Den richtigen ETF finden – Ein Job für Sisyphos?

Den richtigen ETF finden: Ein Job für Sisyphos?

Schaut man sich in Wertpapierforen oder bei den Leserkommentaren von Finanzblogs zum Thema ETF um, wird eines deutlich:

Die Auswahl der Indexfonds scheint so manchen Anleger vor ernste Probleme zu stellen.

Man möchte schließlich die richtige Entscheidung treffen.

Und die einmal gewählten Anlageprodukte sollen als möglichst langfristige Investment-Vehikel dienen.

Wer buy-and hold investiert, möchte genau eines nicht tun: Alle paar Jahre das Depot “umschichten” und damit Transaktionskosten sowie Steuernachteile in Kauf nehmen müssen.

Die Interessen der ETF-Anbieter sind hingegen, welch Überraschung, anders gelagert.

Aus ihrer Sicht sind ETFs Anlageprodukte, die sich in einem ständig wandelnden Marktumfeld behaupten und dabei vor allem eines sein müssen: profitabel.

Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Fondsmanagement eines ETFs im Laufe der Zeit gewisse Änderungen am Produkt vornehmen wird.

Dadurch wird die Suche nach dem “richtigen” ETF zur Jagd auf ein bewegliches Ziel bzw. zur sprichwörtlichen Sisyphusarbeit.

Denn selbst wenn man meint, den perfekten ETF zu gefunden haben, kann dieser wenig später schon wieder sein Gesicht ändern. Womit die Suche von vorn beginnt.

Was mit ETFs im Laufe der Zeit alles passieren kann und warum es im Leben schlimmere Dramen gibt als Änderungen an Anlageprodukten, erfährst du in diesem Artikel …

Diesen Artikel als Podcast hören
Hinweis: Dieser Beitrag richtet sich an eher fortgeschrittene ETF-Anleger. Die Basics zum indexorientierten Investieren bekommst du auf meiner Themenseite.

Oder in 90 Minuten kompakt auf den Punkt gebracht in meinem Hörbuch: Kluge Menschen Investieren Passiv – Die beste Anlagestrategie für alle, die ihr Geld selbst anlegen wollen.

 
Mit den folgenden Szenarien müssen ETF-Anleger rechnen:

Delisting

Fondsgesellschaften steht es jederzeit frei, ausgewählte ETFs an bestimmten Börsenplätzen entweder gar nicht mehr zum Handel anzubieten oder den Handel in bestimmten Währungen einzustellen.

Aus diesem Delisting genannten Prozess ergeben sich für Otto Normalanleger üblicherweise keine Konsequenzen.

Fazit: Delisting = steuerneutral

ISIN-Änderung

Was eine ISIN notwendig macht und welche Bedeutung das für den Anleger hat, geht sehr schön aus folgendem Schreiben hervor, dass iShares im Jahr 2014 an die Anleger eines ihrer MSCI World ETFs geschickt hat:

Der Verwaltungsrat der Gesellschaft gibt bekannt, dass bei diesem Teilfonds der Gesellschaft, der derzeit an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert ist, Änderungen an der Börsennotierung und der Abwicklungsstruktur vorgenommen werden.

Jeder Anteil dieses Teilfonds trägt bisher 2 internationale Wertpapierkennnummern – eine deutsche (DE-ISIN) und eine irische (IE-ISIN). Die Abwicklungsstruktur soll nun so geändert werden, dass für jeden Anteil dieses Teilfonds nur noch eine einzige ISIN, und zwar eine IE-ISIN (und die dazugehörige irische Wertpapierkennnummer (WKN)) gilt. Die DE-ISIN und die dazugehörige deutsche WKN sollen wegfallen. […]

Ihr Bestand wird steuerneutral i.V. 1:1 aus der WKN A0HGZR in die neue WKN A0HGV0 getauscht. Sollten Sie diesen Fonds als Fondssparplan führen, ist von Ihnen nichts zu veranlassen. Der Fondssparplan wird automatisch in der neuen WKN A0HGV0 fortgeführt.

Disclaimer: Die Nennung des betreffenden ETFs dient allein zur Veranschaulichung der Problematik und stellt keine Kaufempfehlung dar.

