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Depotgebühren im Vergleich: Wie viel kostet ein Wertpapierdepot?

Autor
Martin Gschwentner
Letzte Aktualisierung
11. Dez. 2023

Wenn ihr ETFs, Aktien und andere Wertpapiere kaufen möchtet, reicht ein gewöhnliches Bankkonto nicht aus. Ihr benötigt ein spezielles Wertpapierdepot, das den Handel von Wertpapieren für euch abwickelt. Im Gegenzug für diesen Service verlangen Betreiber solcher Depots gewisse Gebühren – und die fallen von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich aus.

Wir verraten, welche Depotgebühren ihr kennen müsst, mit welchen Kosten ihr in der Praxis rechnen könnt und wie die wichtigsten Depotanbieter preislich aufgestellt sind.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Ein Wertpapierdepot ist mit unterschiedlichen Gebühren verbunden. Die meist größte Kostenquelle sind Orderkosten, die pro Transaktion anfallen.

  • Orderkosten variieren von Depot zu Depot. Manche Broker berechnen pauschale Gebühren, andere einen Prozentsatz oder einen Mix aus beiden.

  • Online-Broker bieten in der Regel günstigere Konditionen als traditionelle Banken. Dies gilt sowohl für reguläre Wertpapierkäufe als auch für ETF-Sparpläne.

  • Mit unserem Depotvergleich könnt ihr genau sehen, wie viel ihr bei jedem Anbieter pro Order unter Einbeziehung der Order-Höhe und Sparrate bezahlt.

Was sind Depotgebühren und welche gibt es?

Depotgebühren beschreiben alle Kosten, die Banken und Broker für die Verwaltung und den Handel von Wertpapieren in eurem Depot erheben.

Diese Gebühren, die heute für Privatanleger:innen glücklicherweise recht gering ausfallen, lassen sich in mehrere Kategorien einteilen. Je nach Anbieter, Art des Depots und Börsenplatz müsst ihr folgenden Kosten rechnen:

  • Depotführungskosten

  • Orderkosten

  • Handelsplatzgebühren

In den nächsten Kapiteln sehen wir uns jede dieser möglichen Kostenquellen genauer an.

Depotgebühren vs. ETF-Gebühren

Die Depotgebühren umfassen nicht alle Kosten, die bei der Anlage in ETFs anfallen. Auch auf ETF-Ebene fallen einige Kosten an. Die laufenden Kosten eines ETFs auf Jahresbasis werden beispielsweise von der Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio/ TER) ausgedrückt. Einen ausführlichen Überblick der Kosten und Gebühren findet ihr in unserem Artikel zum Thema ETF-Kosten.

1.

Depotführungskosten

Depotführungskosten sind Kosten, die für den bloßen Besitz eines Wertpapierdepots anfallen. Sie können als feste Gebühr oder auf Basis des Depotvolumens berechnet werden.

Erfreulicherweise sind diese Gebühren heute kaum noch relevant. Das liegt vor allem am Wettbewerb, den Online-Broker in den Markt gebracht haben: Sie begannen im Kampf um Kund:innen damit, Depotführungskosten komplett abzuschaffen – was letztlich auch traditionelle Banken dazu bewegte, ihre Gebührenstrukturen zu überarbeiten.

Heute sind Anbieter mit Depotführungskosten die absolute Ausnahme. Manche Depots knüpfen die kostenlose Depotführung aber an eine bestimmte Anzahl an Transaktionen oder ein gewisses Gesamtguthaben.

2.

Orderkosten

Die Orderkosten sind die größte Kostenquelle auf Depot-Seite und damit deutlich wichtiger als die Depotführungskosten. Dabei handelt es sich um die Kosten, die bei jeder Wertpapierorder anfallen, die ihr über das Depot tätigt. Das beinhaltet:

  • den Kauf und Verkauf von Wertpapieren (wie z. B. ETFs)

  • die Ausführung eines Sparplans

Für die Berechnung der Orderkosten gibt es verschiedene Methoden:

  • Feste Gebühr pro Trade
    Manche Broker verlangen eine pauschale Gebühr pro Trade, die unabhängig von der Größe der Transaktion ist. Dies ist natürlich preislich effizienter, umso höher die Transaktionen ausfallen, da die Kosten nicht mit der Geldsumme steigen. Bei besonders kleinen Trades kann die Gebühr hingegen vergleichsweise stark ins Gewicht fallen.

