Nachhaltige ETF: Grün investieren mit SRI Anlagen?

Du willst dein Geld in Aktien anlegen, dies aber mit gutem Gewissen tun?

Immer mehr Anleger wünschen sich neben einer ordentlichen Rendite auch Nachhaltigkeit sowie ethische Unbedenklichkeit für ihre Kapitalanlagen.

Sie möchten wissen, was mit ihrem Geld passiert, zumindest aber sichergehen, dass damit nichts moralisch Verwerfliches angestellt wird.

Doch lässt sich dieser Anspruch praktisch realisieren?

Erreicht man mit nachhaltige Geldanlagen wirklich den gewünschten Effekt? Wie sieht es mit dem „Greenwashing“ von Finanzprodukten aus?

Ein ziemlich komplexes Thema also.

In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über die Möglichkeiten und Limitationen von nachhaltigen Geldanlagen.

Dies tue ich aus der Sicht eines Passivanlegers, der langfristig Vermögen aufbauen will.

Im Mittelpunkt meiner Betrachtungen stehen dementsprechend indexbasierte Investments, sprich: nachhaltige ETF.

Grüne Banken und Produkte

Anleger können aus einem stetig größer werdenden Angebot aus grünen Banken und Anlageprodukten wählen.

Zu den Geldinstituten mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit gehören in Deutschland unter anderem die GLS Bank, die Umweltbank, die Ethik Bank und die Triodos Bank.

Diese Banken bieten sich für klassische Banking-Produkte wie Giro- und Tagesgeldkonten an und versprechen einen ökologischen und sozialverantwortlichen Umgang mit dem Geld ihrer Kunden.

Als langfristiger Renditebringer kommt ein Tagesgeldkonto allerdings nicht in Frage. Hierfür eignen sich eher:

  • Direkte Investitionen in Aktien und Anleihen ausgewählter Unternehmen
  • Indirekte Investitionen in eine Vielzahl ausgewählter Unternehmen mittels offener Investmentfonds
  • Beteiligungen an einzelnen Großprojekten (z.B. Bau und Betrieb eines Windrads) mittels geschlossener Fonds

Wer sich nach entsprechenden Anlageprodukten umsieht, stößt früher oder später auf die beiden Akronyme ESG und SRI.

ESG steht für „Environmental, Social, and Governance“, hinter SRI verbirgt sich „Socially Responsible Investing“.

Welche SRI Anlagen kommen in Frage?

Trotz der Konzentration auf Nachhaltigkeit und Ethik sollte man die beiden wichtigsten Kriterien für gute Anlageentscheidungen nicht aus den Augen verlieren:

Das Rendite-Risiko-Verhältnis sowie die Produktkosten.

Aus diesem Grund müssen Investitionen in Einzelaktien/-anleihen, aktiv gemanagte Aktienfonds und auch geschlossene Fonds als Anlageoptionen ausscheiden.

Denn mit einigen wenigen Aktien im Depot lässt sich keine befriedigende Risikostreuung erreichen.

Oder anders ausgedrückt:

Hat man nur fünf Aktienunternehmen im Depot und eins davon geht pleite, kommt das einem Verlust von 20 Prozent gleich.

Dieses Problem lässt sich mit Fonds umgehen, in denen gleich mehrere Hundert Unternehmen stecken.

Besser nicht: aktiv gemanagte und geschlossene Fonds

Allerdings sind aktiv gemanagte Investmentfonds diesbezüglich keine gute Wahl.

Denn diese weisen häufig eine inakzeptable Gesamtkostenquote von rund 2 Prozent pro Jahr und mehr auf, inklusive Vergütung für den Fondsmanager.

Hinzu kommt häufig noch ein Ausgabeaufschlag, welcher als Vertriebsprovision für die Banken fungiert.

Bei geschlossenen Fonds gibt es hingegen ein anderes Problem:

Hier beteiligen sich Anleger mit einem festen Betrag an einem unternehmerischen Projekt (Containerschiffe, Windkraftwerke, gewerbliche Immobilien etc.)

Bei einer Pleite des Fondsanbieters ist das Geld in aller Regel weg. Denn Anleger haften mit ihrer gesamten Anlage.

Die Lösung

Auch für Anleger, die ethisch beziehungsweise nachhaltig investieren wollen, sind kostengünstige Indexfonds (exchange traded funds) das Produkt der Wahl.

Diese sollten im Rahmen einer passiven Anlagestrategie eingesetzt werden, zum Beispiel mittels ETF-Sparplan.

Grün und passiv – nachhaltige ETF

Das bedeutet, dass man im ersten Schritt Ausschau nach Indizes halten muss, welche die gewünschten Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

Im zweiten Schritt sucht man sich entsprechende ETFs aus, denen die gewünschten Nachhaltigkeitsindizes zugrunde liegen.

Zum Beispiel mittels des ETF-Finders von justetf.com.

Dort wählst du zuerst die Anlageklasse Aktien aus. Im nächsten Schritt bestimmst du die Aktienstrategie und klickst auf „Sozial/Nachhaltig“.

Auf der rechten Seite werden dir nun passende nachhaltige ETF angezeigt.

Reiht man Suchergebnisse nach dem Fondsvolumen, lässt sich herausfinden, wie sich Angebot und Nachfrage auf dem Markt der SRI Anlagen verhalten:

SRI ETF Suche

Die Top 5 der nachhaltigen ETF

Stand November 2020 sind dies die fünf meist nachgefragten ETF im Bereich der SRI Anlagen:

  1. iShares MSCI USA SRI UCITS ETF
  2. iShares Automation & Robotics UCITS ETF
  3. UBS MSCI World Socially Responsible UCITS ETF
  4. iShares MSCI Europe SRI UCITS ETF
  5. iShares MSCI World SRI UCITS ETF

Über diese Aufstellung bin ich insbesondere in einem Punkt überrascht:

Nein, nicht warum vier der fünf ETFs aus dem Hause des Marktführers Blackrock (iShares) kommen …

Mir stellt sich eher folgende Frage:

Was genau macht einen ETF zum Thema „Automation & Robotics“ so besonders „sozial“ und „nachhaltig“, dass er Platz 2 auf der Liste belegt?

Der ETF basiert auf dem iSTOXX® FactSet Automation & Robotics Index.

Dieser bietet Zugang zu Unternehmen weltweit, die Technologien im Bereich der Automatik und Robotik in den Industrie- und Schwellenländern entwickeln.

