Geldanlage

Vermögen nach Alter im Vergleich: Wie viel Geld besitzt man mit 30, 40 oder 50?

Letzte Aktualisierung
16. Feb. 2026

In Deutschland wird selten offen über Geld gesprochen. Dadurch fällt es vielen schwer, die eigene finanzielle Lage realistisch einzuschätzen. Ohne echte Vergleichswerte entstehen Unsicherheit oder verzerrte Erwartungen – nicht zuletzt durch das, was man in sozialen Medien sieht. Doch wie viel Geld ist eigentlich „normal“?

Wir brechen das Tabu rund um Einkommen und Vermögen und liefern euch auf Basis aktueller Daten des IW Köln (Stand: Februar 2025) eine sachliche Orientierung für jede Altersgruppe.

Wir zeigen euch, wo die „echte“ Mitte der Gesellschaft liegt, warum der klassische Durchschnitt oft in die Irre führt – und wie ihr aus dieser Einordnung konkrete Schritte für euren Vermögensaufbau ableitet.

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Das Wichtigste in Kürze
  • Orientiert euch beim Vergleich eurer finanziellen Situation stets am Median statt am Durchschnitt. Dieser Wert zeigt die ehrliche Mitte der Gesellschaft und wird nicht durch das extreme Vermögen einiger Superreicher verzerrt.

  • Das höchste Nettovermögen besitzen deutsche Haushalte statistisch gesehen kurz vor der Rente. In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen liegt der Medianwert laut aktuellen Daten bei rund 241.100 €.

  • Jüngere Haushalte unter 35 Jahren bauen heute messbar schneller Vermögen auf als früher. Durch den verstärkten Fokus auf ETFs ist ihr reales Medianvermögen seit 2014 inflationsbereinigt um etwa 34 % gestiegen.

  • Ein hohes Gehalt hilft natürlich – entscheidend ist jedoch, was ihr daraus macht. Mit automatisierten Sparraten und Regeln wie der 50/30/20-Methode baut ihr auch mit kleinerem Einkommen Schritt für Schritt Vermögen auf.

Vermögen ist mehr als nur der Kontostand

Wenn ihr wissen wollt, wie reich ihr wirklich seid, reicht ein Blick in die Banking-App meist nicht aus. Denn Reichtum misst sich nicht an der Zahl, die am Monatsende auf eurem Girokonto steht, sondern an eurem Nettovermögen.

Das Nettovermögen ist eure finanzielle Bilanz. Es zeigt, was übrig bliebe, wenn ihr heute alles, was ihr besitzt, zu Geld machen und gleichzeitig all eure Schulden begleichen würdet. Die Formel dafür ist simpel:

Nettovermögen = Bruttovermögen – Schulden

Um die Formel anzuwenden, solltet ihr wissen, was zu eurem Bruttovermögen und was zu euren Schulden zählt:

Zum Bruttovermögen gehören:

Zu den Schulden gehören:

  • Kontostand

  • Immobilienkredite

  • der aktuelle Wert eures Depots

  • Autokredite

  • Immobilien

  • Disposchulden

  • Kfz

  • Studienkredit

  • Edelmetalle

  • offene Ratenzahlungen

  • Wertgegenstände (Kunst, Schmuck etc.)

  • sonstige Verbindlichkeiten

So viel besitzen die Deutschen (2025)

Wenn wir über Vermögen sprechen, landen wir oft bei zwei Extremen: Entweder wir hören von Multimilliardären oder von der Angst vor Altersarmut. Doch wo liegt eigentlich die „echte“ Mitte der Gesellschaft?

Um das herauszufinden, schauen wir nicht auf den Durchschnitt. Der Durchschnitt ist mathematisch oft irreführend, weil ein einziger Milliardär den Wert für tausende Normalverdiener nach oben zieht. Wir nutzen stattdessen den Median.

Median: Die ehrliche Mitte der Gesellschaft

Stellt euch vor, alle Haushalte in Deutschland würden sich der Reihe nach nach ihrem Vermögen aufstellen. Der Haushalt, der genau in der Mitte dieser Schlange steht, besitzt den Medianwert. Das bedeutet: Exakt die Hälfte der deutschen Haushalte besitzt mehr als diesen Betrag, die andere Hälfte besitzt weniger.

