Die Besteuerung von ETF Fonds ab 2018 (mit 6 Fallbeispielen)

ETF Fonds Steuern ab 2018

Investieren in ETFs könnte so schön sein.

Wäre da nicht die Sache mit den Steuern.

Wir erinnern uns:

Durch die im Jahr 2009 eingeführten Abgeltungsteuer sollte alles einfacher werden.

Wurde es im Prinzip ja auch.

Von ausländisch thesaurierenden Fonds mal abgesehen …

Neun Jahre später steht nun die nächste Steuer-Reform für Investmentfonds vor der Tür.

Was sich ab 2018 an der Besteuerung von Fonds ändert, was bleibt und welche Auswirkungen das auf dein ETF-Depot haben wird, erfährst du in diesem Artikel.

(Anmerkung: die Änderungen der Besteuerung betreffen ETFs und klassische Investmentfonds gleichermaßen)

Disclaimer

Ich bin kein Steuerberater. Die hier vorgestellten Informationen basieren auf meiner Interpretation der steuerlichen Gesetzgebung als Privatanleger. Meine Ausführungen können fehlerhaft oder sogar falsch sein. Ich übernehme keine Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis der hier aufgeführten Informationen getroffen wurden.
Bonus: Lade dir die PDF-Version dieses Artikels runter – gratis! Ideal zum Nachlesen, Ausdrucken und Verschicken an Freunde.

Bevor ich auf die gegenwärtige und zukünftige Besteuerung von ETFs eingehe, zuerst ein paar einführende Worte zur …

Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge

ETF Abgeltungssteuer

Wenn Geld mit Geld verdient wird, sind die daraus resultierenden Kapitalerträge wie Dividenden, Kursgewinne und Zinsen einkommenssteuerpflichtig.

Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Die Einkommenssteuerpflicht ist an den Wohnsitz gebunden und gilt auch bei Kapitaleinkünften, die irgendwo in der Welt erzielt wurden.

Um die Besteuerung von Kapitalerträgen zu vereinfachen, gilt in Deutschland seit 2009 die Abgeltungsteuer.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Quellensteuer, da diese direkt an der Quelle der Einkünfte erhoben und an das Finanzamt abgeführt wird.

Die Quelle der Kapitalerträge ist in der Regel die Depotbank (Online-Broker) des Anlegers.

Diese zieht die Abgeltungsteuer von allen Gewinnen ab, die mit Wertpapieren wie Aktien, Anleihen oder Fonds erzielt wurden.

Rechnet man den Solidaritätszuschlag (und die gegebenenfalls zu zahlende Kirchensteuer) hinzu, beträgt die Abgeltungsteuer 26,38 Prozent, die Kirchensteuer eingerechnet etwa 28 Prozent.

Freibeträge und Günstigerprüfung

Sofern man seiner Depotbank einen Freistellungsauftrag für Kapitalerträge erteilt hat, werden Einkünfte bis zu dieser Höhe nicht mit der Abgeltungsteuer belastet.

Die Höhe des Sparer-Pauschbetrags beträgt 801 € bzw. 1.602 € bei Verheirateten.

Liegt der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent, kann die Abgeltungsteuerlast durch eine Günstigerprüfung auf diesen niedrigeren Steuersatz reduziert werden.

Zuviel vom depotführenden Kreditinstitut einbehaltene Abgeltungsteuer kann im Rahmen der Steuererklärung zurückgefordert werden.

Die Einführung der Abgeltungsteuer hatte vor allem ein Ziel:

Die Veranlagung, also die Angabe der Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung, überflüssig zu machen.

Gute Idee, klappt aber nicht immer …

Derzeitige Besteuerung von Fonds (einschl. 2017)

Die Besteuerung von Fonds gestaltet sich nicht in allen Fällen unproblematisch.

Was ganz wesentlich mit der Art der Ertragsverwendung zusammen hängt:

Ertragsverwendung bei Investmentfonds

Mit Erträgen wie Dividenden und Zinsen können Fonds zweierlei umgehen:

Ausschüttende Fonds zahlen ihre Kapitalerträge in festen Intervallen (viertel-, halb- oder ganzjährig) an die Anleger aus.

Thesaurierende Fonds legen die Kapitalerträge wieder an und erhöhen dadurch das Fondsvermögen. Dies führt zu einer Wertsteigerung der Fondsanteile.

Bei ETFs, die ihre Erträge ausschütten, greift das Prinzip der Abgeltungsteuer problemlos.

Auch thesaurierende ETFs mit Fondsdomizil in Deutschland stellen in dieser Hinsicht kein Problem dar.

Die auf Fondsebene wieder angelegten (thesaurierten) Dividenden und Zinsen gelten für das Finanzamt als “ausschüttungsgleiche Erträge”.

Auf diese wird ebenfalls Abgeltungsteuer erhoben, welche von der Fondsgesellschaft abgeführt wird.

Problemfall: Ausländisch thesaurierender ETF

ETF ausländisch thesaurierend

Auf Kapitaleinkünfte, die im Ausland erwirtschaftet werden und dort verbleiben, hat das Finanzamt allerdings keinen direkten Zugriff.

Denn ausländische Institutionen können nicht zur Erhebung einer deutschen Steuer verpflichtet werden.

Bei thesaurierenden Fonds mit ausländischem Fondsdomizil entsteht genau dieses Problem.

Der Zugriff des Finanzamts erfolgt jedoch indirekt.

Denn jeder Anleger ist verpflichtet, seine im Ausland erzielten Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung anzugeben.

Womit wir wieder beim aufwändigeren Veranlagungsverfahren wären, was ja durch die Abgeltungsteuer überflüssig gemacht werden sollte.

Doch es gibt noch ein viel gravierenderes Problem für den Anleger …

Gefahr der Doppelbesteuerung

Werden Anteile eines ausländisch thesaurierenden ETF wieder verkauft, muss die Depotbank Abgeltungsteuer für den gesamten Wertzuwachs abführen, der während der Haltedauer der Fondsanteile erzielt wurde.

Teil dieses Wertzuwachses sind die thesaurierten Erträge.

Und die wurden ja bereits in der jährlichen Steuererklärung angegeben und damit schon einmal versteuert.

Eine Doppelbesteuerung lässt sich nur so vermeiden:

Gut dokumentieren

Anleger müssen lückenlos nachweisen, dass sie die Fondserträge in den vergangenen Jahren wirklich in der Steuererklärung angegeben haben.

Als Nachweis reichen in der Regel die Steuererklärungen der vergangenen Jahre (Anlage KAP) und die Jahressteuer-Bescheinigungen der Depotbank.

In diesem Fall werden alle bereits gezahlten Steuern in der Steuererklärung des Verkaufsjahres vollständig angerechnet.

Ausländisch thesaurierende Fonds sorgen in jedem Fall für einen erhöhten bürokratischen Aufwand, den viele Anleger scheuen.

Doch Besserung ist in Sicht, womit wir zum zentralen Thema dieses Artikels kommen …

Die Zukünftige Besteuerung von Fonds (ab 2018)

ETF Steuer ab 2018

Im Februar 2016 wurde die letzte Reform des Investmentsteuerrechts verabschiedet.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) sieht die Notwendigkeit der beschlossenen Reform unter anderem in diesem Punkt:

Das geltende Investmentsteuerrecht ist von einer hohen Komplexität geprägt, die selbst für viele Steuerberater und Finanzbeamte nicht mehr zu überblicken ist.

Wie heißt es so schön? Einsicht ist der erste Weg zur Besserung …

Zumal die bemängelte Komplexität auch eine Menge Geld kostet:

Sowohl für die Finanzverwaltung als auch für die Investmentbranche und die Beraterschaft ist die Durchführung und Umsetzung des derzeitigen Besteuerungssystems mit einem immensen administrativen und bürokratischen Aufwand sowie hohen Kosten verbunden […] Die Publikums-Investmentfonds wenden schätzungsweise 50 Mio. € jährlich hierfür auf.

Wer diesen Aufwand bezahlt, dürfte klar sein: wir Anleger.

Die neuen Regelungen

Die Besteuerungsregelungen werden so ausgestaltet, dass sie weitestgehend ohne Mitwirkung der Investmentfonds umsetzbar sind […] Es ist daher zukünftig ohne steuerliche Nachteile möglich, in ausländische Investmentfonds zu investieren, die keine deutschen Besteuerungsgrundlagen ermitteln.

Das klingt doch schon einmal sehr vielversprechend.

Zukünftig sollen für die Besteuerung nur noch vier Kennzahlen erforderlich sein:

  1. Die Höhe der Ausschüttung
  2. Der Wert des Fondsanteils am Jahresanfang
  3. Der Wert des Fondsanteils am Jahresende
  4. Der Fondstyp

Bei den Fondstypen werden im Gesetz Aktien-, Misch-, Immobilien- und sonstige Investmentfonds unterschieden:

Investiert ein Publikums-Investmentfonds überwiegend, d. h. zu mindestens 51 % seines Vermögens, in Aktien, gilt er als Aktien-Investmentfonds. Beträgt die Aktienquote mindestens 25 %, gilt er als Misch-Investmentfonds.

Welche Rolle diese Unterscheidung spielt, werden wir gleich noch sehen. Betrachten wir zuerst die …

Besteuerung auf Fondsebene

ETF Besteuerung auf Fondsebene

Das Bundesfinanzministerium erklärt diesbezüglich:

Die Steuer beträgt 15 % der Bruttodividenden oder der Immobilienerträge. Sie entspricht damit dem in Deutschland geltenden Körperschaftsteuersatz und zugleich dem in den meisten Doppelbesteuerungsabkommen festgelegten Quellensteuersatz für Dividenden […]

Damit werden inländische und ausländische Publikums-Investmentfonds gleich besteuert, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

In Zukunft müssen inländische Fondsgesellschaften also 15 Prozent ihrer Einahmen aus Dividenden und Immobilien versteuern.

Sie werden dadurch Fonds mit Auslandsdomizil gleich gestellt, die Quellensteuern auf Dividenden in anderen Ländern abführen müssen.

Was passiert mit sonstigen Erträgen?

Alle anderen Ertragsarten – z. B. Zinsen, Gewinne aus der Veräußerung von Aktien und anderen Wertpapieren, Erträge aus Termingeschäften – sind auf Fondsebene steuerfrei.

Steuerfrei klingt immer gut, oder?

Doch bevor wir den Morgen vor dem Abend loben, schauen wir auf die …

Besteuerung des Anlegers

Ausschüttungen eines Publikums-Investmentfonds sind beim Anleger grundsätzlich in voller Höhe steuerpflichtig. Sie unterliegen bei Privatanlegern der Abgeltungsteuer mit einem Steuersatz von 25 %.

Aha. In diesem Punkt wird sich also nichts ändern.

Bei den Ausschüttungen greift nach wie vor die Abgeltungsteuer.

Dass Ausschüttungen “grundsätzlich in voller Höhe steuerpflichtig” seien, ist allerdings eine etwas missverständliche Formulierung.

Denn es gibt die sogenannte …

Teilfreistellung auf Anlegerebene

Als Ausgleich für die Besteuerung der Dividenden und der Immobilienerträge auf Ebene des Investmentfonds wird ein Teil der Erträge, die ein Anleger aus dem Investmentfonds bezieht, von der Besteuerung freigestellt (sogenannte Teilfreistellung).

Die Abgeltungsteuer bezieht sich demnach nicht auf die volle Höhe der ausgeschütteten Erträge, sondern reduziert sich in Abhängigkeit des Fondstyps:

  • um 30 Prozent bei Aktien-Investmenfonds und
  • um 15 Prozent bei Misch-Investmentfonds.

Die unterschiedliche Höhe der Teilfreistellung berücksichtigt die unterschiedliche Höhe der Vorbelastung auf Fondsebene.

Die oben genannten Werte gelten für Privatanleger. Bei Körperschaften und betrieblichen Anlegern greifen andere Teilfreistellungssätze, die ich an dieser Stelle ausklammere.

Fassen wir das bisher Gesagte noch einmal in einem Satz zusammen:

Auf ausgeschüttete Kapitalerträge wird weiterhin Abgeltungsteuer erhoben, ab 2018 reduziert um einen fondsabhängigen Teilfreistellungsbetrag.

Soweit so unspektakulär.

Interessant werden nun die Fälle, in denen Fonds keine oder nur eine geringe Ausschüttung vornehmen.

Vorhang auf für …

Die Vorabpauschale

ETF Vorabpauschale

Mit der neu eingeführten Vorabpauschale hat das Bundesfinanzministerium (BMF) folgendes im Sinn:

Diese pauschale Bemessungsgrundlage tritt im neuen System an die Stelle der bisherigen ausschüttungsgleichen Erträge. Ohne die Einführung der Vorabpauschale könnten Investmentfonds als Steuerstundungsmodelle genutzt werden.

