Warum es an der Börse keinen Welpenschutz gibt

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Wer das erste Mal an der Börse investiert, hat vor allem eines: Angst davor, dass die Sache schief geht.

Klar, ein wenig Risiko muss sein. Aber man will mit seinen Ersparnissen auch nicht gleich unter die Räder kommen.

Da ist der vielgeäußerte Wunsch nach einem behutsamen Beginn mit „Einsteiger-Aktien“ oder einem „Einsteiger-Depot“ voller „Einsteiger-ETFs“ mehr als verständlich, oder?

Das Problem ist nur: So läuft das Spiel nicht.

Der Börse, diesem alten Biest, ist es nämlich völlig egal, wer da bei ihr in welcher Lebenssituation investiert.

Sie unterscheidet nicht zwischen dem Investmentbanker, der auch schon mal das eine oder andere Milliönchen in den Sand setzen darf und dem Kleinsparer, dem bereits der Verlust von ein paar Tausend Euro richtig weh tut.

Warum es so etwas wie „Einsteiger-Aktien“ nicht gibt und wie man stattdessen das Risiko beim Investieren sinnvoll begrenzen kann, erfährst du in diesem Artikel.

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Keine Schonfrist

Es ist mittlerweile gut neun Jahre her, dass ich meinen ersten Notarztdienst (ja, ich bin im Hauptberuf Mediziner) absolviert habe. Ich hatte zuvor knapp zwei Jahre Klinikserfahrung als Anästhesist gesammelt, war zum damaligen Zeitpunkt also noch relativ frisch im Geschäft und dementsprechend unerfahren.

Nach einer Handvoll Einsätzen an der Seite von erfahrenen Kollegen war an einem Samstag im April der Tag gekommen, an dem ich eigenverantwortlich mit all den medizinischen Problemen zurechtkommen musste, die das Schicksal für meine erste 24-Stunden-Schicht als Notarzt vorgesehen hatte.

Nervös wartete ich auf den ersten Einsatz.

Ich hoffte, dass es nicht allzu schlimm kommen würde. Ein gut behandelbarer Herzinfarkt wäre mir als Einstieg ganz recht gewesen oder vielleicht ein gebrochenes Bein auf dem Reiterhof.

Ein bisschen Herausforderung eben, aber doch nicht zuviel. Ich war ja schließlich noch Anfänger.

Es sollte anders kommen. Ganz anders.

Das verletzte Kind

Etwa eine halbe Stunde nach Dienstbeginn kam der erste Einsatz. Ein Verkehrsunfall. Geschätzte Fahrtzeit zum Einsatzort: etwa 5 Minuten.

Während der Anfahrt ergänzte die Notruf-Leitstelle die Einsatzmeldung um ein wesentliches Detail: „Verkehrsunfall mit Kind„.

Einsätze, bei denen Kinder beteiligt sind, sind für Notfallretter immer eine besondere Herausforderung. Zu den anatomischen und physiologischen Besonderheiten addiert sich eine – schwer in Worte zu fassende – ethisch-moralische Verpflichtung, die man gegenüber den kleinen Patienten verspürt.

Ich wurde schlagartig noch nervöser als ich eh schon war, versuchte mich aber mit der Vorstellung zu beruhigen, dass mit „Kind“ ja auch ein Jugendlicher gemeint sein könnte…zumindest ein relativ großes Kind.

Am Einsatzort, einer viel befahrenen Bundesstraße, angekommen, entschied ich mich, den am Unfall beteiligten alten Herrn im Auto links liegen zu lassen. Er zitterte am ganzen Leib, aber schien unverletzt. Um ihn würde sich der hinter uns eintreffende zweite Rettungswagen kümmern.

Ich suchte das Kind.

Unfallzeugen berichteten, dass es sich von der Hand des Vaters losgerissen hatte und dem alten Herrn direkt vors Auto gelaufen war. Von der Stoßstange am Kopf erfasst, war es bewusstlos auf der Straße liegengeblieben.

Man hatte es danach in einen Fahrradladen getragen, der sich etwa auf Höhe der Unfallstelle befand.

Zusammen mit zwei Rettungsassistenten betrat ich den Laden.

Im Tunnel

Zwischen Trekkingrädern und Mountainbikes lag er dann vor mir: Ein kleiner Junge, vielleicht zweieinhalb, höchstens drei Jahre alt.

