Anlageklassen: Die wichtigsten Anlageformen in der Übersicht
Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Krypto – es gibt viele Möglichkeiten, Geld anzulegen. Aber was steckt eigentlich hinter diesen Anlageklassen, was unterscheidet sie voneinander und welche davon sind für euch überhaupt relevant?
In diesem Artikel bringen wir Ordnung ins Chaos: Wir erklären, was Anlageklassen sind, wie sie sich verhalten und was für den Einstieg ins Investieren wichtig ist.

Anlageklassen sind Gruppen von Investments, die sich ähnlich verhalten – z. B. Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe. Jede Anlageklasse hat ein eigenes Rendite-Risiko-Profil.
Welche Anlageklasse zu euch passt, hängt vor allem davon ab, wann ihr das Geld wieder braucht und wie viel Risiko ihr eingehen möchtet.
Die beste Strategie für Anfänger:innen ist, zunächst einen Notgroschen aufzubauen und anschließend langfristig in einen weltweit gestreuten Aktien-ETF zu investieren.
Ihr müsst nicht jede Anlageklasse im Depot haben: Weitere Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe können euer Portfolio ergänzen, sind für viele Privatanleger:innen aber kein Muss.
Was sind Anlageklassen?
Wenn ihr Geld anlegen wollt, habt ihr viele Möglichkeiten: Ihr könnt ein Sparkonto eröffnen, Aktien kaufen, eine Wohnung vermieten, Gold lagern oder in einen Fonds investieren. So unterschiedlich diese Optionen auch sind: Sie alle lassen sich in ein paar wenige grundlegende Kategorien einteilen. Genau das ist die Idee hinter Anlageklassen.
Anlageklassen, oft auch Assetklassen genannt, fassen Investments zusammen, die sich ähnlich verhalten. Sie bieten ähnliche Renditechancen, ähnliche Risiken und reagieren ähnlich auf wirtschaftliche Veränderungen. Aktien sind eine Anlageklasse. Anleihen sind eine andere. Immobilien wieder eine eigene.
Stellt euch vor, ihr habt euer gesamtes Erspartes in Aktien investiert. Bricht der Aktienmarkt ein, bricht euer gesamtes Portfolio ein. Hättet ihr einen Teil in Anleihen oder auf dem Tagesgeldkonto gehalten, hätte dieser Teil die Verluste abgefedert. Genau das ist der Grundgedanke hinter Diversifikation: Wer sein Geld auf verschiedene Anlageklassen verteilt, verteilt auch sein Risiko.
Verschiedene Anlageklassen reagieren oft unterschiedlich auf dieselben wirtschaftlichen Ereignisse. Wenn Aktienmärkte abstürzen, suchen viele Anleger:innen Sicherheit in Staatsanleihen – deren Kurse steigen dann häufig. Gold gilt in Krisenzeiten als Zufluchtsort. Tagesgeld bleibt stabil, egal was passiert. Diese unterschiedlichen Reaktionsmuster machen die Kombination verschiedener Anlageklassen so wertvoll.
Das bedeutet nicht, dass ihr zwingend in alle Anlageklassen investieren müsst. Aber ihr solltet zumindest verstehen, welche Anlageklassen es gibt und welche Rolle sie beim Vermögensaufbau spielen können.
Die wichtigsten Anlageklassen im Überblick
Für Privatanleger:innen sind sieben Anlageklassen besonders relevant. Wir stellen sie der Reihe nach vor und erklären, was sie auszeichnet und welche Chancen bzw. Risiken sie mit sich bringen.
Liquide Mittel: Das Geld für den Alltag
Bargeld und Girokontobestände sind keine Anlageklasse im eigentlichen Sinne. Sie dienen vor allem dazu, den Alltag zu finanzieren: Hier geht das Gehalt ein, von hier bezahlt ihr Miete, Einkäufe und laufende Rechnungen. Das Girokonto ist die Schaltzentrale eurer Finanzen – aber kein guter Platz für Geld, das ihr langfristig zurücklegen möchtet.
