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70/30-Portfolio: Ist das Weltportfolio noch eine gute Wahl?

Letzte Aktualisierung
22. Juni 2026

Mit einem 70/30-Portfolio könnt ihr mit nur zwei ETFs die ganze Weltwirtschaft abbilden. Für viele gilt das Weltportfolio deshalb als der Standard für eine ausgewogene Anlagestrategie. Stimmt das wirklich?

Wir verraten, was genau ein 70/30-Portfolio ist, woher die Empfehlung kommt und ob sie heute noch zeitgemäß ist – und wie ihr sie umsetzen könnt.

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Das Wichtigste in Kürze
  • Ein 70/30-Portfolio ist ein ETF-Portfolio, das sich aus 70 % Industrieländer-Aktien und 30 % Schwellenländer-Aktien zusammensetzt. Es besteht meist aus zwei ETFs: einem breit gestreutem Industrieländer-ETF und einem Schwellenländer-ETF.

  • Die höhere Gewichtung der Schwellenländer zielt darauf ab, von den historisch höheren Schwellenländer-Renditen zu profitieren und die Dominanz von US-Aktien und großen Tech-Firmen zu reduzieren.

  • Allerdings bringen Schwellenländer eigene Nachteile mit sich, einschließlich politischer Risiken. Zudem müsst ihr euer Portfolio regelmäßig rebalancen, um die 70/30-Mischung zu bewahren.

  • Langfristig sind die Renditeunterschiede zwischen Portfolios mit 70/30-, 80/20- und 90/10-Gewichtung nicht besonders ausgeprägt. Vor allem in den letzten Jahren performten die Schwellenländer weniger gut.

  • Eine 90/10-Gewichtung könnt ihr sogar mit einem einzigen ETF, beispielsweise auf den MSCI ACWI oder MSCI ACWI IMI, erreichen.

70/30-Portfolio – was ist das?

Wenn die Rede vom 70/30-Portfolio ist, ist normalerweise ein Weltportfolio gemeint, das die ganze Weltwirtschaft abdeckt. Der Name leitet sich von seiner Zusammensetzung ab: Das Portfolio besteht zu 70 % aus Aktien aus Industrieländern und zu 30 % aus Aktien aus Schwellenländern, den sogenannten Emerging Markets.

Hier seht ihr die Weltkarten mit Industrieländern und mit Schwellenländern.

Dunkelgrün (Grenzmärkte) & Grau (nicht investierbare Märkte) machen nur 1 % des weltweit investierbaren Marktes aus. Industrie- & Schwellenländer können bis zu 99 % ausmachen.

Der Ansatz des 70/30-Portfolios ist in der Regel passiv. Das bedeutet, dass ihr nicht individuell Aktien auswählt, sondern in ETFs investiert, die das jeweilige Marktsegment abbilden. Mit nur zwei ETFs könnt ihr somit eine Diversifikation erreichen, die sonst nur durch den Kauf vieler einzelner Aktien möglich wäre.

Es gibt auch andere 70/30-Portfolios

70/30 muss sich nicht immer aufs ETF-Weltportfolio beziehen. Eine weitere Variante ist das 70/30-Portfolio aus Aktien und Anleihen, bei dem 70 % in Aktien und 30 % in Anleihen investiert werden. Dieses Modell strebt eine Balance zwischen dem Wachstumspotenzial von Aktien und der Stabilität von Anleihen an.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf das ETF-Weltportfolio (100 % Aktien).

Warum 70/30? Der Gedanke hinter dem Weltportfolio

Verfechter von 70/30 verweisen meist auf zwei Vorteile gegenüber anderen Zusammensetzungen, in denen Schwellenländer weniger stark berücksichtigt werden:

  • 1. Bessere Renditechancen
    Ein zentrales Argument für das 70/30-Portfolio ist das Potenzial für höhere Renditen unter Berücksichtigung der Risikostruktur. In der Vergangenheit erzielten Schwellenländer trotz ihrer Volatilität langfristig oft höhere Renditen als entwickelte Märkte. 70/30-Befürworter argumentieren deshalb, dass sie in einem Portfolio nach Marktkapitalisierung mit einem Anteil von nur etwa 10–11 % oft zu gering gewichtet werden. Indem man ihren Anteil auf 30 % erhöht, könne man als Anleger vom höheren Wachstumspotenzial der Schwellenländer profitieren.