 
Fazit: ISIN-Änderung = steuerneutral

Änderung der Replikationsart

Die Änderung der Replikationsart ist schon stärkerer Tobak, den Anleger vom einen oder anderen ETF-Anbieter unter die Nase gehalten bekommen.

So überraschte die Fondsgesellschaft db x-trackers ihre Anleger im Jahr 2014 mit folgendem Statement:

Das Angebot an direkt replizierenden ETFs hat sich etabliert. Die physischen ETFs erfüllen dieselben hohen Ansprüche an Transparenz und Effizienz bei der Indexabbildung, die Anleger von db X-trackers ETFs gewohnt sind. Deutsche AWM konzentriert sich für bestimmte Märkte zukünftig verstärkt auf physische ETFs, um die Nachfrage nach direkt replizierenden ETFs zu bedienen und das Angebot signifikant auszubauen.

Im Klartext: Die deutschen Anleger trauen uns wegen dieser undurchsichtigen SWAP-Nummer nicht über den Weg. Bevor sie das Geld aber iShares & Co. in den Rachen werfen, setzen wir halt auch auf physische Replikation. Was soll’s …Der Köder soll ja dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

Gesagt, getan. Im Jahr 2014 wurden gut 30 vormals synthetisch replizierende ETFs von db x-trackers auf physische (direkte) Replikation umgestellt.

Infobox: Synthetische vs. physische Replikation
Replikation ist ein anderes Wort für Indexnachbildung. Es gibt zwei Varianten, wie ein ETF die Wertentwicklung seines Referenzindex nachbilden kann:

1. Physische Replikation
Es weder entweder alle Wertpapiere eines Index gekauft (voll replizierend) oder die für die Wertentwicklung maßgeblichen Einzeltitel (Sampling-Methode).

2. Synthetische Replikation
Es wird ein Portfolio aus Wertpapieren gebildet, dessen Inhalt mit dem des Referenzindex wenig gar bis gar nichts zu tun haben muss. Die Wertentwicklung dieses sogenannten Trägerportfolios wird nun mittels eines Tauschpartners, meistens einer Bank, gegen die eigentliche Wertentwicklung des nachzubildenden Index getauscht. Dieses Tauschgeschäft wird SWAP genannt.

 
Das Problem: Hat ein Anleger bewusst zu einem ausländisch thesaurierendem, SWAP-basierten und dadurch steueroptimierten ETF gegriffen, bedeutet die Umstellung der Replikationsart von synthetisch auf physisch folgendes:

Es fallen nun ausschüttungsgleiche Erträge an, die in der SWAP-Konstruktion vermieden werden konnten.

Diese Erträge müssen versteuert werden, was bei ausländisch thesaurierenden ETFs zu einem erhöhten Dokumentationsaufwand führt, wenn man einer Doppelbesteuerung der Anteile beim späteren Verkauf entgehen will.

Ausführliche Informationen zur Steuerproblematik bei ausländisch thesaurierenden Fonds findest du hier und hier.

Fazit: Änderung der Replikationsart = bedingt steuerneutral

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Ja, das interessiert mich!

Änderung der Ertragsverwendung

Auch die Änderung der Ertragsverwendung von Dividenden und anderen Ausschüttungen kann aus einem steuereinfachen plötzlich einen steuerkomplizierten ETF machen.

Nämlich dann, wenn aus einem ausschüttenden Fonds mit ausländischem Domizil ein Thesaurierer wird.

Es sei denn, es handelt sich um einen SWAP-basierten ETF, bei dem gar keine ausschüttungsgleichen Erträge anfallen. In diesem Fall bliebe eine Änderung der Ertragsverwendung ohne Folgen.

Fazit: Änderung der Ertragsverwendung = bedingt steuerneutral

Schließung eines ETF

Verglichen mit den bisher genannten Szenarien ist die Schließung eines Fonds der GAU (größte anzunehmende Unfall).

Was droht, ist der zwangsweise Verkauf aller Fondsanteile und damit die Besteuerung etwaiger Kursgewinne.

Das ist zwar für erklärte buy-and-hold-Anleger nicht schön. Aber im Grunde auch kein echtes Drama, denn die laufende Besteuerung von Kursgewinnen ist ja ein Umstand, mit dem aktive Investoren ständig zu tun haben.