Das Median-Nettovermögen nach Altersgruppen

Hier seht ihr, wie viel Nettovermögen ein typischer Haushalt in der jeweiligen Altersklasse besitzt. Die Daten kommen vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), die Berechnungen basieren auf der PHF-Studie der Deutschen Bundesbank:

Lebensphase

Alter

Median-Nettovermögen

Ausbildung & Studium

16–24 Jahre

~ 1.000 €

Berufsstart & Orientierung

25-34 Jahre

17.300 €

Aufbaujahre (Familie/Wohnen)

35–44 Jahre

75.500 €

Etablierte Berufsjahre

45–54 Jahre

146.200 €

Vorbereitung auf den Ruhestand

55–64 Jahre

241.100 €

Erste Rentenjahre

65–74 Jahre

193.300 €

Fortgeschrittener Ruhestand

ab 75 Jahren

172.500 €

Damit ihr diese Zahlen richtig für euch einordnen könnt, müsst ihr wissen, wer hier eigentlich mit wem verglichen wird. Die Statistik betrachtet Haushaltsvermögen – also keine Einzelpersonen, sondern Haushalte, die im Durchschnitt aus zwei Personen bestehen.

Das bedeutet: Die 75.500 € in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen sind oft das gemeinsame Vermögen eines Paares. Lebt ihr allein, liegt euer persönlicher Vergleichswert tendenziell niedriger.

Wichtig zu wissen ist, was nicht in der Tabelle steht: Gesetzliche Rentenansprüche oder berufsständische Versorgungen (z. B. für Ärzte oder Anwälte) werden hier nicht mitgerechnet. Viele Haushalte haben also eine „unsichtbare“ Absicherung für das Alter, die in diesen Vermögenswerten gar nicht auftaucht.

Wieviel Vermögen habt ihr im Vergleich?

Die interaktive Grafik hilft euch dabei, euer eigenes Nettovermögen präzise einzuordnen. Während der Median (die 50 %-Marke) euch nur zeigt, wo die Mitte liegt, verraten euch die Perzentile, wie groß der Abstand zur finanziellen „Spitze“ in eurer Altersgruppe wirklich ist.

So findet ihr euch in der Grafik zurecht:

  • Die X-Achse (unten): Sucht hier eure aktuelle Altersgruppe. Ganz rechts seht ihr zum Vergleich den Wert für alle deutschen Haushalte zusammen („Gesamt“).

  • Die Y-Achse (links): Hier könnt ihr den Wert eures Nettovermögens in Euro ablesen.

  • Der hellblaue Balken (50 %-Perzentil): Das ist der Median. Wenn euer Haushalt hier liegt, seid ihr genau in der Mitte eurer Altersklasse.

  • Der dunkelrote Balken (90 %-Perzentil): Das ist euer „Eintrittsticket“ zu den wohlhabendsten 10 % eurer Altersgruppe.

Ein konkretes Beispiel für euch: Schaut euch die Gruppe der 35- bis 44-Jährigen an. Die Mitte (Median) liegt hier bei 75.500 €. Um aber zu den reichsten 10 % dieser Altersgruppe zu gehören, benötigt euer Haushalt bereits 583.100 €. Ihr seht also: Der Abstand zwischen der breiten Mitte und der Spitze ist in Deutschland gewaltig.

Bei den „unter 35-Jährigen“ seht ihr ganz links einen kleinen blauen Balken, der unter die Null-Linie rutscht (–300 €). Das sind Haushalte, die am Anfang ihres Weges stehen und oft durch Studienkredite oder erste Anschaffungen mehr Schulden als Vermögen haben.

Erst in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen knackt das 90 %-Perzentil die Millionengrenze (1.061.200 €). Wer in diesem Alter also über eine Million Euro besitzt, gehört offiziell zu den reichsten 10 % in ganz Deutschland.

Perzentil: Euer Rangplatz in der Gesellschaft

Bleiben wir beim Bild der Schlange aus 100 Haushalten: Der Median markiert genau die Mitte (Platz 50). Die Perzentile sind die Markierungen, die die gesamte Schlange in 10 %-Schritte unterteilen.

  • 10 %-Perzentil: Ihr steht an 10. Stelle. 9 Haushalte sind hinter euch, 90 noch vor euch.

  • 50 %-Perzentil: Das ist der Median – ihr steht genau in der Mitte.