    Der Vermögensberater Gerd Kommer schreibt dazu beispielsweise in einem Whitepaper: „Auf sehr lange Sicht hat eine BIP-Gewichtung in der Vergangenheit gegenüber einer Marktkapitalisierungsgewichtung eine leichte Outperformance produziert.“

  • 2. Weniger Klumpenrisiko
    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verringerung des Klumpenrisikos. In einem 90/10-Portfolio, das auf Marktkapitalisierung basiert, dominieren oft US-Aktien mit einem Anteil von über 60–70 %. Zudem haben einzelne große Tech-Unternehmen dort ein erhebliches Gewicht. Diese Konzentration kann zu einem erhöhten Risiko führen, falls es in diesen spezifischen Segmenten zu Einbrüchen kommt.

    Das 70/30-Portfolio strebt eine breitere geografische Streuung und eine geringere Abhängigkeit von einzelnen Marktsegmenten an, wodurch dieses Risiko reduziert wird.

Ob diese Argumente heute wirklich noch überzeugend sind, lest ihr weiter unten. Als Nächstes sehen wir uns an, wie genau ihr ein 70/30-Portfolio überhaupt aufbauen könnt.

Wie ist ein 70/30-Portfolio aufgebaut?

Ein 70/30-Portfolio besteht typischerweise aus genau zwei ETFs: einem Industrieländer-ETF und einem Schwellenländer-ETF. Wir haben alle Optionen für euch zusammengestellt.

Industrieländer-ETFs

Hier gibt es drei Indizes zur Auswahl:

  • FTSE Developed

  • Solactive GBS Developed Markets Large & Mid Cap

Die Indizes sind nahezu identisch, allerdings könnt ihr beim MSCI World zwischen insgesamt 35 ETFs wählen, während es bei den Indizes von Solactive und FTSE bloß jeweils zwei bis drei ETFs gibt.

Hier findet ihr eine Auswahl aller MSCI-World-ETFs:

Größe Alter Kosten Score
UBS Core MSCI World
Thesaurierend
IE00BD4TXV59
9,9 Mrd. € 7 Jahre 0,06 %
5,0
State Street SPDR MSCI World
Thesaurierend
IE00BFY0GT14
17,3 Mrd. € 7 Jahre 0,12 %
5,0
Xtrackers MSCI World
Ausschüttend
IE00BK1PV551
4,8 Mrd. € 11 Jahre 0,12 %
5,0
Xtrackers MSCI World
Thesaurierend
IE00BJ0KDQ92
19,7 Mrd. € 12 Jahre 0,12 %
5,0
UBS Core MSCI World
Ausschüttend
IE00B7KQ7B66
1,9 Mrd. € 14 Jahre 0,06 %
5,0
Invesco MSCI World
Thesaurierend
Swap
IE00B60SX394
7,8 Mrd. € 17 Jahre 0,05 %
5,0
Amundi Core MSCI World
Ausschüttend
IE000CNSFAR2
1,6 Mrd. € 4 Jahre 0,12 %
4,8
Xtrackers MSCI World
Ausschüttend
Swap
LU2263803533
5,6 Mrd. € 5 Jahre 0,19 %
4,6
HSBC MSCI World
Ausschüttend
IE00B4X9L533
13,6 Mrd. € 15 Jahre 0,15 %
4,6
iShares Core MSCI World
Thesaurierend
IE00B4L5Y983
124,5 Mrd. € 16 Jahre 0,20 %
4,6
Zeige 1-10 von 35 ETFs

Wenn ihr euch mehrere ETFs ins Portfolio holt, ist es entscheidend, Indizes vom selben Indexanbieter (z. B. MSCI oder FTSE) zu kombinieren. Der Grund dafür sind unterschiedliche Ländereinstufungen: Während FTSE Länder wie Südkorea und Polen bereits als Industrieländer einstuft, gelten sie bei MSCI weiterhin als Schwellenländer.

Schwellenländer-ETFs

Bei den Schwellenländern habt ihr mehr Indizes zur Auswahl:

  • MSCI Emerging Markets IMI

  • FTSE Emerging

  • Solactive GBS Emerging Markets Large & Mid Cap

Die meisten ETFs, 25 an der Zahl, gibt es auf den MSCI Emerging Markets. Bei allen anderen Indizes sind nur zwei ETFs verfügbar, außer beim Solactive-Index, für den nur ein ETF verfügbar ist. 