Bargeld
Das liquideste aller Mittel: Bargeld ist jederzeit verfügbar, aber ohne Zinsen und ohne Schutz vor Inflation. Eine kleine Barreserve kann sinnvoll sein, größere Beträge verlieren jedoch mit der Zeit an Kaufkraft.Geld auf dem Girokonto
Euer tägliches Zahlungskonto. Das Guthaben ist jederzeit verfügbar, wird aber meist nicht oder nur sehr gering verzinst. Wer dauerhaft größere Beträge auf dem Girokonto liegen lässt, verliert durch die Inflation schleichend Kaufkraft.
Der große Vorteil liquider Mittel ist ihre ständige Verfügbarkeit. Ihr Nachteil: Sie erwirtschaften in der Regel keine Rendite. Für Geld, das ihr langfristig sparen oder investieren möchtet, sind sie deshalb ungeeignet.
Geldmarktinstrumente: Geld, das ohne Risiko arbeitet
Geldmarktinstrumente eignen sich für Geld, das ihr nicht sofort braucht, aber trotzdem sicher und jederzeit verfügbar anlegen möchtet. Sie bringen (moderate) Zinsen, ohne dass ihr dafür nennenswerte Risiken oder Kursschwankungen in Kauf nehmen müsst.
Die wichtigsten Geldmarktinstrumente sind:
Tagesgeld
Das Tagesgeldkonto ist als Parkplatz für den Notgroschen und kurzfristige Sparziele kaum zu schlagen. Euer Geld steht täglich zur Verfügung, wird verzinst und ist innerhalb der EU bis 100.000 € pro Person und Bank gesetzlich geschützt.Festgeld
Wer einen festen Betrag für eine bestimmte Zeit nicht anfassen muss, bekommt beim Festgeld etwas mehr Zinsen als auf dem Tagesgeldkonto. Euer Geld ist für eine Laufzeit gebunden, typischerweise zwischen drei Monaten und mehreren Jahren. Als Notgroschen taugt es deshalb nicht, aber für Geld, das ihr in absehbarer Zeit braucht und bis dahin arbeiten lassen wollt, ist es eine solide Wahl.Sparbuch
Der Klassiker, aber heute kaum noch attraktiv. Zinsen sind meist minimal, und ab einer bestimmten Summe gilt eine Kündigungsfrist. Für die meisten Anleger:innen ist Tagesgeld die bessere Alternative.Geldmarktfonds
Geldmarktfonds funktionieren ähnlich wie Tagesgeld, sind aber als Wertpapiere strukturiert und über ein Depot handelbar. Sie investieren in kurzlaufende, sichere Anleihen und gelten als sehr liquide. Für Einsteiger:innen ist ein einfaches Tagesgeldkonto in der Regel die einfachere Wahl – Geldmarktfonds lohnen sich eher für größere Summen.
Das müsst ihr vor einer Investition wissen
Sehr gering. Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch sind innerhalb der EU bis 100.000 € pro Person und Bank gesetzlich geschützt, Kursschwankungen gibt es keine. Geldmarktfonds unterliegen zwar keiner Einlagensicherung, gelten aber ebenfalls als sehr sicher.
Ein Tagesgeldkonto lässt sich direkt bei einer Bank oder über Vergleichsplattformen eröffnen – genauso Festgeld. Geldmarktfonds kauft ihr über ein Depot.
Sie sind kein Renditebringer, sondern euer Sicherheitsbaustein. Ohne einen soliden Puffer auf dem Tagesgeldkonto riskiert ihr, in schlechten Börsenphasen Investments verkaufen zu müssen, die ihr eigentlich langfristig halten wolltet.
Als Faustregel gilt: Ihr solltet drei bis sechs Monatsausgaben als Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto haben, bevor ihr anfangt zu investieren.
