„Wie kannst du nur das schöne Haus verkaufen?“

Haus verkaufen

Zu meinem Blogartikel mit dem Titel „Wie du als Mieter reich wirst“, habe ich bemerkenswerte Zuschriften von zwei Leserinnen bekommen.

(Die ich deswegen an dieser Stelle gerne veröffentliche)

Beide schildern auf authentische Weise, warum der Kauf eines Eigenheims vor allem eine Entscheidung für einen gewissen Lifestyle ist.

Und das Haus verkaufen die Lösung sein kann …

…wenn man irgendwann feststellt, dass die Immobilie doch nicht so gut zum Lebenskonzept passt (wie zuvor erwartet).

Zumal es ja durchaus Alternativen gibt, um für später Vermögen aufzubauen: Ein ETF-Depot beispielsweise.

Bevor die Immobilienfans ins Hyperventilieren geraten und mir einmal mehr vorwerfen, Betongold schlecht zu reden. Hier noch einmal in aller Deutlichkeit:

Ich propagiere die Strategie Mieten plus ETF-Depot nicht, weil ich Wohneigentum grundsätzlich für falsch halte. Sondern weil es für mich als Unternehmer sowie freiheitsliebender Mensch – und für Leute, die so ähnlich ticken wie ich – einfach nicht das Richtige ist.

Haus verkaufen – Teil I (geschrieben von Stephanie)

Immobilien Story 1

Ihr Blog hat mich sehr angesprochen, mit dem Schwerpunktthema “Eigenheim vs. Miete”, da ich mich aktuell damit auseinander setze und in Ihren Beiträgen eine genugtuende Bestätigung und meine Situation komplett wiederfinde.

Hier kurz meine Geschichte dazu:

Ich bin 30 Jahre jung, mein Lebensgefährte 33 Jahre jung. Wir wohnen im schönen Niedersachsen in einem 8.500 Seelen-Örtchen mit guter Versorgung und Angebot für Familienplanung und um sesshaft zu werden.

Diesen Plan haben wir auch verfolgt.

Im Jahre 2010 konnten wir für ca. 38.000 EUR (zu 3 %) ein erbpachtfreies Grundstück (650 qm) in guter Lage zu Kindergärten, Krankenhaus und Supermärkten ergattern.

Im Jahre 2013 (nach langer Planung und Organisation) erfolgte der erste Spatenstich und es wurde das 190qm-Putzhaus mit passendem Doppelcarport, schöner Rasenfläche und eingefassten Kiesbeeten darauf gesetzt. (Finanzierungssumme 260.000 EUR, bei 2,5 %)

Stichwort: emotionale Entscheidung für einen Lebensstil und ein Eigenheim! Weil ja ALLE ANDERN um uns herum das machen, müssen wir das doch auch machen!

Im Jahre 2014 bekam mein Lebensgefährte das Angebot, in eine gut laufende Werbeagentur mit rund einem Dutzend Mitarbeitern und festem Kundenstamm als Teilhaber einzusteigen.

Ziemlich “blauäugig” sind wir in das Projekt “Selbstständigkeit und Unternehmensführung” hinein gestolpert… Über Nacht wurde er plötzlich vom angestellten Mitarbeiter zum Unternehmer/Geschäftsführer mit der Verantwortung für die Mitarbeiter.

2015, 2016 und die Hälfte von 2017 waren nervlich anstrengende Jahre, die viele schlaflose Nächte gekostet haben, inklusive der dicken roten Zahl von ca. 290.000 EUR Darlehensschuld gegenüber der Bank auf dem Konto …

Finanziell waren die Monate ein Tanz auf der Rasierklinge.

Hausabtrag, Abtrag für die Teilhabe, Instandhaltungs- und Unterhaltungskosten und unvorhergesehenen Kosten in Form von BaFög-Rückzahlungen, Grundsteuernachzahlung, Gartengestaltung etc …

Aber leben wollte man ja schließlich auch noch… (auch wenn es ab dem 15. des Monats nur noch für KiK und Nudeln mit Ketchup gereicht hätte… “Danke lieber Dispo”)

Mitte 2017 nach einer schweren Beziehungskrise haben wir uns nun entschlossen, unser Eigenheim zu verkaufen.

