Was ist die beste Altersvorsorge für Selbständige?

Beste Altersvorsorge für Selbständige

Du bist selbständig oder stehst kurz vor der Existenzgründung?

Glückwunsch zu dieser Entscheidung!

Ich bin seit 2009 mein eigener Chef und habe den Schritt bis heute nicht bereut.

Auch wenn die Zeit nach dem Berufsleben noch weit weg erscheint, solltest du eine Frage nicht aktiv ausblenden:

Wovon will ich später leben?

Insbesondere Selbständige, Freiberufler und Kleinunternehmer sind gefordert, sich in Eigenregie um die Altersvorsorge zu kümmern.

Um überhaupt Vermögen aufbauen zu können, musst du allerdings zuerst deine privaten und beruflichen Finanzen organisieren.

Danach gilt es, sich einen Überblick über das Angebot von Versicherungen, Fondssparplänen, staatlich geförderten Vorsorgeverträgen und so weiter zu verschaffen.

Mit diesem Artikel bekommst die Komplettanleitung für deine Finanzen als Selbständige(r):

Bonus: Lade dir die PDF-Version dieses Artikels runter – gratis! Ideal zum Nachlesen, Ausdrucken und Verschicken an Freunde.

Bist du startklar? Ok, legen wir los …

Schritt 1: Finanzmanagement für Selbständige

Finanzmanagement für Selbständige

Wer als Selbständiger Vermögen bilden will, steht vor diesen 5 Herausforderungen:

#1 Wechselhaftes Einkommen

Die Arbeitsbelastung mag schwanken, der Chef mal wieder „seine Tage“ haben, die Kollegen nerven …

…auf eines können sich Angestellte verlassen wie auf das Amen in der Kirche:

Am Monatsende (alternativ in der Monatsmitte) landet das Gehalt auf dem Konto. Und zwar mehr oder weniger immer der gleiche Betrag.

Angestellte und Beamte haben eben einen Kunden (ihren Arbeitgeber), der sie pünktlich bezahlt.

Von dieser Zahlungsmoral können die meisten Selbständigen nur träumen.

Wie hoch das nächste Monatseinkommen ausfällt und wann das Geld letztlich auf dem Konto landet, lässt sich nicht sicher sagen.

Man weiß nie genau, wann die Zeiten wieder schlechter werden. Deshalb lohnt es sich, in guten Monaten ordentlich etwas auf die Seite zu packen.

Was uns zum nächsten Punkt führt:

#2 Rücklagen bilden

Insbesondere für Existenzgründer ist es eine bittere Erkenntnis:

„Das Geld, das ich von meinen Kunden bekomme, gehört gar nicht mir allein!“

Stimmt, denn einen guten Teil davon beansprucht der Staat in Form der Einkommensteuer.

Und der Umsatzsteuer. Gegebenenfalls der Gewerbesteuer. Und je nach Rechtsform auch noch der Körperschaftsteuer.

Ups.

Das Heimtückische an der Sache ist, dass die „Brutto für Netto“-Nummer eine Zeit lang sogar ganz gut funktioniert.

Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt …

…an dem man vom Finanzamt eine Nachforderung in fünfstelliger Höhe plus saftiger Steuervorauszahlungen für das laufende Jahr präsentiert bekommt.

Da hilft nur, von Anfang an Rücklagen zu bilden.

Wer immer mindestens 40 Prozent seiner Bruttoeinkünfte auf die Seite packt, sollte vor bösen Überraschungen sicher sein.

Rücklagen müssen aber nicht nur fürs Finanzamt gebildet werden.

Sondern auch um in schlechten Monaten weiterhin alle Fixkosten bedienen und Rechnungen zahlen zu können (siehe Punkt 1).

Damit kommen wir zum nächsten Problem:

#3 Trennung von privaten und beruflichen Finanzen

Ein Aufgabe, mit der sich erfahrungsgemäß viele Selbständige schwer tun.

Die Verquickung der privaten mit den beruflichen Finanzen ist aus mehreren Gründen ein Problem:

  • Es erschwert die Buchhaltung (wenn alles über ein gemeinsames Konto läuft)
  • Es erschwert die Übersicht („wie viel darf ich ausgeben?“)
  • Es verschleiert den finanziellen Status quo der eigenen Unternehmung („bin ich überhaupt profitabel?“)
  • Es erschwert strategische Entscheidungen („in welche Richtung möchte ich mein Unternehmen lenken?“)

Für die Trennung der beruflichen von den privaten Finanzen empfehle ich die 4-Konten-Lösung:

  1. Business-Girokonto: für alle beruflichen Zahlungsein- und -ausgänge
  2. Business-Tagesgeldkonto: für berufliche Rücklagen (Steuer-Rückstellungen etc.)
  3. Privates Girokonto: für alle privaten Zahlungsein- und -ausgänge
  4. Privates Tagesgeldkonto: für private Rücklagen (3-4 Nettomonatseinkommen)
Idealerweise zahlt man sich einmal pro Monat selbst ein fixes Gehalt aus.

Das Geld fließt dafür von Konto 1 (Business-Giro) auf Konto 3 (privates Giro).

Mit den Tagesgeldkonten (Konto 2 und 4) schafft man sich wiederum zwei voneinander unabhängige Pufferzonen.

Damit wird eine private Notlage nicht direkt zum unternehmerischen Problem. Wie beispielsweise ein kaputtes Auto, dessen Reparatur einen mittleren vierstelligen Betrag kostet.

Und unternehmerische Herausforderungen wirken sich nicht unmittelbar auf das Privatleben aus. Indem zum Beispiel der lang ersehnte Jahresurlaub einer Steuernachzahlung zum Opfer fällt.

Einschränkend muss man allerdings sagen, dass sich die Trennung der privaten und von den beruflichen Finanzen nie zu 100 Prozent realisieren lässt.

Warum das so ist, wird klar, wenn wir uns den nächsten Punkt ansehen:

#4 Re-Investieren oder Konsumieren?

Sein eigener Chef zu sein ist toll. Es zwingt einen aber auch dazu, ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen. Unter anderem diese:

Wie viel Gehalt gönne ich mir?

