Geldanlage

Was sind Optionen? Alles über Funktionsweise, Chancen und Risiken

Letzte Aktualisierung
23. März 2026

Aktien sind ziemlich geradlinig: Ihr kauft sie, weil ihr glaubt, dass Kurse steigen – und verdient Geld, wenn sie es tun. Optionen sind komplizierter: Mit solchen Derivaten könnt ihr auch dann Geld verdienen, wenn Kurse seitwärts laufen, oder euch gezielt gegen Verluste absichern. Klingt spannend, doch die Risiken sind nicht ohne.

Beim Handel mit Optionen geht es nicht mehr nur um den Preis einer Aktie, sondern um Wahrscheinlichkeiten, Zeiträume und das Spiel mit der Angst des Marktes. Wir brechen die komplexe Mechanik von Optionen für euch auf das Wesentliche herunter.

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Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Option ist ein Börsen-Vertrag, der euch das Wahlrecht gibt, ein Wertpapier zu einem vorher festgelegten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen.

  • Ihr sichert euch damit heute schon die Konditionen für die Zukunft, ohne eine Kauf- oder Verkaufsverpflichtung einzugehen.

  • Dabei nutzt ihr Calls für Spekulationen auf steigende Kurse und Puts zur Absicherung eures Depots gegen fallende Märkte.

  • Optionen werden – im Unterschied zu Optionsscheinen – transparent an der Börse gehandelt. Allerdings bieten das die wenigsten klassischen Depots an, meist sind spezielle Broker nötig.

  • Optionen sind ziemlich komplex, also nichts für Anfänger:innen: Das Risiko, einen großen Teil eures Einsatzes – oder sogar alles – zu verlieren, ist real.

Was sind Optionen?

Optionen gehören zur Gruppe der Derivate. Im Kern handelt es sich dabei um einen Vertrag zwischen zwei Handelspartnern. Wenn ihr eine Option kauft, erwerbt ihr damit ein ganz bestimmtes Recht: Ihr dürft ein Wertpapier (wie eine Aktie) zu einem vorher festgelegten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums kaufen oder verkaufen. Das entscheidende Wort dabei ist „dürfen“ – ihr habt die Option, also die Wahl, aber nicht die Pflicht.

Um dieses Prinzip zu verstehen, hilft eine Analogie aus dem Alltag: die Reservierungsgebühr beim Hauskauf. Stellt euch vor, ihr habt euer Traumhaus gefunden, braucht aber noch zwei Wochen Bedenkzeit, um die Finanzierung mit der Bank zu klären. Damit euch niemand das Haus wegschnappt, trefft ihr eine Vereinbarung mit dem Verkäufer.

Ihr zahlt ihm eine Gebühr von beispielsweise 2.000 €. Dafür verspricht er euch, das Haus für 14 Tage zu einem Preis von 400.000 € zu reservieren. In dieser Zeit darf er es niemand anderem verkaufen. Ihr habt euch mit dieser Gebühr das Recht erkauft, das Haus zum vereinbarten Festpreis zu erwerben.

An der Börse funktioniert das genauso:

  • Statt eines Hauses reserviert ihr euch einen Basiswert (z. B. 100 Apple-Aktien).

  • Die Reservierungsgebühr nennt man an der Börse Optionsprämie.

  • Die Zeitspanne der Reservierung ist die Laufzeit.

Das Besondere an diesem Deal ist die ungleiche Verteilung der Macht: Während ihr als Käufer:innen die volle Entscheidungsfreiheit genießt, geht der Verkäufer eine feste Verpflichtung ein. Er muss liefern, wenn ihr euer Recht ausübt – egal, wie sich der Marktpreis in der Zwischenzeit entwickelt hat.

Entscheidet ihr euch am Ende der Zeit gegen den Kauf (weil ihr das Haus doch nicht wollt oder die Aktie gefallen ist), lasst ihr die Option einfach wertlos verfallen. Euer maximaler Verlust ist in diesem Fall immer „nur“ die Gebühr, die ihr am Anfang gezahlt habt.

Für wen eignet sich der Handel mit Optionen?

Der Optionsmarkt an der Börse ist ein hochspezialisiertes Feld. Auch wenn die Grundidee simpel klingt, handelt es sich um komplexe Finanzinstrumente, von denen Anfänger:innen lieber die Finger lassen. Wer die mathematischen Zusammenhänge und die speziellen Risiken nicht versteht, wird an der Terminbörse schnell zum „Zahler“ für die Profis.

