MSCI UCITS TRN & Co. – Warum haben ETFs so komische Namen?

MSCI UCITS TR & Co

Mehr als 1.000 ETFs stehen Privatanlegern mittlerweile zur Auswahl.

Doch nicht nur die schiere Menge trägt zur Qual bei der Wahl bei.

Zusätzlich schmücken die Fondsgesellschaften die Namen ihrer Anlageprodukte auch noch mit einer Vielzahl von Akronymen und Abkürzungen.

Wie selbstverständlich scheint die ETF-Branche davon auszugehen, dass Privatanleger nichts lieber tun, als kryptische ETF-Namen zu decodieren.

Mit diesem Artikel will ich deshalb gerne etwas für Aufklärung sorgen und ein kleines ETF-Namensglossar schaffen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, versteht sich.

Wenn du die wichtigsten Kürzel kennst, kannst du bei der ETF-Suche eine Menge Zeit sparen. Denn diese geben einen Hinweis darauf, welcher Typ Indexfonds sich hinter den Namen verbirgt …

Wie setzt sich ein ETF-Name zusammen?

Schaut man sich bei einem ETF-Finder wie justetf.com um, erkennt man schnell, dass die Benennung von Indexfonds einem einfachen Schema folgt.

Nehmen als willkürlich herausgegriffenes Beispiel einmal den db x-trackers MSCI World Index UCITS ETF 1C.

Die Bezeichnung dieses ETF setzt sich aus den folgenden 3 Komponenten zusammen:

  1. Fondsgesellschaft (“db x-trackers”)
  2. Indexname (“MSCI World”)
  3. Ergänzende Angaben (“UCITS ETF 1C”)

Bei der Fondsgesellschaft und dem zugrunde liegenden Index blickt man ja noch relativ einfach durch.

Spannend wird es bei den ergänzenden Angaben bzw. Namenszusätzen, denen man in unzähligen Varianten und Konstellationen begegnet:

Die wichtigsten Namenszusätze bei ETFs

DIS(T) & ACC

Die Abkürzung DIS oder DIST steht für distribution = Ausschüttung. Es handelt sich also um einen ETF, bei dem Zins- und Dividendenerträge an die Anleger ausgeschüttet werden.

Die Abkürzung ACC steht für accumulating = thesaurierend. Bei einem ETF, der diesen Namenszusatz trägt, werden die Erträge auf Fondsebene wieder angelegt und steigern so den Wert der Fondsanteile.

1C, 3C, 1D etc.

Manche ETFs sind mit Buchstaben oder Buchstaben-Zahlen-Kombinationen wie 1C, 3C usw. versehen. Diese kennzeichnen die unterschiedlichen Anteilklassen, auch Tranchen genannt, eines Fonds. In § 96 des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) heißt es:

“Die Anteile an einem Sondervermögen können […] nach verschiedenen Ausgestaltungsmerkmalen, insbesondere hinsichtlich der Ertragsverwendung, des Ausgabeaufschlags, des Rücknahmeabschlags, der Währung des Anteilswertes, der Verwaltungsvergütung, der Mindestanlagesumme oder einer Kombination dieser Merkmale unterteilt werden (Anteilklassen). Anteile einer Anteilklasse haben gleiche Ausgestaltungsmerkmale. […] Der Wert des Anteils ist für jede Anteilklasse gesondert zu errechnen.”

Diverse Anlageklassen eines Fonds können sich also hinsichtlich von “Ausgestaltungsmerkmalen” wie beispielsweise der Ertragsverwendung unterscheiden.

Von vielen ETFs gibt es beispielsweise je eine ausschüttende und eine thesaurierende Variante. Oder eine synthetische sowie eine physisch replizierende Variante. Diese werden mit unterschiedlichen Buchstaben oder Buchstaben-Nummern-Kombinationen kenntlich gemacht.