Hier findet ihr eine Auswahl der ETFs auf den MSCI Emerging Markets-Index:

Größe Alter Kosten Score
Amundi Core MSCI Emerging Markets
Ausschüttend
Swap
LU2573966905
4,9 Mrd. € 3 Jahre 0,14 %
4,6
Amundi Core MSCI Emerging Markets
Thesaurierend
Swap
LU2573967036
4,9 Mrd. € 3 Jahre 0,14 %
4,6
Amundi Core MSCI Emerging Markets
Ausschüttend
LU1737652583
1,1 Mrd. € 8 Jahre 0,18 %
4,6
UBS Core MSCI EM
Thesaurierend
LU0950674175
8,1 Mrd. € 8 Jahre 0,15 %
4,6
Amundi MSCI Emerging Markets
Thesaurierend
Swap
LU1681045453
1,4 Mrd. € 8 Jahre 0,20 %
4,6
Amundi MSCI Emerging Markets
Thesaurierend
Swap
LU1681045370
4,2 Mrd. € 8 Jahre 0,20 %
4,6
Xtrackers MSCI Emerging Markets
Thesaurierend
IE00BTJRMP35
12,1 Mrd. € 9 Jahre 0,18 %
4,6
Amundi Core MSCI Emerging Markets
Thesaurierend
LU1437017350
4,1 Mrd. € 10 Jahre 0,18 %
4,6
State Street SPDR MSCI Emerging Markets
Thesaurierend
IE00B469F816
1,8 Mrd. € 15 Jahre 0,18 %
4,6
UBS Core MSCI EM
Ausschüttend
LU0480132876
2,7 Mrd. € 15 Jahre 0,15 %
4,6
Zeige 1-10 von 25 ETFs

Der MSCI Emerging Markets IMI enthält neben Aktien von großen und mittelgroßen Unternehmen auch zu 14 % Aktien von kleinen Firmen (Small Caps). Damit streut ihr also noch etwas breiter, allerdings haben die Kurse von kleinen Unternehmen in der Vergangenheit häufig stärker geschwankt und die Auswahl an ETFs auf den Index ist natürlich kleiner.

Anzahl der verfügbaren Industrie- und Schwellenländer-ETFs in Deutschland

Hier haben wir noch einmal alle relevanten Indizes und ETFs für euch zusammengestellt:

Index

Small Caps enthalten?

Verfügbare ETFs

MSCI World

Nein

35

FTSE Developed

Nein

3

Solactive GBS Developed Large & Mid Cap

Nein

2

MSCI Emerging Markets

Nein

25

MSCI Emerging Markets IMI

Ja

2

FTSE Emerging

Nein

4

Solactive GBS Emerging Markets Large & Mid Cap

Nein

1

Quelle: Börse Frankfurt/ Internetseiten der Indexanbieter (Stand: Ende November 2023)

Ihr könnt unsere ETF-Suche nutzen, um die passenden ETFs für euer 70/30-Portfolio zu finden:

Ist 70/30 noch zeitgemäß und sinnvoll?

Jetzt wisst ihr, wie ihr ein 70/30-Portfolio zusammenstellen könnt. Doch ist das überhaupt ratsam? Sehen wir uns die Argumente für das Weltportfolio noch einmal genauer an:

1.

Rendite: Ob 70/30 oder 90/10 ist gar nicht so wichtig

Unseren Backtests zufolge haben Schwellenländer in der Vergangenheit auf lange Sicht tatsächlich etwas besser als Industrieländer performt. Dadurch ergaben sich für 70/30-Portfolios, die Schwellenländer etwas höher gewichteten als andere Weltportfolios, auch etwas bessere Renditen. Doch natürlich kommt es – wie immer – auch auf den Betrachtungszeitraum an.

Der MSCI World hat seit Dezember 1987 etwa eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,1 % erzielt. Ein Portfolio-Backtest zeigt, dass eine 70/30-Portfolio-Strategie in diesem Zeitraum eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,9 % erbracht hätte – bei annähernd gleicher Kursschwankung. Das 70/30-Portfolio war daher aus Rendite-Risiko-Sicht leicht besser als der MSCI World.

Performance der 70/30-ETF-Strategie im Vergleich

Dezember 1987 bis April 2026

MSCI World

MSCI EM

70/30-Portfolio

Rendite pro Jahr
(vor Steuern)

8,1 %

9,4 %

8,9 %

Volatilität (Standardabweichung)

14,9 %

21,3 %

15,6 %

Sharpe Ratio

0,53

0,48

0,56

Schlechtestes
Kalenderjahr

-37,4 % (2008)

-50,6 % (2008)

-41,4 % (2008)

Maximaler Zeitraum, um Kursverluste wieder wettzumachen
(Drawdown)

13 Jahre, 9 Monate (Aug. 2000 bis Mai 2014)

5 Jahre, 3 Monate (März 2000 bis Juni 2005)

6 Jahre, 4 Monate (Aug. 2000 bis Dez. 2006)

Quelle: Backtest mit curvo.eu (Annahmen: TER von 0,2 Prozent, Rebalancing einmal pro Jahr)

Diese potenziell höhere Rendite bekommt ihr aber nicht umsonst, sondern sie ist eine Art Gegenleistung für das höhere Risiko, das ihr mit einem Schwellenländer-Investment tragt. In den aufstrebenden Ländern gibt es mehr Rechtsunsicherheit, Korruption und politische Umstürze. Kursschwankungen sind somit wahrscheinlicher.

