage, was bedeutet Ruhestand eigentlich und warum er so erstrebenswert scheint.
    Ich stimme dir voll zu, dass es besser ist, über eine angemessene Arbeit nachzudenken, wenn man vom (sehr) vorzeitigen Ruhestand träumt. Trotzdem ist Mr. Moneymustache eine meiner unterhaltsamen Quellen für einen angemessenen befriedigenden Lebensstil. Und wie meine Vorredner schon sagten, tut er jetzt auch etwas, und zwar genau das, was er möchte.
    Ich gehöre zu den Ruheständlern und da mir die Kommerzialisierung meines Berufes im Gesundheitswesen nicht mehr gefallen hat, bin ich 2 Jahre vorzeitig in Rente gegangen. Allerdings habe ich keine Neigung, mit dem Erhalt des Rentnerausweises gleich auch noch in den geistigen Ruhestand zu gehen.
    Deshalb engagiere ich mich Nonprofit und Profit für Themen, die mir sehr viel bedeuten.
    Es ist aber schon richtig toll, dass ich jeden Monat Geld auf mein Konto bekomme (ja, ich weiß, ich habe es im Versorgungswerk angespart) und gleichzeitig genau das tun kann, was zu meinen Werten passt.

  • Det 7. Mai 2015, 16:31

    Ich war bereits mit 22 der jüngste Rentner einer Kapitalgebenden Versicherung , und habe dann immer wieder neue sofort beginnende Rentenversicherungen ( mit 4 Prozent Kapitalgarantie / heute dort nicht mehr zu bekommen ) abgeschlossen . Das war der Anfang um weiteres Kapital rückfliessen zu lassen und ewig abgesichert zu sein .Jetzt jedoch muss Anlage wieder woanders stattfinden , vermutlich in Aktien / ETFs , und ein Teil muss ich auch verbrauchen . Wichtig daran ist jedoch , niemals aufhören sich um seine unabhängigkeit zu kümmern , in welcher Form auch immer.

  • Stefanie 17. Juli 2015, 14:11

    Hallo Holger,

    ich (26) bin letztes Jahr auf deinen Podcast gestoßen und war begeistert. Die wirklich essentiellen Dinge im Leben wie ich finde, nämlich der Umgang mit Geld, wird in der Schule nicht und im Studium nur bedingt gelehrt. Vielen Dank an dieser Stelle für deine wunderbaren, verständlichen Podcasts. Sie bringen einen großen Mehrwert mit sich und haben die Neugier für Finanzanlage bei mir geweckt.

    Über diverse Bücher (Phil Town, Robert Kiyosaki, Blogs und Aktienanlage-Bücher usw) bin ich schließlich zu Money Moustache gekommen. In Zeiten der Generation Y gewinnt das Thema early retirement und (finanzielle) Freiheit an Beliebtheit.
    Am Ende wollen (verständlicherweise) jedoch auch die Autoren nur Geld mit Ihren „how-to-be-rich“ Büchern verdienen.

    Soeben habe nun ich deinen Artikel über Mr. Money Moustache entdeckt und somit schließt sich der Kreis wieder.

    Meine Meinung zu:
    Ich selbst bin seit 2008 in einem unbefristeten Corporate Job, verdiene recht gut und komme gerade aus einem 6-monatigen Sabbatical.

    Meine Erkenntnisse in der Zeit? Ich mag meinen Job, aber nur bedingt.
    Deshalb ist mein nächstes Ziel ein zweites Standbein aufzubauen, mit einem Beruf der mich erfüllt, unabhängig davon wie viel er einbringt (im Oktober 2015 starte ich eine Yogalehrerausbildung).

    Mehr noch als alles andere ist mir wichtig den Tag und mein Leben nach meinen Vorstellungen und Werten gestalten zu können. (Und ich weiß, dass es keinen Job gibt in dem ich diese Dinge finden werde.)

    Deshalb ist mein zweites Ziel die finanzielle Unabhängigkeit, damit ich meinen Corporate Job in ein paar Jahren an den Nagel hängen kann und meine Sinnfindung (Yoga) in Sinnstiftung (Yogalehrer) umwandeln kann. Darauf arbeite ich nun hin, das macht mir tatsächlich auch Freude 😉

    Ich denke man kann die Frage ob es gut oder schlecht, richtig oder falsch ist auf den Ruhestand mit 30 hinzuarbeiten nicht mit ja oder nein beantworten.
    Das muss jeder für sich entscheiden:
    Schritt 1: Überlege was du im Leben willst, was ist dir wichtig?
    Schritt 2: Richte all deine Tätigkeiten danach aus.

