Warum finanzielle Freiheit nur eine Illusion ist

Finanzielle Freiheit nur eine Illusion

Finanzielle Freiheit ist das ultimative Ziel.

Liest man ja derzeit überall im Netz.

Gefühlt ploppen jede Woche fünf neue Finanzblogs auf, in denen die Segnungen des vorzeitigen Ruhestands gepriesen werden.

Ein paar Jahre heftigst sparen, mit hoher Rendite investieren und dann den ungeliebten Job für immer und ewig an den Nagel hängen.

Welch ein Traum!

Gut, große Sprünge sind in der finanziellen Unabhängigkeit weniger drin. Aber das spielt keine Rolle, denn Konsum macht ja eh nur unglücklich …

…sagen diejenigen, die sich möglichst früh im Leben vom Zwang zur Arbeit befreien wollen.

Ehrlich gesagt geht mir der Hype um dieses Thema langsam auf den Senkel. Zeit für eine Gegenrede!

Warum ich die finanzielle Freiheit respektive den vorzeitigen Ruhestand für ein nicht sonderlich erstrebenswertes Ziel halte, erfährst du in diesem Artikel:

Woher kommt die Idee vom (vorzeitigen) Ruhestand?

Vorzeitiger Ruhestand

Ende des 19. Jahrhunderts lag die mittlere Lebenserwartung bei gerade einmal 35 bis 38 Jahren.

Über Ruhestand oder Rente brauchten sich die Menschen damals kaum Gedanken zu machen.

Diejenigen, die deutlich älter wurden, arbeiteten einfach weiter. Oder wurden von ihren Kindern versorgt, wenn sie nicht mehr arbeiten konnten.

Eher aus politischem Kalkül denn aus Nächstenliebe führte Otto von Bismarck 1883 neben der Krankenversicherung die gesetzliche Rentenversicherung ein. Der Rentenanspruch galt ab 65 Jahren, einem Alter also, das die meisten Arbeiter damals kaum erreichten.

Der industriellen Revolution kam diese Entwicklung allerdings sehr entgegen.

Denn auf diese Weise konnten sich die Fabriken elegant älterer Arbeitskräfte entledigen, deren (körperliche) Produktivität mit dem Alter immer weiter abnahm.

Bis heute ist die Frühverrentung ein beliebtes Stilmittel der Wirtschaft geblieben, um kostensparende “Umstrukturierungen” vorzunehmen.

Vorzeitiger Ruhestand geschieht also in vielen Fällen nicht unbedingt freiwillig

Die ersten Ruheständler hatten damals jedenfalls etwas, das der arbeitenden Bevölkerung weitestgehend abging: Zeit zur freien Verfügung (Freizeit).

Und diese will gestaltet werden.

So ist es vermutlich kein Zufall, dass sich das Angebot der Golfkurse in den USA zwischen 1921 und 1930 verdreifachte.

Nach 40+ Jahren von 100 auf Null?

So schön die Vorstellung vom Ruhestand auch ist – jeden Tag ausschlafen, seinen Hobbys nachgehen, golfen, reisen etc. – die Sache hat eine Kehrseite:

Eine Studie des Institute of Economic Affairs hat ergeben, dass Ruhestand …

  • die Wahrscheinlichkeit um 40 Prozent verringert, dass die Menschen ihren Gesundheitszustand mit “sehr gut” oder “exzellent” bewerten
  • die Wahrscheinlichkeit für eine klinische Depression um 40 Prozent erhöht
  • die Wahrscheinlichkeit für mindestens ein diagnostisch gesichertes körperliches Leiden um etwa 60 Prozent erhöht

Welchen Sinn es hat also, bei Erreichen einer willkürlich gewählten Altersgrenze eine Vollbremsung von 100 auf 0 Prozent Arbeit hinzulegen?

Dass man Ruheständlern damit nicht unbedingt einen Gefallen tut, sollte angesichts der oben genannten Morbiditätsziffern klar sein.

Was bringt Leute nun dazu, freiwillig auf den Tag hinzusparen, an dem sie nicht mehr arbeiten müssen?

Anders gefragt:

Warum streben Menschen nach finanzieller Freiheit?

Psychologische Faktoren

Der Psychologe Steven Reiss stellte in den 1990er Jahren seine Theorie der 16 Lebensmotive vor. Diese wirkten als treibende Kraft für die Psyche des Menschen:

“Grundbedürfnisse sind psychologische Bedürfnisse: Einige Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden, damit wir überleben; andere müssen befriedigt werden, damit wir das Leben als sinnvoll empfinden […] Dasselbe Grundbedürfnis (oder psychologische Bedürfnis) führt bei unterschiedlicher Ausprägung zu unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen.”
Quelle: Das Reiss Profile (*)

Die 16 Grundbedürfnisse nach Steven Reiss:

  1. Anerkennung: Bedürfnis danach, Kritik und Ablehnung zu vermeiden
  2. Beziehungen: Bedürfnis nach Freundschaft
  3. Ehre: Bedürfnis danach, sich moralisch integer zu verhalten
  4. Eros: Bedürfnis nach Sexualität
  5. Essen: Bedürfnis nach Nahrung
  6. Familie: Bedürfnis danach, seine eigenen Kinder großzuziehen
  7. Idealismus: Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit
  8. Körperliche Aktivität: Bedürfnis danach, seine Muskeln zu bewegen
  9. Macht: Bedürfnis danach, andere dem eigenen Willen zu unterwerfen
  10. Neugier: Bedürfnis nach Kognition
  11. Ordnung: Bedürfnis nach Struktur
  12. Rache: Bedürfnis danach, mit jemandem abzurechnen
  13. Ruhe: Bedürfnis nach innerem Frieden
  14. Sparen: Bedürfnis danach, materielle Güter zu sammeln und anzuhäufen
  15. Status: Bedürfnis nach Prestige
  16. Unabhängigkeit: Bedürfnis nach Autarkie

Welche Rolle spielen diese psychologischen Grundbedürfnisse nun in unserem Leben?

Vereinfacht gesagt, fühlen wir uns glücklich, wenn ein Grundbedürfnis mit überdurchschnittlicher Ausprägung befriedigt wird. Und wir fühlen uns unglücklich, wenn das gleiche Grundbedürfnis unbefriedigt bleibt.

Charakterunterschiede

Jeder Mensch trägt eine individuelle Konstellation an Grundbedürfnissen in sich.

Die eine hat ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Bedürfnis nach körperlicher Bewegung. Ohne Sport geht es ihr schlecht.

Der andere hat ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Ruhe. Er kann vielleicht auf Sport verzichten, nicht aber aufs gemütliche Lesen am Kamin.

Es dürfte klar sein, welche zwei der 16 Bedürfnisse für den Wunsch nach finanzieller Freiheit beziehungsweise Unabhängigkeit eine große Rolle spielen:

Sparen und Unabhängigkeit.

Anmerkung: Steven Reiss bezieht das Motiv Sparen in erster Linie auf das Anhäufen materieller Güter. Das Anhäufen immaterieller Güter (Geld) beziehungsweise von Vermögenswerten (z.B. ETF-Anteile) fällt aus meiner Sicht aber in die gleiche Kategorie.

Zum Motiv Unabhängigkeit stellt Steven Reiss fest:

“Menschen mit einem starken Grundbedürfnis nach Unabhängigkeit sind selbständig. Ihre persönliche Freiheit kann für sie alles bedeuten; eventuell mögen sie es nicht, auf andere angewiesen zu sein. Für sie kann es sehr wichtig sein, dass alles so gemacht wird, wie sie es machen wollen (“so, wie ich es will, oder überhaupt nicht”). Sie ordnen sich nicht unter, um mit anderen zurechtzukommen.”

Mit anderen Worten:

Wer finanzielle Freiheit beziehungsweise “early retirement” anstrebt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Bedürfnis nach Unabhängigkeit in Verbindung mit dem Drang (Geld) zu sparen.

Warum wollen nicht noch mehr Menschen finanziell unabhängig werden?

Wie kommt es, dass bestimmte Menschen nach finanzieller Unabhängigkeit streben und andere dieses Ziel kalt lässt?

Weil letztere die entsprechenden Finanzblogs noch nicht im Netz gefunden haben? Mag sein.

Viel wahrscheinlicher ist aber etwas anderes …

Für viele Menschen ist Unabhängigkeit nun mal kein überdurchschnittlich wichtiges psychologisches Motiv. Für sie sind andere Bedürfnisse wichtiger.

Für die einen mag das Streben nach Macht eine größere Rolle spielen:

“Macht motiviert zu Willenskraft, zum Bedürfnis nach Leistung und dazu, wie sehr man daran arbeiten will voranzukommen… Macht beeinflusst Ihre Neigung dazu, eine Führungsperson zu sein und anderen Anleitungen oder Rat zu erteilen.”
Quelle: Das Reiss Profile (*)

Für andere mag es Statusdenken sein, welches das Bedürfnis nach Unabhängigkeit überwiegt:

“Status ist das Bedürfnis nach sozialem Ansehen aufgrund von Reichtum, Titeln, sozialer Schicht oder guter Herkunft. Die Befriedigung dieses Bedürfnisses ruft Gefühle der eigenen Bedeutung und der Überlegenheit hervor, während die Nichtbefriedigung zu Gefühlen der Bedeutungslosigkeit und der Unterlegenheit führt.”
Quelle: Das Reiss Profile (*)

Wer sich aus dem Arbeitsleben zurückzieht, um seine finanzielle Freiheit zu genießen, kann anderen weder Kommandos erteilen noch sich im Glanz seiner beruflichen Position sonnen.

Es ist letztlich also eine Frage der individuellen Konstellation psychologischer Grundbedürfnisse, die sich hinter dem Streben nach finanzieller Freiheit verbirgt.

Buch-Tipp

Der Motivation, die finanzielle Unabhängigkeit möglichst früh im Leben zu erreichen, hat die Autorin Gisela Enders ein ganzes Buch (*) gewidmet. In einer Reihe von Interviews wird deutlich, wie (unterschiedlich) Menschen ticken, die sich erfolgreich vom “Zwang zur Erwerbsarbeit” befreit haben.

Wenn der Job nervt …

Job nervt

Schauen wir uns das Bedürfnis nach Unabhängigkeit – von der Erwerbsarbeit – mal etwas genauer an.

“Anton Geldsack” von Finanzielle Freiheit durch Passives Einkommen schreibt auf seiner Website:

“Das sind ja noch verdammt viele Jahre mit jeweils rund 220 Arbeitstagen an denen ich jeden Morgen zeitig aufstehen und ins Büro gehen darf um 10 Stunden später wieder ausgepowert nach Hause zu kommen. Will ich das? Nein!”