Anders als bei einer Aktie, die ihr im Zweifel jahrelang „aussitzen“ könnt, haben Optionen ein hartes Verfallsdatum. Wenn eure Prognose nicht eintrifft, endet das Geschäft für euch als Käufer:in fast immer mit einem Totalverlust eures Einsatzes (der gezahlten Prämie).

Das ist im Optionshandel kein Ausnahmefall, sondern das Standardrisiko. Für die Verkäuferseite (Stillhalter) können die Risiken sogar noch deutlich darüber hinausgehen.

Der Handel mit Optionen ist eher was für erfahrenere Anleger:innen, die sich mit der Materie auskennen und bewusst Chancen in ihrem Depot nutzen wollen, ohne dafür auf Kurssteigerungen angewiesen zu sein. Wenn ihr eine rein passive Strategie verfolgt und euch so wenig wie möglich damit beschäftigen wollt, könnt ihr das Thema Optionen guten Gewissens meiden.

Die 4 Säulen einer Option

Anders als eine vage Wette unter Freund:innen ist eine Option ein hochpräziser Vertrag. Damit ihr wisst, worauf ihr euch einlasst, sind vier Eckpfeiler in jedem Kontrakt unveränderlich festgeschrieben. Nur wenn ihr diese „Zutaten“ kennt, könnt ihr Angebote vergleichen und euer Risiko exakt berechnen.

Hier sind die vier Säulen, die jede Option definieren:

  • Basiswert (Underlying)
    Er legt fest, worauf sich euer Recht bezieht – etwa eine Apple-Aktie, eine Unze Gold oder ein Index wie der DAX.

  • Basispreis (Strike)
    Das ist der Preis, zu dem ihr den Basiswert später kaufen oder verkaufen dürft. Er ist in Stein gemeißelt, egal wie stark der echte Börsenkurs während der Laufzeit schwankt.

  • Laufzeitende (Expiration)
    Optionen gelten nicht ewig. Dieses Datum markiert die Deadline. Nach diesem Zeitpunkt verfällt euer Recht. Ihr müsst euch also vor diesem Datum entscheiden.

  • Optionsprämie
    Das ist der Preis, den ihr an die Verkäufer:innen zahlt, um das Recht zu erwerben. Sie ist quasi eure „Eintrittskarte“ und stellt für euch als Käufer:innen das maximale Risiko dar.

In eurem Depot oder beim Broker werden alle die Option betreffenden Informationen oft in einer einzigen Zeile zusammengefasst. Der kompliziert aussehende Zahlencode ist also in Wahrheit nur die Aneinanderreihung dieser vier Informationen.

Wenn ihr wisst, wonach ihr sucht, könnt ihr jede Option sofort analysieren. Hier ein Beispiel:

In dieser Zeile findet ihr auf einen Blick alle Informationen, die ihr für euren Trade benötigt (Quelle: Yahoo Finance).

Der Name setzt sich logisch aus den vier Vertragsdaten zusammen:

  • AAPL (Basiswert): Das Kürzel steht für die Aktie von Apple Inc.

  • Dec 2026 (Laufzeitende): Die Option ist bis zum 18. Dezember 2026 gültig. Das genaue Datum (261218) findet ihr im offiziellen Code in der Klammer wieder.

  • 155.000 (Basispreis/Strike): Das ist der feste Preis von 155,00 $, zu dem ihr die Aktie am Ende kaufen dürft.

  • call (Optionstyp): Hier handelt es sich um eine Kaufoption (Call).

  • 111,56 (Optionsprämie): Das ist der aktuelle Marktpreis der Option.

Da ein Standard-Optionskontrakt in der Regel an der Börse fast immer 100 Aktien bewegt, müsstet ihr für diesen einen Kontrakt aktuell insgesamt 11.156,00 $ bezahlen (111,56 $ × 100).

Für euch als Anleger:innen ist wichtig: Der Basispreis und die Laufzeit bestimmen maßgeblich, wie teuer die Optionsprämie ist. Je wahrscheinlicher es ist, dass ihr mit eurem Recht einen Gewinn macht, desto mehr müsst ihr für die Option bezahlen.

Laufzeit einer Option

Wenn ihr euch die Laufzeit einer Option anseht, werdet ihr oft über die Begriffe ‚amerikanisch‘ oder ‚europäisch‘ stolpern. Das hat nichts mit dem Ort zu tun, an dem ihr handelt. Es beschreibt lediglich, wie flexibel ihr euer Recht während der Laufzeit nutzen dürft.