Denn selbst nachdem man ordentlich Rücklagen gebildet und für schlechte Zeiten vorgesorgt hat, bleibt die Frage:

Was tun mit dem Gewinn?

Das unternehmerische Dilemma besteht darin, zu entscheiden, wie viel Geld man sich monatlich auszahlt und für private Zwecke ausgibt. Und wie viel Geld man in sich und sein Unternehmen re-investiert.

Ein englisches Sprichwort besagt treffenderweise: „You can’t have your cake and eat it“

Es gilt, einen goldenen Mittelweg zu finden zwischen Konsum auf der einen Seite – als Belohnung für die geleistete Arbeit.

Und der Investition in seine Unternehmung auf der anderen Seite.

Selbst als Ein-Mann- beziehungsweise Eine-Frau-Unternehmen sollte man einen Teil des Gewinns in das Wachstum und die Optimierung des Geschäfts stecken.

Und nein, damit ist nicht Anschaffung eines möglichst luxuriösen Geschäftsautos gemeint …

Hast du die ersten vier Herausforderungen mit Bravour gemeistert, solltest du deinen Blick unbedingt in die Zukunft lenken:

#5 Altersvorsorge für Selbständige

Damit tun sich viele Selbständige allerdings eher schwer.

Sie sind vollkommen ausgelastet mit dem Aufbau und dem Betrieb ihres Unternehmens, dass sie kaum einen Gedanken an Morgen verschwenden.

Und auch beim Vermögensaufbau steht man wieder vor der kniffeligen Frage:

Investiere ich in mich selbst (Altersvorsorge) oder lieber in mein Unternehmen?

Dabei lassen sich die beiden Punkte in vielen Fällen gar nicht klar voneinander trennen.

Denn der Verkauf eines erfolgreichen Unternehmens kann in der Zukunft theoretisch alle Altersvorsorge-Probleme mit einen Schlag lösen.

Muss er aber nicht …

Problematisch wird es, wenn der Gewinn Jahr für Jahr zu niedrig ist, um über das alltägliche Geschäft hinaus noch langfristige Rücklagen bilden zu können.

Wenn dadurch die eigene Arbeitskraft zeitlebens der einzige Vermögenswert bleibt.

Wer sich mit Anfang 20 selbständig macht, hat sicher ein paar Jahre Zeit, das Thema Vermögensbildung ohne schlechtes Gewissen zu verdrängen.

Wer später in die Selbständigkeit einsteigt, sollte das Problem der Altersvorsorge nicht in alle Ewigkeit prokrastinieren, nach dem Motto:

„Ich fang ganz bestimmt an zu sparen, sobald meine Selbständigkeit mal irgendwann besser läuft!“

Über Risiko und Vermögen

Vermögensaufbau in zwei Schritten

Die Sicherung deiner finanziellen Zukunft solltest du in zwei Schritten angehen: Risikoabsicherung und Vermögensaufbau.

Leider werden diese zwei Dinge viel zu häufig in einen Topf geschmissen.

Bei der Risikoabsicherung geht es darum, existenzbedrohende Risiken gegen Gebühr an ein Versicherungsunternehmen abzutreten.

Vermögensbildung bedeutet, möglichst viel Kapital anzusparen und durch eine positive Rendite zu vermehren.

Es ist wichtig, den einen Schritt erst nach dem anderen zu tun …

Schritt 2: Lebensrisiken absichern

Lebensrisiken absichern

Um diese vier existenzbedrohlichen Risiken musst du dich unbedingt kümmern:

#1 Risiko Krankheit

Eine Krankenversicherung ist absolute Pflicht. Dabei ist völlig zweitrangig, ob gesetzlich oder privat.

Hauptsache versichert.

Empfehlenswert ist auch eine Krankentagegeldversicherung, die den Verdienstausfall während (längerer) Krankheitsphasen kompensiert.

Sie lässt sich in der Regel an die Krankenversicherung als Zusatzleistung „andocken“.

#2 Risiko Berufsunfähigkeit

Auch wenn der Versicherungsschutz teuer ist:

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung empfiehlt sich für den Fall, dass du aus gesundheitlichen Gründen kein Einkommen mehr aus deinem Beruf erzielen kannst.

#3 Risiko Haftpflichtschaden

Wer fahrlässig einen Sach- oder Personenschaden verursacht, muss Schadensersatz leisten.

Man haftet mit seinem gesamten Vermögen und auch große Teile des Einkommens können gepfändet werden, um den Schaden auszugleichen.

Eine Privathaftpflichtversicherung ist daher unverzichtbar.

Bei bestimmten Berufen empfiehlt sich zudem eine spezielle Berufshaftpflichtversicherung, die für Personen- und Vermögensschäden aufkommt.

#4 Risiko Tod

Wenn du Kinder hast und einen wesentlichen Teil zum Haushaltseinkommen beisteuerst, solltest du eine Risikolebensversicherung (RLV) abschließen.

Im Falle deines Todes ist damit für die Nachkommen gesorgt.

Im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung ist die reine Risikolebensversicherung vergleichsweise kostengünstig.

Hast du alle elementaren Risiken abgedeckt?

Tipp: Beim Bund der Versicherten kannst du dich unabhängig von den Interessen der Versicherungswirtschaft über die Policen informieren, die dir noch fehlen.

Ich will es noch einmal betonen:

Ohne Absicherung der elementaren Lebensrisiken macht der Aufbau eines Vermögens zur Altersvorsorge keinen Sinn.

Zu groß ist die Gefahr, dass das angesparte Kapital im Falle eines Worst-Case-Szenarios angezapft oder gar aufgebraucht werden muss.

Also, erst absichern und dann weiter machen mit …

Schritt 3: Vermögen bilden

Vermögen bilden

Welche Optionen stehen dir nun zur Verfügung, um für später Vermögen aufzubauen?

Zuerst solltest du klären, ob du in einer Berufsgruppe tätig bist, die der Versicherungspflicht unterliegt:

Bist du pflichtversichert?

In bestimmten Fällen müssen auch Selbständige entweder in die gesetzliche Rentenversicherung oder ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlen.

Bei der Deutschen Rentenversicherung ist übrigens auch eine freiwillige Mitgliedschaft für Selbständige möglich.

Ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt …

So funktioniert Vermögensaufbau

In der Ansparphase legt man regelmäßig Geld zurück und sorgt durch gute Investitionsentscheidungen dafür, dass sich dieses vermehrt.

In der Entsparphase zehrt man von dem Kapital, das man während der Ansparphase angehäuft hat.

Schauen wir uns nun vier Optionen an, mit denen Selbständige langfristig Vermögen aufbauen können:

  • Lebensversicherungen (Rentenversicherungen)
  • Basis-Rente (Rürup-Rente)
  • Investition in Immobilien (selbstgenutzt oder fremdvermietet)
  • Investition in Wertpapiere (Aktien und Anleihen)

Gehen wir alle Optionen der Reihe nach durch …

Lebensversicherungen (Rentenversicherungen)

Rentenversicherung Selbständige

Diese werden in drei Varianten angeboten:

#1 Klassische Lebens- und Rentenversicherung

Bei klassischen Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen lässt die Kostenstruktur kaum mehr als ein Nullsummenspiel erwarten. Sprich:

Am Ende kannst du froh sein, wenn du das raus bekommst, was du zuvor über lange Jahre eingezahlt hast.

Von einer Kapitalvermehrung darf man angesichts kaum vorhandener Zinsen wohl nur noch träumen.

Der Höchstrechnungszins, auch Garantiezins genannt, beträgt für neu abgeschlossene Lebensversicherungen nur noch 0,9 Prozent.

Von 100 eingezahlten Euro werden aber höchstens 90 Euro angelegt.

Denn durchschnittlich 11 Prozent der eingezahlten Beiträge gehen bei den Lebensversicherern für die Kosten des Versicherungsbetriebs (Verwaltung, Abschlussprovisionen, Vertrieb etc.) drauf.

Experten (*) rechnen mit einem Renditeverlust von etwa 1,6 Prozent pro Jahr, der Kunden von Lebensversicherungen auf diese Weise entsteht.

Kosten und Inflation addieren sich zusammen auf gute 3,6 Prozent, die Lebensversicherer jedes Jahr erwirtschaften müssten, damit am Ende wenigstens eine schwarze Null bei der Rendite steht.

Das erscheint in der jetzigen Niedrigzinsphase utopisch.

Nicht viel besser sieht es bei der nächsten Variante aus:

#2 Fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen

Durch das Investment in Aktienfonds beziehungsweise Mischfonds versprechen diese zwar eine höhere Bruttorendite als zinsbasierte Sparverträge.

Dafür hieven sie aber weitere Gebühren mit an Bord, die letztendlich zu mickrigen Nettorenditen führen:

Zu den 1,6 Prozent Renditeverlust für den “Versicherungsmantel” addieren sich Verwaltungsgebühren von durchschnittlich 1,3 Prozent für den Fondssparplan.

Hinzu kommen noch etwa 1,5 Prozent Transaktionskosten, die aktiv gemanagten Fonds durch häufiges Handeln von Wertpapieren intern entstehen.

Insgesamt mehr als 4 Prozent Renditeverlust pro Jahr lassen den Abschluss einer fondsgebundenen Versicherung wenig attraktiv erscheinen.

Die Versicherungbranche scheint die Zeichen der Zeit aber erkannt zu haben und bietet mittlerweile neue Produkte an:

#3 ETF-Rentenversicherungen mit Nettotarif

Diese setzen auf kostengünstige Indexfonds (ETFs) und bieten gegenüber den davor genannten Varianten zwei Vorteile:

  1. Geringe Kosten des Versicherungsmantels (ca. 0,5 Prozent pro Jahr)
  2. Geringe Kosten auf Fondsebene (ca. 0,2 Prozent pro Jahr)

Anstelle von hohen Abschlussprovisionen treten bei Nettotarifen (Honorartarifen) einmalige Vermittlungskosten für einen Honorarberater.

Ohne diesen lässt sich eine Versicherung zum Nettotarif nicht abschließen.

Was man grundsätzlich bei fondsgebundenen Rentenversicherungen beachten sollte:

Es gibt keine Beitragsgarantie. Das bedeutet, es sind (theoretisch) auch Verluste möglich.

Was angesichts einer durchschnittlichen Aktienmarktrendite von ca. 6 Prozent pro Jahr allerdings unwahrscheinlich ist.

Steuervorteile bei der Rentenversicherung

Die Erträge aus einer Rentenversicherung werden bei der Auszahlung nur hälftig besteuert.

An diesen Steuervorteil knüpfen sich allerdings zwei Bedingungen:

  1. Der Vertrag muss mindestens 12 Jahre laufen
  2. Der Empfänger muss mindestens 63 Jahre alt sein

Wird statt der Kapitalausschüttung eine lebenslange Rentenzahlung gewählt, wird der sogenannte Ertragsanteil besteuert. Dessen Höhe ist abhängig vom Alter des Versicherungsnehmers bei Rentenbeginn.

Steuerliche Vorteile bereits während der Ansparphase verspricht die nächste Produktkategorie:

Basisrente (Rürup-Rente)

Basisrente Rürup Rente

Bei der Basis- oder Rürup-Rente handelt es sich um einen Ersatz der gesetzlichen Rente.

Dementsprechend reglementiert sind Anlagprodukte, die Versicherungsanbieter und Kapitalanlagegesellschaften unter dieser Bezeichnung anbieten dürfen.

Wie bei der Rentenversicherung (siehe oben) stehen die folgenden drei Varianten zur Verfügung:

  1. klassische Basisrente
  2. fondsgebundene Basisrente
  3. ETF-Basisrente mit Nettotarif

Insbesondere für Gutverdiener interessant ist die …

Steuerliche Förderung der Rürup Rente

In der Ansparphase können 84 Prozent der Beiträge bis zu einer Höchstgrenze von 23.362 Euro (Stand 2017) als Sonderausgaben steuermindernd geltend gemacht werden.

Jedes Jahr steigt der steuerlich anrechenbare Teil um 2 Prozentpunkte und erreicht im Jahr 2025 schließlich 100 Prozent.

Im Gegenzug müssen die Auszahlungen eines Rürup-Vertrags in der späteren Entsparphase voll versteuert werden.

Hintergrund ist das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften.

Staatliche Zulagen (analog zur Riester-Rente) werden bei der Basisrente in der Ansparphase nicht gewährt.

Der Abschluss einer Basisrente lohnt sich damit nur dann, wenn die Steuerlast in der Ansparphase (deutlich) höher ausfällt als im Rentenalter.

Nur, wie soll man das am Anfang oder inmitten seiner beruflichen Laufbahn wissen?

Was passiert, wenn das Einkommen im Laufe des Lebens stark schwankt? Erst steigt, dann wieder sinkt? Oder lange stagniert und erst sehr spät steigt?

Die Schattenseiten der Basisrente

Die wichtigsten Nachteile im Überblick:

  • Der Vertrag kann vor Rentenbeginn nicht gekündigt, sondern nur beitragsfrei gestellt werden (die Kosten laufen allerdings weiter und dezimieren das eingezahlte Kapital).
  • Das eingezahlte Kapital darf nur in Form einer lebenslangen Rente frühestens ab dem 62. Lebensjahr ausgezahlt werden.
  • Der Knackpunkt: Stirbt man wenige Jahre nach Renteneintritt, fällt das nicht ausgezahlte Kapital an die Versichertengemeinschaft.
  • Eine Rürup-Rente kann nur durch Zusatzvereinbarungen im Vertrag an Ehepartner (seit 2013 auch an eingetragene Lebenspartner) oder Kinder (Bedingung: Kindergeldanspruch) in Form einer Hinterbliebenenrente vererbt werden.

Ein beliebtes Gestaltungsmittel bei Abschluss der Rürup Rente ist die …

Kopplung mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Durch die Kombination von Rürup-Vertrag und Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) werden zwar die BUZ-Beiträge steuerlich absetzbar.

Im Leistungsfall muss die Berufsunfähigkeitsrente dann allerdings voll versteuert werden.

Bei einer eigenständigen Berufsunfähigkeitsversicherung wird hingegen nur der Ertragsanteil besteuert.

Ein weiterer Nachteil:

Ist man durch einen finanziellen Engpass gezwungen, die Rürup Rente beitragsfrei zu stellen, wirkt sich dies nachteilig auf die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente aus.

Mit einer Rürup-Rente begibt man sich leider in ein ziemlich starres Vertragskorsett.

Wie wäre es da mit etwas Handfestem und einer …

Investition in Immobilien

Immobilien

Wer in echtes “Betongold” investieren will, hat diese beiden Möglichkeiten:

#1 Das Eigenheim

Das kreditfinanzierte Kauf einer selbstgenutzten Immobilie ist für Selbständige keine unriskante Angelegenheit.

Ein (hohes) Immobiliendarlehen stellt nichts anderes als die Verpflichtung auf ein bestimmtes Einkommensniveau dar.

Daraus ergibt sich ein “Zwangsspareffekt”, denn mit einer kreditfinanzierten Immobilie wird man regelrecht zum Sparen gezwungen.

Auf den Vermögensaufbau wirkt sich dieser Effekt positiv aus.

In wirtschaftlich schlechten Zeiten kann er jedoch schnell zu einem ordentlichen Stressfaktor in der Selbständigkeit werden.

Es ist bei weitem unkomplizierter, in eine günstigere Mietwohnung zu ziehen, als ein Eigenheim loszuwerden, das einen finanziell überfordert.

Ausführliche Informationen über die Vor- und Nachteile eines Eigenheims findest du in diesem Artikel:

#2 Die Mietimmobilie

Der Kauf einer Wohnimmobilie zur Vermietung ist ebenfalls ein bewährter Weg, um langfristig Vermögen aufzubauen.

Allerdings ist dies für Selbständige mit mehreren Nachteilen verbunden:

Es braucht ein gewisses Know-how, um bei der Auswahl der Mietimmobilie keine gravierenden Fehler zu machen.

Angesichts des gegenwärtigen Immobilienbooms sind attraktive Anlageobjekte mittlerweile Mangelware, was einen höheren Recherche-Aufwand notwendig macht.

Es muss dir klar sein, dass Immobilien als Kapitalanlage einen nicht unerheblichen Zeiteinsatz erfordern.

Zeit, die dir als Selbständiger an anderer Stelle fehlt …

Hinzu kommt: Mit dem Kauf einer einzigen Immobilie holst du dir ein Klumpenrisiko an Bord.

Insbesondere für Selbständige mit wenig Eigenkapital sind Immobilien daher keine ideale Lösung.

Ausführliche Informationen über die Vor- und Nachteile von Immobilien als Kapitalanlage findest du in diesem Artikel:

Kommen wir zur vierten Option, um als Selbständiger Vermögen aufzubauen:

Investition in Wertpapiere

Wertpapier Depot

Ein in Eigenregie geführtes Wertpapierdepot ist die aus meiner Sicht beste Altersvorsorge für Selbständige. Dafür sprechen vier Gründe:

#1 Hohe Rendite

Langfristig bieten Aktien die höchste Rendite aller Anlageklassen. Diese betrug in den letzten 200 Jahren durchschnittlich 6 Prozent pro Jahr – nach Abzug der Inflation!

Dafür muss man allerdings zwischenzeitliche Wertschwankungen des Portfolios in Kauf nehmen.

#2 Niedrige Kosten

Die Investition in kostengünstige Indexfonds – Exchange Traded Funds (ETFs) – ist mit nur geringen Verwaltungsgebühren und Transaktionskosten verbunden.

Und je geringer die Kosten eines Investments, desto mehr bleibt dir vom Gewinn übrig.

#3 Geringer Zeitaufwand

Die Verwaltung und Pflege eines gut strukturierten ETF-Portfolios kosten keine fünf Stunden Arbeit – pro Jahr!

Anfangs ist natürlich ein gewisser Zeiteinsatz notwendig, um sich das notwendige Know-How fürs passive Investieren mit ETFs zu erarbeiten.

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

#4 Gute Risikostreuung

ETFs enthalten Aktien oder Anleihen von einer Vielzahl von Unternehmen. Richtig eingesetzt lassen sich die damit verbundenen Risiken breit streuen.

