Zendepot Blog

„Wie kannst du nur das schöne Haus verkaufen?“

Letzte Aktualisierung
4. März 2018

Zu meinem Blogartikel mit dem Titel „Wie du als Mieter reich wirst“, habe ich bemerkenswerte Zuschriften von zwei Leserinnen bekommen.

(Die ich deswegen an dieser Stelle gerne veröffentliche.)

Beide schildern auf authentische Weise, warum der Kauf eines Eigenheims vor allem eine Entscheidung für einen gewissen Lifestyle ist.

Und das Haus verkaufen die Lösung sein kann …

…wenn man irgendwann feststellt, dass die Immobilie doch nicht so gut zum Lebenskonzept passt (wie zuvor erwartet).

Bevor die Immobilienfans ins Hyperventilieren geraten und mir einmal mehr vorwerfen, Betongold schlecht zu reden. Hier noch einmal in aller Deutlichkeit:

Ich propagiere die Strategie Mieten plus ETF-Depot nicht, weil ich Wohneigentum grundsätzlich für falsch halte. Sondern weil es für mich als Unternehmer sowie freiheitsliebender Mensch – und für Leute, die so ähnlich ticken wie ich – einfach nicht das Richtige ist.

Haus verkaufen – Teil I (geschrieben von Stephanie)

Ihr Blog hat mich sehr angesprochen, mit dem Schwerpunktthema „Eigenheim vs. Miete“, da ich mich aktuell damit auseinander setze und in Ihren Beiträgen eine genugtuende Bestätigung und meine Situation komplett wiederfinde.

Hier kurz meine Geschichte dazu:

Ich bin 30 Jahre jung, mein Lebensgefährte 33 Jahre jung. Wir wohnen im schönen Niedersachsen in einem 8.500 Seelen-Örtchen mit guter Versorgung und Angebot für Familienplanung und um sesshaft zu werden.

Diesen Plan haben wir auch verfolgt.

Im Jahre 2010 konnten wir für ca. 38.000 EUR (zu 3 %) ein erbpachtfreies Grundstück (650 qm) in guter Lage zu Kindergärten, Krankenhaus und Supermärkten ergattern.

Im Jahre 2013 (nach langer Planung und Organisation) erfolgte der erste Spatenstich und es wurde das 190qm-Putzhaus mit passendem Doppelcarport, schöner Rasenfläche und eingefassten Kiesbeeten darauf gesetzt. (Finanzierungssumme 260.000 EUR, bei 2,5 %)

Stichwort: emotionale Entscheidung für einen Lebensstil und ein Eigenheim! Weil ja ALLE ANDERN um uns herum das machen, müssen wir das doch auch machen!

Im Jahre 2014 bekam mein Lebensgefährte das Angebot, in eine gut laufende Werbeagentur mit rund einem Dutzend Mitarbeitern und festem Kundenstamm als Teilhaber einzusteigen.

Ziemlich „blauäugig“ sind wir in das Projekt „Selbstständigkeit und Unternehmensführung“ hinein gestolpert… Über Nacht wurde er plötzlich vom angestellten Mitarbeiter zum Unternehmer/Geschäftsführer mit der Verantwortung für die Mitarbeiter.

2015, 2016 und die Hälfte von 2017 waren nervlich anstrengende Jahre, die viele schlaflose Nächte gekostet haben, inklusive der dicken roten Zahl von ca. 290.000 EUR Darlehensschuld gegenüber der Bank auf dem Konto …

Finanziell waren die Monate ein Tanz auf der Rasierklinge.

Hausabtrag, Abtrag für die Teilhabe, Instandhaltungs- und Unterhaltungskosten und unvorhergesehenen Kosten in Form von BaFög-Rückzahlungen, Grundsteuernachzahlung, Gartengestaltung etc …

Aber leben wollte man ja schließlich auch noch… (auch wenn es ab dem 15. des Monats nur noch für KiK und Nudeln mit Ketchup gereicht hätte… „Danke lieber Dispo“)

Mitte 2017 nach einer schweren Beziehungskrise haben wir uns nun entschlossen, unser Eigenheim zu verkaufen.

Wir hängen beide nicht mit Herzblut an dem Objekt und im Nachhinein betrachtet, war die Finanzierung, die Verantwortung und die Entscheidung für diesen Lebensstil eine viel zu große Last!

Wir haben für uns festgestellt, dass wir nicht die klassischen Eigenheimbesitzer sind, die mit Bierchen & Bratwurst in ihrem eigenen Garten Freitags abends ihr Seelenheil finden!

Mein Lebensgefährte und ich müssen jobbedingt flexibel bleiben, wollen leben, reisen und unabhängig sein. Wir brauchen keine Altersvorsorge in Form eines Betonklotzes, in die wir die nächsten 30 Jahre einzahlen.

„Und DANN, WENN wir dann in Rente sind, dann machen wir alles, wofür wir jetzt nicht das Geld haben…“

Mit diesem Lebensstil, gebunden an ein Eigenheim, können wir in unseren besten Jahren nicht unser Humankapital weiter fortbilden, nicht reisen und neue Dinge erleben und uns inspirieren lassen.

Inspirationen und Zeit, die wir in der Kreativbranche brauchen, um Kraft zu tanken, Auszeiten zu nehmen und um „mit frischem Kopf“ Kunden neue Konzepte, Lösungen und Ideen zu präsentieren und zu verkaufen.

