Würdest du fremden Leuten dein Geld leihen?

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Immer wieder kommt die Bitte von meinen Lesern: „Schreib doch mal was über Peer-to-Peer-Kredite!

Zugegeben schiebe ich dieses Thema bereits seit einer gefühlten Ewigkeit vor mir her.

Zum einen weil mich diese ganze Privatkreditchose ehrlich gesagt noch nie so wirklich interessiert hat (sorry!)

Zum anderen weil mir angesichts eines bevorstehenden Umzugs derzeit schlicht die Zeit fehlt, mich gründlich in das Thema einzuarbeiten.

Und da „keine Zeit“ und „keine Lust“ häufig gute Nachbarn sind, bin ich mehr als froh, dass mir nun ein kompetenter Gastautor in dieser Angelegenheit aus der Patsche hilft: Albert Warnecke, auch bekannt als Finanzwesir.

Albert hat sich nicht lumpen lassen und einen genauso ausführlichen wie unterhaltsam zu lesenden Gastartikel zum Thema P2P-Kredite abgeliefert. Bitte sehr:

Diesen Artikel als Podcast hören

Fühlst du dich beim Blick auf dein Sparbuch oder Tagesgeldkonto enteignet?

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank bringt dich um deine Rendite. Dein Geld vermehrt sich so zaghaft wie Pandabären und du sehnst die längst verflossenen Zeiten der Karnickel-Zinsen herbei.

Tröste dich, es gibt sie wieder, die Karnickel-Zinsen. Aber nicht bei der Bank, sondern im Internet bei einer P2P-Lending-Plattform.

P2P-Lending, was ist denn das?

„P“ steht für Person, „lending“ ist nichts weiter als das englische Wort für Kreditgewährung. Es geht also um die Gewährung von Krediten zwischen Privatpersonen.

In diesem Artikel möchte ich dir einige P2P-Kredit-Plattformen vorstellen und erklären, wie diese Firmen arbeiten. Dann kannst du entscheiden, ob du einen Teil deines Geldes dort anlegen möchtest.

Fangen wir mit dem Grundsätzlichen an:

Wie funktioniert eine P2P-Plattform?

Auf der einen Seite sind die Geldanleger, deren Spargeld gerade mal so den Inflationsausgleich schafft. Diese Menschen wollen höhere Zinsen für ihr Geld.

Auf der anderen Seite stehen die Kreditnehmer, die Geld brauchen und es von den Banken entweder nicht oder nur zu sehr hohen Zinsen bekommen.

Die P2P-Plattform bringt Sparer und Kreditnehmer zusammen.

Der Kreditsuchende stellt sich dort kurz vor und gibt die gewünschten Konditionen ein:
– Wie hoch soll der Kredit sein?
– Wie lange soll die Rückzahlung dauern?
– Außerdem müssen noch die üblichen Bonitätsfragen beantwortet werden

Daraus berechnet die Plattform dann den zu zahlenden Zinssatz.

Die Anleger schauen sich die Kreditgesuche an und entscheiden, welche Kredite sie ganz oder teilweise finanzieren möchten.

Wenn ein Kreditnehmer einen Kredit über 1.000 Euro aufnehmen möchte, kann es sein, dass sein Kredit von bis zu 40 Anlegern finanziert wird, von denen jeder den Mindestbetrag von 25 Euro beisteuert.

Größere Projekte werden von Konsortien finanziert, die mehrere Hundert Anleger umfassen.

Umgekehrt gilt das Gleiche: Wenn du 1.000 Euro anlegen möchtest, wirst du dein Geld nicht in einen Kredit investieren, sondern dein Risiko streuen und in 30 bis 40 Kredite investieren.

Je nach Plattform hast du als Anleger 14 bis 21 Tage Zeit, um dich an einem Kredit zu beteiligen. Wenn der Kredit voll finanziert ist, unterschreibt der Kreditnehmer den Vertrag.

Du überweist das Geld an die P2P-Plattform und diese zahlt den Kredit aus. Sollte der Kredit durchfallen, passiert nichts.

Die Betreiber der Plattform nehmen die Rückzahlungen entgegen und überweisen dir monatlich deinen Anteil.

Welche Anbieter gibt es?

Wenn du in Deutschland lebst, schau dir die folgenden Anbieter an:

1. Auxmoney – ein deutscher Anbieter, bei dem du mit 25 Euro Anlagesumme dabei bist. Versprochen werden Zinsen zwischen 7% und 15%. Seit 2006 am Markt.

2. Bondora – vormals Isepankur, ein estischer Anbieter, der europaweit Kredite vergibt und auch in Deutschland eine Zulassung hat. Versprochen werden Zinsen zwischen 20% und 32%. Seit 2009 am Markt.

3. Lendico – gehört zu Rocket-Internet (Samwer-Brüder) und ist seit 2013 aktiv. Versprochen werden Zinsen zwischen 4% und 15%.

4. Zencap – ebenfalls ein Unternehmen von Rocket-Internet. Im Gegensatz zu den drei anderen Plattformen vergibt Zencap ausschließlich Kredite an Firmen. Versprochen werden Zinsen zwischen 4% und 15%.

Alle Plattformen rechnen in Euro, vor Währungsverlusten musst du also keine Angst haben.

Wie geht es hinter den Kulissen zu?


Vordergründig werben diese Plattformen mit einem altruistischen Ansatz. Es geht nicht ums Geld, sondern man hilft sich von Mensch zu Mensch.

Der Kreditnehmer bekommt sein Geld zu günstigen Konditionen. Als Anleger bekomme ich zwar sieben bis zehn mal soviel wie auf dem Tagesgeldkonto, muss mich aber trotzdem nicht als mieser Kredithai fühlen, sondern eher wie Mutter Teresa.

Mit anderen Worten: P2P-Kredite sind die menschliche und faire Alternative zu den kalt kalkulierenden Abzocker-Banken. Wir sind alle eine große Familie und superhappy, dass wir zusammen die bösen Banken ausgebootet haben.

