5 Anlagestrategien im Vergleich: Welche ist die Richtige für dich?

5 Anlagestrategien im Vergleich: Welche ist die Richtige für dich?

Es gibt unbestritten viele Wege, sein Geld anzulegen und Vermögen zu bilden:

Man kann aktiv oder passiv investieren, in einzelne Aktien oder in Fonds, es geht mit Immobilien und auch ohne.

Verständlicherweise hält jeder sein System für das Richtige und möchte andere davon überzeugen, den gleichen Weg zu gehen.

Von diesem Phänomen nehme ich mich selbst nicht aus, gar keine Frage.

Deshalb will ich versuchen, ein wenig Objektivität in die Angelegenheit zu bringen.

Und stelle in diesem Artikel fünf populäre Anlagestrategien unter Berücksichtigung wichtiger Gesichtspunkte wie Kosten, Zeitaufwand und Risikostreuung einander gegenüber:

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Anlagestrategien im Vergleich

Kurzer Hinweis vorab: Meine Betrachtungen stellen nicht die reine Lehre dar, die Übergänge zwischen den Strategien sind teilweise fließend und die Grenzen dadurch zwangsläufig willkürlich gewählt.

Anlagestrategie 1: Aktives Investieren in Einzelaktien

Unter dieser Strategie subsumiere ich alle Börsenanleger, die entweder selbst direkt in Aktien investieren, einen Vermögensverwalter damit beauftragen oder klassische Investmentfonds kaufen.

Allen Varianten liegt der Glaube zugrunde, vielversprechende Aktien aus dem Gesamtangebot des Marktes herauspicken und zu günstigen Zeitpunkten kaufen respektive verkaufen zu können.

Erklärtes Ziel ist die Outperformance, man will also besser abschneiden als “der Markt”, sprich: der Durchschnitt aller Anleger.

Deshalb muss ständig gehandelt werden, um Gewinne durch gut laufende Titel mitzunehmen und Verluste durch schlecht laufende Papiere zu minimieren.

Merkmale: Stock-Picking und Market Timing

Anlagehorizont: kurz bis mittelfristig (Monate bis Jahre)

Kosten: hoch – durch die Transaktionsgebühren, die beim häufigen Handeln entstehen (bei klassischen Investmentfonds kommt noch eine Verwaltungsgebühr von durchschnittlich 1,8 Prozent p.a. hinzu)

Zeitaufwand: hoch – durch notwendige Recherchen und häufiges Handeln

Risikostreuung: gering – durch fehlende systematische Diversifikation (der Fokus liegt auf den Kursgewinnen, die einzelne Wertpapiere versprechen)

Renditeerwartung: unterdurchschnittlich (unter Berücksichtigung der Kosten), selbst die meisten Profis (Fondsmanager) scheitern mit dieser Strategie auf lange Sicht.

Bewertung: Durch den hohen Zeitaufwand bei unterdurchschnittlicher Renditeerwartung ergibt diese Anlagestrategie wohl nur für Leute Sinn, die sich einfach gerne mit der Börse beschäftigen und unbeirrt der Vorstellung nachhängen, dass es an der Börse in erster Linie auf das Können des Investors ankommt.

Anlagestrategie 2: Trading

Während die Anhänger der zuerst genannten Strategie sich in der Regel eingehend mit den von ihnen ausgewählten Wertpapieren beschäftigen und dabei nicht selten auf der Suche nach einer guten “Investmentstory” sind, spielt dieser Aspekt für echte Trader kaum eine Rolle.

Trader schauen allein auf nackte Zahlen und diverse Handelssignale, die Aussicht auf erfolgreiche “Trades” versprechen. In was ein Trader investiert, ist ihm oder ihr tendenziell Wurst.

Hauptsache es bringt viel Geld. Und das ziemlich zügig. Ziel sind Renditen im mindestens zweistelligen Bereich, also alles ab Minimum 20 Prozent aufwärts. Pro Jahr versteht sich.

Die Palette der Trading-Strategien reicht vom ausgeklügelten, computerisierten Handelssystem über Day-Trading mit Aktien, ETFs und Derivaten bis hin zur banalen Zockerei mit binären Optionen.