Während ein Steuerpflichtiger, der direkt in Aktien und verzinsliche Wertpapiere oder in Immobilien investiert, jedes Jahr die ihm zufließenden Dividenden, Zinsen, Mieten und Pachten versteuern muss, könnte man mithilfe von Investmentfonds die Besteuerung zeitlich unbegrenzt vermeiden.

Und Steuern vermeiden ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders, sprich: des Staates.

Wann genau wird die Vorabpauschale fällig?

Die Vorabpauschale greift grundsätzlich immer dann, wenn im Veranlagungszeitraum die Ausschüttungen des Investmentfonds die Höhe einer risikolosen Marktverzinsung, den sogenannten Basisertrag, nicht erreichen.

Diesen Satz musste ich mehrmals lesen, um ihn gedanklich zu durchdringen.

Das Ganze noch einmal im Klartext:

Am Ende eines Kalenderjahres (Veranlagungszeitraum) werden zwei Fragen gestellt:

  1. Welchen Betrag hat ein Fonds ausgeschüttet?
  2. Ist dieser Ausschüttungsbetrag größer oder kleiner als der Basisertrag?

Und so wird der Basisertrag (die risikolose Marktverzinsung) ermittelt:

Berechnung des Basisertrags

Als Bemessungsgrundlage dient ein der von der Bundesbank festgelegter Basiszinsatz.

Die Bundesbank leitet den Zinssatz aus der Höhe der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen ab. Für das Jahr 2016 beträgt der Basiszinssatz 1,1 %.

Berücksichtigung der Kosten

Fairerweise wird bei der Berechnung der Vorabpauschale berücksichtigt, dass Fonds-Anlegern auch Kosten entstehen:

Die von der Fondsgesellschaft jährlich erhobene Verwaltungsgebühr.

Aus diesem Grund wird zur Berechnung der Vorabpauschale der Basiszins um den durchschnittlichen Kostenanteil von 30% gemindert. Mithin erfolgt der Ansatz von 70% des Basiszinssatzes.

Der im Jahr 2016 geltenden Basiszinssatz von 1,1% würde sich dadurch also auf 0,77% verringern.

Um wirklich zu verstehen, wie das Ganze in der Praxis funktioniert, spielen wir mal eine Reihe von Beispielen durch:

6 Szenarien für die Besteuerung von ETF Fonds (ab 2018)

ETF Besteuerung Szenarien

Allen Beispiele liegt ausschließlich der Fondstyp Aktien zugrunde. Wer tatsächlich in Mischfonds investiert, hat definitiv andere Probleme als die Reform der Besteuerung …

(Sorry, aber diesen kleinen Seitenhieb konnte ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen … 😉 )

Szenario 1: Wertzuwachs und Ausschüttung größer als Basisertrag

Die Ausgangswerte:
Höhe der Ausschüttung: 200€
Wert der Fondsanteile am Jahresanfang: 10.000€
Wert der Fondsanteile am Jahresende: 10.700€
Wertzuwachs: 700€

Szenario 1: Berechnung der Besteuerung

Betrachten wir zuerst die Besteuerung der Ausschüttung:

200€ (Ausschüttung) * 0,7 (Teilfreistellung von 30% bei Aktienfonds) * 26,38% (Abgeltungsteuer inkl. Soli) = 37€

Für die Ausschüttung wird also Abgeltungsteuer in Höhe von 37€ erhoben.

Als nächstes wird geprüft, ob die Vorabpauschale fällig wird:

10.000€ (Wert der Fondsanteile am Jahresanfang) * 1,1% (Basiszins) * 0,7 (Kostenabschlag) = 77€

Von den ermittelten 77€ wird nun – analog zur Ausschüttung – die Teilfreistellung in Höhe von 30% abgezogen:

77€ * 0,7 = 53,90€

Das Ergebnis: Der Basisertrag ist mit 53,90€ kleiner als die Ausschüttung in Höhe von 200€.

Zitat BMF:

Die tatsächlichen Ausschüttungen mindern die Vorabpauschale im Veranlagungszeitraum gegebenenfalls bis auf null.

53,90€ minus 200€ macht weniger als Null …

Also kommt das Prinzip der Vorabpauschale hier nicht zum Tragen.

Es bleibt bei der Abgeltungsteuer auf die Ausschüttung in Höhe von 37€.

Soweit alles klar?

Ok, gehen wir zum nächsten Fall …

Szenario 2: Wertzuwachs und Ausschüttung kleiner als Basisertrag

Die Ausgangswerte:
Höhe der Ausschüttung: 50€
Wert der Fondsanteile am Jahresanfang: 10.000€
Wert der Fondsanteile am Jahresende: 10.700€
Wertzuwachs: 700€

Szenario 2: Berechnung der Besteuerung

Betrachten wir zuerst wieder die Besteuerung der Ausschüttung:

50€ * 0,7 * 26,38% = 9,23€

Als nächstes schauen wir, ob die Vorabpauschale fällig wird. Die Rechnung kennen wir schon aus dem ersten Szenario:

10.000€ * 1,1% * 0,7 = 77€

Nach Abzug der Teilfreistellung:

77€ * 0,7 = 53,90€

Das Ergebnis: Der Basisertrag 53,90€ ist größer als der Ausschüttungsbetrag von 50€.

Damit wird die Vorabpauschale fällig, allerdings abzüglich des Ausschüttungsbetrags. Denn der wurde ja bereits besteuert!

Berechnen wir also die Steuerlast für die Vorabpauschale:

53,90€ (Basisertrag) – 50€ (Ausschüttung) = 3,90€

3,90€ * 26,38% (Abgeltungssteuer ink. Soli) = 1,02€

Die steuerliche Gesamtbelastung sieht in diesem Fall demnach so aus:

9,23€ (Abgeltungsteuer auf Ausschüttung) + 1,02€ (Abgeltungsteuer auf Vorabpauschale) = 10,25€

Sehen wir uns zur Abwechslung das Beispiel eines thesaurierenden Fonds an …

Szenario 3: Wertzuwachs (oder Stagnation) und Thesaurierung der Erträge

Die Ausgangswerte:
Höhe der thesaurierten Erträge: 200€
Wert der Fondsanteile am Jahresanfang: 10.000€
Wert der Fondsanteile am Jahresende: 10.700€
Wertzuwachs: 700€

Szenario 3: Berechnung der Besteuerung

Da es keine Auschüttungen gibt, kommt direkt die Vorabpauschale zum Tragen.

Die Rechnung kennen wir bereits aus den ersten beiden Szenarien:

10.000€ * 1,1% * 0,7 = 77€

Nach Abzug der Teilfreistellung:

77€ * 0,7 = 53,90€

Daraus ergibt sich folgende Steuerlast:

53,90€ * 26,38% = 14€

Hast du das erstes Szenario noch im Kopf?

Das sollte bei den paar Zahlen ja nun wirklich kein Problem sein … 😉

Spaß beiseite …Bereits an dieser Stelle lässt sich eines feststellen:

Bei gleichen Ausgangswerten fällt die Steuerlast des thesaurierenden Fonds (Szenario 3) mit 14€ deutlich günstiger aus als die Steuerlast des ausschüttenden Fonds (Szenario 1) mit 37€.

Damit dürften sich Inhaber von thesaurierenden Fonds in Zukunft über einen gewissen Steuerstundungs-Effekt freuen können.

Zumindest bei den jetzigen Rahmenbedingungen.

Im nächsten Fallbeispiel wird deutlich, welche Rolle der tatsächliche Wertzuwachs bei der Berechnung der Vorabpauschale spielt:

Szenario 4: Stagnation und Ausschüttung kleiner als Basisertrag

Die Ausgangswerte:
Höhe der Ausschüttung: 10€
Wert der Fondsanteile am Jahresanfang: 10.000€
Wert der Fondsanteile am Jahresende: 10.050€
Wertzuwachs: 50€

Szenario 4: Berechnung der Besteuerung

Wie gewohnt wird zuerst die Besteuerung der Ausschüttung berechnet:

10€ * 0,7 * 26,38% = 1,84€

Im nächsten Schritt wird geprüft, ob die Vorabpauschale erhoben wird. Die Rechnung ist bekannt:

10.000€ * 1,1% * 0,7 = 77€ * 0,7 = 53,90€

Die tatsächliche Wertsteigerung beträgt in diesem Szenario aber nur 50€.

Sie stellt damit die Obergrenze für den Basisertrag dar. Denn, so sagt das Finanzministerium:

Die Vorabpauschale ist auf den Wertzuwachs des Investmentfondsanteils innerhalb des Kalenderjahres begrenzt.

Es sollen also keine Wertzuwächse besteuert werden, die es in Wahrheit gar nicht gegeben hat.

Da der Basisertrag von 50€ jedoch größer ist als die Ausschüttung von 10€, wird die Vorabpauschale erhoben.

Gekürzt um die Teilfreistellung (30%) sowie den Auschüttungsbetrag (10€), wie bereits erklärt.

Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

50€ * 0,7 = 35€ – 10€ = 25€ * 26,38% = 6,60€

Die steuerliche Belastung beträgt in diesem Szenario insgesamt:

1,84€ (Abgeltungsteuer auf Ausschüttung) + 6,60€ (Abgeltungssteuer auf Vorabpauschale) = 8,44€

Vielleicht hast du dich bereits gefragt, was im Fall von Wertverlusten passiert. Wird dann etwa auch diese ominöse Vorabpauschale erhoben?

Schauen wir uns schnell das passende Fallbeispiel dazu an:

Szenario 5: Wertverlust und Auschüttung

Die Ausgangswerte:
Höhe der Ausschüttung: 200€
Wert der Fondsanteile am Jahresanfang: 10.000€
Wert der Fondsanteile am Jahresende: 9.000€
Wertentwicklung: -1.000€

Szenario 5: Berechnung der Besteuerung

Wir gehen wieder nach Schema F vor und berechnen zuerst die Besteuerung der Ausschüttung:

200€ * 0,7 * 26,38% = 37€

Kennen wir schon. Was ist mit dem Basisertrag?

Dieser ist selbstverständlich Null. Denn es gibt keinen Wertzuwachs sondern einen Verlust.

Anders als Buchwertgewinne, die ja per Vorabpauschale besteuert werden, finden Buchwertverluste keine Berücksichtigung.

Zur Erinnerung:

Die tatsächlichen Ausschüttungen mindern die Vorabpauschale im Veranlagungszeitraum gegebenenfalls bis auf null.

Aber nicht darunter.

Der Form halber schauen wir uns zum Abschluss noch ein letztes Szenario an …

Szenario 6: Wertverlust und Thesaurierung

Die Ausgangswerte:
Höhe der thesaurierten Erträge: 200€
Wert der Fondsanteile am Jahresanfang: 10.000€
Wert der Fondsanteile am Jahresende: 9.000€
Wertentwicklung: -1.000€

Szenario 6: Berechnung der Besteuerung

Kurz und knapp: hier passiert gar nix.

Keine Ausschüttung (ist schließlich thesaurierend!) und mangels Wertzuwachs auch kein Basisertrag.

Damit keine Steuer. Ganz einfach.

Drängt sich folgende Frage auf:

Was passiert beim Verkauf?

ETF Verkauf

Angenommen, du wirst in Zukunft Jahr für Jahr Vorabpauschalen für einen ETF versteuert haben.

Sprach-Connaisseure aufgemerkt: das war Futur II, vollendete Zukunft! Hätte nie gedacht, dass ich diese Zeitform jemals brauchen würde 😉

Wo waren wir …?

Ach ja, es ging um die Rolle der Vorabpauschalen bei einem späteren Verkauf der ETF-Anteile.

Das Bundesfinanzministeriuem (BMF) stellt diesbezüglich klar:

Während der Haltedauer beim Anleger versteuerte Vorabpauschalen werden vom Veräußerungs- beziehungsweise Rückgabegewinn im Rahmen der Schlussbesteuerung abgezogen.

Klingt einerseits nach einem fairen Deal.

Andererseits aber auch danach, als läge die Beweislast für bereits versteuerte Vorabpauschalen beim Anleger.

Womit es sich wohl auch in Zukunft empfiehlt, Steuererklärungen langfristig aufzuheben.

Was ja grundsätzlich keine allzu schlechte Idee ist …

Das BMF verspricht:

Hierdurch wird eine zutreffende Erfassung der tatsächlich über die Haltezeit vom Anleger erzielten Erträge und Wertzuwächse erreicht.

Wollen wir es hoffen …

Was ändert sich sonst noch?

Quellensteuern auf Fondsebene

Im Ausland erzielte Kapitalerträge (Dividenden) eines Fonds unterliegen der landesspezifischen Quellensteuer.

Die im Ausland abgeführte Quellensteuer konnte bisher auf die (deutsche) Abgeltungsteuer angerechnet werden.