Blödsinn! So läuft die Nummer nicht.

P2P-Kredite sind riskante Geschäfte mit unbesicherten Konsumentenkrediten.

Was heißt unbesichert?

Wenn du dir anschaust, wofür die Kreditnehmer dein Geld ausgeben wollen, wirst du feststellen, dass es in den meisten Fällen um Möbel, Hochzeiten, Umschuldungen oder Urlaube geht.

Also nichts, was man zu Geld machen könnte, falls der Schuldner nicht mehr zahlen kann. Deshalb unbesichert. Es gibt keine Sicherheiten, wenn der Schuldner nicht zahlt.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob es wirklich so gut ist, die Banken auszubooten?

Wenn eine Bank etwas kann, dann ist es Schuldner zu bewerten. Das konnten schon die Fugger im 16. Jahrhundert.

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Was macht eine gute P2P-Plattform aus?

Zwei Dinge sprechen für die Qualität einer P2P-Plattform:

1. Sorgfältige Auswahl der Kreditnehmer und die Einteilung der Schuldner in Risikoklassen.

2. Ein knallhartes Inkasso, damit säumige Schuldner nicht zu sehr in Rückstand kommen.

So sorgen die P2P-Kreditplattformen dafür, dass sich die Ausfälle in Grenzen halten und Betrüger abgeschreckt werden. Kredite von Privat an Privat sind keine karitative Veranstaltung, sondern ein Geschäft.

Oder willst du dein Geld einfach irgendwem anvertrauen?

Diese Prüfung kostet Geld. Den Löwenanteil der Kosten trägt der Kreditnehmer, aber Plattformen wie Auxmoney, Lendico und Zencap verlangen auch vom Geldanleger Gebühren. Aktuell sind das 1% auf die Anlagesumme, bzw. auf die Rückzahlung (Anlagesumme plus Zinsen).

Wie gut ist die Kreditprüfung?

Alle Anbieter behaupten von sich, ganz genau hinzuschauen und sehr stark zu filtern. Hier ein Zitat von der Auxmoney-Web-Site:

„Mehr als 80% aller Kreditanfragen werden vom Auxmoney Marktplatz ausgeschlossen.“

Trotzdem lassen sich die meisten Plattformen hier nicht in die Karten schauen, sondern geben nur globale Ausfallraten an.

Ich glaube den Anbietern aber, dass sie permanent daran arbeiten, ihr Scoring zu verbessern und die Spinner schon vorher auszufiltern. Angeblich beträgt die Ablehnungsquote der P2P-Kredit-Firmen insgesamt rund 90%.

Trotzdem stellt sich mir die Frage:

Können die sehr jungen Anbieter (Auxmoney ist als „Veteran“ seit 2006 am Markt) und das nach wie vor geringe Darlehensvolumen (Bondora hat seit Bestehen gerade einmal Kredite im Wert von 25 Millionen Euro vergeben) es wirklich mit klassischen Privatkundenbanken wie der Noris Bank, der Targo Bank oder der Santander Consumer Bank aufnehmen, wenn es um die Risikoabschätzung geht?

Zum Vergleich: Als die Deutsche Bank 2006 die Noris Bank gekauft hat, hatte diese ein Kreditvolumen von 1,4 Milliarden Euro in den Büchern.

Soll ich P2P-Kredite vergeben?

Holger predigt auf zendepot stets einen großen Vorteil des passiven Anlegens: Der geringe Zeit- und Arbeitsaufwand.

Wenn du hingegen ins P2P-Kreditgeschäft einsteigen willst, musst du folgende drei Dinge mitbringen:

1. Zeit
2. Eine gewisse Abenteuerlust
3. Solide Excelkünste

Mit anderen Worten: P2P-Kredite müssen betreut werden und brauchen den aktiven Geldanleger.

Nehmen wir auf der anderen Seite einen ETF auf den MSCI World. Hier legst du dein Geld in einen breiten Index, bestehend aus Hunderten von Firmen an. Das kannst du nur, weil andere für dich die schwere Arbeit gemacht haben.

Die Analysten der Firma MSCI haben sich überlegt, wie sie den Index am besten konstruieren und die Kollegen von der Fondsfirma haben daraus dann einen ETF gebaut. Du musst nur noch das Geld überweisen und einen Anteilsschein kaufen.

Wenn du P2P-Kredite vergeben willst, musst du dir dein Portfolio aus einer Vielzahl von Einzelkrediten selbst zusammenkaufen. Du musst dir dazu eine Strategie überlegen und Zeit investieren.

Vor allem aber brauchst du Vertrauen, denn das A und O im Kreditgeschäft ist der Risikobewertungsprozess. Du hast weder die Zeit noch die Möglichkeit, die Kredite auf Herz und Nieren zu prüfen.

Das bedeutet: Du musst der Risikobewertung der jeweiligen P2P-Plattform „blind“ vertrauen. Die Beschreibung und der vom Kreditnehmer angegebene Verwendungszweck taugen nicht als Bewertungskriterien.

Bedenke, dass der Kreditnehmer mit dem Geld machen kann, was er will. Er muss es nicht so verwenden, wie beschrieben.

Dann gibt es noch die moralische Komponente: Dir muss klar sein, dass du ein Konsumverhalten finanzierst, dass von dem deinen stark abweicht – um es mal diplomatisch auszudrücken.

Wichtige Fragen

Bist du trotzdem interessiert? Dann solltest du Antworten auf die folgenden Fragen finden:

Wie viel Geld willst du anlegen und wie lange?

Die Kreditlaufzeiten liegen zwischen einem und sechzig Monaten. Sechzig Monate, das sind fünf Jahre. Solange ist dein Geld dann gebunden. Eine vorzeitige Rückzahlung ist nicht vorgesehen.

Wenn du auf regelmäßige Rückflüsse Wert legst, musst du lang- und kurzlaufende Kredite geschickt mischen.

