Was ist die beste Altersvorsorge für Selbständige?

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Du hast dich selbständig gemacht oder willst es in naher Zukunft tun?

Meinen Glückwunsch zu dieser Entscheidung, ich habe den Schritt bis heute nicht bereut.

Bei aller Euphorie solltest du allerdings eine Frage nicht aktiv ausblenden:

Wovon will ich später leben?

Die Aufgabe, vor der nicht nur Selbständige stehen, ist im Prinzip ja simpel gestrickt:

Ziel der Altersvorsorge ist es, den Lebensstandard im Alter zu sichern.

Wie soll man aber bei dem Wirrwarr an Versicherungsangeboten, Fondssparplänen und staatlich geförderten Vorsorgeverträgen den Überblick behalten?

Ich will dir mit diesem Artikel eine Orientierung über die verschiedenen Optionen geben, dein Ziel zu erreichen. Du wirst sehen, dass sich das Dickicht des Finanzdschungels ganz schnell lüftet, sobald man den Blick auf die wesentlichen Fragen lenkt.

Lies vorher bitte den Disclaimer.

Über Risiko und Vermögen

Die Sicherung deiner finanziellen Zukunft solltest du in zwei Schritten angehen: Risikoabsicherung und Vermögensbildung. Leider werden diese zwei Dinge viel zu häufig in einen Topf geschmissen.

Bei der Risikoabsicherung geht es darum, existenzbedrohende Risiken gegen Gebühr an ein Versicherungsunternehmen abzutreten.

Vermögensbildung bedeutet, möglichst viel Kapital anzusparen und durch eine positive Rendite zu vermehren.

Wer klar durchblicken will, sollte die Risikoabsicherung also besser von der Vermögensbildung getrennt betrachten und – was noch viel wichtiger ist – einen Schritt nach dem anderen tun …

Schritt 1: Lebensrisiken absichern

Absicherung der großen Lebensrisiken

Bevor du an die Zukunft denkst und das Thema Vermögensbildung angehst, solltest du dich um folgende existenzbedrohende Risiken kümmern:

1. Risiko Krankheit

Eine Krankenversicherung ist absolute Pflicht. Dabei ist völlig zweitrangig, ob gesetzlich oder privat. Hauptsache versichert.

Empfehlenswert ist auch eine Krankentagegeldversicherung, die den Verdienstausfall während (längerer) Krankheitsphasen kompensiert. Sie lässt sich in der Regel an die Krankenversicherung als Zusatzleistung „andocken“.

2. Risiko Berufsunfähigkeit

Auch wenn es für dich heute kaum vorstellbar erscheint: für den Fall, dass du aus gesundheitlichen Gründen mal nicht mehr arbeiten kannst, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt zu empfehlen.

3. Risiko Haftpflichtschaden

Wer fahrlässig einen Sach- oder Personenschaden verantwortet, muss Schadensersatz leisten. Man haftet mit seinem gesamten Vermögen und auch große Teile des Einkommens können gepfändet werden, um den Schaden auszugleichen. Bei großen Schadenssummen wird man schnell „seines Lebens nicht mehr froh“.

Eine Privathaftpflichtversicherung ist also ebenfalls unverzichtbar. Bei bestimmten Berufen empfiehlt sich zudem eine spezielle Berufshaftpflichtversicherung, die für Personen- und Vermögensschäden aufkommt.

4. Risiko Tod

Wer Kinder hat und einen wesentlichen Teil zum Haushaltseinkommen beisteuert, sollte für seine Nachkommen mit einer Risikolebensversicherung (RLV) vorsorgen. Im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung ist die reine Risikolebensversicherung eine vergleichsweise kostengünstige Angelegenheit.

Hast du alle elementaren Risiken abgedeckt?

Falls nein, kannst du dich beim Bund der Versicherten gründlich und unabhängig von den Interessen der Versicherungswirtschaft über die Policen informieren, die dir noch fehlen.

Ich will es noch einmal betonen:

Ohne Absicherung der elementaren Lebensrisiken macht der Aufbau eines Vermögens zur Alterssicherung keinen Sinn.

Zu groß ist die Gefahr, dass das angesparte Kapital bei einem Worst-Case-Szenario angezapft oder gar aufgebraucht werden muss.

Bitte, sei vernünftig. Erst absichern, dann Vermögen bilden!

Video-Tutorial für SelbständigeRichtig absichern und Vermögen bilden
In meinem kostenlosen Video-Tutorial erfährst du, wie du als Selbständige(r) auf einfache Weise Vermögen bilden kannst.  

Zwei weitere Bedingungen sollten erfüllt sein…

…bevor es Sinn macht, Geld langfristig anzulegen.

1. Notfallpuffer

Keine Kunden, keine Einnahmen …was nun? Auf zwischenzeitliche Auftragsflauten und säumige Zahler sollte man als Selbständige(r) vorbereitet sein.

Dazu reicht ein banales Tagesgeldkonto aus, auf dem sich das benötigte Netto-Einkommen für einen Zeitraum von 3-6 Monaten befindet. Dieser finanzielle Notfallpuffer schützt dich im Ernstfall davor, langfristig angelegtes Geld anzurühren oder sogar zahlungsunfähig zu werden.

2. Private Schulden begleichen

Es ist unsinnig, auf der einen Seite (hohe) Kreditzinsen zu zahlen und auf der anderen Seite Geld anzulegen, das sich meist niedriger verzinst.

Auch hier ist die Reihenfolge glasklar: Konsumkredite sollten so schnell wie möglich abgetragen werden, erst danach macht ein langfristiger Vermögensaufbau Sinn.