Er war bewusstlos, aus seinem Mund und seinen Ohren lief Blut. Sein Zustand war ernst, die Diagnose eindeutig: schweres Schädel-Hirn-Trauma.

In diesem Moment muss irgendein Notfallprogramm in meinem Hirn angesprungen sein. Nie zuvor in meinem Leben war ich so fokussiert auf eine Aufgabe wie in dem Moment: Ich musste diesen Jungen retten. Unbedingt.

Ich weiß nicht mehr wie und warum, aber es klappte alles reibungslos: Venöser Zugang, Narkoseeinleitung, Intubation, gewichtsadaptierte Infusion von Hirndruck senkenden Medikamenten und Übergabe des stabilisierten Kindes an den Kollegen vom Rettungshubschrauber, der den Jungen zur Weiterversorgung an eine geeignete Klinik flog (soweit mir bekannt ist, hat der Junge den Unfall überlebt).

Der Einsatz war zu Ende und ich war fertig. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Einer meiner Rettungsassistenten sah mich entgeistert an und sagte gleichzeitig aufmunternd:

„Wenn du das hinbekommst…was soll jetzt noch kommen!?“

Er sollte Recht behalten.

Ich war noch einige Jahre danach als Notarzt im Einsatz und es gab nie wieder eine Situation, die mir auch nur annähernd so viel abverlangte wie der kleine Junge im Fahrradladen.

Der erste Einsatz war und blieb meine größte Herausforderung.

So ist das Leben.

Während wir uns nach einem lauen Lüftchen sehnen, bläst plötzlich und unerwartet eiskalter Wind von vorn.

Übertragen auf Aktieninvestments bedeutet dies …

Die Börse kennt kein Pardon

Auch an der Börse wartet die größte Herausforderung vielleicht schon zu Beginn deines Anlegerlebens auf dich.

Es ist nicht auszuschließen, dass du heute deine Ersparnisse in ein Wertpapierdepot steckst und morgen ein fulminanter Börsencrash seinen Lauf nimmt, der dir mittelgroße Schweißperlen auf die Stirn treiben wird.

Glaube nicht, dass du so etwas wie Welpenschutz genießt, nur weil du unerfahren bist. Auch vermeintliche „Einsteiger-Aktien“ können dich vor einem Crash nicht schützen.

Denn wenn der gesamte Aktienmarkt zur Talfahrt ansetzt, sitzen alle im gleichen Fahrstuhl auf dem Weg nach unten.

Heißt das, dass alle Aktien ein und dasselbe Risiko aufweisen?

Nein, das heißt es nicht.

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Chance und Risiko

Grundsätzlich gilt: Chance und Risiko sind ein unzertrennliches Gespann.

Wer bereit ist, mehr Risiko in Kauf zu nehmen, darf auch mit einer höheren „Risikoprämie“ (engl. risk premium) rechnen. Man wird also für das Mehr an Risiko mit einer höheren Renditeerwartung belohnt.

Zwei Beispiele:

Small Caps

AKtien von Unternehmen mit einem Börsenwert kleiner als 2 Milliarden US-Dollar werden auch als Small Caps bezeichnet.

Kleinere Unternehmen schwanken im Gegensatz zu großen Unternehmen, den Large Caps (Börsenwert > 10 Milliarden USD), stärker im Wert. Small Caps weisen im Mittel also eine höhere Volatilität auf, sind dadurch mit einem höheren Verlustrisiko behaftet, aber eben auch mit größeren Renditechancen.

Emerging Markets

Die Investition in Unternehmen aus Schwellenländern ist ebenfalls mit einem höheren Risiko verbunden. Die wirtschaftliche und politische Lage ist in diesen Ländern weniger stabil, was sich nicht zuletzt in der höheren Volatilität der Aktienkurse widerspiegelt.

Auf Nummer sicher mit Large Caps?

Ist man mit Large Caps aus führenden Industrienationen also eher auf der sicheren Seite?

Kommt drauf an, was man als „sicher“ empfindet.

Vermutlich würden die wenigsten Anleger eine Anlageklasse als sicher einstufen, bei der zwischenzeitlich auch mal gute 40 Prozent des Börsenwertes flöten gehen. So geschehen im Jahr 2008 beim DAX, dem Leitindex der Deutschen Börse, der Auskunft über die Entwicklung der 30 größten deutschen Unternehmen gibt.