Wie willst du den Anlagebetrag stückeln?

Immer den Mindestbetrag, der bei Bondora 5 Euro beträgt, oder investierst du lieber 1% der Gesamtsumme pro Kredit? Dann hast du nie mehr als 100 Kredite zu verwalten.

Willst du wirklich 1.000 Euro in 5€-Tranchen anlegen und dann 200 Kredite verwalten? Klar, damit hast du das Ausfallrisiko fast auf Null verdünnt, lädst dir aber Papierkram auf bis zum Gehtnichtmehr.

Mach dir das Finanzamt zum Feind und gib 200 mal die zu versteuernden Centbeträge an. Wenn du 15% Zinsen für einen 5€-Kontrakt bekommst, dann sind das 75 Cent Zinsen pro Jahr.

Welche Risikoklassen sind ok für dich?

Nur A+ oder auch die B- und C-Bonitäten oder nimmst du lieber die F-Kredite? Die F-ler schlittern zwar immer knapp an der Privatinsolvenz vorbei, aber wenn sie zahlen, dann mit 35% Zinsen.

Oder vielleicht lieber eine Mischung aus allen Risikoklassen? Wenn ja, wie? Gleich verteilt über alle Risikoklassen oder möchtest du eine Risikoklasse übergewichten?

Also 60% mit A-Rating und den Rest dann auf die B- bis F-Bonitäten verteilen?

Ein gutes Kriterium ist auch die Kombination von gewünschter Kreditsumme und Bonität des Schuldners. Ein A-Schuldner, der sich 3.000 Euro leihen möchte, da bist du dabei.

Ein Schuldner der F-Klasse, der sich 10.000 Euro wünscht? Vergiss es! Wie soll der das jemals zurückzahlen?

Weitere Kriterien


Anlagedauer, Stückelung und Risiko sind nur die drei Hauptpunkte, die du berücksichtigen solltest. Du kannst auch noch die Nationalität des Kreditsuchers, die absolute Höhe des Kredits, den Verwendungszweck und viele weitere Kriterien anlegen.

Das sind die Legoklötzchen, aus denen du eine sprudelnde Zinsquelle bauen kannst.

Wenn du eine Strategie hast, musst du diszipliniert sein und dich daran halten, auch wenn dich das Jagdfieber packt. Du solltest nur auf Kredite bieten, die in dein Beuteschema passen, der Rest wird ignoriert.

Wenn ein Kredit komplett zurückgezahlt ist, musst du dich entscheiden: Ziehst du das Geld ab oder suchst du dir einen neuen Kredit?

Vorausgesetzt du findest einen, der dir zusagt. Aktuell passen Nachfrage und Angebot recht gut zusammen.

Wenn jetzt aber viele das P2P-Investing für sich entdecken, kann es gut passieren, dass sich viele Anleger um wenige Kredite balgen und ein guter Teil leer ausgeht.

Das P2P-Kreditgeschäft ist ein iterativer Prozess. Du musst am Anfang ein paar begründete Annahmen treffen, der Qualitätskontrolle des Anbieters vertrauen und loslegen.

Nach einem halben Jahr schaust du, wie deine Kredite sich entwickeln und justierst wenn nötig nach. Je besser du dich auskennst, umso mehr frisches Geld kannst du investieren.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Auf die von den Anbietern veröffentlichten Kennzahlen würde ich mich allerdings nicht blind verlassen, denn

1. Anbieter wie Lendico und Zencap sind noch sehr jung.

Lendico gibt es seit Dezember 2013 und der Zencap-Webserver ging im März 2014 an den Start. Hier können noch keine aussagekräftigen Zahlen vorliegen.

2. P2P-Kredite liegen im Trend.

Alle Anbieter erfreuen sich hoher Mittelzuflüsse. Diese Schwemme an frischem Geld kann dazu führen, dass Kennzahlen wie die Ausfallquote viel zu optimistisch angegeben werden. Junge Kredite hatten einfach weniger oft die Chance nicht bedient zu werden als alte.

Manchmal zieht die P2P-Kreditplattform auch in letzter Sekunde die Notbremse. Dann wird ein eigentlich bewilligter Kredit nicht ausgezahlt und die Gelder gehen an die Kreditgeber zurück. Solche Kredite gelten dann als „vorzeitig abbezahlt“. Das peppt die Ausfallquote auf.

3. Es ist oft sehr schwer nachzuvollziehen, wie die Anbieter die Renditen berechnen

Gewichtet, ungewichtet, abgezinst – es gibt da viele Möglichkeiten, die alle legal sind.

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Geht das nicht auch einfacher?

Auxmoney und Bondora kennen sogenannte Investitionsprofile. Das sind Biet-Agenten, die sich automatisch an neuen Krediten beteiligen und so dein Portfolio auffüllen.

Zwar machst du die Vorgaben, aber auch diese Agenten entbinden dich nicht von deinen gärtnerischen Pflichten. P2P-Kredite sind nicht vergleichbar mit einem Tagesgeldkonto. Einfach nur einzahlen und Zinsen kassieren ist nicht.

Manche Kredite werden überfällig, andere wandern ins Inkasso, wieder andere erholen sich und werden wieder pünktlich bedient. Irgendwas ist immer.

Dazu sind die Kreditnehmer auch ein zu buntes Völkchen. Bei Lendico möchte ein 69 Jahre alter Mann einen Kredit über 3.500 Euro aufnehmen. Unter Projektbeschreibung schreibt er:

Mit dem Geld ruhig leben. In Zukunft keine Sorgen mehr haben.

Bei Auxmoney möchte „andi1968“ 11.800 Euro aufnehmen um „neu durchzustarten„. Wohin die Reise gehen soll, sagt er nicht.

Welche Leute findet man als Anleger auf Bondora und Co?

Selbständige, Verbraucher mit eingeschränkter Bonität, Berufsanfänger oder Senioren. Also diejenigen, die auf dem klassischen Weg nur schwer eine Finanzierung erhalten.

Einfach investieren ist nicht

Nein, es geht nicht einfacher. Renditen jenseits der 10% müssen erarbeitet werden!

Die Vergabe von P2P-Krediten ist eine unternehmerische Tätigkeit, die sehr viel Spaß machen kann und die mit Sicherheit auch lukrativ ist. Du musst aber die Haken und Ösen des Spiels kennen, wenn du nicht verlieren willst.

Kannst Du einen Kettenkreditnehmer erkennen? Also jemanden, der dabei ist, im Schuldensumpf zu versinken und deshalb immer neue Kredite aufnimmt, um die alten zu bedienen?

Außerdem musst du dir überlegen, wie du das Ganze sinnvoll abwickelst. Selbst wenn du nur 1.000 Euro anlegst, wirst du an 20 bis 40 Krediten beteiligt sein.

Ernsthafte Anleger haben Hunderte von Krediten im Portfolio und prüfen jeden Zahlungseingang nach. Auch die Betreiber der Plattformen machen Fehler und überweisen nicht immer den korrekten Betrag. Dann heißt es Reklamieren.

Ohne vernünftige Administrationsprozesse kommst du nie auf einen gescheiten Stundenlohn. Excel-Kenntnisse sind deshalb ein absolutes Muss.

Nehmen wir an, du legst 10.000 Euro in P2P-Krediten an. Deine jährliche Rendite nach Steuern und Inflation beträgt sehr, sehr ordentliche 15%. Dann hast du am Ende des Jahres 1.500 Euro verdient. Mehr wird´s bestimmt so schnell nicht.

Mit dieser Hausnummer kannst du ausrechnen, wie viele Stunden du maximal an deinen P2P-Krediten arbeiten kannst, bevor dein Brot-Job einen besseren Stundenlohn bietet.

Wenn du hier bist, weil du Holgers Philosophie des entspannten Investierens magst, dann dürften P2P-Kredite nichts für dich sein.

Wenn du dagegen Zeit übrig hast und bereit bist, dich in ein neues, spannendes Feld einzuarbeiten, dann probier´ es aus.

Mit 100 Euro kannst du dich an 20 Bondora-Krediten beteiligen und lernen. Wenn du dann Blut geleckt hast, drehst du den Geldhahn auf.

Das Fazit


Die Gretchenfrage Grethe-Frage: „Finanzwesir, würdest du P2P-Kredite vergeben?

Vorerst nein.

Weil mich das operative Kleinklein abschreckt. Wenn ich mein Geld in einem ETF anlege, ist es egal, ob ich 10 €, 100 €, 1.000 € oder 10.000 € anlege. Ich bekomme von meiner Bank eine Jahresendabrechnung und muss eine Zeile in der Steuererklärung ausfüllen. Eine passive Geldanlage skaliert sehr gut.

P2P-Kredite skalieren weniger gut. Wenn ich die Zahl meiner Kredite verdopple, habe ich vielleicht nicht die doppelte Arbeit, aber der Aufwand steigt deutlich.

Um das Risiko vernünftig zu streuen, sollte kein Anleger weniger als 100 Kredite finanzieren. Ich habe bei meinen Recherchen Anleger kennengelernt, die an knapp 600 Krediten beteiligt waren.

Das ist mir zu stressig.

Ich will, dass mein Geld für mich arbeitet und nicht umgekehrt. Ich will auch nicht herausfinden, ob ich wirklich die Nerven habe, zu akzeptieren, dass ich einen Teil der Kredite abschreiben muss.

Bei einem Zinsniveau von maximal 32% muss es Kreditausfälle geben.

Ich weiß auch nicht, ob ich den Auswahlkriterien der P2P-Plattformen wirklich vertrauen kann.

Lendico und Zencap sind noch zu jung, die Anbieter der ersten Generation wie Auxmoney und Smava haben gezeigt, dass sie die Risikoanalyse eben doch nicht so gut beherrschen, wie die Banken.

Smava hat sich deshalb auch zurückgezogen und vermittelt nur noch konventionelle Ratenkredite.

Einzig Bondora (aktiv seit 2009) vermag mein Interesse zu wecken. Auch wegen des deutlich höheren Zinsniveaus in Estland. Bei einem Zinsniveau von 20% bis 32% bleibt – bei gleichem Aufwand – einfach mehr hängen.

 
Hast du Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel? Wir freuen uns auf deinen Kommentar.

Albert Warnecke ist der Finanzwesir:
 
Er schreibt als Ingenieur über Finanzthemen, weil er selbst viele Fehler gemacht und festgestellt hat, dass seine Kinder zwar Abitur haben, aber noch nicht einmal ein Girokonto eröffnen können.
 

Links zum Podcast

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), lizensiert unter CC0 1.0

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{ 18 Kommentare… add one }
  • Jens 16. Oktober 2014, 10:34

    Klasse Überblick, meine Herren! 🙂

    Unbesicherte Kredite: Dass die Dinger per se nicht abgesichert sind, ist nicht immer so. Bei Auxmoney gibt’s Auto-Kredite, die durch den Wagen (Kfz-Brief) sehr wohl – einigermaßen – abgesichert sind.

    Besonders krass finde ich allerdings die Kreditanfragen mancher Zeitgenossen, die mit 18.000 Euro ihren Dispo ausgleichen wollen!? *wtf*

    Dass man den Anbietern skeptisch gegenüberstehen sollte, sehe ich auch so! Die Idee ist dennoch gut: Leute mit Geld und Leute ohne Geld zusammen zu bringen. Wenn doch nur jeder ehrlich, zahlungswillig und rückzahlungsfähig wäre!

    Auf meinem Blog habe ich Auxmoney-Erfahrungen zusammen getragen und muss ehrlich gestehen, dass mittlerweile diverse Projekte in Mahnstufe 2 / Mahnstufe 3 sind und einige schon im Inkasso-Prozess sind. Komplett ausgefallen ist bisher bei mir jedoch nichts.

    Komplett recht gebe ich euch mit der Tatsache, dass das nichts für Quick & Easy Leute ist. Wenn ich sehe, wie viel Geld manche Leute bei Auxmoney investieren (Top Listen) zweifle ich schon sehr daran, dass man das „einfach mal so nebenher“ machen kann.

  • Jannes 16. Oktober 2014, 11:07

    Hallo Holger, Hallo Andreas,

    Ein wirklich sehr gut gelungener Gastartikel. Ich lese regelmäßig mit Freude eure Blogs und deshalb freut mich eure Kooperation umso mehr.

    Meiner Meinung nach ist ein sehr guter Kompromiss zwischen dem allgemeinen Überblick und den konkreten Problemenstellungen gelungen.
    Vor allem die Gegenüberstellung mit dem passiven Investieren finde ich wichtig und nützlich als Orientierung für jeden Anleger.

    Holger hat es ja schön öfters beschrieben: Es ist sehr schwierig, konstant Aktien zu finden, die den Markt im langfristigen Durchschnitt schlagen. Daher ist es ratsam, in einen breit aufgestellten Index zu investieren.

    Nun gibt es aus meiner Sicht zwei Gründe, warum jemand stattdessen in P2P-Kredite investieren sollte: 1. Er möchte direkt anderen Menschen helfen. 2. Er möchte eine bessere Rendite.

    Der zweite Punkt ist wohl das häufigere und besser beurteilbare Argument, welches ich persönlich jedoch anzweifel.
    Schließlich haben wir schon Schwierigkeiten gute Aktien zu finden, von denen wir so ziemlich alle Geschäftszahlen kennen. Wie sollen wir nun gute von schlechten Kreditgebern unterscheiden, über die wir nur sehr wenig wissen, um eine überdurchschnittliche Rendite einfahren zu können?

    Daher kann ich mich eurer Skepsis nur anschließen. Klasse, dass hier auch solche Themen diskutiert werden.

    Viele Grüße,
    Jannes

  • Julia 16. Oktober 2014, 15:24

    Auch ich freue mich über die Zusammenarbeit meiner beiden Lieblings-Finanzblogger 🙂
    Danke für den ausführlichen und gut verständlichen Artikel. Mir gefiel auch der im Artikel erwähnte Aspekt, dass man mit den Krediten die zweifelhafte „auf-Pump“-Konsumwut anderer unterstützt.

    Die Behauptungen des Finanzwesirs, man brauche viiiel Zeit und super Excel-Kenntnisse, um in P2P-Kredite zu investieren kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Wozu die Excel-Tabellen?

    Mein Unverständnis mag daher rühren, dass ich nicht mit (zehn)tausenden Euro dort investiert bin, ich habe nur einige wenige hundert Euro investiert bei Lendico und Bondora und sehe das als eine Art „Spielgeld“ oder Experiment. Ich bespare ansonsten ETFs über Sparpläne und habe eine „eiserne Reserve“ auf einem Tagesgeldkonto – für unvorhergesehene Ausgaben. Das wenige Geld, das in P2P-Krediten steckt, benötige ich also nicht dringend. Mehr Zinsen als auf einem Tagesgeld-Konto bekomme ich wohl, selbst wenn der eine oder andere Kredit ausfallen sollte. Bei dieser inneren Herangehensweise brauche ich dann auch keine komplizierten Excel-Tabellen, die mir die dritte Nachkomma-Stelle meiner Rendite ausrechnen.

    Zum Thema „Gutes Tun“ und zur Ergänzung: es gibt auch noch den Anbieter Zidisha.org, der P2P-Kredite an Kleinunternehmer in Entwicklungsländer (Afrika, Indonesien) vergibt. Hier ist die Mindestanlagesumme 1 US-Dollar. Tabellen und Grafiken, die die erzielte Rendite und allerlei mehr darstellen wie bei Bondora oder Lendico wird man bei Zidisha aber vergeblich suchen: der Fokus ist hier klar nicht auf der Rendite sondern auf dem „von Mensch zu Mensch“.

  • geldexperimente 16. Oktober 2014, 18:16

    hallo,

    Schöne Zusammenfassung, auch wenn ich nicht finde, dass es sooo zeitaufwendig ist.

    Meine (kleine) Bondora-Investition (über die ich auch auf meinem Blog schreibe (unbezahlte Anzeige)), „unterhält“ mich gerade so gut, dass ich nicht in Versuchung komme, ständig bei meinem passiven ETF-Portfolio die ETF-Wahl oder die Anlageklassen-Aufteilung „verbessern“ zu wollen.

    Meine Rentenvorsorge würde ich auch nicht auf p2p-Krediten aufbauen…

    ciao,
    christian

  • Finanzwesir 17. Oktober 2014, 09:26

    Hallo zusammen und danke für die netten Worte.

    @Jens: Mit der Besicherung eines Kredits durch ein Auto bei Auxmoney hast Du recht. Ich sehe das trotzdem skeptisch, denn das Auto steht ja nicht unter Museumsbedingungen in der Garage, sondern wird weiter gefahren und verliert dadurch an Wert oder wird sogar in einen Unfall verwickelt. Eine richtig „harte“ Besicherung wären für mich Grundschulden oder Wertpapiere erstklassiger Bonität. Deshalb habe ich mich entschieden das in diesem Artikel nicht zu erwähnen. Holger hatte eine Gastartikel bestellt und nicht den großen zeitgenössischen Roman 😉

    @Julia:
    >>Auch ich freue mich über die Zusammenarbeit meiner beiden Lieblings-Finanzblogger
    Da muß ich doch mal eifersüchtig werden: Warum finde ich dann noch keinen Kommentar auf meinem Blog? 🙁 Oder hast Du da ein anderes Pseudo?