Grundlage dafür waren bzw. sind entsprechenden Doppelbesteuerungs-Abkommen mit den einzelnen Ländern.

Und das wird sich ändern:

Ab 2018 können Quellensteuern für Dividenden nicht mehr auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden.

Bestandsschutz für alte Fonds-Anteile (vor 2009)

ETF Bestandsschutz vor 2009

Bevor die Abgeltungssteuer im Jahr 2009 eingeführt wurde, haben sich viele Anleger noch ordentlich mit Fondsanteilen eingedeckt.

Weil für diese Anteile kein Wertzuwachs beim Verkauf versteuert werden muss(te).

Das sieht nach der Steuer-Reform für Investmentfonds nun anders aus.

Zitat BMF:

Investmentanteile, die vor dem Jahr 2009 angeschafft wurden, genießen bislang Bestandsschutz, d. h. ein etwaiger Veräußerungsgewinn ist steuerfrei. Dieser Bestandsschutz soll zeitlich dergestalt gekappt werden, dass nur noch Veräußerungen steuerfrei sind, die vor dem 1. Januar 2018 vorgenommen werden. Bei der Veräußerung ab dem Jahr 2018 ist der entstandene Wertzuwachs oder Verlust grundsätzlich steuerpflichtig.

Der damals zugesagte Bestandsschutz hält also nicht einmal 10 Jahre. Offensichtlich hat der Fiskus aber ein Herz für Kleinanleger, denn …

Tatsächlich besteuert wird jedoch erst dann, wenn die Gewinne aus der Veräußerung von Alt-Anteilen einen neu eingeführten Freibetrag in Höhe von 100 000 € übersteigen. Durch diesen hohen Freibetrag bleibt der bei Einführung der Abgeltungsteuer eingeräumte Bestandsschutz für Veräußerungsgewinne bei Alt-Anteilen im Ergebnis für die weit überwiegende Zahl aller Steuerpflichtigen erhalten.

Also alles halb so wild. Zumindest bis zu einer gewissen Depotgröße …

Fassen wir alle Änderungen der Steuer-Reform noch einmal zusammen:

Die Vor- und Nachteile des neuen Besteuerungsverfahrens

  • Unterhalb des Steuerfreibetrags von 801€ bzw. 1.602€ ändert sich nichts. Einkünfte aus Kapitalerträgen bleiben bis zu dieser Grenze steuerfrei.
  • Fondsgesellschaften müssen 15 Prozent ihrer Einahmen aus Dividenden und Immobilen pauschal versteuern.
  • Einnahmen aus anderen Ertragsarten, wie Zinsen, sind auf Fondsebene steuerfrei.
  • Auf Seiten des Anlegers werden Ausschüttungen nach wie vor mit der Abgeltungsteuer belegt.
  • Die Abgeltungsteuer reduziert sich in Abhängigkeit des Fondstyps jedoch um 30 Prozent bei Aktien-Investmentfonds und um 15 Prozent bei Misch-Investmentfonds.
  • Damit wird die steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene berücksichtigt.
  • Schüttet ein Fonds keine oder nur geringe Beträge aus, findet eine Vorab-Besteuerung auf den im Veranlagungszeitraum erzielen Wertzuwachs statt.
  • Diese Vorab-Besteuerung orientiert sich am Basiszinsatz, der jährlich von der Bundesbank bestimmt wird.
  • Damit werden erstmalig Steuern auf Buchwert-Gewinne erhoben.
  • Trotzdem ist bei thesaurierenden Fonds mit einem gewissen Steuerstundungs-Effekt zu rechnen.
  • Dafür ist es in Zukunft unerheblich, ob sich das Fondsdomizil im Inland oder Ausland befindet.
  • Synthetisch replizierende ETFs mit Ertragsthesaurierung werden ihren physisch replizierenden Pendants gleichgestellt.
  • Damit gehen Steuervorteile für SWAP-basierte ETFs, die sich aus der Vermeidung ausschüttungsgleicher Erträge ergaben, verloren.

Was soll man nun von der Steuer-Reform für Investmentfonds halten?

Meine Empfehlung

Grundsätzlich lautet mein Ratschlag beim Thema Steuern:

Nicht jammern, nicht aufregen, nicht lamentieren!

Ja, es kann sein, dass du nach der neuen Systematik unterm Strich mehr Steuern auf Kapitalerträge zahlen musst.

So what?

Macht Investieren in ETFs deshalb jetzt weniger Sinn?

Natürlich nicht!

Ich halte es eh für groben Unfug, Anlageentscheidungen auf Basis der jeweiligen Steuergesetzgebung zu treffen.

Du siehst ja, wie schnell sich die Dinge hier ändern.

Am Ende des Tages ist und bleibt die Reform natürlich eine (versteckte) Steuererhöhung.

Wenn man es positiv sehen will: Die ETF-Auswahl wird in Zukunft deutlich einfacher.

Wer thesaurierende ETFs bevorzugt, braucht sich in Zukunft nicht mehr den Kopf über das Fondsdomizil zu zerbrechen.

Und kann sich dazu noch über einen gewissen Steuerstundungs-Effekt freuen.

Immerhin etwas …

ETF Steuern – Das Schlusswort

Ich kann gut verstehen, wenn das alles ziemlich abschreckend auf dich wirkt.

So schwingt in einigen Kommentaren sowie Mails, die mich zu dem Thema erreichen, die Frage mit:

Lohnt es sich angesichts dieses Steuerwahnsinns überhaupt (noch), in ETFs zu investieren?

Wenn es danach ginge, dann dürftest du konsequenterweise auch nicht einkaufen oder arbeiten gehen.

Wer steigt schon durch, bei welchen Produkten der volle und bei welchen der ermäßigte Mehrwertsteuersatz zur Anwendung kommt?

Ist dir klar, wie dein zu versteuerndes Einkommen berechnet wird, welche Steuersätze es gibt, in welche Tarifzonen sich der Einkommensteuertarif gliedert und wie die “kalte Progression” funktioniert?

Ganz ehrlich, das ist so kompliziert …Lohnt es sich da überhaupt noch, arbeiten zu gehen?

Rhetorische Frage, ich weiß 😉

Deshalb lautet mein Rat …

Lass dich von den Irrungen und Wirrungen des deutschen Steuerrechts bitte nicht davon abhalten, in ETFs zu investieren und damit in Eigenregie Vermögen aufzubauen.

Aus diesem Artikel leitet sich im Grunde keinerlei Handlungsbedarf ab. Auch ich werde nach der Reform nicht anders investieren als vorher.

Praktisch gesehen reicht es, wenn du einmal im Jahr die Zahlen aus der Jahressteuerbescheinigung (bekommst du von deiner Depotbank) in deine Steuererklärung überträgst beziehungsweise sie von deinem Steuerberater übertragen lässt.

Archiviere zusätzlich alle Kauf- und Verkaufsbelege für deine Fondsanteile und du solltest auf der sicheren Seite sein.

Ich habe den Artikel mit der Intention geschrieben, die Besteuerung von ETFs und Investmentfonds für interessierte Leser verständlich(er) zu machen.

Es ist aber ganz sicher kein Beinbruch, wenn du das Thema lieber ausblendest.

Denn eines ist sicher: In ein paar Jahren ist eh wieder alles anders … 😉

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr

 
Was sagst du zur Reform der Fondsbesteuerung? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

ETF Steuern ab 2018
Hol dir die PDF-Version dieses Artikels!

Ideal zum Nachlesen, Ausdrucken und Verschicken an Freunde.

DOWNLOAD

 

  • CGM 12. Februar 2017, 10:14

    Chapeau! Holger, Du hast es geschafft, das kryptische BFM-Juristendeutsch in eine verständliche Form zusammen zu fassen und mit praktisch nachvollziehbaren Fallbeispielen zu unterlegen. Besten Dank für diesen durch und durch gelungenen Artikel

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 10:16

      Dankeschön 🙂

  • Mina 12. Februar 2017, 10:42

    Danke für die sehr gute Darstellung & Erklärung! Was ist mit dem Szenario wo man einen thesaurierenden Swap Fond kauft:
    1 Jahr: 10000 EUR
    2 Jahr: 5000 EUR
    3 Jahr: 10000 EUR
    Müsste man hier nicht im 3.ten Jahr die Vorabsteuer bezahlen, obwohl man keinen EUR “verdient” hat?

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 11:16

      Ich fürchte, das ist so. Über die gesamte Haltedauer gesehen sollen zwischenzeitliche Gewinne und Verluste laut BMF aber berücksichtigt werden:

      “Während der Haltedauer beim Anleger versteuerte Vorabpauschalen werden vom Veräußerungs- beziehungsweise Rückgabegewinn im Rahmen der Schlussbesteuerung abgezogen.”

    • Burnt 13. Februar 2017, 09:14

      Lässt sich das Beispiel nicht noch weiter treiben?

      1. Jahr: 10 kEUR
      2. Jahr: 5 kEUR
      3. Jahr: 10 kEUR –> Vorabsteuer
      4. Jahr: 5 kEUR
      5. Jahr: 10 kEUR –> nochmal Vorabsteuer??

      Ist das wirklich so? Das wäre schon bitter und kann für Anleger im großen Anteil am Gesamtvermögen ja zu einem echten Liquiditätsproblem werden, oder? Ich muss die Steuer ja erstmal vorschießen können.

      Und dann noch für mein Verständnis: wenn ich in Jahr 6 zu 10 kEUR (also ohne Gewinn) verkaufe… dann bekomme ich die Vorabsteuer aber zurück, oder? Es fällt ja mangels Gewinn keine Abgeltungssteuer an mit der man verrechnen könnte.

    • Holger Grethe 13. Februar 2017, 12:04

      Theorie und Praxis … Dein Beispielfall würde tatsächlich dazu führen, dass in jedem zweiten Jahr die Vorabpauschale fällig wäre.

      Aber: wie wahrscheinlich ist eine Marktentwicklung, wo es im einen Jahr einen Drawdown um 50% gibt, der im Folgejahr durch eine 100%-Rendite wieder voll kompensiert wird? Nur damit sich das gleiche Spiel in den beiden Jahren darauf wiederholt.

      Nicht sehr wahrscheinlich, würde ich sagen.

      “wenn ich in Jahr 6 zu 10 kEUR (also ohne Gewinn) verkaufe… dann bekomme ich die Vorabsteuer aber zurück, oder? “

      Davon gehe ich doch mal schwer aus 😉

    • Biene Maya 17. Februar 2017, 23:25

      Hallo Holger,

      zuerst besten Dank für exzellente Recherche und Zusammenstellung.

      Das Beispiel von Mina ist natürlich etwas überspitzt und weniger wahrscheinlich, aber pregnant. 10-20% drawdown und die Wiedergutmachung bis zum Ausgangswert ist schon keine Seltenheit. Dies könnte so mehrere Jahre rauf und runter gehen, wodurch Steuern anfallen, ohne dass ich 1€ Gewinn realisiert habe. Darüber hinaus werden in meinem Verständnis nicht nur thesaurierende Swapper sondern alle ETFs betroffen. Dies führt dazu, dass man viel mehr Aufwand (Steuerabrechnungen aufheben) haben wird als bisher. Auf den ersten Blick erscheint mir dies, um ehrlich zu sein, nicht so “verführerisch”. Momentan muss man zwar etwas Zeit investieren, um steuerhässliche ETF auszusortieren (für mich ein wichtiges Kriterium), was nach etwas Lerneinsatz recht schnell und zuverlässig umzusetzen ist. Dafür habe ich keinen sonstigen steuerlichen Aufwand und kann alles prima nachvollziehen. Die Reform erscheint mir also gar nicht prickelnd.

      Viele Grüße,
      Biene Maya

  • Dietmar 12. Februar 2017, 11:04

    Also alte Fonsanteile von vor 2009, welche Kurssteigerungen von 100000€ übersteigen, bis Ende 2017 verkaufen und 2018 rückkaufen ?

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 11:13

      Gute Frage. Es scheint naheliegend, so zu verfahren …

    • Walter 12. Februar 2017, 12:25

      Warum denn verkaufen?
      Das passiert doch schon virtuell. Damit sind alle Gewinne die zwischen 01.01.2009 und 31.12.2017 angefallen sind, gesichert.
      Ab 01.01.2018 gilt dann der Kaufpreis vom 01.01.2018 als Basis zur Ermittlung der Gewinne bei Veräusserung nach 2018.