Nun gut, lassen wir das an dieser Stelle mal so stehen und konzentrieren uns auf die vier anderen Vertreter, die „SRI“ im Namen stehen haben:

MSCI World SRI Index und andere UCITS ETF

Der mit über 3,6 Milliarden Fondsvolumen größte Vertreter ist der iShares MSCI USA SRI UCITS ETF.

Diesem liegt der MSCI USA SRI Select Reduced Fossil Fuels Index zugrunde, welcher Zugang zu bestimmten Unternehmen aus den USA bietet:

„Berücksichtigt werden lediglich Unternehmen, die im Vergleich zu der Konkurrenz aus ihrem Sektor über ein hohes Rating in den Bereichen Umweltschutz, soziale Verantwortung und Unternehmensführung (ESG) verfügen und bestimmte Kriterien hinsichtlich des Klimaschutzes erfüllen. Das maximale Gewicht eines Unternehmen ist auf 5% begrenzt.“
Zitatquelle: justetf.com

Platz vier hinsichtlich des Fondsvolumens nimmt der iShares MSCI Europe SRI UCITS ETF ein.

Dieser basiert auf dem MSCI Europe SRI Select Reduced Fossil Fuels Index.

Die Auswahlkriterien sind die gleichen wie beim US-amerikanischen Vertreter, nur dass man hier in nachhaltige Unternehmen aus Europa investiert.

Platz fünf geht an den iShares MSCI World SRI UCITS ETF. Hier sind es Unternehmen auf der ganzen Welt, die nach den oben genannten Kriterien ausgesucht werden.

An dritter Stelle unseres Fondsrankings rangiert der UBS ETF MSCI World Socially Responsible UCITS ETF.

Dieser basiert auf dem MSCI World SRI 5% Capped Index und verfolgt einen ähnlichen Ansatz, wie die zuvor genannten „grünen ETF“:

„Der MSCI World SRI 5% Capped Index bietet Zugang zu Unternehmen aus Industrieländern weltweit. Der Index berücksichtigt dabei lediglich Unternehmen, die im Vergleich mit der Konkurrenz aus ihrem Sektor über ein hohes Rating in den Bereichen Umweltschutz, soziale Verantwortung und Unternehmensführung (ESG) verfügen. Das maximale Gewicht eines Unternehmen ist auf 5% begrenzt.“
Zitatquelle: justetf.com

Klingt gut, aber wer bestimmt eigentlich über die ESG-Kriterien und prüft die Geschäftspraktiken der (vermeintlich) nachhaltigen Unternehmen?

Oder anders gefragt:

Wer wählt die „Umweltaktien“ aus?

Laut MSCI Fact-Sheets basiert die Auswahl der Titel auf Untersuchungen „provided by MSCI ESG Research“.

Dahinter verbirgt sich eine Tochterfirma des Indexanbieters MSCI Inc. Diese geht bei der Konstruktion ihrer SRI Indizes nach folgender Methodik vor:

Schritt 1: Weltregion/Marktsektor („Underlying Universe“)

Die Selektion der Unternehmen für die MSCI SRI Indizes vollzieht sich auf dem Boden des MSCI Global Investable Market Indexes (“GIMI”).

Es werden also nur Aktien berücksichtigt, die Teil der großen MSCI Indizes sind.

Schritt 2: Auswahl-/Ausschlusskriterien („Eligibility Criteria“)

Die Auswahl eines Unternehmens kann nur dann erfolgen, wenn dieses keinem der folgenden Ausschlusskriterien entspricht:

  • Umstrittene Waffen
  • Zivile Schusswaffen
  • Atomwaffen
  • Konventionelle Waffen
  • Tabak
  • Entertainment für Erwachsene (aka Porno)
  • Alkohol
  • Glücksspiel
  • Genetisch modifizierte Organismen
  • Kernkraft
  • Förderung und Lagerung fossiler Brennstoffe
  • Kohlekraftwerke

Zusätzlich müssen Unternehmen ein MSCI ESG Rating von mindestens „A“, besser „AA“ oder „AAA“ aufweisen, um Teil eines SRI Index zu werden.

Des Weiteren werden die Firmen anhand eines „Controversies Score“ bewertet. Hier fallen all jene Unternehmen durchs Raster …

„[…] that are involved in very serious controversies involving the environmental, social, or governance impact of their operations and/or products and services.“
Zitatquelle: MSCI

Was auch immer man sich darunter vorzustellen hat …

Schritt 3: Indexkonstruktion („Index Construction“)

Jeder SRI Index hat das Ziel, rund 25 Prozent der Marktkapitalisierung des ihn überspannenden MSCI-Sektor-Index abzubilden.

Der MSCI USA SRI Select Reduced Fossil Fuels Index beispielsweise deckt also etwa 25 Prozent der Marktkapitalisierung des MSCI USA Index ab.

Schritt 4: Indexpflege/-revision („Maintaining the MSCI SRI Indexes“)

Die Zusammensetzung der MSCI SRI Indizes wird einmal jährlich im Mai evaluiert und gegebenenfalls geändert.

Soweit das Prozedere bei MSCI.

Etwas anders geht der Indexanbieter Dow Jones bei seinen Dow Jones Global Sustainability Indizes (DJSI) vor …

“Best in Class“ Ansatz

Über die Zusammenstellung des DJSI Aktienindex entscheidet das Zürcher Unternehmen RobecoSAM. Es verfährt dabei nach dem sogenannten „Best in Class“ Ansatz.

Das bedeutet:

Unternehmen verschiedener Sektoren werden auf bestimmte Nachhaltigkeitskriterien hin untersucht und nur die jeweils besten 10 Prozent aus den einzelnen Branchen ausgewählt.

Greenwashing?

Was darf man sich nun unter dem Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability Index vorstellen?

Unter den 10 größten Positionen im Index finden sich gleich sechs IT-Firmen, unter anderem Microsoft, Alphabet (Google), VISA und Mastercard.

Was macht diese Unternehmen so „nachhaltig“?

Der immense Energiebedarf ihrer Serverfarmen oder die Ankurbelung von privatem Konsum per Kreditkarte?

Ich weiß es nicht …

Nehmen wir stattdessen einen anderen wichtigen Aspekt unter die Lupe:

Die Wertentwicklung nachhaltiger ETF

Die Frage ist ja: büßen die Anleger von „Öko ETFs“ für ihr gutes Gewissen bei der Rendite?

Oder kann man nachhaltig investieren UND dabei ordentlich Kapitalgewinne erzielen?

Schauen wir uns also die annualisierten 10-Jahresrenditen von zwei SRI Indizes im Vergleich an (Stand: November 2020; Bruttorendite inkl. Dividenden, Währung: USD)

  • MSCI World Index: 10,3% p.a.
  • MSCI World SRI Index: 10,8% p.a.
  • MSCI Europe Index: 5,3% p.a.
  • MSCI Europe SRI Index: 7,7% p.a.

(Datenquelle: MSCI)

Hinsichtlich der Rendite muss man bei einem nachhaltigen Index offensichtlich keine Abstriche machen.

Es scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein:

Insbesondere für den europäischen Aktienmarkt lässt sich ein Renditplus bei nachhaltigen ETFs feststellen.

Was könnte der Grund dafür sein?

Nicht vergessen: im MSCI Europe SRI Index sind keine anderen Unternehmen enthalten als im MSCI Europe Index.

Nur eben ein Teil davon.

Der iShares MSCI Europe SRI ETF investiert in 110 Unternehmen, sein großer Bruder iShares MSCI Europe ETF hingegen in 438.

Doch im SRI ETF stecken nicht nur weniger Aktien. Diese sind auch anders gewichtet:

So nimmt beispielsweise die Aktie von Schneider Electric 3,3% vom Gesamtvolumen ein. Im „normalen“ MSCI Europe ETF sind es hingegen nur 0,8% (Stand November 2020).

Entwickelt sich nun ausgerechnet diese Aktie überdurchschnittlich gut, profitiert der SRI Index logischerweise mehr davon als der marktbreite Index.

Ob es auch langfristig – also über 20 bis 30 Jahre – einen Renditevorsprung für ETFs gibt, deren Positionen nach den genannten Nachhaltigkeitskriterien selektiert werden, bleibt abzuwarten.

Mir stellen sich bei der Bewertung von nachhaltigen Kapitalanlagen allerdings noch ein paar andere, ganz grundsätzliche Fragen …

Was ist überhaupt „nachhaltig“?

Der von der Bundesregierung berufene Rat für nachhaltige Entwicklung erklärt:

„Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen.“

Dagegen kann niemand etwas haben.

Schwierig wird es allerdings bei der Frage, wie diese Zielsetzung praktisch zu erreichen ist.

Und ob sich durch die Auswahl von Anlageprodukten darauf im gewünschten Sinne Einfluss nehmen lässt.

Atomkraft vs. Klimaschutz?

Nehmen wir das Beispiel Energieversorgung. Ist der Verzicht auf Atomkraft tatsächlich nachhaltig?

Wie verträgt sich dieser Ansatz mit dem Ziel des „Klimaschutzes“, sprich: dem Wunsch, den CO2-Ausstoß weltweit möglichst schnell und umfangreich zu senken?

Die im Namen des Klimaschutzes protegierten erneuerbaren Energien bewirken ja mitnichten nicht nur Gutes.

Ökologen und Naturschützer prangern beispielsweise Großprojekte im Bereich der Wasserkraft als häufig rücksichtslose Umweltzerstörung an.

Für Windkraftanlagen müssen teils nicht unerhebliche Waldflächen gerodet werden, Vögel und Insekten werden durch sich drehende Rotorflügel geschreddert.

Und auch die Entsorgung der Anlagen am Ende ihrer Betriebsdauer ist aufgrund der verwendeten Werkstoffe nicht ganz unproblematisch.

Wie „öko“ ist eigentlich Biosprit?

Während wir das Klima retten wollen, indem wir Autos mit Biokraftstoff betanken, verringert sich dadurch die Anbaufläche für Lebensmittel.

Und dies bei 670 Millionen Menschen weltweit, die Hunger leiden.

Hunger tolerieren oder sogar verschlimmern im Namen des Klimaschutzes? Ist das ethisch? Womit wir beim nächsten Problem wären…

Ethik und Moral

Während bei Rüstung, Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen noch weitestgehend Einigkeit darüber herrscht, dass diese als unethisch zu betrachten sind, wird es bei Themen wie Pornografie oder Tierhaltung schon schwieriger.

Denn was als ethisch respektive unethisch gilt, hängt wesentlich von den Moralvorstellungen des Betrachters ab.

Während ein gläubiger Muslim womöglich bereits einen Pinup-Kalender als Pornografie einstuft, wird ein Veganer Tierhaltung in jeder Form ablehnend gegenüberstehen.

Ein „eingefleischter“ Katholik wiederum hat womöglich mit dem Sonntagsbraten kein Problem, lehnt aber Produkte zur Geburtenkontrolle grundsätzlich ab.

Noch komplizierter wird es, wenn sich zu den ökologischen und ethischen noch politische und ideologische Motive wie beispielsweise Kritik an der Globalisierung oder der Wunsch nach Gender Mainstreaming hinzugesellen.

Es können sich wohl kaum alle Konstellationen von Wertvorstellungen sinnvoll durch Anlageprodukte, geschweige denn Indizes abbilden lassen.

ESG: Die Quadratur des Kreises?

Bei all den Wünschen nach Nachhaltigkeit muss man sich natürlich auch die Frage stellen:

Woher kommt die Rendite?

Die Wahrheit ist: Kapitalismus bedeutet Wirtschaftswachstum.

Dieses Wachstum ist die Grundlage für steigende Unternehmensgewinne, welche wiederum zu höheren Gewinnausschüttungen (Dividenden) und steigenden Kursen führen, von denen Anleger profitieren können.

Doch lässt sich Wachstum überhaupt mit der Vorstellung von Nachhaltigkeit in Einklang bringen?

Oder handelt es sich dabei um die sprichwörtliche Quadratur des Kreises?

Bei unkritischer Betrachtung erscheint eine stetig wachsende Wirtschaft als wenig nachhaltig.

Aber nur dann, wenn man den Verbrauch natürlicher Ressourcen mit dem Wirtschaftswachstum gleichsetzt.

Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum

Dabei handelt es sich allerdings um einen gedanklichen Kurzschluss, der die qualitative Veränderung der Wirtschaftsleistung weg von der Industrie- und hin zur Informationsgesellschaft unberücksichtigt lässt.

Es braucht also nicht unbedingt einen Wachstumsverzicht für eine bessere Welt.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob ein Boom von (vermeintlich) nachhaltigen Geldanlagen wirklich zu mehr Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne führen würde?

Jedenfalls nicht, wenn sich dahinter fragwürdige Staudammprojekte oder die Abholzung von Regenwald zugunsten von Biosprit verbirgt.

Was tun?

Die Situation ist vertrackt.