Was viel schwerer wiegt: Geschieht die Fondsschließung in einer “ungünstigen” Marktphase, kann dies zur unfreiwilligen Realisierung von Verlusten führen.

Dass die ETF-Anbieter immer mal wieder mit dem Besen durch ihre Angebotspalette kehren, zeigt diese Mitteilung von db x-trackers, in der die Schließung von mehr als 20 ETFs bzw. Anteilsklassen angekündigt wird.

Ursache dürfte in den meisten Fällen ein unzureichender Mittelzufluss sein, sprich: zu wenige Anleger kaufen die Dinger.

Schafft das Fondsvolumen binnen weniger Jahre nicht den Sprung über die 100 Millionen-Euro-Marke, wird eine Schließung aus betriebswirtschaftlichen Gründen wahrscheinlicher.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man dem Fondsvolumen bei der ETF-Auswahl eine hohe Priorität einräumen sollte. Ich halte das Fondsvolumen sogar für das wichtigste Ausschlusskriterium und investiere deshalb nur in ETFs, deren Volumen über 200 Millionen Euro liegt.

Fazit: Fondsschließung = steuerschädlich

Fondsfusion

Mitte letzten Jahres reichte mein Online-Broker folgende Mitteilung der Fondsgesellschaft db x-trackers an mich weiter:

Die Fondsgesellschaft hat angekündigt, das Wertpapier-Sondervermögen des Fonds DB X-TR.RUSSELL 2000 1C (WKN DBX1AB) zum 18.06.2015 mit dem Fonds DB-X-TR.RUS.2000 ETF 1CDL (WKN A1XEJT) zu verschmelzen.

Diese Mitteilung erreichte mich genau 4 Wochen vor dem Vollzug der Fondsfusion. Musste ich mir Sorgen machen?

Nein, den eine Fondsfusion wird nach dem Investmentsteuergesetz steuerneutral durchgeführt.

Bedeutet: Der Umtausch der Fondsanteile – alte raus, neue rein – wird steuerlich nicht als Verkauf gewertet.

Der einzige “Kollateralschaden” der Fusion war in einem Teilverkauf von 0,695 Fondsanteilen im Wert von knapp 96€ zu sehen. Dieser “unvollständige” ETF-Anteil war im Zuge des Umtauschs entstanden und der neue Depotbestand wurde um dieses “Anhängsel” auf eine glatte Zahl bereinigt.

Denkste …

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt
Bei der Durchsicht der Kontoauszüge fiel mir wenig später auf, dass die Fusion des Russell 2000 ETF entgegen der Mitteilung von db x-trackers sehr wohl steuerschädlich über die Bühne gegangen war.

Knapp 3.500 Euro Abgeltungssteuer wurden von der Consorsbank abgeführt.

Auf telefonische Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass die Steuerwirksamkeit der Fusion nachträglich von der Fondsgesellschaft festgestellt wurde.

Wie bitte?!

Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben und kontaktierte die Abteilung Wertpapierabwicklung der Deutschen Bank. Am Telefon erfuhr ich, dass es sich bei der “Umstellung” des betreffenden Fonds nicht um eine Fondsfusion im klassischen Sinne gehandelt hat.

Sondern eher um die Schließung einer Anteilsklasse mit erforderlichem Verkauf (daher die Abgeltungssteuer) und Wiederanlage in einer neu entstandenen Anteilsklasse.

Und warum der ganze Zinnober?

Weil sich db x-trackers aufgrund des in Deutschland immanenten Kundenwunsches nach “Transparenz” (siehe oben) genötigt sah, die Replikationsart des Russell 2000 von synthetisch auf direkt replizierend umzustellen und gleichzeitig (wegen niedrigerer Quellensteuern auf US-amerikanische Aktien) das Fondsdomizil von Luxemburg nach Irland zu verlegen.

Na, großartig!

Als Anleger bin ich nun doppelt gekniffen: De facto habe ich 3.500 Euro durch die Schließung des Fonds bzw. seiner Anteilsklasse ans Finanzamt verloren.

Hinzu kommt, dass es sich beim db x-trackers Russell 2000 nun um einen ausländisch thesaurierenden ETF handelt, dem es durch die direkte Replikation eben nicht mehr möglich ist, ausschüttungsgleiche Erträge zu vermeiden.