    • Tobias 24. Februar 2017, 09:36

      Nein, ein Verkauf und rückerwerb ist nicht notwendig. Sämtliche “alt Fondsanteile” als auch nach 2009 erworbene Fonds gelten automatisch aus steuerlicher Sicht als zum 31.12.17 veräußert und zum 01.01.18 neu erworben. “Alt Fondsanteile” kommen somit automatisch in den genuß des “neuen” Bestandsschutzes. Grüße

    • Kutterchen 8. März 2017, 19:27

      Als steuerlicher Sicht auf keinen Fall verkaufen! Alle Gewinne bis 31.12.2017 sind steuerfrei (lt. Gesetz). Alle zusätzlichen(!!!) Gewinne ab 01.01.2018 sind bis zu einem persönlichen Freibetrag von 100.000 EUR steuerfrei.

      Aus steuerlicher Sicht wäre ein Verkauf in 2017 von alten Fondsanteilen mit Bestandsschutz (Kauf vor 2009) ein Fehler.

  • Ex-Studentin 12. Februar 2017, 11:17

    Wow! Deinen Beitrag müsste man sich eigentlich ausdrucken und zu seinen Unterlagen heften. Danke für deine Recherche und die ausführliche Erläuterung.

    Ich bin von der Steuerreform an sich nicht begeistert, da ich bisher die Steuerstundung ausnutzen wollte. Die neue Besteuerung klingt sehr kreativ, nur um zu verschleiern, dass man mehr Steuern eintreiben will. Auch wenn das nach Resignation klingt: So ist’s dann halt.

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 11:19

      Vielen Dank, liebe Ex-Studentin!

      Ich hatte eh vor, noch eine PDF-Version des Artikels zu erstellen. Kommt bald …

  • Stefan 12. Februar 2017, 12:03

    Hallo Holger,
    danke für diese tolle Zusammenfassung! Wirklich sehr informativ und man erkennt sofort das du sicher sehr viel Zeit in deine Artikel steckst. Der Mehrwert für deine Leser ist dementsprechend groß und dafür danke ich dir sehr – denn gerade das Steuerthema ist z.B. für mich persönlich ein gordischer Knoten, der mich nun schon monatelang davon abhält konkrete ETFs zu kaufen (und die Kurse steigen und steigen..)
    Was ich mich immer noch frage ist z.B. das mit dem ausländischen Fondsdomizil: Ist man ab 2018, um einer Doppelbesteuerung zu entgehen, nun gezwungen ausschliesslich deutsche Produkte zu kaufen, da man die ausländische Quellensteuer nicht mehr mit der heimischen verrechnen kann?
    Dann würde ich auch gerne eine Günstigerprüfung beim Finanzamt beantragen um bis ca. 8820,- im Jahr steuerfreie Erträge zu haben – reicht es da aus, alle Belege der Banken zu sammeln und selbstständig einzureichen oder wäre es grundsätzlich empfehlenswerter aufgrund der Komplexität grundsätzlich einen Steuerberater aufzusuchen? Danke schonmal und viele Grüsse 🙂

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 14:19

      Hallo Stefan,

      “Ist man ab 2018, um einer Doppelbesteuerung zu entgehen, nun gezwungen ausschliesslich deutsche Produkte zu kaufen, da man die ausländische Quellensteuer nicht mehr mit der heimischen verrechnen kann?”

      Nein, denn es gibt nach meinem Verständnis keine Doppelbesteuerung, da die Besteuerung auf Fondsebene (Quellensteuer) durch die Teilfreistellung auf Anlegerebene berücksichtigt wird.

      Die Günstigerprüfung bezieht sich auf deinen durchschnittlichen Steuersatz. Nur wenn dieser unter 25 Prozent liegt, macht der Antrag Sinn.

    • Jan 12. Februar 2017, 16:01

      Hallo, bei der günstigkeitsprüfung geht es, um genau zu sein, nicht um den Durchschnittssteuersatz, sondern um den Grenzsteuersatz. Wer seine Steuererklärungmit elster & co macht, kann sich den anzeigen lassen.

      Aber meine Erfahrungen: Im zweifel einfach die kapitalerträge in der Steuererklärung angeben, die günstigkeitsprüfung macht das Finanzamt idR korrekt und nicht zum Schaden des steuerpflichtigen.

      Holger, von mir auch ganz herzlichen Dank für Deinen Artikel, jetzt hab ich die Systematik endlich kapiert 🙂🙃🙂

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 17:24

      Hallo Jan,

      “bei der günstigkeitsprüfung geht es, um genau zu sein, nicht um den Durchschnittssteuersatz, sondern um den Grenzsteuersatz. “

      Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, geht es dabei um den “persönlichen” Steuersatz. Das ist aber weder der Durchschnitts- noch der Grenzsteuersatz! 😉

      Hach, ist das deutsche Steuersystem schön …

  • Daniel 12. Februar 2017, 12:47

    Hallo Holger,

    Vielen Dank für deine ausführlichen Erklärungen. Zum Verständnis: ich dachte, dass die neue Vorabpauschale nur für ausländisch thesaurierende Fonds zur Anwendung kommt, da die Besteuerungsgrundlagen bei inländischen klar(er) sind bzw. bei ausschüttenden (Inland wie Ausland) Fonds die normale Abgeltungssteuer auf die Ausschüttungen greift. Sicher, dass Vorabpauschale auf alle Fonds fällig wird, egal von welchem Domizil, ob ausschüttend oder thesaurierend?

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 14:22

      Hallo Daniel,

      “Zum Verständnis: ich dachte, dass die neue Vorabpauschale nur für ausländisch thesaurierende Fonds zur Anwendung kommt”

      Nein, denn ein Ziel der Reform ist ja gerade die Gleichbehandlung von inländischen und ausländischen Fonds. Zitat BMF:

      “Es ist daher zukünftig ohne steuerliche Nachteile möglich, in ausländische Investmentfonds zu investieren, die keine deutschen Besteuerungsgrundlagen ermitteln.”

  • Oliver 12. Februar 2017, 13:14

    Hallo Holger,

    erst einmal vielen Dank für deine Bemühungen Licht ins Dunkel zum Thema “Besteuerung von Fonds ab 2018” zu bringen.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, wird bei einem positiven Wertzuwachse (z.B. Szenario 1) nur die eigentliche Ausschüttung bzw. die thesaurierten Erträge (z.B. Szenario 3) besteuert. Hierbei spielt es bei deinen Beispielen bzgl. der Besteuerung keine Rolle, welchen Wertzuwachs die Fonds im Jahr hatten. Jedenfalls fließen die jeweiligen Wertzuwächse von immerhin 700 € bei diesen Beispielen in deine Berechnung nicht mit ein. Wird der Wertzuwachs dann zum Ende der Haltedauer (sprich beim Verkauf) ermittelt und versteuert? Wenn ja, nach welchem Schema? Die Wertzuwächse spielen laut deiner Erläuterung unterjährig also nur hinsichtlich der Begrenzung der Vorabpauschale eine Rolle. Ist das wirklich so oder habe ich etwas überlesen bzw. falsch verstanden?

    Des Weiteren gibt es ja auch ETFs, deren Erträge (ob thesauriert oder ausgeschüttet) nicht im Bundesanzeiger gelistet werden. Wie wird künftig bei diesen Fonds (ich glaube man nennt sie steuerintransparent) zwecks der Besteuerung verfahren werden?

    Insgesamt wirft das ganze Thema leider immer noch einige Fragen auf. Und der Organisationsaufwand wird wohl auch nicht geringer. Zitat: “Während der Haltedauer beim Anleger versteuerte Vorabpauschalen werden vom Veräußerungs- beziehungsweise Rückgabegewinn im Rahmen der Schlussbesteuerung abgezogen.”
    Schade, dass der deutsche Staat es den ETFs nach wie vor so schwer macht. Man will den Deutschen nach wie vor nicht zur Unabhängikeit und Eigenverantwortlichkeit in Sachen Vermögensbildung führen. Da ist wohl die Bankberaterlobby einfach zu stark.

    Liebe Grüße und ein erholsames WE.
    Oli.

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 14:31

      Hallo Oli,

      “Wird der Wertzuwachs dann zum Ende der Haltedauer (sprich beim Verkauf) ermittelt und versteuert? Wenn ja, nach welchem Schema?”

      Zitat BMF:

      “Während der Haltedauer beim Anleger versteuerte Vorabpauschalen werden vom Veräußerungs- beziehungsweise Rückgabegewinn im Rahmen der Schlussbesteuerung abgezogen.”

      Bei Verkauf wird der Gewinn (abzüglich bereits geleisteter Vorabpauschalen) mit der Abgeltungssteuer (sofern es diese in der Zukunft noch gibt) belegt.

      “Die Wertzuwächse spielen laut deiner Erläuterung unterjährig also nur hinsichtlich der Begrenzung der Vorabpauschale eine Rolle.”

      So ist es.

      “Wie wird künftig bei diesen Fonds (ich glaube man nennt sie steuerintransparent) zwecks der Besteuerung verfahren werden?”

      Zitat BMF (siehe Text):

      “Die Besteuerungsregelungen werden so ausgestaltet, dass sie weitestgehend ohne Mitwirkung der Investmentfonds umsetzbar sind […] Es ist daher zukünftig ohne steuerliche Nachteile möglich, in ausländische Investmentfonds zu investieren, die keine deutschen Besteuerungsgrundlagen ermitteln.”

      “Schade, dass der deutsche Staat es den ETFs nach wie vor so schwer macht. Man will den Deutschen nach wie vor nicht zur Unabhängikeit und Eigenverantwortlichkeit in Sachen Vermögensbildung führen. Da ist wohl die Bankberaterlobby einfach zu stark.”

      Ich glaube, der Hintergrund ist viel banaler: Der Staat braucht Kohle 😉

  • Walter 12. Februar 2017, 13:56

    [quote]Bei gleichen Ausgangswerten fällt die Steuerlast des thesaurierenden Fonds (Szenario 3) mit 14€ deutlich günstiger aus als die Steuerlast des ausschüttenden Fonds (Szenario 1) mit 37€.[/quote]

    Ich bin mir nicht sicher, ob man das so pauschal sagen kann. Aus meiner Sicht hast du 2 Größen unberücksichtigt gelassen:

    1.) Thesaurier und Ausschütter auf den selben Basiswert laufen nie im Gleichlauf. D.h. wenn beide mit 10000EUR ins neue Jahr starten, dann sollte der Ausschütter am Ende auf 10500EUR stehen weil er 200EUR ausschüttet und nur der Thesaurier steht auf 10700EUR.
    –> der Ausschütter sollte also real immer eine niedrigere Vorabpauschale errechnen als der Thesaurier.

    2.) Der Basiszins wird nicht ewig nur auf 1%-Werten stehen. Der stand auch schon bei 4%. Auf Wikipedia fand ich historische Werte: https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinfachtes_Ertragswertverfahren#Zinssatz

    Und dann sieht die Rechnung möglicherweise anders aus – wobei es sicherlich müssig ist hier alle zig Variationsmöglichkeiten durchzurechnen. Der Steuerstundungsvorteil von Thesauriern/Swappern ist m.E. erheblich geschmolzen.

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 14:11

      Hallo Walter,

      “–> der Ausschütter sollte also real immer eine niedrigere Vorabpauschale errechnen als der Thesaurier.”

      Stimmt, das habe ich nicht berücksichtigt. Danke für den Hinweis!

      Edit: Halt, stimmt nicht!

      Denn selbst wenn der Ausschütter am Jahresende um den Ausschüttungsbetrag niedriger steht als ein vergleichbarer Thesaurierer, ändert sich ja an der Besteuerung der Ausschüttung nichts. Und im Szenario 1 gibt es gar keine Vorabsteuer, weil der fiktive Basisertrag ja kleiner ist als der Ausschüttungsbetrag.

  • Thorsten 12. Februar 2017, 14:30

    Danke, Holger – wirklich gute Zusammenfassung dieses doch ziemlich schwierigen Themas!

    Eine Frage bleibt für mich aber…wenn ich den Satz “Fondsgesellschaften müssen 15 Prozent ihrer Einahmen aus Dividenden und Immobilen pauschal versteuern.” durchdenke, komme ich nicht drauf, wie die Deutschen Finanzämter das bei ETFs/Fonds mit Sitz im Ausland machen?

    Sollen die ETF-Anbieter dann zwei interne Rechnungen aufstellen – einmal für Investoren aus D und eine für den Rest? Klingt unlogisch…

    Wird es einen Vorteil für Fonds mit ausländischem Domizil geben – oder habe ich irgendwo einen Denkfehler?

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 14:38

      Gute Frage, Thorsten!

      In der BMF-Veröffentlichung heißt es:

      “Zukünftig unterliegen inländische und ausländische Publikums-Investmentfonds unterschiedslos einer Besteuerung mit solchen Einkünften, für die Deutschland nach völkerrechtlichen Grundsätzen ein Besteuerungsrecht zusteht. Die Steuerpflicht beschränkt sich im Wesentlichen auf inländische Dividenden- und Immobilienerträge.”