Optionstyp

Bedeutung für die Laufzeit

Amerikanische Optionen

Ihr könnt euer Recht zu jedem beliebigen Zeitpunkt während der gesamten Laufzeit ausüben. Fast alle Aktienoptionen (auch deutsche Aktien wie Allianz oder SAP) folgen diesem Standard. Sie bieten euch die maximale Flexibilität.

Europäische Optionen

Ihr könnt euer Recht nur exakt am letzten Tag der Laufzeit ausüben. Dieser Stil ist vor allem bei Index-Optionen (z. B. auf den DAX oder den S&P 500) üblich.

In der Praxis ist der Unterschied für die meisten Anleger:innen recht gering. Die meisten Trader:innen nutzen ihr Recht ohnehin nicht vorzeitig aus, sondern verkaufen die Option vor dem Laufzeitende einfach weiter, um den Zeitwert nicht zu verschenken.

Handeln statt Ausüben

Ihr müsst eine Option nicht bis zum Laufzeitende halten, um die Aktien dann physisch zu kaufen. In der Realität machen das die wenigsten Anleger:innen.

Statt die Option „auszuführen“, könnt ihr den Vertrag jederzeit während der Börsenzeiten einfach wieder verkaufen. Das hat zwei Vorteile:

  • 1.

    Ihr rettet den Zeitwert
    Der Preis einer Option besteht aus dem inneren Wert und dem Zeitwert. Wenn ihr die Option ausführt, bekommt ihr nur den inneren Wert. Wenn ihr die Option an der Börse verkauft, bekommt ihr den vollen Marktpreis inklusive des restlichen Zeitwerts.

  • 2.

    Geringerer Kapitaleinsatz
    Um 100 Apple-Aktien über eine Option wirklich zu kaufen, braucht ihr viel Bargeld auf dem Konto. Um die Option einfach mit Gewinn an den Nächsten weiterzuverkaufen, reicht ein Bruchteil dieses Geldes aus.

Egal ob amerikanisch oder europäisch – ihr seid nicht bis zum Ende an den Vertrag gebunden. Solange die Börse offen ist, könnt ihr eure Position jederzeit „glattstellen“ (verkaufen) und eure Gewinne mitnehmen.

Beispiel: Apple-Aktien vs. Apple-Option

Nehmen wir an, die Apple-Aktie steht bei 150 €. Ihr wollt von einem Kursanstieg profitieren.

  • 1.

    Direktkauf von 100 Aktien:
    Ihr müsstet 15.000 € auf den Tisch legen (100 Stück × 150 €). Das ist eine Menge Kapital, das in dieser einen Aktie gebunden ist.

  • 2.

    Kauf eines Call-Optionskontrakts (für 100 Aktien):
    Die Prämie beträgt beispielsweise 5 € pro Aktie. Ihr zahlt also nur 500 € (100 × 5 €), um euch das Recht zu sichern.

Was passiert, wenn die Aktie auf 170 € steigt?

  • 1.

    Bei den Aktien: Euer Depotwert ist um 2.000 € gestiegen – aber ihr musstet dafür 15.000 € investieren.

  • 2.

    Bei der Option: Der Preis eurer Option ist wahrscheinlich von 5 € auf etwa 20 € geklettert. Wenn ihr den Vertrag jetzt einfach verkauft, erhaltet ihr 2.000 €.

Das Ergebnis: Ihr habt 1.500 € Gewinn gemacht, aber ihr musstet dafür nur 500 € statt 15.000 € einsetzen. Wäre die Aktie hingegen gefallen, hättet ihr euren gesamten Prämieneinsatz verloren.

Kann ich meine Option jederzeit verkaufen?

Vielleicht fragt ihr euch: Wer kauft mir meine Option ab, wenn ich den Gewinn vorzeitig mitnehmen will? Keine Sorge, ihr müsst nicht lange warten: Der Optionsmarkt ist ein hochaktiver Marktplatz.

Dafür sorgen vor allem professionelle Firmen, die sogenannten Market Maker. Deren einziger Job ist es, sekündlich Preise zu stellen. Sie sind verpflichtet, euch eure Optionen jederzeit abzukaufen. Bei großen Aktien (wie Apple oder Allianz) wird euer Verkauf daher meist in Millisekunden ausgeführt. Ihr nutzt die Option also als flexiblen „Platzhalter“ und könnt jederzeit aussteigen, solange die Börse geöffnet ist.

