Soll man jetzt noch an der Börse einsteigen?

Soll man jetzt noch an der Börse einsteigen?

Oder ist der Zug schon wieder abgefahren?

Wer ein bisschen Geld auf der hohen Kante hat, wird sich diese Frage in letzter Zeit vermutlich mehr als einmal gestellt haben.

Soll man wirklich allen Mut zusammennehmen und das Geld jetzt in Aktien stecken oder doch lieber auf einen besseren Zeitpunkt zum Einstieg warten?

Schließlich will man nicht „als dummer Kleinanleger dem Geld chancenlos hinterherlaufen“, wie mir erst kürzlich ein Leser geschrieben hat.

Warum es den „richtigen“ Zeitpunkt schlichtweg nicht gibt, um an der Börse zu investieren, erfährst du in diesem Artikel.

Aktien kaufen ist wie Kinder kriegen

Es passt nie wirklich. Man fühlt sich entweder zu jung für die Elternrolle oder zu alt. Man will den nächsten Karrierschritt abwarten oder sich die Chance auf einen Auslandsaufenthalt nicht verbauen.

Außerdem ist die Welt so schlecht geworden…soll man da wirklich noch Kinder in die Welt setzen!?

Mit der Börse verhält es sich nicht anders. Wenn man nur lange genug überlegt, wird sich immer ein Argument dagegen finden.

Die Ersparnisse sind entweder noch zu gering für ein Aktieninvestment oder bereits zu bedeutend, als dass man irgendwas riskieren möchte.

Sind die Kurse schon lange im Steigflug, sorgt man sich um ein baldiges Ende der Sause. Sind sie seit längerer Zeit gefallen, verliert man den Glauben daran, dass es jemals wieder bergauf gehen könnte.

Und überhaupt: kann man dem Kapitalismus noch trauen, wo es doch seit Jahren an allen Ecken und Enden der Welt kriselt?

Glücklicherweise spielen Kinder für die Erhaltung der Menschheit eine größere Rollen als Aktien. Aber es gibt durchaus ein paar interessante Parallelen. Man könnte sagen:

Kinder bereichern das Leben, Aktien bereichern das Konto.

Kurzfristig verkehrt sich das sicherlich auch mal ins genaue Gegenteil, aber langfristig ist dieser Zusammenhang kaum von der Hand zu weisen.

Man muss Kinder grundsätzlich wollen, dann sieht man auch über geringfügige Nachteile wie schlaflose Nächte, Windelberge und vollgekotzte Autositze hinweg…

Genau so ist es mit der Börse. Wenn man es wissen will und mehr aus seinem Geld machen möchte, muss man irgendwann einfach ins kalte Wasser springen. Vorausgesetzt man kann schwimmen, versteht sich!

Was ist Hoch und was ist Tief?

Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung des Aktienindex S&P 500 zwischen 1980 und 2012:

S&P500

Angenommen, man hätte 1980 einen Betrag von 1.000€ in einen entsprechenden Indexfonds angelegt, wären daraus bis 2012 mehr als 13.000€ geworden. Tolle Sache, aber darauf will ich gar nicht hinaus.

Ich habe ein paar markante Punkte im Kursverlauf eingekreist, um etwas anderes zu verdeutlichen.

Wenn du dir Punkt 3 ansiehst, worum handelt es sich: Börsentief oder -hoch?

Die Antwort hängt ganz offensichtlich davon ab, zu welchem der anderen Punkte du Punkt 3 in Beziehung setzt, oder? Gemessen an den Punkten 2 und 4 handelt es sich eindeutig um ein Börsentief.

Zu welchem Schluss kommst du aber, wenn du Punkt 1 als Bezugspunkt nimmst? Ist Punkt 3 nun nicht ein eindeutiges Börsenhoch? Hmm…

Was nun: Tief oder Hoch?

Ist doch Wurst! Egal, meine ich.

Was kümmert es denjenigen, der 1980 Geld angelegt hat, im Jahr 2012, welche Pirouetten der Kursverlauf in der Zwischenzeit auf die Leinwand getanzt hat?

Fakt ist: aus 1.000€ wurden 13.230€ (was einer Durchschnittsrendite von 8,14 Prozent pro Jahr entspricht).

Ja, aber 32 Jahre sind auch verdammt lang!

Na und!?

Wenn nichts dazwischen kommt, ist das Leben ja auch ziemlich lang. Was spricht also gegen einen langen Anlagehorizont, wenn man sich später über ein ansehnliches Vermögen freuen kann?

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Wann bin ich auf der sicheren Seite?

Dabei muss man gar nicht 32 Jahre warten, um mit einem Aktieninvestment sicher im Plus zu landen.

Das folgende Diagramm zeigt die rollierenden 20-Jahresrenditen des S&P 500 im Zeitraum zwischen 1926 und 2012:

S&P500

Legende:
Rollierend bedeutet, dass beginnend mit dem Jahr 1926 geschaut wurde, welche durchschnittliche Jahresrendite der S&P 500 jeweils binnen der folgenden 20 Jahren geboten hat.

Der erste 20-Jahreszeitraum reicht von 1926 bis 1945, der nächste von 1927 bis 1946, der nächste von 1928 bis 1947 und so weiter und so fort. Der letzte 20-Jahreszeitraum (von insgesamt 68) erstreckt sich von 1993 bis 2012.