Erst hatte ich also kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Aber natürlich hätte es noch deutlich schlimmer kommen können:

Nämlich dann, wenn db x-trackers ihr glorreiches Repositionierungsmanöver in einer Marktphase durchgezogen hätten, in der meine ETF-Anteile im Minus waren.

Immerhin das blieb mir erspart …

 

Disclaimer: Die Nennung des betreffenden ETFs dient allein zur Veranschaulichung der Problematik und stellt keine Kaufempfehlung dar.

 
Fazit: Fondsfusion = bedingt steuerneutral

Das Gesamtfazit

Nicht nur an der Börse, sondern auch im Markt der ETFs ist immer Bewegung drin. Es empfiehlt sich in jedem Fall, auf Terminanschreiben zu achten, die man von seinem Broker bekommt.

Auch wenn die nicht immer das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind, wie man im oben beschriebenen Fall sehen kann.

Zumindest ist man darüber informiert, warum sich beispielsweise Wertpapierkennnummern im Depot ändern. Und noch viel wichtiger:

Man bekommt mit, wenn bestimmte ETFs “steuerkompliziert” werden und deren ausschüttungsgleichen Erträgen in der jährlichen Steuererklärung angegeben werden müssen.

Die Sache mit der Kostolany´schen Schlaftablette funktioniert beim passiven Investieren mit ETFs also nur bedingt.

Wobei das sicher Ansichtssache ist. Hätte ich gar nicht in mein Depot geguckt, wäre mir die steuerschädliche “Pseudo-Fusion” eines meiner ETFs wohl gar nicht aufgefallen. Und ich hätte mich darüber nicht echauffieren müssen …

Das wäre bei einer Direktanlage nicht passiert, oder?

Soll man angesichts der Willkür, die ETF-Anbieter an den Tag legen, nicht doch besser in Einzelaktien investieren?

Aus meiner Sicht: Nein.

Was Anhänger der reinen Lehre beachten sollten: Wer Aktien direkt kauft, mag zwar die in diesem Artikel geschilderten Probleme, die in Wahrheit ja eher “Problemchen” sind, umgehen.

Dafür handelt man sich ganz andere Probleme ein. Man trägt beispielsweise das Ausfallrisiko von Einzelwerten ungefiltert und kann sich nicht auf die “selbstheilende” Wirkung einer Indexzusammenstellung verlassen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Einzelwertportfolio unterdiversifiziert ist, sollte auch nicht unterschätzt werden.

Ein Anteil des MSCI World Index schaufelt mir mehr als 1.600 Unternehmen ins Depot. Bei überschaubaren Transaktionskosten.

Was müsste man bezahlen, wenn man ein Einzelwertportfolio konstruieren wollte, dass auch nur ein Zehntel (160) dieser Unternehmen enthält?

Für mich bleibt es dabei: ETFs sind ganz sicher nicht das beste Anlageprodukt, dass ich mir vorstellen kann.

Aber unter allen zur Verfügung stehenden Optionen sind sie mit Sicherheit das am wenigsten Schlechte.

Mit dieser Erkenntnis kann ich gut leben. Und weiter in ETFs investieren.

 
Warst du bereits von einem der beschriebenen Szenarien betroffen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

  • Florian Müller 17. Januar 2016, 18:37

    Wieder einmal ein sehr gut recherchierter Text, der das Thema ETFs en detail erklärt. Chapeau an der Stelle für den hochwertigen Content.

  • Steve 18. Januar 2016, 12:40

    Hallo Holger,

    “Nämlich dann, wenn db x-trackers ihr glorreiches Repositionierungsmanöver in einer Marktphase durchgezogen hätten, in der meine ETF-Anteile im Minus waren.”

    Diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Das wäre doch sogar viel besser gewesen, da du dann gar keine Steuern bezahlt hättest und den Verlust für eine steuerfreie Gewinnmitnahme anderer ETFs hättest nutzen können.

    • Holger Grethe 18. Januar 2016, 15:50

      Hallo Steve,

      da ich buy-and-hold investiere, bin ich an steuerfreien Gewinnmitnahmen nicht so interessiert.