Merkmale: Stock-Picking und Market Timing, Handelssignale (auf Basis von Chartanalysen)

Anlagehorizont: extrem kurz (Minuten bis Stunden) bis kurz (Tage, Wochen, ggf. wenige Monate bei Handelssystemen)

Kosten: hoch – durch viele Trades und die damit verbundenen Transaktionsgebühren

Zeitaufwand: hoch – da Geld nur bei Präsenz am Computer verdient werden kann (Tausch von Zeit gegen Geld); Ausnahme: (teil)automatisierte Handelssysteme

Risikostreuung: praktisch nicht vorhanden durch “Alles auf eine Karte”-Prinzip; Ausnahme: Handelssysteme mit Long- und Short-Seite (dabei wird sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse gesetzt)

Renditeerwartung: für die meisten Trader wird die von ihnen angestrebte Rendite bestenfalls kurzzeitig, kaum aber auf Dauer erreichbar sein

Bewertung: Für 99 Prozent aller Privatanleger ist Trading nicht die Strategie der Wahl für den langfristigen Vermögensaufbau. Der überdurchschnittlichen Renditeerwartung stehen hohe Verlustrisiken gegenüber. Ein paar Fehler können so schnell ein Vermögen kosten.

Anlagestrategie 3: Passives Investieren in Einzelaktien

Natürlich lässt sich auch ohne spekulativen Ansatz in Aktien investieren. In diese Kategorie fallen Dividendenstrategen und andere Value-Investoren.

Anhänger der Dividendenstrategie wählen gezielt Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite für ihr Portfolio aus, wodurch regelmäßige Ausschüttungen (“Cash-flow”) garantiert sind.

Value-Investoren hingegen suchen gezielt nach unterbewerteten Unternehmen, deren Potential für Kursanstiege sie aufgrund der Fundamentalanalyse als hoch einstufen.

Merkmale: Stock-Picking und buy-and-hold

Anlagehorizont: lang (Jahre bis Jahrzehnte)

Kosten: gering

Zeitaufwand: unterschiedlich – je nach Recherche-Intensität und Zahl der Einzeltitel im Portfolio

Risikostreuung: gering bis mittel – abhängig von der Portfoliogröße und etwaiger Übergewichtung von Branchen und Regionen

Renditeerwartung: Durch den buy-and-hold-Ansatz langfristig gut (als Orientierungspunkt kann die langfristige Durchschnittsrendite des Aktienmarkts dienen – siehe Strategie 4)

Bewertung: Für den Vermögensaufbau von Privatanlegern mit Abstrichen (Zeitaufwand, eingeschränkte Diversifikation) geeignet.

Anlagestrategie 4: Passives Investieren mit Indexfonds (ETFs)

Die Idee des Passiven Investierens basiert darauf, in alle Aktien – den Markt im Ganzen – zu investieren und die Wertpapiere langfristig zu halten.

Da man praktisch gesehen nicht in alle Aktien, die es gibt, investieren kann, wählt man diejenigen Unternehmen, die den Markt so gut wie möglich repräsentieren. Diese Aktien sind in Börsenindizes enthalten.

Eine Investition in Indizes wiederum ist durch den Kauf von börsengehandelten Indexfonds (ETFs = Exchange Traded Funds) möglich.

Merkmale: buy-and-hold und Diversifikation

Anlagehorizont: lang (20+ Jahre)

Kosten: gering (die Gesamtkostenquote von ETFs beträgt durchschnittlich nur 0,4 Prozent p.a.)

Zeitaufwand: minimal (sobald das Portfolio eingerichtet ist)

Risikostreuung: maximal (bei gut strukturiertem Weltportfolio)

Renditeerwartung: Entspricht der langfristigen Aktienmarktrendite abzüglich Kosten und Steuern (ca. 3-4 Prozent Realrendite p.a. abhängig von der Aktienquote des Portfolios erscheinen realistisch).

Bewertung: Aus meiner Sicht ist passives Investieren mit börsengehandelten Indexfonds der beste, weil rationalste Weg, um als Privatanleger ohne nennenswerten Aufwand langfristig Vermögen zu bilden.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

Anlagestrategie 5: Investieren in Mietimmobilien

Wer mit Wertpapieren eher wenig anfangen kann und im wahrsten Sinne des Wortes “handfeste” Investitionen bevorzugt, findet mit Mietimmobilien einen alternativen Weg der Vermögensbildung.