Wer sein Geld anlegt, möchte eine möglichst gute Rendite erzielen. Insbesondere wenn man bereit ist, das Risiko von Aktieninvestments einzugehen.

Gleichzeitig will man durch sein finanzielles Engagement nicht auch noch Umweltzerstörung oder Hungersnot Vorschub leisten.

Wie soll man nun vorgehen?

Wer absolut sichergehen will, dass er ausschließlich in Unternehmen investiert, die zu Hundert Prozent den eigenen Anforderungen an Nachhaltigkeit und moralischen Wertvorstellungen genügen, wird am Kauf von einzelnen Aktien oder Anleihen kaum vorbeikommen.

Dagegen spricht neben dem höheren Anlagerisiko allerdings auch ein unglaublich hoher Zeitaufwand, der bei diesem Vorgehen notwendig wäre.

Denn die Unternehmen müssten nicht nur hinsichtlich ihrer betriebswirtschaftlichen Kennzahlen regelmäßig begutachtet werden.

Immer wieder müsste man auch nachsehen, ob die Unternehmenspolitik noch mit den einmal formulierten Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Ethik im Einklang ist.

Hinsichtlich des Chancen-Risiko-Verhältnis fährt der Großteil der Anleger mit einem ETF-Portfolio im Rahmen einer passiven Anlagestrategie einfach besser als mit Investitionen in einzelne Wertpapiere.

Nachhaltige ETFs – das Fazit

Wer auch beim Vermögensaufbau nachhaltig handeln möchte – allen Unschärfen dieses doch eher vagen Konzeptes zum Trotz – kann sich entsprechende ETFs ins Wertpapierdepot packen.

Gewisse Abstriche bei der Risikostreuung muss man dabei allerdings hinnehmen.

Denn nach SRI- bzw. ESG-Kriterien gestaltete ETFs enthalten deutlich weniger Positionen als ihre marktbreiten Pendants.

Hinsichtlich der Renditeerwartung scheinen nachhaltige ETFs die Nase hingegen leicht vorn zu haben. Zumindest was die letzten 10 Jahre angeht.

Ob sich dieser Trend auch in der Zukunft fortsetzten wird, bleibt abzuwarten

Ein letzter Punkt noch zur Nachhaltigkeit: Nicht nur im Energiesektor, sondern auch beim Investieren lassen sich Erfolge allein durch Senkung des Verbrauchs erzielen.

Neben der Renditeoptimierung spielt also auch die effziente „Ausgabendämmung“ eine wichtige Rolle für den langfristigen Vermögensaufbau.

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals im August 2013 veröffentlicht und ist seitdem komplett überarbeitet und aktualisiert worden.

Comments on this entry are closed.

  • Paul Aug 29, 2013 @ 9:19

    Hallo Holger,

    vielen Dank für die knapp 20 Stunden Arbeit für diesen Weblog-Beitrag. Ich werde ihn bestimmt öfters lesen und auch wie gewünscht weiterleiten ;-)

    MfG,
    Paul

  • Philipp Bochmann Aug 29, 2013 @ 9:56

    Danke für die interessanten Einblicke. Vor allem die Anmerkung zu Rohstoff-Investments habe ich so noch nicht betrachtet, wie es im verlinkten Artikel geschildert ist.

    • Holger Grethe Aug 29, 2013 @ 9:59

      Wer auf Rohstoffe im Depot verzichtet, verpasst wirklich nichts.

  • Roman Aug 29, 2013 @ 12:18

    Danke fuer den Artikel! Ein „Augenoeffner“!
    „…Senkung des Verbrauchs…“ ist die Zukunft und ich bin froh, dass Du das am Ende noch angemerkt hast!

    • Holger Grethe Aug 29, 2013 @ 20:58

      Ja, insgesamt mit weniger (Konsum) auszukommen, kann nicht schaden…

  • Dani Aug 29, 2013 @ 17:25

    Rentabel wäre ein Tagesgeldkonto bei einer grünen bank leider so gar nicht: 0,3-0,75% Zinsen…Das würde bedeuten, man investiert nicht in nachhaltige Projekte, sondern man zahlt dafür…? Oder? :-)

    • Holger Grethe Aug 29, 2013 @ 21:06

      Da sagst du was, Dani! ;-)

      Jeder muss wohl für sich selbst entscheiden, wie öko-bio-nachhaltig er leben will. Die Umsetzung der reinen Lehre erscheint mir dabei jedenfalls kaum praktikabel.

      Ob der freiwillige Verzicht auf Zinsen und Rendite der richtige Ansatz ist bzw. einen Unterschied macht, ist eine mehr als berechtigte Frage…

  • Jogi Aug 29, 2013 @ 22:26

    Vielen Dank Holger für deine Recherche. Ich stimme völlig zu, dass Ethik und Ökologie ist immer relativ zu betrachten.
    Wenn ich so richtig verstehe, wenn man die Aspekte wie Nachhaltigkeit, Ökologie, Ethik, Rendite-Risiko-Verhältnis und die Kosten im Gleichgewicht behalten will, dann ist ein breit gestreuter ETFs der richtige Wahl, oder?

    Im moment habe ich so einen Eindruck, ein small-cap ETF ist besser als large-cap ETF im Bezug auf ethisch-ökologischer Geldanlagen. Das Geld in einem large-cap ETF fließt meisten an die größten Unternehmen, die unsere Umwelt ausbeuten. Was meint Ihr dazu?
    Noch als Alternative wäre meiner Meinung nach eine Investition in Bildung. Zum Beispiel ein Kredit an die Studenten oder junge Leute in der Familienkreis geben. Natürlich sollte man keine höhe Zinsen/Rendite verlangen. Aber man kriegt stattdessen vielleicht eine Anerkennung und ein Gefühl dass man einen Beitrag leistet. Das ist auf jeden Fall ein ethisch und ökologischer Geldanlagen :)

    • Dummerchen Aug 30, 2013 @ 11:49

      Hallo Jogi,
      ich bin mir nicht sicher, ob small-caps wirklich „besser“ wären als large-caps.

      * Unter ethisch-ökologischen Gesichtspunkten habe ich mal einen Blick auf die Schwergewichte des MSCI USA Small Cap und MSCI Europe Small Cap geworfen und mir sind ad hoc MTU Aero Engines (Triebwerken für die zivile und militärische Luftfahrt) und Tesoro (Raffineriekonzern, Förderung und Vermarktung von Petroleum) ins Auge gesprungen. Ich denke, die Größe eines Unternehmens ist kein Hinweis darauf, ob es selbst (oder seine Produkte) die Umwelt ausbeutet. Ich habe mich zugegebenermaßen nicht im Detail informiert und bin mir daher über die Ethik einzelner Schwergewichte nicht sicher, aber würdest Du die Schwergewichte IBM, Google oder AT&T als problematischer einstufen als die o.g. Small-Caps?