Bei den dargestellten Werten handelt es sich um inflationsbereinigte jährliche Durchschnittsrenditen unter Berücksichtigung der Dividenden. Bei der Berechnung wurde also unterstellt, dass die Dividenden jeweils wieder angelegt wurden.

 
Was man sieht:

Es gibt KEINEN 20-Jahreszeitraum mit einer Negativrendite.

Im allerschlechtesten Fall lag die Durchschnittsrendite bei 0,52 Prozent pro Jahr. Das war im Zeitraum zwischen 1962 und 1981 der Fall.

Wer also in der Vergangenheit mindestens 20 Jahre Geduld mitbrachte, hat mit einem breit gestreuten Aktieninvestment in den amerikanischen Aktienmarkt (repräsentiert durch den S&P 500 Index) keinen Verlust gemacht.

Im Gegenteil: in den meisten Jahren konnte sich der Gewinn mehr als sehen lassen.

Lässt dich nicht im Stich: die Dividende

Der wesentliche Grund, warum man mit Aktien trotz aller Kurskapriolen besser fährt als die meisten Leute glauben wollen, sind die Dividendenzahlungen.

Je länger der Anlagehorizont, desto größer wird der Anteil der Dividenden an der Gesamtrendite.

Dieser Zusammenhang wird gerne übersehen, bedeutet aber nichts anderes als stetige Gewinne auch dann, wenn die Kurse stagnieren. Selbst in Crashphasen bleiben die Dividenzahlungen erstaunlich stabil.

Nach Beginn der Finanzkrise brach der S&P 500 zwischen 2007 und 2009 um mehr als 50 Prozent ein (mittlerweile hat er den Höchstand von 2007 schon wieder deutlich übertroffen). Die Dividendenzahlungen fielen zwischen 2007 und 2011 hingegen nur um 10,6 Prozent und erholten sich schnell wieder.

Und es macht ja auch Sinn.

Nur weil sich im Rahmen einer Massenhysterie (alle verkaufen panisch ihre Aktien) der Börsenwert von Unternehmen halbiert, bedeutet das keineswegs, dass diese Unternehmen nicht weiter Gewinne machen und in Form der Dividende an ihre Aktionäre ausschütten können.

Dividenden sind aus meiner Sicht der Grund, warum es sich jederzeit lohnt, an der Börse einzusteigen.

Aber ich habe irgendwo gelesen, dass…

…die Kurse in naher Zukunft (bitte beliebig kombinieren):
A – steigen werden
B – fallen werden

…, weil sie…
C – schon länger gestiegen sind
D – schon länger gefallen sind
E – schon länger nicht gestiegen sind
F – schon länger nicht gefallen sind

Du wirst in den Medien jeden Tag überall variantenreiche Begründungen für die Kombinationen A-C, B-C, A-D, B-D, A-E usw. finden. Dabei ist es so einfach:

„Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten – oder umgekehrt.“

– André Kostolany

Damit meinte André Kostolany ganz sicher nicht, dass jeder Aktionär ein Idiot ist. Idiotisch ist nur, Aktien immer nur dann zu kaufen wenn alle es tun und sie zu verkaufen, wenn alle verkaufen.

Dass es an der Börse ewig rauf und runter geht, weiß nun mittlerweile jedes Kind. Warum das im Einzelfall passiert, kann uns herzlich egal sein, solange der Trend auf lange Sicht nach oben zeigt.

Bei einem langfristigen Anlagehorizont spielt der Einstiegszeitpunkt aus den genannten Gründen nicht wirklich eine Rolle. Die einzig relevante Frage ist:

Hast du die Geduld?

 
Wie siehst du das mit dem perfekten Einstiegszeitpunkt? Hält dich die Kursentwicklung der letzten Monate oder Jahre davon ab, an der Börse einzusteigen?

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

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  • Marco 9. Januar 2014, 09:41

    So langsam kriegst Du mich, Holger! Dieses ganze Aktiending ist ein Buch mit sieben Siegeln für mich, aber ich finde Deine Artikel immer sehr verständlich und lehrreich. Danke dafür!

  • Doris 9. Januar 2014, 11:38

    Hallo Holger,

    Wieder mal bringst du es verständlich und treffend auf den Punkt. Insbesondere, dass gerne die Dividende in der „emotionalen Berechnung“ vergessen wird – denke ich oft auch nicht dran.

    Was mich beschäftigt ist allerdings die Frage, wenn der Horizont für Investitionen nicht ganz so langfristig sein soll. Sagen wir mal, z.b. aus Altersgründen, beträgt die Spanne nur fünf Jahre. Würdest du dann immer noch genauso argumentieren?

    Wo ist für dich die Grenze des „langfristig investieren“-Arguments?
    Kennst du eine Quelle, wo man die rollierenden 5-Jahresrenditen ablesen kann?

    Schöne Grüße
    Doris

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 12:45

      Danke für deinen Kommentar, Doris!

      In Bezug auf Aktieninvestments heißt langfristig für mich: 20+ Jahre. Liegt die verbleibende Lebenserwartung des Anlegers darunter (was man ja nur schätzen kann), macht ein Neuinvestment in Aktien in meinen Augen nur dann Sinn, wenn das Wertpapierdepot ganz oder in Teilen vererbt werden soll.