Call und Put: Die zwei Richtungen

Es gibt zwei Grundtypen von Optionen, mit denen ihr auf unterschiedliche Marktentwicklungen reagiert: den Call und den Put.

Die Call-Option: Auf steigende Kurse setzen

Ein Call ist ein Kaufrecht. Wenn ihr einen Call kauft, erwartet ihr, dass der Kurs des Basiswerts (z. B. einer Aktie) in Zukunft steigen wird.

Das Ziel ist simpel: Ihr sichert euch heute über den Basispreis (Strike) das Recht, die Aktie später günstig einzukaufen, obwohl sie an der Börse dann bereits viel teurer ist. Je höher die Aktie über euren Strike steigt, desto wertvoller wird euer Call.

Erst wenn am Laufzeitende der Kurs des Basiswertes über die Gewinnschwelle steigt (Strike + gezahlte Prämie), beginnt ihr, mit der Option Geld zu verdienen.

Call-Option bei Fälligkeit: begrenztes Risiko, unbegrenzte Gewinnchance.

Beispiel: Angenommen, eine Aktie steht aktuell bei 100 €. Ihr kauft eine Call-Option mit einem Strike von 100 € und zahlt dafür eine Prämie von 5 € pro Aktie. Damit sichert ihr euch das Recht, die Aktie bis zum Laufzeitende für 100 € zu kaufen.

Steigt die Aktie während der Laufzeit auf 120 €, wird eure Option interessant. Ihr dürft die Aktie weiterhin für 100 € kaufen, obwohl sie an der Börse bereits 120 € wert ist. Zieht ihr die gezahlte Prämie von 5 € ab, bleibt euch ein Gewinn von 15 € pro Aktie.

Steigt die Aktie dagegen nur auf 103 €, reicht das noch nicht aus, um eure Kosten wieder hereinzuholen. Denn ihr habt ja 5 € Prämie bezahlt. In diesem Fall macht ihr also noch keinen Gewinn.

Fällt die Aktie stattdessen oder bleibt unter dem Strike, verfällt die Option am Ende wertlos. Euer Verlust ist dann auf die gezahlte Prämie von 5 € begrenzt.

Die Put-Option: Auf fallende Kurse setzen

Ein Put ist ein Verkaufsrecht. Ihr kauft einen Put, wenn ihr glaubt, dass die Kurse sinken werden.

Hier ist das Ziel genau umgekehrt: Ihr sichert euch das Recht, eine Aktie später zu einem hohen Preis zu verkaufen, auch wenn sie an der Börse bereits massiv an Wert verloren hat. Puts werden deshalb oft wie eine Versicherung genutzt, um ein bestehendes Depot gegen Crashs abzusichern.

Put-Option bei Fälligkeit: begrenztes Risiko, begrenzte Gewinnchance

Beispiel: Angenommen, eine Aktie steht aktuell bei 100 €. Ihr kauft eine Put-Option mit einem Strike von 100 € und zahlt dafür eine Prämie von 5 € pro Aktie. Damit sichert ihr euch das Recht, die Aktie bis zum Laufzeitende für 100 € zu verkaufen.

Fällt die Aktie während der Laufzeit auf 80 €, wird eure Option wertvoll. Ihr dürft die Aktie weiterhin für 100 € verkaufen, obwohl sie an der Börse nur noch 80 € wert ist. Zieht ihr die gezahlte Prämie von 5 € ab, bleibt euch ein Gewinn von 15 € pro Aktie.

Fällt die Aktie dagegen nur leicht auf 97 €, reicht das noch nicht aus, um eure Kosten wieder hereinzuholen. Denn ihr habt ja 5 € Prämie bezahlt. In diesem Fall macht ihr also noch keinen Gewinn.

Steigt die Aktie stattdessen oder bleibt über dem Strike, verfällt die Option am Ende wertlos. Euer Verlust ist dann auf die gezahlte Prämie von 5 € begrenzt.

Um eine Put-Option zu erwerben, müsst ihr die Aktie nicht bereits in eurem Depot halten. Ihr kauft lediglich das abstrakte Recht, den Basiswert zu einem festen Preis verkaufen zu dürfen. Je nachdem, ob sich die entsprechende Aktie tatsächlich in eurem Besitz befindet, erfüllt der Put für euch einen völlig anderen Zweck:

  • Szenario A (ihr besitzt die Aktie)
    Die Option wirkt wie eine Versicherung. Wenn der Kurs abstürzt, garantiert euch der Put, dass ihr eure Aktien trotzdem zum hohen Preis loswerdet.