      Klingt fast so, als ob der deutsche Staat bei ausländischen Fonds hier leer ausgeht? Zumindest geht das aber nicht zulasten des Anlegers, denn die Teilfreistellung in Höhe von 30% bei Aktienfonds gilt ja auch für ausländische Fonds.

  • Finanzonkel 12. Februar 2017, 14:31

    Hallo Holger,

    Erstmal vielen Dank für die tolle Recherche in diesem Steuerwahnsinn.
    Eine Frage: bisher hatte ich es verstanden, dass man die “Fondsteuer” auf INLÄNDISCHE Dividenden und Immobilienerträge erheben will und auch nur kann?
    Kommt jetzt in Deinem Klasseartikel aber so nicht rüber.

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 14:40

      Hallo Finanzonkel,

      siehe meine Antwort zu Thorstens Kommentar!

  • Der Sven 12. Februar 2017, 14:44

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich frage mich, ob ETFs, die auf SWAPs basieren (wie z.B. die von Comstage) nun auch die Reduktion um 30% erhalten? Denn laut Blogpost gelten die ja nur für Aktien-Investmenfonds und ich bin mir nicht sicher, ob synthetische ETFs da dann überhaupt zu zählen…?

    Viele Grüße,

    Sven

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 14:50

      Hallo Sven,

      bei meiner Recherche habe ich noch kein abschließendes Statement zu diesem Punkt gefunden. Sobald das klar ist, werde ich es im Artikel deutlich machen.

    • Tobias 24. Februar 2017, 09:45

      Für die Frage ob ein Fonds(auch ETF) eine Teilfreistellung erhält oder nicht, ist maßgeblich die ausgestaltung der Anlagebedingunen. Grundsätzlich ist es egal ob der Fonds die Indexperformance per Swap einkauft oder physisch abbildet. Wichtig ist um z.b. die 30% Freistellung für Aktien zu erhalten, dass der Fonds min. zu 51% in Aktien investiert ist und dies genau so in den Anlagebedingungen steht. Grüße

    • Holger Grethe 24. Februar 2017, 14:31

      Stimmt, die Frage ist nur: Müssen sich dafür tatsächlich Aktien im Trägerportfolio befinden oder reicht es, wenn es sich um einen Aktienindex handelt, den der synthetische ETF nachbildet?

      Das Basisportfolio des ARERO (wenn auch kein ETF) besteht zum Beispiel “überwiegend aus variabel verzinslichen Anleihen” (Quelle: DWS), obwohl der Fonds zu 60% die Entwicklung von Aktien abbildet ..

    • Tobias 28. Februar 2017, 14:44

      Hallo Holger,

      für den Arero ist die Frage einfach zu beantworten. Das einkaufen einer Aktienperformance ist nicht ausreichend. Das Verwaltungsreglement des Fonds müsste unter Art. 4 B Anlagegrenzen geändert werden. Hier müsste z.B. aufgenommen werden, das der Fonds z.B.u mindestens 51% in Aktien investiert. In der aktuellen Ausgestaltung können Anleger des Fonds nicht von einer Teilfreistellung profieren.
      Eine weitere Möglichkeit zur Teilfreistellung zu kommen, ist ein Invest in andere Investmentvermögen (wie ETF). Hierfür müssten aber ebenfalls die Anlagebedingungen geändert werden. Z.B., das der Fonds zu min.51% in Aktienfonds investieren muss. Ist dies der Fall, werden aber leider nur max. 51% des Zielfonds der Aktienquote des “Dachfonds” zugerechnet. Nehmen wir an, der Dachfonds hält 10% Cash und investiert die anderen 90% seine Vermögens zu vollständig in einen Aktienfonds, der zu 100% in Aktien investiert. Man würde meinen eine Aktienteilfreistellung sollte nun kein Problem sein. Jetzt kommt allerdings die Krux, denn es werden nur 51% angerechnet, obwohl der Zielfonds zu 100% in Aktien investiert ist. 51%*90%= 45,9% Aktienquote im Dachfonds. Damit ist die Aktienteilfreistellung für Dachfons faktisch nicht erreichbar. Diese Benachteiligung ist dem Gesetzgeber wohl mittlerweile auch bekannt. Bis eine Korrektur erfolgt, vergeht aber wohl einige Zeit.

      Ich hoffe ich habe das Problem einigermaßen verständlich darstellen können.
      VG

    • Holger Grethe 28. Februar 2017, 16:15

      Hallo Tobias,

      vielen Dank für deine gute Ergänzungen!

      Hättest du eine verlinkbare Quelle bezüglich der geforderten Aktienquote für die Teilfreistellung? Ich würde den Artikel dann gerne dahingehend ergänzen.

    • Tobias 6. März 2017, 08:47

      Gerne.
      Das ergibt sich unmittelbar aus dem InvStRefG selbst. Du findest unter § 2 Begriffsbestimmungen für Aktienfonds und Mischfonds.
      (6) Aktienfonds sind Investmentfonds, die gemäß den Anlagebedingungen fortlaufend mindestens 51 Prozent ihres Wertes in Kapitalbeteiligungen anlegen.
      (7) Mischfonds sind Investmentfonds, die gemäß den Anlagebedingungen fortlaufend mindestens 25 Prozent ihres Wertes in Kapitalbeteiligungen anlegen

  • Andre 12. Februar 2017, 15:22

    Hallo Holger, vielen Dank für die Arbeit, die Du Dir mit dem Artikel und der Recherche gemacht hast. Sehr lesenswert und lehrreich, und zeitsparend. LG

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 17:25

      Danke, Andre!

  • Tom 12. Februar 2017, 15:39

    Hallo Holger,

    danke für die ausführliche Erklärung. Zwei Dinge sind mir noch nicht klar:
    1. Du hast in den Fällen die Quellensteuer vernachlässigt. z.B. Bei den 200 Euro Ausschüttung im ersten Fall. Wurde dort die Quellensteuer bereits abgezogen?

    2. Wie wird bei der Thesaurierung die Steuer bezahlt? Werden Fondsanteile verkauft, oder sollte immer etwas Geld auf meinem Verrechnungskonto liegen um die Steuer zu bezahlen?

  • Alexander Schmitt 12. Februar 2017, 15:39

    Hallo Holger,

    unglaublich, in welcher Detailtiefe Du Dich mit Steuern auseinandersetzt. Ich verstehe, dass es unglaublich wichtig ist, Steuern zu vermeiden, aber erst geht es doch darum, mal ordentlich was zu verdienen.

    Es gibt viele, die versuchen es noch mit Dividendenstrategien, dabei war ein thesaurierender ETF schon vor Jahren das Mittel der Wahl. Es geht darum, richtig Geld zu verdienen, 100.000 € oder eine Million! Und dann macht dann die Steuer auch etwas aus, ansonsten ist der Stundenlohn zur Betrachtung teurer.

    Annahme: Jemand spart 250 € im Monat, finde ich viel, über 20 Jahre, finde ich lang, dann ergibt sich im Schnitt im Dax bei über 30 Zeiträumen ein Ertrag von rund 77.000 € bei 137.000 € Gesamtvermögen, davon 60.000 € Einzahlungen. Darauf wären dann Steuern zu bezahlen. Im besten Fall wären es ungefähr 300.000 €, im schlimmsten Fall sogar ein kleiner Verlust. Bleiben wir beim Durchschnitt, bei Kapitalertragssteuer folgen dann weniger als 20.000 € Steuern. Das wäre das Potenzial zur Optimierung. 10% Steuern zu sparen entsprechen weniger als 1,5% des Vermögens. Das relativiert das ganze vielleicht ein wenig. 😉

    Grüße, Alex

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 22:03

      Hallo Alex,

      “Ich verstehe, dass es unglaublich wichtig ist, Steuern zu vermeiden, aber erst geht es doch darum, mal ordentlich was zu verdienen.”

      Geld verdienen ist immer gut, keine Frage 😉 Mir ging es mit diesem Artikel aber weniger um Steuern vermeiden, sondern mehr um Steuern verstehen …

  • Hans 12. Februar 2017, 15:49

    Super danke für den, Artikel und die Mühe.

    Was ich mich frage ist – Was passiert mit ausländischen thesaurierenden SWAP ETF die laut Bundesanzeiger keine Ausschüttungsgleiche-Erträge haben?

    Wird hier ganz normal einmalig beim Verkauf besteuert?

    Grüße
    Hans

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 22:05

      Hallo Hans,

      ich rechne damit, dass auch die synthetischen ETFs von der Vorabpauschale betroffen sein werden. Erklärtes Ziel der Reform ist ja, dass alle Fonds gleich behandelt werden.

  • Christoph 12. Februar 2017, 18:06

    Dann investiere ich ab jetzt nur noch in Einzelaktien und verkaufe die Fonds. Habe leider keine Zeit und Lust mich mit diesem komplizierten Steuerbürokratiewahnsinn zu beschäftigen. Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Hatte bisher noch nichts gehört zu dem Thema. Hoffe du machst dich bald wieder an die Podcastarbeit 🙂

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 18:17

      Na ja, beschäftigen musst du dich ja nicht damit, wenn du es nicht willst. Einfach die Zahlen aus der Jahressteuerbescheinigung in die Steuererklärung eintragen (lassen) und fertig ist die Sache.

      Ich bezweifle, dass ein Depot mit einzelnen Aktien insgesamt weniger Arbeit macht …

      Zur Info: Der Podcast pausiert bis zum Frühjahr. Bis dahin hat der Blog Vorfahrt 😉 Der Podcast wird aber weitergeführt und bekommt dann exklusive Inhalte, die es nicht im Blog geben wird …

  • Dummerchen 12. Februar 2017, 19:15

    Hallo Holger,
    ich sage erstmal: Danke! Bislang gab es wenige Stellen im Netz, an denen man das so übersichtlich nachlesen konnte. Deine Übersicht hilft ungemein. Ich muss mir das in Ruhe aber nochmal durchlesen und auf mich wirken lassen. Vielleicht komme ich dann nochmal mit ein paar Fragen zurück. Ich hoffe, die Kommentarfunktion schließt (insbesondere bei diesem Artikel) nicht vorzeitig.
    Liebe Grüße
    Dummerchen

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 21:53

      Hallo Dummerchen,

      die Kommentarfunktion bleibt erstmal offen und für dich sowieso! 😉

  • Dr. Nobel Preis 12. Februar 2017, 19:16

    Hallo Holger,

    ein ganz dickes Lob für diesen Beitrag. Darauf habe ich lange gewartet. Unser Staat schafft es immer wieder Dinge zu verkomplizieren. Allein die Idee der Vorabpauschale in Abhängigkeit eines fiktiven Basiszinses…Uahhhhh. Als jemand der weder im öffentlichen Dienst beschäftigt oder verbeamtet ist, frage ich mich jedes mal wer sich so etwas ausdenkt.
    Wie auch immer, ich bleibe meiner Strategie treu und es ändert sich für mich auch nichts wesentliches. Ich kann aber verstehen wenn solche Regelungen Neueinsteiger verwirren und diese der Börse fernbleiben. Schade eigentlich.

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 21:51

      “Wie auch immer, ich bleibe meiner Strategie treu und es ändert sich für mich auch nichts wesentliches.”

      Guter Plan!

  • Anna 12. Februar 2017, 19:50

    Hallo Holger,

    ich entschuldige mich schon im Vorab wegen meinen Rechtschreibfehlern… Deutsch ist nicht meine Muttersprache.

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Sie ist wirklich sehr erklärend!
    Ich habe trotzdem noch ein paar Fragen:

    1. In den Beispiele, wenn man Vorabpauschale minus Ausschüttung berechnet, sollte man nicht die Ausschüttung auch um ein 30% (Kostenabschlag) reduzieren?
    z.B. Beispiel 4:
    50€*0.7 = 35€ < 77€*0.7 = 53.09€ (anstatt 50€ < 53.90€, obwohl gleiche Ergebnisse)
    und Steuer = 10€*0.7*26.38% + (50€-10€)*0.7*26.38% = 1.84% + 7.38% = 9.23% (anstatt 12.39%) ?
    Wenn es nicht so ist, verstehe ich nicht wenn man den Kostenabschlag von 30% anwenden kann… konntest du es bitte erklären?

    2. Über das Kommentar:
    “Ist man ab 2018, um einer Doppelbesteuerung zu entgehen, nun gezwungen ausschliesslich deutsche Produkte zu kaufen, da man die ausländische Quellensteuer nicht mehr mit der heimischen verrechnen kann?”
    Nein, denn es gibt nach meinem Verständnis keine Doppelbesteuerung, da die Besteuerung auf Fondsebene (Quellensteuer) durch die Teilfreistellung auf Anlegerebene berücksichtigt wird.

    Ich verstehe nicht ganz deine Antwort, da auf deutschen Fonds die Teilfreistellung auch berücksichtigt wird (soweit ich es verstanden habe)… dann wurde man doch mehr Steuer bei ausländischen Fonds als bei deutschen Fonds zahlen, oder?

    vielen Dank nochmals für den Artikel.