Anleihen: Geld verleihen und Zinsen bekommen
Wer eine Anleihe kauft, leiht einem Staat oder Unternehmen Geld. Im Gegenzug gibt es regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit das geliehene Kapital zurück. Anleihen werden deshalb auch als festverzinsliche Wertpapiere bezeichnet.
Das müsst ihr vor einer Investition wissen
Das kommt auf den Schuldner an. Staatsanleihen stabiler Länder wie Deutschland gelten als sehr sicher. Je schwächer die Bonität des Schuldners, desto höher die Zinsen und das Ausfallrisiko. Kursrisiken gibt es außerdem, wenn ihr die Anleihe vor Laufzeitende verkauft.
Einzelne Anleihen zu kaufen, ist aufwendig und meist institutionellen Investor:innen vorbehalten. Für Privatanleger:innen sind Anleihen-ETFs der einfachste Weg: Sie bündeln viele Anleihen in einem Produkt und sind über ein normales Depot handelbar.
Sie sind der klassische Stabilitätsbaustein. Wer seinen Aktienanteil absichern oder einen kürzeren Anlagehorizont hat, findet in Anleihen einen sinnvollen Puffer. Für sehr langfristige Anleger:innen mit hoher Risikotoleranz sind sie weniger zwingend.
Möchtet ihr mehr über Staats- und Unternehmensanleihen erfahren? Wir haben detaillierte Artikel zu den einzelnen Themen:
Aktien: Mitbesitz an Unternehmen weltweit
Wer eine Aktie kauft, wird Miteigentümer:in eines Unternehmens und nimmt an dessen Erfolg oder Misserfolg teil. Steigt der Unternehmenswert, steigt der Kurs. Viele Unternehmen zahlen zusätzlich Dividenden, also einen Teil ihres Gewinns an die Aktionär:innen aus.
Aktien sind historisch die renditestärkste Anlageklasse für Privatanleger:innen. Der MSCI World, ein Index aus rund 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern, hat über die letzten Jahrzehnte eine durchschnittliche jährliche Realrendite von etwa 5 bis 7 % erzielt. Der Preis dafür sind Kursschwankungen und das Risiko von Verlusten – vor allem bei einem kurzen Anlagehorizont oder einer geringen Diversifikation.
Das müsst ihr vor einer Investition wissen
Mittel bis hoch, es kommt auf die Diversifikation an. Einzelne Aktien können stark schwanken oder im Extremfall wertlos werden. Wer breit gestreut mit Aktien-ETFs in Hunderte oder Tausende Unternehmen investiert, reduziert dieses Risiko erheblich. Kurzfristig sind Verluste von 30 % und mehr möglich. Langfristig hat der Markt solche Einbrüche bisher immer überwunden.
Einzelne Aktien zu kaufen ist heute einfacher denn je, mit wenigen Klicks könnt ihr euch einzelne Wertpapiere ins Depot holen. Das eigentliche Problem ist ein anderes: Wer nur auf wenige Einzeltitel setzt, wettet auf die einzelnen Unternehmen. Für die meisten Investor:innen ist ein breit gestreuter Aktien-ETF der deutlich sinnvollere Weg.
Wenn ihr langfristig Vermögen aufbauen wollt, führt an Aktien kaum ein Weg vorbei. Keine andere Anlageklasse hat über lange Zeiträume so konstant hohe Realrenditen geliefert.
Mehr zum Thema Aktien findet ihr hier:
Immobilien: Sachwert mit Klumpenrisiko
Immobilien können auf zwei Arten Rendite bringen: durch laufende Mieteinnahmen und durch einen späteren Verkauf mit Gewinn. Der Wunsch nach dem Eigenheim zieht sich natürlich durch alle Generationen, und die Entscheidung für die eigenen vier Wände ist nicht rein finanzieller Natur.