Wir hängen beide nicht mit Herzblut an dem Objekt und im Nachhinein betrachtet, war die Finanzierung, die Verantwortung und die Entscheidung für diesen Lebensstil eine viel zu große Last!

Wir haben für uns festgestellt, dass wir nicht die klassischen Eigenheimbesitzer sind, die mit Bierchen & Bratwurst in ihrem eigenen Garten Freitags abends ihr Seelenheil finden!

Mein Lebensgefährte und ich müssen jobbedingt flexibel bleiben, wollen leben, reisen und unabhängig sein. Wir brauchen keine Altersvorsorge in Form eines Betonklotzes, in die wir die nächsten 30 Jahre einzahlen.

“Und DANN, WENN wir dann in Rente sind, dann machen wir alles, wofür wir jetzt nicht das Geld haben…”

Mit diesem Lebensstil, gebunden an ein Eigenheim, können wir in unseren besten Jahren nicht unser Humankapital weiter fortbilden, nicht reisen und neue Dinge erleben und uns inspirieren lassen.

Inspirationen und Zeit, die wir in der Kreativbranche brauchen, um Kraft zu tanken, Auszeiten zu nehmen und um “mit frischem Kopf” Kunden neue Konzepte, Lösungen und Ideen zu präsentieren und zu verkaufen.

Da der Markt schon in unserem kleinen beschaulichen Ort mehr Nachfrager als Angebot an Wohnraum hat (30 Baugrundstücke wurden 2017 vergeben, auf die in Summe 120 Bewerber kamen), sind wir in der glücklichen Situation, unser Eigenheim mit einem Plus von ca. 50.000 EUR verkaufen zu können. (Nach Abzug von Vorfälligkeitsentschädigung etc.)

Der neue Besitzer hat eine Kaufpreissumme (inkl. Maklercourtage) von 373.000 EUR “auf der Uhr” (Grunderwerbsteuer, Notarkosten und Kosten für Ausstattung, Möbel etc. noch nicht mit eingerechnet, ich denke “all in” wird sich das Ganze in Richtung 400.000 EUR bewegen …)

Wie Sie so schön beschreiben, keine Anlage ohne Risiko …

Eine Immobilie zu bauen, einzurichten und zu verkaufen wäre für mich auch keine Anlagestrategie, die ich noch einmal so verfolgen würde! Für uns ist sie aber Gott-sei-Dank nach 4 Jahren Quälerei und Entbehrung doch noch erfolgreich aufgegangen!

Unser privates Umfeld (die “Bierchen-und-Bratwurst-Freitagabend-Fraktion”) verfolgt unsere Entscheidung natürlich mit Kopfschütteln und dem altbekannten “die haben ja einen Vogel”.

Aber das ist uns sowas von egal! Wir freuen uns auf ein unbeschwertes, sorgenfreies, unabhängiges und verantwortungsfreies Leben, was unsere Wohnsituation betrifft.

Verantwortung für Personal, Umsätze und Erfolg tragen wir beide im Job schon genug!

Wir freuen uns auf unser neues Leben, ZUR MIETE, in einer 100 qm großen, neuen und hellen Penthousewohnung, mit Aufzugzugang, Blick (von zwei großen Balkonen gleichzeitig) auf den wunderbaren Dom im Örtchen und
KEINE VERANTWORTUNG!

Wir haben Zeit für uns, unsere Beziehung und Zeit für das, was UNS Spaß macht und uns gut tut.

Uns ist klar geworden, dass wir mit dem konservativen Bild einer Familie auf dem Lande, mit Haus, Hund und Garten komplett unglücklich sind.

Wir haben den Mut, diese Entscheidung rückgängig zu machen und uns ein neues und entspanntes Leben zu ermöglichen, was UNS glücklich macht und nicht die Menschen im Ort.