Vergleicht man zudem verschiedene Mischungen aus Industrie- und Schwellenländern, dann sind die Performanceunterschiede sehr gering. Wenn ihr in den vergangenen fast 40 Jahren ein Welt-Aktienportfolio gehalten hättet, hätte es keinen allzu großen Unterschied gemacht, ob der Anteil der Schwellenländer bei 10 oder 40 % gelegen hätte.

Mit einem ETF auf den MSCI ACWI, der Schwellenländer mit etwa 10 % gewichtet, hättet ihr also laut Backtest mit nur einem ETF eine ähnliche Rendite erzielt – ohne regelmäßiges Rebalancing und mit geringerer Volatilität. Auch die Sharpe-Ratio – ein Performancemaß, das Kursschwankung und Rendite ins Verhältnis setzt – ist annähernd gleich.

Performance-Vergleich verschiedener Weltportfolios

Dezember 1987 bis April 2026

60/40

70/30

80/20

MSCI ACWI (90/10)

Rendite pro Jahr
(vor Steuern)

9,1 %

8,9 %

8,6 %

8,2 %

Volatilität (Standardabweichung)

16,1 %

15,6 %

15,2 %

14,8 %

Sharpe Ratio

0,56

0,56

0,55

0,54

Schlechtestes Kalenderjahr

-42,7 % (2008)

-41,4 % (2008)

-40,1 % (2008)

-38,6 % (2008)

Maximaler Zeitraum, um Verluste wettzumachen

5 J., 10 M.

6 J., 4 M.

6 J., 9 M.

12 J., 8 M.

Quelle: Backtest mit curvo.eu (Annahmen: TER von 0,2 Prozent, Rebalancing einmal pro Jahr)

Aufteilung ist zweitrangig

Weil die Performance-Unterschiede nicht allzu groß sind, ist aus unserer Sicht zweitrangig, ob die Aufteilung nun 70/30 oder 90/10 beträgt. Laut manchen Studien kommen 90 % der Rendite und Kursschwankungen eures Portfolios im Zeitablauf ohnehin aus der Asset Allocation, also aus der Gewichtung der einzelnen Anlageklassen.

Entscheidend ist also nicht, wie hoch der Anteil von Industrie- oder Schwellenländer-Aktien ist, sondern wie viel Prozent eures Vermögens ihr überhaupt in Aktien oder andere Anlageklassen (z. B. Tagesgeld oder Rohstoffe) investiert.

2.

Aufwand: Regelmäßiges Rebalancing macht 70/30 aufwändiger

Ein Nachteil der 70/30-Strategie ist der laufende Pflegeaufwand. Um das Verhältnis von 70 zu 30 dauerhaft zu halten, müsst ihr einmal im Jahr ein sogenanntes Rebalancing durchführen. Bei einem einzigen Welt-ETF (z. B. FTSE All-World) übernimmt der Indexanbieter diese Arbeit automatisch für euch.

Achtung Steuerfalle: Wenn ihr beim Rebalancing gut gelaufene ETF-Anteile verkauft, fallen auf die Gewinne sofort Steuern an. Das bremst euren Zinseszinseffekt etwas aus.

Praxis-Tipp: Cashflow-Rebalancing

Nutzt am besten das Cashflow-Rebalancing. Dabei verkauft ihr keine Anteile, sondern passt im Online-Banking einfach temporär eure monatlichen Sparraten an. Bespart den ETF, der im Wert zurückgeblieben ist, für einige Monate stärker, bis das 70/30-Gleichgewicht wieder stimmt. So zahlt ihr keine Steuern.

3.

Flexibilität: Flexiblere Zusammenstellung als bei einzelnen ETFs

Ein klarer Vorteil der 70/30-Mischung ist die Flexibilität. Auf den MSCI World gibt es in Deutschland aktuell weit über 30 verschiedene ETFs. Beim MSCI Emerging Markets sind es rund 25 ETFs. Ihr habt also eine riesige Auswahl, um den exakt zu euch passenden, günstigsten oder nachhaltigsten Fonds zu finden.

Bei einzelnen Welt-ETFs, die Schwellenländer und Industrieländer bereits intern mischen (z. B. MSCI ACWI oder FTSE All-World), gibt es im direkten Vergleich weniger Auswahlmöglichkeiten auf dem Markt.

Wie ihr bei der Auswahl vorgehen könnt, lest ihr in unserem Artikel.

4.