Merke: Auch die solidesten Traditionsunternehmen kommen bei einem fulminanten Crash unter die Räder.

Da dürfte es nur ein geringer Trost sein, wenn man erfährt, dass Small Caps und Schwellenländer-Aktien noch viel schlimmer abstürzen.

Wenn der gesamte Markt einbricht, ist es also (fast) egal, worin man investiert ist. Es gilt: Mitgefangen, mitgehangen.

Das ist das unvermeidliche Marktrisiko.

Wer bereit ist, dieses Risiko auf sich zu nehmen, wird mit der höchsten Rendite aller Anlageklassen belohnt. Zumindest, wenn man langfristig denkt und handelt.

Das Marktrisiko begrenzen

Natürlich muss man das nicht alles schicksalsergeben so hinnehmen. Es gibt wirksame Mittel und Wege, das Risiko (und damit allerdings auch die Rendite) eines Depots zu begrenzen.

Dies geschieht nicht per Investition in vermeintliche Einsteiger-Aktien oder Einsteiger-ETFs, sondern durch eine vernünftige Asset-Allocation sowie durch die Wahl eines geeigneten Anlagehorizonts.

Asset-Allocation

Unter Asset-Allocation versteht man die Aufteilung des investierten Kapitals auf verschiedene Anlageklassen.

Bezogen auf ein Wertpapierdepot sind das im Wesentlichen Aktien, die als risikoreich gelten und (Staats-)Anleihen, die als risikoarm eingestuft werden.

Aus der Gewichtung zwischen risikoreichen und risikoarmen Anlagen ergibt sich das Risikolevel des Depots. Da Anleihen weniger stark im Wert schwanken als Aktien, lässt sich mit ihnen das Wertschwankungsrisiko eines Depots minimieren.

Verlieren Aktien zum Beispiel um 40 Prozent an Wert, dann beträgt der Verlust des Depots bei einer 50:50-Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen insgesamt nur noch 20 Prozent.

Anlagehorizont

Langfristig gesehen steigen die Aktienkurse, so dass zwischenzeitliche (Buchwert-)Verluste wieder aufgeholt werden können, wenn man ein wenig Geduld mitbringt.

Weil die Erholungsphase durchaus ein paar Jahre in Anspruch nehmen kann, ist ein entsprechender langer Anlagehorizont (mindestens 15, besser 20 Jahre) unabdingbar.

Vorausgesetzt, man vertraut auf die „Selbstheilungskräfte“ des Aktienmarktes und behält die Nerven, dann heilt die Zeit auch hier die Wunden.

Hilft gutes Timing?

Falls du glaubst, du könntest den perfekten Zeitpunkt für den Ein- oder Ausstieg an der Börse finden: keine gute Idee.

Warum das sogenannte „Market Timing“ nicht funktioniert, habe ich bereits hier, hier und hier erläutert.

Das Fazit

Der Einstieg an der Börse ist aufregend und steckt voller Überraschungen. Dabei können wir jederzeit vor Herausforderungen gestellt werden, die uns als Anleger starke Nerven abverlangen.

Das sollte allerdings kein Grund sein, auf Aktieninvestments zu verzichten. Denn wo Risiken sind, da sind auch Chancen. In diesem Fall die höchste Nettorendite aller Anlageklassen.

Wie hoch die Aktienmarktrendite in der Zukunft auch sein mag: Das beruhigende Gefühl, sein Geld bestmöglich angelegt zu haben, kann man als Börsenanleger schon heute genießen.

Allen Risiken zum Trotz.

 
Wie hast du dich bei deinen ersten Aktieninvestments gefühlt? Oder hast du diesen Schritt noch vor dir? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Links zum Podcast

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

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  • Kevin 3. April 2014, 10:13

    Hallo Holger,
    wieder einmal ein toller Artikel, der schön umreißt, was die meisten nicht hören wollen und doch hören müssen. Auch deine Art, dich selbst hierbei einzubringen finde ich klasse!
    Ich fürchte nur leider, dass es das beschriebene Notfallprogramm welches dich befähigte den Jungen zu retten im Bezug auf die Börse eher selten gibt. Umso besser, dass es gute Blogs zu dem Thema gibt, um sich vorzubereiten 🙂