Ihre 80/20-Sparregel habe ich mir schon direkt notiert und fließt in unsere neue finanzielle und schuldenfreie Planung definitiv mit ein!

Auch werde ich mich nach dem Hausverkauf, der in Kürze final abgewickelt ist, intensiv mit dem Thema ETFs auseinandersetzen, da mir 50.000 EUR auf dem Tagesgeldkonto zu “parken” nicht weise erscheint!

Gern können Sie mich in Ihrem Blog als Beispiel PRO Miete/Contra Eigenheim zitieren, verwenden, beschreiben.

Ich danke Ihnen schon jetzt für weiteren Input zu dem Thema! Ich habe mich auch schon direkt für Ihren Newsletter angemeldet! :-)

Viele Grüße und schreiben Sie weiterhin auf Ihre unkomplizierte und “augenöffnende Art“.

Einmal Immobilie und zurück – Teil II (geschrieben von Karin)

Immobilien Story 2

Gerade letzten Freitag haben wir unser Eigenheim verkauft und wechseln ab April in den Mieterstatus. Es gab dafür natürlich mehrere Gründe, nicht nur finanzieller Art. Die Entscheidung fiel uns sehr schwer.

Aber das Buch von Gerd Kommer und dein Artikel bestätigen, dass es keine ganz dumme Idee war. Auch wenn sich alle Menschen, denen man davon erzählt, an den Kopf fassen („Wie kannst du nur das schöööne Haus verkaufen?“).

Ich habe mich mittlerweile gut über viele Themen informiert, versuche täglich etwas mehr finanzielle Intelligenz aufzubauen, und sehe die Sache deshalb einfach anders als vorher.

Mein Partner und ich gehen nun ganz entspannt und Zen-mäßig in Miete und versuchen, das Geld aus dem Hausverkauf ein Weilchen für uns arbeiten zu lassen.

Sollte sich die Lage auf dem Immobilienmarkt wieder entspannen, stehen wir vermutlich sehr gut da – im Gegensatz zu den Häuslebauern, die sich momentan mit sehr hohen Krediten für die teilweise überteuerten Immobilien belasten.

Dann können wir ggf. nochmals darüber nachdenken, ein Haus zu bauen – wenn wir zu dem Zeitpunkt überhaupt noch Lust dazu haben.

Die meisten Menschen (wie auch ich selbst) sind einfach mit der Häuslebauer-Mentalität aufgewachsen und haben niemals nachgerechnet, ob sich das wirklich lohnt.

Schade, dass die meisten von uns solche Artikel oder Bücher gar nicht erst lesen, um sich objektiv zu informieren. Ich hätte es früher, wie gesagt, auch nicht gemacht, da ich uuuunbedingt ein eigenes Haus haben wollte.

Jetzt habe ich mich mit der neuen Situation mehr als angefreundet und freue mich auf den Umzug.

  • Alfredi 4. März 2018, 14:24

    1.Immobilieneigentum ist nicht unbedingt ein Haus.
    2.Meine jetzt gekaufte ,selbstgenutzte Eigentumswohnung, ohne Kredit gekauft ,bringt mir verglichen zur jetzigen Miete 6.5% Bruttorendite risikofrei.Die mögliche Wertsteigerung in Uninähe nicht mitgerechnet.Auch wenn der Kauf teuer war,verglichen mit den derzeitigen exorbitanten Mieten (und keine Ende der Fahnenstange in Sicht),wenn man denn überhaupt was bekommt, war Kaufen die einzige Option.Wer ,wie Holger,in einer günstigen Wohnung sitzt und nicht von Eigenbedarf und Mietwucher bedroht ist,mag sich berechtigterweise wohl fühlen,ich tue es in meinem Mietshaus derzeit überhaupt nicht.
    3.Man kann viel fabulieren über mieten,Flexibilität,Verantwortung…..Fakt ist:
    Wer derzeit eine Mietwohnung sucht (die nicht gerade in der Uckermark liegt),kein kinderloses Professorenehepaar ist,sondern Kinder und Katzen hat,darf sich mit 300 Mitbewerbern (zu Mondmieten) herumschlagen.Einfach gesagt: NULL Chance!Dazu habe ich langjährige Erfahrungen mit gierigen,cholerischen,unverschämten Vermietern,die herumspionieren und sich in alles einmischen.
    Mein “Traumhaus” allerdings,das muß ich zugeben, entwickelte sich schnell zum Alptraum,den ich mit großem Verlust wieder abstossen mußte,da 2008 noch kein Immobilienboom war.Denn was der Hauskäufer oft nicht bedenkt: Ein Haus ist viel Arbeit und Verantwortung,das geht beim Schneeräumen los und hört beim Rasenmähen auf.
    Ich kann das Loblied auf Mietswohnungen nicht recht verstehen,auch hier kann man Glück oder Pech haben mit Nachbarn und Vermietern.Heutzutage einfach so mal umziehen geht im Zweifelsfall auch nicht mehr,der Markt ist einfach dicht.