      * Für einen Passivinvestor stufe ich einen Verzicht auf Large-Caps zugunsten von Small-Caps als sehr gewagt ein. Die Volatilität von Small-Caps ist deutlich höher und mir persönlich wäre mehr als eine Beimischung in meinem Depot zu riskant.

      Deine Idee gezielt in Bildung (eigene oder innerhalb der Familie) zu investieren, halte ich für sehr gut. Ich denke, es gibt keine Anlage, die sich langfristig mehr lohnt. Selbst wenn die unmittelbare Rendite eher gering ist, so stärkt dies die Familienbande und kann sich zudem bezahlt machen. (Wer z.B. mal einen Umzug mit einem Haufen arbeitswilliger Studenten gemacht hat, weiss, dass diese einen teuren Möbelpacker locker übertrumpfen.)

    • Holger Grethe Aug 30, 2013 @ 12:38

      Die Idee mit der Bildungsfinanzierung gefällt mir auch sehr gut. Da muss man sich wirklich keine Sorgen hinsichtlich Ethik und Nachhaltigkeit machen.

      Was die Unternehmensgröße anbelangt, würde ich – wie von Dummerchen schon angesprochen – nicht dahingehend pauschalisieren, dass die großen Konzerne (Large Caps) die Bösewichter sind und kleineren Unternehmen (Small Caps) alle eine weiße Weste haben.

  • Dummerchen Aug 30, 2013 @ 11:58

    Ein großes Lob an Dich, Holger. Mir gefällt der Artikel sehr gut. Sehr ausgewogen und detailliert recherchiert. In der aktuellen Finanztest findet sich ja auch ein Artikel zum Thema Sparangebote, der im Vergleich doch arg an der Oberfläche bleibt. Dort wurde noch auf die „ProCredit Bank“ und „pbb direkt“ hingewiesen, die bei der Kreditvergabe auf besondere Kriterien achten und aktuell wohl noch ganz gute Sparangebote anbieten.

    • Holger Grethe Aug 30, 2013 @ 12:40

      Danke für das Lob. :-)

    • Jogi Aug 31, 2013 @ 11:45

      Hallo Dummerchen und Holger,
      danke für Eure Meinungen. Ihr habt recht, dass man zu dem Thema nicht pauschalisieren soll. Mein Denkfehler muss noch etwas korrigiert werden.
      Ich verzichte auch Large-Caps-ETFs nicht.
      Zu MTU Aero als Triebwerkenhersteller sehe ich in meinen Augen noch „grün“ ;). Die IT-Giganten stufe ich schon als problematik in Bezug auf Ethik seit dem letzten Skandal ein, wegen ihre Persistenz und Untransparenz.
      Nichtdestotrotz, basiert auf einem Spruch „Geld ist Macht“ und auf meiner Betrachtung, dass viele größere Konzerne ziemlich persistenz gegen eine Kritik ist, lege ich das Geld nicht nur in Large-Caps-ETFs an, sondern beigemischt mit Small-Caps-ETF.
      Was gut ist, jede kann sich selbst entscheiden wie viel Prozent soll der Anteil sein, am Ende muss es nicht zu viel Kosten verursachen und das Rendite-Risiko-Verhältnis stimmt;)

  • Andi P. Aug 30, 2013 @ 12:30

    Hallo Holger,

    danke und Kompliment für den höchstinteressanten Artikel. Ich habe kürzlich einen kleineren Betrag in ein regionales Photovoltaik-Kraftwerk investiert. In Österreich ist diese Form der Bürgerbeteiligung leider finanzrechtlich noch nicht sehr ausgereift und wird von der Finanzmarktaufsicht boykottiert. Ich halte aber solche direkte Beteiligungsmodelle (ich ‚kenne‘ meine PV-Module ‚persönlich‘) für sinnvoll. Man agiert unter Bekannten und kurbelt die lokale Wirtschaft an.

    Was ich als Finanzierungs-Laie überhaupt nicht verstehe: Das Wirtschaftswachstum ist doch (auch) eine wesentliche Folge der Inflation, oder umgekehrt? Wenn die Preise (Umsätze) steigen, steigen die Löhne, steigen die Löhne, steigen die Preise… – natürlich spielen die Rohstoffpreise auch eine tragende Rolle je nach Nachfrage (Lohnniveau=Konsumentenvertrauen?). Ist das nicht eine unnötige Hochschrauberei?

    • Holger Grethe Aug 30, 2013 @ 12:50

      Hallo Andi,

      danke für deinen Kommentar. Was den Zusammenhang zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum anbelangt, findest du hier sehr anschauliche Informationen.

  • Gerhard Jan 19, 2014 @ 11:25

    Hallo Holger,

    danke für diesen aufschlussreichen Beitrag, dem ich nur zustimmen kann!

    Dazu vielleicht noch folgende Ergänzungen:

    1. Der passive Ansatz ist in meinen Augen bereits ein Beitrag zu einem nachhaltigen Investment. Schließlich verweigere ich doch gerade damit dem hektischen Hin und Her an den Märkten, dem unnötigen Aufblähen von Kosten, dem unproduktiven Agieren aller Beteiligten, …

    2. Es ist ein Trugschluss zu glauben, man könne die Welt dadurch retten, dass man grundsätzlich in all seinen Handlungen seine momentanen Wertvorstellungen kompromisslos zur Anwendung bringt. Das gelingt weder in der Politik, noch beim Investieren!
    Niemand verbietet es uns neben dem „passiv-konventionellen“ Investieren zusätzlich durch politisches Engagement und/oder zielgerichtete Spenden für das was uns umtreibt einzusetzen.
    Ich plädiere hier eher für eine getrennte Vorgehensweise!

    3. „Gut gemeint, ist zumeist das Gegenteil von gut gemacht!“
    Dieser Spruch stammt zwar nicht von mir, passt aber meiner Meinung nach bei dem hier besprochenen Thema exakt!

    4. Und zuletzt: Welchen Dienst erweisen Firmen wie „Prokon“ u.a. den Themen „Nachhaltigkeit“, „ökologischer Energiegewinnung“ und „Vermögens Aufbau“?