      Andernfalls bleibt de facto ein Verlustrisiko, so ist es wohl leider. Eine schöne Übersicht über rollierende Jahresrenditen des S&P 500 für verschiedene Anlagezeiträume findest du hier.

      Viele Grüße
      Holger

    • brokerskid 9. Januar 2014, 13:32

      Hallo Doris,

      was meinst du mit einem Anlagehorizont von 5 Jahren? Willst du in fünf Jahren aus dem Leben scheiden? Wenn du in fünf Jahren in den hoffentlich wohlverdienten Ruhestand gehst, ist das ja nicht das Ende deines Anlagehorizonts, außer wenn du dann dein gesamtes Geld aufeinmal auf den Kopf hauen willst.

      Also überlege einfach: Wann brauche ich das Geld? Und kann ich mit der Rendite leben oder benötige ich mehr Geld und muss den Grundstock verringern?

      Es ist wahrscheinlich in den meisten Fällen besser Geld langfristig (20+, geht auch mit 60 Jahren, bei einem Anlagehorizont bis 80 – kein ungewöhliches Alter bei Menschen in Industrieländern) anzulegen und ab einen Zeitpunkt X zu entsparen als es unter dem Kopfkissen oder auf dem Sparbuch mit „negativ“ Rendite liegen zu lassen.

  • Daniel Schlingelhof 9. Januar 2014, 12:12

    Sehr schöner Artikel, welche ich gern im Netzwerk teile.

    2 Punkte als Ergänzung vorschlage:

    Verlustbegrenzung: Wenn sich meine Markterwartung und Investment nicht erfüllt, sollte zuvor die Regel aufgestellt werden: was mache ich bei einem Verlust? Beispielhaft befindet sich eine T-Aktie im Depot bei dem einen oder anderen Anleger. Wird Sie sich diese je erholen? Welche Wertsteigerung muss denn erfolgen um überhaupt wieder beim Einstieg zu sein?

    Risikotragfähigkeit: Mit welcher Schwankunsgbreite Verlust und gern auch Gewinn können Sie als Anleger gut schlafen? Wann realisieren Sie Gewinne? Was machen Sie beim Crash?

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 12:51

      Viele Dank für deinen Kommentar und fürs Teilen, Daniel!

      Die Fragen, die du ansprichst, sind elementar und wichtig. Ganz klar. Deshalb sollten Börseninvestments auch nicht „einfach mal so“ getätigt werden, sondern im Rahmen einer vernünftigen Anlagestrategie erfolgen.

      Mit diesem Artikel wollte ich ein wenig die Angst davor nehmen, dass man sich quasi automatisch zum Deppen macht, wenn man jetzt an der Börse einsteigt. Es hängt eben im Wesentlichen mit dem Anlagehorizont zusammen, ob man sich über sein Investment freuen oder ärgern darf.

  • brokerskid 9. Januar 2014, 13:13

    Der Einstiegszeitpunkt ist irrelevant, solange man daran glaubt, dass sich ein Investment lohnt.
    Warum geht man einkaufen? Na klar, damit man etwas zu essen hat. Hierbei stellt sich auch niemand die Frage, ob es sich lohnt zu warten, um einen günstigeren Zeitpunkt (d.h. günstigeren Preis) für das Einkaufen zu erhalten.
    Wie ja schon oft geschrieben wurde (auch in anderen Kommentaren) es ist der Mix aus Rendite, Dividende und Diversifikation, die das Risiko senkt.
    Persönliche Aversionen sollte man hintenanstellen oder dem risikoreichen Bereichen fernbleiben, wobei das ganze Leben risikobehaftet ist. Man muss für sich sein eigenes Chance/Risiko-Verhalten finden und danach leben.
    Daher einfach aus dem Bauch heraushandeln, wenn es mal wieder kribbelt 😉

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 15:15

      „Einfach aus dem Bauch heraus handeln“ dürfte das Problem in den meisten Fällen nicht lösen, denn es ist ja gerade das Bauchgefühl, das vielen Leuten sagt: Finger weg, ist zu gefährlich!

  • Börsenheini 9. Januar 2014, 18:36

    In deiner Rechnung fehlt noch ein wichtiger Punkt: Man investiert sein Geld ja nicht komplett auf einmal (von Ausnahmen einmal abgesehen), sondern alle drei Monate oder wie hoch auch immer die persönliche Sparrate ist.

    Daher relativiert sich das mit dem Zeitpunkt noch einmal, denn man kauft bei hohen Kursen, kauft dann aber wieder bei niedrigeren (Da bekommt man dann auch umso mehr fürs Geld).

    Das lässt sich im Prinzip handhhaben wie ein Sparplan, nur dass man immer wieder Aktien kauft bzw. nachkauft. Es ist ja äußerst selten, dass man sein Geld einmalig anlegt und dann nie wieder etwas. (Und erst noch auf dem Höhepunkt einer Börsenhausse.)

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 20:29

      So selten ist das nicht, dass Leute auf einem Haufen Erspartes sitzen (ob Tagesgeld oder auslaufende Festgeld- bzw. Bausparverträge) und sich in der jetzigen Niedrigzinsphase fragen: wohin mit dem Geld?

      Der von dir beschriebene Cost Average-Effekt existiert, ist einem Einmalinvestment aber nicht grundsätzlich überlegen, wie diese Untersuchung zeigt:

      Bei der Einmalanlage muss man zwar mit stärkeren Wertschwankungen leben, dafür ist das Endvermögen höher als beim periodischen Sparen. Je länger die Laufzeit, desto größer ist der Renditevorteil der Einmalanlage.