Hast du alle Voraussetzungen erfüllt? Dann kann es endlich losgehen mit …

Schritt 2: Vermögen bilden

Absicherung der großen Lebensrisiken
Welche Optionen stehen dir zur Verfügung, um fürs Alter Vermögen aufzubauen?

Pflichtversichert?

Zuerst solltest du klären, ob du in einer Berufsgruppe tätig bist, die der Versicherungspflicht unterliegt.

Bedeutet: ob du es willst oder nicht, auch als Selbständige/r musst du in bestimmten Fällen entweder in die gesetzliche Rentenversicherung oder in ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlen.

Bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ist auch eine freiwillige Mitgliedschaft für Selbständige möglich. Ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt.

Gegen das Alter versichern?

Der Begriff Versicherung im Zusammengang mit Altersvorsorge ist im Grunde irreführend, denn Alter ist kein Risiko, gegen das man sich versichern kann.

Alterung ist ein biologischer Prozess und der normale Lauf der Dinge!

Altersvorsorge bedeutet den Erhalt des Lebensstandards im letzten Lebensdrittel, wenn man keine Erwerbsarbeit mehr leisten will oder kann.

Allerdings beinhaltet eine Rentenversicherung in aller Regel auch originäre Versicherungsleistungen wie die Zahlung von Erwerbsminderungs-, Witwen- und Waisenrente, die den Begriff Versicherung rechtfertigen.

Zwei Systeme der Altersvorsorge

Beim Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung lebt man als Rentner von den laufenden Einzahlungen der versicherungspflichtigen Arbeitnehmer.

Bei einer kapitalgedeckten Altersvorsorge lebt man in der Entsparphase von dem Kapital, das man in der Ansparphase über lange Jahre selbst angehäuft und durch gute Investitionsentscheidungen idealerweise vermehrt hat.

Um Kapital zu vermehren, muss man eine möglichst hohe Nettorendite über einen möglichst langen Zeitraum erzielen. Das bedeutet, dass speziell in der Ansparphase Versicherungslösungen nicht die beste Wahl sind.

Ganz im Gegenteil.

Risiken der Vermögensbildung

Allgemeiner Tenor bei der Geldanlage ist:
Aktien = Risiko. Versicherung (Sparvertrag) = Sicherheit.

Und das ist in dieser Schlichtheit einfach falsch.

Es gibt nicht DAS Risiko bei der Geldanlage.

Es gibt eine ganze Reihe von Risiken und jede Kapitalanlage hat ihr eigenes Risikoprofil.

Risikofreie Kapitalanlagen existieren nur in der Phantasie. Das bedeutet: irgendeine Kröte muss man wohl oder übel immer schlucken!

Welche Risiken gibt es?

Aktien haben ein ausgeprägtes Wertschwankungsrisiko, denn Gewinn- und Verlustjahre wechseln sich munter ab. Auf lange Sicht bringen sie trotzdem die höchste Rendite und mindern dadurch das Fehlbetragsrisiko.

Mit Fehlbetragsrisiko ist gemeint, dass das Geld am Ende trotz aller Sparanstrengungen nicht ausreicht. Das kann zum Beispiel bei Kapitallebensversicherungen der Fall sein, die nach Abzug aller Kosten keine positive Nettorendite erwirtschaften und bestenfalls nur die Inflation ausgleichen.

Das größte Risiko bei der Vermögensbildung ist ganz sicher das Inflationsrisiko. Es begleitet uns sowohl während der Ansparphase als auch in der Entsparphase und knabbert Jahr für Jahr am Wert des Geldes.

In der Entsparphase wird das sogenannte Langlebigkeitsrisiko relevant. Da sich die eigene Lebenserwartung nicht vorhersagen lässt, besteht das Risiko, dass bei einem langen Leben die Ersparnisse ausgehen.

Von all den genannten Risiken lässt sich nur dem Langlebigkeitsrisiko mit einer Versicherung beikommen. Schließt man zum Ende seines Erwerbslebens eine Private Rentenversicherung ab, zahlt diese bis zum Lebensende eine monatliche Rente.

Verschaff dir schnell den Überblick

In meinem Video-Tutorial „Altersvorsorge für Selbständige“ stelle ich dir auf unterhaltsame Weise die Vor- und Nachteile der wichtigsten Anlagemöglichkeiten vor.

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Vermögensbildung in Eigenregie

Absicherung der großen Lebensrisiken
Schauen wir uns vier konkrete Optionen an, die Selbständige haben, um langfristig Vermögen zu bilden:

  1. Versicherungen/Sparverträge ohne staatliche Förderung (Lebens- oder Rentenversicherung)
  2. Staatliche geförderte Versicherungen/Sparverträge (Rürup-Rente)
  3. Immobilien (selbstgenutzt oder fremdvermietet)
  4. Investition in Produktivkapital (Aktien, Anleihen)

Was spricht für oder gegen die einzelnen Möglichkeiten?

1. Versicherungen (Sparverträge) ohne staatliche Förderung

Es ist kein Geheimnis, dass vermeintlich unabhängige Finanzberater ihren Kunden vor allem die Produkte empfehlen, die ihnen selbst hohe Provisionszahlungen bescheren. Insbesondere bei hohen Ablaufleistungen von Lebens- und Rentenversicherungen ist hier ordentlich Kasse zu machen.

Doch auch die Kunden sind nicht ganz unschuldig daran, dass ihnen wahre „Gebührenmonster“ angedreht werden. Wenn es ums Geld geht, wollen die meisten Menschen keinerlei Risiko eingehen und wünschen (absolute) Sicherheit.