Weitere Vorteile eines Wertpapierdepots: Es gibt …

  • keine Vertragslaufzeit mit fixen Beiträgen
  • keine Abschluss- und Vertriebskosten
  • keine überzogenen Storno- und Verwaltungsgebühren
  • keine Abhängigkeit von nur einem Versicherungsunternehmen

Noch mehr Argumente, die für den Vermögensaufbau mit ETFs sprechen, findest du in diesem Artikel:

Schlusswort

Egal für welchen Weg du dich am Ende entscheidest:

Wichtig ist, dass du überhaupt für später Vermögen aufbaust.

Es spricht auch nichts dagegen, zwei oder drei der genannten Anlagemöglichkeiten miteinander zu kombinieren.

Denn die Risiken bei der Geldanlage zu streuen, ist in jedem Fall eine gute Idee!
 

Was ist die beste Altersvorsorge für Selbständige?
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Ideal zum Nachlesen, Ausdrucken und Verschicken an Freunde.

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Hast du Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals im Oktober 2013 veröffentlicht und ist seitdem komplett überarbeitet und aktualisiert worden.
{ 24 Kommentare… add one }
  • Steuermann 10. Oktober 2013, 09:40

    Lieber Holger,
    erlaube mir noch eine kleine Ergänzung. Den Risikotodesfallschutz halte ich auch für den Nicht- oder Geringverdiener dringend für erforderlich, der sich “nur” um die Kinder kümmert. Kommt es hier zum Todesfall, muss sich auch der Hauptverdiener in der Familie völlig neu strukturieren und wird Geld benötigen. Der reine Risikotodesfallschutz ist ja vergleichsweise günstig zu haben.

    Bitte vorsorglich auch an die Konsequenzen einer möglichen Erbschaftsteuer denken und die Verträge “über Kreuz” abschließen. Der Ehemann versichert in seinem Vertrag das Leben der Ehefrau und umgekehrt! Dann belasten eventuelle Zahlungen aus dem Vertrag nicht den Erbschaftsteuerfreibetrag in Höhe von 500.000 EUR unter Eheleuten.

    Wieder mal – toller Artikel!

    Liebe Grüße vom Steuermann

    • Holger Grethe 10. Oktober 2013, 11:27

      Vielen Dank für die wertvollen Hinweise zu den steuerlichen Aspekten des Todesfallschutzes.

      Die “Über Kreutz”-Versicherung unter Eheleuten hatte ich so noch nicht auf dem Schirm. Wenn ich es richtig verstehe, ist das aber nur relevant, wenn die Versicherungssumme pro Kopf 500.000€ übersteigt, oder?

    • Steuermann 10. Oktober 2013, 11:53

      Hallo Holger,

      ich möchte das steuerlich noch einmal (stark vereinfacht) wie folgt erläutern:

      Es wird dann interessant, wenn das Vermögen des Ehegatten 500.000 EUR übersteigt.

      Beispiel:
      Die Ehefrau A besitzt ein Depot im Volumen von 500.000 EUR. Sie verstirbt. Erbe ist alleine Ehemann B. Nach Abzug des Freibetrages unter Ehegatten in Höhe von 500.000 EUR verbleibt kein erbschaftsteuerpflichtiger Betrag (Versorgungsfreibetrag, etc. aus Vereinfachungsgründen außen vor gelassen).
      Hätte die Ehefrau A jedoch noch eine Risiko-LV auf ihr Leben abgeschlossen und ihr Mann wäre begünstigte Person, fiele nun Erbschaftsteuer an.

      Hätte der Ehemann die Police auf seinen eigenen Namen (aber das Leben seiner Ehefrau) abgeschlossen, hätte er diesen Anspruch nicht geerbt sondern erhielte ihn aufgrund seines eigenen Vertrages. Daher fiele keine Erbschaftsteuer an.

      Ich hoffe es ist nun klarer!

    • Holger Grethe 11. Oktober 2013, 20:54

      Verstehe, so wird es klar. Ganz schön tricky, das deutsche Steuerrecht. 😉

    • Dummerchen 10. Oktober 2013, 12:34

      Da pflichte ich dem Steuermann bei: derjenige, der beim Tod des Partners versorgt sein soll, sollte “Versicherungsnehmer” sein und muss die Beiträge bezahlen. Den Tod würde dann die “versicherte Person” ereilen.
      Dieser Zusammenhang ist bei unverheirateten Paaren noch wichtiger, denn dort ist der Freibetrag von 20k€ nochmals deutlich kleiner.

    • zentrader 10. Oktober 2013, 23:28

      Lieber Steuermann,

      herzlichen Dank, toller Kommentar!

      Alles Gute.

  • Jörg 11. Oktober 2013, 11:46

    Hallo Holger,

    Gratulation zu diesen sehr gut gelungenen Plädoyer seine Altersvorsorge SELBST in die Hand zu nehmen. Leider fallen viele immer wieder in die Falle “verstehe ich nicht/ist mir zu kompliziert” rein und übergeben Ihre Finanzen und Altersvorsorge in Hände anderer anstatt sich selber in die Materie einzuarbeiten. Oder noch schlimmer: Viele machen gar nichts! Wenn es allerdings darum geht einen neuen TV-Flachbildschirm für das Wohnzimmer erwerben zu wollen dann wird oftmals Wochen lang recherchiert und sich Expertenwissen angeeignet. Eigentlich ein falsche Welt…
    Ich hoffe Dein Blog inspiriert viele Menschen dazu seine Finanzen selber in die Hand zu nehmen. Mich hast Du schon mal gefangen und auch wenn ich noch weit vom Experten entfernt bin so hilfts Du doch gewaltig, das sich aus dem nebligen Grau so langsam Farben und Kontraste erkennen lassen!

    Gruß… Jörg

    • Holger Grethe 11. Oktober 2013, 21:00

      Viele Dank, Jörg!

      Freut mich, wenn dieses Blog mit dazu beiträgt, dass das unliebsame Finanzthema seinen Schrecken verliert. Die Umschreibung mit “nebliges Grau” trifft es wirklich sehr gut. 🙂

  • Martin 14. Oktober 2013, 16:39

    Hallo Holger,

    schöne Übersicht! Mal eine Frage: Im Bereich der Altersvorsorge für Angestellte (Riester) gibt es meines Erachtens ein recht akzeptables Produkt: Den Banksparplan – gibt es so etwas nicht auch für Selbstständige mit Rürup Förderung?