Als Kapitalanlage haben Immobilien aber ein paar Risiken, die ihr nicht unterschätzen solltet. Die geringe Liquidität ist der offensichtlichste Nachteil: Eine Immobilie lässt sich nicht auf Knopfdruck verkaufen. Dazu kommen hohe Einstiegskosten, laufende Instandhaltungsaufwände und ein erhebliches Klumpenrisiko.
Das müsst ihr vor einer Investition wissen
Mittel – aber mit einem wichtigen Vorbehalt. Wer eine einzelne Immobilie kauft, setzt auf einen Standort, einen Mieter und einen lokalen Immobilienmarkt. Das Klumpenrisiko ist entsprechend hoch. Immobilien-ETFs streuen das Risiko breiter, schwanken an der Börse aber stärker als direkt gehaltene Immobilien.
Entweder direkt durch den Kauf einer Immobilie oder indirekt über Immobilien-ETFs. Letztere investieren in börsennotierte Immobiliengesellschaften (REITs) und sind deutlich einfacher, günstiger und flexibler als der Kauf einer eigenen Immobilie.
Immobilien können ein Portfolio sinnvoll ergänzen, sind für die meisten Privatanleger:innen aber kein Muss. Eine eigene Immobilie lohnt sich vor allem für Leute mit ausreichend Eigenkapital und einem langfristigen Anlagehorizont. Immobilien-ETFs bieten einen einfacheren Einstieg und können zur Diversifikation beitragen.
Wollt ihr mehr über Immobilien-ETFs erfahren, dann lest unseren Artikel:
Rohstoffe: Öl, Gold und Weizen als Investment
Rohstoffe umfassen physische Güter wie Gold, Silber, Öl, Erdgas oder Agrarrohstoffe. Als Anlageklasse verhalten sie sich oft anders als Aktien oder Anleihen. Gold zum Beispiel gilt als Krisenwährung und steigt häufig, wenn andere Märkte fallen.
Rohstoffe werfen keine laufenden Erträge ab. Eine Aktie zahlt Dividenden, eine Anleihe zahlt Zinsen, ein Goldbarren tut hingegen nichts – nur daliegen. Die Rendite entsteht ausschließlich durch Preissteigerungen, die stark von Angebot, Nachfrage und geopolitischen Ereignissen abhängen.
Das müsst ihr vor einer Investition wissen
Mittel bis hoch. Rohstoffpreise können stark schwanken und reagieren empfindlich auf geopolitische Ereignisse, Lieferengpässe oder Nachfrageverschiebungen. Gold gilt als vergleichsweise stabil, bietet aber keine laufenden Erträge.
Für die meisten Rohstoffe ist ein ETF oder ETC (Exchange Traded Commodity) der praktischste Weg. Bei Gold und Silber ist physischer Besitz eine sinnvolle Alternative: Münzen oder Barren lassen sich direkt kaufen und lagern, unabhängig von Börsen und Gegenparteien, aber sie sind mit Lagerkosten verbunden.
Sie sind höchstens als Beimischung interessant. Als Diversifikationsbaustein können sie sinnvoll sein, weil sie sich oft anders als Aktien und Anleihen verhalten. Wie groß dieser Diversifikationseffekt tatsächlich ist, ist unter Expert:innen allerdings umstritten.