Die Herausforderungen, vor denen Anhänger dieser Anlagestrategie stehen, sind deutlich anders gelagert als bei Wertpapierinvestments. Aber sicher nicht weniger anspruchsvoll.

Geeignete Objekte müssen ausgewählt und in einem mäßig transparenten Markt unter hohem Konkurrenzdruck, durch die Vielzahl anderer Kaufinteressenten, bewertet und auf Rentabilität geprüft werden.

Anlagehorizont: lang (10+ Jahre)

Kosten: hoch – durch Kaufnebenkosten von ca. 6-10 Prozent

Zeitaufwand: anfangs hoch, später mittel bis gering (abhängig davon, inwieweit die Verwaltung der Immobilien delegiert wird)

Risikostreuung: gering bis kaum vorhanden (bei nur einem oder wenigen Objekten)

Renditeerwartung: abhängig von der Mietrendite (gut kalkulierbar) und der Wertentwicklung (kaum kalkulierbar) der einzelnen Objekte

Bewertung: Aufgrund hoher Transaktionskosten und diverser organisatorischer Hürden (Kaufvertrag, Kreditzusage, Grundbucheintrag etc.) können Immobilien im Gegensatz zu Wertpapieren an der Börse nicht beliebig schnell gekauft und verkauft werden.

Damit kommt der Objektauswahl im wenig effizienten Immobilienmarkt eine entscheidende Bedeutung zu und verleiht dem Faktor Können – anders als bei Wertpapierinvestments – ein größeres Gewicht.

Für Privatanleger, die mit Wertpapieren nicht viel anfangen können, sind Mietimmobilien ein bewährter Weg zur Vermögensbildung. Vorausgesetzt, es ist die Bereitschaft vorhanden, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und das notwendige Know-How zu erarbeiten.

Hinweis: Das Eigenheim ist in an dieser Stelle nicht als Anlagestrategie aufgeführt, da es sich nicht um ein reines Investment, sondern mindestens zu gleichen Teilen um einen Konsumgegenstand (welcher Geld kostet und nicht bringt) handelt.

Das Fazit

Welche Anlagestrategie ist nun die “Richtige”? In der Zusammenschau aller Befunde, wie Mediziner beim Vortrag ihrer Diagnose gerne zu sagen pflegen, ist und bleibt mein Favorit: das passive Investieren mit Indexfonds.

Für mich ist der Entschluss zum passiven Investieren aber kein Dogma. Ich würde nicht bestreiten, dass es möglich ist, auch auf andere Weise erfolgreich Vermögen zu bilden.

Im Gegensatz zu den anderen genannten Strategien fusst das indexorientierte Investieren jedoch auf finanzwissenschaftlichen Erkenntnissen, was mir als naturwissenschaftlich geprägtem Menschen einfach entgegen kommt.

Natürlich ist die wissenschaftliche Methode auch nicht der Weisheit letzter Schluss, gleicht sie doch einem Blick in den Rückspiegel:

Aus der Vergangenheit lassen sich zwar Regeln, Muster und Zusammenhänge ableiten. Aussagen für die Zukunft sind jedoch mit gewisser Vorsicht zu genießen.

Bei aller Empirie – Fakten also, die aus der Erfahrung gewonnen werden – geht es am Ende doch immer darum, an welche Anlagestrategie man glaubt. Oder glauben möchte.

Denn Glauben heißt: nicht wissen.

Und wer weiß schon, was die Zukunft bringen wird?

 
Welche Anlagestrategie ist dein Favorit? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

  • Alex von Homemade Finance 17. April 2016, 09:46

    Ich finde das ist eine ausgezeichnete Gegenüberstellung was man alles so mit seinem Geld machen kann. Gerade bei den Ansätzen wo Aktien ins Spiel kommen sieht man sehr schön finde ich, dass ein möglichst günstiges und marktbreites Portfolio wahrscheinlich die besten Karten hat auf lange Sicht sich auszuzahlen.
    Bei allen Ansätzen wo es um aktives Handeln geht fressen einen früher oder später die Gebühren auf.