    Vorteile bei Banksparplänen sind ja die staatlichen Zulagen in Kombination mit sehr geringen Gebühren und der Flexibilität jederzeit auf ein anderes gefördertes Produkt zu wechseln …

    Viele Grüße
    Martin

    • Dummerchen 14. Oktober 2013, 20:05

      Hallo Martin,

      ich komme mal Holger zuvor und versuche auf den Riesterbanksparplan aus der Sicht eines ebenfalls Angestellten einzugehen. Wir sind da bei einem Selbständigen-Thema zwar etwas Off-Topic, aber die Angestellten der Blogleser könnte es ja interessieren und die Selbständigen können es einfach ignorieren.

      Ich habe einen solchen abgeschlossen, um AVWL-Zulagen meines Arbeitgebers mitzunehmen. Dies habe ich ausschließlich getan, um ein paar Hundert Euro jährlich nicht zu verschenken. Mehr als den AG-Anteil lasse ich dort nicht einfließen. Daher waren mir auch die von Dir genannten niedrigen Gebühren (bei mir sind es genau 0.- Euro) wichtig. Ansonsten hätte ich ihn nicht abgeschlossen, denn ich finde ihn nicht wirklich lukrativ:

      Es gibt ja verschiedene Modelle, wie sich der Zins eines Riesterbanksparplans bestimmt. Insbesondere die Volks- und Raiffeisenbanken koppeln gerne an die Umlaufrendite (z.B. Umlaufrendite – 0,5 Prozentpunkte) und die Sparkassen haben Bonussysteme. Allen Angeboten gemein ist, dass die Rendite eher auf niedrigem Niveau sind. In meinem konkreten Fall war die Rendite bei Abschluss rund 0,5% unterhalb vom Tagesgeldniveau – und ich habe einen der sehr gut bewerteten Angebote (Finanztest) abgeschlossen.
      Jetzt frage ich mich, wenn ich Geld festverzinslich für 20, 30 Jahre in ein Banksparprodukt stecke und Tagesgeldzinsniveau (oder weniger) erhalte, warum sollte das gut sein? Lege ich das gleiche Geld immer wieder für 5 Jahre festverzinslich an, so würde ich deutlich mehr Rendite erzielen.

      Jetzt sagst Du vielleicht: “Die staatlichen Zulagen, Steuerermäßigung, da spare ich doch auf jeden Fall!” Genau da bin ich mir sehr unsicher. Der Staat fördert Dich bei Riesterprodukten zwar heute mit einer Steuerstundung, er holt sich aber während der Riesterrentenbezugsphase viele der Steuern zurück. Ich denke zwar auch, dass die Steuern im Alter geringer als im Arbeitsleben sein werden, aber die demographische Entwicklung wird wohl auch dazu führen, dass der Staat sich dort bedienen muss, wo es was zu holen gibt und wenn es immer mehr Rentner gibt, muss man auch immer mehr denen an die Tasche greifen. Ich würde als nicht viel darauf wetten, dass der Steuereffekt die verlorene Rendite wieder wettmachen wird. Dafür ist Dein Geld aber im Riestervertrag für viele Jahre gebunden.

      Die von Dir genannte Flexibilität, auf ein anderes Produkt zu wechseln, ist so eine Sache. Fondssparpläne habe ich mir lange Zeit angeschaut und schließlich verworfen. Die Fonds (oder sogar Dachfonds mit doppelter Gebührenebene!) haben hohe laufende Kosten und man zahlt Ausgabeaufschläge. Die DWS-Produkte habe ich mir zeitweise etwas genauer angeschaut, aber Knackpunkt bei den Riesterfonds sind für mich (neben den Kosten) die Wertsicherungssysteme, um die Beitragsgarantie sicher zu stellen. Diese Sicherungssysteme führen dazu, dass von den monatlichen Beiträgen solange Aktienfondsanteile nachgekauft werden, solange die Aktienkurse steigen. Erst wenn die Kurse wieder soweit abgesunken sind, dass die Beitragsgarantie gefährdet ist, werden die bestehenden Aktienfondsanteile größtenteils in Renten umgeschichtet. Das führt dann vereinfacht ausgedrückt zu “Buy high, sell low”. Na, prima :-(.

      Zu Riesterrentenversicherungen möchte ich mich auch nur kurz äußern – ich lehne sie aus Kostengründen ab. Viel zu teuer. Ich würde generell (also unabhängig von Riester) eine Rentenversicherung höchstens als Sofortrente abschließen. Daher verliert für mich die Flexibilität eines Produktwechsels an Wert.

      Solange es keine ETF-ähnlichen Produkte mit niedrigen Kosten gibt, sehe ich wenig Handlungsbedarf bezüglich Riester. Durch die Wertsicherungssysteme mit nicht von mir bestimmbaren Portfolioanteilen, könnte ich mir auch nur ein Staatsanleihen-ETF-Produkt vorstellen. Da müsste der Anbieter ja hoffentlich nicht eingreifen müssen.

      Viele Grüße
      Dummerchen

  • Suffi 16. Oktober 2013, 13:27

    Hallo zusammen,
    ich fange gerade an über meine private Altersvorsorge nachzudenken, da ich seit ca. 1 Jahr Selbstsändig bin und es nun gut läuft.

    Fragen:
    1. Wie sieht se den mit den steuerlichen Aspekten bei den ETF´s aus?
    Abgeltungssteuer, steuerliche Vorteile bei einem Sparplan?
    2. Kann so was auch bei einer Pensionszusage der GmbH für den GF verwendet werden?

    hier Noch eine link zu ETF´s http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/a-719432.html

    Gruß
    Sufi

    • Holger Grethe 16. Oktober 2013, 17:19

      Hi Sufi,

      Glückwunsch zur erfolgreichen Selbständigkeit. Freut mich, dass es gut läuft bei dir.

      Über die steuerlichen Aspekte habe ich bereits hier etwas geschrieben. Ich wüsste nicht, warum ein Sparplan steuerliche Vorteile bieten sollte. Bei Sparplänen muss man eher aufpassen, dass die Gebühren nicht zu hoch sind. Je nach Anlagesumme und -intervall lohnt sich da die eigenhändige Direktanlage.