Klumpenrisiko: Geringere Abhängigkeit von Tech-Giganten und den USA

Kapitalisierungsgewichtete Standard-Indizes bergen im Jahr 2026 ein erhebliches Klumpenrisiko. Der MSCI World besteht mittlerweile zu rund 70 Prozent aus US-Aktien. Selbst beim sehr breiten MSCI ACWI IMI, der 99 % des weltweit investierbaren Aktienmarktes abdeckt, liegt der USA-Anteil bei gut 61 Prozent.

Alleine die drei Technologie-Giganten Nvidia, Apple und Microsoft machen einen enormen Teil der Indizes aus.

MSCI World
LandAnteil
Vereinigte Staaten
69,1 % 
Japan
5,6 % 
Vereinigtes Königreich
3,4 % 
Kanada
3,4 % 
Schweiz
2,6 % 
Irland
2,1 % 
Frankreich
2,1 % 
Deutschland
2,1 % 
Niederlande
2,0 % 
Australien
1,6 % 
Basis: BNP Paribas Easy MSCI World II (LU3086271288), 30.06.2026
MSCI ACWI IMI
LandAnteil
Vereinigte Staaten
60,8 % 
Japan
5,6 % 
Taiwan
3,3 % 
Vereinigtes Königreich
3,2 % 
Kanada
3,1 % 
Südkorea
2,8 % 
Schweiz
2,0 % 
Frankreich
1,9 % 
Deutschland
1,8 % 
Niederlande
1,6 % 
Basis: State Street SPDR MSCI All Country World Investable Market (IE000DD75KQ5), 29.06.2026

Im 70/30-Portfolio steuert ihr aktiv dagegen. Hier sinkt der USA-Anteil auf unter 50 Prozent und das Gewicht einzelner Tech-Konzerne nimmt merklich ab.

Klumpenrisiken bei Welt-Indizes und dem 70/30-Portfolio

(Stand: Mitte 2026)

Index

USA-Anteil

„Top 3“-Positionen

MSCI World

70,5 %

Nvidia (5,0 %), Apple (4,5 %), Microsoft (4,5 %)

MSCI ACWI

63,5 %

Nvidia (4,9 %), Apple (4,4 %), Microsoft (3,1 %)

MSCI ACWI IMI

61,5 %

Nvidia (4,1 %), Apple (3,6 %), Microsoft (2,9 %)

FTSE All-World

61,0 %

Nvidia (4,2 %), Apple (3,8 %), Microsoft (2,8 %)

70/30-Portfolio

49,3 %

Nvidia (3,5 %), Apple (3,1 %), Microsoft (3,1 %)

Quelle: Indexinformationsblätter der Anbieter

5.

China-Aktien: Größere Gewichtung bei 70/30

Seit dem Ukraine-Krieg fühlen sich manche Anleger:innen mit einer hohen Schwellenländer-Gewichtung unwohl. Es besteht die Sorge vor schweren Verlusten mit chinesischen Wertpapieren, sollte ein geopolitischer Konflikt um Taiwan eskalieren.

Das würde 70/30-Anleger:innen durchaus stärker treffen: Durch die 30-prozentige Schwellenländer-Gewichtung stecken in diesem Portfolio rund 7,6 Prozent des Gesamtkapitals in chinesischen Aktien. Das ist fast dreimal so viel wie bei einem Standard-Welt-ETF.

Gewicht von chinesischen und taiwanesischen Aktien

(Stand: Mitte 2026)

Index

China-Anteil

Taiwan-Anteil

MSCI Emerging Markets

25,5 %

18,2 %

MSCI Emerging Markets IMI

23,5 %

18,0 %

MSCI ACWI (1-ETF-Lösung)

2,6 %

1,9 %

70/30 (MSCI World / MSCI EM)

7,6 %

5,4 %

Quellen: Internetseiten der Indexanbieter

Aus unserer Sicht solltet ihr dieses Risiko kennen, aber nicht überschätzen. Viele große westliche Unternehmen sind extrem stark im asiatischen Raum vernetzt, weshalb auch ein reiner MSCI World im Krisenfall nicht unverwundbar wäre. Zudem investieren die meisten von euch nicht 100 Prozent ihres Vermögens in Aktien, was das reale China-Risiko im Gesamtportfolio nochmals deutlich abfedert. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.

Wie kann ich den China-Anteil im 70/30 Portfolio reduzieren?

Falls euch bloß das hohe Gewicht chinesischer Aktien stört, habt ihr zwei Alternativen, um dieses zu reduzieren und das 70/30-Portfolio zu „retten“. 