Natascha Wegelin von Madame Moneypenny – Finanzielle Unabhängigkeit für Frauen stellt fest:

“Arbeiten = Zeit für etwas aufwenden, das ich nur mache um Geld zu verdienen. Natürlich macht mir mein Job Spaß, aber wenn ich ihn nicht machen müsste, würde es es vermutlich auch nicht tun. Sondern den ganzen Tag rumreisen, lesen, Pommes essen und Sport treiben.”

Nico von Finanzglück – Glücklich in die finanzielle Freiheit beschreibt seine Motivation so:

“Du kannst Dir Besseres vorstellen, als Dein Leben im Job zu verbringen? Geht mir genauso. Deshalb arbeite ich daran meine finanzielle Freiheit zu erlangen, solange ich noch jung und knackig bin.”

Etwas rustikaler bringt Pascal von fyoumoney das Ganze auf den Punkt:

“Der Staat möchte, dass du bis zum 70. Lebensjahr arbeitest? „F*ck You!“. Dein Chef schickt dich in die neue Niederlassung nach Kleinödnis? „F*ck You!“. Die Stadt in der du wohnst langweilt dich? Sag ihr „F*ck You!“ und fang woanders neu an.”

Einfach hinschmeissen und “Fuck you” sagen können, wenn einem der blöde Job nicht mehr passt.

Ganz ehrlich: Wer träumt nicht ab und zu davon …

Wenn man abends auf dem Heimweg im Stau steckt, morgens im Winter im Nieselregen auf den Bus zur Arbeit wartet, dann vom Vorgesetzten für Nichtigkeiten angeranzt wird und sich den Rest des Tages über die Faul- und Blödheit von Kollegen ärgern muss …

All diese Zumutungen fallen weg, sobald das Paradies, äh …die finanzielle Freiheit einmal erreicht ist.

Also kann das Motto nur lauten:

Im Job ein paar Jahre die Arschbacken zusammenkneifen, die Ausgaben runter prügeln und sparen wie ein Berserker!

Wer 70 Prozent seines Nettoeinkommens spart, kann schon nach 8,8 Jahren in den Sack hauen und unter Absingen schmutziger Lieder (“Fuck you, Chef!”) seinen Schreibtisch räumen.

Tolle Sache, denn jetzt kannst du …

Endlich das machen, was dir wirklich Spaß macht

Nur noch Spaß

Die Frage ist nur: Warum machst du das nicht schon hier und jetzt?

Warum bist du bereit, eine offensichtlich unbefriedigende berufliche Situation für weitere 8, 10 oder 15 Jahre – je nach Sparquote – zu ertragen?

Wer sagt, dass ein einmal angetretener Angestelltenjob das Ende der Fahnenstange ist?

Wo bleibt der Wille zur Veränderung, zur beruflichen Weiterentwicklung?

Wo bleibt der Ehrgeiz, im Berufsleben einmal etwas (völlig) Neues zu wagen? Sich selbständig zu machen, ein Unternehmen zu gründen?

Auch auf die Gefahr hin alle über einen Kamm zu scheren …

…aber mein Eindruck ist, dass unter den finanziell Freiheitssuchenden viele passabel verdienende Akademiker sind, die ihrer Arbeit mit einer gewissen Lustlosigkeit nachgehen.

Und in der finanziellen Unabhängigkeit die Erlösung suchen.

Kann man so machen …

Ich finde es allerdings ziemlich traurig, wertvolle Jahre seines Lebens eine unbefriedigende Situation zu ertragen, um irgendwann in der Zukunft endlich “frei” zu sein.

Denn konsequenterweise bedeutet der Wunsch nach finanzieller Freiheit ja im Umkehrschluss, dass man sich heute unfrei fühlt!

Feindbild Arbeit?

Umso skurriler finde ich, dass auch Menschen, die das Teenageralter kaum hinter sich gelassen haben, schon über finanzielle Unabhängigkeit sinnieren.

Was für ein Bild von Arbeit muss man haben, dass man schon nach einem Exit sucht, bevor man überhaupt ein paar Jahre Geld verdient hat?

Häufig wird so getan, als gäbe es zwischen einem ungeliebten “so lala”-Job und der finanziellen Freiheit gar keinen anderen Weg.

Hallo, wie wäre es mit einem Jobwechsel? Oder dem Sprung in die Selbständigkeit?

Ja, da kommt dann nicht jeden Monat die gleiche Summe aufs Konto …

Aber wer grundsätzlich Angst vor Volatilität hat, sollte auch nicht in Aktien investieren. Und ohne Aktien wird’s mit der finanziellen Freiheit verdammt schwer!

(Jaja, ich weiß, es gibt auch Immobilien …)

Je weniger Konsum, desto mehr Freiheit?

weniger Konsum mehr Glück?

Um finanziell frei zu sein, muss man seine Ausgaben vollständig durch Kapitaleinkünfte decken können.

Je mehr Kapitaleinkünfte gebraucht werden, desto größer muss der dafür notwendige Kapitalstock sein.

Und je größer der Kapitalstock ist, desto länger dauert es, um diesen durch Sparen und Investieren zu erreichen.

Deshalb trifft es sich ganz gut, wenn man seine Ausgaben möglichst niedrig hält.

Ohne Frust gelingt das allerdings nur jenen, die ihre materiellen Ansprüche auf einem (möglichst) niedrigen Niveau ansiedeln.

Möglichst wenig zu benötigen, ist nun einmal der schnellste Weg, um reich zu werden.

Diese Idee ist uralt und geht vermutlich zurück auf Diogenes von Sinope, der seine Bedürfnislosigkeit gerne öffentlich zur Schau stellte, indem er auf der Straße in einem alten Vorratsfass hauste.

“Es ist davon auszugehen, dass Diogenes die grundsätzliche Ansicht vertreten hat, dass richtig glücklich nur der sein kann, der sich erstens von überflüssigen Bedürfnissen freimacht und zweitens unabhängig von äußeren Zwängen ist.

Diogenes erkannte ausschließlich die Elementarbedürfnisse nach Essen, Trinken, Kleidung, Behausung und Geschlechtsverkehr an. Alle darüber hinausgehenden Bedürfnissen solle man ablegen …”
Quelle: Wikipedia

Sollte man das wirklich?

Während dem Statusbewussten auf der einen Seite sein Leben ohne sündhaft teure Markenklamotten, 5-Sterne-Hotels und Luxuskarossen unwert erscheint, beschäftigt sich der Frugalist auf der anderen Seite unablässig mit der Frage:

Worauf kann ich noch verzichten?

Letztlich sind beide Lebensentwürfe extremistischer Natur, geprägt von einem – sagen wir – “besonderen” Verhältnis zu Materialismus und Konsum.

Die Rationalisierung des Strebens nach finanzieller Unabhängigkeit gelingt aus den bereits genannten Gründen verständlicherweise umso besser, je kritischer das Bild von Materialismus und Konsum gezeichnet wird.

4 Gründe, warum mir die vorzeitige finanzielle Unabhängigkeit unwichtig ist

4 Gründe

Die Betonung liegt auf: vorzeitig.

Denn natürlich halte ich es für sinnvoll, nicht bis ins hohe Alter finanziell von der Erwerbsarbeit abhängig zu sein.

Sprich, irgendwann zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr möchte ich den Punkt erreicht haben, an dem ich nicht mehr für Geld arbeiten muss.

Aus diesem Grund baue ich Vermögen durch passives Investieren mit ETFs auf.

“Early retirement” oder gar “extreme early retirement” interessiert mich hingegen aus den folgenden Gründen nicht:

1. Ich habe keine Lust auf die notwendigen finanziellen Entbehrungen

Ich sage ja zum ambitionierten Sparen, Investieren und dem langfristigen Vermögensaufbau.

Aber ich sage definitiv nein zu Frugalismus, Geiz und Pfennigfuchserei. Weil das einfach nicht die Art und Weise ist, wie ich und meine Familie leben möchte.

Es ist daher nicht die Frage, ob wir uns eine Sparquote jenseits der 50 Prozent leisten könnten …

Wir wollen es einfach nicht.

Natürlich ist es Unsinn, sich von materiellen Besitztümern Glückseligkeit zu versprechen. Und Statussymbole sind erst recht überflüssig.

Aber ich habe weder Lust, im Supermarkt jeden Cent umzudrehen, noch im Second-Hand-Laden nach Klamotten zu gucken.

Und wenn ich das Verlangen spüre, Geld in meine Hobbies (u.a. Rennradfahren) zu stecken, dann mache ich das eben.

Weil Konsum – in dieser Form – eben doch hin und wieder Spaß macht!

Auch wenn ich all diese Sachen vielleicht nicht unbedingt “brauche”.

Wobei ja eh die Frage ist, was wir wirklich brauchen. Wo hört Notwendigkeit auf und wo fängt Luxus an …?

2. Ich will in der Gegenwart leben und genießen

Jedenfalls möchte ich mein Leben heute genießen und nicht erst in der Zukunft.

Da mich meine Arbeit nicht quält, fühle ich mich dadurch weder unfrei noch in einem “Hamsterrad des Materialismus” gefangen.

Meine “Work-Life-Balance” oder besser meine “Arbeit-Freizeit-Balance” ist heute schon sensationell gut.

Warum sollte ich an diesem Zustand etwas ändern?

Ich bin stolz auf das, was ich bisher erreicht und aufgebaut habe. Und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass mich die finanzielle Unabhängigkeit von der Erwerbsarbeit zu einem noch glücklicheren Menschen machen würde.

Vor allem nicht, wenn ich mir dafür im Gegenzug nur ein Leben auf deutlich niedrigerem Niveau als heute leisten könnte.

3. Finanziell ist man nie wirklich frei

Echte finanzielle Unabhängigkeit ist bei Lichte betrachtet nichts anderes als eine Illusion.

Denn wenn Arbeitseinkünfte nicht mehr das Leben finanzieren, müssen diesen “Job” Kapitaleinkünfte übernehmen – sprich: Dividenden, Zinsen und Mieteinnahmen.

Mit anderen Worten:

Es besteht auch in der finanziellen Unabhängigkeit eine Abhängigkeit von gewissen Geldquellen.

Diese sind zum einen Marktentwicklungen unterworfen. Zum anderen dem politischen Willen, welcher sich üblicherweise in einer mehr oder weniger vorteilhaften Steuergesetzgebung manifestiert.