  • Lejero 4. März 2018, 16:50

    Na wenn das nicht zweimal Artikel pro Eigenheim sind!
    Beide haben ein Eigenheim gekauft, mehrere Jahre mietfrei gewohnt und jetzt steuerfrei mit Gewinn verkauft! Top-Investment!

  • @lejero 4. März 2018, 20:08

    Na lejero, dann hast du hör bisher nix gelernt. Die beiden Beispiele muss man zeitlich verorten. Das ganze sieht womöglich schon ganz anders aus, wenn du jetzt baust und in ( Jahren verkaufen willst. Nach deiner Logik sind auch Bitcoins immer noch die beste Wahl schlechthin.

    • Lejero 5. März 2018, 09:09

      Lieber @lejero,
      Danke für den Hinweis das ich nichts gelernt habe, jetzt verstehe ich gleich viel mehr!
      Zum Inhalt: wenn ich das “zeitlich verorten” muss, dann gehst du davon aus, dass Markettiming funktioniert, ansonsten wäre jetzt genauso ein guter oder schlechter Zeitpunkt wie morgen oder in einem Jahr. Ich denke, dass weder bei Immobilien noch bei Aktien ein Markettiming möglich ist. Und auch für Bitcoin gilt natürlich: wenn du vor 2 Jahren gekauft hast und jetzt verkaufst hast du doch alles richtig gemacht!
      Worauf ich hinaus möchte: zumindest beim ersten Beispiel war das Problem nicht die eigengenutzte Immobilie, sondern die massive Verschuldung (eigentlich Überschuldung). Die ist allerdings genauso tödlich wenn du sie für Aktien oder ein sonstiges Investment eingehst. Ich persönlich habe sowohl ETF, als auch eigengenutzte Immobilie und Immobilien zur Kapitalanlage sowie alternative Investments. Ist alles gut und erfüllt seinen spezifischen Zweck, ich verstehe dieses ganze ETF vs. Immobilie nicht. Einfach beides machen! Und wenn das noch nicht geht, dann bin ich auch für den Start mit ETF.
      Viele Grüße,
      Lejero

  • Philipp 5. März 2018, 14:54

    Ich habe mit Partner in den letzten 6 Jahren in Muenchen, London und Luxemburg gewohnt. Besonders in London wurden wir als wahnsinnig bezeichnet, nicht gekauft zu haben. Die Preise steigen doch immer (die britische Regierung buergt zur Zeit fuer 15% des 20% Eigenkapitals um die Blase ein bisschen zu befeuern. Kann sich ja sonst keiner leisten).
    In der gleichen Zeit haette ein dressierter Affe 20% pro Jahr am Aktienmarkt gemacht, wenn man statt BMW einfach Nasdaq Aktien gekauft hat. Das Risiko habe ich dabei geringer eingeschaetzt als bei einem Haus in Muenchen, London oder Luxembourg.
    Das wichtigste Argument gegen ein Eigenheim ist jedoch die Arbeit. Selbst wenn ich es als gesichert ansehe, dass die Rendite hoeher ist, ist es auch gesichert, dass es eine Menge arbeit ist. Die Arbeit investiere ich lieber in meinen Job und gehe davon aus das der ROI meiner Arbeitsstunden dort besser angelegt ist als wenn ich als Projektmanager meines Hauses dem Garten- und Landschaftsbauer hinterherlaufen muss. Ich mag mich irren, aber ich kann auf jeden Fall besser schlafen. Und wenn das naechste mal die Heizung kaputt ist, nehm ich mir eine Nacht ein Hotel und schreib meinem Vermieter eine e-mail. Fertig. Selbst der Gedanke beim Kauf eines Eigenheims loest bei mir schon Stress aus.
    Ich sehe es deshalb nicht als “falsch” oder “richtig” an. Wenn mir der Hauskauf und das drumherum spass machen wuerde, waere das natuerlich vollstaendig anders anzusehen.