Da der Markt schon in unserem kleinen beschaulichen Ort mehr Nachfrager als Angebot an Wohnraum hat (30 Baugrundstücke wurden 2017 vergeben, auf die in Summe 120 Bewerber kamen), sind wir in der glücklichen Situation, unser Eigenheim mit einem Plus von ca. 50.000 EUR verkaufen zu können. (Nach Abzug von Vorfälligkeitsentschädigung etc.)

Der neue Besitzer hat eine Kaufpreissumme (inkl. Maklercourtage) von 373.000 EUR „auf der Uhr“ (Grunderwerbsteuer, Notarkosten und Kosten für Ausstattung, Möbel etc. noch nicht mit eingerechnet, ich denke „all in“ wird sich das Ganze in Richtung 400.000 EUR bewegen …)

Wie Sie so schön beschreiben, keine Anlage ohne Risiko …

Eine Immobilie zu bauen, einzurichten und zu verkaufen wäre für mich auch keine Anlagestrategie, die ich noch einmal so verfolgen würde! Für uns ist sie aber Gott-sei-Dank nach 4 Jahren Quälerei und Entbehrung doch noch erfolgreich aufgegangen!

Unser privates Umfeld (die „Bierchen-und-Bratwurst-Freitagabend-Fraktion“) verfolgt unsere Entscheidung natürlich mit Kopfschütteln und dem altbekannten „die haben ja einen Vogel“.

Aber das ist uns sowas von egal! Wir freuen uns auf ein unbeschwertes, sorgenfreies, unabhängiges und verantwortungsfreies Leben, was unsere Wohnsituation betrifft.

Verantwortung für Personal, Umsätze und Erfolg tragen wir beide im Job schon genug!

Wir freuen uns auf unser neues Leben, ZUR MIETE, in einer 100 qm großen, neuen und hellen Penthousewohnung, mit Aufzugzugang, Blick (von zwei großen Balkonen gleichzeitig) auf den wunderbaren Dom im Örtchen und
KEINE VERANTWORTUNG!

Wir haben Zeit für uns, unsere Beziehung und Zeit für das, was UNS Spaß macht und uns gut tut.

Uns ist klar geworden, dass wir mit dem konservativen Bild einer Familie auf dem Lande, mit Haus, Hund und Garten komplett unglücklich sind.

Wir haben den Mut, diese Entscheidung rückgängig zu machen und uns ein neues und entspanntes Leben zu ermöglichen, was UNS glücklich macht und nicht die Menschen im Ort.

Ihre 80/20-Sparregel habe ich mir schon direkt notiert und fließt in unsere neue finanzielle und schuldenfreie Planung definitiv mit ein!

Auch werde ich mich nach dem Hausverkauf, der in Kürze final abgewickelt ist, intensiv mit dem Thema ETFs auseinandersetzen, da mir 50.000 EUR auf dem Tagesgeldkonto zu „parken“ nicht weise erscheint!

Gern können Sie mich in Ihrem Blog als Beispiel PRO Miete/Contra Eigenheim zitieren, verwenden, beschreiben.

Ich danke Ihnen schon jetzt für weiteren Input zu dem Thema! Ich habe mich auch schon direkt für Ihren Newsletter angemeldet! :-)

Viele Grüße und schreiben Sie weiterhin auf Ihre unkomplizierte und „augenöffnende Art“.

Einmal Immobilie und zurück – Teil II (geschrieben von Karin)

Gerade letzten Freitag haben wir unser Eigenheim verkauft und wechseln ab April in den Mieterstatus. Es gab dafür natürlich mehrere Gründe, nicht nur finanzieller Art. Die Entscheidung fiel uns sehr schwer.

Aber das Buch von Gerd Kommer und dein Artikel bestätigen, dass es keine ganz dumme Idee war. Auch wenn sich alle Menschen, denen man davon erzählt, an den Kopf fassen („Wie kannst du nur das schöööne Haus verkaufen?“).

Ich habe mich mittlerweile gut über viele Themen informiert, versuche täglich etwas mehr finanzielle Intelligenz aufzubauen, und sehe die Sache deshalb einfach anders als vorher.

Mein Partner und ich gehen nun ganz entspannt und Zen-mäßig in Miete und versuchen, das Geld aus dem Hausverkauf ein Weilchen für uns arbeiten zu lassen.

Sollte sich die Lage auf dem Immobilienmarkt wieder entspannen, stehen wir vermutlich sehr gut da – im Gegensatz zu den Häuslebauern, die sich momentan mit sehr hohen Krediten für die teilweise überteuerten Immobilien belasten.

Dann können wir ggf. nochmals darüber nachdenken, ein Haus zu bauen – wenn wir zu dem Zeitpunkt überhaupt noch Lust dazu haben.

Die meisten Menschen (wie auch ich selbst) sind einfach mit der Häuslebauer-Mentalität aufgewachsen und haben niemals nachgerechnet, ob sich das wirklich lohnt.

Schade, dass die meisten von uns solche Artikel oder Bücher gar nicht erst lesen, um sich objektiv zu informieren. Ich hätte es früher, wie gesagt, auch nicht gemacht, da ich uuuunbedingt ein eigenes Haus haben wollte.

Jetzt habe ich mich mit der neuen Situation mehr als angefreundet und freue mich auf den Umzug.

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Autor: Holger Grethe
Holger hat Zendepot Anfang 2013 gegründet und dort als einer der ersten deutschen Blogger regelmäßig über passives Investieren mit ETFs und weitere Finanzthemen informiert. Im Juni 2021 beschloss Holger, das Projekt Zendepot für sich abzuschließen, um sich auf sein Kerngeschäft, die eigene Praxis, zu konzentrieren. Die Beiträge von Holger können jedoch weiterhin im Zendepot-Blog abgerufen werden.
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