      Natürlich wäre ein Verlust aber mit Dividendenausschüttungen verrechnet worden. Trotzdem: Verlust bleibt Verlust und ob bzw. wann ich diesen realisiere, lasse ich mir nur ungern von einer Fondsgesellschaft vorschreiben …

    • Jojo 18. Januar 2016, 18:06

      Hey, das ist dann aber nicht sehr rational.. Wenn du direkt wieder in einen Etf des gleichen Index investierst hast du keine Verluste bis auf Transaktionskosten.
      Und Dividenden anderer Etf kannst du auch direkt verrechnen.
      Nicht dass es nicht dein recht wäre dich davon gestört zu fühlen, ein negativer Effekt ist es jedoch nicht und wird von manchen Anlegern so sogar zur Optimierung genutzt.

      Lg

    • Holger Grethe 18. Januar 2016, 21:10

      Dein Einwand gilt nur dann, wenn es genug Aktiengewinne (z.B. durch Dividenden) gibt, die mit Verlusten verrechnet werden können.

      Angenommen, jemand hat 70% seines Wertpapiervermögens in einen MSCI World ETF gesteckt und genau dieser ETF wird in einer Phase schwächelnder Kurse geschlossen.

      Dann kann es gut sein, dass den daraus resultierenden Verlusten nicht genügend Gewinne (aus anderen ETFs) gegenüberstehen, um auf eine schwarze Null zu kommen.

      “Nicht dass es nicht dein recht wäre dich davon gestört zu fühlen, ein negativer Effekt ist es jedoch nicht und wird von manchen Anlegern so sogar zur Optimierung genutzt.”

      Wie eine (erzwungene) Fondsschließung zur Optimierung des Portfolios genutzt werden soll, ist mir in der Tat nicht ganz klar 😉

  • Der Privatier 18. Januar 2016, 18:46

    Ich habe im letzten (und vorletzten) Jahr einige der von Dir beschriebenen Fälle erleben dürfen. Am meisten geärgert hat mich die Umstellung der Replikationsart bei den db x-trackern. Okay – ich will ehrlich sein: Am meisten geärgert hat es mich, dass ich nicht realisiert habe, was da passiert. Die Meldung habe ich bekommen, kurz überflogen: “Aha – physische Replikation. Schön. Ist ja auch sicherer.” Und abgeheftet.
    Das böse Erwachen kam in dem Fall später. Und zwar viel später. Nämlich erst nach Jahresende, nachdem meine sorgfältige Steuerplanung längst abgeschlossen war. Da flatterte dann irgendwann im Feb. o. März noch eine Bescheinigung über ausschüttungsgleiche Erträge ins Haus. Wie gesagt – für das Vorjahr!

    Auch eine Fonds-Schließung erlebe ich grade und eine Fonds-Fusion ist bereits angekündigt. Was mich am meisten ärgert, dass ich keine Wahl habe! Ich werde quasi gezwungen, das zu akzeptieren oder aber einen Steuereffekt bei Verkauf (Gewinn oder Verlust) hinzunehmen, der mir wohlmöglich aber gerade nicht in den Kram passt.

    Ich ärgere mich darüber, werde aber (genau wie Du) deshalb nicht von den ETFs abrücken.

    Gruß, Der Privatier

    • Holger Grethe 18. Januar 2016, 21:15

      Hallo Peter,

      vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht!

      Ich wollte es im Artikel nicht so überspitzt sagen, aber es sieht fast so aus, als wenn insbesondere eine ETF-Gesellschaft für ständiges Hin und Her in ihrer Angebotspalette sorgt.

      Wollen wir hoffen, dass die Herr- und Frauschaften bei db x-trackers langsam mal Ruhe einkehren lassen 😉

    • opportunity sniper 14. Februar 2016, 18:45

      In die dbx-trackers-“Falle” (Umwidmung der ausländischen Thesaurierer in physisch replizierende) bin ich auch getappt. Aber ist das eine Falle?

      Die dbx-trackers sind zunächt mal steuertransparent (jedenfalls die auf den EuroStoxx) und sie thesaurieren nicht voll, sondern schütten einen gewissen Anteil aus. In meiner Ertragsgutschrift fällt eine winzige luxemburgische Quellensteuer an, die die Bank brav von der deutschen KESt in Abzug bringt. Es gibt ja auch ein Doppelbesteuerungsabkommen. Weiterhin muss ich Soli berappen. Da der Ausschüttungsbetrag etwas größer ist als die Steuerabzüge und Soli, bleibt ein kleiner Betrag der Gutschrift übrig.