Wenn ihr mehr über das Investieren in Rohstoffe lesen möchtet, dann lest unsere Beiträge zum Thema:
Alternative Anlagen: von Private Equity bis Krypto
Unter alternativen Anlagen versammelt sich alles, was in keine der klassischen Kategorien passt. Die Bandbreite ist groß – hier die wichtigsten im Überblick:
Private Equity
Wer in Private Equity investiert, beteiligt sich direkt an Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Das Renditepotenzial ist hoch, aber euer Kapital ist oft für viele Jahre gebunden und nicht kurzfristig verfügbar. Seit der ELTIF-Reform 2024 können auch Privatanleger:innen über regulierte Fonds in diesen Markt investieren. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel „ELTIF einfach erklärt“.Infrastruktur
Investments in Straßen, Windparks oder Rechenzentren liefern oft stabile, langfristige Cashflows – ähnlich wie Mieteinnahmen bei Immobilien. Der Haken: Diese Anlagen sind illiquide und für Privatanleger:innen nur schwer direkt zugänglich.Hedgefonds
Hedgefonds setzen auf komplexe Strategien, die sowohl auf steigende als auch auf fallende Märkte ausgerichtet sein können. Sie sind fast ausschließlich institutionellen Investor:innen vorbehalten und für Privatanleger:innen in der Regel nicht relevant.Krypto
Bitcoin, Ethereum und Co. sind über Krypto-Börsen wie Coinbase oder Kraken zugänglich, inzwischen aber auch über regulierte ETPs (Exchange Traded Products), die ähnlich wie ETFs an der Börse gehandelt werden und keine eigene Wallet erfordern. Das macht den Einstieg deutlich einfacher.Sammlerstücke
Kunst, Luxusuhren, seltene Sneaker oder Wein können im Wert steigen – das ist unbestreitbar. Sie sind aber illiquide, verursachen laufende Kosten für Lagerung und Versicherung und werfen keinerlei laufende Erträge ab. Euer gesamter Gewinn hängt daran, dass jemand später mehr zahlt als ihr heute.Digitale Items (CS:GO-Cases, NFTs)
Ihr Wert hängt vollständig von der Plattform und der Nachfrage einer Community ab. Kaum regulatorischer Schutz, kein Sachwert, kein Netz, das euch auffängt. Das Totalverlustrisiko ist real.
Das müsst ihr vor einer Investition wissen
Sehr hoch. Krypto kann in kurzer Zeit mehr als die Hälfte seines Wertes verlieren. Private Equity bindet Kapital über Jahre ohne Garantie auf Rückgabe. Sammlerstücke und digitale Items haben kaum regulatorischen Schutz. Totalverluste sind in dieser Kategorie möglich.
Das hängt von der Unterklasse ab. Krypto ist über Börsen wie Coinbase oder Kraken zugänglich, für Einsteiger:innen aber einfacher über ETPs. Private Equity war lange institutionellen Investor:innen vorbehalten – ELTIFs öffnen diesen Markt seit 2024 auch für Privatanleger:innen.
Sie sind eine spekulative Beimischung – nicht mehr. Als Faustregel gilt: Zusammen sollten solche Assets nicht mehr als fünf bis zehn Prozent eures Portfolios ausmachen. So nehmt ihr an möglichen Gewinnen teil, ohne euer Fundament zu gefährden.
Wollt ihr mehr über die verschiedenen Anlageklassen erfahren? Dann schaut mal in unsere Beiträge:
Historische Renditen der Anlageklassen
Was haben die verschiedenen Anlageklassen aber tatsächlich über lange Zeiträume abgeworfen? Der Finanzökonom Gerd Kommer hat auf Basis der Daten von Dimson, Marsh und Staunton – dem anerkannten Standardwerk für langfristige Kapitalmarktrenditen – eine Übersicht der inflationsbereinigten Langfristrenditen zusammengestellt:
Anlageklasse | Realrendite p.a. | Zeitraum |
|---|---|---|
Aktien (weltweit) | 5,3 % | 1900–2022 |
Wohnimmobilien (global) | 2,4 % | 1900–2022 |
Anleihen (Staatsanleihen, global) | 2,0 % | 1900–2022 |
Geldmarkt/ Tagesgeld | 0,7 % | 1900–2022 |
Gold | 0,7 % | 1900–2022 |
Rohstoffe | 0,5 % | 1900–2022 |
Quelle: Dimson/Marsh/Staunton 2023, BIS Basel, David S. Jacks, zusammengestellt von Gerd Kommer, „Souverän investieren mit Indexfonds und ETF“, 6. Auflage 2024. Realrenditen vor Kosten und Steuern.