  • 90 %-Perzentil: Ihr steht an 90. Stelle. Nur noch 10 Haushalte in der Schlange besitzen mehr als ihr.

Der Gini-Koeffizient: Ein Maß für die Ungleichheit

Um die Verteilung von Vermögen mathematisch zu beschreiben, nutzen Ökonomen den sogenannten Gini-Koeffizienten. Er ist eine Kennzahl, die auf einer Skala zwischen 0 und 1 angibt, wie gleich oder ungleich ein Gut (in diesem Fall das Nettovermögen) verteilt ist:

  • 0 steht für eine absolute Gleichverteilung (jeder besitzt exakt gleich viel).

  • 1 beschreibt die maximale Ungleichheit (einer Person gehört alles, alle anderen besitzen nichts).

Je höher der Wert, desto stärker klafft die Schere zwischen den kleinsten und größten Vermögen in einer Gruppe auseinander.

Die Daten des IW Köln zeigen, dass die Vermögensungleichheit in Deutschland kein statischer Wert ist, sondern sich mit zunehmendem Alter der betrachteten Gruppen deutlich verändert:

Altersgruppe

Gini-Koeffizient

unter 35 J.

0,83

35–44 J.

0,77

45–54 J.

0,73

55–64 J.

0,63

65–74 J.

0,69

ab 75 J.

0,72

Datenquelle: IW Köln/ Bundesbank (PHF-Studie 2023/2025)

Dass der Gini-Koeffizient bei den unter 35-Jährigen mit einem Wert von 0,83 seinen Höchststand erreicht, lässt sich vor allem auf die stark variierenden Startbedingungen zurückführen. In dieser frühen Lebensphase hattet ihr in der Regel noch nicht die Zeit, durch eigene Erwerbsarbeit ein nennenswertes Vermögen aufzubauen.

Die Verteilung wird daher maßgeblich von äußeren Faktoren wie Erbschaften, Schenkungen oder finanzieller Unterstützung durch das Elternhaus geprägt. Während ein Teil eurer Altersgruppe mit Verbindlichkeiten wie Studienkrediten startet, verfügen andere bereits über ein signifikantes Startkapital.

Mit zunehmendem Alter könnt ihr jedoch beobachten, wie dieser Wert kontinuierlich bis auf 0,63 in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen sinkt. Dieser Prozess der Nivellierung entsteht dadurch, dass immer mehr Haushalte über die Jahrzehnte hinweg durch regelmäßiges Einkommen, disziplinierte Sparraten und gezielte Investitionen eigene Rücklagen bilden. Die breite Mitte der Gesellschaft holt finanziell auf, wodurch die extreme Ungleichheit der Startphase schrittweise reduziert wird.

Erst ab einem Alter von 65 Jahren steigt der Koeffizient wieder leicht an. Das liegt daran, dass Haushalte ihr Erspartes im Ruhestand unterschiedlich schnell verbrauchen oder Teile ihres Vermögens bereits an die nächste Generation weitergeben.

Häufige Fehler beim Vermögensvergleich

Beim Vergleichen des eigenen Vermögens mit statistischen Werten oder dem Umfeld lauern einige psychologische und methodische Stolperfallen und verzerren eure Vermögenseinordnung:

  • Influencer-Vergleich
    Orientiert euch nicht an extremen Erfolgsgeschichten in sozialen Medien, sondern an realen Median-Daten. Die „echte Mitte“ der unter 35-Jährigen besitzt 17.300 € – nicht die erste Million.

  • Konsum mit Reichtum verwechseln
    Ein teures Auto ist ein Zeichen für hohe Ausgaben, nicht zwingend für hohes Vermögen. Wahres Nettovermögen ist oft unsichtbar und steckt in Depots oder Tilgungen.

  • Die Immobilien-Falle
    Vergleicht euch bei Nachbarn nicht mit dem Bruttowert ihres Hauses. Entscheidend ist nur der Netto-Wert (Hauswert minus Restschuld).

  • Den Zeitfaktor ignorieren
    Vermögensaufbau ist ein Marathon. Erwartet mit 30 Jahren nicht das Vermögen eines 50-Jährigen. Die Statistik belegt, dass signifikanter Reichtum meist Jahrzehnte braucht.