  • Szenario B (ihr besitzt die Aktie nicht)
    Das ist reine Spekulation auf fallende Kurse. Wenn die Aktie massiv fällt, wird euer Put (das Verkaufsrecht) an der Börse extrem wertvoll. Ihr könnt den Put dann einfach mit hohem Gewinn wieder verkaufen, ohne jemals eine Aktie besessen zu haben.

Ob ihr euch für einen Call oder einen Put entscheidet, hängt allein von eurer Markteinschätzung ab. Seid ihr optimistisch oder pessimistisch?

Wichtig für euch als Anleger:innen: Da ihr die Option kauft, habt ihr in beiden Fällen das Wahlrecht. Wenn eure Prognose nicht eintrifft – die Aktie beim Call also sinkt oder beim Put steigt –, lasst ihr die Option einfach verfallen. Euer Risiko bleibt auf die gezahlte Prämie begrenzt.

Käufer:innen vs. Verkäufer:innen: Wer hat welche Rolle?

Jeder Optionskontrakt an der Börse ist ein Handel zwischen zwei Parteien. Wenn ihr eine Option kauft, muss es auf der anderen Seite jemanden geben, der sie euch verkauft. In der Fachsprache nennt man diese Positionen „Long“ (Käufer:in) und „Short“ (Verkäufer:in).

Die rechtliche und finanzielle Situation dieser beiden Rollen ist komplett gegensätzlich.

Die Rolle der Käufer:innen (Long)

Als Käufer:innen seid ihr in einer komfortablen Lage: Ihr erwerbt ein Recht. Ihr entscheidet am Ende der Laufzeit ganz allein, ob ihr dieses Recht nutzt oder nicht.

Euer Risiko: Ihr zahlt die Optionsprämie. Das ist euer maximaler Verlust. Mehr als diesen Einsatz könnt ihr als Käufer:in nicht verlieren.

Eure Chance: Bei einem Call ist euer Gewinnpotenzial theoretisch unbegrenzt, da eine Aktie unendlich weit steigen kann.

Wenn ihr Käufer:in seid, kauft ihr also eine Chance ein und zahlt dafür eine feste Gebühr.

Die Rolle der Verkäufer:innen (Short/ Stillhalter)

Wenn ihr eine Option verkauft, nehmt ihr die Rolle der Stillhalter:innen ein. Ihr seid nicht mehr die Bestimmenden, sondern ihr habt eine Pflicht.

Euer Risiko: Ihr müsst liefern (beim Call) oder abnehmen (beim Put), wenn die Käuferseite es verlangt. Das Risiko kann hier, je nach Marktbewegung, sehr hoch sein.

Eure Chance: Ihr erhaltet die Optionsprämie sofort als Barzahlung auf euer Konto. Das ist gleichzeitig euer maximaler Gewinn.

Als Verkäufer:innen verhaltet ihr euch also wie eine Versicherung. Ihr kassiert Prämien und hofft, dass die Option am Ende wertlos verfällt und ihr nicht eingreifen müsst.

Könnt ihr als Privatperson selbst zum Stillhalter werden?

Ja, das ist absolut möglich – und unter erfahrenen Anleger:innen sogar eine beliebte Strategie. Viele nutzen die Rolle der Verkäufer:innen, um sich ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aufzubauen. In der Fachsprache wird das oft als „Aktien vermieten“ bezeichnet, da ihr, genau wie eine Vermieter:in, eine feste Gebühr (die Prämie) dafür kassiert, dass ihr jemand anderem ein Recht einräumt.

Bevor ihr jedoch selbst in die Rolle der „Versicherung“ schlüpft, müsst ihr zwei wichtige Voraussetzungen kennen:

  • 1.

    Der passende Broker
    Bei herkömmlichen Brokern könnt ihr Optionen meist nur kaufen. Um selbst als Stillhalter:in aktiv zu werden und Prämien zu kassieren, benötigt ihr ein Depot bei einem spezialisierten Optionsbroker (z. B. Interactive Brokers, LYNX oder CapTrader).

  • 2.

    Die nötige Absicherung
    Da ihr als Verkäufer:in eine Pflicht eingeht, müsst ihr garantieren, dass ihr diese auch erfüllen könnt. Seriöse Anleger:innen tun dies, indem sie entweder die entsprechenden Aktien bereits im Depot haben (man spricht dann von einem Covered Call) oder das nötige Bargeld für den Kauf der Aktien bereithalten (ein Cash-Secured Put).