Was bekommen sie also? Na klar, eine Versicherung!

Hohe Kosten und niedrige Zinsen

Bei Lebensversicherungen führt deren Kostenstruktur dazu, dass man nach 30 Jahren froh sein kann, die eingezahlten Beiträge unversehrt wiederzusehen. Von einer Kapitalvermehrung darf man höchstens träumen.

Experten rechnen mit einem Renditeverlust von etwa 1,6 Prozent pro Jahr, die den Kunden von Lebensversicherungen durch ein kaum zu durchdringendes Geflecht an Gebühren entstehen. Was die Inflationsrate angeht, kann man mit etwa 2 Prozent jährlich rechnen.

Kosten und Inflation addieren sich zusammen also auf gute 3,6 Prozent, die Lebensversicherer jedes Jahr erwirtschaften müssten, damit am Ende wenigstens eine schwarze Null bei der Rendite steht.

Der Höchstrechnungszins, auch Garantiezins genannt, beträgt für neu abgeschlossene Lebensversicherungen allerdings nur noch 1,75 Prozent. Nicht ohne Grund, denn Staatsanleihen verzinsen sich so niedrig wie nie. Und Lebensversicherungen investieren hauptsächlich in Staatsanleihen.

Hält die aktuell bestehende Niedrigzinsphase weiter an, muss man über die gesamte Laufzeit gesehen von einer Negativrendite ausgehen. Es wäre also wesentlich einfacher, das Geld direkt zuhause unter der Matratze zu horten.

Nicht viel besser sieht die Situation bei fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherungen aus. Diese versprechen zwar eine höhere Bruttorendite als zinsbasierte Sparverträge, hieven aber weitere Gebühren mit an Bord, die letztendlich zu mickrigen Nettorenditen führen.

Fazit: Lebens- und Rentenversicherungen bieten Sicherheit leider nur in einem Punkt – sie garantieren hohen Kosten und magere Renditen.

2. Staatliche geförderte Versicherungen/Sparverträge

Während Angestellte in Deutschland „riestern“ können (was für ein furchtbarer Begriff!), um einen Teil ihrer Altersvorsorge staatlich fördern zu lassen, gibt es für Selbständige die Rürup-Rente, auch Basis-Rente genannt.

Während die Riester-Rente eine Ergänzung der gesetzlichen und betrieblichen Altersrente für Angestellte darstellt, handelt es sich bei der Rürup-Rente um einen Ersatz der gesetzlichen Rente.

Dementsprechend reglementiert sind die Produkte, die Versicherungsanbieter und Kapitalanlagegesellschaften unter der Flagge „Rürup“ anbieten dürfen.

Folgende drei Rürup-Varianten stehen zur Verfügung:

  • konventionelle Rentenversicherung
  • fondsgebundene Rentenversicherung
  • Fondssparplan (in der Ansparphase; in der Entsparphase dann Umwandlung in Rentenversicherung)

Das Konzept der Rürup-Rente

Hintergrund ist das Prinzip der „nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften“. Während sich die Einzahlungen in der Ansparphase (in Grenzen) steuerlich absetzen lassen, müssen die Auszahlungen eines Rürup-Vertrags später voll versteuert werden.

Lohnen tut sich das Ganze nur dann, wenn die Steuerlast in der Ansparphase höher ausfällt als im Rentenalter. Nur, wie soll man das am Anfang oder inmitten seiner beruflichen Laufbahn wissen?

Egal wo man sich informiert, es fehlt nie der Hinweis, ein Steuerberater solle unbedingt ausrechnen, ob sich die Rürup-Rente im Einzelfall lohnt. Ob also die Steuerersparnis in der Ansparphase die Steuerbelastung in der Entsparphase ünbersteigt.

Was aber soll die Rechengrundlage für den Steuerberater sein, wenn ein Selbständiger – sagen wir mit Mitte 20 – nach einer Rürup-Rente fragt? Das aktuelle Einkommen? Das prognostizierte Einkommen? Was passiert, wenn das Einkommen im Laufe des Lebens stark schwankt? Erst steigt, dann wieder sinkt? Oder lange stagniert und erst sehr spät steigt?

Hätte, hätte, Fahrradkette…

Nachteile der Rürup-Rente

Die wichtigsten Nachteile im Überblick:

  • Der Vertrag kann vor Rentenbeginn nicht gekündigt, sondern nur beitragsfrei gestellt werden (die Kosten laufen allerdings weiter und dezimieren das eingezahlte Kapital).
  • Eine Rürup-Rente kann nur durch Zusatzvereinbarungen an Ehepartner (seit 2013 auch an eingetragene Lebenspartner) oder Kinder (Bedingung: Kindergeldanspruch) in Form einer Hinterbliebenenrente vererbt werden.
  • Das eingezahlte Kapital darf nur in Form einer lebenslangen Rente frühestens ab dem 62. Lebensjahr ausgezahlt werden.
  • Bei fondsgebundenen Varianten können sogar Verluste gemacht werden, denn anders als bei der Riester-Rente ist bei Rürup ein Kapitalerhalt nicht gesetzlich vorgeschrieben.
  • Es fallen die gleichen (hohen) Kosten an wie bei ungeförderten Sparverträgen/Versicherungen

Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass man bei einer Rürup-Rente einen lebenslangen Vertrag mit einem (!) Versicherungsanbieter eingeht. Einmal drin kommt man aus der Nummer so schnell nicht mehr raus.

Ein vermeintlicher Vorteil besteht in der Kombination des Rürup-Vertrags mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ). Dadurch werden zwar die BUZ-Beiträge steuerlich absetzbar, im Leistungsfall muss die Berufsunfähigkeitsrente allerdings voll versteuert werden.