    Wie sieht das eigentlich mit den verschiedenen Staatsanleihen aus? Fest steht: Die Staaten entwickeln sich unterschiedlich solide. Kann man nun soweit gehen, und auch bei diesen Abschätzungen wie obige über Small Cap, Large Cap oder vor Allem emerging Markets anzuwenden?
    Lass es dir gut gehen!
    Kevin

    • Holger Grethe 3. April 2014, 17:54

      Hallo Kevin,

      man kann bei Staatsanleihen sicherlich diversifizieren, sowohl regional als auch in Bezug auf die Laufzeiten. Schwellenländer würde ich da allerdings eher ausklammern, denn es geht ja bei Anleiheninvestments um den risikoarmen Teil des Portfolios.

  • Jacqueline 3. April 2014, 11:10

    Schöner Artikel, ich schaue gern hier auf der Seite vorbei.

    Der Vergleich mit dem Kind – 😉 – man muss eben etwas tun und nicht ewig zögern und zaudern, weil irgendwann irgendwas anderes besser sein könnte.

    Mein erstes Invest vor über 20 Jahren waren noch Aktien-Fonds. Im Laufe der Zeit sind dann immer wieder Aktien hinzu gekommen und wieder verkauft worden.
    Momentan aber wird unser Depot vor allem auf dividentenstarke Aktien von großen Unternehmen umgestellt. Hier diskutieren mein Mann und ich dann immer, können wir uns mit dem Unternehmen anfreunden, hat die Branche Zukunft? Da muss man nicht das kleinste Detail der Bilanz kennen. Und vielleicht sind dann in über 20 Jahren die Dividenten eine gute Ergänzung zur Rente.

    Manchmal muss man eben etwas riskieren, um belohnt zu werden – im Beruf oder eben an der Börse. Leider trauen sich das zu wenige und schimpfen lieber über die „bösen“ Aktien.

    • Holger Grethe 3. April 2014, 18:02

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Jacqueline!

      Du hast Recht, man muss Risiken in Kauf nehmen, wenn man in den Aktienmarkt investiert. Die Frage ist allerdings, ob und in welchem Ausmaß man dafür als Investor belohnt wird.

      Bei der Investition in einzelne Aktien trägt man ein systematisches Risiko, das leider nicht durch mehr Rendite entlohnt wird. Denn dieses Einzelwertrisiko lässt sich durch Diversifizierung, also einer breiten Streuung auf eine Vielzahl von Aktien, möglichst ganzer Märkte, weitestgehend eliminieren.

      Das ist ein Punkt, der bei den – insgesamt ja sehr beliebten – Dividendenstrategien häufig nicht berücksichtigt wird.

      Ich arbeite gerade an einem Artikel zu Dividendenstrategien, in dem ich detailliert auf diese Problematik eingehen werde…

  • Dummerchen 3. April 2014, 12:32

    Hallo Holger,
    dass es keinen Welpenschutz gibt, habe ich leider gleich doppelt an der Börse erleben dürfen:
    Meine ersten Aktienfondskäufe habe ich 2001 getätigt. Rückblickend war das eine Phase des Aktienmarkts, in dem die Börsen fast nur eine Richtung kannten – nach unten. Aber das wusste man natürlich damals noch nicht – ich hatte halt Geld, das ich regelmäßig an der Börse anlegen wollte, und habe ich nicht darum gekümmert, ob’s jetzt gerade nach oben oder unten geht. Ein komisches Gefühl war das natürlich damals schon, wenn monatlich der Wert der Anlagen sinkt, aber ich bin heute stolz sagen zu können: Ich hab die Aktienfonds gehalten und mit meinem Sparplan weiter bei fallenden Kursen investiert. Gerade diese Käufe zu niedrigen Kursen haben sich rückblickend gelohnt.
    Mein Aktienfondsengagement habe ich dann 2008 noch einmal intensiviert, da die Einführung der Abgeltungssteuer damals für mich Anreiz war, „jetzt noch einmal richtig“ zu investieren. Und wieder schmolzen im gleichen Jahr die Werte wie Eis in der Sonne. Aber da kannte ich ja schon das Gefühl, wenn der Markt fällt und fällt und fällt….
    Stand heute waren gerade diese „schlimmen Zeiten“ für mich an lohnendsten, denn ich habe die Investments gehalten und die heutigen Kurse sind deutlich höher. Damals wie heute habe ich aber nicht alles auf die eine Karte „Aktien“ gesetzt und Geld parallel in risikoärmeren Anlagen investiert. Ich denke, das war auch der Grund, warum ich nicht in Panik verfallen bin. Meine Finanzkenntnisse waren insbesondere 2001 gegenüber heute nämlich „bescheiden“. Ich bin mir sicher: Ein 100%-Investment in Aktien hätte ich nervlich nicht durchgestanden.