UCITS

Einige ETFs tragen den Zusatz UCITS, was für Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities steht. Übersetzt bedeutet das Organismus für gemeinsame Anlage in Wertpapieren (abgekürzt: OGAW).

Basierend auf einer EU-Richtlinie müssen mit diesem Merkmal gekennzeichnete Fonds den Anlegern eine Reihe von Pflichtinformationen, darunter ausführliche und vereinfachte Verkaufsprospekte sowie Jahres- und Halbjahresberichte, vorlegen.

Die OGAW-Richtlinine dient also dem Anlegerschutz und soll innerhalb der EU das grenzüberschreitende Angebot von Investmentfonds erleichtern.

SICAV & OEIC

Hinter der Abkürzung SICAV verbirgt sich der französische Begriff société d’investissement à capital variable. Übersetzt: Investmentgesellschaft mit variablem Grundkapital.

“Der Zweck einer SICAV beschränkt sich darin, das Gesellschaftskapital in Wertpapieren anzulegen, um das Prinzip der Risikostreuung zu nutzen. […] Im Gegensatz zu einer deutschen Kapitalanlagegesellschaft, respektive eines schweizerischen Anlagefonds, ist die SICAV kein Sondervermögen sondern eine eigenständige Rechtseinheit.”
(Quelle: Wikipedia)

Hmm, ein ETF mit der Bezeichnung SICAV ist also kein Sondervermögen?

Zur Erinnerung: Als Sondervermögen gilt das Kapital der Fondsanleger, das im Insolvenzfall vor dem Zugriff der Investmentgesellschaft selbst oder einem Insolvenzverwalter geschützt ist. Wie stellt sich die Situation im Insolvenzfall bei einer SICAV dar?

Praktisch wohl nicht anders als beim Sondervermögen, wie ich einem Informationsblatt der Fondsgesellschaft DWS entnehmen konnte. Auch bei einem ETF, hinter dem eine SICAV steht, ist das Gesellschaftsvermögen, also das Kapital der Anleger, von der Konkursmasse ausgenommen.

Eine open-ended investment company (kurz: OEIC) ist übrigens das britische Pendant zur europäischen SICAV. Gut zu wissen …

Hedged

Ein ETF mit dem Namenszusatz hedged ist währungsgesichert. Das bedeutet, dass Wechselkursschwankungen zwischen der Währung der im ETF enthaltenen Wertpapiere (z.B. USD) und der Heimatwährung des Kapitalanlegers (z.B. Euro) nicht den Wert der Fondsanteile beeinflussen (weder zum Positiven noch zum Negativen).

Eine Währungsabsicherung ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben und führt zwangsläufig zu einer geringfügig höheren Kostenquote (TER) des ETF.

DR

Das Kürzel DR steht für direct replication und gibt einen Hinweis darauf, wie der ETF seinen zugrunde liegenden Index nachbildet: durch physische Replikation. Im ETF sind also (weitestgehend) die gleichen Titel wie im Index enthalten.

Keine Ahnung warum, beim Schreiben des Artikels musste ich irgendwie an dieses Lied denken …

Du kannst gar nicht genug kriegen von all diesen Kürzeln? Ok, weiter geht´s …

TR, GR, NR und TRN

Die Abkürzungen TR und GR stehen für total return (übersetzt: Gesamtertrag) respektive gross return (übersetzt: Bruttoertrag).

Dahinter verbirgt sich jeweils die Performance-Variante eines Index, bei deren Berechnung unterstellt wird, dass Gewinnerträge wie Dividenden zu 100 Prozent wieder angelegt werden.

Der Nachteil dieser Berechnungsmethode liegt darin, dass vom ETF zu zahlende Quellensteuern, die vom Fondsvermögen abgezogen werden, nicht berücksichtigt werden und den wirklich realisierbaren Gesamtertrag nach oben verfälschen.