Bei einer eigenständigen Berufsunfähigkeitsversicherung wird hingegen nur der Ertragsanteil besteuert…

Einfacher geht´s nicht, oder!?

Fazit: Mit einer Rürup-Rente begibt man sich in ein starres Vertragskonzept. Erst bei Rentenbeginn lässt sich rückblickend sagen, ob der ganze Aufwand gelohnt hat.

3. Immobilien

Kurz gesagt: Immobilien sind nicht die eierlegende Wollmichsau der Vermögensbildung, für die sie viele halten.

Warum das (kreditfinanzierte) Eigenheim insbesondere für Selbständige keine unriskante Angelegenheit ist, habe ich bereits hier beschrieben.

Und wer auf fremdvermietete Immobilien als Kapitalanlage setzt, holt sich ein Klumpenrisiko an Bord, sofern keine weiteren Kapitalanlagen in anderen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Tagesgeld etc. bestehen.

Da die wenigsten Selbständigen in jungen Jahren über nennenswertes Vermögen verfügen, bedeutet der Kauf einer Immobilie nichts anderes als „ich setze alles auf eine Karte“. Keine kluge Entscheidung.

Fazit: Insbesondere für jüngere Selbständige mit wenig Eigenkapital sind Immobilien keine ideale Lösung. Bevor du dich in das Abenteuer Eigenheim stürzt, solltest du dir unbedingt ein paar wichtige Fragen stellen.

4. Investition in Produktivkapital

Am Ende einer langen Reise landen wir bei also bei Aktien und Anleihen.

Drei Zutaten sorgen dafür, dass ein Wertpapierdepot das aus meiner Sicht beste Rezept für einen entspannten Lebensabend ist:

1. Hohe Rendite
Über Zeiträume von mehr als 20 Jahren hatten Aktien in der Vergangenheit die höchste Rendite aller Anlageklassen.

2. Niedrige Kosten
Investiert man in kostengünstige Exchange Traded Funds (ETFs) und hält einmal gekaufte Fondsanteile langfristig, wird die theoretisch erzielbare Marktrendite kaum geschmälert.

3. Risikostreuung
ETFs enthalten Aktien oder Anleihen von einer Vielzahl verschiedener Unternehmen. Richtig eingesetzt lassen sich dadurch unnötige Risiken eliminieren.

Weitere Vorteile eines Wertpapierdepots: es gibt keine Vertragslaufzeit mit fixen Beiträgen, keine Abschluss- und Vertriebskosten, keine überzogenen Storno- und Verwaltungsgebühren. Und keine Abhängigkeit von nur einem Versicherungsunternehmen.

Dafür muss man allerdings zwischenzeitliche Wertschwankungen ertragen lernen.

Fazit: Mit einem ETF-basierten Wertpapier-Portfolio hat man langfristig eine realistische Chance auf ein ansehnliches Vermögen. Das notwendige Know-How kannst du dir in kürzester Zeit mit meinem Online-Video-Training ZENinvestor aneignen.

Alles auf einen Blick

→ Risikoabsicherung geht vor Vermögensbildung
 
→ Die wichtigsten Versicherungen sind: Kranken-, Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht- und Risikolebensversicherung.
 
→ Ein finanzieller Notfallpuffer in Form eines Tagesgeldkontos schützt vor Zahlungsschwierigkeiten bei einer Auftragsflaute
 
→ Bestimmte Berufsgruppen unterliegen auch als Selbständige der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung
 
→ Altersvorsorge ist nicht gleichbedeutend mit dem Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung (Alterung ist ein biologischer Prozess und kein Risiko)
 
→ Es gibt keine risikofreie Kapitalanlage
 
→ Hohe Kosten verhindern insbesondere in der jetzigen Niedrigzinsphase eine effiziente Vermögensbildung mit Lebens- oder Rentenversicherungen
 
→ Ob sich die staatliche Förderung in Form von Steuervergünstigungen bei einer Rürup-Rente langfristig rentiert, ist aus heutiger Sicht kaum zu beantworten
 
→ Immobilien sind keine ideale Anlageklasse für Selbständige mit wenig Eigenkapital
 
→ Ein ETF-basiertes Wertpapierdepot bietet das beste Chance-Risiko-Verhältnis für den langfristigen Vermögensaufbau

 
Hast du Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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Altersvorsorge für SelbständigeAnleitung für Selbständige
In meinem kostenlosen Video-Tutorial erfährst du, wie du dich als Selbständige(r) richtig absichern und auf einfache Weise Vermögen bilden kannst.

 

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  • Steuermann 10. Oktober 2013, 09:40

    Lieber Holger,
    erlaube mir noch eine kleine Ergänzung. Den Risikotodesfallschutz halte ich auch für den Nicht- oder Geringverdiener dringend für erforderlich, der sich „nur“ um die Kinder kümmert. Kommt es hier zum Todesfall, muss sich auch der Hauptverdiener in der Familie völlig neu strukturieren und wird Geld benötigen. Der reine Risikotodesfallschutz ist ja vergleichsweise günstig zu haben.

    Bitte vorsorglich auch an die Konsequenzen einer möglichen Erbschaftsteuer denken und die Verträge „über Kreuz“ abschließen. Der Ehemann versichert in seinem Vertrag das Leben der Ehefrau und umgekehrt! Dann belasten eventuelle Zahlungen aus dem Vertrag nicht den Erbschaftsteuerfreibetrag in Höhe von 500.000 EUR unter Eheleuten.