    Was das Thema Excel und Zeitaufwand angeht (für Julia und geldexperimente):
    Mein Blickwinkel war P2P als ernstzunehmende Geldanlage. Wer mit wenigen hundert Euro am Start ist und renditemäßig so mitschwimmt, braucht höchstwahrscheinlich kaum Excel. Obwohl meiner Meinung nach im Geldbereich ohne Excel nie irgendetwas geht. 🙂
    Folgende Rechnung: Der Mindestlohn beträgt 8,50 € brutto. Wenn man es schafft einen Zinssatz von 8,5% zu erwirtschaften, kann man sich pro 100 € eine Stunde jährlich mit dem Thema auseinandersetzen. Wenn der Zinssatz bei 17% liegt, dann sind es zwei Stunden jährlich. Bei 500 € Kapital und 17% Zinsen sind das 10 Stunden pro Jahr. Das mag hinkommen, muß es aber nicht.

    Was habe ich verdient? 5*17€ = 85 €, abzüglich 26,375% KapSt + Soli = 62,58 €.

    Was kann ich alternativ tun, um diese Summe zusätzlich in der Tasche zu haben? Ich kann zum Beispiel konsequent das Fahrrad nutzen und so eine Tankfüllung im Jahr einsparen oder einfach einmal weniger mit Frau Finanzwesir essen gehen.
    Und ich habe mit 17% gerechnet. Die gibt´s nur bei Bondora. Bei den anderen ist man mit 10% schon ganz weit vorn. Wer 10% erwirtschaftet, geht am Jahresende mit 36,81 € vom Platz. Das ist eine halbe Tankfüllung oder einmal Burger & Cola bei McDonalds.

    Jede Geldanlage ist ein Business, da muß man Aufwand und Ertrag zueinander ins Verhältnis setzen.
    Die deutschen Anbieter führen die Quellensteuer bereits ab oder man schickt einen Freistellungsauftrag los. Aber was ist mit Bondora? Kriege ich da Brutto für Netto und muß das dann selbst versteuern?

    Mich interessiert bei einem Investment nicht nur die Rendite, sondern auch der operative Papierkram. Was nützt mir eine gute Rendite, wenn mir die Administration dann alles versaut.

    Ich wäre an einer reinen Autopilot-Sache interessiert. Eine Realrendite von 3%-4% wäre absolut ausreichend. Aber wenn ich mir die Foren so ansehe, dann hat da jeder seine Strategie, passiv läuft da nichts. Und das ist nicht nur der Spieltrieb. Wer bei Bondora investiert, muss wissen, dass die Finnen keine Strafzinsen zahlen, weil gesetzlich verboten…

    Der Trick von geldexperimente, die P2P-Anlage als „Opferanode“ zu nehmen um seinen Spieltrieb auszuleben ist psyhologisch sehr clever, hat aber mit P2P als Geldanlage wenig zu tun.

    Klar, als Hobby würde ich P2P-Kredite auch jederzeit dem klassischen Breifmarkensammeln vorziehen. Es ist spannend, intellektuell anregend und bezahlt sich zum Teil selbst. Das ist natürlich cool.

    Gruß
    Finanzwesir

    • Jens 17. Oktober 2014, 12:59

      Na, komm… Dafür hast Du andere Dinge aber schon extrem betont und aus-erörtert. Sollte keine Majestätsbeleidigung sein, sondern nur der Hinweis, dass dem Gros an Kreditanfragen-Spam zumindest manchmal Sicherheiten gegenüberstehen. 🙂

    • Finanzwesir 17. Oktober 2014, 17:22

      >Sollte keine Majestätsbeleidigung sein
      So habe ich es auch nicht aufgefaßt, außerdem bin ich nicht der Finanzkalif 😉

      Es ist ja wichtig und gut, wenn in den Kommentaren eine Diskussion aufkommt und ein Auto ist als Sicherheit zu haben, ist natürlich besser als ein vollkommen unbesicherter Kredit. Das hast Du recht.

      Gruß
      Finanzwesir

  • Dirk 18. Oktober 2014, 04:10

    Ich hatte mir mal einen Urlaubstag lang die P2P-Platform Smava angeschaut, welches gleichzeitig auch ein Kreditvergleichsportal ist, und hab dann doch sehr ernüchtert abgewunken, weil es interessantere Alternativen mit besserem Rendite/Risiko-Profil gibt.

    Ersteinmal sollte man sich klar machen, warum P2P-Kredite für das eigene Anlageportfolio interessant sein können:

    -Diversifikation über verschiedene Anlageklassen
    -geringe Korrelation zum bestehenden (Aktien-)Portfolio
    -kalkulierbare Rendite

    Für sich sind das nun schon einmal gute Gründe sich dafür zu interessieren. Der große Haken sind aber die Schuldner. Die sind nämlich eine harte Negativ-Auslese auf dem Kreditmarkt.
    Online-Kredite kann man im Augenblick auf diversen Vergleichsportalen für unter 3% abschließen.
    Schuldner der besten Risikoklasse haben bei Smava allerdings schon einen Zinssatz von 3,6%. Zusätzlich fallen noch happige Kreditbearbeitungsgebühren für den Schuldner und relativ kleine für den Investor an.

    Es gibt also zwei Gründe warum Schuldner über P2P-Platformen Kredite anfragen:
    – sie werden von ihrer eigenen Hausbank (und auch von anderen Banken) nicht als kreditwürdig angesehen
    – sie sind zu dumm um Kosten zu vergleichen

    Beides sind keine guten Voraussetzungen für die Erfüllung der Zahlungspflicht.

    Ferner haben die Platformen keinen oder einen eher schlechten Track-Record. Durch die schlechten Schuldner sackt natürlich die Rendite ab. Smava wirbt zwar damit, dass die Rendite höher als bei Unternehmensanleihen ist. Die Daten stammen aber aus 2009, also kurz nachdem Smava gestartet ist und verglichen werden Anleihen mit Investment-Grade mit Privatschuldnern der schlechteren Risikoprofile.
    Klar, dass die Rendite bei den Smava-Projekten 2009 noch recht gut war, die meisten Schuldner standen auch erst am Beginn ihrer Kreditlaufzeit. Heute sieht es jedoch anders aus, wie viele Investoren berichten.