  • Liquidität vergessen
    Ein hohes Nettovermögen nützt euch im Notfall wenig, wenn es komplett im Eigenheim gebunden ist. Achtet darauf, dass ein Teil eures Kapitals jederzeit verfügbar bleibt.

Vermögenszuwachs bei den unter 35-Jährigen

Die aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) belegt außerdem, dass das Nettovermögen der Haushalte unter 35 Jahren in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen ist. Lag das reale (inflationsbereinigte) Median-Nettovermögen in dieser Altersgruppe im Jahr 2014 noch bei rund 12.900 €, so ist es bis heute auf 17.300 € gewachsen. Das entspricht einer Steigerung von rund 34 Prozent innerhalb einer Dekade.

Diesen Zuwachs führen die Ökonomen maßgeblich auf ein verändertes Anlageverhalten zurück. Während frühere Generationen verstärkt auf klassischen Sparkonten sparten, hat sich die Quote derjenigen unter euch, die in Aktien, Fonds oder ETFs investieren, seit 2014 mehr als verdoppelt. Lag der Anteil damals noch bei 19 %, investieren heute bereits 46 % der jungen Haushalte am Kapitalmarkt.

Wie könnt ihr euch ein zum Alter entsprechendes Vermögen aufbauen?

Um über den statistischen Median eurer Altersgruppe hinauszuwachsen, ist eine systematische Vorgehensweise entscheidend. Statistische Vergleiche dienen dabei lediglich als Orientierung – der tatsächliche Vermögensaufbau erfolgt durch die konsequente Umsetzung einer langfristigen Strategie. Folgende Schritte sind dabei wichtig:

1.

Setzt euch konkrete Ziele

Der Aufbau von Vermögen scheitert oft nicht am Einkommen, sondern an der fehlenden Richtung. Eine Studie der University of Stirling liefert hierzu eine bemerkenswerte Erkenntnis: Menschen, die sich mindestens vier konkrete Sparziele setzen, bauen im Durchschnitt ein 2,5-mal höheres Vermögen auf als diejenigen, die ohne festen Plan sparen.

Der Grund ist psychologischer Natur: Wenn ihr vage für „später“ spart, konkurriert dieser Euro im Alltag ständig mit kurzfristigen Konsumwünschen. Definiert ihr jedoch klare Ziele – etwa den Notgroschen, eine Anzahlung für eine Immobilie, die Altersvorsorge und eine Weltreise –, fällt es euch leichter, Prioritäten zu setzen und eure Sparrate konsequent durchzuhalten.

2.

Automatisiert eure Sparrate

Um über den Durchschnitt eurer Altersgruppe hinauszuwachsen, braucht ihr eine klare Struktur für eure monatlichen Einnahmen. Ein bewährtes Werkzeug dafür ist die 50/30/20-Regel. Sie teilt euer Nettoeinkommen in drei Bereiche auf:

  • 50 % für Fixkosten: Miete, Versicherungen, Lebensmittel und Verträge.

  • 30 % für persönliche Wünsche: Freizeit, Hobbys, Restaurantbesuche und Kultur.

  • 20 % für den Vermögensaufbau: Dieser Teil fließt direkt in die Tilgung von Schulden oder eure Investments (z. B. ETFs).

Der entscheidende Hebel ist die Automatisierung: Richtet einen Dauerauftrag ein, der die 20 % für euren Vermögensaufbau direkt nach Gehaltseingang auf ein separates Konto oder in euer Depot abzieht. So „bezahlt ihr euch selbst zuerst“ und vermeidet, dass ihr am Monatsende nur das spart, was zufällig übrig geblieben ist.

Video
Depot Vergleich 2026 – Die besten 5 Broker im Test

Ihr wollt mehr über die 50/30/20-Regel erfahren? Dann lest unseren Beitrag zur smarten Geldeinteilung:

3.

Errechnet euer potenzielles Vermögen

Der wichtigste Faktor für den Erfolg eurer Strategie ist die Zeit. Der Zinseszinseffekt entfaltet seine volle Wirkung erst nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten. In der Anfangsphase kann der Fortschritt langsam erscheinen, da der Zuwachs hauptsächlich aus euren eigenen Einzahlungen besteht.

Disziplin bedeutet in diesem Zusammenhang, die gewählte Sparrate auch in volatilen Marktphasen beizubehalten und auf kurzfristige Konsumimpulse zu verzichten.