  • Prozentuale Gebühr
    Bei dieser Methode wird die Gebühr als Prozentsatz des Handelsvolumens berechnet. Hier sind die Verhältnisse genau andersherum: Bei großen Transaktionen fällt die absolute Gebühr besonders groß aus, bei kleinen Transaktionen bezahlt ihr weniger.

  • Pauschalgebühr + prozentualer Anteil
    Auch eine Kombination beider Modelle ist möglich. Manche Broker verlangen eine Pauschalgebühr, stellen aber zusätzlich einen kleineren prozentualen Anteil in Rechnung.

  • Stufenmodell
    Die Gebühren können auch ans Transaktionsvolumen gebunden werden. Zum Beispiel könnte ein Broker eine Gebühr von 10 Euro für Transaktionen bis zu 10.000 Euro, 20 Euro für Transaktionen von 10.000 bis 15.000 Euro, 30 Euro für Transaktionen von 10.000 bis 20.000 Euro usw. berechnen.

  • Kostenlose Trades
    Es gibt auch Depots, insbesondere von Online-Brokern, die komplett gebührenfreie Orders ermöglichen. Diese Gratis-Trades sind aber in der Regel an bestimmte Bedingungen, beispielsweise eine Mindesthöhe oder/ und die Ausführung über einen bestimmten Handelsplatz, gebunden.

In der Praxis sind die Orderkosten somit von der Gebührenstruktur eures Depots und eurem Verhalten als Anleger:innen abhängig. Wenn ihr mit besonders großen Summen handelt, zahlt ihr bei Brokern mit prozentualer Gebühr deutlich mehr – wenn ihr häufig nur kleine Transaktionen durchführt, können sich die Pauschalgebühren schnell summieren.

3.

Handelsplatzgebühren

Nicht nur Depots möchten pro Order abkassieren, sondern auch die Börsen- bzw. Handelsplätze, über die eine Transaktion abgewickelt wird. Je nach Broker könnt ihr nämlich frei auswählen, an welchem Handelsplatz ihr den Kauf oder Verkauf tätigen möchtet, und bei jedem davon gelten unterschiedliche Konditionen.

Bei manchen Brokern fallen diese Gebühren besonders günstig aus oder entfallen sogar ganz, wenn ihr über bestimmte Handelsplätze handelt. Bei einigen Anbietern habt ihr zudem die Option, Wertpapiere über den außerbörslichen Direkthandel zu erwerben, bei dem Handelsplatzgebühren ebenfalls wegfallen.

Meist könnt ihr in der Kaufmaske eures Depots den Handelsplatz selbst bestimmen und somit die günstigste Option auswählen, wie hier beim ING-Depot:

Alles, was ihr zu Börsenplätzen beim ETF-Kauf wissen müsst, lest ihr in unserem Ratgeber zum Thema:

Banken vs. Broker: Wo sind die Gebühren günstiger?

Egal ob Bank oder Online-Broker: Ordergebühren sind also die größte Kostenquelle der Depotführung. Vermutlich möchtet ihr nun vor allem eins wissen: Welches Depot ist am günstigsten? Die Antwort dürfte kaum jemanden überraschen: Online-Broker haben preislich die Nase vorn. Doch woran liegt das?

Warum Online-Broker vorne liegen

Dass Online-Broker in der Regel günstigere Konditionen anbieten als traditionelle Banken, hat viele Gründe:

  • Die Betriebskosten von Online-Brokern sind niedriger, weil sie im Gegensatz zu vielen Banken keine physischen Filialen betreiben.

  • Online-Broker konzentrieren sich zu 100 % auf den Wertpapierhandel und bieten nicht wie klassische Banken ein breites Spektrum von Dienstleistungen an. Dadurch können sie Prozesse optimieren und Kosten sparen.

  • Online-Broker sind im Grunde genommen Tech-Firmen. Sie operieren agil und nutzen neueste Technologien, um viele Aspekte des Handels und der Depotführung zu automatisieren.

Ein weiterer Faktor, der Online-Brokern lange Zeit einen preislichen Vorteil verschafft hat, ist eine Praxis namens Payment for Order Flow (PFOF). Dieses kontroverse Vorgehen ist aktuell noch erlaubt, soll aber bis 2026 verboten werden.

Was ist PFOF – und warum wurde es verboten?

Payment for Order Flow bedeutet, dass Broker Geld von Börsenanbietern erhalten, wenn sie die Orders der Kund:innen an genau deren Handelsplätze weiterleiten. Diese Praxis ist im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass Online-Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital Transaktionsgebühren besonders niedrig halten oder Orders gar komplett kostenlos anbieten können.

Kontrovers ist die Praxis – der übrigens von niemand geringerem als Finanzbetrüger Bernie Madoff der Weg bereitet wurde – unter anderem deshalb, weil sie die Gefahr birgt, Angebot und Nachfrage zu verfälschen. Beim Broker könnten dadurch Interessenskonflikte entstehen, weil er dazu verleitet werden könnte, Orders nicht an die Ausführungsplätze mit den für Anleger:innen besten Konditionen weiterzuleiten, sondern an den meistbietenden.

Immerhin: Eine Studie der BaFin kam 2022 zum Ergebnis, dass PFOF für Kundenaufträge mit kleineren Volumen „überwiegend vorteilhaft“ sei, wobei diese Vorteile bei höheren Transaktionsvolumina verloren gehen. Anleger:innen scheinen laut dieser Studie also eher von der Praxis zu profitieren.

Dennoch hat das EU-Parlament ein Verbot von Payment For Order Flow beschlossen, das in Deutschland 2026 in Kraft treten soll. Wie sich dieses Verbot auf die Kosten von Online-Brokern auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Doch wie sehen die Depotkosten nun bei den Anbietern in der Praxis aus? Das schauen wir uns als Nächstes an. Dabei unterscheiden wir die Kosten bei regulären Orders und die Kosten der Sparplanangebote der Depots.

Vergleich der Ordergebühren

Der nachfolgenden Tabelle könnt ihr die Kosten pro Order bei den 15 Depots aus unserem Vergleich entnehmen.

Wie ihr seht, liegen Online-Broker wie Smartbroker, Trade Republic, justTRADE, finanzen.net zero und Scalable Capital vor den Angeboten klassischer Banken.

Beachtet dabei aber, dass die Tabelle immer die bestmöglichen Preise bei jedem Broker anzeigt, der möglicherweise an bestimmte Konditionen (und/ oder zeitlich begrenzte Angebote) geknüpft ist. Welche das sind, erfahrt ihr mit einem Klick auf die Summe im Feld „Kosten je Order“.

1822direktcomdirectConsorsbankDKBfinanzen.net zeroflatexINGjustTRADEmaxbluePostbankS BrokerScalable CapitalSmartbrokerTrade Republic
Kosten je Order
4,90 € + 0,25 %
3,90 €
4,95 € + 0,25 %
10 - 25 €
0 -1 €
5,9 €
4,90 € + 0,25 %
1 €
0,25 %
9,95 - 69,95 €
4,99 € + 0,25 %
0 - 0,99 €
0 - 4 €
1 €
Kosten nach Order-Höhe
500 € Order
9,9 €
3,9 €
9,95 €
10 €
0 €
5,9 €
6,15 €
1 €
8,9 €
9,95 €
8,99 €
0,99 €
0 €
1 €
1.000 € Order
9,9 €
3,9 €
9,95 €
10 €
0 €
5,9 €
7,4 €
1 €
8,9 €
9,95 €
8,99 €
0,99 €
0 €
1 €
5.000 € Order
29,9 €
3,9 €
17,45 €
10 €
0 €
5,9 €
17,4 €
1 €
12,5 €
29,95 €
17,49 €
0,99 €
0 €
1 €
10.000 € Order
54,9 €
3,9 €
67,45 €
10 €
0 €
5,9 €
29,9 €
1 €
25 €
39,95 €
29,99 €
0,99 €
0 €
1 €
50.000 € Order
54,9 €
3,9 €
69 €
25 €
0 €
5,9 €
69,9 €
1 €
58,9 €
69,95 €
54,99 €
0,99 €
0 €
1 €
100.000 € Order
54,9 €
3,9 €
69 €
25 €
0 €
5,9 €
69,9 €
1 €
58,9 €
69,95 €
54,99 €
0,99 €
0 €
1 €