    • Holger Grethe Jan 19, 2014 @ 20:34

      Hallo Gerhard,

      volle Zustimmung für alle deine Punkte! Besonders gut gefällt mir dieser Satz:
      „Es ist ein Trugschluss zu glauben, man könne die Welt dadurch retten, dass man grundsätzlich in all seinen Handlungen seine momentanen Wertvorstellungen kompromisslos zur Anwendung bringt.“

      Der Punkt ist, dass sich Wertvorstellungen wandeln können. Momentan ist die „Nachhaltigkeit“ das Gebot der Stunde. Insbesondere dem CO2-Ausstoß müssen wir mit deutscher Gründlichkeit zu Leibe rücken. Vielleicht erinnert sich noch jemand an das große „Waldsterben“ in den 80igern? ;-)

  • Henning Jan 23, 2014 @ 11:35

    Weiter oben steht es ja schon: „Die reine Lehre gibt es nicht.“ Völlig richtig. Abseits von best-in-class gibt es indes Ansätze und Lösungen, die sich meiner Meinung nach auf den richtigen Weg machen. Und wie war das noch? Tausend Meilen beginnen mit einem ersten Schritt. Darüber ist der nachhaltige Anlagemarkt schon ein Stück hinaus. : )

    Ansonsten: Wer auf Beratung verzichten kann und mag, sollte die Entwicklung nachhaltiger Indexfonds abwarten (ich suche gerade einen Anbieter von Nettotarifen (ja, Versicherungsmantel) mit nachhaltigen ETF. Bisher keinen gefunden…). Und – Prokon, seit Jahren unter Verdacht und nun insolvent, lässt grüßen – die Finger vom grauen Kapitalmarkt lassen.

    • Holger Grethe Jan 23, 2014 @ 22:24

      Ich bezweifle, dass es jemals wirklich „nachhaltige“ Indexfonds geben wird. Was einfach daran liegt, dass der Begriff der Nachhaltigkeit in Bezug auf Kapitalanlagen ähnlich präzise ist wie die Charakterisierung eines Menschen mit „nett“…

  • Harald Mai 18, 2014 @ 12:39

    Hallo,
    ich suchte solch eine Seite wie Deinige. Jemand, der Klartext spricht über die Branche der ökologisch-ethischen Anlagen.

    Ich selbst habe bei solch einem umweltfreundlichen Unternehmen gearbeitet und konnte nicht glauben, was ich dort erlebte:

    Dieses Unternehmen ist im Marketing- und Akquisebereich sehr gut aufgestellt. Es wirbt über Mailings, Telefonate, Internetauftritte und Werbung jeden Tag mehrere Zehntausend Euros von Privatanlegern ein. Diese wollen ein Teil ihres Geldes „sauber“ anlegen. Ein großer Teil wird tatsächlich in Erneuerbare Energien angelegt.

    Leider hat diese Firma nur Wissen und Erfahrung bei Marketing und dem Stricken von Finanzprodukten. Hinsichtlich der eingekauften Anlagen, respektive der Technik, des Betriebes, guter Verträge und valide Betriebszahlen für die Kalkulation gibt es wenig Erfahrung und schon keine Ingenieure oder Techniker.

    Diese Zahlen werden von den Herstellern der Anlagen und/oder dem Projektentwickler geliefert (die beide nur dann richtig verdienen, wenn das Projekt realisiert wird).

    Der eine Chef hat neben einem regulären PKW ein Sportauto, investiert in Gastronomie und Kunst, kommt irgendwann zwischen 9:30-12 Uhr ins Büro, schläft dort Hin und Wieder schnarchend ein und geht zwischen 18-19 Uhr wieder, wenn nebenbei die Bestellungen für die Gastronomie noch getätigt wurden.

    Sein Abteilungsleiter verdient knapp 100 T€ per Anno, beide sind freiberuflich beratend tätig. Sollte also etwas schief laufen, wer ist da nun verantwortlich? Das wissen die Anleger nicht.

    Ob nun am Ende auch für die Anleger eine Rendite übrig bleibt, ist nicht sicher! Darauf wird keine Garantie/Sicherheit gegeben. Es wird – immerhin – darauf hingewiesen, dass Totalverlust der Einlage droht.

    Frage: Würden Sie einige Tausend bis mehrere Zehntausend Euros einer Privatperson bzw. Privatfirma geben und das Risiko eingehen, nichts mehr zu bekommen?

    Tatsächlich machen das viele Leute und lassen sich „einfangen“ durch geschulte Berater. Sicher bei solchen Geschäftsmodellen ist nur eines (und das ohne Polemik oder Übertreibung): Das Geldverdienen ist einfach und Ihre Geldanlage eine soziale Tat, denn es werden gute Arbeitsplätze geschaffen (was allerdings nicht das Ziel der Anleger ist und war)!

    Vor solchen Geldanlagen warnen die Verbraucherschutzorganisation Deutschland und jüngst Ökotest. Aussage: Meist werden die attraktiven Renditeversprechungen (und mehr ist es nicht) nicht eingehalten, manchmal sogar komplett verfehlt.

    Fazit: Ich kann nur abraten von geschlossenen Fonds und ähnlichen Geschäftsmodellen. Legen Sie ihr Geld bei einer entsprechenden Bank mit guter Referenz an, werden Sie Genossenschaftsmitglied bei einer solchen Bank oder beteiligen Sie sich direkt bei Bürgerenergieprojekte.

    Und wenn Sie doch Geld bereits bei solchen Firmen angelegt haben oder gerade dabei sind: Lassen Sie sich die Referenzen zeigen, die Perfomance der Anlagen, die Renditeausschüttungen real der letzten Jahre (nicht die Prognose) und fragen Sie nach dem Organigramm der Firma, den Verantwortlichkeiten, den Kompetenzen der Mitarbeiter und der Betriebsorganisation der EE-Anlagen.

    Schauen Sie sich die Firma und die Anlagen an! Prüfen Sie die Ausstiegsklausel. Schließlich geht es um ihr Erspartes!

    • Robin Good Mai 21, 2014 @ 17:22

      Hallo Harald,
      neben den sehr interessanten Kommentaren endlich ein Bericht aus dem “Inneren” der Branche. Danke für Deine Offenheit.

      Ich verstehe Privatanleger nicht, die Ihr Geld solchen Firmen oder gar Privatleuten anvertrauen. Es gibt viele praktische Alternativen:
      1) Beteiligung vor Ort in einer Fotovoltaik-, Wasserkraft-, Bioenergie- oder Windkraftanlage, einem Nahwärmenetz, in einer Bürgerinitiative oder Bürgerenergiegenossenschaft. Dort ist das Geld “zum Greifen” nahe und viel transparenter angelegt, als bei irgendwelchen Firmen.