  • christian 9. Januar 2014, 21:06

    hallo, Holger!

    Ein Punkt ist auch, dass nur im Nachhinein der optimale Investitionszeitpunkt festgestellt werden kann. Die Zukunft ist ungewiss. Daher ist jeder Zeitpunkt ein guter Zeitpunkt zu investieren (sofern man eine für sich passende Strategie gefunden hat).

    Ich habe die Wandlung zum passiven Anleger bereits hinter mir und noch nicht bereut. Völlig stupide werden alle 6 oder 12 Monate ein paar (anfangs ausgewählte) ETFs gekauft und die Prozentaufteilung der ETFs zueinander angepasst. Das funktioniert in dieser derzeitigen börsenmäßig „ereignislosen“ Zeit ausgezeichnet und konditioniert mich hoffentlich für die Zeit, wenn es mal wieder länger bergab geht. Es ist zwar relativ langweilig, aber man ist sowieso ständig damit beschäftigt der Versuchung zu widerstehen an der Strategie irgendwo herumzudrehen (Schwellenländeranleihen oder keine Schwellenländeranleihen, dass ist hier die Frage).

    ciao,
    christian

    ps. woher hast du die Grunddaten des S&P für deine Grafik?

    • Holger Grethe 9. Januar 2014, 22:27

      Hallo Christian!

      Investieren darf ruhig langweilig sein. Es gibt andere Dinge im Leben, die für Spannung sorgen können.

      Die Quelldaten für das Diagramm mit den rollierenden 20-Jahresrenditen sind in der Legende verlinkt.

    • christian 10. Januar 2014, 16:34

      danke!

  • Konrad 10. Januar 2014, 10:41

    Hallo Holger,
    danke für deine Blogs, die haben mich incl. deinem e-book schon deutlich vorangebracht in meiner Finanzplanung. Ich bin jung im Arbeitsleben und auch gerade dabei mit einer Ersparnis „einzusteigen“, nach Abwägen von für und wieder tendiere ich auch am ehesten zur mehrfach „beworbenen“ passiven Anlagestrategie. Jedoch stellen sich mir noch 2 (generelle) Fragen:

    1. Man kann ja bekanntlich nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen (das ist beim Wetter ebenso wie bei im Casino, ebenso bei der Börse). Nun steigen die Entwicklungen der Indices ebenso wie die (recht eindrückliche) Grafik der rollierenden 20-Jahres-Renditen (zB des angegebenen S&P500). Es lässt einen zuversichtlich sein, dass das so weiter geht, aber kann eine Weltwirtschaft und damit ein Aktienmarkt tatsächlich für „immer“ weitersteigen, oder sind „natürliche“ Grenzen gesetzt? Das ist eher eine theoretische Frage, die einen in einer Lebensspanne von 86,7 Jahren wohl nur bedingt persönlich betrifft, dennoch fragt sich der (gesunde) Menschenverstand doch, ob es ein immerwährendes Wachstum „überall auf der Welt“ geben können wird.

    2. Die engegebenen Indexfonds rentieren sich ab einer Mindestanlegenzeit von 15 – 20 Jahren zunehmend sicher, es kam schonmal die Frage auf nach Möglichkeiten für kürzere Anlagezeiten (wenn man zB sein Geld möglichst verlustfrei „parken“ will bis man zB in 5-10 Jahren Kapital braucht. Am Markt bekannte Vermögensberater empfehlen dabei ja gern bei kurzem Anlagehorizont eine „sicherheitsorientierte“ Managementstrategie (Streuung auf weniger Aktienanteile), je längerfristiger der Anlagehorizont ist, desto „dynamischer“ solle die Managementstrategie sein. Am Ende springen dabei jedoch aktiv gemanagte Fonds raus (mit den bekannten, von dir mehrfach aufgezeigten Nachteilen). Zur Frage: Lässt sich diese Konzept für unterschiedliche Anlagehorizonte auf passives Anlegen transferieren, muss ich für unterschiedliche Anlagehorizonte mein Portfolio deutlich unterschiedlich gestalten? Ich nehme an ja, habe da aber überhaupt keine Erfahrung (bisher).

    Viel Text 😉 vielen Dank für die Antwort(en) und weiter so !!

    Konrad

    • Holger Grethe 10. Januar 2014, 15:54

      Hallo Konrad,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Zu Frage 1: Die Frage, ob es ewiges Wachstum geben kann, ist so faszinierend wie umstritten. Deswegen werde ich ihr schon bald einen ausführlichen Artikel widmen.

      Zu Frage 2: Wer sein Geld für 5-10 Jahre verlustfrei „parken“ will, sollte dies überall tun, nur nicht an der Börse.

      Ich habe nicht umsonst einen Anlagezeitraum von 20 Jahren für das Diagramm im Artikel gewählt. Es ist der „kürzeste“ Zeitraum, für den ein Verlust (in den Jahren 1926 bis 2012) definitiv ausgeschlossen werden konnte.

      Mit „Managementstrategie“ meinst du vermutlich die Gewichtung zwischen risikoarmen Anlagen (Anleihen) und risikoreichen Anlagen (Aktien). Natürlich reduziert ein gewisser Anleihenanteil das Verlustrisiko des Gesamtportfolios.

      Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass bei einem Anlagehorizont <20 Jahre weiterhin ein Verlustrisiko für Aktieninvestments besteht.

    • christian 10. Januar 2014, 17:08

      Vor dem Investieren in Wertpapieren, die Notfallrücklage nicht vergessen. Man sollte ca. 6-Monats-Gehälter am Sparbuch haben (großteils täglich fällig, ein Teil kann kurz gebunden sein), damit man nicht bei einem größeren Problem (Auto kaputt, Job verloren) in die Verlegenheit kommt, sein Depot anzapfen zu müssen (möglicherweise bei schlechtem Börsewetter).

      Frage 1 ist sehr interessant und meinen Meinung dazu ist, das wir derzeit noch auf einen begrenzten Lebensraum (die Erde) mit begrenzten Ressourcen angewiesen sind. Deshalb wäre es sehr unlogisch, dass ein unbegrenztes Wachstum möglich wäre (vor allem bei unserem derzeitigen Lebensstil). Wann Mutter Erde nicht mehr kann und ob wir das noch erleben, ist eine andere Frage.
      Aber angenommen wir zapfen auch noch die Ressourcen und den Lebensraum anderer Planeten an, dann kann das Spiel noch länger so weitergehen. Dass sich an unserem Lebensstil (freiwillig) etwas ändert, kann ich nicht erkennen. Und auch die Chinesen (nur exemplarisch) möchten – zu Recht – den westlichen Lebensstandard genießen.

      zu Frage 2: Ich kann dir sagen wie ich es halte: alles am Depot ist langfristig (mein Anlagehorizont ist mind. 20 Jahre – und dann bin ich noch immer nicht im pensionsfähigem Alter, aber vielleicht irgendwann finanziell unabhängig). Der Rest liegt am „Sparbuch“ (Festgeld von 3 Monaten bis 3 Jahre bzw. Prämiensparen mit 8 Jahren).

      ciao,
      christian

  • Turing 10. Januar 2014, 12:31

    Ich stimme zu. Die Dividenden kombiniert mit einem langfristigen Anlagehorizont sind es, die mich zur Investition stören. Natürlich achte ich auf günstige Einkaufspreise, aber ich horte nicht bewusst Geld, weil ein Guru vielleicht einen 20-Prozent-Rücksetzer in einem halben Jahr erwartet. Es kann ja auch sein, dass es nicht so eintritt.

    Natürlich ging es im letzten Jahr mit den Kursen rasant nach Oben, aber man muss ja auch sehen, woher sie kamen. Die kamen aus einer Unterbewertung und nicht aus einer realistischen Bewertung heraus, wenn man sich die KGVs anschaut. Das ist etwas, was beispielsweise Dirk Müller permanent übersieht. Der schlussfolgert nur: Kurse stark gestiegen, also haben wir eine Blase. Ich halte ihn ziemlich unglaubwürdig; er erzählt seinem verschwörungstheorieaffinen Publikum, was es hören will. Was hältst du eigentlich von Dirk Müller?

    • Turing 10. Januar 2014, 12:41

      Korrektur: Der zweite Satz ist natürlich für die Tonne. Es müsste heißen:

      Die Dividenden kombiniert mit einem langfristigen Anlagehorizont sind es, die mich zur Investition bewegen.

      Und ich investiere auch nicht auf einen Schlag viel Geld, sondern kontinuierlich, alle zwei bis drei Monate. Dann kauft man mal teuer, mal billig. Selbst der pessimistische Fall, z. B. 1961 alles zu investierten und genau bis 1982 zu halten, ist es sehr unrealistisch.

    • Holger Grethe 10. Januar 2014, 16:04

      Wenn ich den Namen Dirk Müller höre, muss ich immer an eine Fernsehsendung (ich fürchte es war die von Johannes B. Kerner) im Jahr 2008 denken. Mag auch 2009 gewesen sein, spielt aber keine Rolle…

      Jedenfalls saß da eine hochbetagte Dame, die freimütig bekannte, dass sich ihr Aktiendepot infolge der Finanzkrise im Wert halbiert hatte. Aber das seien ja nur Buchwertverluste.

      Soweit ich mich erinnere, widersprach Dirk Müller ihr vehement und sagte sinngemäß: „Verlust ist Verlust. Immer!“

      Worauf die alte Dame seelenruhig antwortete: „Ist kein Problem. Ich brauche das Geld jetzt ja nicht.“
      😉

  • Michael 10. Januar 2014, 13:37

    Danke mal wieder für den schönen Artikel, lieber Holger!

    Ich habe schon vor einigen Jahren meine Lehren aus den verschiedensten Direktinvestionen gezogen. Schließlich habe ich den Börsenhype der 1990er Jahre und die Dotcomblase miterlebt.

    Ein Sprichwort besagt: „An der Börse wird zum Ein-/Ausstieg nicht geklingelt.“
    Doch gerade das glauben viele Privatanleger dank der großzügigen Medienberichterstattung. Das ist und bleibt reines Wunschdenken, ein schönes Märchen aus dem Reich der Phantasie.

    Kurse spiegeln nicht die Realität wieder. Natürlich wird dies in der Öffentlichkeit nicht oder nur selten gesagt: wer gibt schon gerne zu, dass die Börse nichts anderes ist, als das größte und schönste Spielkasino auf diesem Planeten.