    Ich finde auch Immobilien interessant aber ich denke man sollte deren Bewirtschaftung eher als ein Business für sich sehen anstatt es mit einem ETF-Portfolio zu vergleichen. Hier gibt es einfach keine zeitlose set-and-forget Strategie die einmal entwickelt ein Leben lang passt. Hier muss man schlicht ein Geschäft führen. Ich glaube es ist sehr wichtig sich das klar zu machen bevor man in diesem Bereich tätig wird.

    Alex

  • Der Finanzfisch 17. April 2016, 09:50

    Hallo Holger,
    eine gute Zusammenfassung der Möglichkeiten. Ich denke aber, dass es kein “Entweder oder” ist, sondern dass man durchaus verschiedene Strategie kombinieren kann.

    Ich bevorzuge als Basis aber ebenfalls passives Investieren mit ETFs und packe dazu noch ein paar Einzelaktien (ebenfalls Buy-and-Hold), da ich mich gerne mit der Börse und mit der Bewertung von Unternehmen beschäftige.

    Letztendlich gibt es in der Vergangenheit im Prinzip für jede Strategie einen Zeitraum, in dem diese Strategie die anderen schlagen konnte. Daher kann es auch nicht schaden, auch bei der Strategie etwas zu diversifizieren 😉

    Viele Grüße
    der Finanzfisch

  • Capri 17. April 2016, 12:13

    Hallo Zusammen,
    was eigentlich immer vergessen wird in solchen Diskussionen ist die Zeit. Nicht im Sinne von monetaeren Aspekten, sondern schlicht unsere Lebenszeit in Form des GENIESSENS. Und da ist passives investieren in ETFs schlichtweg die einzigste Form mit plausibler Ratio Aufwand/Rendite. Deswegen lassen sich Strategien auch nicht mischen aus dieser Perspektive. Denn dann muss ich wieder Zeit investieren. Und damit nimmt Geld wieder eine derart hohe Priorität ein, die meine Lebensqualitaet mindert. Denn Geld ist eben nicht alles. Punkt.

    Ausgenommen sind natuerlich Personen die sich eben sehr gerne als Hobby damit beschaeftigen. Sei es Aktien oder Immobilien.

    Gruss,

    Capri

  • Lothar 17. April 2016, 15:31

    Hallo Holger,
    das wichtigste ist, überhaupt eine Strategie zu haben. Wir dürfen nicht vergessen, es geht um Geld – und das ist so ziemlich das emotionalste Thema überhaupt. Kein Wunder, dass wir gerade bei diesem Thema dazu neigen sehr imulsiv zu handeln.

    Herzliche Grüße
    Lothar

  • Philipp 17. April 2016, 17:56

    Hallo Holger,

    ich finde gut, dass du verschiedene Investment-Strategien miteinander vergleichst. Nicht jede Strategie ist für jeden etwas.

    Aber für die meisten Privatanleger macht nur das passive Investieren Sinn.

    MFG Philipp

  • the tabulator 17. April 2016, 20:05

    Ich bespare den msci world und sammle einzeltitel mit guter dividende und stabilem trend. Das ist aber etwas, das ich mir gönne, mir der Marktpreis auch relativ egal ist. Da geht dann ein Teil von weihnachts- oder urlaubsgeld für ein handvoll toller aktien drauf. Einfach nur un sie zu besitzen…und natürlich einer netten Dividende als bonus 😀

  • Die bösen ETFs 18. April 2016, 10:12

    Es gibt sicherlich noch diverse Variationen der o.g. “Anlagestrategien”. Die Wahl eines ETFs ist für mich noch keine. Es gibt auch unzählige Investoren, die mit ETFs kurzfristig traden. Vor allem die Institutionellen.

    Ebenso kann man mit ETFs eine “Dividenden-Strategie” fahren. Eine Dividende ist nichts anderes als eine steuerpflichtige Beteiligung am Gewinn oder der Auszahlung aus dem Eigenkapital eines Unternehmens. Was daran eine “Strategie” sein soll, ist mir schleierhaft.

    • Dummerchen 19. April 2016, 07:06

      Hi “Die bösen ETFs”,
      den Hinweis aufs Traden mit ETFs gab’s doch im Artikel:
      “Die Palette der Trading-Strategien reicht vom ausgeklügelten, computerisierten Handelssystem über Day-Trading mit Aktien, ETFs und Derivaten bis hin zur banalen Zockerei mit binären Optionen.”