    Grüsse,

    Anna.

    • Holger Grethe 12. Februar 2017, 22:01

      Hallo Anna,

      ich gebe zu, deinen ersten Punkt verstehe ich nicht bzw. kann deine Berechnung nicht nachvollziehen.

      Ad 2.: “dann wurde man doch mehr Steuer bei ausländischen Fonds als bei deutschen Fonds zahlen, oder?”

      Nein, warum? Derselbe Ausschüttungsbetrag führt sowohl bei inländischen als auch bei ausländischen Fonds zu derselben Steuerlast.

    • Tom 12. Februar 2017, 22:04

      Genau das frage ich mich auch. Wenn die Teilfreistellung auch bei deutschen Fonds gilt, sind ausländische Fonds benachteiligt.

    • Walter 13. Februar 2017, 10:17

      Anna hat insofern Recht, weil du im Szenario 4 die auf den Wertzuwachs begrenzte Vorabpauschale nicht um die Teilfreistellung bereinigt hast:

      “50€ – 10€ = 40€ * 26,38% = 10,55€” –> es fehlt x0,7 – also statt 10,55 sind es 7,385€

      und dann rechnet sie ja richtig 1,84€ + 7,39€ = 9,23 € ggü. deinen 12,39€ im Szenario 4

    • Holger Grethe 13. Februar 2017, 12:20

      Ihr habt Recht und ich habe die Kalkulation im Artikel entsprechend korrigiert. Allerdings ist das Endresultat noch einmal ein leicht anderes, da die Teilfreistellung ja initial von der Vorabpauschale abgezogen werden muss. 😉

    • Anna 14. Februar 2017, 18:12

      Vielen Dank für eure Antworten!

      Ich werde es versuchen, meine 2. Frage mit dem Szenario 1 als Beispiel zu formulieren (vielleicht ist dann klarer was ich meine…):

      Szenario 1:
      Deutsche Fonds :
      Steuerlast = 200€ (Ausschüttung) * 0,7 (Teilfreistellung von 30% bei Aktienfonds) * 26,38% (Abgeltungsteuer inkl. Soli) = 37€

      Ausländische Fonds (Quellersteuer = 15%):
      Steuerlast = 200€ (Ausschüttung) * 0,7 (Teilfreistellung von 30% bei Aktienfonds) * (26,38% (Abgeltungsteuer inkl. Soli) + 15% (Quellersteuer) = 58€

      …dann ist der Steuerlast bei ausländische Fonds höher… So die Frage ist: was ist falsch bei meiner Berechnung?

      Grüsse,

      Anna.

  • Stefan 13. Februar 2017, 14:39

    Hallo Holger,

    besten Dank für die Erleuchtung!

    Vor dem Hintergrund dieser Steuererhöhung macht es möglicherweise in Zukunft Sinn im Rahmen eines Versicherungsmantels anzusparen?

    Da fallen meines Wissens auch in Zukunft keine Abgeltungssteuern auf Erträge/Dividenden an. Du profitierst also vom Zinses-Zins-Effekt. Wenn du mindestens bis zum 62. Geburtstag sparst, zahlst du bei Kapitalauszahlung “nur” auf 50% des Gesamtertrags Steuern.

    Klar fallen in der Sparzeit höhere Kosten an. Ich habe ein Angebot vorliegen mit 48€ Jahrespauschale für den Vertrag plus 0,3% vom Depotwert für die Versicherung. Dazu kommen dann noch die laufenden Investment-Kosten. Ist eine Menge Holz, aber denke ich immer noch besser als jährlich Abgeltungssteuer zu zahlen.

    Vor allem, wenn doch wider Erwarten die ein oder andere Umschichtung während der Laufzeit erfolgt. (Die wäre nämlich im Versicherungsmantel abgeltungssteuerfrei.) Das habe ich zwar nicht vor. Aber bei 30 Jahren Laufzeit weiß man nie, was passiert.

    Was meinst du zu einer solchen Lösung?

    Aktuell spare ich über ein ganz normales ETF-Depot bei flatex. Damit ist mein Freibetrag von 801€ p.a. komplett ausgeschöpft.

    Danke für deine Einschätzung!

    Beste Grüße
    Stefan

    • Tobias 24. Februar 2017, 09:52

      Im Versicherungsmantel zu sparen macht eigentlich nie Sinn. Erstens hat bereits die Vergangenheit gezeigt, dass man auch hier nie vor Steueränderungen sicher ist. Aber noch viel entscheidender ist, dass die enormen Mehrkosten (Versicherung verdient ja auch) eine potentielle Steuerersparniss in der Regel deutlich übersteigen sollten

  • Chris 13. Februar 2017, 15:19

    Hallo Holger,

    vielen Dank für diesen guten Artikel. Da soll noch einer durchsteigen.
    Ic sehe das ganze recht skeptisch, gerade bei den langfristigen Anlagezielen die man mit ETFs verfolgt. So muss ich meine Unterlagen ja über Jahrzehnte aufheben. Starte ich dann in ferner Zukunft mal einen Entnahmeplan wird es jedes Jahr bei der Steuererklärung spaßig, denn man muss ja jedes Jahr nachweisen, was man die Jahrzehnte zuvor schon abgedrückt hat, wenn ich das richtig sehe.
    Hinzu kommt, dass die Inflation hier natürlich gnadenlos zuschlagen kann. Der Staat freut sich und geht wahrscheinlich davon aus, dass ein großer Teil die Vorabzahlungen bei der Veräußerung nicht mehr nachweisen kann.
    Sehe ich es richtig, dass sich oberhalb des Freibetrages Thesaurierer nun mehr lohnen?

    • Walter 13. Februar 2017, 21:00

      Ich glaube dass das einfacher geht als befürchtet. Wenn man sieht, für wie viele Werte schon heutzutage historische Kursdaten von vor 10 Jahren abgerufen werden können, gehe ich davon aus, dass das in Zukunft auch so sein wird und für depotführende Banken ohnehin beherrschte Technik ist. Weiterhin sind ja nur jeweils Jahresanfangs- und -endkurse als steuerrelevante Information zu sichern. Kaufkurs und -zeitpunkt mußte ja ohnehin schon immer gespeichert werden.

      Selbiges gilt sicher auch für diesen Basisertragswert-Zins, der für die jährliche Vorabpauschale herangezogen werden muß. Auch hierfür lässt sich problemlos die Zeitreihe in Datenbanken festhalten.

      Daraus lässt sich m.E. relativ bequem und vollautomatisch eine langjährige Historie an Pauschalen zusammenrechnen und z.B. über die Verkaufsabrechnung als Beilange anhängen.

      Vermutlich werden auch die großen Portale (onvista, ariva, börse.de etc.) solche Rechner früher oder später anbieten. Das Berechnungsverfahren ist ja nicht gerade kompliziert.

      Zu guter letzt: Nichts ist so stetig wie der Wandel – auch in der Steuergesetzgebung. Ich wage zu bezweifeln, dass diese Besteuerung 50 Jahre lang hält 😉

  • Martin 13. Februar 2017, 23:21

    Hallo.
    Zwei Anmerkungen/Fragen:
    1. Ist in Szenario 4 der Basisertrag nicht 53,90€? Im weiteren Verlauf rechnest Du mit nur 50€.

    2. Du schreibst bei den Vor- und Nachteilen: “Dafür ist es in Zukunft unerheblich, ob sich das Fondsdomizil im Inland oder Ausland befindet.”
    Ist dies wirklich so? Nach meinem Verständnis ist die ausländische Quellensteuer nicht mehr von der Abgeltungsteuer abziehbar. Hier entsteht doch ein Nachteil bei Fondsdomizil im Ausland.

    Beste Grüße
    Martin

    • Walter 14. Februar 2017, 21:18

      1.) nein – im Szenario 4 ist der Wertzuwachs nur 50 EUR – daher wird der Basisertrag wenn er sich höher errechnet als der Wertzuwachs beim Wertzuwachs “abgeschnitten” – du würdest ja sonst Steuer auf nicht erfolgten Wertzuwachs bezahlen. So gierig ist der Staat dann doch nicht^^

      2.) Ein z.B. irischer Fonds kauft US-Aktien und lässt sich Quellensteuer gemäß Doppelbesteuerungsabkommen Irland USA rückerstatten.
      Ein deutscher Fonds lässt sich Quellensteuer gemäß DBA D USA rückerstatten.
      Beide leiten diese Erstattung nicht an dich als Anleger weiter.
      Wo ist der Nachteil für ausländische Fonds?

      Vermutlich werden die Fondsanbieter solche Rückzahlungen zur Kostensenkung oder Verbesserung des Trackingfehlers nutzen.

  • Foreness 14. Februar 2017, 10:10

    Hallo,
    ich habe das alles noch nicht vollständig verstanden, daher stelle ich meine Fragen mal so ein, wie sich mir nach wie vor stellen:
    – Ich habe eine ausschüttenden ETF: Für diesen muss ich ab 2018 in der Steuererklärung nichts angeben, da die Ausschüttungen von der Depotbank, sofern über Steuerfreibetrag, versteuert werden?!
    – Ich habe einen ausländischen “swappenden” thesaurierenden ETF: Dieser generiert lt. Bundesanzeiger seit Beginn keine ausschüttungsgleichen Erträge d.h. auch hier muss ich zukünftig nichts in der Steuererklärung angeben?!

    Grüße

    Foreness

    • Walter 14. Februar 2017, 21:28

      Lies dir diesen Beitrag nochmal in Ruhe durch. Du gehst gerade davon aus, dass sich nach 2018 nichts gegenüber heute ändert^^
      – bei ausschüttende Fonds werden zum einen die Ausschüttungen besteuert – so wie heute auch schon, zum anderen der Wertzuwachs, sofern dieser zu errechnende Basisertrag größer ausfällt als die Ausschüttung selbst (–> Szenario 2)
      – ausschüttungsgleiche Erträge interessieren nicht mehr. Wenn der Swapper am Ende des Jahres Wertzuwachs aufweist, dann wird er genau so der Vorabpauschale unterworfen wie jeder replizierende Fonds auch. In diversen Foren “streitet” man sich noch drum ob die Swapper die Teilfreistellung erfahren oder nicht. Das muß man dann halt abwarten. Ich selbst gehe davon aus, dass auch solche Swapper die 30% Teilfreistellung zugeschrieben bekommen.

  • Swantje B. 14. Februar 2017, 12:37

    Hallo Holger,
    ich finde nicht, dass es durch die neue Besteuerung einfacher oder gerechter wird. Man sieht’s ja auch an den Kommentaren. Allerdings werde ich im Moment an meiner Investitionsstrategie nichts anpassen – ich denke, dass das Steuerrecht eine zu kurze Halbwertszeit hat um immer den aktuellen Regelungen hinterherzulaufen. Mal sehen, was sich in der Praxis ergibt, und ob sich mit der Zeit Veränderungsbedarf ergibt. Bei einer Neuausrichtung kann ich mir immer noch die dann aktuelle Steuersituation anschauen.

    Grundsätzlich fände ich es aus Sicht einer Langfristanlegerin gar nicht verkehrt, wenn auch Einnahmen aus Kapitalvermögen in Zukunft wieder mit dem persönlichen Steuersatz versteuert würden – wenn im Gegenzug die Spekulationsfrist wieder eingeführt würde. Derzeit besteuert der Staat mit dem heutigen Recht ja grade bei Langfristanlegern in hohem Maße “Inflationsgewinne” – und das wird sich auch mit der Änderung 2018 nicht verbessern.

    Liebe Grüße
    Swantje

    PS: Als Sprach-Connaisseurin (oder Connaisseuse?) fällt mir auf, dass die Aussage
    “In Zukunft müssen die Fondsgesellschaften also 15 Prozent ihrer Einnahmen aus Dividenden und Immobilien versteuern.” sprachlich falsch ist. Die 15% müssen nicht versteuert werden (dienen also nicht als Steuerbemessungsgrundlage), sondern die 15% sind die Steuerbelastung auf die entsprechenden Einnahmen.

  • Bankenmärchen 14. Februar 2017, 16:18

    Wirklich super Zusammenfassung. Persönlich finde ich, dass die Reform einiges vereinfacht und am richtigen Ende ansetzt. Natürlich ärgerlich, dass der Bestandsschutz für ältere Anlage nicht mehr greift. Nichts ist für die Ewigkeit! 🙂

  • Christian 15. Februar 2017, 18:23

    Hallo Holger,

    einen großen Dank für diesen wertvollen Beitrag und die tolle Arbeit an diesem nicht ganz intuitiven Thema!

    Ich freue mich schon ein wenig auf 2018, da ich schon länger auf eine 1-ETF Lösung mit dem SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66) schiele.