Sollte irgendwann eine sozialistisch angehauchte Regierung beschließen, dass Kapitaleinkünfte des Teufels und deshalb “gerechter” zu besteuern sind, dann ist schnell Schluss mit lustig.

Natürlich kann man dann immer noch auswandern, vorausgesetzt man hat nicht in erster Linie auf Immobilien gesetzt …

4. Ich würde sowieso weiterarbeiten

Ich bin jetzt 14 Jahre im Berufsleben (als Arzt) und habe – wie bereits erwähnt – in dieser Zeit kontinuierlich daran gearbeitet, meine Einkommenssituation, das Arbeitspensum sowie die Arbeitsbedingungen in meinem Sinne vorteilhaft zu gestalten.

Mit zendepot habe ich mir ein zweites berufliches Standbein aufgebaut, das mir ein zusätzliches, zeitunabhängiges (“passives”) Einkommen beschert.

Mir fällt kein trifftiger Grund ein, warum ich an meiner komfortablen Situation – die das Ergebnis von Risikobereitschaft, Willen und Durchhaltevermögen ist – etwas ändern sollte.

Wichtiger als die vermeintliche finanzielle Freiheit in der Zukunft zu erreichen, ist mir meine heutige berufliche Freiheit beziehungsweise die Möglichkeit, das tun zu dürfen, was ich gerne mache.

Der Finanzblogger und Buchautor Christian Thiel befindet sich in einer ähnlichen Lage:

“Da ich immer das tue, was ich gerade will, bin ich im Grunde finanziell frei. Ich gehe nicht zur Arbeit, nur um Geld zu verdienen. Sondern wegen der Glückshormone.”

Das klingt gut, aber auch schon fast zu schön, um wahr zu sein. Denn selbst der tollste Beruf ist mit gewissen Entbehrungen, Strapazen und auch nervigen Tätigkeiten verbunden.

Übrigens auch Bloggen! 😉

Stellt sich die Frage:

Warum hören eigentlich erfolgreiche Musiker oder Schauspieler nicht einfach auf?

Warum geht zum Beispiel der Sänger Chris Martin mit seiner Band Coldplay immer weiter auf Tour und produziert neue Alben?

Bei einem geschätzten Vermögen von 185 Millionen USD sollte er doch längst finanziell frei sein – und das selbst bei seinem luxuriösen Lifestyle.

Warum ruft er also nicht einfach “Fuck you!” anstatt sich nach jedem Album aufs Neue durch stumpfsinnige Radio-Interviews und Promo-Events zu quälen und schwitzende Fan-Hände in Konzertsälen zu schütteln?

Angesichts seiner finanziellen Freiheit könnte er doch “den ganzen Tag rumreisen, lesen, Pommes essen und Sport treiben”.

Aber vielleicht würden ihm das gar keinen Spaß bringen.

Zumindest nicht mehr als bis an sein Lebensende Musik zu machen. Und dafür die eine oder andere kleine Entbehrung sowie Phasen der Fremdbestimmung (Tourmanager, Plattenfirma etc.) in Kauf zu nehmen.

Ganz sicher will ich nicht bis ins hohe Alter (sofern es mir vergönnt ist, dieses zu erreichen) arbeiten müssen.

Es spricht aber auch nichts dagegen, so lange zu arbeiten, wie es einem Spaß macht.

Aus heutiger Sicht stelle ich mir den Rückzug aus dem Erwerbsleben idealerweise als schleichenden Prozess vor, bei dem ich mein Pensum Jahr für Jahr nach Belieben zurückfahre.

Die Message (in a bottle)

Die Message

Wenn du den unbändigen Wunsch nach finanzieller Freiheit verspürst, frage dich zuerst:

Habe ich ein Problem mit meinem Job? Was kann ich an meiner beruflichen Situation verändern, um Arbeit nicht mehr als lästiges Übel zu empfinden?

Sofern der Job nicht dein Problem ist …

Es ist selbstverständlich ein legitimes Ziel, finanzielle Freiheit weit vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter zu erreichen!

Genauso wie Marathon unter vier Stunden zu laufen, die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren oder den Jakobsweg zu gehen.

Wenn dich die Vorstellung fasziniert und du motiviert genug bist, jeden Monat mehr als die Hälfte deines Nettoeinkommens zu sparen: go for it!

Aber gehe nicht davon aus, dass andere Menschen unbedingt Begeisterung für dein Vorhaben zeigen. Oder dir gar nacheifern wollen.

Es mögen ja auch nicht alle Leute gleichermaßen Austern, Schnitzel oder Gänseleberpastete.

Was du in jedem Fall anstreben solltest, ist die finanzielle Unabhängigkeit von der Erwerbsarbeit im Rentenalter.

Das dafür notwendige Vermögen kannst du auch mit zivilen Sparquoten zwischen 10 und 25 Prozent und einer soliden Anlagestrategie erreichen.

Entscheidend ist, dass du dabei die Balance zwischen dem Leben im Hier und Jetzt und der Zukunft hältst.

Der Mittelweg ist nicht ohne Grund golden:

Medio tutissimus ibis.
(In der Mitte wirst du am sichersten gehen)

Ovid

{ 50 Kommentare… add one }
  • Dominik - Finanziell Frei mit 30 2. Juli 2017, 08:24

    Hallo Holger,

    großartiger Artikel, den ich nur nochmal unterstreichen kann.
    Bei den meisten Menschen habe ich auch das Gefühl, dass sie ihren Job entweder nicht mögen oder sogar hassen und daher die Finanzielle Freiheit so früh wie möglich erreichen wollen.
    Habe gerade gestern auf meiner Facebookseite etwas veröffentlicht, dass die meisten Menschen glauben das Glück stellt sich ein, wenn man Millionär, Finanziell Frei ist oder sich irgendwelche Sachen wie einen teuren Sportwagen leisten können.
    Wenn ich aber nicht vorher schon glücklich bin oder aktiv etwas an meiner beruflichen Situation verändere (wenn ich unglücklich bin), wird mich die Finanzielle Freiheit auch nicht glücklich machen und meine Probleme lösen.

    Es ist natürlich deutlich einfacher in der ungeliebten beruflichen Situation zu bleiben und einfach nur an der Finanziellen Freiheit zu arbeiten, anstatt sich selbstständig zu machen oder nochmal die Branche und den Beruf komplett zu wechseln.

    Ich weiß jetzt nicht genau, ob Du in Deinem Artikel mich meintest mit dem Teenager, der die Finanzielle Freiheit anstrebt. Mein Ziel ist es mein eigenes Leben nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können und frei entscheiden zu können. Das ist aus meiner Sicht (übertrieben gesprochen) mit ein paar 100€ passivem Einkommen im Monat leichter, als wenn ich 10.000€ Schulden haben und noch nicht mal einen einzigen Monat zwischenfinanzieren kann.

    Letztendlich sind solche Sachen, wie Du es auch gut auf den Punkt gebracht hast, davon abhängig, wie stark die einzelnen Bedürfnisse ausgeprägt sind und welche Werte die Menschen haben.
    Für einen Außenstehenden mit ganz anderen Werten sind Menschen mit einem ganz anderen Leben und einem anderen Fokus schnell irrational oder unverständlich verbissen auf ein solches Ziel.

    Schöne Grüße
    Dominik

  • Christian Thiel 2. Juli 2017, 08:43

    Lieber Holger,
    jetzt will ich schon seit Wochen mal etwas ganz Grundsätzliches zur Frage der finanziellen Freiheit schreiben – und nun hast du es gemacht. Wie immer sehr gründlich und durchdacht. Es war eine große Freude deinen Text zu lesen!
    Ich vermute auch, dass sich vor allem Menschen die mit ihrem Beruf unzufrieden sind für das Konzept der “Finanziellen Freiheit” interessieren. Und ich gehe wie du davon aus, dass sie in die falsche Richtung schauen. Eine der Gründe ist die hinter uns liegend Wirtschaft- und Finanzkrise. Solche Krisen führen immer wieder dazu, dass Menschen auf Arbeitsplätzen verbleiben, auf denen sie sich sehr unwohl fühlen. Die Bereitschaft den Job zu wechseln nimmt in und nach Krisen nämlich dramatisch ab. Und das ist schade.
    Nett von dir, dass du mich auch zitiert hast. Ich bin jetzt seit 25 Jahren selbstständig. Und da ich sowohl Bücher schreibe als auch einen Blog, und außerdem mit viel Spaß Singles bei der Partnersuche und Paare in schweren Krisen berate, habe ich bei meiner Arbeit sehr viel Abwechslung.
    Als Selbstständiger muss ich jeden Tag mit sehr viel Spaß arbeiten – sonst wird das nämlich nichts. Ich muss jedes Jahr schauen, ob mir meine Arbeit wirklich noch Freude macht – oder ob ich den ein oder andren Schwerpunkt verlagern will. Ich mache also einmal im Jahr eine persönliche Bilanz. Und dann gehe ich Veränderungen an.
    Ich finde es sehr wichtig, dass du darauf hinweist, was eine Verrentung mit Menschen machen kann. Vor allem Männer kommen mit dem “von 100 auf 0” nämlich wirklich nur sehr schwer zurecht. Genau das erlebe ich als Berater Tag für Tag. Kommt ein älteres Paar in die Beratung, dann ist die Verrentung des Mannes oft einer der Auslöser für die Ehekrise. Und kaum sucht der Mann sich eine (bezahlte oder ehrenamtliche) Tätigkeit – schon läuft es besser.
    Ich mache genau die Arbeit, die ich auch machen würde, wenn sich morgen herausstellen würde, dass ein entfernter Onkel mich mit 2 Millionen Euro bedacht hat. Und deshalb sage ich gerne: Ich bin finanziell frei.
    Schöne Grüße aus Berlin
    Christian

  • Matthias 2. Juli 2017, 09:11

    Finanzielle Freiheit ist für mich nicht vorzeitiger Ruhestand. Finanzielle Freiheit ist zu 100% über meine Zeit bestimmen zu können. Ich mag meinen Job, ich habe viele Freiheiten, ich mag meine Kollegen, ich mag meinen Chef. Ich gehe gerne zur Arbeit.

    Ich “muss” aber in gewisser Weise, denn irgendwie müssen die Rechnungen bezahlt werden. Dieses “muss” macht mich unfrei .. und das ist es wohl was mich stört und warum ich als Ziel die finanzielle Freiheit habe.