      “Was daran eine „Strategie“ sein soll, ist mir schleierhaft.”
      Meinst Du die Dividendenstrategie? Oder die Strategie des “Passiven Investierens mit Indexfonds (ETFs)”?
      Dass beides Auswahlkriterien sind und somit eine Strategie kennzeichnen, brauchen wir bestimmt nicht diskutieren. Ich vermute, dass Du mit deinem Kommentar zum Ausdruck bringen willst, dass alleine die Wahl des Vehikels ETF noch keine Strategie bedeutet. Das sehe ich genauso. Holger übrigens auch. Daher hieß die vierte Strategie ja auch nicht “ETFs kaufen”. In der Kombination mit “Markt im Ganzen” und “buy-and-hold” landen wir dann beim Passiven Investieren mit ETFs.

      Oder habe ich Dich missverstanden?

      LG
      Dummerchen

    • K. 19. April 2016, 07:30

      @Die bösen ETFs

      Die Strategie der Dividenden-Strategie besteht (so habe ich sie verstanden), darin Dividenden zu erhalten und diese in der “Ansparphase” zu reinvestieren. Ja, das könnte man auch mit thesaurierenden Produkten erreichen.
      Der Knackpunkt ist aber die Erschaffung eines Geldflusses aus Dividenden der irgendwann (dann ohne Reinvestitionen) ausreicht einen Teil oder sogar die kompletten Ausgaben zu decken. Auch betitelt als passives Einkommen. So erhält man dank dem in Dividendentiteln oder Divdenden/Ausschüttenden-ETFs investiertem Kapital regelmäßig* Geld ohne das man Anteile verkaufen muss und somit die Stückzahl schmälern / “entsparen” muss.
      *) Je nach Produkt und gusto monatlich, quartalsweise, jährlich.

      Je nach Risiko (=Rendite / Dividendenrendite) ist die Ausschüttung höher oder niedriger und somit ist mehr oder weniger investiertes Kapital (=Stückzahl/Anteile) nötig um entsprechende Ausschüttungen oder Dividenden zu erhalten.

      Dividendenkürzungen oder Schwankungen sollte man hier natürlich mit einkalkulieren wenn man von den Dividenden ganz oder teilweise leben will. Entweder durch Beobachtung und ggf. Austausch (Verluste, Versteuerung usw. spielen hier mit rein) der Einzelaktien. Bequemer aber auch nicht immer zeitnah oder “rechtzeitig” (sprich auch hier können sich Schwankungen zeigen, je nach Index und Anpassungszeiträumen/verzögerungen) geht das mit “passiven Produkten, wie ETFs.

      Steuerlich hat man bei thesaurierenden Produkten die Option erst bei Verkauf in der Zukunft die Erträge und Thesaurierungen zum dann gültigen Steuersatz und Steuerrecht zu versteuern. Wie dies sein wird, weiß niemand.
      Bei Dividenden/Ausschüttungen werden die jetzt bzw. zum aktuellen Steuersatz versteuert und man hat (ggf. in der Anfangszeit der Sparphase) noch die Option die jährlichen Steuerfreibeträge zu nutzen. Natürlich kann man auch spekulieren das die Steuern auf Kapitalerträge steigen und man so lieber jetzt (anteilig) Steuern zahlt.

      Eine Gegenüberstellung findest Du hier: http://sauerkrautundzaster.de/lohnt-sich-steuerstundung
      Auch interessant: http://www.finanzwesir.com/blog/steuer-thesaurierende-etf
      und http://sauerkrautundzaster.de/etf-entscheidungshilfe

      Meiner Meinung nach ist das mit der Steuer (jetzt versteuern statt Steuerstundung) relativ bzw. sollte nicht ausschlaggebend sein (wenn überhaupt ist die Ausnutzung des jährlichen Steuerfreibetrages usw. ein netter Nebeneffekt). Wichtiger (und oft benannt) ist der psychologische Effekt des regelmäßgen Geldflusses in der Ansparphase. Dieser führt dazu, auch bei Crash und Buchwertverlusten(!) dabei zu bleiben und der Strategie (welcher auch immer) treu zu bleiben auch wenn das Depot mal für ein paar Jahre 50% oder mehr im Minus ist.