    Das klingt eigentlich ganz einfach. Und wenn man die Gedanken aus dem täglichen Sumpf von daily business und Gesellschaftsmeinung befreit, ist der Weg auch einfach.

    Für mich führt er in der Tat zum early retirement. Weil mir das mindset zusagt (simplify your life, Freude an kleinen Dingen, Qualität statt Quantität, Ausstieg aus der Tretmühle) und ich bereit bin die notwendigen Schritte dafür zu tun.

    Vielen Dank nochmal für deine wertvollen Artikel,
    Stefanie

  • Alexander Schmitt 22. August 2016, 14:10

    Hallo Holger,

    ob man nicht mehr arbeiten muss oder es nicht mehr tut sind sicherlich 2 verschiedene Dinge. Ich empfehle hierzu die aktuelle Blogparade vom Privatier, die dieses Thema sicherlich ausführlich beleuchtet.
    http://der-privatier.com/blogparade-freiheit-oder-langeweile/

    Ich habe die finanzielle Freiheit schon immer angestrebt, weil ich Abhängigkeiten hasse. Außerdem verändert sie den Blick auf alles, weshalb ich sie nur jedem empfehlen kann.

    Aber beim Zeitpunkt, zu dem das möglich ist, bin ich anderer Ansicht und ich glaube, dass Du Deine Meinung davon beeinflussen lässt. Sparen nur aus dem Gehalt alleine macht es sicherlich schwer, aber irgendwann kommen eben Erträge aus dem Vermögen hinzu. Wer mit 40 aufhören will zu Arbeiten und 2.000 € Netto pro Monat braucht, der braucht wahrscheinlich 1 Million, wer mit 1.000 € auskommt dem genügen 500.000 € und wer 4.000 € haben möchte, der braucht eben 2 Millionen.
    Wichtig ist, dass bis zum gewünschten Zeitpunkt eben mehr verdient wird, also ausgegeben wird, also dass man auf Konsum verzichtet. Dies spricht auch Dummerchen an.

    Ich glaube auch an keinen leichten Weg und dass es ein Allheilmittel gibt. Aber in der Kombination Aktien (ETFs), Aktienmarkt-Spekulation, Start-Ups, Immobilien und was es noch gibt ist es meiner Ansicht nach in 20 Jahren möglich, das Geld für finanzielle Freiheit zusammen zu haben. Selbst wenn man mit 20 anfängt, zuerst noch studieren muss und was auch immer. Die Kunst ist eben, nicht blind die Sparrate zu maximieren, sondern seinen Lebenstandard langsamer wachsen zu lassen als das Einkommen und klug zu investieren.

    Also bei mir haben die 20 Jahre funktioniert und ich habe zum Glück gleich nach dem Abi angefangen. Sei optimistisch und denke nicht, dass dafür Verrenkungen notwendig sind. Es dürfen einfach nur konsequent wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden und keinesfalls darf man tun, was alle tun: Denn die Mehrheit ist nicht vermögend!

    https://reichplanung.wordpress.com/2016/03/31/wie-hoch-muss-mein-einkommen-sein-um-reich-zu-werden/

    Was die Lebenshaltungskosten betrifft ist übrigens die eigene Einstellung zu hinterfragen: Brauche ich eine eigene Wohnung oder reicht ein WG-Zimmer, brauche ich ein Auto, welche Urlaube mache ich und wie oft kaufe ich Konsumgüter wie Möbel oder Kleidung? Ist eigentlich Urlaub nötig, wenn der Job reine Freude ist? Also auch hier finde ich, dass jeder ehrlich in sich hinein horchen sollte.
    Der Privatier spricht von Rente mit 56 Jahren, 7 Jahre vorher! Interessant, dass er 63 Jahre als Bezugspunkt wählt! Will gar nicht über die Ursache spekulieren, obwohl ich Ideen habe, aber für meine Generation gilt schon jetzt 67 und es wird noch steigen.

    Jeder sollte so leben, dass er mit 50 finanziell frei ist. Aber das ist nur meine Meinung, denn die meisten treffen die Wahl eben anders, in dem sie mehr zum Leben ausgeben, dadurch mehr brauchen und weniger sparen können.

    Ich wünsche jedem, dass er bewusst entscheidet und zufrieden ist!

    Grüße, Alex

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