Zur Ermittlung eures zukünftigen Vermögens könnt ihr unseren Sparrechner nutzen. Er dient dazu, die Entwicklung eures Kapitals unter Berücksichtigung verschiedener Parameter zu simulieren.

So nutzt ihr unseren Sparrechner, um ein realistisches Szenario für euren Vermögensaufbau zu simulieren:

  • 1.

    Startkapital: Tragt hier euren aktuell verfügbaren Anlegebetrag ein.

  • 2.

    Monatliche Sparrate: Gebt den Betrag an, den ihr monatlich investieren könnt.

  • 3.

    Anlagedauer: Wählt den Zeitraum in Jahren bis zu eurem geplanten Zielzeitpunkt (z. B. dem voraussichtlichen Renteneintritt).

  • 4.

    Zinssatz: Für eine langfristige Anlage in ein breit gestreutes Weltinvestment (z. B. einen Welt-ETF) wird am Kapitalmarkt mit einem durchschnittlichen Zinssatz von ca. 7 % pro Jahr gerechnet. Für eine konservativere Planung könnt ihr Werte zwischen 4 % und 5 % wählen.

Die grafische Darstellung schlüsselt euer Endkapital in eure eigenen Einzahlungen und den daraus resultierenden Zinsertrag auf. Während die Einzahlungen die Summe des Kapitals darstellen, das ihr über die Jahre selbst eingebracht habt, zeigt der Zinsertrag den Zuwachs durch den Zinseszinseffekt.

Bei längeren Anlagelaufzeiten führt die exponentielle Entwicklung häufig dazu, dass dieser Zinsertrag die Summe eurer eigenen Einzahlungen deutlich übersteigt.

Für eine genauere Kalkulation der zukünftigen Kaufkraft könnt ihr zudem die Optionen zur Berücksichtigung von Steuern und Inflation aktivieren, um Abgaben und Preissteigerungen in das Ergebnis einzubeziehen.

100.000 € als Meilenstein beim Vermögensaufbau

In der Statistik fällt auf, dass die Vermögenswerte ab der Lebensmitte oft sprunghaft ansteigen. Der Grund dafür ist rein mathematisch: Die ersten 100.000 € anzusparen, ist erfahrungsgemäß am schwierigsten, weil das Wachstum hier fast ausschließlich aus eurer eigenen Sparleistung stammt. Ab dieser Summe übernimmt der Zinseszins oft die Führung.

Bei einem Depotwert von 100.000 € (vor Steuer) und einer Marktrendite von 7 % erwirtschaftet euer Kapital bereits 7.000 € pro Jahr. Der Zinsertrag übersteigt dabei eine hier angenommene Sparrate von 500 € im Monat (6.000 € im Jahr), also eure eigenen Einzahlungen.

Deshalb ist der Weg zu den ersten 100.000 € in der Regel deutlich länger als der Weg zu den nächsten 100.000 €. Die folgende Beispielrechnung zeigt die typische Beschleunigung – bei 500 € monatlicher Sparrate und 7 % Rendite:

  • 0 auf 100.000 €: ca. 11–12 Jahre (Aufbauphase)

  • 100.000 auf 200.000 €: ca. 6–7 Jahre

  • 200.000 auf 300.000 €: ca. 4–5 Jahre

  • 300.000 auf 400.000 €: ca. 3 - 4 Jahre

  • 400.000 auf 500.000 €: ca. 2-3 Jahre

Für euren Vermögensaufbau bedeutet das: Bleibt in der Anfangsphase diszipliniert, auch wenn die Fortschritte klein wirken. Sobald dieser erste Kapitalstock erreicht ist, können sich die Zeiträume für den weiteren Zuwachs massiv verkürzen. Zeit und Zinseszins werden ab hier zu euren stärksten Hebeln.

Die 3 größten Faktoren, die euer Vermögen nach Alter beeinflussen

Neben eurer Disziplin und der gewählten Sparrate gibt es drei strukturelle Faktoren, die massiven Einfluss darauf haben, wie sich euer Vermögen im Vergleich zu eurer Altersgruppe entwickelt. Die Daten des IW Köln zeigen deutlich, dass die Unterschiede oft nicht nur durch das Einkommen entstehen, sondern durch die Art und Weise, wie Kapital über die Jahrzehnte gesteuert wird.