      Wenn ich diese Tatsachen richtig interpretiere, zahlt dbx-trackers wegen seiner vielen deutschen Kunden eben so viel aus, dass damit die Steuern & Soli gedeckt sind und so nicht ein lästiger Steueraufwand für die Kunden anfällt.

      Oder habe ich die Lage nicht durchblickt?

      Gruß
      OS

  • Dr. Jürgen Nawatzki 20. Januar 2016, 08:28

    Hallo Holger,

    als ETF-Fan und Anhänger des passiven Investierens finde ich diesen Artikel einfach sehr gut gelungen: Herzlichen Glückwunsch!

    Man findet eine Reihe an Informationen, die es auch in der einschlägigen Literatur nicht unbedingt gibt.

    Mach bitte weiter so!

    Viele Grüße

    Jürgen

  • K. 25. Januar 2016, 23:16

    Kann man den ETFs auch selbst umtauschen (lassen)? Also den Broker anrufen und ETF A in ETF B tauschen ohne Verkauf und Ertragabesteuerung von ETF A?
    Ggf. auch nur bei der selben Fondgesellschaft….
    Ein (Zwischen)Verkauf lässt die Steuer ja etwas Kapital auffressen das dann nicht (weiter) für einen arbeiten kann.

    Dies wäre ja ggf später interessant wenn man von risikoreich auf risikoarm (Anleihen ETFs) umschwenkt zur Kapitalsicherung mit weniger Kursschwankungen, in den letzten Jahren vor dem Kapitalverzehr o. ä. je nachdem was für eine Gesamtsumme zusammen kam / kommt.

    • Holger Grethe 26. Januar 2016, 15:23

      Das glaube ich kaum, dass ein Umtausch auf Initiative des Anlegers möglich ist. Das wäre sowohl für die Broker als auch die Fondsgesellschaften ja ein Fass ohne Boden …

      Die Anpassung der Asset-Allocation bzw. des Risikolevels lässt sich problemlos über entsprechende Zukäufe/Verkäufe steuern.

  • Philipp von Investment Amad€ 26. Januar 2016, 18:34

    Hallo Holger!

    Ich finde den Artikel auch sehr gelungen!

    Ich bin ein ein Verfechter einer Buy-and-Hold Strategie von Einzelaktien. Werde mich aber in nächster Zeit auch mit dem passiven Investieren beschäftigen.

    Investierst du nur in ETFs oder auch in Einzelaktien?

    MFG Philipp

    • Holger Grethe 27. Januar 2016, 16:54

      Hallo Philipp,

      ich investiere ausschließlich in ETFs!

  • Opportunity Sniper 14. Februar 2016, 18:54

    Hallo Holger,

    insgesamt gefällt mir der Artikel sehr gut.

    Zum Thema Schließung eines ETF wurde ein Aspekt nicht betrachtet, der eine Schließung überaus ärgerlich macht: Wurde ein Aktien, Investmentfonds oder ETF vor Einführung der Abgeltungssteuer erworben, so gibt es einen Bestandsschutz in Sachen Kursgewinn. Sie werden in Analogie zum alten nicht besteuert, sondern nur der Ertragsanteil. Alle Umstände, die dazu führen, dass solche vor 2009 gekauften Wertpapiere verkauft werden, haben zur Folge, dass mit dem Geld nur noch Käufe getätigt werden können, bei denen die Abgeltungssteuer dann auch auf Kursgewinne anfällt.

    Gruß
    os

  • Thomas 24. Februar 2016, 13:53

    Ein wirklich hammer Artikel!

    Einige Infos waren mir auch noch gar bekannt.

    Ich kann dir zu 100% zustimmen:
    “Für mich bleibt es dabei: ETFs sind ganz sicher nicht das beste Anlageprodukt, dass ich mir vorstellen kann. Aber unter allen zur Verfügung stehenden Optionen sind sie mit Sicherheit das am wenigsten Schlechte. Mit dieser Erkenntnis kann ich gut leben. Und weiter in ETFs investieren.”

    ETFs haben ihre Schwächen.