    Daher auch mein dringender Rat an die mitlesenden Aktien-Neulinge: Erst eine ordentliche Notfallreserve auf dem Tagesgeldkonto ansparen und erst dann (passend zur Risikobereitschaft) zusätzliches Geld in Aktien investieren. Das schont die Nerven (und letztlich den Geldbeutel).

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    PS: Sehr beeindruckender persönlicher Bericht, Holger!

    • Holger Grethe 3. April 2014, 18:04

      Danke, Dummerchen! Respekt für das Durchhalten in zwei äußerst „anspruchsvollen“ Marktphasen. 🙂

  • folio 3. April 2014, 15:03

    Hallo Holger,

    ein sehr fesselnder Bericht von dir als Notarzt.
    Eines meiner ersten Aktien-Engagements war, die Telekom-Aktie zu zeichen. Damals als junger Student habe ich erst so richtig durch den Medien-Hype angefangen, mich mit dem Aktienmarkt zu beschäftigen. Und genau das war der Fehler. Ich habe dadurch mein gesamtes Taschengeld verloren, weil ich der Euphorie gefolgt bin. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich den ersten Fehler so früh gemacht habe, wo ich noch nicht viel Geld verlieren konnte :), der Lerneffekt aber trotzdem 100 %ig war!
    Aber daraus habe ich gelernt, dass die generelle Stimmung doch ein Indikator für Timing sein kann. Wenn alle über Aktien schreiben und sprechen, dann sind wir nicht weit von einem Hoch entfernt. Wenn mir jedoch der letzte Kollege erzählt, dass er aus allem aussteigt, weil er keine Nerven mehr für Aktien hat, dann ist es Zeit, einzusteigen. Das war im März 2009 der Fall, als ich dann richtig viel investiert habe. Das hat sich im Nachhinein als super Timing herausgestellt (aber auch ohne Timing war es damals einfach billig). Daher auch Gratulation zu Dummerchen, der konsequent durchgehalten hat! Natürlich weiß ich jetzt nicht, wie lange die Märkte jetzt noch weitersteigen. Aber spätestens dann, wenn alle wieder euphorisch von Aktien reden, wird es für mich Zeit, die Aktienquote deutlich zu reduzieren.

    Viele Grüße,
    folio

    • Holger Grethe 3. April 2014, 18:08

      Vielen Dank für diesen ehrlichen Kommentar, Folio!

      Grundsätzlich denke ich auch, dass die öffentliche Meinung ein guter (Kontra-)Indikator für die Entwicklung des Aktienmarktes ist. Und solange man daraus nicht irgendwelche wilden Market Timing-Strategien ableitet, macht antizyklisches Investieren sicher Sinn.