    Wieder mal – toller Artikel!

    Liebe Grüße vom Steuermann

    • Holger Grethe 10. Oktober 2013, 11:27

      Vielen Dank für die wertvollen Hinweise zu den steuerlichen Aspekten des Todesfallschutzes.

      Die „Über Kreutz“-Versicherung unter Eheleuten hatte ich so noch nicht auf dem Schirm. Wenn ich es richtig verstehe, ist das aber nur relevant, wenn die Versicherungssumme pro Kopf 500.000€ übersteigt, oder?

    • Steuermann 10. Oktober 2013, 11:53

      Hallo Holger,

      ich möchte das steuerlich noch einmal (stark vereinfacht) wie folgt erläutern:

      Es wird dann interessant, wenn das Vermögen des Ehegatten 500.000 EUR übersteigt.

      Beispiel:
      Die Ehefrau A besitzt ein Depot im Volumen von 500.000 EUR. Sie verstirbt. Erbe ist alleine Ehemann B. Nach Abzug des Freibetrages unter Ehegatten in Höhe von 500.000 EUR verbleibt kein erbschaftsteuerpflichtiger Betrag (Versorgungsfreibetrag, etc. aus Vereinfachungsgründen außen vor gelassen).
      Hätte die Ehefrau A jedoch noch eine Risiko-LV auf ihr Leben abgeschlossen und ihr Mann wäre begünstigte Person, fiele nun Erbschaftsteuer an.

      Hätte der Ehemann die Police auf seinen eigenen Namen (aber das Leben seiner Ehefrau) abgeschlossen, hätte er diesen Anspruch nicht geerbt sondern erhielte ihn aufgrund seines eigenen Vertrages. Daher fiele keine Erbschaftsteuer an.

      Ich hoffe es ist nun klarer!

    • Holger Grethe 11. Oktober 2013, 20:54

      Verstehe, so wird es klar. Ganz schön tricky, das deutsche Steuerrecht. 😉

    • Dummerchen 10. Oktober 2013, 12:34

      Da pflichte ich dem Steuermann bei: derjenige, der beim Tod des Partners versorgt sein soll, sollte „Versicherungsnehmer“ sein und muss die Beiträge bezahlen. Den Tod würde dann die „versicherte Person“ ereilen.
      Dieser Zusammenhang ist bei unverheirateten Paaren noch wichtiger, denn dort ist der Freibetrag von 20k€ nochmals deutlich kleiner.

    • zentrader 10. Oktober 2013, 23:28

      Lieber Steuermann,

      herzlichen Dank, toller Kommentar!

      Alles Gute.

  • Jörg 11. Oktober 2013, 11:46

    Hallo Holger,

    Gratulation zu diesen sehr gut gelungenen Plädoyer seine Altersvorsorge SELBST in die Hand zu nehmen. Leider fallen viele immer wieder in die Falle „verstehe ich nicht/ist mir zu kompliziert“ rein und übergeben Ihre Finanzen und Altersvorsorge in Hände anderer anstatt sich selber in die Materie einzuarbeiten. Oder noch schlimmer: Viele machen gar nichts! Wenn es allerdings darum geht einen neuen TV-Flachbildschirm für das Wohnzimmer erwerben zu wollen dann wird oftmals Wochen lang recherchiert und sich Expertenwissen angeeignet. Eigentlich ein falsche Welt…
    Ich hoffe Dein Blog inspiriert viele Menschen dazu seine Finanzen selber in die Hand zu nehmen. Mich hast Du schon mal gefangen und auch wenn ich noch weit vom Experten entfernt bin so hilfts Du doch gewaltig, das sich aus dem nebligen Grau so langsam Farben und Kontraste erkennen lassen!

    Gruß… Jörg

    • Holger Grethe 11. Oktober 2013, 21:00

      Viele Dank, Jörg!

      Freut mich, wenn dieses Blog mit dazu beiträgt, dass das unliebsame Finanzthema seinen Schrecken verliert. Die Umschreibung mit „nebliges Grau“ trifft es wirklich sehr gut. 🙂

  • Martin 14. Oktober 2013, 16:39

    Hallo Holger,

    schöne Übersicht! Mal eine Frage: Im Bereich der Altersvorsorge für Angestellte (Riester) gibt es meines Erachtens ein recht akzeptables Produkt: Den Banksparplan – gibt es so etwas nicht auch für Selbstständige mit Rürup Förderung?

    Vorteile bei Banksparplänen sind ja die staatlichen Zulagen in Kombination mit sehr geringen Gebühren und der Flexibilität jederzeit auf ein anderes gefördertes Produkt zu wechseln …

    Viele Grüße
    Martin

    • Dummerchen 14. Oktober 2013, 20:05

      Hallo Martin,

      ich komme mal Holger zuvor und versuche auf den Riesterbanksparplan aus der Sicht eines ebenfalls Angestellten einzugehen. Wir sind da bei einem Selbständigen-Thema zwar etwas Off-Topic, aber die Angestellten der Blogleser könnte es ja interessieren und die Selbständigen können es einfach ignorieren.