MSCI World (70) & Emerging Markets Small Cap (30)

Der MSCI Emerging Markets Small Cap enthält ausschließlich kleine Unternehmen aus Schwellenländern. Hier liegt der Anteil chinesischer Firmen bloß bei 7,7 %. Im 70/30-Portfolio würde der China-Anteil entsprechend auf 2,3 % sinken. Den größten Anteil im Index haben Unternehmen aus Indien (23 %) und Taiwan (19,8 %)

MSCI Emerging Markets Small Cap
LandAnteil
Taiwan
27,8 % 
Indien
20,8 % 
Südkorea
14,0 % 
Kaimaninseln
5,8 % 
Südafrika
3,6 % 
Saudi-Arabien
3,1 % 
Brasilien
3,1 % 
Malaysia
2,8 % 
Thailand
2,3 % 
Türkei
1,8 % 
Basis: iShares MSCI EM Small Cap (IE00B3F81G20), 30.06.2026

Der Index ist zudem eine Alternative, wenn ihr Small Caps stärker gewichten möchtet, um somit möglicherweise eine höhere Rendite einzufahren. Allerdings gelten kleine Unternehmen auch als riskanter, weil die Kurse etwa in Krisenzeiten stärker schwanken, und eine Outperformance ist natürlich nicht garantiert.

Größe Alter Kosten Score
State Street SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap
Thesaurierend
IE00B48X4842
507 Mio. € 15 Jahre 0,55 %
3,0
iShares MSCI EM Small Cap
Ausschüttend
IE00B3F81G20
289 Mio. € 17 Jahre 0,74 %
2,6

MSCI World und MSCI Emerging Markets ex China

Der MSCI Emerging Markets ex China enthält Schwellenländer-Aktien, schließt aber chinesische Aktien komplett aus. Falls ihr China nicht ganz aus dem Depot werfen möchtet, könntet ihr einen „MSCI China“-ETF beimischen. 

Größe Alter Kosten Score
iShares MSCI EM ex-China
Thesaurierend
IE00BMG6Z448
4,8 Mrd. € 5 Jahre 0,18 %
4,6
Amundi MSCI Emerging Ex China
Thesaurierend
Swap
LU2009202107
4,6 Mrd. € 7 Jahre 0,15 %
4,6
iShares MSCI EM ex-China
Ausschüttend
IE000W8RYVC0
866 Mio. € 2 Jahre 0,18 %
3,6
UBS MSCI EM ex China
Thesaurierend
LU2050966394
84 Mio. € 2 Jahre 0,16 %
2,8
BNP Paribas Easy MSCI Emerging ex China
Thesaurierend
Swap
LU3086264317
61 Mio. € <1 Jahr 0,09 %
2,8
BNP Paribas Easy MSCI Emerging ex China
Thesaurierend
Swap
LU3257630510
0,8 Mio. € <1 Jahr 0,09 %
2,0

Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel zum Thema:

Was sind die Alternativen zum 70/30-Portfolio?

Ihr möchtet die Aufteilung 70/30 ganz vermeiden? Dann gibt es viele Alternativen. Zwei der beliebtesten möchten wir im Folgenden kurz vorstellen:

1.

Weltportfolio nach Marktkapitalisierung

Ihr habt keine Lust auf regelmäßiges Rebalancing, möchtet mit nur einem einzigen ETF einen großen Teil der Weltwirtschaft abdecken und die Schwellenländer mit ca. 10 % etwas weniger stark gewichten? Dann könnt ihr Welt-ETFs kaufen, die Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern nach dem Börsenwert, also nach der Marktkapitalisierung, gewichten. Hier stehen drei Indizes zur Wahl:

  • MSCI ACWI: Der MSCI ACWI investiert in große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Er deckt 85 % der Aktienmärkte ab. 

Größe Alter Kosten Score
State Street SPDR MSCI All Country World
Thesaurierend
IE00B44Z5B48
14,9 Mrd. € 15 Jahre 0,12 %
5,0
UBS MSCI ACWI SF
Thesaurierend
Swap
IE00BYM11H29
4,0 Mrd. € 7 Jahre 0,21 %
4,6
iShares MSCI ACWI
Thesaurierend
IE00B6R52259
29,9 Mrd. € 14 Jahre 0,20 %
4,6
UBS MSCI ACWI SF
Ausschüttend
Swap
IE00BJXFZ989
275 Mio. € 7 Jahre 0,21 %
3,8
Amundi MSCI All Country World
Thesaurierend
Swap
LU1829220216
2,3 Mrd. € 14 Jahre 0,45 %
3,8
Scalable MSCI AC World Xtrackers
Thesaurierend
LU2903252349
703 Mio. € 1 Jahr 0,15 %
3,4
iShares MSCI ACWI
Thesaurierend
Swap
IE000CYC2B65
64 Mio. € <1 Jahr 0,12 %
2,8
BNP Paribas Easy MSCI ACWI
Thesaurierend
Swap
LU3243907741
54 Mio. € <1 Jahr 0,06 %
2,8
BNP Paribas Easy MSCI ACWI
Thesaurierend
Swap
LU3086265710
58 Mio. € <1 Jahr 0,06 %
2,8
Amundi MSCI All Country World
Thesaurierend
Swap
LU1829220133
128 Mio. € 12 Jahre 0,45 %
2,6
Zeige 1-10 von 11 ETFs
  • MSCI ACWI IMI: Der MSCI ACWI IMI enthält zusätzlich Small Caps-Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Er deckt 99 % der Aktienmärkte ab.