      2) Sein Geld investieren in stromparende Hausgeräte, einer neuen Heizung, Wärmedämmung und/oder neue Fenster, ein Elektro-PKW, LED-Beleuchtung usw. So arbeitet das eigene Geld ortsnahe durch Ersparnisse im Betrieb in “grüne Technologien”…eine bessere Garantie für eine – wenn auch kleine – Rendite gibt es nicht. Und: Das ist direkt vor Ort sichtbar, klasse und indirekt auch eine Förderung der Erneuerbaren Energien: Denn mit Strom- bzw. Wärmeeinsparung steigt der erneuerbare Anteil am deutschen Gesamtverbrauch auch sehr schnell. Und dieses Potenzial ist noch kaum gehoben.

      3) Lebenswandel umstellen und umweltfreundlicher leben mit Konusm von Biolebensmitteln, umweltfreundliche Mobilität und Reisen, Stiftungen unterstützten etc. Hier gibt es zwar keine Rendite – aber ein ziemlich sauberes Gewissen.

    • Bettina Okt 24, 2015 @ 23:56

      Hmmmmmmmmmmm, ein bisschen polemisch, oder?

      „kommt zwischen 9 und 12, schläft schnarchend ein, investiert in Kunst und Gastronomie………..“
      und was heißt das jetzt? Kunst und Gastronomie per se schlecht und unökologisch?
      weil diese Person so ist, sind prinzipiell alle „grünen“ Unternehmen so?
      man kann doch nicht von einem auf alle schließen, denn so hört es sich bei diesem Kommentar irgendwie an

  • Fabian Jul 6, 2014 @ 10:29

    Ich teile die Zweifel an den bestehenden Möglichkeiten zur ethischen Geldanlage. Ich habe auch den Eindruck dabei je nach persönlicher Wertelage bestenfalls das geringere Übel zu wählen, nicht jedoch eine überzeugte meinen Bedürfnissen gerechtwerdende Anlage wählen zu können.

    Natürlich beantwortet das nicht die viel interessantere Frage, wie eine Lösung für dieses Problem aussehen könnte. Ich denke, die meisten von uns wollen Rendite gegen andere Faktoren der Anlage abwägen. Irgendwo hat jeder seine (sich durchaus mit der Zeit wandelnden) Schwellen welche Renditehöhe welche Art möglicherweise negativer Einflussnahme auf seine Mitwelt rechtfertigt. Ich halte es also für sehr wichtig, dass Wort ethisch für sich persönlich auszufüllen und sich nicht mit einer unspezifischen Definition zu begnügen.

    Ich kann selbst keine Empfehlungen für eine dies berücksichtigende Anlagestrategie geben, möchte mich und andere mit diesem Beitrag aber anregen, dieses Thema beim Anlegen, wie in allen anderen Lebensbereichen nicht aus den Augen zu verlieren, bloß weil man es bei den ersten Versuchen nicht zufriedenstellend lösen konnte.

  • Frank Aug 15, 2014 @ 12:05

    Danke für den sehr informativen Artikel!
    Ich kann grundsätzlich vielen Vorrednern zustimmen: Die perfekte Lösung gibt es nicht und schon bei der Definition von Nachhaltigkeit herrscht schnell das große Durcheinander. “Best-in-Class” alleine sehe ich sehr kritisch, auch wenn damit immerhin gewisse Minimalkriterien berücksichtigt werden dürften.

    Ich persönlich investiere neben einer genossenschaftlichen Beteiligung (wohl am ehesten der Königsweg einer ethisch-nachhaltigen Anlage) vor allem in Einzelaktien und wende dabei zunächst Ausschlusskriterien an, die mir persönlich wichtig sind (Nahrungsmittelspekulation, Waffen, Atomkraft, Tabak, Glücksspiel, harte Alkoholika, Pornografie). Darüber hinaus investiere ich z. B. auch nicht bei einem systematischen Missbrauch übermäßiger Marktmacht. Zu meinen festen Ausschlusskriterien kommt also immer noch eine möglichst ganzheitliche Bewertung des einzelnen Unternehmens.

    Zugegeben: Das ist sehr zeitintensiv und auch nie ganz perfekt umzusetzen (schon gar nicht als Kleinanleger), zumal es Grenzfälle gibt, wo letztlich nur noch das Gefühl entscheidet. Und die Welt rette ich damit auch nicht gleich. Aber es ist mir dennoch wichtig, dass sich meine persönlichen Werte auch bei der Geldanlage widerspiegeln, das kann ich persönlich nicht einfach trennen. Deshalb versuche ich, zumindest nicht direkt auf Kosten anderer (Krieg, Sucht, elementare Verletzung der Menschenwürde, …) Erfolg zu haben.

    Passives Investment mit ethischen Kriterien ist dagegen wirklich noch recht schwer umzusetzen. Die momentan beste Lösung scheint mir der MSCI World Socially Responsible Index mit einer Kombination aus Best-in-Class und festen Ausschlusskriterien zu sein (siehe http://www.msci.com/resources/factsheets/index_fact_sheet/msci-world-sri-index.pdf). Die UBS bietet hierauf auch ETFs an.

    • Holger Grethe Aug 15, 2014 @ 15:02

      Hallo Frank,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Du hast deinen Standpunkt und die Konsequenzen deiner Vorgehensweise sehr differenziert beschrieben, wie ich finde.

      Wie im Artikel ausgeführt, sind die Kriterien in Sachen Nachhaltigkeit sehr schwammig und jeder Anleger setzt hier andere Prioritäten. Im MSCI World Socially Responsible Index ist z.B. unter anderem McDonalds vertreten…wie nachhaltig ist die Rinderviehzucht zur massenhaften Herstellung von Burgerbuletten? Und das sage ich als Fleischesser (genauer gesagt: Flexitarier) ;-)

  • Arno Jan 31, 2015 @ 18:59

    Hallo Holger,

    ich finde den Artikel sehr gut. Ich stehe auch gerade vor der Entscheidung, kaufe ich „ökologisch/soziale“ Fonds meiner Triodos Bank mit aus meiner Sicht extrem hohen Kosten oder investiere ich passiv in ETFs die deutlich günstiger sind. Mit dieser Fragestellung bin ich bei dir gelandet. Was mir nicht ganz klar ist warum präferierst du „konventionellen ETFs “ ggü. ETFs mit Best-in-Class Ansätzen?