      Außerdem meine Sichtweise zur Steuer: Man spekuliert bei der Steuerstundung ja auch auf einen später (in der Rente ggf.) niedrigeren Steuersatz. Wie gesagt keiner weiß was kommt, manche Tendenzen sind aber aktuell erkennbar oder werden kommuniziert. Da wir aber von einem langen Zeitraum sprechen ist auch das ggf. je nach Zeitraum trotzdem nicht 100%ig.

      Ich sehe das Thema Steuern so: Ich zahle gerne und legal Steuern (solange sie nicht übertrieben sind), denn Steuern auf Einkommen oder Kapitalerträge zahlen zu dürfen**, bedeutet auch das man “viel” Einkommen und Erträge erwirtschaftet hat. Dann freut mich das doch. **) ja dürfen, ganz bewusst gewählt auf Grund des Satzes an sich.

      Will man legal andere Steuersätze für Kapitalerträge oder die Altersvorsorge mit Aktien dann sollte man auswandern und hoffen das aktuell günstigere Länder (wie z.B. die USA und ihren guten Aktien-Rente-Spar-Programmen dazu) auch in ein paar Jahrzehnten hieran nichts zu Ungunsten des Anlegers ändern (wollen oder müssen).
      Ob die aktuell bessere Besteuerung im Ausland wichtiger ist als alles andere (Job, Sozialsystem, Umfeld, Klima,…) etc muss jeder selbst entscheiden (vgl. Diskussionen Immos vs. Börse). Ist halt nur ein Baustein und an sich sicher auch hiermit nicht abschließend behandelt.

      ETFs kosten halt jährlich Gebühr dafür (wenn der Index in meine Strategie passt) übernehmen diese das Umschichten. Aktien kosten nur bei Verkauf und Kauf. Bei längerem Buy&Hold ggf. nur Depotgebühr. Evtl. günstiger aber ich muss selbst beobachten + umschichten/verkaufen/neukaufen (inkl. Steuern und Gebühren), wenn die Aktien nicht mehr in meine Strategie passt (weil sie abstürzt, Dividenden kürzt oder warum auch immer).
      Ganz nach gusto und ggf. auch innerhalb vom Depot diversifiziert.

  • K. 19. April 2016, 07:37

    Ich fahre eine parallele Strategie: ETFs mit Strategie A und B wobei A überwiegt. Zusätzlich Einzelaktien die hauptsächlich auch Strategie A abdecken. Ein Großteil wird aber (vermutlich, da ich noch am “Anfang” bin) auf Dauer über ETFs laufen. Deswegen innerhalb des Depots diversiviziert (ETFs und Einzelaktien) und dank ETF auch im Markt/an der Börse diversifiziert.

    A und B lehnen sich nicht an die o.g. nummerierte Auflistung des Artikels an, sondern dienen nur der Abgrenzung und als “Platzhalter”.

  • Felix 19. April 2016, 08:42

    Hallo zusammen,
    mir persönlich fehlt eine “Strategie” in der Auflistung: Zertifikate
    Der größte Teil der Zertifikate fällt sicherlich in die Kategorie “Trading” (Optionsscheine, Knock-out etc.). Allerdings gibt es auch Indexzertifikate, zum Beispiel von der Website wikifolio.de (sorry für die Werbung! Nein ich bekomme kein Geld)
    Dort gibt es auch Produkte, die für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet sind (hohe Diversifikation nach Branche & Region). Zusätzlich können bestimmte Strategien gut über einzelne Indexzertifikate abgebildet werden: Wachstum, Nebenwerte, Trends (Long/Short).
    Der große Nachteil der Zertifikate gegenüber ETFs ist sicherlich das Thema Emittentenbonität, da Einlagen bei Insolvenz des Emittenten nicht geschützt sind.
    Aber darüber könnte man einen ganzen Artikel schreiben…

    So – genug gestänkert 🙂 Trotzdem super Gegenüberstellung!