    Und in einem Kasino gibt es immer wenige Gewinner, dafür um so mehr Verlierer – die in den meisten Fällen direkt oder indirekt Privatanleger heißen.

    Vergessen wir mal das schöne Märchen von Ehrlichkeit, Fairnis und Gerechtigkeit. An den Börsen geht es nicht um ein paar weinge Euros/Dollars, es geht um Milliarden; und da ist fast jedes Mittel erlaubt.

    Und auch das Wort „Zufall“ können wir aus der Börsensprache streichen.
    Bei solchen Summen existiert dieses Wort mE nicht, zumindest für die Leute nicht, die im Vorfeld immer mehr wissen und entsprechend positioniert sind, denn es ist und bleibt ein… NULLSUMMENSPIEL.

    Und dann hab‘ ich mich mal gefragt 😉 : Wer verdient eigentlich so alles an der Börse? Es sind…

    A die Emittenten / Banken
    B die Börsenbriefe
    C die Börsenzeitungen
    D die Börsensender
    E die Gurus (Förtsch, Frick & Co. mit 0190-Nummern)
    F die Fonds
    G die AGs, die das Kapital dann sicher anlegen
    H die Berater
    I die Abo-Herausgeber
    J die …
    etc.

    Und wer bezahlt das alles? Der Anleger.

    Mit anderen Worten: Wer Aktien kauft um reich zu werden, ist eigentlich ein Riesenidiot.
    Zuerst sollte man da mal „A bis Z“ versuchen! 😉

    Nichtsdestotrotz sehe auch ich ein gutes, auf Dividenden (reglm. cashflow) ausgerichtetes Investmentportfolio als attraktive Beimischung zu den verschiedensten – nicht börsengehandelten – Direktinvestitionen und Immobilienstrategien. Zukünftig auch gerne mehr ETFs 🙂

    Übrigens auch für das Thema „Stiftungsportfolios“, da Stiftungen in der Vergangenheit sehr auf Sicherheit betonte, kostenbelastete Investments tätigten, die heute kaum noch die nötigen Renditen abwerfen.

    Hier auch noch ein weiteres, schönes Zitat von André Kostolany:

    „Wer es kann, handelt an der Börse, wer es nicht kann, berät Andere!“

    Viel Erfolg weiterhin!

    • Holger Grethe 10. Januar 2014, 16:14

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Michael!

      Ich sehe das alles nicht ganz so pessimistisch. Natürlich kann man es sich in der Opferrolle bequem machen und sagen: hat alles keinen Zweck, man wird als Kleinsparer eh nur abgezockt.

      Aber dem kann man sich ja mit einer passiven Anlagestrategie ganz einfach entziehen. Ob Kursmanipulationen oder Hochfrequenzhandel – egal was die großen Player auch anstellen: der Marktdurchschnitt bleibt der Marktdurchschnitt. Und auf nichts anderes habe ich es als Passivinvestor abgesehen.

      In puncto Nullsummenspiel muss ich dir widersprechen. In seiner Gesamtheit ist der Aktienmarkt ein „Positivsummenspiel“. Denn die Durchschnittsrendite ist langfristig ja positiv (was der Grund ist, warum sich passives Investieren überhaupt lohnt).

      Der Aktienmarkt ist insofern aber ein Nullsummenspiel, dass rein rechnerisch nicht mehr als die Hälfte aller Anleger besser sein kann als der Marktdurchschnitt. Heißt: für jeden, der mehr Rendite erzielen will als der Markt bietet, muss es einen geben, der weniger erzielt.

  • Stefan 12. Januar 2014, 15:57

    Hallo Holger,
    als ich die Überschrift zu diesem Artikel las, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Die bisherigen Kommentare zeigen augenscheinlich, wie emotionsgeladen der Dialog mit Miss Börse auf breiter Front geführt wird. Und dabei sollte er völlig frei von Emotionen sein …

    Nachfolgend meine ganz persönlichen Statements, die sicher polarisieren werden:
    <—
    – Es gibt weder gute noch schlechte Zeitpunkte, um "einzusteigen". Es gibt ausschließlich Zeitpunkte.

    – Der Preis einer Aktie ist zum Kaufzeitpunkt völlig irrelevant. Relevant ist allerdings, welche Aktien ich kaufe.

    – ETF heißt das Produkt der Wahl für regelmäßige Kapitalbildungen (Sparplan) und für alle Konten, die für Aktien nicht hinreichend kapitalisiert sind (
    Das sind meine Leitlinien. Nach vielen Jahren als Spekulant bin ich seit geraumer Zeit als gelassener Investor unterwegs.

    Wie du anschaulich zeigst, ist eine gehörige Portion Geduld notwendig – Geduld und eine ganzheitlich positive Lebenseinstellung. Dann steht dem nachhaltigen Börsenerfolg nichts im Wege.
    In Wertpapiere zu investieren ist deshalb nichts für „Merchants Of Doom“ 🙂

    Viele Grüße,
    Stefan

    • Holger Grethe 12. Januar 2014, 16:54

      Hi Stefan,

      vielen Dank für deinen treffenden Kommentar!

      Ja, Geld anlegen sollte frei von Emotionen sein, was praktisch allerdings kaum machbar sein dürfte. 😉

      Was man allerdings immer versuchen sollte, ist, den Grad der Emotionalität zumindest so weit zu reduzieren, dass man langfristig sinnvolle Entscheidungen treffen kann.