    Unreflektierter Frugalismus? .. gut jeder hat andere Bedürfnisse. Während ich sicher nicht auf ein Mountainbike und nen guten Rechner verzichten kann und dafür auch gerne viele tausend Euro ausgebe sind mir Klamotten egal. Bedeutet wenn ich mehr als 200 Euro pro Jahr in Kleidung investiere ist das viel. Ich habe aber nicht das Gefühl damit auf etwas zu verzichten.

    Ich bin auch nicht geizig .. wenn ich Lust auf einen Urlaub habe sind schon mal 4000 Euro weg .. ich bin nur da frugal wo es mir rein gar nichts ausmacht.

  • Finanznarr 2. Juli 2017, 09:27

    Hallo Holger,

    schöner Artikel und ich bin voll bei dir. Es geht im Leben nicht darum, dass man jeden Cent vier Mal umdreht und sich ein Vermögen “zusammengeizt”. Macht man dies einige Jahre und hat dann ein großes finanzielles Polster, fängt man sicher nicht auf einmal an und wirft sein Geld beim Fenster raus. Man bleibt so geizig wie man vorher war.

    Strebe ich die finanzielle Freiheit an? Ja, ganz sicher. Jedoch nicht um jeden Preis. Ich gehe in den Supermarkt und kaufe auch mal den teuren Markenjoghurt, weil der mir einfach besser schmeckt. Das Fleisch hole ich nur noch vom Metzger. Obst und Gemüse kaufe ich nach Möglichkeit frisch vom Markt. Wo die Frugalisten “Blasphemie” schreien, freue ich mich darüber, mir über solche Ausgaben keine Gedanken machen zu müssen. Das ist bereits jetzt für mich ein Stück Freiheit.

    Ich kann mir trotzdem nebenher ein Vermögen aufbauen und lebe nicht auf großem Fuß. Ich gönne mir auch mal ein langes Wochenende und verreise mit meiner Familie und gehe regelmäßig schick essen, um mich und meine Familie und Freunde zu verwöhnen. So etwas ist für mich Balsam für die Seele. Trotzdem gehe ich mit einem offenen Geist durchs Leben und werfe mein Geld nicht beim Fenster raus. Ich überlege bei bestimmten Anschaffungen, ob diese wirklich sein müssen oder ob es der etwas abgenutzte Gartenstuhl nicht noch für ein Jahr tut.

    Kurzum: Sparen ist wichtig, geizen nicht. Sich auch mal etwas gönnen, wenn es die finanziellen Verhältnisse zulassen. Nicht über seine Verhältnisse leben. Regelmäßig in kleinen Schritten Vermögen aufbauen und sich über die kleinen Dinge im Leben erfreuen (auch wenn es nur ein frisches Schnitzel vom Metzger ist 😉 ).

    Beste Grüße
    Daniel

  • Steuermann 2. Juli 2017, 09:48

    Erwischt…. Ich bin einer von den Typen, der am liebsten im Kloster leben und innerhalb der nächsten Jahre frei von (aktuellen) beruflichen Zwängen wäre. Wenn da nicht die Familie wäre…. 😉
    Sensationeller Artikel, der mir mal einen anderen Blick auf meinen Denkansatz öffnet.
    Gleich gönne ich mir beim Bäcker dann wohl doch mal ein Mehrkornbrötchen zusätzlich.

  • Stephan 2. Juli 2017, 10:06

    Servus Holger,
    ein wirklich guter Artikel, vielen Dank dafür!
    Dieses ewige Warten darauf, dass alles besser wird ist ein ganz großes Problem, es wird nämlich nicht besser. Das sage ich nicht als Pessimist oder Nörgler, sondern als jemamd, der daran arbeitet, mit dem was er aktuell hat, zufrieden zu sein. Viele kennen das, in der Schule freut man sich darauf, von der Schule runter zu kommen. Nachher merkt man, es war gar nicht so schlecht da ;-). In der Uni/Ausbildung wartet man auf den Job und im Job dann auf die Rente, das ist einfach der falsche Ansatz.
    Wie du schon sagtest, lieber daran arbeiten, jetzt etwas zu ändern und zufriedem zu sein, als sich das Leben mit Warten schwer zu machen.

    Liebe Grüße,
    Stephan

  • Andrea 2. Juli 2017, 10:14

    Hallo Holger,

    inhaltlich volle Zustimmung zu deinem tollen Artikel, als studierte Historikerin blutet mir aber doch ein bisschen das Herz, die Rentenversicherung wurde 1891 einführt und die Arbeitsnehmer mussten dafür das 70 Jahren Jahr vollenden.

    Viele Grüße
    Andrea

    • DerMitleser. 3. Juli 2017, 10:50

      @ Andrea

      Hauptsache mal was gesagt. Ist doch aber völlig egal, ob es denn nun 1885 oder 1891 war. Oder ob es 65 oder 70 Jahre waren. Übrigens, als studierter Germanist läuft es einem bei den vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern und beim falschen Gebrauch einer bekannten Redewendung in gerade mal einem Satz mit Nebensatz eiskalt den Rücken runter 😉

  • Giovanni 2. Juli 2017, 10:22

    Kurz: Der Weg ist das Ziel, nicht das Ziel ist das Ziel.

    Und aus tiefstem Herzen vielen Dank für diese Gegenposition zu den zunehmend nervenden Blogs zur finanziellen Freiheit.

    Beispiele gibt es genug – mit immer und immer wieder der selben Message: “Buckel Dich krum, leiste, halt die Fresse und spare mehr als 50% besser 70% damit Du dann möglichst früh nicht mehr arbeiten musst”

    Sogar 9. Klässler werden jetzt schon als Vorbilder herangezogen:
    http://timschaefermedia.com/neuntklaessler-verdient-mit-gartenarbeit-30-000-dollar-im-jahr-bei-den-nachbarn/

  • Karsten 2. Juli 2017, 10:34

    Klasse Artikel für eine realistische Einschätzung. Vermutlich wird einem im Ruhestand eh nach ein paar Wochen langweilig. Und die “Aktiven” unter uns haben immer irgendwelche Projekte. Nichts tun ist im Urlaub mal ganz schön und auch erholsam. Aber auch im Alter wird es notwendig sein sich zu fordern und was für seinen Geist zu tun, damit man lange fit und im Leben bleibt. Auch ich denke, dass der Grundgedanke der finanziellen Freiheit der sein sollte, nicht nichts zu tun. Statt dessen kann man sich mit den Projekten beschäftigen, auf die man selber Lust hast und dabei nicht wegen des Geldes fremdgesteuert ist.

  • Walter 2. Juli 2017, 10:56

    Schöner Standpunkt zu diesem Hype. Konfuzius hatte auch schon eine Meinung dazu:
    “Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.”

    Das eine oder andere mal schwärme auch ich von finanzieller Freiheit und lese leicht neidisch in solchen Blogs. Allerdings verflüchtigt sich das relativ schnell wieder, da für mich finanzielle Freiheit erst mit hohen einstelligen Millionenbeträgen wirklich sinnvoll realisiert werden kann und somit auch bei einer 70% Sparquote nur schwerlich erreichbar ist.
    Alles andere bleibt ein ständiges Bangen und Rechnen ob nach Steuer und Kurseinbruch noch genügend zum (bescheidenen?) finanziell freien Leben über bleibt.

    Gefühlt wird man Sklave seines Vermögens. Immer in Habacht-Stellung, dass es in allen worst-case Situationen noch reicht.

    • Gurki 3. Juli 2017, 17:27

      Hey,
      genau das habe ich irgendwo in einem Blog auch schon geschrieben. Ich bin auch eher der Meinung, wenn man wirklich zufrieden sein will und ohne Job auskommen möchte, sollten es schon 2-3 Millionen Euro sein. Andernsfalls, rechnet man ständig ob man noch “überleben” kann. Ich denke nicht das das gut fürs Herz oder die Psyche ist.

  • Tom 2. Juli 2017, 11:11

    Bei englischen Blogs wird bewusst zwischen Financial Independence und Early Retirement ( früher Ruhestand )unterschieden.

    – Wenn in deinem Konzern große Umstrukturierungen anstehen, kannst du dank finanzieller Freiheit trotzdem gut schlafen. Du kannst Monate, wenn nicht sogar Jahre von deinem ersparten leben und eventuell ein neues Studium anfangen.

    – Dank finanzieller Freiheit kannst du in deinem Job selbstbewusster auftreten und evtl. andere Gehaltsforderungen stellen.

    – Du kannst eher mal deinen Job wechseln, nur weil es Spaß macht. Nicht aus finanziellen Gründen. Es wird dich nicht finanziell ruinieren, wenn du etwas mutiges wagst.

    • Christoph B. 16. Juli 2017, 13:45

      sehr wahr! Es wird zwar sehr richtig aber doch wie recht häufig auf Zendepot einseitig argumentiert. Die Angst vor dem Jobverlust, die hier in den USA allgegenwärtig und auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist, ist aus der Perspektive eines Arztes scheinbar schwer verständlich. Mir gibt mein passives Einkommen jedenfalls ein bisschen Sicherheit, dass falls es mich in der nächsten Abbaurunde treffen sollte (wäre dann die 4.), ich nicht direkt in Panik verfallen muss, wie meine Familie über die Runden kommt. Ansonsten hat Holger aber durchaus Recht…wenns nur darum geht, Fuck you sagen zu können…lieber gleich sagen, das Leben ist zu schade um damit bis zur vermeintlichen finanziellen Freiheit zu warten.

  • Martin B. 2. Juli 2017, 11:20

    Danke. Ich mag solche Artikel wo dem großen Hype und der Massenmeinung einfach mal mit Vernunft und Realismus begegnet wird. 🙂

    Die finanzielle Freiheit ist ja auch wahrlich nicht neu. Nur waren eben die bisherigen Bezeichnung wie “Vorruhestand” oder “Frührente” nicht gerade sexy und haben die wenigsten hinter dem Ofen hervorgelockt. Die meisten der Trittbrettfahrer die jetzt auf den Finanzblogzug aufspringen in der Hoffnung auch noch ein Scheibchen vom Kuchen abzubekommen wären davon sicher nicht angesprochen worden.
    Noch dazu sind unter den Frischlingen so einige bei denen man sofort merkt, dass der Blog für die so eine Art Nischenseite ist (hau einfach Artikel raus und hoffe, dass die Monetarisierung genug abwirft) oder schlicht Marketing für ein anderes Produkt des “Bloggers”.

    Strebe ich nach der finanziellen Freiheit? Ich glaube das weiß ich nicht mal – ja, ich ignoriere auch den Rat mit den klar definierten Zielen.
    Ich will einfach nur viel Geld haben! Wollte ich schon bevor ich den ersten Finanzblog gesehen hatte.
    Warum? Um mir Wünsche erfüllen zu können.
    Das mag tatsächlich später mal der Vorruhestand sein (wie es mein Vater vorgemacht hatte).
    Das mag nächste Woche ein größerer Fernseher oder eine neue Heimkinoanlage sein.
    Oder vielleicht nächstes Jahr mal wieder ein schickes neues Auto. (Jaja, die Minimalisten schichten jetzt schon den Scheiterhaufen für mich auf…)

    Es ist einfach auch jetzt schon ungemein beruhigend zu wissen, dass ich mich selten fragen muss ob ich mir etwas leisten KANN, sondern eher an der Frage knabbere ob ich mir etwas leisten WILL.

    Die finanzielle Freiheit später ist für mich kein Grund jetzt dafür wie in Armut zu leben (weil alles gespart wird) – ich will es einfach jetzt UND später schön haben.

    Aber für mich sind die Blogs ja auch alle keine Bibel (manche sehen das denke ich anders *g*), sondern einfach Meinungsäußerungen der Blogger. Manchmal gibt es Anregungen, manches führt auch nur zu schmunzelndem Kopfschütteln. Am Ende habe ich dann meine Meinung (die sich ja verändern kann) und treffe meine eigenen Entscheidungen…

  • tbee 2. Juli 2017, 11:54

    Danke – das war überfällig
    Immer dieser Hype um alles, die Evangelisten und die Extremisten – selten jemand der den Weg in der Mitte propagiert.

  • Axe 2. Juli 2017, 11:58

    So wird ein Schuh daraus, Danke Holger!
    Heute und jetzt von mir aus mit einem Hauch von Dekadenz, was wär’ diese Welt ohne Fantasie? Kein Ort für mich! Mal das Unmögliche zu wagen, zu allen Wundern ja zu sagen und dabei das Morgen nicht aus den Augen verlieren! Kurzum vor der finanziellen Freiheit, sollte die absolute innere Zufriedenheit stehen! Und ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass dies mit absoluten Konsum Boykott einher gehen kann.
    Danke für diesen fantastischen Artikel! Darauf trinke ich jetzt einen Dom Perignon 🙂

  • Anna 2. Juli 2017, 12:16

    Ich fühle mich durch diesen Artikel irgendwie ein wenig befreit, denn mir geht dieses Thema auch schon lange auf die Nerven. 😀 Wann startet denn dein Kurs mal wieder, Holger? Viele Grüße Anna

  • Stefan 2. Juli 2017, 13:20

    Ein paar Aspekte in dem Artikel sind sicherlich richtig. Die Gefahr, bei einem (vorzeitigen) Ruhestand in ein tiefes Loch zu fallen – ganz besonders wenn man vorher auch schon mit seinem Leben unzufrieden war – ist sehr hoch. Aber die Kernaussage des Artikels basiert auf einer völlig falschen Annahme.

    Finanzielle Freiheit/Unabhängigkeit bedeutet nicht gleichzeitig, in den Ruhestand zu gehen. Das ist nur eine Möglichkeit von vielen, wie ich die finanzielle Unabhängigkeit nutzen kann. Andere hast du ja auch schon angesprochen: Jobwechsel – z.B. auch in einen schlechter bezahlten, aber erfüllenden Job (für einen Arzt ist das vielleicht schwer nachvollziehbar). Oder eben die Selbstständigkeit. Wenn man finanziell unabhängig ist, kann man unangenehme Aufträge nur des Geldes wegen einfach ablehnen. Das macht den Job so viel interessanter.

    Die Leute, die gar nichts mehr machen außer ihren Hobbies nachzugehen werden eine absolute Minderheit sein. Allerdings ist es eben auch so, dass man die von dir aufgezählten Grundbedürfnisse zum Großteil auch ohne klassischen Job decken kann. Auch heute gibt es unheimlich viele Menschen, die diese Bedürfnisse im Wesentlichen nicht durch den Job bedienen. Anders lässt sich die weit verbreitete Existenz von ehrenamtlicher Arbeit nicht erklären. Durch intensives ehrenamtliches Engagement wären alle Grundbedürfnisse genauso gedeckt. Für einen “Früh-Ruheständler” ist das also eine logische Alternative – zumal das Ehrenamt ja meistens auch mit einem Hobby verbunden ist.

    Man kann zum Beispiel Leute anschauen, die am Band stehen. Einen solchen Job kann man je nach Charakter durchaus als erfüllend ansehen, für die meisten Menschen ist das aber eher nicht so. Ich kenne einige, die das ausgleichen, indem sie im örtlichen Sportverein oder in der Feuerwehr (oft sogar beides) sehr aktiv sind. Dort decken sie die Grundbedürfnisse (z.B. Anerkennung, Neugier oder Macht), die sie im Job niemals befriedigen könnten. Und einige verbringen sogar mehr Zeit bei diesen Tätigkeiten als in ihrem Vollzeitjob.

    Zum Thema finanzielle Entbehrung: Natürlich sollte man das Ziel “finanzielle Freiheit” nicht so verbissen angehen, dass man sein Leben zur Hölle macht, nur um ein paar Euro mehr zu sparen. Die Frage ist eher: Auf welche Dinge kann ich verzichten, ohne dass meine Lebensqualität leidet? Unter Umständen steigt sie dadurch sogar, wenn die finanziellen Sorgen den Nutzen von mehr Konsum übersteigen.
    Ich gehe im Urlaub zwar auch gerne mal in ein 4-Sterne-Hotel, aber ich liebe es auch mal, einen Urlaub so günstig wie möglich zu gestalten. Das ist immer wieder wie ein kleines Abenteuer. So spare ich Geld und habe auch noch Spaß daran.
    Ich würde auch nie auf das “Hier-und-jetzt” verzichten, leiste mir Hobbies wie Motorrad fahren, habe ein viel zu teures Auto (wenn auch gebraucht), trotzdem komme ich auf eine Sparquote von rund 50%. Ein hohes Gehalt hilft dabei natürlich; mein Ausgabenniveau liegt so ziemlich im Durchschnitt.

  • freaky finance 2. Juli 2017, 14:26

    Hi,
    ja gut, der Begriff der finaziellen Freiheit wird derzeit etwas inflationär benutzt. Aber so groß ist ja die im Vorgeplänkel angekündigte “Gegenrede” gar nicht.

    Die allermeisten der “gefühlt jede Woche aufploppenden fünf Finanzblogs, in denen die Segnungen des vorzeitigen Ruhestands gepriesen werden” sehen es doch im Endeffekt genauso wie du es beschreibst. Jeder hat andere Schwerpunkte oder spezielle Eigenheiten. Aber ich habe noch von keinem gelesen, der “von 100 auf 0” will. Vielmehr möchten einige dieser Blogger sich, genau wie du, mit ihrem Blog (oder irgendeinem anderen Projekt) ein zweites Standbein aufbauen, um sich Stück für Stück vom Hauptjob unabhängiger zu machen. Der Hauptjob muss ja nicht scheiße sein, aber trotzdem kann ein eigenes Projekt mehr Spaß machen. Dauert leider in einigen Fällen ein bisschen bis man mit dem “Hobby” mehr Einnahmen erzielt als im Hamsterrad. Ich mag mein Job seit 24 Jahren und würde ihn trotz finanzieller Freiheit nicht aufgeben. Dafür verdiene ich zu gut und es hängt ein Stück Sicherheit mit dran. Vielleicht bin ich auch einfach nur ne Muschi aber was soll’s 😉 Die Freiheit, die Stunden im Job zu reduzieren und mal ne Auszeit zu nehmen ist doch geil. Warum sollten nicht auch schon Teenager danach streben (und von mir aus darüber schreiben) dürfen? Eben weil es ja eine Zeit dauert bis man das nötige “fuckyoumoney” zusammen hat, ist es doch angebracht früh loszulegen oder wenigstens ein Ziel zu haben. Ich kenne auch keinen, der glaubt dass der bloße Status “finanziell frei” die Lösung aller Probleme ist (die von dir genannte Illusion) und dass dann alles von alleine läuft und der Status bis ans Ende aller Zeiten in Stein gemeißelt ist (im Gegenteil: alle wollen weiter an irgendwas arbeiten!).
    Grade auch die von dir angesprochene Gesundheit ist eine unberechenbare Größe. Aber auch da ist man im Vorteil, wenn man dank seiner finanziellen Situation genug Zeit hat, Sport zu machen und sich gesund zu ernähren. Das bleibt doch bei vielen, die den ganzen Tag knüppeln müssen auf der Strecke. Ich arbeite 3 Tage in der Woche und treibe viel Sport. Kann ich nur machen, weil ich irgendwann mal die Idee hatte genug Geld anzuhäufen (um nicht zu sagen finanziell frei zu werden).

    Bevor ich vollends ausschweifend werde möchte ich nur noch erwähnen, dass ich nicht mal bei den supersparsamen ala Tim Schäfer und Oliver von frugalisten das Gefühl habe, dass die sich selbst geißeln. Die finden das geil. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Warum sollen die nicht so leben, wie es sie glücklich macht? Auch wenn wir das nicht verstehen und eben anders leben. Aber Menschen sind nun mal unterschiedlich.

    Zusammenfassend: Alles richtig und gut in dem Artikel beschrieben aber warum “finanzielle Freiheit” oder die immer mehr werdenen Blogs dazu nerven, verstehe ich nicht. Erst recht nicht wenn das Endziel dann doch auf jeden Fall die finanzielle Freiheit zum Renteneintritt sein soll und so ziemlich alle in ihren Blogs ungefähr deine hier niedergeschriebene Meinung selbst auch vertreten. Vielleicht habe ich aber auch was falsch verstanden.

    Beste Grüße
    Vincent

  • Alexander Schmitt 2. Juli 2017, 15:28

    Hallo Holger,
    eine gute Zusammenfassung verschiedener Aspekte zur finanziellen Freiheit.
    Allerdings ich kann Tom nur zustimmen. Ich finde es wichtig, nicht mehr arbeiten zu müssen, unabhängig davon, es zu tun. Für mich ist der Gedanke der finanzielle Unabhängigkeit entscheidend, weil damit freie Entscheidungen möglich sind. Außerdem beeinflusst es Dein Leben sicherlich nicht negativ, finanziell frei zu sein.
    Wer das von seinen Eltern nicht in die Wiege gelegt bekommt muss es sich leider erarbeiten und da gibt es ebenfalls viele Wege. Ich persönlich halte wenig davon, frugal zu leben, aber ohne Konsumverzicht, kein Vermögen. Es kommt also darauf an, in dem Maße zu verzichten, dass der spätere Konsum aufgrund der Kapitalerträge höher/besser ausfällt. Mit dieser Nebenbedingung und harter Wirtschaftlichkeit jeder Entscheidung ohne Frugalität, bleibt nur die Steigerung der Rendite, um schneller auf das benötigte Vermögen zu kommen. Reichen dafür Aktien oder Immobilien aus?
    Meines Erachtens ist die Rendite von Kaufen und Halten oder eines Sparplans in den Aktienmarkt mit bspw. ETFs nicht ausreichend. Für 2-stellige Rendite sind Makroökonomische Ansätze und Timing nötig, nur mit Steuerstrategie und am besten mit Kredit-Hebel. Letzeres ist in Deutschland am leichtesten mit Immobilien möglich.
    Ich empfehle daher jedem, es zu probieren, denn nach 20 Jahren kannst Du durch sein. Du kannst trotzdem Porsche, BMW oder Mercedes fahren, aber vermutlich nicht Ferrari (keine Neuwagen natürlich https://reichplanung.wordpress.com/2016/01/09/wie-viel-kostet-eigentlich-ein-auto/). Eine halbe Mio. in Aktien mögen zwar im Schnitt nur 30 T€ Erträge pro Jahr sein, davon aber mal 10 T€ für einen Urlaub zu nehmen reicht doch als Spaß aus!?
    Wer es nicht probiert, wird die Früchte nie ernten. Wer es wirklich will, findet einen Weg. Es gibt für alles Vorbilder, von denen etwas zu lernen ist. Viel Glück allen, die es ernsthaft versuchen.
    Grüße, Alex

  • alemao 2. Juli 2017, 16:02

    Hallo Holger!
    Das ist ein sehr gelungener Artikel. Ich gebe zu, auch ich strebe nach der finanziellen Freiheit, aber ich definiere sie für mich nicht als “von 100 auf null”, aus verschiedenen Gründen:
    – Wenn ich meine Ausgaben nur durch Kapitaleinkünfte decke, und dann meinen Job aufgebe, spiele ich doch mit dem Feuer: ein Mieterwechsel/Kurssturz/Dividendenkürzung und es wird eng im Karton. Idealziel sollte daher nicht die Deckung sein, sondern eine Überdeckung um mind. den Betrag, den ich heute “übrig habe” und spare/investiere. Auch die lang gehegten – bzw. aufgeschobenen – Wünsche für die Zeit “danach” wollen ja bezahlt werden: doch mal etwas mehr als Dacia, 2ZKB in der Platte oder Usedom pauschal – das dauert dann eben noch ein wenig länger.
    – Meine Ziele für die FF sind ehrenamtliches Engagement, Hobbies (Garten, Motorrad, Kochen, Backen, Lesen) und Familie. Aber intellektuell fordernd ist das nur begrenzt. Da muss dann schon was Neues (Blog, Amazon-Händler oder sonst was) als “berufliche” Tätigkeit hinzukommen, was einen beschäftigt und fordert.
    – Was viele vergessen: Die Krankenversicherung wird nicht billiger im Alter, und ohne Arbeitgeber bleibt nur die PKV!
    Aus diesen (und diversen anderen Gründen) unterstreiche ich Toms Kommentar: (wenn schon nicht die Selbständigkeit, dann doch) ein Mehr an Selbstbestimmung, oder, warum auch nicht: einfach mal ein Sabbatical oder ein Jahr Erziehungsurlaub oder sonstwie unbezahlte Auszeit. Mit 2 oder 3k “passiv” ist man da deutlich entspannter. Fest steht für mich nur: nicht bis 67!
    Bereits jetzt merke ich, wie viel entspannter und souveräner ich im Job bin, seit ich meine Ziele neu definiert habe – und das, obwohl ich noch weit von der FF (oder zumindest der finanziellen Sicherheit) entfernt bin. Nur mehr Zeit hab ich davon nicht…

    • Stefan 4. Juli 2017, 20:57

      Kleine Anmerkung: Auch als Nicht-Angestellter kann man freiwillig in der GKV bleiben. Man muss dann halt den Arbeitgeberanteil selbst bezahlen.

  • Bodo 2. Juli 2017, 18:51

    Mit Statistiken ist das ja immer so eine Sache…
    Soviel ich weiß, sind auch im 19. Jahrhundert nicht so wenige Menschen durchaus “normal alt” geworden. Der geringe Durchschnitt ergab sich vielmehr aus der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit, und natürlich auch aus den vielen Todesfällen durch heute heil- oder behandelbare Krankheiten. Trotzdem war ein 70. oder 80. Geburtstag nicht so exotisch.
    Bei Frage der gesundheitlichen Nachteile aufgrund Verrentung würde mich interessieren, ob hier Korrelation und Kausalität sauber unterschieden werden. Und natürlich, ob man betrachtet hat, inwiefern der Ruhestand freiwillig angetreten wurde.

  • Dummerchen 2. Juli 2017, 19:03

    Ho, ho! Coole Blutgrätsche in die schöne “Finanzielle Freiheit”-Online-Welt, die auch in meinen Augen ziemlich inflationär gewachsen ist. Der Artikel ist ein schöner Follow-up zu dem 2013er-Werk Warum Ruhestand kein sinnvolles Ziel ist, das mich seinerzeit tatsächlich zum Nachdenken bewegt hat.
    Ganz entscheidend bei der Betrachtung des Themas sind für mich die Fragen
    a) auf was muss ich heute verzichten, um finanziell frei zu werden und
    b) was erhoffe ich mir von der finanziellen Freiheit, das ich heute nicht schon verwirklichen könnte.
    Als Holger den 2013er-Artikel verfasst hat, dachte ich auch noch, ich müsste “aus dem Hamsterrad fliehen”, um endlich das machen zu können, woran ich Spaß habe – meinen damaligen Kommentaren merkt man das noch an. Seitdem habe ich über einige Optionen nachgedacht und schließlich in meinem Leben einiges verändert – ich verdiene heute weniger in einem anderen Job und mache das, was ich als finanziell Freier unbedingt hätte ehrenamtlich machen wollen. Damit habe ich den Zustand schon heute erreicht, den manche FF’ler sich für ihre Zukunft erhoffen.
    Ich spare natürlich auch weiterhin, aber es kann mir heute ziemlich egal sein, ob ich morgen, in 10 Jahren oder erst in 20 Jahren finanziell frei bin. Entscheidend ist für mich: Ich bin auch heute schon glücklich, gehe noch lieber zur Arbeit und es ist mir ziemlich egal, dass ich nicht in den Sack hauen kann, meinem Chef kein FuckYou! ins Gesicht sagen werde usw. usf. Das brauche ich schlicht nicht mehr.
    Ich glaube, das ist im Kern das, was Holger mit seinem Artikel ansprechen will – ein gutes Leben ist auch ohne den Mythos “Finanzielle Freiheit” möglich. Man muss nicht den Zustand “nicht mehr arbeiten zu müssen” erreichen, um glücklich zu sein. Das Leben im Jetzt und Hier anzupacken und zum Besseren zu verändern, kann sinnvoller sein als in einem suboptimalen Zustand zu verharren, der eine spätere “Belohnung” verspricht. Wer weiß, ob man diesen Zeitpunkt überhaupt erlebt und ob er sich dann in der Realität tatsächlich als so toll herausstellt.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

  • Breena 2. Juli 2017, 23:16

    Hey,
    sehr guter Beitrag! Trifft genau meine Meinung.
    Wieso muss man immer mehr als 100% für die “finanzielle Freiheit” geben und wenn man sich eine Fernreise gönnt, wird man ganz mitleidig angeschaut. Denn scheinbar hat man nicht genügend Disziplin, um diesen weltlichen Dingen fern zu bleiben. Es gilt dem auserkorenen Ziel der finanziellen Freiheit zu dienen – und diese soll bitte mit 30 erreicht sein!
    Es wurde sehr schön beschrieben, dass man auch trotz eines stetig anwachsenden “passiven” Einkommens weiter arbeiten kann. Sogar in einem “ganz normalen Job”. Man muss ja nicht gleich kündigen, denn vielleicht bereitet der Job einen Freude und bringt auch eine gewisse Struktur in das Leben. Aber durch konstantes Investieren kann man sich und seiner Familie einen höheren Lebensstandard ermöglichen, sei es durch eine reduzierte Arbeitszeit oder Luxusartikel. Ja, wieso sollte man sich nicht einen gewissen Luxus gönnen? Was bringt mir das ganze Schuften, wenn ich noch vor dem Erreichen der “finanziellen Freiheit” sterbe? Wünscht sich keiner, aber wäre leider auch kein Einzelfall… Wie schon geschrieben: DER WEG IST DAS ZIEL!
    Investieren ja, aber trotzdem noch am Leben teilnehmen.
    Super Einstellung, vielen Dank für hierfür!
    Liebe Grüße
    Breena

  • Ex-Studentin 3. Juli 2017, 07:14

    Zumindest bei den Finanzbloggern ist man sich ziemlich einig, dass die FF alleine nicht glücklich macht. Trotzdem gibt es genug Investoren, bei denen das Leben (so mein Eindruck) nach diesem Ziel ausgerichtet ist. Entweder indem man arg auf die Einnahmen- oder auf die Ausgabenseite fokussiert ist oder gar beides (Sparquote >50%). Wirklich schlimm finde ich das aber nicht. Finde es sogar bewundernswert, welche Nebeneinnahmen Leute generieren können. Gerade gibt es schon Studenten, die ganz schnell am 100k-Depot kratzen werden. Es wird so viel gepredigt, dass man jung anfangen sollte, dass ich die oft negativen Reaktionen auf junge Investoren nicht verstehen kann. Wichtig ist, wie du schreibst, dass man die FF nicht als reinen Selbstzweck sieht. Aber wie oben in dem Kommentaren schon geschrieben wurde: Tim und Oli macht ihr sparsamer Lebensstil einfach Spaß, denn sonst würde man jahrelang diesen frugalistischen Lebensstil kaum aushalten. Auch mit Anfang 20 kann man locker sehr spartanisch leben. Mir ist es nur wichtig, dass Leute kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre finanziellen Ziele mal nicht schaffen.