    • Holger Grethe 5. März 2018, 15:26

      Großartiger Kommentar!

    • Bettina 6. März 2018, 00:34

      tja, Holger, Philipp, kann wie immer nur beipflichten
      wenn ich lieber meine Zeit in Arbeit rund um mein Eigenheim stecke, bitte, dann tue ich das
      aber, liebe Eigentumsbesitzer, bitte hört endlich auf, alle, die kein Haus wollen, als blöd zu titulieren, es ist meine eigene Entscheidung

    • Capri 10. März 2018, 19:27

      Ich bin voll bei dir, Philipp. Ich denke, die Energie die in all den Themen rund um das Haus verloren geht, wird zu oft vergessen. Was da perse eigentlich an Opportunitätsrendite verloren geht,… . Deswegen ist das Thema eigentlich grundsätzlich nur für Menschen mit entsprechenden handwerklichen Beruf + Kontakten absolut optimal. Win-Win Situation in jeder Situation.

      Ich stehe dem Hauskauf neutral gegenüber. Ich empfehle lieber in den 20 bis 30er Jahren beruflich ordentlich Gas zu geben, seine Zeit mit den Kinder&Frau zu geniessen und ordentlich anzusparen. Jeder Euro spart Unmengen an Kreditzinsen.

      Und dann, wenn die wilde Zeit etwas rum ist, noch mal zu schauen, ob man nicht jetzt Lust auf die eigenen vier Wände hat.

      Letzteres lass ich persönlich den Aktienmarkt dann mitentscheiden. Sollte da alles DOWN sein, passt das auch.

  • Christopher 6. März 2018, 14:45

    @Lejero
    Also mietfrei ist anders, wenn im ersten Beispiel 260.000 Euro bei 2,5% Zins aufgenommen wurden.

    Wir erinnern uns:

    Miete + Sparen = Zins + Tilgung + Instandhaltung

    Ob Miete oder Zins….beides ist Geld was nicht mehr dir ist.

    VG

    Christopher

  • Chris 7. März 2018, 14:05

    Hey,
    ich schreibe zu dem Thema gerade eine Bachelorarbeit und es ist sooo vielschichtig, der Blog hat mir hier schon weitergeholfen!.Ich habe übrigens noch keine Ahnung, was am Ende bei der Frage Mieten oder Kaufen auf Grund der AKTUELLEN Markt und Leitzinsentwicklung rauskommt. Spannend finde ich , dass der Demographische Wandel durch den Zuwachs der Einwohner in Deutschland auch nochmal anders verlaufen kann. Let’s see, Bitte mehr davon.
    Gruß
    chris