Dies ist bei den Index-Varianten NR (net return = Nettoertrag) bzw. TRN (total net return = Gesamtnettoertrag) nicht der Fall. Denn in deren Berechnung fließen nur die Nettodividenden/-zinsen nach Abzug der Quellensteuern ein.

Keine Lust auf Buchstabensalat?

Keine Sorge, passives Investieren mit ETFs ist nicht so kompliziert, wie man angesichts all dieser Kürzel meinen könnte. Wie du auf einfache Weise Vermögen bilden kannst, lernst du in meinem unterhaltsamen Online-Kurs ZENinvestor.

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Namenszusätze bei Anleihen-ETFs

Zusätzlich zu den bisher erwähnten Namenszusätzen gibt es noch eine Reihe an Kürzeln und Bezeichnungen, denen man nur bei Anleihen-ETFs (Bonds) begegnet. Diese sehen wir uns jetzt an:

3-5 (year), 1-3yr etc.

Jahresangaben bei Anleihen-ETFs beziehen sich immer auf die Restlaufzeit der im Index enthaltenen Anleihen. 1-3yr bedeutet, dass nur Anleihen im ETF enthalten sind, deren Fälligkeitstermin noch mindestens ein Jahr, aber höchstens drei Jahre in der Zukunft liegt.

Government, Souvereign, Treasury

Government und Souvereign bezeichnen Staatsanleihen im Allgemeinen, Treasuries sind US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren.

Corporate & Aggregate

Corporate kennzeichnen Unternehmensanleihen, ETFs mit der Bezeichnung Aggregate (abgekürzt “aggr”) enthalten sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen.

“Ex”

Die Bezeichnung “ex” kennzeichnet ETFs, die einen bestimmten Index abbilden, von dem jedoch bestimmte Branchen oder Regionen ausgenommen werden.

So finden sich zum Beispiel im iShares MSCI Europe ex-UK UCITS ETF keine britischen Unternehmen und im iShares EURO STOXX 50 ex-Financials UCITS ETF wird man vergeblich nach Banken suchen.

Interest rate hedged

Interest rate hedged ETFs enthalten eine Absicherung gegen das Zinsänderungsrisiko. Steigt nämlich irgendwann das Zinsniveau, erfahren niedriger verzinste Anleihen unweigerlich Kursverluste.

Gegen dieses Szenario wappnen sich entsprechende ETFs durch den Abschluss von Terminkontrakten (Futures), was einen gewissen Nachteil mit sich bringt: Fallen die Zinsen nämlich weiter, profitieren Anleger nicht vom damit verbundenen Kursanstieg der Anleihen.

High Yield

Als high yield bonds werden Anleihen mit hoher Verzinsung bezeichnet. Klingt auf den ersten Blick super, der Name ist allerdings glatter Euphemismus. Denn high yield bonds werden auch junk bonds (übersetzt: Ramsch-Anleihen) genannt.

Die Verzinsung von Anleihen korreliert bekanntlich negativ mit ihrer Bonität.

Heißt: Ist das Risiko hoch, dass der Herausgeber einer Anleihe in der Zukunft zahlungsunfähig sein wird, muss das Zinsversprechen ebenfalls hoch sein, um überhaupt Anleger zu finden, die in diese Wertpapiere investieren wollen.

Ein Anleihen-Investment sollte grundsätzlich aber die Funktion eines Stabilitätsankers im Portfolio einnehmen und nicht als Schleudersitz dienen. Unter diesem Gesichtspunkt macht es also wenig Sinn, überhaupt in risikoreiche Hochzinsanleihen zu investieren.