  • Emanuel 3. Juli 2017, 11:22

    Hi zusammen,

    dieses von 100 auf 0 – Bild ist in meiner Welt eher die Normalwelt aller, die ganz “normal” (wenn das Rentenalter nach Sinnen des Staates erreicht ist) in Rente gehen. Da wird dann schon Jahre davor schon geträumt vom Ruhestand. Jeder weiß in der Abteilung wer der nächste ist, der das (sinkende) Schiff verlässt und in einen neuen Lebensabschnitt startet.
    Ich denke auch, dass gerade die Leute, die die finanzielle Unabhängigkeit verfolgen, sich eher weniger nach dem langweiligen Nichtstun sinnen. Viele streben vielleicht einen Jobwechsel oder (mit weniger Gehalt, wie Dummerchen beschrieb) oder die Selbstständigkeit an. Manchen reicht schon Teilzeit oder wollen nur oft genug von zuhause arbeiten, um ihren Hobbies zu frönen oder am Familienleben noch intensiver teilnehmen zu können. Und in der finanziellen Freiheit ist sowohl das Bedürfnis nach Sicherheit (auch mit weniger oder keinem Gehalt überleben zu können) und auch Flexibilität / Unabhängigkeit erfüllt. Gerade bei Leuten die ein solches Ziel jahrelang verfolgen, auch auf Dinge verzichten, werden neue Ziele finden und diese dann verfolgen! Vielleicht dann nicht mehr beruflicher oder finanzieller Natur. Aber vielleicht finden sie mehr Erfüllung in einem Ehrenamt, im Vereinsleben oder einem Hobby, als in ihrem Beruf. Gleich zu meinen, dass jedem seine Arbeit nicht mehr gefällt finde ich zu kurz gedacht.

    Dennoch sehr guter und wichtiger Artikel!

    Gruß,
    Emanuel

  • Denise 3. Juli 2017, 20:54

    Der beste Artikel der letzten Monate! Spricht genau aus meiner Seele❤️

  • Habe Fertig 4. Juli 2017, 00:08

    Ok ihr jungen Wilden! Ich bin kurz über 50 und habe nach anstrengenden Jahren der Selbstständigkeit jetzt ausgesorgt 😉 … Bin aber noch in Lohn und mache einen 120% Job. Klar mache ich mir Gedanken, ob und wie ich “aufhören” will. Sicher nicht mit 67. Aber bei mir gibt es kein 100 auf 0 sondern eher ein 120 auf 35 auf 50 auf 20 auf 30 …. Das halte ich für mich für gesund und anregend. Ich bin kein Voll-Passiv-Investierer, sondern eher breit aufgestellt und so habe ich mir auch Bereiche geschaffen, die mich noch etwas fordern. Kein Trading, aber ein paar Beteiligungen und Immobilien. Ich plane deshalb, nicht in ein Loch zu fallen. Ich stimme dir zu, Holger: Das Reiss Buch ist echt klasse. Hat mir auch gezeigt, dass ich ausgewogen auf meine Bedürfnisse achten muss, um zufrieden zu sein. “Glücklich” sein ist kein Ziel für mich, mir reicht gesund und zufrieden. Ich unterstütze die Nicht-Extremisten und Nicht-Dogmatiker: Macht keine Religion daraus und nutzt den Tag, er ist verdammt schnell vorüber wenn ihr die 30 hinter euch gelassen habt!

  • Vermögensanleger 4. Juli 2017, 11:08

    Hallo zusammen,

    ich glaube, dass die FF auch ein bisschen in Mode ist, weil sich mit den Träumen der Leute gutes Geld verdienen lässt. Wenn ich dieses Ziel ausrufe und die entsprechenden Produkte anbiete, mit denen ich das Ziel erreichen kann, hilft das natürlich mehr, als wenn ich ein kleineres Ziel in Aussicht stelle. Das ist völlig legitim. Trotzdem werden nur sehr wenige die finanzielle Freiheit wirklich erreichen.

    Und wenn ein Finanzblogger jemanden dazu motivieren kann seine Sparquote zu erhöhen oder sein großes Ziel FF zu erreichen, ist das doch toll! Wer selbst auf halber Strecke merkt, dass er es nicht schafft, hat trotzdem viel Wissen über Finanzen aufgebaut und mehr Rendite als mit Tagesgeld erreicht.

    Ich finde, man kann es ein wenig mit nem großen Lottogewinn vergleichen. Insgeheim weiß man, dass es nichts wird, aber davon zu träumen macht unheimlich viel Spaß. Ich erwische mich selbst manchmal dabei, wie ich mich darüber unterhalte, was ich mit einem Lottogewinn alles tun könnte. Problem ist nur, ich habe noch nie Lotto gespielt.

    Schönen Gruß
    Marco

  • Dani 4. Juli 2017, 12:28

    Das musste mal geschrieben werden. Fundiert recherchiert und lebensbejahend reflektiert. Auch für mich einer der besten Artikel zu diesem Thema – von dir, Holger.
    Für mich ist die in letzter Zeit so inflationär ausgerufene “finanzielle Freiheit” auch eine Illusion. Nach meiner Definition sind nur solche Menschen wirklich finanziell frei, die sich selbst versorgen. Die also kein Geld=finanzielle Mittel für ihr Leben brauchen – was in unserer geldgetriebenen Gesellschaft bekanntlich nicht geht, weil Strom, Gesundheitsversorgung, GEZ, Kita etc. nicht mit Naturalien bezahlt werden … können.
    Alle, die nicht auf Erwerbsarbeit angewiesen sind, um genug Geld für ihr Leben zu haben, würde ich als finanziell unabhängig bezeichnen.
    Das ist allerdings durchaus ein erstrebenswertes Ziel – für manche Menschen, weil sie dann mehr Gestaltungsspielraum haben. Für viele aber auch nicht, aus den von dir geschilderten Gründen.

  • Christian 5. Juli 2017, 12:19

    Hallo Holger,
    ich finde man muss nicht immer alles so ernst nehmen und ich finde auch die FF ist ein tolles Ziel. Ich denke meine Sparquote ist mit ca. 45 % vom Netto recht hoch und es gibt tatsächlich Leute die meinen, ich würde mein Leben jetzt nicht genug genießen und müsste mir mehr gönnen. Dabei: Wohne ich im begehrtesten Stadtteil der Stadt, gehe gerne Essen, mache Wochenend-Trips, Besuche Freunde in anderen Städten und fliege jetzt im Urlaub z.B. auf die Azoren. Allerdings brauche ich da kein 5 Sterne Hotel sondern habe es lieber einfach und rustikal, dass macht mir persönlich auch mehr Spaß. Das alles sehen die Leute aber nicht, nur dass ich kein Auto habe fällt auf. Und das ich trotz meiner Sparquote durch mein Gehalt mehr ausgebe, als viele andere insgesamt zur Verfügung haben sieht auch keiner.
    Ich sage provokativ auch oft, dass ich mit 45 in Rente gehe. Damit meine ich aber gar nicht, dass ich nicht mehr arbeiten will. Im Gegenteil, ich trenne schon jetzt nicht zwischen Beruf und Freizeit, obwohl ich einem Unternehmen arbeite, in dem gestempelt wird und kann mir durchaus vorstellen bis 70 oder wenn ich fit bin auch länger zu arbeiten. Aber: es gibt soviele die Dinge die es sich lohnt zu tun und auf die ich richtig Bock habe. 40 Stunden die Woche im Büro zu sitzen und für jemand anderes zu arbeiten gehört allerdings nicht dazu. Deshalb baue ich mir auch schon jetzt nebenher etwas auf. Ich will einfach öfter spontan verreisen und dafür niemanden Fragen müssen. Ich will auf dem Markt einkaufen können, nicht nur an Brückentagen oder im Urlaub und ich will noch mehr Sport machen. Ich will geile Projekte machen und da dann für eine gewisse Zeit 120 % geben und vielleicht 12 Stunden oder mehr am Tag arbeiten, dafür dann aber auch mal 6 Wochen am Stück off sein. Würde gerne mal eine Wohnugn renovieren, ein Buch schreiben, 2-3 Internetprojekte haben, mal ein paar Tage auf einem Marktstand arbeiten. Halt einfach ein Abwechslungsreiches geiles Leben haben.

  • Andreas von Finanzguerilla 7. Juli 2017, 12:28

    Sehr gelungener und reflektierter Artikel, der die ganze Thematik völlig zurecht mal aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Einzig die dargestellten gesundheitlichen Nachteile von “finanziell freien” (und nicht mehr arbeitenden) Menschen, wage ich doch deutlich zu bezweifeln. Das passiert lediglich Menschen, die außer ihrem (weggefallenen) Beruf nichts Sinnstiftendes und Leidenschaftliches in ihrem Leben haben. Und genau diesen Mangel haben sie dann auch noch beim regulären Renteneintritt, sprich krank werden diese Menschen so und so.

    Es geht aber darum, obwohl man nicht mehr in einer abhängigen Angestelltentätigkeit ist, dennoch weiter zu arbeiten. Sei es als Blogger, Autor, Freelancer, Künstler, Taxifahrer oder whatever. Die Tätigkeit muss demjenigen aber richtigen Spaß machen und nicht nach Gesichtspunkten des Gehalts ausgewählt werden. Menschen die die finanzielle Unabhängigkeit so angehen, werden mitnichten die geschilderten Krankheiten entwickeln, im Gegenteil. Ansonsten klasse Artikel.

    Gruß
    Ein Finanzblogger, der die finanzielle Unabhängigkeit anstrebt UND sein derzeitiges Leben genießt 😉

  • Hartmut 8. Juli 2017, 01:19

    Hallo Holger!
    Dein Artikel ist super, und er hat eine hoch interessante Diskussion angestoßen.

    Aber finanzielle Freiheit bedeutet verschiedene Dinge für verschiedene Menschen.
    Martin B. schreibt vom “kaufen wollen” statt “kaufen können”. Für mich ist es schon ein Meilenstein, dass mir tatsächlich kein Wunsch einfällt, den ich haben könnte, den ich nicht bezahlen kann.
    Finanziell frei fühle ich mich, weil die Finanzen nicht (mehr) das alles entscheidende Kriterium
    bei meinen Überlegungen sind.
    Finanziell frei fühle ich mich, weil ich meiner Bank nichts schulde.