  • SventeFuente 9. März 2018, 09:36

    Hallo zusammen,

    zum ursprünglichen Text:
    In meinen Augen scheint der Verkauf des Eigenheims vorschnell passiert zu sein. Auf den ersten Blick habt ihr aber auch einen schlechten Kredit abgeschlossen (2,5%). Wahrscheinlich seid ihr mit sehr wenig Eigenkapital da reingegangen. Selbst damals (2013) waren die Zinsen schon im Keller und ihr hättet knapp über 1% zahlen müssen, wenn etwas mehr Eigenkapital vorhanden gewesen wäre. Vielleicht hätte man im Nachhinein den Kredit umschichten können.
    Weiterhinn wird von “unvorhergesehenen” Kosten gesprochen wie BaföG-Rückzahlung und Gartengestaltung… Also BaföG-Rückzahlung fällt nicht vom Himmel. Die informieren recht orfentlich und rechtzeitig, dass das Geld zurückgezahlt werden muss. Als Akademiker sollte man damit rechnen können. Mit Akademikergehalt sollte es eigentlich auch kein Problem sein… Und Gartengestaltung beauftragt man selbst. Auch die Kosten sind nicht unvorhergesehen. Vielleicht wäre hier ein bisschen DoItYourself-Mentalität hilfreich gewesen.
    Aber das habt ihr wohl auch nicht hinbekommen. Normalerweise sind die Nachbarn in einem solchen Wohngebiet recht hilfsbereit und sogar etwas versiert, so dass man zumindest hätte fragen können, wie der Garten gestaltet wird.
    Zu guter letzt habt ihr dann eure Immobilie auch noch über einen Makler verkauft! Warum?? Warum soll dieser Klientel das Geld in den Rachen geworfen werden. Der Käufer von eurem Ex-Grundstück und Besitz darf nun rund 20-25 tsd. Euro (zwanzig bis fünfundzwanzigtrausend Euro) für den Makler bezahlen! Womit ist das gerechtfertigt. Seid für den Käufer doch kein “Arsch” (das ist nicht beleidigend germeint!) und verkauft eure Immobilie OHNE Makler.

    Aber wie ihr schon für euch festgestellt habt, seid ihr nicht die geborenen Eigenheimbesitzer. Es muss alles mundgerecht zugeschnitten sein. Hoffentlich übernehmt ihr euch nicht mit der Geschäftsführung. Diese Verantwortung ist weit aus größer. Und:
    rechnen hilft. Wenn Mitte des Monats nur noch Nudeln mit Ketchup serviert werden, habt ihr euch eindeutig übernommen. Das sollte keinesfalls generell den Kauf einen Eigenheims schlechtmachen.

    VG
    SventeFuente

  • whiro 9. März 2018, 10:34

    @Stephanies Geschichte: Hier ist auch neben der emotionalen Einstellung etwas falsch gelaufen….
    Auch wenn ich glaube, dass man es nicht erwähnen braucht: Nicht unter Druck setzen lassen von dem, was andere machen! Das ist IMMER eine persönliche Entscheidung!

    Zum Text: Schlaflose Nächte kommen doch von der Selbständigkeit und nicht von der Immobilie, bzw. der “dicken roten Zahl […] Darlehenschuld”? Ich hab doch als Eigenheimbesitzer meine “Miete” für die nächsten Jahre (Absicherung bis zur Volltilgung) kalkulierbar, der Mieter (wegen Mietpreiserhöhung/Kündigung) nicht. Ob man das Geld für die Bank oder den Vermieter aufbringt: Man muss das Geld jeden Monat haben….

    unvorhergesehene Kosten: Klar, können passieren, aber dafür sollte man sich gerade als Immobilienbesitzer auch einen Puffer (Tagesgeld) zulegen. Die hier genannten Beispiele verstehe ich allerdings nicht? Grundsteuernachzahlung? Warum? Wurde da etwas falsch berechnet? Die Grundsteuer ist doch beim Kauf kalkulierbar…. Gartengestaltung? Ich weiß doch, ob diese im Kaufpreis mit drin ist oder kann diese (selbst vor Hauskauf anhand der Grundstücksgröße!!!) kalkulieren… Klar kommt bei einem Hausbau immer etwas dazu, aber auch da muss ein Puffer her…

    So unterschiedlich kann das emotional sein! Für mich war die Unsicherheit der Mietwohnung Last, zugegeben keine große, aber ich Fühle mich jetzt deutlich wohler…

    Warum kann man als Immobilienbesitzer sein “Humankapital [nicht] weiter fortbilden, nicht reisen und neue Dinge erleben”? Klar sind das Ausgaben, aber es sollte keinen Unterschied machen, ob man dann weniger ins ETF-Depot einzahlt oder weniger tilgt (Die Tilgung sollte so angesetzt sein, dass man sich diese Dinge trotzdem leisten kann, aber auch Tilgungsveränderungen sind möglich….)