      Geduld und eine positive Lebenseinstellung halte auch ich für zwei ganz elementare Wesenszüge, die einem als Investor sicher nicht schaden werden.

    • geldexperimente 12. Januar 2014, 17:17

      hallo Stefan,

      also bei Punkt 2 muss ich widersprechen: man sollte zwar erst gar nicht Einzelaktien kaufen, aber wenn man es macht, sollte der Kaufpreis ein wichtiges Kriterium sein. Nämlich in dem Hinblick, ob der Preis nicht völlig überbewertet ist. Was nützt einem eine Beteiligung an einem Unternehmen mit einem erfolgsversprechendem Geschäftsmodell, wenn zukünftige Gewinne bereits eingepreist sind und/oder sich dann das Geschäftsmodell als nicht ganz so gewinnträchtig erweist?

      Sonst stimme ich zu.

      ciao,
      christian

      (ps.: oder bin ich jetzt auf Troll-Bait hineingefallen?)

  • Christoph 13. Januar 2014, 14:21

    Alles viel zu kompliziert. Geld folgt seinen eigenen Gesetzen. An allen Börsen dieser Welt ist es stark versammelt und das Geld liebt das Spiel. Wer´s spielerisch angeht hat mehr vom Geld und vom Leben.

  • Frank 23. April 2014, 22:47

    Hallo Holger,

    danke für Dein hilfreichen Informationen, die sehr motivieren, Deine Strategien in die Tat umzusetzen. Deinen Online-Kurs werde ich gerne wahr nehmen, zumal sich mein jetziger Anlagehorizont bis zum Ruhestand durchaus auf 20 Jahre erstrecken kann.
    Frage:
    Was ist, wenn nach 20 Jahren gerade alles am Boden ist, ich aber auf mein Kapital zwecks Ruhestand (sukzessive) zurückgreifen muss? Die Börse richtet sich ja nicht nach meinem persönlichen Anlagezeitraum.
    Welche Strategien zum geregelten „Exit“ würdest du empfehlen?

    Beste Grüße
    Frank

    • Holger Grethe 24. April 2014, 11:08

      Hallo Frank,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Um in der Ruhestandsphase genügend Kapital aus deinem Depot entnehmen zu können, gestaltest du die Aufteilung zwischen dem Aktienteil und dem Anleihenteil deines Portfolios entsprechend.

      Das bedeutet praktisch, dass zum Ende der Ansparphase der Anteil der Anleihen je nach Bedarf mehr als 50% deines Gesamtdepots ausmachen sollte. Im Detail erkläre ich das alles im Kurs…

      Viele Grüße
      Holger

  • Benedikt 30. Mai 2014, 15:07

    Nur allzu gerne würde ich zustimmen und sagen, ja, ich habe noch ca. 15-20 Jahre Zeit bis zum geplanten Ruhestand. Also, nichts wie rein in mein 50/50 ETF-Portfolio.

    Dann kommt, aber diese Stimme in mir, die sagt „Moment, 50% Aktien machen bei Dir einen sechstelligen Betrag aus. Wenn die Börsen das tun, was sie immer tun, also im Schnitt 30% (die zwei Jahrhundertcrashs mal aussen vor) korrigieren, dann riskiere ich damit den Wert einer 1-2 Zimmerwohnung in einer deutschen Großstadt.“

    Ja, aber Anleihen werden es schon auffangen. In einem 0% Zinsumfeld? Wieviel Potenzial ist da noch für Zinssenkungen nach dem 5. Juni? Und das ist meiner Meinung nach in Kombination mit der Notenbankpolitik ein enormer Unterschied zu den letzten 100 Jahren.

    Ich habe keine Lust auf „Market Timing“, da ich keine Glaskugel habe und irgendwie fühle ich mich aktuell dazu gezwungen. Und so verwerfe ich den Plan wieder.

    Was ist so jemanden, wie mir zu raten? Weiter auf den Crash warten? Aktienquote runter? Teure Mischfonds? Danke für Eure Ideen.

    • Holger Grethe 31. Mai 2014, 15:16

      Hallo Benedikt,

      ein paar Gedanken zu deinem Kommentar:

      1. Wenn du in etwa 15-20 Jahren in den Ruhestand gehen willst, dann ist dein Anlagehorizont noch weitaus länger. Es soll zwar Unglücksraben geben, die es kurz nach Rentenbeginn aus den Schuhen haut, aber das ist sicher nicht die Regel.

      2. Du wirst dein Portfolio kaum bei Ruhestandsbeginn komplett liquidieren, sondern nach und nach entsparen wollen, oder? Grobe Faustregel für die Entsparphase: stehen die Aktien schlecht verkaufst du Anleihen, stehen die Kurse gut, verkaufst du vorzugsweise Aktien.

      3. Das Niedrigzinsumfeld ist kein Spaß, trotzdem erfüllen Anleihen weiterhin ihre Funktion als Risikodämpfer im Depot. Genau das ist auch ihre Aufgabe, selbst wenn der Anleihenteil eine (leichte) Negativrendite erwirtschaftet.

      „Was ist so jemanden, wie mir zu raten? Weiter auf den Crash warten? Aktienquote runter?“

      Du solltest das tun, womit du dich wohl fühlst. Auf den Crash warten IST Market Timing und imho nicht sinnvoll. Andererseits musst DU es aushalten können, wenn der „Wert einer 1-2 Zimmerwohnung in einer deutschen Großstadt“ zeitweise pulverisiert wird.