Die Botschaft ist eindeutig: Aktien haben über 123 Jahre hinweg alle anderen Anlageklassen deutlich geschlagen. Drei Punkte solltet ihr dabei im Hinterkopf behalten:
- 1.
Die Zahlen sind Renditen vor Kosten und Steuern – die reale Erfahrung eines ETF-Sparers fällt etwas geringer aus, bleibt aber im Grundsatz vergleichbar.
- 2.
Vergangene Renditen sagen nichts Verbindliches über die Zukunft aus.
- 3.
Der Immobilienwert ist mit Vorsicht zu genießen: Die 2,4 % sind ein globaler Durchschnitt inklusive Mieteinnahmen. Regionale Unterschiede, etwa zwischen Deutschland und den USA, können hier erheblich sein.
Welche Anlageklasse solltet ihr wählen?
Historische Renditen zeigen, was in der Vergangenheit möglich war. Sie sind jedoch keine Garantie für die Zukunft – und welche Anlageklasse zu euch passt, hängt auch nicht allein von der Rendite ab.
Entscheidend sind vor allem zwei Fragen:
- 1.
Wann braucht ihr das Geld?
- 2.
Wie viel Risiko könnt und wollt ihr bis dahin eingehen?
Grundsätzlich gilt: Je länger ihr auf das Geld verzichten könnt, desto eher könnt ihr zwischenzeitliche Kursschwankungen in Kauf nehmen. Geld, das ihr schon in wenigen Jahren braucht, solltet ihr dagegen möglichst sicher anlegen.
Das magische Dreieck: Rendite vs. Sicherheit vs. Liquidität
Jede Geldanlage ist ein Kompromiss zwischen drei Eigenschaften:
Rendite beschreibt, wie viel Gewinn ein Investment langfristig abwirft.
Sicherheit beschreibt, wie verlässlich euer eingesetztes Kapital erhalten bleibt.
Liquidität beschreibt, wie schnell ihr bei Bedarf wieder an euer Geld kommt.
Keine Geldanlage bietet gleichzeitig eine hohe Rendite, maximale Sicherheit und ständige Verfügbarkeit. Dieses Spannungsverhältnis wird auch als magisches Dreieck der Geldanlage bezeichnet.

Jede Geldanlage ist ein Kompromiss zwischen Rendite, Sicherheit und Liquidität.
Aktien bieten beispielsweise hohe langfristige Renditechancen und lassen sich jederzeit verkaufen, können kurzfristig aber stark schwanken. Tagesgeld ist dagegen sehr sicher und jederzeit verfügbar, bringt langfristig aber deutlich weniger Rendite. Immobilien können attraktive Renditen erzielen, lassen sich dafür aber nicht einfach von heute auf morgen verkaufen.
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die wichtigsten Anlageklassen grob einordnen lassen:
Anlageklasse | Renditeerwartung | Sicherheit | Liquidität | Zugänglichkeit |
|---|---|---|---|---|
Cash/ Girokonto | Keine | Sehr hoch | Sehr hoch | Sehr einfach |
Geldmarkt (Tagesgeld, Festgeld) | Gering | Sehr hoch | Hoch | Sehr einfach |
Anleihen (Staatsanleihen) | Gering bis mittel | Hoch | Hoch | Einfach (per ETF) |
Aktien | Hoch | Gering bis mittel | Hoch | Einfach (per ETF) |
Immobilien (direkt) | Mittel bis hoch | Mittel | Sehr gering | Aufwendig |
Immobilien (per ETF/REIT) | Mittel | Mittel | Hoch | Einfach |
Rohstoffe | Mittel | Gering bis mittel | Hoch (per ETF) | Einfach (per ETF) |
Krypto | Sehr hoch (spekulativ) | Sehr gering | Hoch | Einfach |
Sammlerstücke | Unvorhersehbar | Gering | Sehr gering | Aufwendig |
Die Einordnung ist natürlich nur eine Orientierung. Wie riskant eine konkrete Anlage tatsächlich ist, hängt unter anderem vom jeweiligen Produkt, der Diversifikation und eurem Anlagehorizont ab.
Wichtig ist außerdem: Liquidität bedeutet nicht automatisch Sicherheit. Aktien und ETFs könnt ihr zwar jederzeit an der Börse verkaufen. Wenn ihr das Geld aber ausgerechnet während eines Börsencrashs benötigt, müsst ihr möglicherweise mit hohen Verlusten verkaufen. Deshalb solltet ihr Geld nur dann in schwankungsreiche Anlagen investieren, wenn ihr es für längere Zeit entbehren könnt.
Welche Anlageklasse passt zu welchem Anlagehorizont?
Für die praktische Entscheidung ist deshalb vor allem wichtig, wann ihr das angelegte Geld voraussichtlich wieder braucht.
Anlageziel | Zeithorizont | Passende Anlageklassen |
|---|---|---|
Notgroschen | Jederzeit verfügbar | Tagesgeld |
Urlaub, Auto, andere größere Anschaffung | Kurzfristig (1–3 Jahre) | Tagesgeld, Festgeld, kurzlaufende Anleihen, Geldmarktfonds |
Eigenkapital für eine Immobilie | Mittelfristig (3–7 Jahre) | Geldmarkt, Festgeld, kurzlaufende Anleihen; je nach Zeitraum und Risikobereitschaft ggf. kleiner Aktienanteil |
Langfristiger Vermögensaufbau und Altersvorsorge | Langfristig (10+ Jahre) | Vor allem breit gestreute Aktien-ETFs |
Wenn ihr gerade erst mit dem Vermögensaufbau beginnt, müsst ihr euer Geld also nicht auf möglichst viele Anlageklassen verteilen. Sinnvoll ist zunächst ein Notgroschen von etwa drei bis sechs Monatsausgaben, den ihr beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto parkt.
Geld, das ihr darüber hinaus für mindestens zehn Jahre nicht benötigt, könnt ihr langfristig investieren. Für die meisten Einsteiger ist dafür ein breit gestreuter Welt-ETF der einfachste Ausgangspunkt. Damit investiert ihr mit einem einzigen Produkt in Hunderte oder Tausende Unternehmen weltweit.
Anleihen, Immobilien, Rohstoffe oder alternative Anlagen können ein solches Portfolio ergänzen. Sie sind aber kein Pflichtprogramm: Welche davon sinnvoll sind, hängt von euren Zielen, eurem Anlagehorizont und eurer persönlichen Risikobereitschaft ab.
Fazit: Die richtige Anlageklasse hängt von eurem Ziel ab
Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe oder Geldmarktanlagen – jede Anlageklasse hat unterschiedliche Stärken und Schwächen. Welche am besten zu euch passt, hängt vor allem davon ab, wann ihr euer Geld wieder braucht, wie viel Risiko ihr eingehen möchtet und welche Schwankungen ihr aushalten könnt.
Für kurzfristige Ziele und den Notgroschen sind Tagesgeld oder andere Geldmarktanlagen die richtige Wahl. Wer sein Geld über viele Jahre investiert, hat mit Aktien historisch die höchsten Renditen erzielt. Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe können ein Portfolio sinnvoll ergänzen, sind für viele Privatanleger:innen aber kein Muss.
Es muss also nicht jede Anlageklasse in jedem Depot vertreten sein. Für viele Einsteiger:innen reicht es völlig aus, zuerst einen Notgroschen aufzubauen und anschließend mit einem weltweit gestreuten Aktien-ETF in den langfristigen Vermögensaufbau zu starten.

