    Der neue Besitzer kommt wahrscheinlich nicht mit 400.000€ aus…
    Ich gehe aus von 360.000€ Kaufpreis, 13.000€ Maklergebühr (3,57% üblich), 23.400€ Grunderwerbsteuer (6,5% in den meisten Bundesländern), 5400€ Notar- und Grundbuchkosten (lt. Rechner), womit wir schon bei 401.800€ wären… Neue Möbel, Küche, Gartengestaltung, Renovierung etc. muss man natürlich auch berücksichtigen…

    Fazit: Ich gehe davon aus, dass hier (wie leider oft) falsch kalkuliert wurde… Man muss sich schon der reellen Belastung im klaren sein, die sollte nicht (viel) höher sein als zur Miete (ohne Tilgung sollte die Belastung meiner Meinung nach etwas niedriger sein als zur Miete!). Ich bin aber froh, dass Stephanie + Partner erkannt haben, dass Sie so nicht glücklich sind und sich positiv verändern konnten!

    @Karins Geschichte:
    Schon schwieriger… Wenn euch die Entscheidung sehr schwer gefallen ist und ihr erwägt, irgendwann mal wieder Eigentum zu erwerben, frage ich mich, warum verkauft wurde… Ihr scheint dann ja die “Häuslebauer-Mentalität” nicht gänzlich abgelegt zu haben und könntet einen Verkauf noch bereuen (was ich euch natürlich nicht wünsche!). Denn dieses “wenn sich der Markt entspannt hat” ist wieder Market Timing und funktioniert nicht… Klar, Immobilien haben nicht diese tägliche Volatilität wie Aktien, aber woran erkennt man denn, dass sich der Markt entspannt hat? Das ist schwierig bis unmöglich und ob wir aktuell eine Blase haben oder nicht (und ob diese enden wird?)- darüber kann man streiten…

    @Alfredi:
    Wie auch bei dir war bei den in Frage kommenden Objekten die ohnehin schon bescheidene Kaufauswahl noch höher als die Mietauswahl…. Wir hatten dann sehr viel Glück beim Verkäufer zum Zuge zu kommen…
    Und ja, ein Haus macht auch Arbeit… Aber ich kann entscheiden, was gemacht wird und wie ich es mache… Schneeräumen und Rasenmähen? Das muss doch der Mieter auch! Aber was ist, wenn die Gartenhütte auseinanderfällt und der Vermieter sich nicht drum kümmern will? Nur als Beispiel…

    @Lejero: Ich bin deiner Meinung und weiß auch nicht, warum alle schreiben, man dürfe nicht in ETF sparen, solange man noch schulden hat…. Ob ich meine Immobilie jetzt 2 Jahre früher oder später abbezahlt habe (nur als Beispiel), interessiert doch eigentlich nicht. Und wenn die abbezahlt ist, soll ich dann 1000€ monatlich in einen ETF stecken? dann doch lieber schon früher mit 25,50,100€ anfangen und auch den ein oder anderen Crash aushalten. Die monatliche Rate kann ja bei Bedarf angepasst werden, Hauptsache anfangen!

    @Philipp: zu der kaputten Heizung: Was, wenn der Vermieter sich weigert, die Hotelrechnung zu bezahlen? Rechtsschutz? Ist immer die Frage, ob sich das überhaupt lohnt bei kleinen Beträgen… Und ob der Vermieter einen dann nicht raus haben will…
    Als Eigentümer rufe ich meine Wohngebäudeversicherung an, die eine Notheizung bezahlt….