  • Reino 4. April 2014, 10:06

    Hallo Holger,
    vielen Dank für die Mühe, die Du Dir nahezu täglich mit deinem Blog machst und die dinge durchaus auch kritisch betrachtest. Die Finanzbranche ist nunmal Haifisch-, Piranha- und Alligatorbecken in einem und zusätzlich streift nochmal ab und zu der weiße Hai durchs Börsenbecken. Mit bewussten Falschinformationen durch die etablierten Medien, werden Stimmungen erzeugt und wenn das die anleger zum handeln bringt wird über kurz oderlang das Gegenteil gemacht um zu verdienen. Bei vielen aktienfonds werden hinter dem Rücken der Anleger die Aktien verliehen und wenn wir mal genau schauen kostete das die sparer bei deutschen Aktienfonds in den letzten 14 Jahren gut und gerne 600% bis 700% Wertentwicklung. Nachkaufen bei fallenden Kursen macht keinen Sinn, weil die Summe des bereits angesparten, wesentlich mehr verliert, als der günstigere Nachkauf beim Sparplan bringt. Das lässt sich schön bei Fondsweb.de nachrechnen. Besser aussteigen und das Kapital in Cash Anlagen sichern und weiter in cash sparen bis die Zeichen wieder auf grün stehen. Bei allen Signalen und Tradinghilfen die es so gibt, habe ich beim studieren von über 10.000 charts eine recht einfache Hilfe festgestellt, dieeinem vor großen Verlusten bewahrt. „Handle nie gegen den Gleitenden Durchschnitt und versuche nciht schlauer als dieser zu sein „und dieser muss je nach Zeitintervall individuell angepasst werden. Je kürzer der Zeitintervall um so kleiner der Gleitende Durchschnitt. Wenn das ein Fondsmanager nutzen würde, dürfte es nie Aktienfonds mit großen Minuszahlen geben, aber wie wir wissen gab es zwischen 2000 und 2003 teilweise 70% minus oder jetzt die Rohstoffonds die teilweise mehr als 50% verloren haben gegenüber den Spitzenkursen von 2011. Natürlich kann auch ein Gleitender Durchschnitt kaum helfen, wenn so ein manipulierter Kurspeak wie am 06.02.2014 beim Dax Future oder vorher beim Goldpreis passiert, ausser, dass man eben nicht mit stop loss arbeitet, denn nach dem abkassieren dieser Orders oder plündern der CFD und Future Konten ging es ja im Trend weiter aufwärts und diese geplante Attacke zeigt sich dann im 1 Minuten Chart bereits 1 bis 2 Min vorher auch beim GLD und man hat Zeit zu reagieren

  • Finanzwesir 4. April 2014, 11:27

    @Dummerchen: Du bist das Bilderbuchbeispiel, daß nicht die Intelligenten oder die Flinken gewinnen, sondern die Sturen.

    Wobei ich zum Thema Intelligenz anmerken möchtem, daß ich Deinen Nutzernamen eher für einen Kontra-Indikator halte. Nicht, daß mir der Hausherr vorwirft schlecht über andere Kommentatoren zu reden 😉

    Aber zurück zum Thema „Sturheit“: Man kennt ja die ganzen Studien, die besagen: „Wenn man an den 20 stärksten Tagen der Börse nicht dabei war, dann hat man auf 50% des Gewinns verzichtet, wenn man an den 5 stärksten Tagen nicht dabei war, dann fehlen einem 20%“.

    Die Zahlen habe ich nicht genau im Kopf, es war aber immer auffällig, daß ein paar wenige Tage weit überproportional zum Gewinn beitrugen und diese Tage nehmen nur die Glücklichen (Capt´n Zufall hilft) und die Sturen mit.

    • Holger Grethe 4. April 2014, 21:01

      Also, ich kann dir versichern, dass hinter dem Pseudonym „Dummerchen“ ein intelligenter Kopf steckt. 😉

      Ich denke, dass man beim Investieren weniger Glück und Sturheit, sondern vielmehr Gelassenheit und Ausdauer braucht. „Stur“ kommen mir da eher manche aktiven Anleger vor, die aller empirischen Evidenz zum Trotz davon überzeugt sind, sie könnten dauerhaft den Markt schlagen. 😉

    • Dummerchen 5. April 2014, 08:47

      @Finanzwesir: Hmm, so richtig charmant hast Du das aber nicht formuliert ;-), aber keine Sorge, ich habe Dich verstanden. Auch wenn mein Pseudonym eher tiefstaplerisch gewählt ist, will ich damit nicht zum Ausdruck bringen, dass bei mir Hopfen und Malz verloren ist. Ich bin in der Finanzbloggerszene halt nur schon „Persönlichkeiten“ begegnet, die von sich selbst und ihrem Wissen derart überzeugt sind, dass ich gerne den Gegenpol übernehme. „Stur“ würde ich mein Anlageverhalten auch nicht nennen – damit assoziiere ich zu sehr die Begriffe „Scheuklappen“ und „unbelehrbar“. Ich würde es eher als „beharrlich“ und „mit ruhiger Hand“ bezeichnen.