Liquid

Der Zusatz liquid (flüssig) kennzeichnet Anleihen, die am Markt häufig gehandelt werden. Bedeutet:

“Ein Anleiheinvestor ist vom Liquiditätsrisiko betroffen, wenn er eine Position nicht zu einem gegebenen Marktpreis, sondern nur mit einem Preisabschlag veräußern kann. Der Preis von liquiden Anleihen ist höher als der von illiquiden Anleihen. Daher weisen illiquide Anleihen eine höhere Rendite […] auf.”
(Quelle: Wikipedia)

Inflation-linked

Inflation linked bonds sind inflationsindexierte bzw. inflationsgeschützte Anleihen, die dem Anleger Schutz vor dem Inflations­risiko bieten. Durch die Anpassung der Verzinsung an die Inflationsrate (gemessen am Verbraucherpreisindex) sollen Anleihen dieses Typs vor einem Kaufkraftverlust des investierten Kapitals schützen.

Covered Bond

Unter covered bonds (übersetzt: Pfandbriefe) versteht man von einer Pfandbriefbank oder Hypothekenbank ausgegebene verzinsliche Wertpapiere.

Investment Grade

Das Gütesiegel investment grade bekommen Anleihen mit höchster Bonität verliehen. In diese Kategorie fallen Wertpapiere, die von den Ratingagenturen mit AAA, AA, A oder BBB benotet werden.

 
Hast du bei deinen Recherchen noch weitere ETF-Hieroglyphen entdeckt, die ich in diesem Artikel nicht behandelt habe? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

  • Thomas 1. Mai 2016, 10:21

    Hallo Holger,
    dein heutiger Blogeintrag war schon lange überfällig, um dem normalen Anleger einen Überblick über all den Abkürzungssalat bei ETF zu bieten. Ist man auf der Suche nach einem geeigneten ETF, empfehle ich, erst einmal die einfachen Filter auf den Seiten der Verkäufer zu nutzen. Hat man eine erste Auswahl getroffen, dann sollte man sich aber unbedingt das Fondsprofil und das Verkaufsprospekt anzusehen. Dort stehen dann diese Abkürzungen als Text ausführlich erläutert.

  • Dummerchen 1. Mai 2016, 11:53

    Hallo Holger,
    schöne Übersicht über die wichtigsten Kürzel. Ich denke für den “normalen” Passivinvestor ist da schon alles drin.

    Ein Namenszusatz, der mir ergänzend zu deiner Aufzählung über den Weg gelaufen ist, ist “Capped”.
    Das hat mit der Marktkapitalisierung (wie bei Large Cap oder Small Cap) nichts zu tun, sondern beschreibt eine prozentuale Deckelung (Kappungsgrenzen) einzelner Bestandteile des ETFs. Dadurch soll vermieden werden, dass einzelne Unternehmen oder Länder einen Index extrem dominieren. Zum Beispiel werden manche Euro Rentenfonds in der Geschmacksrichtung “Capped” angeboten und dadurch Länder wie Frankreich und Italien auf je 20% Gesamtanteil begrenzt.

    Ole, ole!
    Dummerchen

  • Luttz 1. Mai 2016, 16:14

    Ich habe noch “FR” gefunden (z.B. in comstage fr dax ucits), scheint nach meinem Verständnis aber dasselbe oder zumindest sehr ähnlich wie “DR” zu sein. Oder gibt es zwischen “direct replication” und “full replication” noch Unterschiede?

  • Felix 2. Mai 2016, 07:24

    Hallo Holger,
    diese Übersicht war wirklich überfällig 🙂
    Die Begriffe SICAV & OEIC waren mir neu. Ich habe nochmal gesucht und bin auf folgende Seite gestoßen: http://www.mandg.de/privatanleger/wissen/oeic-sicav/
    Beim Thema Steuer & Quellensteuer sehe ich die größten Unterschiede – aber schon erstaunlich bzw. erschreckend was man als Privatanleger alles kennen sollte/müsste.

  • Alex von Homemade Finance 2. Mai 2016, 09:33

    Super Beitrag, gerade am Anfang ist es nicht leicht da durch alles durchzublicken und so ein Lindwurm mit einem Haufen Akronyme und Kürzeln zu wirklich verstehen. Das kann als Beginner ganz schön Angst machen, denn schließlich parkt man sein Geld in so einem Vehikel. