Geldanlage

Aktien: Was sind Aktien und ist Investieren in Aktien sinnvoll?

Letzte Aktualisierung
31. Aug. 2026

Aktien gehören langfristig zu den renditestärksten Geldanlagen. Einerseits sind sie populärer denn je, andererseits zögern viele, in Aktien zu investieren – aus Angst vor Kursschwankungen oder davor, etwas falsch zu machen. Dabei sind Aktien gar nicht so kompliziert.

In diesem Artikel erfahrt ihr, was Aktien eigentlich genau sind, was sie so beliebt macht und welche Risiken es gibt. Außerdem zeigen wir euch, wie ihr Aktien kaufen könnt und worauf ihr bei der Auswahl achten solltet.

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Das Wichtigste in Kürze
  • Aktien sind Anteilsscheine. Mit dem Kauf einer Aktie gehört euch ein kleiner Teil eines Unternehmens. Dadurch seid ihr an seinem Erfolg beteiligt, aber auch an seinem Misserfolg.

  • Rendite könnt ihr auf zwei Wegen erzielen: durch steigende Aktienkurse und durch eine Gewinnausschüttung, die sogenannte Dividende.

  • Historisch gehörten Aktien zu den renditestärksten Anlageklassen – allerdings gilt das vor allem langfristig für den Aktienmarkt als Ganzes, nicht für jede einzelne Aktie.

  • Aktien sind risikoreich: Sehr viele Einzelaktien erzielen nur schwache Renditen oder sogar Verluste. Wenn ihr aufs falsche Pferd setzt, ist auch ein Totalverlust möglich.

  • Ihr könnt die Risiken von Einzelaktien reduzieren, wenn ihr langfristig in global breit gestreute Aktien-ETFs investiert. Damit entfällt auch der Aufwand, sich intensiv mit einzelnen Unternehmen beschäftigen zu müssen.

  • Um Aktien zu kaufen und zu verkaufen, benötigt ihr lediglich ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Unser Depot-Vergleich kann euch helfen, das passende Depot zu finden.

Was sind Aktien?

Aktien sind Wertpapiere, mit denen ihr Anteile an einem Unternehmen erwerben könnt. Durch den Kauf von Aktien werdet ihr zu Aktionär:innen – und damit zu Miteigentümer:innen des Unternehmens.

Unternehmen geben Aktien aus, um ihr Eigenkapital zu erhöhen. Sprich: Sie wollen sich Geld beschaffen. Wenn Anleger:innen in die Aktie investieren, erhalten die Unternehmen neues Kapital. So können sie etwa neue Maschinen anschaffen oder neue Produkte entwickeln.

Im Gegenzug seid ihr als Aktionär:innen an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens beteiligt. Einerseits besteht die Chance, dass die Aktienkurse steigen und ihr Dividenden erhaltet, also einen kleinen Anteil am Gewinn des Unternehmens. Andererseits besteht das Risiko, dass die Kurse sinken. Im schlimmsten Fall verliert die Aktie ihren gesamten Wert, etwa wenn das Unternehmen insolvent wird.

Aktien sind beliebter denn je: Laut Deutschem Aktieninstitut (DAI) besaßen im Jahr 2025 rund 14 Millionen Menschen hierzulande eine Aktienanlage – so viel wie nie zuvor.

Aktien vs. Anleihen

Um Aktien richtig einzuordnen, hilft auch ein Blick auf einen nahen Verwandten: Anleihen. Wenn ihr Anleihen kauft, seid ihr Gläubiger:innen, ihr leiht Staaten oder Unternehmen euer Geld. Als Gegenleistung erhaltet ihr vertraglich fixierte Zinsen – und am Ende der Laufzeit euer eingesetztes Kapital zurück.

Als Aktionär:innen seid ihr dagegen Miteigentümer:innen an einem Unternehmen mit der Chance auf eine quasi unbegrenzte Wertsteigerung – aber zugleich mit hohen Risiken und ohne Rückzahlungsgarantie.

Wie viele Aktien hat ein Unternehmen überhaupt?

Die meisten Unternehmen, die Aktien ausgeben, sind Aktiengesellschaften (AGs). Die Gesamtzahl der Aktien legt eine AG selbst fest. Sie hängt unter anderem vom benötigten Kapital ab. Während kleinere Aktiengesellschaften oft nur einige zehntausend Aktien ausgeben, haben globale Giganten wie Apple oder Microsoft viele Milliarden Anteile im Umlauf.

Diese Gesamtzahl ist jedoch nicht in Stein gemeißelt: Durch eine sogenannte Kapitalerhöhung kann ein Unternehmen neue Aktien herausgeben, um frisches Geld einzusammeln. Oder umgekehrt: Durch einen Aktienrückkauf kann das Unternehmen die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien wieder verringern.

Wie funktioniert das Stimmrecht bei Aktien?

Als Aktionär:innen habt ihr ein Mitspracherecht, das ihr auf der Hauptversammlung ausüben könnt. Dort wird beispielsweise über die Verwendung des Bilanzgewinns oder über die Auszahlung einer Dividende abgestimmt. Auch die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat steht auf der Tagesordnung: Die Aktionär:innen bestätigen, ob sie mit der Geschäftsführung einverstanden waren oder nicht.

Jede Stammaktie gibt euch eine Stimme. Als Kleinanleger:innen mit wenigen Aktien werdet ihr kaum Einfluss auf Konzernentscheidungen haben. Aber ihr könnt euch auf der jährlichen Hauptversammlung zu Wort melden, Fragen an das Management stellen und so auf Themen aufmerksam machen, die euch wichtig sind.

Ihr könnt oder wollt nicht selbst an der Hauptversammlung teilnehmen? Dann habt ihr die Möglichkeit, euch vertreten zu lassen – etwa von Interessenverbänden wie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) oder dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Letzterer schaut den Konzernen besonders in Sachen Umweltschutz und Menschenrechte auf die Finger. 

Wie entstehen Aktienkurse?

Das Auf und Ab der Aktienkurse entsteht durch Angebot und Nachfrage. Jene werden wiederum durch zahlreiche Faktoren beeinflusst: beispielsweise durch den Erfolg der Unternehmen, die aktuelle Wirtschaftslage oder politische Ereignisse wie Regierungswechsel oder Kriege.

Auch die Psychologie spielt eine Rolle. Wenn viele Anleger:innen optimistisch sind und bestimmte Aktien kaufen, können die Kurse steigen. Umgekehrt können Angst und Panik während einer Börsenkrise die Notierungen auf Talfahrt schicken.

Die Börse: effizient oder emotional?

Was treibt Aktienkurse an? Die Wissenschaft ist uneins: Die Markteffizienzhypothese geht davon aus, dass die Kurse alle verfügbaren Informationen – etwa Unternehmensbilanzen und Konjunkturdaten – schnell widerspiegeln. Vertreter der Verhaltensökonomie betonen dagegen, dass Finanzmärkte zu irrationalen Übertreibungen neigen – getrieben von Emotionen wie Furcht, Gier und Herdentrieb der Anleger:innen.

Vertreter beider Denkschulen erhielten im Jahr 2013 gleichzeitig den Wirtschaftsnobelpreis: Eugene Fama, der als einer der wichtigsten Verfechter der Theorie effizienter Märkte gilt. Und Robert Shiller, der die Ansicht vertritt, dass sich Geschichten und Stimmungen wie Fieber unter Anleger:innen verbreiten und die Kurse beeinflussen.

Was ist ein Aktienindex?

Aktien werden an Börsen gehandelt. Ihr könnt sie auf der ganzen Welt kaufen und verkaufen – beispielsweise an der Frankfurter Wertpapierbörse, der New York Stock Exchange (NYSE) oder der Technologiebörse Nasdaq.

Wie sich die Kurse eines Aktienmarktes entwickeln, lässt sich an einem Aktienindex ablesen. Ein Index fasst die Entwicklung mehrerer Aktien zusammen und dient als Gradmesser für die wirtschaftliche Situation eines bestimmten Markts.

Der Deutsche Aktienindex (DAX) misst etwa die Wertentwicklung der 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Dazu gehören Schwergewichte wie Siemens, Allianz und BMW. Der S&P 500 gilt dagegen mit rund 500 der größten börsennotierten Unternehmen der USA als Stimmungsbarometer der US-Wirtschaft. Das Spektrum reicht von Apple über PayPal bis hin zu Walt Disney.

Tipp: Aktienindizes könnt ihr zur ersten Orientierung nutzen, um interessante Einzelaktien zu finden. Oder ihr geht den umgekehrten Weg: Ihr pickt nicht einzelne Aktien heraus, sondern investiert in sämtliche Unternehmen eines Aktienindex gleichzeitig. Dies ist mit ETFs möglich.

Wie könnt ihr mit Aktien Geld verdienen?

Als Aktionär:innen könnt ihr auf zwei Wegen vom Erfolg eines Unternehmens profitieren: durch mögliche Kursgewinne und Dividenden.

Weg 1: Kursgewinn

Steigt der Kurswert eurer Aktien, habt ihr die Möglichkeit, die Wertpapiere mit einem Gewinn zu verkaufen. Aktien können natürlich auch jederzeit an Wert verlieren. Sinkt der Kurs, gibt es nur die Option, die Aktie mit Verlust zu verkaufen oder abzuwarten und auf steigende Kurse zu hoffen.

Weg 2: Dividenden

Wenn ein Unternehmen seine Aktionär:innen am Erfolg beteiligen möchte, kann es einen Teil seines Gewinns ausschütten. Die Hauptversammlung beschließt, ob eine Dividende gezahlt wird und wie hoch sie ist. Nicht jedes Unternehmen zahlt eine Dividende. Beispielsweise stecken junge, wachstumsstarke Firmen ihre Gewinne oftmals in die eigene Expansion, statt sie an die Aktionär:innen weiterzugeben.

Rendite = Kursgewinn + Dividende

Entscheidend für die Rendite einer Aktie ist die Summe aus Kursentwicklung und Ausschüttungen.

Ein Beispiel: Ihr kauft 20 Aktien eines Unternehmens zu je 50 €. Ihr investiert also insgesamt 1.000 €. Angenommen, das Unternehmen zahlt jedes Jahr eine Dividende von 1,50 € je Aktie. Bei 20 Aktien erhaltet ihr somit 30 € Dividende pro Jahr. Über fünf Jahre summieren sich die Dividenden auf insgesamt 150 €.

Hinzu kommt die Kursentwicklung: Nach fünf Jahren ist der Aktienkurs von 50 € auf 68 € gestiegen. Eure 20 Aktien haben damit einen Wert von 1.360 €. Der Kursgewinn beträgt also 360 €.

Das Gesamtergebnis:

  • Ursprüngliche Investition: 1.000 €

  • Kursgewinn: +360 €

  • Dividenden: +150 €

  • Aus 1.000 € sind nach fünf Jahren 1.510 € geworden. Das entspricht einer Gesamtrendite von 51 % – das sind durchschnittlich rund 8,6 % pro Jahr.

Wichtig: Dieses vereinfachte Beispiel zeigt nur das Grundprinzip. Aktienkurse können sinken und Dividenden ausbleiben. Dann macht ihr Verluste.

Welche Renditen könnt ihr mit Aktien erzielen?

Historisch gesehen gehören Aktien langfristig zu den Anlageklassen mit den höchsten Renditechancen. Kurzfristig können die Kurse jedoch stark schwanken. Zwischenzeitliche Kursverluste gehören dazu – auch Börsencrashs mit Einbrüchen von 30 % oder mehr sind möglich.

Das UBS Global Investment Returns Yearbook 2026 zeigt: Der US-Aktienmarkt erzielte seit dem Jahr 1900 im Durchschnitt eine Rendite von etwa 9,8 % pro Jahr. Rechnet man die Inflation heraus, bleibt ein Ertrag von durchschnittlich 6,6 % pro Jahr. In einzelnen Jahren schwanken die Kurse teils stark, doch je länger man investiert, desto weniger fallen die Ausschläge ins Gewicht.

Unser Renditedreieck für einen ETF auf den Aktienindex MSCI World macht ebenfalls deutlich, dass in der Vergangenheit langfristiges Investieren und eine breite Streuung erfolgreich waren. Das ist ganz im Sinne der Strategie Buy-and-Hold.

Zwar brachten einzelne Jahre erhebliche Verluste. Aber wer beispielsweise 2007 in einen MSCI-World-ETF investierte und bis 2025 hielt, erzielte trotz der Finanzkrise eine durchschnittliche Rendite von 8,4 % pro Jahr, vor Abzug der Inflation.

Renditedreieck
Verkauf
2007
-4,8
2008
-24
-39
2009
-9,4
-12
28,1
2010
-2,9
-2,2
23,9
19,9
2011
-2,9
-2,5
14,1
7,7
-3,2
2012
-0,5
0,4
13,7
9,3
4,4
12,7
2013
2,4
3,6
15,3
12,3
9,9
17,1
21,7
2014
4,5
5,9
16,1
13,8
12,3
18,1
20,9
20,1
2015
5,1
6,5
15,3
13,3
12,0
16,2
17,4
15,3
10,7
2016
5,7
6,9
14,7
12,9
11,8
15,1
15,7
13,8
10,7
10,7
2017
5,9
7,0
13,9
12,3
11,2
13,8
14,1
12,2
9,7
9,2
7,7
2018
4,9
5,8
11,9
10,2
9,0
10,9
10,6
8,5
5,8
4,2
1,1
-5,1
2019
6,7
7,7
13,5
12,1
11,3
13,3
13,3
12,0
10,5
10,4
10,3
11,6
31,1
2020
6,6
7,6
12,8
11,5
10,7
12,4
12,3
11,1
9,6
9,4
9,1
9,5
17,6
5,5
2021
8,2
9,2
14,2
13,1
12,5
14,3
14,4
13,6
12,7
13,0
13,5
14,9
22,5
18,4
32,8
2022
6,7
7,5
12,0
10,8
10,1
11,4
11,3
10,2
9,0
8,7
8,4
8,5
12,2
6,6
7,1
-14
2023
7,4
8,3
12,5
11,5
10,8
12,1
12,0
11,1
10,2
10,1
10,0
10,4
13,8
9,8
11,3
1,9
20,2
2024
8,4
9,2
13,3
12,4
11,9
13,1
13,1
12,4
11,7
11,8
11,9
12,5
15,7
12,9
14,8
9,4
23,1
26,0
2025
8,4
9,2
13,0
12,1
11,6
12,7
12,7
12,0
11,3
11,4
11,4
11,9
14,6
12,0
13,4
9,0
17,8
16,6
7,9
Kauf
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
Basis: Amundi MSCI World II (FR0010315770) in EUR

Wichtig: Leider lassen sich aus den Daten der Vergangenheit keine sicheren Rückschlüsse für die Zukunft ableiten. Außerdem gelten die hier genannten Renditechancen vor allem für den Aktienmarkt als Ganzes. Einzelne Aktien können sich völlig anders entwickeln. Während einige wenige Unternehmen mit enormen Wertsteigerungen glänzen, verlieren viele andere an Wert oder scheitern sogar komplett.

Unbequeme Wahrheit: Viele Aktien sind Loser

Ein Blick auf die vergangenen 100 Börsenjahre in den USA zeigt: Auf lange Sicht war der Aktienmarkt als Ganzes enorm erfolgreich – aber die meisten Einzelaktien enttäuschten. Das zeigt eine Studie aus dem Jahr 2026 von Finanzökonom Hendrik Bessembinder.

Danach schnitten seit 1926 fast 60 % der Aktien langfristig schlechter ab als sichere US-Staatsanleihen. Nur rund 41 % der Aktien konnten die Rendite von Staatsanleihen schlagen. Besonders bemerkenswert ist, dass nur wenige Unternehmen den Erfolg des Gesamtmarktes antreiben: Gerade einmal rund 1.100 von rund 30.000 untersuchten Unternehmen erzielten den entscheidenden Beitrag für die gesamte Netto-Wertschöpfung des US-Aktienmarktes seit 1926.

Was folgt daraus? Wer auf einzelne Aktien setzt, hat schlechte Karten, ausgerechnet die wenigen Überflieger der Zukunft zu erwischen. Die Lösung lautet: breit streuen, beispielsweise mithilfe von Aktien-ETFs. Ganz im Sinne von ETF-Pionier John Bogle, der einst riet: „Suchen Sie nicht die Nadel im Heuhaufen. Kaufen Sie den Heuhaufen“.

Welche Chancen und Risiken haben Aktien?

Bevor ihr in Aktien investiert, solltet ihr die Vor- und Nachteile genau in den Blick nehmen.

  • Hohe Erträge möglich
    Aktien gehören historisch zu den Anlageklassen mit den höchsten Renditechancen. Im Idealfall profitiert ihr von steigenden Kursen und könnt langfristig Vermögen aufbauen.

  • Einkommen durch Dividenden
    Viele Unternehmen schütten einen Teil ihrer Gewinne aus. Die Dividenden sind für Aktionär:innen eine zusätzliche Einnahmequelle, die einen wichtigen Beitrag zur Gesamtrendite leistet.

  • Einfacher Kauf und Verkauf
    Aktien könnt ihr in der Regel jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen. Dadurch bleibt euer Geld verfügbar, anders als bei Anlagen wie Festgeld oder Immobilien.

  • Mitspracherecht
    Als Aktionär:innen könnt ihr an Hauptversammlungen teilnehmen. Zwar ist euer Einfluss gering, aber ihr habt ein Frage- und Rederecht, erhaltet Einblicke in Unternehmen und lernt, worauf es bei Aktieninvestments ankommt.

  • Ständige Schwankungen
    Aktienkurse sind immer in Bewegung. Eine Garantie für Kursgewinne gibt es nicht. Auch erfolgreiche Unternehmen können phasenweise oder dauerhaft an Wert verlieren.

  • Totalverlust möglich
    Bei Einzelaktien besteht das Risiko, dass das Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten gerät oder insolvent wird. Die Aktie ist dann wertlos. Bei breit gestreuten Welt-ETFs sind solche Totalverluste aber nahezu ausgeschlossen.

  • Währungsrisiken
    Investiert ihr in ausländische Aktien, spielt der Wechselkurs eine Rolle. Fällt beispielsweise der US-Dollar gegenüber dem Euro, kann das eure Rendite als europäische Anleger:innen schmälern – selbst wenn die Aktie in US-Dollar gestiegen ist.

  • Emotionen
    Stark schwankende Aktienkurse sind nichts für schwache Nerven. Nervosität, Angst oder Panik im Falle von Kursabstürzen können dazu führen, dass ihr Aktien zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft – und dadurch Verluste macht.

Wie wählt ihr passende Aktien aus?

Weltweit sind mehrere zehntausend Unternehmen an Börsen notiert. Umso wichtiger ist es, dass ihr bei der Auswahl von Aktien sorgfältig und systematisch vorgeht.

Schritt 1: Anlagestrategie festlegen

Bevor ihr nach einzelnen Aktien sucht, solltet ihr eure grundlegende Anlagestrategie klären: Was sind eure finanziellen Ziele? Wie risikofreudig seid ihr? Welche Rendite erwartet ihr? Wie lange wollt ihr euer Geld investieren? Und wie teilt ihr es sinnvoll in verschiedene Anlageklassen auf, um Vermögen aufzubauen?

Einzelaktien oder ETFs?

Für ein Investment in Aktien habt ihr grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Einzelaktien und Aktien-ETFs. Letztere bündeln hunderte oder sogar tausende Aktien in einem einzigen börsengehandelten Fonds. Dadurch legt ihr euer Geld automatisch breit gestreut in den Aktienmarkt an und reduziert die Risiken von Einzelaktien. Außerdem entfällt die schwierige Suche nach der „Nadel im Heuhaufen“.

Es muss natürlich kein Entweder-oder sein. Ihr könnt beides kombinieren, etwa indem ihr einen breit gestreuten ETF als Basis eures Depots nutzt und zusätzlich mit Einzelaktien handelt. Das erfordert aber – im Vergleich zu rein passivem Investieren mit ETFs – etwas mehr Risikobereitschaft sowie Lust und Zeit, in die Welt der Aktien tiefer einzutauchen.

Aktive Fonds: Neben Einzelaktien und ETFs gibt es noch eine dritte Möglichkeit: klassische, aktiv gemanagte Investmentfonds. Diese Fonds verlangen häufig höhere Gebühren als ETFs – und vielen gelingt es langfristig nicht, besser abzuschneiden als der Markt.

Welche Aktien-ETFs eignen sich für Einsteiger:innen?

Bei ETFs müsst ihr keine einzelnen Unternehmen auswählen. Stattdessen entscheidet ihr, welchen Teil des Aktienmarkts ihr abdecken möchtet.

Für Einsteiger:innen bieten sich vor allem breit gestreute Welt-ETFs auf Indizes wie den MSCI World oder FTSE All-World an. Damit verteilt ihr euer Investment weltweit über verschiedene Länder und Branchen, sodass ihr weniger von der Entwicklung einzelner Unternehmen oder Märkte abhängig seid.

Mehr dazu erfahrt ihr in unserem Artikel zur ETF-Auswahl.

ETFs Wert der ETFs ⌀ Kosten Positionen
MSCI World
34 278,0 Mrd. € 0,19 % 1.284
FTSE All World
6 77,7 Mrd. € 0,13 % 3.758
MSCI ACWI
11 54,7 Mrd. € 0,20 % 2.334

Schritt 2: Passende Aktien auswählen

Wenn ihr euch bewusst für Einzelaktien entschieden habt, beginnt die eigentliche Auswahl. Zunächst solltet ihr Informationen sammeln und das Unternehmen möglichst gut verstehen: Wie verdient es sein Geld? Ist das Geschäftsmodell langfristig tragfähig? Wie stark ist die Konkurrenz? Welche Chancen und Risiken gibt es für die Branche?

Hilfreiche Quellen sind beispielsweise Geschäftsberichte, Investor-Relations-Seiten der Unternehmen sowie Finanzportale, auf denen ihr Hintergrundinfos, Analysteneinschätzungen und Kursentwicklungen findet.

Zentrale Kennzahlen

Im nächsten Schritt lohnt sich ein Blick auf wichtige Kennzahlen, die ihr auf Kursseiten findet. Drei Kennzahlen sind hier besonders hilfreich:

  • Marktkapitalisierung
    Die Marktkapitalisierung gibt den aktuellen Börsenwert eines Unternehmens an. Sie berechnet sich aus dem Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl der ausgegebenen Aktien. Wenn ein Unternehmen beispielsweise 100 Millionen Aktien ausgegeben hat und eine Aktie 50 € kostet, beträgt die Marktkapitalisierung 5 Milliarden €.

    Wichtig: Große Unternehmen gelten häufig als stabiler. Kleinere Unternehmen bieten dagegen oft höhere Wachstumschancen, schwanken aber meist stärker. Generell sagt die Marktkapitalisierung nichts darüber aus, ob ein Unternehmen operativ erfolgreich ist, wie hoch seine Schulden sind oder ob eine Aktie günstig bewertet ist.

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
    Das KGV gehört zu den bekanntesten Bewertungskennzahlen. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Kostet eine Aktie 100 € und das Unternehmen erzielt einen Gewinn von 5 € je Aktie, liegt das KGV bei 20.

    Wichtig: Ob ein KGV hoch oder niedrig ist, hängt stark von der Branche und dem Vergleich mit ähnlichen Unternehmen ab. Ein niedriges KGV kann auf eine günstigere Bewertung hindeuten – aber auch darauf, dass der Markt geringere Wachstumserwartungen hat oder Risiken sieht. Ein hohes KGV könnte ein Hinweis darauf sein, dass Anleger:innen starkes Wachstum erwarten und bereit sind, einen höheren Preis für die Aktie zu zahlen.

  • Dividendenrendite
    Die Dividendenrendite setzt die jährliche Dividende ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs und zeigt, wie viel Prozent Ausschüttung ihr bezogen auf den aktuellen Kaufpreis erhaltet. Manche Finanzportale verwenden dafür die zuletzt gezahlte Dividende, andere die für das laufende Jahr erwartete Dividende, basierend auf Prognosen von Analysten.

    Zahlt ein Unternehmen etwa 2 € Dividende pro Aktie und der Aktienkurs liegt bei 100 €, ergibt sich eine Dividendenrendite von 2 %.

    Wichtig: Eine hohe Dividendenrendite wirkt auf den ersten Blick attraktiv, kann aber auch ein Warnsignal sein. Fällt etwa der Aktienkurs eines Unternehmens wegen einer Krise stark, steigt die Dividendenrendite rein rechnerisch oft deutlich an. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass Anleger:innen tatsächlich eine so hohe Dividende erhalten. Häufig wird die Dividende auf der nächsten Hauptversammlung gekürzt oder gestrichen, weil sie das Unternehmen finanziell überfordert.

Keine Kennzahl allein kann euch sagen, ob eine Aktie eine gute oder schlechte Wahl ist. Um ein Gesamtbild zu erhalten, checkt das Zusammenspiel von Kennzahlen und Faktoren wie Geschäftsmodell, Wettbewerb sowie Chancen und Risiken.

Blue Chips oder Nebenwerte?

Eine weitere Orientierung bei der Auswahl von Aktien bietet die Größe der Unternehmen.

  • Blue Chips sind große, etablierte Unternehmen mit einer langen Börsengeschichte. Dazu gehören beispielsweise bekannte Namen wie Mercedes-Benz, Amazon oder Sony. Sie gelten als vergleichsweise stabile Standardwerte und können eine solide Basis in einem breit gestreuten Portfolio bilden.

  • Nebenwerte (Small und Mid Caps) sind kleinere Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung. Sie bieten häufig größere Wachstumsmöglichkeiten, bergen aber auch höhere Risiken und stärkere Kursschwankungen.

Bei sogenannten Penny Stocks solltet ihr zweimal hinschauen. Das sind Aktien mit einem niedrigen Kurs, in der Regel unter einem Euro. Die BaFin warnt, dass unseriöse Marktakteure Penny Stocks gerne nutzen, um sie als vermeintliche Schnäppchen zu verkaufen.

Growth oder Value?

Eine weitere Möglichkeit, Aktien zu klassifizieren, ist die Unterscheidung zwischen Growth und Value, also Wachstumstiteln und Substanzaktien. Der Unterschied liegt vor allem darin, wie Marktbeobachter die Aktien bewerten.

  • Growth-Aktien sind Unternehmen mit hohen Wachstumserwartungen. Sie investieren ihre Gewinne häufig vollständig, um ihr Geschäft auszubauen, und zahlen deshalb oft keine oder nur geringe Dividenden.

  • Value-Aktien gelten dagegen als vergleichsweise günstig bewertet. Meist handelt es sich um etablierte Unternehmen mit stabilen Gewinnen und regelmäßigen Dividenden.

Von Fall zu Fall kann die günstige Bewertung von Value-Aktien auch darauf hindeuten, dass der Markt Risiken sieht oder geringeres Wachstum erwartet. Generell sind sich Experten uneins, ob Value-Aktien langfristig besser abschneiden.

Wie könnt ihr mit Aktien handeln?

Mit Trading-Apps und Co. könnt ihr Aktien und ETFs heute innerhalb weniger Minuten kaufen und verkaufen. Der praktische Ablauf ist bei beiden Anlageformen ähnlich. Bei Einzelaktien müsst ihr selbst einzelne Unternehmen auswählen. Bei einem Aktien-ETF übernimmt der Fonds diese Aufgabe.

1.

Schritt: Depot eröffnen

Um Aktien oder ETFs zu kaufen, benötigt ihr ein Wertpapierdepot, das ihr beispielsweise bei einer Bank oder einem Online-Broker eröffnen könnt.

Bei der Auswahl solltet ihr vor allem einen Blick auf Kriterien wie Kosten, das Angebot an Aktien und ETFs und die Benutzerfreundlichkeit werfen.

Wir haben die beliebtesten Anbieter verglichen und zeigen euch in unserem Depot-Vergleich, worauf ihr achten solltet:

Video
Depot eröffnen: So vermeidest du teure Fehler
2.

Schritt: Einzelaktien oder Aktien-ETFs kaufen

Bevor ihr investiert, sollte eure Anlagestrategie feststehen (siehe Kapitel "Wie wählt ihr passende Aktien aus?").

Wenn ihr ein Wertpapier kaufen oder verkaufen möchtet, erteilt ihr eurem Broker eine sogenannte Order. Die wichtigsten Ordertypen sind:

  • Marktorder: Die Order wird möglichst sofort zum aktuellen Marktpreis ausgeführt.

  • Limit-Order: Ihr legt selbst einen Preis fest, zu dem ihr kaufen oder verkaufen möchtet. Die Order wird nur ausgeführt, wenn dieser Preis erreicht wird.

  • Stop-Loss-Order: Eine automatische Verkaufsorder, die ausgelöst wird, wenn der Kurs unter einen festgelegten Wert fällt. So lassen sich Verluste begrenzen oder Gewinne absichern.

Einmalanlage oder Sparplan?

Aktien und ETFs könnt ihr entweder einmalig kaufen oder regelmäßig per
Sparplan besparen. Besonders bei ETFs sind Sparpläne beliebt, weil ihr so
Schritt für Schritt Vermögen aufbauen könnt.

3.

Schritt: Depot im Blick behalten

Ihr müsst euer Depot nicht täglich kontrollieren. Wenn ihr langfristig investiert, kann es sogar kontraproduktiv sein, ständig die Kurse zu verfolgen: Kurzfristige Schwankungen verleiten schnell dazu, vorschnell zu kaufen oder zu verkaufen.

Wenn ihr in Einzelaktien investiert, solltet ihr aber regelmäßig prüfen, wie sich die Kurse entwickeln und ob eure Anlagen noch zu eurer Strategie passen. Denn selbst Börsenstars können ins Straucheln geraten – das zeigen scheinbare Giganten wie Nokia. Das bedeutet nicht, dass ihr bei jeder schlechten Nachricht nervös werden müsst. Aber ihr solltet im Auge behalten, ob das Geschäftsmodell eines Unternehmens dauerhaft tragfähig bleibt.

Wenn sich im Laufe der Zeit die Gewichtung einzelner Anlageklassen in eurem Depot stark verändert – etwa zwischen Aktien und Anleihen –, ist ein Rebalancing sinnvoll. Dabei stellt ihr die ursprüngliche Aufteilung eures Depots wieder her.

Steuern bedenken: Auf Gewinne aus Aktien und ETFs fällt in Deutschland grundsätzlich die Abgeltungssteuer an. Dazu zählen sowohl Kursgewinne als auch Dividenden.

Fazit: Mit Aktien langfristig Vermögen aufbauen

Mit Aktien könnt ihr am Erfolg von Unternehmen teilhaben – durch steigende Kurse und Dividenden. Dafür müsst ihr allerdings auch Risiken in Kauf nehmen: Kursschwankungen und -abstürze gehören dazu, und einzelne Unternehmen können sogar ganz scheitern.

Entscheidend ist, dass ihr euch bewusst seid, dass es einen großen Unterschied zwischen Einzelaktien und dem Aktienmarkt als Ganzem gibt. Der Aktienmarkt hat langfristig hohe Renditen erzielt. Das gilt auch für einige einzelne Aktien – aber niemand weiß, welche Papiere in Zukunft zu den großen Gewinnern zählen. Die Masse der Einzelaktien hat in der Vergangenheit enttäuscht oder sogar Verluste gebracht.

Bevor ihr investiert, solltet ihr euch überlegen, wie risikobereit ihr seid und welche Strategie besser zu euch passt: Wollt ihr einzelne Aktien auswählen und versuchen, die Gewinner von morgen zu finden? Oder wollt ihr euch zurücklehnen und mit einem breit gestreuten ETF einfach in den gesamten Aktienmarkt investieren? Natürlich könnt ihr auch beide Varianten kombinieren.

Generell gilt: An der Börse haben sich Ausdauer und Geduld eher bewährt als kurzfristiges Zocken und der Versuch, die richtigen Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Für die meisten Anleger:innen ist deshalb eine langfristige, breit gestreute Strategie die sinnvollere Wahl.

Häufig gestellte Fragen

Sind Aktien für Börsen-Einsteiger:innen geeignet?

Grundsätzlich ja: Man muss kein Börsenprofi sein, um in Aktien zu investieren. Wichtig sind eine passende Strategie und ein Verständnis für die Risiken. Bewährt haben sich eine breite Diversifikation und ein langfristiger Anlagehorizont.

Wie viel Geld sollte man in Aktien investieren?

Das hängt von euren finanziellen Zielen, eurer Risikobereitschaft und eurem Budget ab. Grundsätzlich ist es möglich, schon mit sehr kleinen Beträgen einzusteigen und beispielsweise monatlich ein kleines Taschengeld in einen ETF-Sparplan zu investieren.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen?

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass langfristig investierte Anleger:innen häufig erfolgreicher waren als diejenigen, die versucht haben, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden.

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Autor: Jens Karbe
Jens ist freier Journalist, Texter und Autor mit Schwerpunkt auf Wirtschafts- und Finanzthemen. Er hat Politikwissenschaft in Berlin studiert und lebt heute in München.
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