    Mir ist schon klar, dass Best in Class nicht das gelbe vom Ei ist, aber ist es nicht etwas besser als „konventionell“?

    • Holger Grethe Jan 31, 2015 @ 21:39

      Hallo Arno,

      „Mir ist schon klar, dass Best in Class nicht das gelbe vom Ei ist, aber ist es nicht etwas besser als “konventionell”?“

      „Besser“ inwiefern? Dass man sein Gewissen beruhigen kann, weil die SUVs von BMW unter Best-in-Class-Gesichtspunkten ökologisch wertvoller sind als die von Daimler oder anderen Herstellern? ;-)

      Ich suche eher nach optimaler Risikostreuung und möchte daher in den gesamten Markt investieren. Das gelingt mit großen, marktbreiten Indizes imho besser als mit „Nachhaltigkeitsindizes“, die unter Gesichtspunkten kreiert werden, die mir nicht nachvollziehbar sind.

  • Susanne Feb 21, 2015 @ 16:40

    Hallo Holger,
    vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Auch ich sitze zwischen 2 „Stühlen“, dem Anspruch nachhaltig, ökologisch, nicht in Atomkraft, keine Rüstung, …. zu investieren und auf der anderen Seite aber auch das Geld erhaltend und wertsteigernd anzulegen. Dein Artikel hat mir geholfen, das alles auch von einer anderen Seite zu sehen. Ich denke, jeder kann in seinem privaten Umfeld einiges tun. So beziehe ich grünen Strom vom EWS Schönau. Ich überlege mir, wann nehme ich das Auto und wann nicht. Ich denke, man braucht gar nicht so weit schauen und suchen, sondern fängt ganz klein an. Muss alles verpackt sein, was ich kaufe? Wo kaufe ich ein? Bauer-Markt-regional? Wo gehe ich in den Urlaub hin, muss ich ständig fliegen? Müssen Billigflüge wirklich sein? Kann ich das Auto stehen lassen und das Fahrrad nehmen. Ich habe außerdem eine SOS-Patenschaft. So können wir mit kleinen Sachen in der Summe großes bewirken.

  • Julie Mrz 15, 2015 @ 19:56

    Top, danke. Das erspart Zeit und gibt ehrlichen Rat. Schön.

  • Christiane Mrz 22, 2015 @ 18:45

    Eine weitere Anlage, die m.E. nachhaltig ist, ist ein aufgestockter Anteil in einer oder mehreren Wohnungsgenossenschaften. Meine ist erstaunlich gut verzinst und stabil durch alle aufs und abs an der Börse

  • Henning Mrz 23, 2015 @ 9:52

    Hallo Holger, ich habe neulich auf Kundenwunsch zur nachhaltigen Geldanlage auch einmal das Thema nachhaltige Indexfonds auf die Tagesordnung genommen. Auch bei anderen Anbietern als iShares komme ich zum gleichen Ergebnis wie Du: alles nur best-in-class beziehungsweise best-in-index ausgewählte Teilindizes. Damit kann ich nicht einmal mehr überprüfen, ob das kleine Einmaleins der Portfolioerstellung gewährleistet ist.

    Und wenn man mal einen Index findet wie den Global Challenges und sogar feststellt, dass es dazu einen „Indexfonds“ gibt – gibt es halt doch keinen Indexfonds, weil mind. 1,9% Gebühren verlangt werden…

    Wer Nachhaltigkeit will, MUSS Fondsmanager und Ratingagenturen bezahlen, daran führt zunächst kein Weg vorbei.

    • Holger Grethe Mrz 23, 2015 @ 19:06

      „Wer Nachhaltigkeit will, MUSS Fondsmanager und Ratingagenturen bezahlen, daran führt zunächst kein Weg vorbei.“

      Bekommt man dann wirklich das Gewünschte für sein Geld?

    • Henning Mrz 24, 2015 @ 8:04

      Grundsätzlich ja! Es sei denn, man definiert das „Gewünschte“ so krass, dass von einer Beteiligung am kapitalistischen Wirtschaftssystem sowieso abzuraten ist! : )

  • Ägidius Apr 10, 2015 @ 11:45

    Beim Thema grüne, ethische oder wie auch immer motiviertes Investment in Aktien kommt ein Aspekt meiner Meinung immer zu kurz: Hat die Kaufentscheidung überhaupt einen nennenswerten Einfluss?
    Ein wesentliches Merkmal von Aktien ist ja gerade die Abkopplung des Eigentümers von unternehmerischer Verantwortung. Wer Aktien kauft „fördert“ ja nicht nicht die betreffenden Unternehmen, sondern anonyme Marktteilnehmer, deren Ziele, Werte, Ethik mit hoher Wahrscheinlichkeit von den eigenen abweichen.
    Auf die Unternehmen wirkt die eigene Anlageentscheidung nur sehr, sehr indirekt über den Einfluss der Nachfrage auf den aktuellen Aktienkurs und damit auf den Wert und das Prestige. Eine Konsequenz daraus wäre, z.B. ausschließlich in Neuemissionen zu investieren, die unmittelbar durch unternehmerische Schritte motiviert sind.

    • Daniel Jan 10, 2016 @ 18:08

      Naja und wenn das Unternehmen neue Aktien in den Markt gibt um Kapital zu generieren, haben sie dafür eine höhere oder geringere Grundlage, je nach dem ob die Aktie gefragt oder nicht gefragt ist. Da könnte man also auch was machen….sofern ich den Aktienmarkt richtig verstanden habe, da stehe ich noch sehr am Anfang.

  • Johannes Dez 8, 2020 @ 16:54

    Die Ausführungen und Kommentare haben sicherlich alle ihre Berechtigung.
    Für mich stellt sich aber dann die Frage:
    „Was kann ich tun, wenn ich einerseits vom Markt profitieren möchte und andererseits möglichst die ’nicht nachhaltigen‘, oben unter den Ausschlußkriterien genannten Marktteilnehmer ausschließen möchte?“
    Meine (sicher unpräzise, aber pragmatische) Antwort:
    „Ich nehme die ETFs von UBS mit SRI im Namen, das ist besser als nichts und für mich machbar“ UND ich versuche zusätzlich mein Konsumverhalten entsprechend zu gestalten.
    Vielleicht werde ich dafür durch höhere Rendite belohnt, vielleicht zahle ich auch etwas drauf.
    Für mich ist es jedenfalls der gangbarste Weg.