    @Christopher:
    wer weiß, wie hier gerechnet wurde… Ich gehe allerdings davon aus, dass ALLE Hauskosten (auch Gartengestaltung, etc….) berücksichtigt wurden, allerdings tatsächlich ohne Zinsen und Tilgung…. Ich möchte den Gewinn nicht bezweifeln, aber ich (und wohl auch Leyero) hätte anders gerechnet und die Zinsen abgezogen…

  • Richard 9. März 2018, 13:42

    1993 kauften wir unser Haus nach langem Kampf um den Preis mit einer Erbengemeinschaft. Das Haus, am östlichen Rand von Berlin, Bj. ca. 1930, war in einem desolaten Zustand: Dach, Elektro, Fenster, Sanitär, Fliesen, Heizung – praktisch alles musste erneuert werden. Dazu feuchte Wände im Keller und Garage. Wir kauften damals für 120.000 DM und haben neben der Grunderwerbssteuer noch etwa 150.000 DM investiert. 1997 war alles außer den Außenanlagen fertig. 2014 neuer Wasserkessel und die Außenanlagen (Pflastern, Zaun) erneuert. Bereits da war sichtbar, das die Dachziegel bereits wieder anfingen, undicht zu werden.
    Ein altes Haus wird kein neues, auch wenn man viel investiert. Es bleibt ein altes Haus.
    Wir hatten seit 1986 in diesem Haus gewohnt, ein langes Leben mit Kindern und eine schöne Zeit nahe am Wald und vieler Seen. Trotzdem nervt es, wenn man immer wieder sein Geld in ein Haus stecken muss, um es zu erhalten. Mietfrei wohnen ist das also nicht! Klingt aber gut!
    2016 im Sommer haben wir verkauft und sind in eine Mietwohnung nach Berlin gezogen. Der Verkauf brachte 210.000 € Wir denken, das die Rendite gut war. Jetzt leben wir sorgenfreier und können unseren Lebensabend genießen und reisen. Natürlich gibt es Leute, die den Verkauf nicht verstehen. Das ist deren Sache. Für uns war es der richtige Schritt, bevor wir kränklich oder gar gebrechlich werden.

  • Tobee 9. März 2018, 14:09

    Ist schon besser vor dem Kauf den Taschenrechner zu bemühen und über die Arbeit die sowas mit sich bringt. Bei mir entsprechen die Raten in etwa der Kaltmiete. Zinsen sind niedrig aber trotzdem schauen das man schnell fertig ist und (Sonder-) tilgen was geht. Seit ich vor vier Jahren gekauft habe sind die Preise über 20% gestiegen. Der Baugrund kostete 1968 rund 60DM/m² heute sind es über 300€. Es kommt eben immer vor allem auf die Lage an wie jeder Immobilienmakler weiss.

  • Torben 9. März 2018, 16:12

    Hallo zusammen, immer wieder schön das Thema Kauf vs. Miete. Hier kollidieren regelmäßig “Zahlenökonomie” und Life-Style. Es gibt so viele Lebensläufe wie Menschen, das Leben ist komplex, nicht kompliziert. Daher macht die Frage Kaufen oder Mieten nur im Einzelfall Sinn, allgemein gestellt ist es die falsche Frage, es gibt einfach keine allgemein gültige richtige Antwort.

    Meine Geschichte ganz kurz: Bis Mitte 30 in ein Depot (Aktien/Fonds/ETF) gespart, dann Immobilie gekauft (Teil finanziert), Depot erhalten. Kann gut schlafen.

  • Guybrush 10. März 2018, 00:28

    Die Diskussion um Kauf/Miete kommt mir immer vor, wie ein Streit zwischen Vogel und Fisch: der Fisch will den Vogel vom Leben im Wasser überzeugen und der Vogel rät dem Fisch sich doch in die Lüfte zu erheben, weil man da so toll frei ist. Müßig. Jedem das Seine. Ich hab mich fürs Haus entschieden, da ich ein solches nie mieten könnte und mit/aus einem gemieteten Haus auch nie das machen kann, was ich mit Eigentum tun kann. Nebenbei spare ich in ETFs. Nein, es geht nicht dreimal im Jahr für je über 3-4 Tausend EUR in den Urlaub, sondern ‚nur‘ 1-2 mal- und das idR für deutlich weniger. Aber darüber definiert sich mein Glück auch nicht.