      Man darf nie vergessen: genau für das Aushalten dieses Verlustschmerzes belohnt der Aktienmarkt die Mutigen und Standhaften mit der höchsten Rendite aller Anlageklassen. Man bekommt eben nichts (oder nur wenig) geschenkt im Leben 😉

  • Peter 22. Januar 2015, 07:43

    Hallo Holger,

    wie immer vielen Dank! Es kommt von Herzen. 🙂
    Das Umstellen auf passives Investieren wirft Probleme auf, die ich als Anleger in aktiv gemanagte Fonds bisher nicht hatte.

    Ich habe eine (Anfänger)Frage zu einem anderen Aspekt von Timing.

    Bsp.:
    Anlagesumme 100.000 €, Xetra als größter Handelsplatz für den Wunsch-ETF, Problem (oder auch keins) es gibt Handelstage in der Woche mit 10.000€ und wieder andere mit 1.000.000€ Umsatz in dem ETF.

    Frage:
    Macht in so einer Konstellation ein zeitlich gestufter (10×10.000€, 4×25.000€, 2×50.000€, etc.) Kauf trotz der höheren Gebühren und der Mehrarbeit aber evtl. mit dem im Durchschnitt besseren Preis Sinn oder sind das meist Nullsummenspiele?

    LG

    Peter

    • Holger Grethe 24. Januar 2015, 17:14

      Hallo Peter,

      der Umsatz eines ETF wirkt sich meines Wissens auf den Spread aus, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei hohem Umsatz sollte der Spread geringer sein als bei geringem Umsatz, da der Market-Maker (zuständig für die Bereitstellung der Kurse) mehr Kauf- und Verkaufsgesuche zusammenführen kann.

      Bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro (pro ETF!) wirken sich natürlich auch Spread-Differenzen im Cent-Bereich aus. Aber welcher Privatanleger schiebt schon auf einen Schlag 100.000 Euro in einen ETF!?

      Ich halte das Ganze also eher für ein hypothetisches Problem 😉

  • Stefan 22. April 2015, 11:02

    Guter Artikel. Meine Meinung ist ähnlich.

    Viele Anleger haben solche Angst vor Verlusten, dass sie die Chancen übersehen.
    Mein Ziel ist es auch, dass ich einem Börsencrash möglichst ausweiche. Aber lieber sitze ich einen Crash aus, als dass ich gar nicht investiert bin.

    Wenn ein Anleger allerdings einen kurzen Zeithorizont hat, ist die Angst auch richtig. Wer sein Geld in 5 Jahren benötigt sollte nicht in Aktien anlegen.
    Ansonsten werden die meisten Kleinanleger wohl erst wieder an die Börse kommen, wenn der „Zug“ wieder voll beschleunigt hat.

  • Viktor K. 21. April 2016, 14:24

    Hallo Holger,

    top, ich find’s immer wieder interessant deine Beiträge zu lesen. Vor allem das ewige Thema mit dem Eigenheim, da bin ich ganz deiner Meinung.
    Ich überlege seit längerem in Aktien einzusteigen, habe es auch schon einige mal gemacht. Gekauft, verkauft, am Ende plus minus 0 €. Was mich wirklich sehr stört, sind die ganzen Gebühren beim kaufen und verkaufen von Aktien mit dem Depot bei der Bank.
    Gibt es einen besseren Weg als sein Depot bei einer Bank anzulegen um mit Aktien handeln zu können? Ich habe bereits zur Ing-DiBa gewechselt da dort die Gebühren vergleichseweie niedrig sind. Jedoch ist das trotzdem nicht optimal wenn man kurzfristig kaufen und verkaufen will.

    Beste Grüße und mach weiter so!

  • Urs 3. Juni 2016, 10:55

    Toller Artikel mit einleuchtenden Beispielen und nett geschrieben. Das Langzeitinvestment an der Börse scheint ja wirklich Sinn zu machen, wenn man sich die Kursentwicklung der Vergangenheit so anschaut.

    Das ist ja im Grunde auch die Herangehensweise eines Warren Buffet, wenn ich das so richtig verstehe, nur dass der Kleinanleger sich an dem Index orientieren sollte, während Buffet eher in einzelne Unternehmen investiert.

    Da aber auch immer wieder schlecht abschneidende Unternehmen aus dem Index ausscheiden, ist doch die performance in gewisser Weise geschönt, nicht war?

    • Holger Grethe 3. Juni 2016, 15:54

      Hallo Urs,

      „Da aber auch immer wieder schlecht abschneidende Unternehmen aus dem Index ausscheiden, ist doch die performance in gewisser Weise geschönt, nicht war?“

      Nein, die Performance eines Index ist (ungeschönt) wie sie ist. Wenn ein Unternehmen nicht mehr zu den Top 30, 50, 500 – oder wie groß auch immer der jeweilige Index gefasst ist – zählt, fliegt es raus und wird durch ein anderes Unternehmen ersetzt, dass die Indexkriterien erfüllt.

      Durch diese Form der „Selbstreinigung“ werden die Nieten immer aussortiert, trotzdem ziehen sie vor ihrem Ausscheiden die Performance des Index natürlich nach unten.