    Der ETF weist laut dem WPF Thread ( https://www.wertpapier-forum.de/topic/45254-steuerstatus-und-trackingdifferenzen-von-aktien-etfs-auf-standardindizes/ ) eine sehr gute TD auf.

    Nur leider war dieser ETF bisher steuerlich hässlich, was sich dann wohl 2018 ändern wird.

    Was haltest du von dieser Lösung?

    Beste Grüße und mach weiter so,
    Christian

  • Krzlprmpf 15. Februar 2017, 20:12

    Hallo Holger,

    entnehme ich Deinen Kommentaren (“einfach in die Steuererklärung eintragen”), dass man als Besitzer von Fondsanteilen, dann zukünftig verpflichtet ist, eine Steuererklärung abzugeben? Bislang bin ich das nicht und folglich gelten für mich andere Fristen.
    Oder wird die Besteuerung durch die Depotbank vorgenommen?

    Viele Grüße,
    Krzlprmpf

  • Sven 16. Februar 2017, 13:33

    Und, wer bastelt jetzt die allumfassende Excel-Tabelle für die ganzen Werte? 😀

  • T. 17. Februar 2017, 16:02

    Hallo Holger,
    Danke für Deine Mühe! Eine Frage: wie wird sich das Procedere Deiner Meinung nach ändern, wenn die Abgeltungssteuer wieder abgeschafft und durch die Besteuerung von Kapitalerträgen mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz ersetzt wird? Wir wissen ja und hören es ständig, dass alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien nach der nächsten Wahl ja genau dies tun wollen.

  • Edmund 17. Februar 2017, 19:00

    Hallo Holger,
    ich bin fassungslos: Will man ab 2018 tatsächlich die bisher nur bei ausländisch thesaurierenden Fonds bestehende Gefahr der Doppelbesteuerung mittels Vorabpauschale auf alle Fonds ausdehnen?
    Müssen jetzt alle Fondanleger über Jahrzehnte beweiskräftige Steuerunterlagen sammeln und an ihre Erben weitergeben?
    Und muss ich mich jährlich wegen kleiner Verkäufe im Rahmen des Rebalancings bei gleichzeitig teilweiser Gewinnentnahme zur Aufbesserung der Rente mit dem Finanzamt auseinandersetzen, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden?
    Vielen Dank für deine Arbeit! So katastrophal hatte ich die kommende Steuerreform gar nicht gesehen.
    Schöne Grüße
    Edmund

    • Edmund 19. Februar 2017, 01:20

      BVI: “Beim Verkauf der Fondsanteile verrechnen die depotführenden Stellen in Deutschland automatisch die bereits besteuerten Vorabpauschalen mit dem Veräußerungsgewinn, um eine Doppelbesteuerung beim Anleger zu vermeiden. Das ist vor allem für Anleger von ausländischen thesaurierenden Fonds eine starke Vereinfachung.”
      Meine Befürchtung scheint also unbegründet zu sein.

  • Matthias 18. Februar 2017, 14:08

    Hallo zusammen,

    das hört sich alles sehr kompliziert an. Ich habe daher eine einfache Frage, die ihr vielleicht mit einem einfachen ja oder nein beantworten könnt:

    Ich habe ausschließlich ausschüttende ETFs mit Fondsdomizil Deutschland. Diese sind bisher steuereinfach. Meine Depotbank führt die Steuer automatisch ab, ich muss bisher in der Steuererklärung keine Angaben machen.

    Frage:
    Bleibt es ab 2018 dabei, dass die Depotbank in diesem Szenario alles für mich erledigt?

    Ich danke euch für eine kurze Antwort.

    • Holger Grethe 18. Februar 2017, 14:25

      Deine Depotbank wird die Abgeltungssteuer weiterhin abführen. Sowohl auf die Ausschüttungen als auch auf die etwaig anfallende Vorabpauschale (wenn die Ausschüttung eines ETFs niedriger ausfällt als der Basisertrag).

  • Matthias 18. Februar 2017, 14:59

    Danke, Holger!
    Dann mache ich einfach weiter wie bisher und überlasse alles, was kompliziert ist, den Profis. 🙂

  • Andreas 19. Februar 2017, 09:43

    Lieber Holger,

    sehr schöner Artikel.

    ABER: Bitte schreibe die Zeile
    50€ * 0,7 = 35€ – 10€ = 25€ * 26,38% = 6,60€
    NEU!
    als
    50€ * 0,7 = 35€
    35€ – 10€ = 25€
    25€ * 26,38% = 6,60€
    Es ist sonst leider mathematisch falsch.

    Liebe Grüße

  • Philipp 19. Februar 2017, 10:20

    Vielen Dank für dein Beitrag!

    Ich habe eine Frage zu sparplänen… wie erfolgt hier die Besteuerung da man ja die Werte von Jahres Anfang nehmen muss? Oder wird in dem Fall der Kaufwert genommen? Dann hat man jedes Jahr mindestens 12 Kaufwerte pro Jahr. Bei 3 etf 36… wird nach 10 Jahren sehr unübersichtlich oder?

    • Swantje B. 20. Februar 2017, 19:34

      Hallo Philipp,
      die Höhe der Pauschale pro Fondsanteil berechnet sich nur(!) nach dem Rücknahmepreis des Anteils zu Jahresbeginn. Deine tatsächlichen, individuellen Kaufkurse sind irrelevant. (§ 18 Abs. 1 Satz 2 InvStG).

      Gleichzeitig gilt: “Im Jahr des Erwerbs der Investmentanteile vermindert sich die Vorabpauschale um ein Zwölftel für jeden vollen Monat, der dem Monat des Erwerbs vorangeht.” (§ 18 Abs. 2 InvStG).

      (Um es nicht noch komplizierter zu machen, habe ich hier Basisertrag und Vorabpauschale gleichgesetzt, “in Echt” müsste man sich ggf. noch die Höhe der Ausschüttung und den Kursverlauf insgesamt (Gewinn auf Jahressicht?) ansehen)

      Bei einem Sparplan müsste sich das so auswirken: Beispiel:
      Du hast am 1.1. schon 500 Fondsanteile. Dann kaufst du jeden Monat jeweils zum 15. noch 3 Fondsanteile dazu. Am Jahresende hast du also 536 Fondsanteile.

      Die aus dem Rücknahmepreis vom 1.1. berechnete Vorabpauschale sei 0,12 € je Anteil. Dann beträgt die Vorabpauschale insgesamt:

      500 am 1.1. vorhandene Anteile x 0,12 € = 60,00 €
      + 3 im Januar gekaufte Anteile x 0,12 € x 12/12 = 0,36 €
      + 3 im Februar gekaufte Anteile x 0,12 € x 11/12 = 0,33 €
      + 3 im März gekaufte Anteile x 0,12 € x 10/12 = 0,30 €
      … usw.
      + 3 im November gekaufte Anteile x 0,12 € x 2/12 = 0,06 €
      + 3 im Dezember gekaufte Anteile x 0,12 € x 1/12 = 0,03 €

      Das sind dann in Summe 62,34€.

      Unübersichtlich? Durchaus. Viel Spaß beim Nachrechnen, wenn du die von deiner Depotbank angesetzte Vorabpauschale überprüfen möchtest – insbesondere, wenn nicht alles so schön durch 12 teilbar ist und/oder du in den einzelnen Monaten unterschiedlich viele Anteile oder gar Bruchteile von Anteilen kaufst (cost average, und so).

      Liebe Grüße
      Swantje

  • SeBo 19. Februar 2017, 11:11

    Hallo,

    im Prinzip sehe ich das so wie du: Zum Thema Steuern nicht soviel jammern, sondenr stoisch so weiter machen wie gehabt.

    Was mir allerdings nicht aus dem Kopf gehen will ist, dass bei der neuen Besteuerung scheinbar eine bisher fuer mich unbekannte Dimension dazukommt. Bisher habe ich es so verstanden, dass Aktien ein Sachwert sind. Und auch ueber Fonds war ich in der Lage an den Wertsteigerungen dieser Sachwerte zu profitieren. Ich stelle mir das noch ganz altmodisch vor. Ohne Online-Depot, sondern sicher zuhause im Safe verwahrt. Eben ein echter Sachwert, nicht viel anders als wuerde ich ein Stueck Gold bei mir zuhause aufbewahren.\

    Nun ist diese neue Form der Besteuerung aber nach meinem Eindruck so zu verstehen, als muesste ich fuer Sachwerte (vielleicht auch in Zukunft das Stueck Gold, welches einfach nur zuhause vor sich hinliegt), einmal pro Jahr verkaufen und wieder neu kaufen. Und damit Steuern auf Gewinne bezahlen, die bisher nur in der Theorie entstanden sind. Nur weil der ”Markt” naechstes Jahr einen hoeheren Preis fuer einen Sachwert bezahlt, waere man daher gezwungen Steuern darauf zu bezahlen und je nach Hoehe des Werts gegenenfalls sogar Anteile des Sachwerts zu verkaufen, damit die Steuern beglichen werden koennen. Ich bezahle gerne Steuern und am liebsten moeglichst unkompliziert. Aber hier ist mir der Staat in der Art der Besteuerung (nicht in der Hoehe) doch etwas zu uebergriffig geworden.

    Das macht aus meiner Sicht das direkte Halten von Aktien ein Stueck weit attraktiver, zumindest fuer Buy-And-Hold Anleger. Auch wenn damit leider die Vorteile der breiten Streuung total abhanden kommen wuerden.

    Gruss,
    SeBo

    • Holger Grethe 19. Februar 2017, 11:21

      Hallo Sebo,

      wie im Text zitiert, geht es dem BMF um folgendes:

      “Diese pauschale Bemessungsgrundlage tritt im neuen System an die Stelle der bisherigen ausschüttungsgleichen Erträge. Ohne die Einführung der Vorabpauschale könnten Investmentfonds als Steuerstundungsmodelle genutzt werden.

      Während ein Steuerpflichtiger, der direkt in Aktien und verzinsliche Wertpapiere oder in Immobilien investiert, jedes Jahr die ihm zufließenden Dividenden, Zinsen, Mieten und Pachten versteuern muss, könnte man mithilfe von Investmentfonds die Besteuerung zeitlich unbegrenzt vermeiden.”

      Ein Anleger, der direkt in Aktien investiert, muss seine Dividendenausschüttungen laufend versteuern (per Abgeltungssteuer).

      Ein Anleger, der in einen thesaurierenden Fonds investiert, musste bisher “ausschüttungsgleiche Erträge” versteuern. Das fällt nun weg, dafür gibt es die Vorabpauschale.

      Ich bin ja auch ein Freund davon, dass alles möglichst einfach ist. Aber Steuersysteme sind nun mal nicht trivial.

      Verglichen mit dem bürokratischen Aufwand von (direkten) Immobilien-Investments dürfte jedes ETF-Depot ein Klacks sein. Steuer-Reform hin oder her …

  • ETF-Anleger39 20. Februar 2017, 19:38

    Die gezeigten Fallbeispiele sind sehr einfach gehalten. Wie sieht die Besteuerung aus, wenn ETF-Anteile während des Jahres zugekauft oder verkauft werden. Mir scheint, dass weder die Bank, noch der Kunde noch die Sachbearbeiter beim Finanzamt oder auch die Steuerberater in der Lage sind, eine richtige und gerechte Besteuerung vorzunehmen. Da der jährliche Wertzuwachs besteuert wird (ein Verlust nicht berücksichtigt wird) und der gesamte Wertzuwachs bei Verkauf der Anteile nochmals besteuert wird, findet doch wieder eine Mehrfachbesteuerung statt!!!

  • Lena 22. Februar 2017, 08:52

    Hallo Holger,
    vielen Dank für den super Artikel.
    Eine ganz praktische Frage: Was ändert sich ab 2018 beim Ausfüllen meiner Steuererklärung hinsichtlich ETFs?
    Ich muss weiterhin die Werte aus meiner Steuerbescheinigung in die Anlage KAP eintragen, oder? Muss ich etwas selbst berechnen?
    An- und Verkaufsbelege sowie alte Steuererklärungen (KAP-Anlagen) sollte ich für etwaige Unklarheiten bei Verkauf aufheben, aber ich habe nicht mehr die konkrete Nachweispflicht für ausländisch thesaurierende ETFs hinsichtlich Doppelbesteuerung?

    Über die Beantwortung der Frage würde ich mich sehr freuen und beste Grüße.

    • Holger Grethe 22. Februar 2017, 14:25

      Hallo Lena,

      ich gehe davon aus, dass sich die Anlage KAP zum Jahr 2018 bzw. 2019 etwas ändert. Selbst rechnen wirst du vermutlich nur müssen, wenn du die Angaben deiner Depotbank überprüfen willst.

      Die Nachweispflicht für die ausländischen Thesaurierer hast du weiterhin für die Jahre vor 2018.