    Die oben genannten Vorteile gibt es aber auch anderswo zu kaufen:

    Auf dem Finanzmarkt! Durch direkte Investion in Anleihen oder einen entsprechenden ETF. Wenn man sich in die High-Yield ETF-Ecke begibt findet man auch ein ähnliches bzw. besseres Rendite/Risiko-Profil bei breiter Streuung.
    Gleichzeitig muss man beim richtigen Broker keine Anlagegebühren als Investor zahlen und hat kaum zeitlichen Aufwand.

  • Couponschneider 18. Oktober 2014, 08:49

    „Wenn du dir anschaust, wofür die Kreditnehmer dein Geld ausgeben wollen, wirst du feststellen, dass es in den meisten Fällen um Möbel, Hochzeiten, Umschuldungen oder Urlaube geht. “ – In der Tat, es scheint wirklich so. Ich war vor drei Jahren mal auf so einer Plattform (nur zum Gucken) und fiel aus allen Wolken: Für Konsumwünsche um Geld betteln. Ich hätte denen am liebsten den Kopf gewaschen. Eine junge Frau wollte 2000 € für Möbel, weil sie in einer fremden Stadt ein Studium beginnen wollte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich vor zehn Jahren so viel Geld ausgegeben hätte. Ich bezahlte die Spedition, die mir die geschenkten Möbel meiner Schwester lieferte, c.a. 450 €. Ich habe auch einige Möbel aus meinem Elternhaus mitgenommen, u.a. meinen Schreibtisch. Alles in allem kam ich mit ca. 1200 € aus für Spedition, Kühlschrank, Waschmaschine und Kleinkram bei der Grundausstattung. Bezahlt habe ich das vom Ersparten. Die junge Frau wollte alleine 2000 € für Möbel.

    Und dann muss man sich fragen, warum bewerben die sich um einen P2P-Kredit für 10 % bis 15 %, wenn doch die Dispo-Zinsen im gleichen Rahmen liegen würden? Ganz einfach: Die Bank hat denen schon den Hahn zugedreht.

    Wenn wir das Geld auf das Tagesgeldkonto legen, dann verleiht es die Bank. Der Vorteil: Die Bank ist eine prüfende Instanz, die kennt sich aus, kann notfalls Prozesse führen und Kreditausfälle gehen in einem riesigen Ozean der vergebenen Kredite unter. Da schlägt dann Bernoullis Gesetz der großen Zahl zu. Die große stochastische Maschine Bank verteilt viele individuelle Risiken der Kreditnehmer auf viele Köpfe der Kreditgeber, denen auch noch zugesichert wird, das Geld täglich abzuheben. Die Zinsen sind zwar niedriger, aber auch das Risiko. Die Flexibilität ist höher.

  • Dummerchen 18. Oktober 2014, 14:47

    Hallo Albert, hallo Holger,

    auch ich war erfreut zu sehen, dass zwei Finanzblogger gleicher/ähnlicher Anlagephilosphie in Kooperation treten – das passt meiner bescheidenen Meinung nach gut zusammen. (Und ja, Albert, ich kommentiere auch bei Dir :-)!)

    Zum Thema der P2P-Kredite:
    Ich bin immer etwas erstaunt, dass Privatanleger glauben, die Risiken und Chancen des Geldverleihens besser beurteilen zu können als Banken, die ja (wie der Couponschneider schon erwähnt hat) die Risiken viel besser streuen könnten. Warum nehmen Banken diese erwartete(!) Rendite von teilweise über 20% nicht mit? Für mich klingen diese Renditen viel zu schön, um wahr zu sein. Bislang habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass dies dann zumeist auch der Fall war.
    Vor etwas mehr als einem halben Jahr wurde in den Medien noch kopfschüttelnd über die „gierigen Prokon-Anleger“ abgelästert, die Renditen von mehr als 7% p.a. als „sicher“ eingestuft haben. Es würde mich nicht überraschen, wenn in einer wirtschaftlichen Rezessionsphase die P2P-Kredite massenweise platzen und ähnliche Medienpräsenz erhalten werden. Dann werden statt Prokon-Anlegern („Ich dachte, ich handle ökologisch sinnvoll und verdiene auch noch gut damit“) die P2P-Anhänger („Ich dachte, ich helfe meinem Nächsten und verdiene auch noch gut damit“) zu Wort kommen. Und alle sind betroffen, denn man wollte ja nur „etwas mehr“ als auf dem Tagesgeldkonto erhalten. Hoffentlich irre ich mich…

    Liebe Grüße in die Runde
    Dummerchen

    • Finanzfan 19. Oktober 2014, 17:07

      *schmunzel* Dummerchens Mund tut Wahrheit kund. 😀

    • Couponschneider 19. Oktober 2014, 17:48

      Und die Frage aller Fragen: Was ist, wenn der besicherte Kredit platzt? Dann hat man plötzlich eine Karre in der Einfahrt, die man nicht braucht. Oder Mobilar.

      Man kann Menschen etwas gutes tun und sogar daran verdienen. Aber bitte nicht so. Zum Beispiel wäre es sehr lukrativ, in Universitätsstädten Zimmer zur Untermiete feilzubieten. Da kann man verdienen und man entlastet den Mietmarkt. Oder aber man inseriert häufiger in der Mitfahrzentrale und nimmt arme Studenten mit. Und das einfachste: Man investiert klug und fällt im Fall der langjährigen Arbeitslosigkeit nicht der Allgemeinheit zur Last.

  • geldexperimente 18. Oktober 2014, 17:19

    @finanzwesir: Opferanode – wieder was gelernt. Allerdings ist die Motivation schon eine positive Rendite zu erhalten, auch wenn ich nicht unbedingt mit dem Mindestlohn gegenrechne, sondern mit z.B. Fernsehen (alleine schon deshalb weil ich keinen Nebenjob finden werden, bei dem ich kurz 10 Minuten vor dem schlafengehen „arbeiten“ kann).