      In Deiner Grundaussage bin ich ganz bei Dir: Wer glaubt, in jeder Marktsituation zu wissen, dass er nun ein- oder aussteigen muss, kaufen oder verkaufen muss, überschätzt meiner bescheidenen Meinung nach seine Fähigkeiten. Als Privatanleger wird es kaum gelingen, mehr und vor allem früher die Informationen gegenüber den Hauptakteuren (institutionellen Anlegern) am Markt zu besitzen, die noch nicht in die Aktienkurse eingeflossen sind. Wäre es klar, dass es bald zu einem Börsencrash kommen müsse, dann hätten die Großanleger längst ihre Schäfchen ins Trockene gebracht und die Kurse wären durch die hohe Zahl der Verkäufer auch schon gefallen. Man möge sich einfach vor Augen halten: Niemand kann die Zukunft mit Sicherheit voraussagen. Weder der Großinvestor und noch viel weniger der Kleinanleger.

  • Gerhard 4. April 2014, 16:24

    Vom Welpen zum abgeklärten Hund

    Lieber Holger,
    mein Star als Welpe (bezogen auf den Aktienmarkt) machte ich schon im fortgeschrittenen Erwachsenenalter (Mitte/Ende 30). Das Eigenheim (ja, ich kenne Deine Haltung dazu und gebe Dir auch grundsätzlich Recht) war dank schneller Tilgung, Doppelverdienst, mehrere Nebenjobs und elterlicher Unterstützung fast abbezahlt, als ich die „Kredittilgung“ einfach durch Einzahlungen in einen Sparplan in einen internatioal anlegenden Aktienfond fortsetzte. Die Dauerlast des Abbezahlens einer Immobilie hat immerhin zur Folge, dass man sich mit der Zeit daran gewöhnt und die reduzierten Konsumausgaben (= das Sparen) reglrecht verinnerlicht hat.
    Ganz wichtig: Meine Ehefrau, die ich fragte, ob diese Vorgehensweise für sie OK sei, gab ihr Einverständnis!
    Demnach flossen die meisten unserer Sparleistungen in Aktienfonds.
    Den Fond kaufte ich direkt bei der Fondgesellschaft, wo auch das Depot geführt wurde; ich zahlte den vollen Ausgabeaufschlag , ebenso die hohen Verwaltungsgebühren (und hielt dies alles für gottgegeben).

    Fast täglich studierte ich die Kurse, die Telebörse bei ntv war mein Pflichtprogramm, ständig hielt ich Ausschau nach neuen Informationen/Fondanlagen; bestellte den „DM Fond aktuell“ (wöchentlicher Börsenbrief für Fondinvestitionen), wechselte meine Fondanlagen sehr häufig (Modetrends) und machte mich auch sonst zum Narren!
    Das Ergebnis war einigermaßen durchwachsen!

    Als Hundebesitzer darf ich zwischendurch den „Welpenschutz“ zitieren. Den hatte ich definitiv nicht; aber das Verhalten eines Welpen: Jedem Stöckchen nachrennen, Gefahren ignorieren, Bewegung um jeden Preis;
    Hauptsache „Herrschen“ (hier: Banken, Anlagengesellschaften, Finanzdienstleister, Herausgeber von Börsenbriefen, …) findet es toll.

    Aber der Welpe wird erwachsen und entwickelt sich zum ausgewachsenen Hund. Der bewegt sich nur noch dann, wenn es sich wirklich für ihn lohnt; vergleicht Aufwand und Ertrag sehr genau und entwickelt einen ausgeprägten Instinkt für Risiko!
    Als Anleger am Aktienmarkt bedeutete das für mich: Statt „DM Fond aktuell“ las ich jetzt Finanztest; statt Ausgabeaufschläge Kauf via Discountbroker mit „Kick-back“ über eine Fondplattform; statt fragwürdiger Ranglisten der Wertentwicklung lieber ein Blick auf die Gesamtkostenquote (TER) des Fonds; statt häufiger Umschichtungen eine langfristige Ausrichtung nach dem Prinzip der „ruhigen Hand“.

    Schließlich seit ca. 2 Jahren die Entwicklung hin zum „abgeklärten Hund“, der die Kostenseite radikal beschränkt und der „Stöckchenwerfer“ nur noch müde hinterher schaut. Mit anderen Worten: Passives/prognosefreies Investieren in Aktien- und Anleihe ETF’s.

    Den jungen „Welpen“ kann ich als „Hundeschule“ Deinen Blog nur wärmstens empfehlen empfehlen. Den „Welpenschutz“, den es beim Anliegen nicht gibt, den brauchen sie dann nicht!