Vergleich der Sparplankosten

Bei Sparplänen zeichnet sich ein ähnliches Bild, wobei die klassischen Banken hier mittlerweile ebenfalls recht günstige Angebote bieten:

1822direktcomdirectConsorsbankDKBfinanzen.net zeroflatexINGjustTRADEmaxbluePostbankS BrokerScalable CapitalSmartbrokerTrade Republic
Kosten je Ausführung
1,5 %
1,5 %
1,5 %
1,50 €
0 €
0 €
0 €
0 €
1,25 %
0,9 €
2,5 %
0 €
0,2%
0 €
Kostenlose ETF
100
200
0
170
600
300
800
150
140
0
100
2300
24
2400
Kosten nach Sparrate
50 € Sparplan
1,5 €
0,75 €
0,75 €
1,5 €
0 €
0 €
0 €
0 €
0,63 €
0,9 €
1,25 €
0 €
0,8 €
0 €
100 € Sparplan
1,5 €
1,5 €
1,5 €
1,5 €
0 €
0 €
0 €
0 €
1,25 €
0,9 €
2,5 €
0 €
0,8 €
0 €
500 € Sparplan
7,5 €
7,5 €
7,5 €
1,5 €
0 €
0 €
0 €
0 €
6,25 €
0,9 €
12,5 €
0 €
1 €
0 €
1.000 € Sparplan
14,9 €
15 €
15 €
1,5 €
0 €
0 €
0 €
0 €
12,5 €
0,9 €
25 €
0 €
2 €
0 €

Fazit

Wenn ihr Wertpapiere wie ETFs kaufen möchtet, benötigt ihr ein Wertpapierdepot, und das ist in der Regel mit bestimmten Gebühren verbunden. Die größte Kostenquelle sind Orderkosten, die pro Transaktion (z. B. ETF-Kauf, Sparplanausführung) anfallen und je nach Anbieter, Handelsvolumen und Transaktionsgröße variieren.

Online-Broker bieten meist günstigere Depotkosten als traditionelle Banken. Unsere Vergleichstabellen können euch dabei helfen, die Depotkosten der verschiedenen Anbieter zu vergleichen und das preisgünstigste Depot für eure Bedürfnisse zu finden.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es kostenlose Depots?

Ja, es gibt kostenlose Depots. Die Depotführung an sich ist bei den meisten Brokern und sogar Banken kostenlos. Bei manchen Brokern entfallen zudem auch andere Kosten, wie etwa die Ordergebühr, allerdings nur zu bestimmten Konditionen (z. B. ab einem bestimmten Transaktionsvolumen über einen bestimmten Handelsplatz).

Kann man das Depot wechseln?

Ja, ein Depotwechsel ist möglich. Ihr könnt in der Regel alle Wertpapiere zum neuen Depot mitnehmen, die auch dort verfügbar sind. Den Depotwechsel beantragt ihr am besten direkt beim neuen Depot, zu dem ihr wechselt. Es ist grundsätzlich kostenlos, kann aber eine Weile dauern.

Welches Depot ist am günstigsten?

Von den 15 Depots aus dem Zendepot-Test bieten Online-Broker die günstigsten Konditionen. Einige Broker (z. B. Smartbroker, finanzen.net zero) sind zu bestimmten Konditionen komplett kostenlos, bei vielen anderen Anbietern kosten Transaktionen oder Sparpläne nur rund einen Euro.

Wie verdienen Depots Geld?

Depots haben mehrere Einnahmequellen. Beispielsweise verdienen sie durch Gebühren, die für die Depotführung, Transaktionen und weitere Dienstleistungen erhoben werden. Online-Broker finanzieren sich teilweise durch die kontroverse Payment for Order Flow-Praxis, bei der sie Gebühren von Handelsplätzen erhalten, an die sie die Transaktionen ihrer Kunden weiterleiten.

Martin schrieb schon im Studium über Finanzthemen: Seine Masterarbeit verfasste er über die Geschichte amerikanischer Zentralbanken, später forschte er zum Thema Wahlkampffinanzierung. Privat investiert er seit mehreren Jahren in ETFs und Aktien. Heute lebt er in London und arbeitet als freier Texter in den Bereichen Technologie und Finanzen.
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