    Aber die Vorteile des simplen Diversifizierens, der geringen Kosten und der enormen Zeitersparnis, die man gegenüber Einzelaktien hat, überwiegen stark.

  • Der Privatier 3. März 2016, 15:13

    Hallo Holger,

    Du hast ja in Deinem Beitrag sehr schön aufgeführt, was so alles mit Fonds und ETFs passieren kann.
    Nun ist noch ein weiterer hinzu gekommen: Die Steuerregeln und damit alles, was man sich inzwischen mühsam angeeignet hat über Thesaurierer, ausschüttungsgleiche Erträge, Vorteile von Swap basierten ETFs ist bald Schnee von gestern!

    “Alles wird anders!” Und dazu auch noch viel einfacher 😉

    Wie genau es gehen wird, könnt ihr in meinem aktuellen Beitrag nachlesen:

    http://der-privatier.com/top-oder-flop-folge-25-neue-fonds-besteuerung/

    Gruß, Der Privatier

  • Walter Reinhard 13. März 2016, 22:02

    Hallo Holger,

    deine Podcasts sind super und bringen bei Folgen wie dieser sogar für „reifere Anleger“ Nutzen. Als solcher bin ich in der komfortablen Lage mein Depot langsam auf „risikoärmere“ ETFs umschichten zu müssen. Doch wohin mit dem Geld? Mit der Geldschwemme von Mario aus Entenhausen sind die Anleihe- und damit auch ETF-Kurse so hoch, dass von Rendite (= meine Rentenaufstockung) keine Rede sein kann. Außerdem ist zu erwarten, dass die Blase irgendwann mit tödlicher Sicherheit platzt. Auf diese Frage hat mir noch niemand eine Antwort geben können, du?

    Gruß Walter

    • Holger Grethe 14. März 2016, 14:43

      Hallo Walter,

      das ist in der Tat ein Problem. An deiner Stelle würde ich den risikoarmen Teil vermutlich mit Auslandskonten und unterschiedlichen Währungen abdecken. Also ein Schweizer Konto mit Franken hier und ein Konto in GB mit Sterling da.

      Was du zum Leben brauchst plus eine kleine Liquiditätsreserve würde ich auf einem hiesigen Konto in Euro laufen lassen …

    • Der Privatier 18. März 2016, 18:01

      Ähm… im Ernst? Und was soll denn der Fragesteller mit diesen Auslandskonten machen? Das Geld einfach herumliegen lassen? In Form von Fest- oder Tagesgeld? Oder doch ETFs kaufen? Gibt es dort andere zu kaufen, als hier? Welche, bei denen keine Blase zu platzen droht?

      Handelt man sich nicht mit einem Auslandskonto (gemeint ist wohl eines in einer Fremdwährung – könnte man übrigens auch in Deutschland haben) nur das zusätzliche Währungsrisiko ein? Da können sich die ohnehin mageren Renditen mal leicht ins Negative drehen!

      Mir erschließt sich der Sinn des Ratschlages nicht so richtig… Das Einzige, wovor eine andere Währung schützt, ist doch nur eine Schwäche des Euro (gegenüber diesen Währungen). Dies hat der Fragesteller aber (glaube ich) gar nicht befürchtet, sondern er fürchtet ein Platzen einer Anleihenblase. Ich kann da jetzt wirklich nicht erkennen, warum mir da eine andere Währung helfen sollte.

      Und wenn ich wirklich in verschiedenen Währungen diversifizieren möchte, kann ich doch auch hier eine Fremdwährungsanleihe kaufen. Vor was soll das Auslandskonto denn schützen?

      Hmm… nicht verstanden!

      Gruß, Der Privatier

    • Holger Grethe 18. März 2016, 19:26

      Walter möchte sein Geld in “risikoärmere” Anlagen umschichten. Darunter verstehe ich vor allem Staatsanleihen oder – der Einfachheit halber – auch Tagesgeldkonten.

      Seine Wortwahl (“Mario aus Entenhausen”) lässt darauf schliessen, dass er Herrn Draghi, den obersten Währungshüter der EZB, nur so weit traut, wie er ihn werfen kann.

      “Das Einzige, wovor eine andere Währung schützt, ist doch nur eine Schwäche des Euro (gegenüber diesen Währungen).”