    Ganz allgemein, stimmt das was die anderen Kommentatoren so an Kritikpunkten schreiben. Man könnte aber auch einen Schritt zurück machen und auf das größere Ganze blicken: Was mir am p2p-lending (trotz aller Gefahren wie z.B. schlechter Schuldner) gefällt, ist, dass es ein Emanzipationsschritt der Kleinen (also uns) gegenüber den Großen (also den Banken) ist und alte und starre Businessmodelle herausfordert. Ich finde das sehr spannend. (Zugegeben das sollte nicht die Entscheidungsgrundlage für eine Investition sein).

    @dummerchen: ich für meinen Teil kann die Bonität der Schuldner überhaupt nicht beurteilen, aber die Plattformen haben natürlich ein hohes Interesse daran, dass das Ausfallsrisiko (im Verhältnis zur Rendite) möglich gering ist, weil ihnen sonst die Investoren davonrennen. Geldverleihen ist doch im Prinzip eine simple Sache: die Zinsen müssen hoch genug sein, um mögliche Ausfälle kompensieren zu können. Und das traue ich nicht nur Banken zu hinzubekommen.

  • Finanzwesir 19. Oktober 2014, 18:26

    Hallo zusammen,

    @Dummerchen: Das mit den Kommentaren war nicht ganz ernst gemeint, ich freue mich halt über Leserbeteiligung.
    Ich frage mich auch, was passiert, wenn die Arbeitslosigkeit steigt und die Menschen, die bis jetzt ihren Kredit so grade bedienen konnten das nicht mehr können. Klar kann man die gnadenlos in die Privatinsolvenz klagen. Aber das ist nicht schön und vor allem: Was bringt´s? Wo nichts ist, kann man auch nichts einklagen.
    Diese Prokon-Geschichte ist ein gutes Beispiel.

    @Dirk und Couponschneider

    Ich fürchte auch, dass man bei den echten Privatkreditvermittlern (Bondora, Lendico, Auxmoney) wirklich die Negativauslese trifft.
    Bei Zencap wäre ich mir da nicht so sicher. Ich habe keine Firma, aber wenn das , was man so hört und liest stimmt, dann haben es Kleine und mittlere Firmen schwer bei der Kreditvergabe durch Banken. Durch die ganzen Basel-Regularien sind die Banken extrem vorsichtig geworden.
    Es könnte sein, dass Zencap hier interessante Alternative bietet. Aber dafür muss Zencap sich jetzt erst einmal ein Jahr bewähren. Dann sieht man weiter.

    @geldexperimente: Versteh mich nicht falsch. Ich hätte auch Spaß daran, mich mal als Kredithai zu betätigen. Einfach aus Neugier, Spaß an der Sache und um den Banken eins auszuwischen 😉
    Ich tüftel mir gerne einen Workflow aus, mit dem man hunderte von Krediten managen kann. Einfach so, um zu beweisen „es geht“.
    Aber mir fehlt dafür einfach die Zeit. Muß dauerd auf allen möglichen Blogs kommentieren 😉

    Gruß
    Finanzwesir

  • geldexperimente 24. Oktober 2014, 19:04

    Wenn man dem Interview mit dem Gründer von Bondora glauben kann http://www.crowdfundinsider.com/2014/09/49573-bondora-sees-opportunity-european-peer-peer-lending-market/ beträgt der Zinssatz für einen Kreditnehmer mit guter Bonität bei einer estnischen Bank 20%-26%. Da relativieren sich dann die Zinssätze bei Bondora (ab 12%).
    Wenn man sich die Liste des Managements durchliest, dürften das durchaus kompetente Personen sein (Ex-Swedbank, Ex-UBS).

    ciao,
    christian

  • Alex 6. November 2014, 09:33

    Klasse Artikel!

    Letztens hatte ich Gelegenheit gehabt, mit einem MA von Auxmoney zu sprechen. Er teilte mir mit, dass ein Invest in P2P-Projekte erst ab 10.000 Euro lohnen würde. Dazu sollte man mind. in 1.000 Projekte investieren, sonst steigt das Risiko enorm. Mind.anlage je Vorhaben ist zwar bei 25€ angesetzt, man muss aber mind. in 100 investieren. 80% aller Kreditanfragen werden bereits im Vorfeld ausselektiert, d. h. diese fallen im Scoring durch. Vorteil für Kreditnehmer sind vor allem schnelle Kreditauszahlungen, da genügend Investoren vorhanden sind. Wer einen negativen Schufa-Eintrag hat oder Selbständig ist, stellt so ein P2P-Netzwerk durchaus Alternative dar. Aus Investorsicht sollte man schon genügend Erfahrungen und Spielgeld mitbringen.

    LG
    Alex

  • Max 9. April 2015, 23:59

    Es ist schon erstaunlich, wie es clevere Unternehmer immer wieder schaffen, den Leuten so offensichtlich einen Bären aufzubinden. Der Prokon-Vergleich ist auch m. M. nach leider gar nicht abwegig. In Deutschland war die Kreditangebotslücke für Unternehmen (KFW-Mittelstandpannel) noch so niedrig wie heute. Einfach gesagt – das Kreditangebot ist deutlich größer als die Nachfrage. Und das Geld war noch nie so billig. Wenn ich mir die Konditionen bei zencap ansehe, frage ich mich, welchen Mehrwert Kreditnehmer dort bekommen. Schnelle Abwicklung ist in Zeiten von Scoring nun wirklich nichts besonderes. Selbst Bestbonitäten zahlen deutlich mehr als bei jeder x-belibigen Sparkasse. Was früher Kredithai hieß, ist heute Rocket-Internet. Hey, crazy-Scheiß.
    Aber so is es eben – die Genarstion Smartphone denkt wohl wirklich, dass mit ner schicken Plattform und einer politisch korrekten Einstellung der gesunde Menschenverstand keine Rolle mehr spielen muss.

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