Größe Alter Kosten Score
State Street SPDR MSCI All Country World Investable Market
Thesaurierend
IE00B3YLTY66
6,6 Mrd. € 15 Jahre 0,17 %
4,6
State Street SPDR MSCI All Country World Investable Market
Ausschüttend
IE000DD75KQ5
169 Mio. € 2 Jahre 0,17 %
3,2
  • FTSE All-World: Auch im FTSE All-World sind große und mittelgroße Firmen aus Industrie- und Schwellenländern enthalten. Er deckt 90 % bis 95 % der Aktienmärkte ab.

Größe Alter Kosten Score
Vanguard FTSE All-World
Thesaurierend
IE00BK5BQT80
45,6 Mrd. € 7 Jahre 0,19 %
4,6
Vanguard FTSE All-World
Ausschüttend
IE00B3RBWM25
22,7 Mrd. € 14 Jahre 0,19 %
4,6
Invesco FTSE All-World
Thesaurierend
IE000716YHJ7
3,6 Mrd. € 3 Jahre 0,15 %
4,2
Invesco FTSE All-World
Ausschüttend
IE0000QLH0G6
268 Mio. € 3 Jahre 0,15 %
3,4
Xtrackers FTSE All-World
Thesaurierend
IE000L6ZMMC4
70 Mio. € <1 Jahr 0,07 %
2,8
iShares FTSE All-World
Thesaurierend
IE00097WZHZ9
26 Mio. € <1 Jahr 0,12 %
2,4
2.

Multifaktor-Weltportfolio

Manche Fachleute empfehlen die Zusammenstellung eines Multifaktor-Portfolios, das darauf abzielt, höhere Renditen als die 70/30-Strategie oder ein kapitalisierungsgewichtetes Portfolio zu erzielen.

In diesem Kontext beziehen sich „Faktoren“ auf bestimmte Merkmale von Aktien, die potenziell zu einer höheren Rendite führen können. Beispiele für solche Faktoren sind Value (unterbewertete Aktien) oder Size (Aktien kleinerer Unternehmen).

Ihr könnt euch ein Portfolio aus einzelnen Faktor-ETFs selbst zusammenbauen, aber auch einen „fertigen“ Multifaktor-ETF kaufen. Ein solcher ETF ist etwa der Multifactor Equity UCITS ETF von Gerd Kommer, der fünf Faktorstrategien miteinander kombiniert. Die Kosten der Faktor-ETFs und Multifaktor-ETFs sind allerdings höher als die von normalen ETFs. Außerdem ist umstritten, ob damit tatsächlich Überrenditen auf lange Sicht drin sind. 

Fazit: Lohnt sich die 70/30-Strategie?

Das 70/30-Portfolio bleibt ein Klassiker, um Klumpenrisiken der Industrieländer (wie die hohe Dominanz des US-Marktes und einzelner Tech-Konzerne) abzufedern. Ihr kauft damit ein Stück weit die reale Weltwirtschaft und sichert euch langfristige Wachstumschancen in den aufstrebenden Märkten. Im Gegenzug müsst ihr jedoch politische Risiken – z. B. in China – stärkere Schwankungen und den regelmäßigen Aufwand des Rebalancings in Kauf nehmen.

Historische Rückrechnungen zeigen allerdings, dass die exakte Gewichtung für euren langfristigen Erfolg zweitrangig ist. Ob ihr am Ende 70/30, 80/20 oder eine einfache 90/10-Aufteilung wählt: Die Renditeunterschiede waren über Jahrzehnte hinweg eher gering. Viel entscheidender ist, dass ihr überhaupt global gestreut investiert und wie hoch eure gesamte Aktienquote ist.

Schließlich ist das 70/30-Portfolio nach wie vor eine gute Wahl – aber auch kein Muss! Wenn ihr es beim Vermögensaufbau maximal einfach und ohne Rebalancing haben möchtet, fahrt ihr mit einer 1-ETF-Lösung – z. B. dem MSCI ACWI oder dem FTSE All-World – genauso gut. Wer den hohen USA-Anteil & die Industrieländer-Dominanz im Depot aktiv senken möchte, findet im 70/30-Weltportfolio nach wie vor eine bewährte Methode.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein 70/30-Portfolio?