      Ich habe einen solchen abgeschlossen, um AVWL-Zulagen meines Arbeitgebers mitzunehmen. Dies habe ich ausschließlich getan, um ein paar Hundert Euro jährlich nicht zu verschenken. Mehr als den AG-Anteil lasse ich dort nicht einfließen. Daher waren mir auch die von Dir genannten niedrigen Gebühren (bei mir sind es genau 0.- Euro) wichtig. Ansonsten hätte ich ihn nicht abgeschlossen, denn ich finde ihn nicht wirklich lukrativ:

      Es gibt ja verschiedene Modelle, wie sich der Zins eines Riesterbanksparplans bestimmt. Insbesondere die Volks- und Raiffeisenbanken koppeln gerne an die Umlaufrendite (z.B. Umlaufrendite – 0,5 Prozentpunkte) und die Sparkassen haben Bonussysteme. Allen Angeboten gemein ist, dass die Rendite eher auf niedrigem Niveau sind. In meinem konkreten Fall war die Rendite bei Abschluss rund 0,5% unterhalb vom Tagesgeldniveau – und ich habe einen der sehr gut bewerteten Angebote (Finanztest) abgeschlossen.
      Jetzt frage ich mich, wenn ich Geld festverzinslich für 20, 30 Jahre in ein Banksparprodukt stecke und Tagesgeldzinsniveau (oder weniger) erhalte, warum sollte das gut sein? Lege ich das gleiche Geld immer wieder für 5 Jahre festverzinslich an, so würde ich deutlich mehr Rendite erzielen.

      Jetzt sagst Du vielleicht: „Die staatlichen Zulagen, Steuerermäßigung, da spare ich doch auf jeden Fall!“ Genau da bin ich mir sehr unsicher. Der Staat fördert Dich bei Riesterprodukten zwar heute mit einer Steuerstundung, er holt sich aber während der Riesterrentenbezugsphase viele der Steuern zurück. Ich denke zwar auch, dass die Steuern im Alter geringer als im Arbeitsleben sein werden, aber die demographische Entwicklung wird wohl auch dazu führen, dass der Staat sich dort bedienen muss, wo es was zu holen gibt und wenn es immer mehr Rentner gibt, muss man auch immer mehr denen an die Tasche greifen. Ich würde als nicht viel darauf wetten, dass der Steuereffekt die verlorene Rendite wieder wettmachen wird. Dafür ist Dein Geld aber im Riestervertrag für viele Jahre gebunden.

      Die von Dir genannte Flexibilität, auf ein anderes Produkt zu wechseln, ist so eine Sache. Fondssparpläne habe ich mir lange Zeit angeschaut und schließlich verworfen. Die Fonds (oder sogar Dachfonds mit doppelter Gebührenebene!) haben hohe laufende Kosten und man zahlt Ausgabeaufschläge. Die DWS-Produkte habe ich mir zeitweise etwas genauer angeschaut, aber Knackpunkt bei den Riesterfonds sind für mich (neben den Kosten) die Wertsicherungssysteme, um die Beitragsgarantie sicher zu stellen. Diese Sicherungssysteme führen dazu, dass von den monatlichen Beiträgen solange Aktienfondsanteile nachgekauft werden, solange die Aktienkurse steigen. Erst wenn die Kurse wieder soweit abgesunken sind, dass die Beitragsgarantie gefährdet ist, werden die bestehenden Aktienfondsanteile größtenteils in Renten umgeschichtet. Das führt dann vereinfacht ausgedrückt zu „Buy high, sell low“. Na, prima :-(.

      Zu Riesterrentenversicherungen möchte ich mich auch nur kurz äußern – ich lehne sie aus Kostengründen ab. Viel zu teuer. Ich würde generell (also unabhängig von Riester) eine Rentenversicherung höchstens als Sofortrente abschließen. Daher verliert für mich die Flexibilität eines Produktwechsels an Wert.

      Solange es keine ETF-ähnlichen Produkte mit niedrigen Kosten gibt, sehe ich wenig Handlungsbedarf bezüglich Riester. Durch die Wertsicherungssysteme mit nicht von mir bestimmbaren Portfolioanteilen, könnte ich mir auch nur ein Staatsanleihen-ETF-Produkt vorstellen. Da müsste der Anbieter ja hoffentlich nicht eingreifen müssen.

      Viele Grüße
      Dummerchen

  • Suffi 16. Oktober 2013, 13:27

    Hallo zusammen,
    ich fange gerade an über meine private Altersvorsorge nachzudenken, da ich seit ca. 1 Jahr Selbstsändig bin und es nun gut läuft.

    Fragen:
    1. Wie sieht se den mit den steuerlichen Aspekten bei den ETF´s aus?
    Abgeltungssteuer, steuerliche Vorteile bei einem Sparplan?
    2. Kann so was auch bei einer Pensionszusage der GmbH für den GF verwendet werden?

    hier Noch eine link zu ETF´s http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/a-719432.html

    Gruß
    Sufi

    • Holger Grethe 16. Oktober 2013, 17:19

      Hi Sufi,

      Glückwunsch zur erfolgreichen Selbständigkeit. Freut mich, dass es gut läuft bei dir.

      Über die steuerlichen Aspekte habe ich bereits hier etwas geschrieben. Ich wüsste nicht, warum ein Sparplan steuerliche Vorteile bieten sollte. Bei Sparplänen muss man eher aufpassen, dass die Gebühren nicht zu hoch sind. Je nach Anlagesumme und -intervall lohnt sich da die eigenhändige Direktanlage.

      Ich bin nicht sicher, ob ich deine zweite Frage richtig verstehe. Du meinst, ob eine GmbH eine betriebliche Altersvorsorge auf Basis eines ETF-Depots anbieten kann?

      Ich kann dich da auch nur an Wikipedia (Betriebliche Altersversorgung) verweisen, könnte mir aber vorstellen, dass das eher nicht möglich sein wird.

  • Paule 16. Oktober 2013, 17:25

    Frage an „Dummerchen“:

    Mir ist jetzt nicht ganz klar, welche Strategie du nun fährst – abgesehen von dem Riesterbanksparplan mit den Arbeitgeberzuschüssen sowie Tagesgeld für mehrere Jahre.

    Du machst kein Rürup, Fonds oder Aktien – richtig?

    Danke,
    Paule

    • Dummerchen 16. Oktober 2013, 23:27

      Hallo Paule,

      ich frage mich, wie Du auf die Idee kommst, ich würde nur einen Riester-Banksparplan und Tagesgeld nutzen. Ich habe ja hin und wieder Holgers Beiträge kommentiert – habe ich tatsächlich den Eindruck erweckt, ich würde mich nicht für Aktienmärkte interessieren ;-)?

      Nun, da ich keinen Hehl aus meinen bevorzugten Anlagen mache, stelle ich das (natürlich ohne konkrete Zahlen) gerne auch mal explizit dar:

      Ich investiere bislang lediglich in Produkte, die transparent und kostengünstig sind und mir eine gewisse finanzielle Flexibilität lassen. Ich hätte per se nichts gegen attraktive langfristige Vertragsbindungen – bislang habe aber ich noch keinen Vertrag (Lebens- oder Rentenversicherung, Betriebsrente) gesehen, der nicht mit Kosten übersät gewesen wäre 🙁 und im Vergleich zu meinen Anlagen (s.u.) besser abschneiden würde. Da sind mir die staatlichen Förderungen wie oben angedeutet einfach zu vage.

      Der Riesterbankvertrag ist eine Ausnahme von der langfristigen Bindung – ich kann ihn aber jederzeit kostenfrei aussetzen und habe durch ihn wie oben dargestellt nur Vorteile. Er ist (ein kleiner) Teil meines risikoarmen Portfolioanteils. Ergänzt wird er von Tagesgeld und Festgeld. Ich persönlich schätze Festgeld (Banksparbriefe mit entsprechender Einlagensicherung) so sicher wie deutsche Staatsanleihen ein und sehe hier höhere Renditen. Die Rendite ist zwar insbesondere z.Z. nicht überragend, aber dieser Teil meines angelegten Geldes dient hauptsächlich dem Werterhalt und soll Stabilität ins Gesamtvermögen bringen.
      Tagesgeld dient mir zum einen als Liquiditätsreserve und zum anderen als Zwischenpuffer für’s Festgeld oder Rebalancen.

      Den risikoreichen Teil meines Portfolios stellen ausschließlich ETFs dar. Ich investiere in Aktienindex-ETFs und investiere hierüber weltweit und breit in nahezu alle Märkte. Dies ist ja relativ kostengünstig mit wenig Aufwand möglich und entspricht ziemlich genau dem von Holger in seiner Passiv-Investieren-Serie beschriebenen Vorgehen.
      Dieser Teil meines Vermögens schwankt natürlich mehr und hat die Aufgabe, Wachstum zu generieren. (Bislang ist es ihm auch geglückt 🙂 und ich durfte schon die eine oder andere weltweite Börsenkrise miterleben!)

      That’s it – meiner bescheidenen Meinung nach braucht man keine anderen Produkte, um sinnvoll Geld anzulegen, wenn man die nötige Disziplin hat, selbständig etwas zur Seite zu legen und keinen Zwangssparvertrag hierzu braucht.

      Klärt das Deine Fragen, Paule?

      Viele Grüße,
      Dummerchen

  • Steuermann 16. Oktober 2013, 23:08

    Hallo Sufi,

    Du kannst die Pensionszusage einer GmbH theoretisch nach Belieben rückdecken, also auch mit ETFs.
    Zunächst solltest Du Dir aber sehr sorgfältig überlegen, ob eine Pensionszusage für Dich wirklich ein sinnvolles Instrument der Altersvorsorge ist. Inzwischen lassen sich mit Schrifttum und (sich ständig ändernder) Rechtsprechung zu den Problemen bei Pensionszusagen ganze Bücher füllen.

    Ich will nur mal einige nennen:

    – hohe Anforderung an die steuerliche Wirksamkeit,
    – hohe Anforderung an die Wirksamkeit der Verpfändung der Rückdeckungsinstrumente im Insolvenzfall,
    – Bilanzielle Überschuldung durch Rückstellung,
    – Negative Auswirkung auf das Bankrating,
    – keine Bereitschaft der Übernahme der Verpflichtung durch einen zukünftigen Nachfolger,
    – gravierende steuerliche Probleme bei einem geplanten (Teil-) Verzicht oder Liquidation der GmbH,
    Etc., etc.

    Kurzum, mir ist kein Fall einer kleinen Gmbh bekannt, in welchem ich die Erteilung einer Pensionszusage wirklich guten Gewissens empfehlen könnte.
    Vielleicht ist das in Deinem konkreten Fall ja die sinnvolle Ausnahme. Lass Dich aber bitte von einem Steuerberater diesbezüglich beraten und hole Dir ggf. noch von einem spezialisierten Steuerberater eine zweite Meinung ein.

    Liebe Grüße

    Steuermann

    • Suffi 28. Oktober 2013, 17:40

      Hallo Steuermann,
      genau die Probleme, die du aufgeführt hast sehe ich auch.
      Mein Vorgänger hat diese Art der Pensionszusage (LV) über einen Zeitraum von 12 Jahren erfolgeich durchgeführt, daher war mein Ansatz es ähnlich zu machen.
      Im Moment zackert er aber mit dem Steuerberater herum, weil er das Geld mit seinem jetzigen Steursatz versteuern muss und das ist nicht gerade wenig.