    Der Begriff der finanziellen Freiheit, den du hier anprangerst, ist – so mein Eindruck – für die wenigsten Blogger und Leser das ultimative Ziel. Passive Einnahmen decken alle Ausgaben und deswegen wird zum nächsten Ersten gekündigt und nur noch auf der Veranda gelesen – das möchte kaum einer *machen*. Aber *können*. Die Freiheit liegt in der Möglichkeit.
    “Der Punkt der finanziellen Freiheit” ist für mich auch ein Benchmark, eine Rechengröße wie der Break-Even einer Investition (der Zeitpunkt, an dem eine Investition ihre Kosten eingespielt hat und anfängt Gewinn zu machen). Unter all den Rechengrößen, mit denen wir bei der Geldanlage hantieren, ist es eine der verständlicheren.
    Es ist der Berggipfel, an dem man sich auf dem Weg orientiert. Manche wollen wirklich hin, aber vielen hilft es beim Finden ihres Weges, dass sie den Berggipfel im Blick behalten können.
    Und die Frage nehme ich mir aus dem Artikel mit. Peile ich den “Punkt finanzieller Freiheit” an, weil ich ihn erreichen will, oder habe ich ein anderes Ziel und verwende ihn nur zur Navigation? Was sind meine Bedürfnisse wirklich, und wie möchte ich mein Geld einsetzen,
    um sie zu erfüllen?

    Danke für Deinen Denkanstoß.
    Hartmut

  • Alex 8. Juli 2017, 18:52

    Wirklich toller Artikel!
    Ich bin eher der Vielsparer, nicht wirklich frugalist, vielleicht überlegter Konsument. Finanzielle Freiheit ist fuer mich ein Thema, wegen Job und auch vor meinem 50.
    Dennoch hat mir Dein Artikel, sehr gut gefallen. Man hinterfragt den eigenen Standpunkt nochmals und differenzierter.
    Danke fuer den Denkanstoß.

  • Mr W 10. Juli 2017, 21:20

    HI! Ich bin finanziell unabhängig und bin eigentlich mit den 4 Punkten einverstanden. Meine Schlussfolgerungen sind aber doch völlig andere.
    Habe gleich ein Blogpost als Antwort geschrieben: http://whatlifecouldbe.eu/2017/07/10/financial-independence-is-an-illusion-therefore-not-aim-for-it/

  • Chris 12. Juli 2017, 19:43

    Der oben verlinkten Studie des Instiute for Economic Affairs möchte ich dann doch widersprechen. Genauso könnte man behaupten, dass Multi-Millionäre eine niedrigere Lebenserwartung hätten – denn sie gehen keiner Erwerbsarbeit nach.

    Generell zur Methodenkritik ein paar Worte: aus der Studie des IEA lässt sich überhaupt kein Rückschluß auf “schnell-früh-Rentner” mit FI/RE ziehen. Selbige sind sicherlich anders zu bewerten als klassische Frührentner, die durch Krankheit erwerbsunfähig geworden sind (was wohl auch auf die Lebenserwartung Auswirkungen hat).

    Aber darum geht es in der Studie nicht. Das IEA ist ein neoliberaler, britscher Think Tank, der mit dem Aufmacher “Gesundheit” mit der Studie eine längere Lebensarbeitszeit bewerben möchte. Und liest man sich das ganze Paper durch, so werden dort Studien zitiert die etwa für Großbritannien zu anderen Ergebnissen kommen (S.28).

    Für wesentlich wahrscheinlicher halte ich, dass das Renteneintrittsalter keine Korrelation zur eigenen Lebenserwartung hat. Dazu gibt es eine Studie aus Norwegen mit OECD Daten: “In principle we cannot rule out that retirement age does impact mortality, even if we find no such effect. Yet, if we are to interpret the statistically insignificant coefficients we do obtain, it seems that if retirement age does affect mortality, then early retirement is more likely to lighten mortality than the reverse, at least for men. However, we reiterate that none of these effects are statistically significant and that such an effect can hardly be of any great importance. ”
    http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.395.2209&rep=rep1&type=pdf

    Das hört sich deutlich ausgewogener an als die IEA Studie. Trotzdem: die Frage, ob man jetzt, finanziell unabhängig werden sollte oder nicht, beantwortet auch diese Studie nicht 🙂

  • Jorge 12. Juli 2017, 20:44

    Ich denke Finanzielle Unabhängigkeit ist durchaus machbar. Muss ja auch nicht heißen dass man gegen alles mögliche abgesichert ist. Geht ja nicht. Es lohnt sich dieses Ziel zu setzen und es muss nicht mal schwer sein. Ich bin fast soweit und freue mich auf die Freiheiten die es bringen wird!

  • Optionist 14. Juli 2017, 10:49

    Ich kann nur sagen, dass ich dennoch eine Beschäftigung hätte, selbst wenn ich finanziell unabhängig wäre. Vielleicht nicht meinen jetzigen Job, doch wenigstens eine andere Betätigung. Sonst wäre es zu langweilig 🙂

  • Marian 17. Juli 2017, 13:49

    Super Artikel, der sicherlich an den Grundfesten vieler (mich eingeschlossen) rütteln wird.

  • Darth Trader 18. Juli 2017, 01:11

    Meiner Meinung nach sägen die Frugalisten-Finanzblogger am eigenen Ast ihrer ach so geliebten finanziellen Freiheit!

    Ich kann nicht Frugalismus und Askese für das Ziel der Freiheit propagieren und mit meinem Blog die Botschaft ins Volk tragen aber gleichzeitig über ETFs oder Einzelaktien in genau die Unternehmen investieren, die durch Konsum wachsen und Rendite erzielen. Würden alle frugal leben, wäre das eine Katastrophe für den Aktienmarkt und das gesamte Wirtschaftssystem…

    Also sollte man, wie Holger vorschlägt, einen gesunden Mittelweg für sich selbst finden und lieber mal 5 Grade sein lassen.

  • Friederike 18. Juli 2017, 22:42

    Danke! 🙂

  • zentrader 24. Juli 2017, 14:11

    Zu diesem schönen Artikel fällt mir doch spontan folgendes Zitat ein:

    “The only Zen you can find on the tops of mountains
    is the Zen you bring up there.”

    Robert M. Pirsig

  • Monika 27. Juli 2017, 09:36

    Gut geschrieben. Ich konnte mir auch noch nie vorstellen von Heute auf Morgen nicht mehr zu arbeiten. Ich bin ja zum Glück selbständig und da wird einfach immer weiter gemacht bis nichts mehr geht.

  • Tom 29. Juli 2017, 19:59

    Hallo,

    es ist ein interessanter Artikel, der viele Aspekte beleuchtet. Für mich liegt die Wahrheit ein wenig in der Mitte. Damit meine ich, dass ich stufenweise finanziell unabhängig werden möchte.
    Im Ergebnis bedeutet dies, dass man versuchen sollte – wenn man das will – langsam seine Arbeitszeit zu reduzieren, bis man das Rentenalter erreicht hat (oder auch früher oder später). Meine Vision ist ein Gesellschaft, die diese Flexibilität ermöglicht.

  • Markus Schmidt 1. August 2017, 17:06

    Danke für den sehr lesenswerten Artikel!
    Ich werfe einfach mal so in den Raum, dass mir in der Argumentation für finanzielle Unabhängigkeit ohne krampfhaftes “early retirement” als Ziel, auch hier in den Kommentaren, große Ähnlichkeiten auffallen mit den Argumenten der Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE).
    Tatsächlich denke ich, dass es nur einer Minderheit darum geht, relativ jung gar nicht mehr arbeiten, sondern zwei Motivationen besonders relevant sind:
    * Ich möchte nicht, dass mein Leben so leicht auf den Kopf gestellt werden kann aufgrund von Umständen, die ich nicht selbst in der Hand habe (z. B. Entlassung)
    * Ich möchte nicht unter unangenehmen Umständen arbeiten “müssen”, weil ich sonst das Gefühl hätte, ein zu großes Risiko einzugehen. (Hat glaube ich mal der Finanzwesir mit “Leben und Arbeiten in der arschlochfreien Zone” schön auf den Punkt gebracht.) Ich möchte einen Risiko-Cap für berufliche Veränderungen oder auch mal dafür, eine kreative Auszeit zu nehmen oder einen Teil meiner Zeit für die Pflege von Angehörigen, ehrenamtlich o.ä. nutzen zu können.
    Ein passives Einkommen aus eigenem Vermögen und ein steuerfinanziertes BGE adressieren genau diese Bedürfnisse und Motive, nur halt auf sehr unterschiedlichen Wegen.

  • Laura Strohfeldt 8. August 2017, 18:25

    Hallo,

    Der Artikel ist wirklich sehr interessant und regt zum Nachdenken an.

    Jedoch sehe ich manche Dinge ein wenig anders, gerade was das sparen angeht. Ich bin momentan 18 Jahre alt, gehe noch zur Schule und arbeite nebenbei sehr viel. Ich achte sehr genau darauf, wie ich mein Geld ausgebe und investiere rund 70% meiner Einnahmen. Dabei wohne ich schon lange in einer eigenen Wohnung, gehe regelmäßig mit Freunden essen oder mache andere Sachen die ruhig mal teuer werden können.
    Das alles ermöglicht unteranderem mein Nebenjob. Natürlich ist es manchmal stressig gleich nach der Schule noch ein paar Stunden arbeiten zu gehen, aber der Job macht mir Spaß und raubt mir nicht die Lebensqualität. Ich habe zudem noch passive Einnahmequellen die es mir ermöglichen, so viel Geld jeden Monat investieren zu können.

    Kurz gesagt, ich führe ein sehr erfülltes Leben und gönne mir auch ab und zu mal was. Aber ich gebe mein Geld nicht für unnötiges Zeug aus und investiere lieber so viel wie möglich. Ich denke aber, dass es viele Leute in meinem Alter so sehen werden. Ich bin noch jung, flexibel und unabhängig und wenn ich mir mehr Luxus gönnen möchte, suche ich mir einfach eine weitere Einnahmequelle. Natürlich ist das nicht so einfach wie es sich anhört, aber ich bin der Meinung, dass wenn man etwas wirklich will, es immer eine gute Lösung gibt und man sein Ziel erreichen kann.

    Gruß Laura

  • Gerd Kommer 9. August 2017, 13:41

    Exzellenter Artikel! Vielen Dank.

  • Miss Money 18. August 2017, 17:50

    Cooler Artikel Holger, ich finde es immer interessant, wenn (gefühlt) alle in eine Richtung stürmen, sprechen, schreiben, auch mal innezuhalten und in de andere Richtung zu schauen. Das ist Dir hier wirklich gut gelungen. Trotzdem ziehe ich es vor, dass die finanzielle Freiheit lieber früher eintritt, als später.
    Liebe Grüße,
    Miss Money

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