Ein 70/30-Portfolio beschreibt im ETF-Kontext eine Strategie, um in die Weltwirtschaft zu investieren. Es handelt sich um ein Aktienportfolio, das zu 70 % aus Aktien von Industrieländern und zu 30 % aus Aktien von Schwellenländern besteht. Es handelt sich um einen passiven Investmentansatz mit ETFs.

Wie baut man ein 70/30-Portfolio auf?

Das Portfolio besteht klassischerweise aus zwei ETFs: einem Industrieländer-ETF (z. B. auf den MSCI World) und einem Schwellenländer-ETF (z. B. MSCI Emerging Markets). Achtet darauf, Indizes vom selben Indexanbieter (z. B. MSCI oder FTSE) zu kombinieren, da sich die Einteilungen der Länder (z. B. bei Südkorea oder Polen) bei den Indexanbietern unterscheiden können.

Wie viele ETFs braucht man für ein 70/30-Portfolio?

Ein 70/30-Portfolio besteht klassischerweise aus zwei ETFs, etwa dem MSCI World und dem MSCI Emerging Markets. Ihr könnt aber auch noch weitere ETFs hinzufügen, etwa einen Industrieländer-ETF mit Small Caps.

Wie viele ETFs braucht man für ein 70/30-Portfolio?

Klassischerweise benötigt ihr genau zwei ETFs. Ihr könnt das Portfolio theoretisch um weitere ETFs ergänzen – beispielsweise um gezielt kleinere Unternehmen (Small Caps) beizumischen. Dadurch steigt jedoch der Aufwand beim jährlichen Rebalancing. Für die allermeisten Anleger:innen ist die einfache Zwei-ETF-Lösung völlig ausreichend.

Kann ich mein gesamtes Erspartes in ein 70/30-Portfolio investieren?

Nein, das solltet ihr nicht tun. Das 70/30-Portfolio besteht zu 100 Prozent aus Aktien und bildet damit ausschließlich den risikoreichen Teil eures Vermögens. Ihr solltet stets einen Notgroschen halten, um in Krisenphasen nicht zu unüberlegten Verkäufen gezwungen zu sein.

Sollte ich das Portfolio per Einmalanlage oder Sparplan besparen?

Für die meisten Privatanleger:innen ist ein monatlicher Sparplan die bequemste Methode. Ihr profitiert dabei vom Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt), da ihr bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile kauft. Habt ihr bereits eine größere Summe zur Verfügung, zeigt die Historie jedoch, dass eine sofortige Einmalanlage statistisch oft eine leicht bessere Rendite bringt, da euer Geld länger am Markt arbeitet.

Wie funktioniert das Rebalancing, ohne Steuern zu zahlen?

Wenn ihr ETF-Anteile verkauft, um das 70/30-Verhältnis wiederherzustellen, müsst ihr eure Gewinne versteuern. Um diese Steuer zu umgehen, nutzt ihr am besten das Cashflow-Rebalancing. Dabei passt ihr einfach im Online-Banking eure monatlichen Sparraten temporär so an, dass der im Wert zurückgebliebene ETF stärker bespart wird, bis die Balance wieder stimmt.

Ist die 70/30-Strategie ein veralteter Forenmythos?

Die Empfehlung stammt in der Tat zu einem großen Teil aus älteren Online-Foren. Vor der großen Investmentsteuerreform 2018 mussten Anleger:innen noch mühsam zwischen steuerlich komplizierten ETFs unterscheiden und nutzten 70/30 zur Optimierung. Heute sind 1-ETF-Lösungen (z. B. MSCI ACWI) steuerlich genauso einfach und sparen euch das manuelle Rebalancing, weshalb sie für viele die modernere Wahl sind.

Warum empfiehlt die Strategie genau 30 Prozent Schwellenländer?

Die Gewichtung von 30 Prozent orientiert sich grob an der tatsächlichen globalen Wirtschaftsleistung (BIP) der Schwellenländer, anstatt nur an deren reinem Börsenwert (Marktkapitalisierung). In Schwellenländern wird ein großer Teil der weltweiten Güter produziert, obwohl die dortigen Unternehmen an den globalen Börsen noch eine kleinere Rolle spielen als US-Konzerne. Mehr dazu lest ihr im Artikel über Schwellenländer-ETFs.

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Elias Huber ist freier Finanz- und Wirtschaftsjournalist und arbeitet als Honorarberater. Er hat Volkswirtschaftslehre in Mannheim und Madrid studiert.
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