      Nur, was ist die Alternative?
      1. Absicherung Familie (Risiko LV und BU Versicherung)
      2. Gewinn am Jahresende ausschütten (wohin mit dem Geld?)
      3. Ich habe jetzt noch ca. 15 Jahre vor mir (15 Jahre Gewinn in ETF´s stecken?)

      Gruß
      Suffi

    • Holger Grethe 28. Oktober 2013, 19:51

      Hallo Suffi,

      ich denke schon, dass ein ETF-Depot eine bedenkenswerte Alternative ist. Auch für Anleger, die „noch 15 Jahre vor sich haben“, also um die 50(?) sind.

      Ein ETF ist ja nicht zwangsläufig ein Aktienfonds. Es gibt auch Anleihen-ETFs. Entscheidend ist die Asset-Allocation, also die Aufteilung des Vermögens auf die unterschiedlichen Anlageklassen. Diese sollte altersabhängig gestaltet werden.

      Nimmt man die Faustformel Aktienquote = 100 – Lebensalter als Ausgangspunkt, dann landet ein 50jähriger bei der Aufteilung seines Depot bei einem Verhältnis von 50:50 (Aktien zu Anleihen).

      Was spricht aus deiner Sicht dagegen?

    • Steuermann 29. Oktober 2013, 09:36

      Hallo Suffi,
      hallo Holger,

      die Pensionszusage ist zunächst einmal nur das „Vesprechen“ eines Arbeitgebers (häufig in Form der eigenen GmbH) zum Renteneintritt eine Pension aus Firmenmitteln zu bezahlen.

      Diese Zusage verursacht steuerlich und handelsrechtliche Kosten (ohne Geldfluss). Versicherungsmathematisch wird der Wert bzw. genauer gesagt die Belastung dieser Zusage jährlich berechnet und als „Schuldposten“ in die Bilanz eingestellt.

      Kurzum: Man verliert in der Theorie im ersten Schritt keine Liquidität in der Firma, kann aber Kosten geltend machen. Hört sich toll an.

      Nun muss aber das Kapital für diese Pension ja irgendwie finanziert bzw. angespart werden. Man spricht von der so genannten Rückdeckung. In aller Regel geschieht dies dann über den Abschluss einer Rentenversicherung. Die Nachteile einer solchen Versicherung, sind den Lesern dieses Blogs bekannt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass man seine Pension dann im Idealfall nach Ausscheiden aus der GmbH lebenslang erhalten möchte. Für einen gedachten Erwerber der ggf. eigenen GmbH ein ordentliches Risiko, dass er – wenn überhaupt – nur dann eingeht, wenn die finanziellen Mittel definitiv da sind und das von Holger beschriebene „Langlebigkeitsrisiko“ abgesichert ist.

      Nach meiner Erfahrung ist dies immer ein Problem in Verkaufsverhandlungen (neben den zahlreichen kurz geschilderten anderen Problemen).

      Die steuerlichen Probleme bei Abfindung der Pensionszusage sind dann enorm. Die Steuervorteile aus den Vorjahren sind dann meist schon „verfrühstückt“.

      Den Vermögensaufbau zur Altersvorsorge würde ich persönlich daher immer im Privatbereich betreiben.

      Wie dieser Vermögensaufbau und die sonstige private Absicherung aussehen könnte, hast Du – lieber Holger – ja schon sehr schön beleuchtet. Ich erspare den Lesern daher eigene Tipps.

      Viele Grüße vom

      Steuermann

    • Holger Grethe 28. Oktober 2013, 20:07

      Lieber Steuermann,

      ich habe mich jetzt mal ein wenig in dieses wenig erquickliche Thema „Pensionszusage“ eingelesen. Diese stellt eigentlich ja keine originäre Altersvorsorgeform für Selbständige dar, sondern scheint auf GmbH-Geschäftsführer und gut verdienende Mitarbeiter von Großunternehmen ausgerichtet zu sein.

      Dreh- und Angelpunkt dieser Anlageform ist (mal wieder) die Steuerersparnis, wenn ich es richtig verstehe?

      Mich würde auch interessieren, von welcher Renditeerwartung bei der Festlegung der Pensionszusage ausgegangen wird? Wird nur der Kapitalerhalt garantiert oder ist die Rendite abhängig von der Art der Rückdeckung? Wie wird bei einer Rückdeckung verfahren, die stark im Wert schwankt (Aktienfonds)?

      Fragen über Fragen… 😉

      lg, h.

  • Holger Grethe 30. Oktober 2013, 17:36

    @Steuermann: vielen Dank für die gut verständliche Darstellung!

  • Friedemann 10. Februar 2015, 08:26

    Hallo Holger,
    ich fände einen Artikel zu den berufsständischen Versorgungswerken hoch interessant. Die sollen, nachdem was ich weiß, ganz gut sein. Leider werden sie aber oft auch schlecht geredet. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass dahinter eine gewisse Lobby steckt.
    Soviel ich weiß kann man auch freiwillige zusätzliche Beiträge bezahlen. Ich konnte dazu leider nichts objektives finden.
    Vielen Dank!

  • Felix Brenkel 27. April 2015, 07:14

    Hallo Holger,

    vielen Dank für deinen interessanten Beitrag.

    Was fällt denn alles unter die Rubrik „Konsumkredite“ ? Gehören da für dich die Kredite für ein Eigenheim mit dazu ?

    Gruß

    Felix

    • Holger Grethe 27. April 2015, 14:53

      Hi Felix!

      Das Eigenheim trägt natürlich auch gewisse Züge eines „Konsumartikels“, aber gemeint ist hier eher die Finanzierung von Urlaub, Sofa, Motorrad etc.