Das Verhältnis von Risiko und Chance ist bei Optionen asymmetrisch. Was der einen Seite an Sicherheit fehlt, hat die andere Seite als festen Puffer.

Während Käufer:innen für eine Gewinnchance bezahlen, lassen sich Verkäufer:innen (Stillhalter:innen) dafür bezahlen, dass sie ein Risiko für jemand anderen übernehmen.

Woraus ergibt sich der Preis einer Option?

An der Börse schwankt der Preis einer Aktie je nach Angebot und Nachfrage. Bei Optionen folgt die Preisbildung (die Prämie) einer präzisen mathematischen Logik. Im Hintergrund arbeiten dafür wissenschaftliche Berechnungsmodelle – die bekanntesten sind das Black-Scholes-Modell und das Binomialmodell (Cox-Ross-Rubinstein).

Wir ersparen euch an dieser Stelle die mathematischen Details, da diese Formeln extrem komplex sind und selbst von Profis meist über Software gelöst werden.

Für die Praxis reicht es völlig aus, wenn ihr versteht, dass sich der Preis einer Option wie ein Stapel aus zwei Schichten zusammensetzt: dem inneren Wert und dem Zeitwert.

1.

Der innere Wert

Der innere Wert ist der „echte“ Wert, den die Option in diesem Moment hätte, wenn ihr euer Recht sofort ausüben würdet. Er beschreibt also den handfesten Vorteil, den euch der Vertrag aktuell bietet.

Schauen wir uns das an einem Beispiel für einen Call an:

Angenommen, ihr habt das Recht, eine bestimmte Aktie für 100 € zu kaufen (Strike). An der Börse kostet die Aktie aktuell aber gerade 110 €. Da ihr sie durch eure Option 10 € günstiger bekommt als alle anderen Anleger:innen, hat eure Option einen inneren Wert von 10 €.

Liegt der aktuelle Aktienkurs hingegen unter dem Strike (z. B. bei 90 €), ist der innere Wert schlicht Null. Das ist logisch: Niemand würde sein Recht nutzen, eine Aktie für 100 € zu kaufen, wenn man sie an der Börse regulär für 90 € bekommt. In diesem Fall besteht der Preis der Option nur noch aus der Hoffnung auf künftige Kurssteigerungen – dem sogenannten Zeitwert.

Zusammengefasst lässt sich der innere Wert eines Calls mit einer einfachen Formel berechnen:

Innerer Wert (Call) = Aktueller Aktienkurs – Basispreis (Strike)

Hinweis: Bei einer Verkaufsoption, dem Put, ist es genau umgekehrt: Hier rechnet ihr Basispreis minus Aktienkurs.

2.

Der Zeitwert

Hier wird es interessant: Selbst wenn eine Option aktuell keinen inneren Wert besitzt, ist sie an der Börse fast nie kostenlos. Der Grund dafür ist die Chance, dass die Aktie während der restlichen Laufzeit noch in die für euch richtige Richtung läuft. Diesen Anteil am Preis nennt man Zeitwert – man könnte ihn auch als „Hoffnungswert“ bezeichnen.

Zwei Faktoren beeinflussen diesen Zeitwert massiv. Zum einen ist das die Restlaufzeit: Je mehr Zeit bis zum Verfall bleibt, desto mehr kann an den Märkten passieren. Deshalb ist eine Option mit einer Laufzeit von zwölf Monaten grundsätzlich teurer als ein Kontrakt, der bereits in einer Woche ausläuft.

Zum anderen spielt die Volatilität, also die erwartete Schwankungsbreite der Aktie, eine entscheidende Rolle. Wenn der Markt starke Kursbewegungen erwartet, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen hohen Gewinn. Da sich die Verkäuferseite diese Chance bezahlen lässt, treibt eine hohe Volatilität den Zeitwert nach oben.

Option vs. Optionsschein

In Deutschland herrscht oft Verwirrung, wenn es um das Thema Optionen geht. Das liegt daran, dass euch die meisten hiesigen Broker (wie Trade Republic, Scalable Capital oder die ING) keine echten Optionen anbieten, sondern nur sogenannte Optionsscheine.