      Ich bin nicht sicher, ob ich deine zweite Frage richtig verstehe. Du meinst, ob eine GmbH eine betriebliche Altersvorsorge auf Basis eines ETF-Depots anbieten kann?

      Ich kann dich da auch nur an Wikipedia (Betriebliche Altersversorgung) verweisen, könnte mir aber vorstellen, dass das eher nicht möglich sein wird.

  • Paule 16. Oktober 2013, 17:25

    Frage an “Dummerchen”:

    Mir ist jetzt nicht ganz klar, welche Strategie du nun fährst – abgesehen von dem Riesterbanksparplan mit den Arbeitgeberzuschüssen sowie Tagesgeld für mehrere Jahre.

    Du machst kein Rürup, Fonds oder Aktien – richtig?

    Danke,
    Paule

    • Dummerchen 16. Oktober 2013, 23:27

      Hallo Paule,

      ich frage mich, wie Du auf die Idee kommst, ich würde nur einen Riester-Banksparplan und Tagesgeld nutzen. Ich habe ja hin und wieder Holgers Beiträge kommentiert – habe ich tatsächlich den Eindruck erweckt, ich würde mich nicht für Aktienmärkte interessieren ;-)?

      Nun, da ich keinen Hehl aus meinen bevorzugten Anlagen mache, stelle ich das (natürlich ohne konkrete Zahlen) gerne auch mal explizit dar:

      Ich investiere bislang lediglich in Produkte, die transparent und kostengünstig sind und mir eine gewisse finanzielle Flexibilität lassen. Ich hätte per se nichts gegen attraktive langfristige Vertragsbindungen – bislang habe aber ich noch keinen Vertrag (Lebens- oder Rentenversicherung, Betriebsrente) gesehen, der nicht mit Kosten übersät gewesen wäre 🙁 und im Vergleich zu meinen Anlagen (s.u.) besser abschneiden würde. Da sind mir die staatlichen Förderungen wie oben angedeutet einfach zu vage.

      Der Riesterbankvertrag ist eine Ausnahme von der langfristigen Bindung – ich kann ihn aber jederzeit kostenfrei aussetzen und habe durch ihn wie oben dargestellt nur Vorteile. Er ist (ein kleiner) Teil meines risikoarmen Portfolioanteils. Ergänzt wird er von Tagesgeld und Festgeld. Ich persönlich schätze Festgeld (Banksparbriefe mit entsprechender Einlagensicherung) so sicher wie deutsche Staatsanleihen ein und sehe hier höhere Renditen. Die Rendite ist zwar insbesondere z.Z. nicht überragend, aber dieser Teil meines angelegten Geldes dient hauptsächlich dem Werterhalt und soll Stabilität ins Gesamtvermögen bringen.
      Tagesgeld dient mir zum einen als Liquiditätsreserve und zum anderen als Zwischenpuffer für’s Festgeld oder Rebalancen.

      Den risikoreichen Teil meines Portfolios stellen ausschließlich ETFs dar. Ich investiere in Aktienindex-ETFs und investiere hierüber weltweit und breit in nahezu alle Märkte. Dies ist ja relativ kostengünstig mit wenig Aufwand möglich und entspricht ziemlich genau dem von Holger in seiner Passiv-Investieren-Serie beschriebenen Vorgehen.
      Dieser Teil meines Vermögens schwankt natürlich mehr und hat die Aufgabe, Wachstum zu generieren. (Bislang ist es ihm auch geglückt 🙂 und ich durfte schon die eine oder andere weltweite Börsenkrise miterleben!)

      That’s it – meiner bescheidenen Meinung nach braucht man keine anderen Produkte, um sinnvoll Geld anzulegen, wenn man die nötige Disziplin hat, selbständig etwas zur Seite zu legen und keinen Zwangssparvertrag hierzu braucht.

      Klärt das Deine Fragen, Paule?

      Viele Grüße,
      Dummerchen

  • Steuermann 16. Oktober 2013, 23:08

    Hallo Sufi,

    Du kannst die Pensionszusage einer GmbH theoretisch nach Belieben rückdecken, also auch mit ETFs.
    Zunächst solltest Du Dir aber sehr sorgfältig überlegen, ob eine Pensionszusage für Dich wirklich ein sinnvolles Instrument der Altersvorsorge ist. Inzwischen lassen sich mit Schrifttum und (sich ständig ändernder) Rechtsprechung zu den Problemen bei Pensionszusagen ganze Bücher füllen.

    Ich will nur mal einige nennen:

    – hohe Anforderung an die steuerliche Wirksamkeit,
    – hohe Anforderung an die Wirksamkeit der Verpfändung der Rückdeckungsinstrumente im Insolvenzfall,
    – Bilanzielle Überschuldung durch Rückstellung,
    – Negative Auswirkung auf das Bankrating,
    – keine Bereitschaft der Übernahme der Verpflichtung durch einen zukünftigen Nachfolger,
    – gravierende steuerliche Probleme bei einem geplanten (Teil-) Verzicht oder Liquidation der GmbH,
    Etc., etc.

    Kurzum, mir ist kein Fall einer kleinen Gmbh bekannt, in welchem ich die Erteilung einer Pensionszusage wirklich guten Gewissens empfehlen könnte.
    Vielleicht ist das in Deinem konkreten Fall ja die sinnvolle Ausnahme. Lass Dich aber bitte von einem Steuerberater diesbezüglich beraten und hole Dir ggf. noch von einem spezialisierten Steuerberater eine zweite Meinung ein.

    Liebe Grüße

    Steuermann

    • Suffi 28. Oktober 2013, 17:40

      Hallo Steuermann,
      genau die Probleme, die du aufgeführt hast sehe ich auch.
      Mein Vorgänger hat diese Art der Pensionszusage (LV) über einen Zeitraum von 12 Jahren erfolgeich durchgeführt, daher war mein Ansatz es ähnlich zu machen.
      Im Moment zackert er aber mit dem Steuerberater herum, weil er das Geld mit seinem jetzigen Steursatz versteuern muss und das ist nicht gerade wenig.