      Ja, und eine “Schwäche” des Euro ist angesichts solcher Ideen wie Helikoptergeld ja nun ein Szenario, dass selbst abgebrühteste Optimisten (zu denen ich mich zähle) nicht mehr für völlig abwegig halten.

      Insofern schützen Tagesgeldkonten im Ausland davor, in die Röhre zu gucken, sollte das Experiment der Gemeinschaftswährung früher oder später doch scheitern. Ob man dieses Risiko lieber mit einer Fremdwährungsanleihe abdeckt, ist wohl Geschmackssache.

      Das Auslandskonto (Nicht-EU) bietet imho zusätzlichen Schutz bei Bankenpleiten im Euroraum sowie vor einem Zugriff des Staates.

      Das ganze Thema und damit auch Fragen, die in diese Richtung gehen, sind äußerst undankbar. Wer weiß schon, wo Europas Staaten, seine Banken und der Euro in 2,3 oder 5 Jahren stehen?

      Jeder darf für sich entscheiden, welche Gefahren er für die Zukunft sieht oder nicht sieht. Während die einen bereits zuhause Bargeld im Schrank stapeln, fühlen sich andere mit mehreren Hundert Tausend Euro auf dem Tagesgeldkonto der Hausbank wohl. Wie gesagt: jeder wie er mag 😉

  • Der Privatier 19. März 2016, 12:34

    Danke Holger, für die Erläuterungen! Jetzt habe ich zumindest verstanden, was Du gemeint hast. Ich denke, wir beide haben einfach nur die ursprüngliche Fragestellung unterschiedlich interpretiert:
    Während Du in dem Hinweis auf die “Geldschwemme von Mario aus Entenhausen” eher eine Gefahr für die Stabilität und den Bestand des Euro gesehen hast, habe ich mehr die Folgen der massiven Anleihenkäufe und des immer weiter sinkenden Zinsniveaus gesehen, mit der Folge immer weiter steigender Anleihenkurse.

    Es kommt eben bei der Suche nach “risikoärmeren” Anlagen auch immer darauf an, welche Risiken man denn überhaupt befürchtet und welche man somit vermeiden möchte.

    Gruß, Der Privatier

    • Holger Grethe 19. März 2016, 18:00

      “Es kommt eben bei der Suche nach „risikoärmeren“ Anlagen auch immer darauf an, welche Risiken man denn überhaupt befürchtet und welche man somit vermeiden möchte.”

      So ist es. 🙂

  • hannes101 13. April 2016, 15:31

    Ich war jetzt auch schon mehrmals von steuerwirksamen Verschmelzungen betroffen. Mich würde einmal interessieren, wie es abläuft, wenn eine solche Verschmelzung mit Verlust durchgeführt wird, wie dann eventuell in der Zukunft erzielte Erträge betrachtet werden und zu welchem Einstandskurs diese berechnet werden. Ich würde dann von dem Kurs zum Zeitpunkt des Umtausches ausgehen, was aber in meinem Depot so nicht widergespiegelt wird. Außerdem ist es bei einer Buy-Hold Strategie auch schwierig das immer gegen entsprechende Kursgewinne zu verrechnen.
    Ich finde es etwas anstrengend, dass dadurch ein deutlich höherer Aufwand zur Steueroptimierung generiert wird, der sich absolut nicht planen lässt.
    Es gibt auch sehr wenig Informationen dazu im Internet.

  • Der Privatier 22. April 2016, 09:01

    Ich glaube, ich hatte schon angedeutet, dass mir noch eine Fondsschließung bevorsteht. Das ist jetzt inzwischen erfolgt – aber ich durfte nach über 30 Jahren Börsen-Erfahrung noch etwas Neues lernen: “Die Mitteilungspflicht nach AWV”.

    Was es damit auf sich hat, habe ich gerade in meinem aktuellen Beitrag erläutert:
    http://der-privatier.com/top-oder-flop-folge-26-mitteilungspflicht-nach-awv/

    Gruß, Der Privatier

    • Holger Grethe 22. April 2016, 15:06

      Ein schöner Artikel, Peter! Zeigt, welche kafkaesken Abgründe lauern, wenn man versucht, dem Kleingedruckten auf den Grund zu gehen. 😉

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