Trotz des ähnlichen Namens gibt es massive Unterschiede: Eine echte Option ist ein standardisierter Vertrag, der direkt an einer Terminbörse (wie der EUREX in Europa oder der CBOE in den USA) gehandelt wird. Es ist ein Geschäft zwischen zwei gleichberechtigten Marktteilnehmer:innen.

Ein Optionsschein hingegen ist ein „verbrieftes“ Produkt. Das bedeutet: Eine Bank (der Emittent) entwirft dieses Produkt und verkauft es euch. Ihr handelt hier also nicht mit dem Markt, sondern direkt mit einer Bank.

Warum die Unterscheidung so wichtig ist:

Die Unterschiede wirken sich direkt auf Risiko, Preisbildung und Möglichkeiten beim Handel aus:

  • Preisgestaltung: Bei echten Optionen bestimmt der freie Markt den Preis. Bei Optionsscheinen legt die Bank den Preis fest. Das führt oft dazu, dass die Bank bei stark schwankenden Kursen die Preise zu ihren Gunsten anpasst.

  • Emittentenrisiko: Wenn die Bank, die euren Optionsschein herausgegeben hat, pleitegeht (erinnert euch an Lehman Brothers), kann euer Schein wertlos werden, völlig egal, wie gut eure Wette gelaufen ist. Eine echte Option ist davon unberührt, da sie über eine Börse abgesichert ist.

  • Die Rolle als Verkäufer (Stillhalter): Einen Optionsschein könnt ihr nur kaufen. Ihr könnt niemals selbst in die Rolle der Bank schlüpfen und Prämien kassieren. Echte Optionen erlauben euch hingegen beide Seiten: Käufer:in oder Verkäufer:in zu sein.

Wenn ihr im Suchfeld eures Brokers nach einer Aktie sucht und euch „Derivate“ angezeigt werden, handelt es sich zu 99 % um Optionsscheine. Um echte Optionen zu handeln, benötigt ihr, wie schon erwähnt, meist ein Depot bei spezialisierten Brokern.

Vor- und Nachteile von Optionen

Optionen sind keine magische Abkürzung zum Reichtum, sondern ein Werkzeug für Fortgeschrittene mit echten Chancen, aber genauso vielen Risiken:

  • Schutz für euer Depot (Hedging)
    Ihr könnt euer Portfolio gegen fallende Kurse absichern – wie mit einer Versicherung.

  • Gezielter Hebeleffekt
    Ihr bewegt mit wenig Kapital große Mengen an Aktien. Das ermöglicht hohe Renditechancen bei geringem Einsatz.

  • Geld verdienen in jeder Marktlage
    Mit den richtigen Strategien macht ihr auch dann Gewinne, wenn die Kurse fallen oder sich seitwärts bewegen.

  • Regelmäßiges Einkommen
    Als Verkäufer:in von Optionen (Stillhalter:in) kassiert ihr Prämien und generiert so einen Cashflow, ähnlich wie Mieteinnahmen.

  • Begrenztes Risiko für Käufer:innen
    Wenn ihr eine Option kauft, könnt ihr niemals mehr als die gezahlte Prämie verlieren.

  • Hoher Lernaufwand
    Die Mechanik hinter Optionen ist deutlich komplexer als bei einem einfachen Aktienkauf oder einem ETF-Sparplan.

  • Der Faktor Zeit
    Als Käufer:in arbeitet die Zeit gegen euch. Bewegt sich die Aktie nicht schnell genug, schmilzt euer Wert durch den Zeitwertverfall dahin.

  • Spezielle Broker nötig
    Die meisten deutschen Broker bieten keine echten Optionen an. Ihr müsst oft ein neues Depot bei spezialisierten Anbietern eröffnen.

  • Hohes Risiko für Verkäufer:innen
    Wer Optionen verkauft (Stillhalter-Basis), geht Verpflichtungen ein, die bei extremen Marktsprüngen zu hohen Verlusten führen können.

Ihr interessiert euch für Optionen, habt aber noch keine Erfahrung? Dann solltet ihr niemals direkt mit echtem Geld in den Optionshandel starten. Fast alle spezialisierten Broker bieten ein sogenanntes Paper Trading (ein Demokonto mit Spielgeld) an. Diese Möglichkeit könnt ihr nutzen, um eure ersten Call- und Put-Szenarien unter realen Marktbedingungen durchzuspielen.

Erst wenn ihr sicher versteht, wie die Zeit und die Kursschwankungen den Preis eurer Kontrakte beeinflussen, solltet ihr den Schritt an die echte Terminbörse wagen.