1.

Die Sparquote: Zeit schlägt Einkommen

Das Einkommen ist oft der am meisten überschätzte Faktor beim Vermögensaufbau. Statistisch gesehen ist nicht die absolute Höhe eures Gehalts entscheidend, sondern eure Sparquote – also der Anteil des Einkommens, den ihr nicht für Konsum ausgebt.

In jungen Jahren (unter 35) ist die Sparquote der wichtigste Hebel, um überhaupt in die positiven Perzentile der Statistik vorzustoßen. In der Phase „Etablierte Berufsjahre“ (45–54 Jahre) verdienen deutsche Haushalte zwar am meisten, doch oft steigen parallel dazu die Lebenshaltungskosten. Wer es schafft, seine Sparquote stabil zu halten oder zu erhöhen, setzt sich in dieser Phase deutlich vom Median seiner Altersgruppe ab.

2.

Die Asset-Allocation: Sicherheit vs. Wachstum

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Vermögensperzentilen in Deutschland liegt in der Aufteilung des Kapitals. Während Haushalte im unteren Mittelfeld ihr Geld oft auf niedrig verzinsten Girokonten oder in klassischen Lebensversicherungen „parken“, nutzen wohlhabendere Haushalte verstärkt renditestarke Anlageklassen.

Haushalte, die einen Teil ihres Vermögens in Aktien oder Fonds investieren, profitieren langfristig von den Marktrenditen, während reines Barvermögen durch die Inflation an Kaufkraft verliert. Die Entscheidung, wie viel Kapital ihr für die Sicherheit liquide haltet und wie viel ihr für das Wachstum investiert, bestimmt maßgeblich, wie vermögend ihr seid.

3.

Erbschaften und Schenkungen: Der „Elefant im Raum“

Man muss bei der deutschen Vermögensstatistik auch den Faktor Erbe berücksichtigen. Erbschaften und Schenkungen sind der Hauptgrund für die extreme Ungleichheit in jungen Jahren. Während viele Haushalte ihr Vermögen ausschließlich aus eigener Erwerbsarbeit aufbauen, erhalten andere bereits früh signifikante Vermögensübertragungen.

Laut IW Köln ist dieser Faktor oft der entscheidende Treiber, um frühzeitig in die obersten Perzentile (Top 10 % oder Top 1 %) zu gelangen. Da Erbschaften in Deutschland jedoch meist erst in einem Alter von 50 bis 60 Jahren anfallen, wirken sie oft als zusätzlicher Verstärker in einer Lebensphase, in der das eigene Vermögen ohnehin seinen Höchststand erreicht.

Für alle, die nicht auf ein Erbe zurückgreifen können, bleibt der eigene Kapitalaufbau über die Zeit der einzige Weg, um diese Lücke schrittweise zu schließen.

Fazit: Vermögensaufbau als lebenslanger Prozess

Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit anderen messen und vergleichen zu wollen. Das kann hilfreich sein, um die eigene Situation besser einzuordnen. Lasst euch von den Vergleichen aber nicht fehlleiten – weder zu Selbstzufriedenheit noch zu unnötiger Frustration.

Entscheidend ist nämlich weniger, wo genau ihr heute im statistischen Vergleich steht, sondern in welche Richtung ihr euch bewegt. Konzentriert euch auf die Faktoren, die ihr selbst kontrollieren könnt: eine feste Sparquote und eine renditestarke Anlage wie ETFs.

Habt ihr erst einmal den ersten großen Kapitalstock aufgebaut, beginnt die Mathematik des Zinseszinses für euch zu arbeiten. Vergesst dabei nie: Wahre finanzielle Freiheit misst sich nicht an einer Tabelle, sondern an der Sicherheit und Unabhängigkeit, die ihr euch Schritt für Schritt selbst erschafft.

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Henriette Dieckhoff ist Finanzcoach aus Berlin und darauf spezialisiert, vornehmlich Frauen zu empowern, ihre Finanzen eigenständig zu meistern. In Workshops, Vorträgen und Coachings vermittelt sie mit Leichtigkeit und Leidenschaft, wie ein souveräner Umgang mit Geld gelingt – inklusive erfolgreichem Investieren in ETFs.
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