  • Covacoro 24. April 2016, 15:15

    Holger,
    ich finde deinen Überblicksartikel gelungen und was mir gefällt ist, dass er explizit das passive Investieren in Einzelaktien erwähnt und dort auch die Value- und Dividendenstrategie. Ich warte aber noch auf den Tag, wo zendepot.de sich endgültig freischwimmt und den Indizes a la MSCI, STOXX, S&P etc. entsagt. Ein Index ist letztendlich nichts anderes als eine quantitative Strategie, die bestimmten Regeln folgt – oft Marktkapitalisierung, Streubesitz und Handelsvolumen. Wer eigene Kriterien definiert (Fundamentalkennzahlen, ein System a la Levermann oder Obermatt) und unabhängige Gedanken investiert, fährt langfristig meist deutlich besser (dazu gibt es auch jede Menge “Wissenschaft” a la Fama, Greenblatt, Dimensional Advisors etc.). Und in Zeiten von Computer und Internet die Daten einmal jährlich auszuwerten, ist doch auch kein Hexenwerk. Der größte Vorteil des Privatanlegers ist seine Unabhängigkeit. Seine größte Schwächen: Emotionen, zu wenig Disziplin und der Hang es zu kompliziert zu machen (das wird ja auch überall propagiert, wie komplziert die Finanzdinge sind).
    Aber das sind kleine, minimal Kritikpunkte und ändert nichts daran, dass Seite und Artikel sehr gut gelungen sind.
    Covacoro

  • anleger46 11. Mai 2016, 11:21

    Hallo zusammen,

    ich finde den Artikel sehr gelungen! jeder sollte die für sich passende Strategie finden.
    Ich bevorzuge, die oben genannten, ETF-Portflios. Da habe ich mir online einige zusammenstellen lassen (Ginmon, Vaamo …etc) und bin bisher sehr zufrieden.

  • Johannes 13. Mai 2016, 23:18

    Hallo Holger,
    Eine gute Gegenüberstellung der verschiedenen Anlagestrategien.
    Als erstes ist es wichtig erstmal eine Strategie zu haben. Jeder muss für sich selbst die richtige Anlagestrategie wählen und sich im Vorfeld darüber entscheiden wie viel Zeit er aufbringen möchte. Und welches Risiko er bereit ist auf sich zu nehmen.

  • Dago 25. Mai 2016, 20:44

    Mir gefällt die Gegenüberstellung sehr gut. Ich denke aber auch, dass etwas sehr entscheidendes fehlt, nämlich die Ziele und den Status/bzw. das Lebensalter des Anlegers. Wenn es um den Vermögensaufbau geht ist die dargestellte Version des passiven Investierens mit ETF sicherlich zu bevorzugen – ob jemand daneben mit “Spielgeld” auch noch etwas traden will ist ein anderes Thema und hat nichts mit Vermögensaufbau in diesem Sinne zu tun. Wenn es darum geht, dass man von seinem bereits aufgebauten Vermögen leben will bzw. sein Einkommen/Rente damit aufbessern will, würde ich das Investieren in eine Dividendenstrategie für das bevorzugte Instrumentarium halten.

  • Alex von Qleverkauf 16. Juni 2016, 14:46

    Hallo Felix,

    bei Zertifikaten ist es doch so, dass man egal wie breit gefächert der Index ist den diese Nachbilden – ein Klumpenrisiko, nämlich das der Zahlungsunfähigkeit des Zertifikate-Herrausgebers hat.

    Zertifikate werden meines Wissens nach als Schuldverschreibungen behandelt (immer noch?) und nicht als Sondervermögen. Die Halter von Lehman-Zertifikaten klagen zum Teil immer noch.

    Grüße
    Alex von Qleverkauf

  • Benjamin 29. August 2016, 19:01

    Hallo,

    Eine sehr gute Übersicht über die verschiedenen Anlagemöglichkeiten.

    Ich persönlich bevorzuge von den 5 Strategien das passive Investieren in einzel Aktien so wie in ETFs, da es langfristig der erfolgreichste Weg ist und es am wenigsten Zeit kostet.
    Wenn ich aus meinem eigene Repertoire an Strategien wählen darf würde ich auch Offshore Banking nur empfehlen, da die Zinsen teilweise noch höher sind als bei ETFs und die wirtschaftliche Situation des eigenen Landes dein Erspartes nichts anhaben kann. Lediglich die Transaktionskosten etc. sind höher als bei normalen Kosten.

    Gruß
    Benjamin

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