  • Edmund 23. Februar 2017, 18:49

    Hallo Holger,
    in deinen Berechnungen vergleichst du die Vorabpauschale NACH Teilfreistellung mit den Ausschüttungen VOR Teilfreistellung. Ist das wirklich so gemeint?
    Müssen nicht beide Werte miteinander verglichen werden bevor die Teilfreistellung anschließend auch auf beide Werte angewendet wird?
    Im Szenario 2 wird der Unterschied am deutlichsten. Ich komme auf eine Steuerbelastung von 14,22 € im Gegensatz zu 10,25 € bei dir.

  • Arno Wittwer 24. Februar 2017, 12:49

    Hallo Holger, ganz herzlichen Dank für deine wunderbar einfache Darstellung der neuen
    Besteuerung ab 2018. Deinen Rat, das Ganze gelassen anzugehen, werde ich befolgen, weil ich das immer tue. Und, wie geschrieben, die Änderung bringt ja auch einige Vorteile mit sich. Nochmals vielen Dank und ein schönes Wochenende.
    Arno

    • Holger Grethe 24. Februar 2017, 14:24

      Vielen Dank, Arno!

  • Matthias 26. Februar 2017, 12:22

    Hallo Holger, hallo zusammen,

    der Begriff “Vorabpauschale” ist an sich schon für manche Anleger eine Fehlbezeichnung, denn es soll ja auch Anleger geben, die ETF-Anteile kaufen, um sie nie wieder zu verkaufen. Für diese Anleger ist jede gezahlte “Vorabpauschale” eine zusätzliche Steuer, da die Abgeltungssteuer auf die Erträge ja sowieso greift. Wenn ich dein erstes Beispiel richtig verstehe, Holger, dann kann die “Vorabpauschale” nur dann vergleichsweise sicher (nicht immer) vermieden werden, indem man ETFs wählt, die eine möglichst hohe Ausschüttungsquote (Dividendenrendite) haben.

    Sehe ich das richtig?

    Danke,
    Matthias

  • Max 28. Februar 2017, 23:15

    Ich halte das ganze für gar nicht so schlimm.

    Soweit ich das verstanden habe:
    Es wird ein Basisertrag auf Basis eines festgelegten Basiszinssatzes bestimmt, der in etwa 0,14% des Anlagebetrages ausmacht.
    Dieser Basisertrag stellt die Höchstgrenze der Besteuerung des Buchgewinnes dar. Hat man weniger Buchgewinne erwirtschaftet, fällt auch die steuerliche Belastung geringer aus.

    Ausführliche Erklärung nach meinem Verständnis:

    Der Basiszins (aktuell 1,1%) wird um 2 Faktoren gemindert. Zuerst um 30% zur Berücksichtigung des Kostenanteils, also die Verwaltungsgebühr bei Fonds. Damit landet man bei 0,77%.
    Als zweites wird noch die Teilfreistellung von 30% bei Aktienfonds (oder 15% bei Mischfonds) reingerechnet, sodass die Belastung noch einmal um 30% sinkt.
    Der Basisertrag ergibt sich also zu 1,1%*0,7*0,7=0,539% des Anlagebetrages zu Beginn eines Kalenderjahres.

    Auf den so bestimmten Basisertrag werden dann Steuern erhoben (inkl Solidaritätszuschlag) iHv 26,38%.

    0,011*0,7*0,7*0,2638=0,00142188 ergibt 0,142% Steuern auf den Alagebetrag.

    Daraus folgt einfach zusammengefasst:

    – Eventuelle Ausschüttungen werden um eine Teilfreistellung je nach Fonds-Art vermindert und dann normal besteuert.

    – Es wird ein Basisertrag berechnet, den man beispielsweise mit einer alternativen Anlageform erwirtschaften könnte. Die Annahme ist, dass man auch an der Börse ähnliche Gewinne verzeichnen kann und davon will sich Vater Staat schon mal etwas abzwacken.
    Dafür wird der Basisertrag dann eben besteuert

    – Ist der tatsächliche Buchwertgewinn geringer als der berechnete Basisertrag, wird nur der Buchwertgewinn versteuert, da dieser eine Obergrenze für den Basisertrag darstellt

    – Je nach dem, ob der Basisertrag oder der Buchwert geringer ist, wird dieser Wert dann noch um die Höhe der Ausschüttung gemindert, da diese ja schon versteuert worden ist.

    – Die gesamte steuerliche Belastung beläuft sich also auf:

    Ausschüttung*0,7*0,2638 + (min{Basisertrag ; Buchwertgewinn} – Ausschüttung)*0,2638

    Es gibt also 3 Fälle:
    1) Bei einer Ausschüttung größer als Basisertrag/Buchwertgewinn ändert sich nichts an der Besteuerung und man zahlt die 26,38% wie heute auch.
    2) Ist die Ausschüttung geringer, so liegt die steuerliche Gesamtbelastung irgendwo zwischen 0,142% und 26,38%, je nach Verhältnis. Dabei ist die Ausschüttung mit 26%*0,7 besteuert und der Gewinn (gemindert um die Ausschüttung) mit 0,142%.
    3) Und gibt es gar keine Auszahlung, ist die Gesamtbelastung auf 0,142% gedeckelt.

  • Markus 1. März 2017, 09:57

    Hallo,
    vielen Dank ersteinmal für die übersichtliche Darstellung.
    Angenommen ich habe:
    – einen ausländischen “swappenden” thesaurierenden ETF, der lt. Bundesanzeiger seit Beginn ausschüttungsgleichen Erträge erzielt (steuereinfach)
    – Meinen Sparerfreibetrag nicht ausgenutzt.
    –> Aktuell verschenke ich sozusagen den nicht ausgenutzten Sparerfreibetrag, da ich ja keine Steuern auf die wiederangelegten Ausschüttungen zahle und dann erst beim Verkauf auf den gesamten Gewinn Abgeltungssteuer zahlen muss.

    Wenn ich nun den Artikel richtig verstanden habe entsteht 2018 dann folgende Situation:
    – der ausländischen “swappenden” thesaurierenden ETF wird per Vorabpauschale besteuert, sofern eine Wertsteigerung vorliegt
    – diese Vorabapauschale wird mit meinem Sparerfreibetrag verrechnet. Sofern ich diesen nicht überschreite muss ich keine Abgeltungssteuer zahlen.
    Kann ich nun aber im Falle eines Verkaufs diese nicht bezahlten Steuern, die mit meinem Sparerfreibetrag verechnet wurden, mit der dann anfallenden Abgeltungssteuer verechnen und diese entsprechend senken? Wenn ja hätte man mit der neuen Regelung ja den Vorteil, dass man den Sparerfreibetrag auch mit steuereinfachen ausländischen “swappenden” thesaurierenden ETF nutzen kann. Dies ist ja aktuell nicht möglich.

    Grüße, Markus

    • Markus 1. März 2017, 09:59

      ich meinte natürlich KEINE ausschüttungsgleiche Erträge lt. Bundesanzeiger erzielt.

    • Miyako 12. März 2017, 14:22

      Das würde mich auch sehr interessieren. Leider konnte ich bisher nirgends eine Antwort finden.

  • Nik 9. März 2017, 12:36

    Hallo

    Stimmt die Berechnung wirklich im Artikel: Wird die Ausschüttung mit dem Basisertrag verglichen?
    In Szenario 1
    Ausschüttung Euro 200 = vor Teilfreistellung
    Basisertrag EUR 53.90 = nach Teilfreistellung

    Müsste nicht die “Ausschüttung nach Teilfreistellung=140E” mit dem “Basisertrag nach Teilfreistellung=53.90” verglichen werden?
    Besten Dank und Gruss

  • Thiel 13. März 2017, 16:21

    Hallo Holger,

    Deine Mathe-Fehler sind immer noch nicht korrigiert.

    10.000€ * 1,1% * 0,7 = 77€ * 0,7 = 53,90€
    und
    50€ * 0,7 = 35€ – 10€ = 25€ * 26,38% = 6,60€

    Peinlich.

    Viele Grüße
    Andreas.

    • Holger Grethe 13. März 2017, 17:43

      Wirst du jetzt wöchentlich kontrollieren, ob ich deine Mathe-Hausaufgaben gemacht habe? 😉

  • Pete 17. März 2017, 08:27

    Hallo Holger,

    vielen Dank für Deinen übersichtlich strukturierten und an konkreten Beispielen durchgespielten Beitrag im Kontext der geplanten steuerlichen Veränderungen bei ETFs ab 2018.
    Für meine Tochter habe ich seit ihrer Geburt ein auf ETF basierendes Weltdepot aufgestellt. Aufgrund des Niedrigzinsniveaus (und nicht möglichen Anlage für Minderjährige bei Weltsparen) habe ich zwischenzeitlich peu a peu ausschüttende steuereinfache ETFs von iShares ins Depot gelegt, um den Steuerfreibetrag unterjährig auszuschöpfen (bei der Anlage mit buy and hold sind keine Verkäufe geplant, die wiederum den Freibetrag in Anspruch nehmen würden)
    Was ist Deine Empfehlung im Kontext der sich verändernden steuerlichen Rahmenbedingungen ab 2018, um den Steuerfreibetrag optimal zu nutzen?
    Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

    Beste Grüsse, Pete

  • HeikoA 26. März 2017, 11:43

    Hallo Holger,

    vielen Dank für den tollen Beitrag! Wahnsinn wieviel Mühe du dir da gemacht hast, super!!!

    Ich habe eine Verständnisfrage für mich als ausländischen Thesaurierer:

    In Beispiel drei errechnest du bei einem Fondsvolumen von 10000 € eine Steuerlast von 53,90€, richtig? Bei einem Freibetrag für Verheiratete von 1602.00 € fallen demnach keine Steuern an? Wenn ich das hochrechne würden Steuern erst bei 297217,07 € fällig:

    297217,07 * 1,1% * 0,7 = 2288,57 €

    2288,57 * 0,7 (Teilfreistellung) = 1602,00 €

    Habe ich da einen Denkfehler oder passt das so???

    Viele Grüße
    HeikoA

  • Poldi 26. März 2017, 22:45

    Du schreibst folgendes “Das Bundesfinanzministeriuem (BMF) stellt diesbezüglich klar:

    Während der Haltedauer beim Anleger versteuerte Vorabpauschalen werden vom Veräußerungs- beziehungsweise Rückgabegewinn im Rahmen der Schlussbesteuerung abgezogen.

    Klingt einerseits nach einem fairen Deal.

    Andererseits aber auch danach, als läge die Beweislast für bereits versteuerte Vorabpauschalen beim Anleger.

    Womit es sich wohl auch in Zukunft empfiehlt, Steuererklärungen langfristig aufzuheben.”

    Meine Frage: Ich lasse meine Steuererklärung beim Steureberater machen. Muss ich selber aktiv werden, wenn ich einen ETF in Zukunft verkaufe (du hast geschrieben “die Beweislast liegt beim Anleger”) oder regelt das mein Broker selber. Beispiel: ich habe einen ETF für 10k gekauft und 5 Jahre später (und nach etlichen up and downs) habe ich eine Vorabpauschale von ca. 200€ bezahlt. Ich verkaufe den ETF dann bei 9700 also mit 300€ Verlust. Was passiert dann? Dann müsste ich die 200€ wieder bekommen oder nicht? Muss ich dafür aktiv werden oder geschieht das automatisch? Ich bin echt verunsichert, da meine Kinder ETF-Sparpläne haben und ich auch 80% in ETf´s investiere.

  • Stefan 27. März 2017, 10:48

    Hallo Holger,
    danke für die Analyse.
    Ich gehöre dann doch zu der meckernden Fraktion. Ist hier eventuell schon eine gerichtliche Überprüfung im Gange?

    Vielleicht habe ich es auch noch nicht ganz verstanden. Zum einen werden Buchgewinne versteuert, demzufolge ja Steuern dann aus anderen Barmitteln gezahlt warden müssten. Das ware dann aus meiner Sicht vergleichbar mit einer Vermögenssteuer, die auf den reinen Besitz abzielt. Zweitens Verluste warden nicht berücksichtigt? Das ware dann einmalig in der Steuergesetzgebung, bei Immobillien werden Verluste berücksichtigt, bei Aktien werden Verluste mit Gewinnen verrechnet und zwar nur auf realisierte. Wenn mich nicht alles täuscht ist hier auch ein Verlustvortrag oder Nachtrag möglich. Die Liste ließe sich wahrscheinlich noch fortsetzen,sind aber nur die Beispiele von denen ich selber welche im Protfolio habe.

    Gruß Stefan

102 Shares
Teilen84
Twittern18

FINDE DIE BESTEN ETFs

Hol dir die Checkliste mit den 3 wichtigsten Kriterien zur ETF-Auswahl - direkt in deinen Posteingang