    Liebe Grüße
    Gerhard

    • Holger Grethe 4. April 2014, 21:04

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Gerhard! Du hast das Welpenbild sehr schön weitergesponnen… 🙂

  • Gerhard 4. April 2014, 16:26

    Lieber Holger,

    Nur Vertippt: es muss heißen: Mein Start zum …

    Gerhard

  • Thomas 5. April 2014, 11:47

    Welpenschutz ist ein genialer Artikel. Ich denke es macht auch viel aus, wann man sich mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen beginnt. Die meisten starten damit leider oft am Höhepunkt eines Kursverlaufes, verlieren Geld steigen aus und kehren der Börse für immer den Rücken.
    Andererseits wiederum ist es wahrscheinlich auch nicht wirklich sinnvoll gleich zu beginn zu viel Erfolg zu haben, denn das macht einem möglicherweise übermütig.
    Also wie du schon sagst Holger, den idealen Einstiegszeitpunkt gibt es nicht und Schutz schon gar nicht!
    Sehr genialer Podcast, wieder einmal! 🙂
    lG Thomas

  • Ruhige Hand 12. August 2015, 12:59

    Hallo Holger,
    ich bin während meines diesjährigen Urlaubs zufällig auf Deine Podcasts gestoßen und habe diese mit großen Interesse und tiefer Entspannung irgendwo in Italien am Pool gehört. Vielen Dank dafür. Ich finde diese grundsätzlich sehr gut gemacht! Wie viele, die sich schon einige Jahre um Aktien und Fonds kümmern, habe auch ich mittlerweile in den letzten 20 Jahren alle einschlägigen Erfahrungen durchgemacht. Und es hat eben einige Zeit gedauert, bis ich auf die ETF’s gestoßen bin, die es jetzt als Investitionsmöglichkeiten gibt.
    Ich würde mich freuen, wenn Du Dich einmal des Themas Cost Average Effekt annehmen würdest. Denn ich halte es für wichtig, den Teilnehmern klar zu machen, dass es nicht so sinnvoll ist in kurzer Zeit eine größere Summe in einen ETF zu investieren, weil dann auch ein möglicher Weg nach unten an der Börse eben diese ganze größere Summe mit betrifft. Jahrelanges, regelmäßiges Einzahlen einer nur wenig veränderten Summe ist da ja viel effektiver und auch ganz einfach. Man überlegt sich eine Summe, die problemlos investiert werden soll und zahlt monatlich über einen Sparplan mittels einer günstigen Online-Plattform diese Summe zum Investieren in ETF’s, die man nach Neigung vorher ausgewählt hat, ein. Sollte mal mehr Geld zur Verfügung sein, wird die Monatsbeitrag moderat erhöht. Ist man mal überraschend knapp bei Kasse, wird der Monatsbeitrag moderat gesenkt. So profitiert man in optimaler Weise ganz nebenbei auch vom Cost Average Effekt, denke ich, und mindert zusätzlich das Risiko der Investition.
    Denn ich finde es auch wichtig, deutlich davon abzuraten in kurzer Zeit oder gar einmal eine große Summe zu investieren und dann evtl 10 – 20 Jahre warten zu müssen, bis die Börse sich wieder zum Stand der Investition hochgearbeitet hat. Außerdem hält das Leben üblicherweise soviele Wechselfälle bereit, dass man bei aller Planung sowieso nicht absehen kann, wie sich die persönliche wirtschaftliche Situation in der Zukunft tatsächlich entwickelt.
    Selbst wer jetzt durch Erbschaft oder Auszahlung eine Versicherung eine große Summe bekommt und einen ‚Anlagenotstand‘ empfindet ist gut beraten, wenn er sich für ETF’s entscheidet – aber ganz bewußt die Einzahlung dieser zu investierenden Summe über mehrere Jahre streckt; je mehr, desto besser.
    Das gilt auch umgekehrt: Wer jetzt schon weiß, dass er z.B. in 5 Jahren eine hohe Zahlung aus einer Lebensversicherung erhalten wird und jetzt schon weiß, dass er das Geld nicht wirklich brauchen wird, der kann schon jetzt auf einen höheren monatlichen Beitrag zum Investieren in ETF’s gehen und beispielsweise das Tagesgeldkonto oder andere Vermögenswerte deutlich abschmelzen, weil er ja weiß, dass alles zum Zeitpunkt der Auszahlung der Versicherungssumme wieder aufgefüllt werden kann.