      Nur, was ist die Alternative?
      1. Absicherung Familie (Risiko LV und BU Versicherung)
      2. Gewinn am Jahresende ausschütten (wohin mit dem Geld?)
      3. Ich habe jetzt noch ca. 15 Jahre vor mir (15 Jahre Gewinn in ETF´s stecken?)

      Gruß
      Suffi

    • Holger Grethe 28. Oktober 2013, 19:51

      Hallo Suffi,

      ich denke schon, dass ein ETF-Depot eine bedenkenswerte Alternative ist. Auch für Anleger, die “noch 15 Jahre vor sich haben”, also um die 50(?) sind.

      Ein ETF ist ja nicht zwangsläufig ein Aktienfonds. Es gibt auch Anleihen-ETFs. Entscheidend ist die Asset-Allocation, also die Aufteilung des Vermögens auf die unterschiedlichen Anlageklassen. Diese sollte altersabhängig gestaltet werden.

      Nimmt man die Faustformel Aktienquote = 100 – Lebensalter als Ausgangspunkt, dann landet ein 50jähriger bei der Aufteilung seines Depot bei einem Verhältnis von 50:50 (Aktien zu Anleihen).

      Was spricht aus deiner Sicht dagegen?

    • Steuermann 29. Oktober 2013, 09:36

      Hallo Suffi,
      hallo Holger,

      die Pensionszusage ist zunächst einmal nur das “Vesprechen” eines Arbeitgebers (häufig in Form der eigenen GmbH) zum Renteneintritt eine Pension aus Firmenmitteln zu bezahlen.

      Diese Zusage verursacht steuerlich und handelsrechtliche Kosten (ohne Geldfluss). Versicherungsmathematisch wird der Wert bzw. genauer gesagt die Belastung dieser Zusage jährlich berechnet und als “Schuldposten” in die Bilanz eingestellt.

      Kurzum: Man verliert in der Theorie im ersten Schritt keine Liquidität in der Firma, kann aber Kosten geltend machen. Hört sich toll an.

      Nun muss aber das Kapital für diese Pension ja irgendwie finanziert bzw. angespart werden. Man spricht von der so genannten Rückdeckung. In aller Regel geschieht dies dann über den Abschluss einer Rentenversicherung. Die Nachteile einer solchen Versicherung, sind den Lesern dieses Blogs bekannt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass man seine Pension dann im Idealfall nach Ausscheiden aus der GmbH lebenslang erhalten möchte. Für einen gedachten Erwerber der ggf. eigenen GmbH ein ordentliches Risiko, dass er – wenn überhaupt – nur dann eingeht, wenn die finanziellen Mittel definitiv da sind und das von Holger beschriebene “Langlebigkeitsrisiko” abgesichert ist.

      Nach meiner Erfahrung ist dies immer ein Problem in Verkaufsverhandlungen (neben den zahlreichen kurz geschilderten anderen Problemen).

      Die steuerlichen Probleme bei Abfindung der Pensionszusage sind dann enorm. Die Steuervorteile aus den Vorjahren sind dann meist schon “verfrühstückt”.

      Den Vermögensaufbau zur Altersvorsorge würde ich persönlich daher immer im Privatbereich betreiben.

      Wie dieser Vermögensaufbau und die sonstige private Absicherung aussehen könnte, hast Du – lieber Holger – ja schon sehr schön beleuchtet. Ich erspare den Lesern daher eigene Tipps.

      Viele Grüße vom

      Steuermann

    • Holger Grethe 28. Oktober 2013, 20:07

      Lieber Steuermann,

      ich habe mich jetzt mal ein wenig in dieses wenig erquickliche Thema “Pensionszusage” eingelesen. Diese stellt eigentlich ja keine originäre Altersvorsorgeform für Selbständige dar, sondern scheint auf GmbH-Geschäftsführer und gut verdienende Mitarbeiter von Großunternehmen ausgerichtet zu sein.

      Dreh- und Angelpunkt dieser Anlageform ist (mal wieder) die Steuerersparnis, wenn ich es richtig verstehe?

      Mich würde auch interessieren, von welcher Renditeerwartung bei der Festlegung der Pensionszusage ausgegangen wird? Wird nur der Kapitalerhalt garantiert oder ist die Rendite abhängig von der Art der Rückdeckung? Wie wird bei einer Rückdeckung verfahren, die stark im Wert schwankt (Aktienfonds)?

      Fragen über Fragen… 😉

      lg, h.

  • Holger Grethe 30. Oktober 2013, 17:36

    @Steuermann: vielen Dank für die gut verständliche Darstellung!

  • Friedemann 10. Februar 2015, 08:26

    Hallo Holger,
    ich fände einen Artikel zu den berufsständischen Versorgungswerken hoch interessant. Die sollen, nachdem was ich weiß, ganz gut sein. Leider werden sie aber oft auch schlecht geredet. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass dahinter eine gewisse Lobby steckt.
    Soviel ich weiß kann man auch freiwillige zusätzliche Beiträge bezahlen. Ich konnte dazu leider nichts objektives finden.
    Vielen Dank!

  • Felix Brenkel 27. April 2015, 07:14

    Hallo Holger,

    vielen Dank für deinen interessanten Beitrag.

    Was fällt denn alles unter die Rubrik “Konsumkredite” ? Gehören da für dich die Kredite für ein Eigenheim mit dazu ?

    Gruß

    Felix

    • Holger Grethe 27. April 2015, 14:53

      Hi Felix!

      Das Eigenheim trägt natürlich auch gewisse Züge eines “Konsumartikels”, aber gemeint ist hier eher die Finanzierung von Urlaub, Sofa, Motorrad etc.

  • Andreas 23. Februar 2017, 08:52

    “Der Knackpunkt: Stirbt man wenige Jahre nach Renteneintritt, fällt das nicht ausgezahlte Kapital an die Versichertengemeinschaft. ”
    Das ist doch eher kein Knackpunkt, sondern einer Versicherung immanent. Sterbe ich, ohne jemals einen Haftpflichtfall gehabt zu haben, sind auch alle Beiträge meiner Haftpflichtversicherung “weg”.
    Wie sollen denn sonst die überdurchschnittlich lange Lebenden ihre Rente erhalten.
    Gruß
    Andreas

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