Wo und wie könnt ihr Optionen handeln?

Wenn ihr echte Optionen handeln möchtet, braucht ihr Zugang zu einer sogenannten Terminbörse. Zu den wichtigsten Handelsplätzen gehören etwa die EUREX in Europa oder die amerikanische CBOE.

Über klassische deutsche Depots und Neobroker wie Scalable Capital, Trade Republic oder die ING ist dieser Zugang in der Regel nicht möglich. Dort könnt ihr meist nur Optionsscheine oder andere Derivate handeln, aber keine echten Optionen.

Um am internationalen Optionsmarkt aktiv zu werden, benötigt ihr daher ein Depot bei einem spezialisierten Broker. In Deutschland gibt es nur eine kleine Auswahl an Anbietern, die euch diesen direkten Zugang ermöglichen. Viele davon nutzen technisch die Infrastruktur des US-Brokers Interactive Brokers, der weltweit zu den größten Anbietern im professionellen Wertpapierhandel zählt.

Zu den bekanntesten Optionen für deutsche Anleger:innen gehören:

  • LYNX & CapTrader: Diese Anbieter richten sich speziell an deutschsprachige Kund:innen. Ihr bekommt deutschen Support und eine steuerliche Aufbereitung eurer Handelsdaten. Technisch laufen die Depots jedoch über die Plattform von Interactive Brokers.

  • Interactive Brokers (Direkt): Wer direkt bei Interactive Brokers ein Depot eröffnet, erhält meist die günstigsten Konditionen. Dafür müsst ihr euch selbst um die steuerliche Auswertung kümmern.

Wenn ihr ein Depot bei einem Optionsbroker eröffnet, werdet ihr meist gefragt, ob ihr ein „Cash-Konto“ oder ein „Margin-Konto“ möchtet. Während für den reinen Kauf von Optionen oft ein Cash-Konto reicht, benötigt ihr für das professionelle Verkaufen von Optionen (Stillhalter-Geschäfte) zwingend ein Margin-Konto. Hierbei hinterlegt ihr eine Sicherheitsleistung (Margin), die es euch erlaubt, größere Positionen zu bewegen, als ihr reines Barvermögen auf dem Konto habt.

Der Handel mit Optionen gilt als risikoreich. Gesetzlich sind Broker deshalb verpflichtet, euer Wissen abzufragen. Bevor ihr eure erste Option kaufen könnt, müsst ihr meist einen Online-Fragebogen ausfüllen. Dabei wird geprüft, ob ihr die Mechanismen von Laufzeit, Strike und Hebelwirkung verstanden habt. Nehmt diesen Test ernst – er dient eurem eigenen Schutz.

Habt ihr euer Konto eröffnet, werdet ihr nicht mehr nach einfachen Suchfeldern suchen, sondern nach der sogenannten Option Chain (Optionskette). Das ist eine tabellarische Ansicht, in der alle verfügbaren Call- und Put-Optionen für einen Basiswert untereinander aufgelistet sind. Dort wählt ihr euren gewünschten Strike und das Laufzeitende aus und schickt eure Order ab.

Fazit: Optionen sind nichs für Anfänger:innen

Optionen sind mächtige Werkzeuge: Sie schützen euer Depot vor Crashs oder generieren regelmäßige Prämien – doch sie verzeihen keine Fehler. Während ihr ein Minus bei Aktien oft aussitzen könnt, führen Fehlentscheidungen bei Optionen meist zum sofortigen Totalverlust. Wenn ihr nicht wisst, was ihr tut, investiert ihr nicht, sondern spekuliert auf sehr dünnem Eis.

Handelt Optionen nur, wenn ihr euch intensiv eingearbeitet habt und versteht, was ihr tut. Wenn ihr das Ganze erst einmal ausprobieren wollt, nutzt ein Demokonto (Paper Trading), um ein Gefühl für den Optionshandel zu bekommen, ohne echtes Geld aufs Spiel zu setzen.

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„Ich zeige dir in nur 7 Tagen, wie du mit dem passiven Investieren startest“
Henriette von Zendepot
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Henriette Dieckhoff ist Finanzcoach aus Berlin und darauf spezialisiert, vornehmlich Frauen zu empowern, ihre Finanzen eigenständig zu meistern. In Workshops, Vorträgen und Coachings vermittelt sie mit Leichtigkeit und Leidenschaft, wie ein souveräner Umgang mit Geld gelingt – inklusive erfolgreichem Investieren in ETFs.
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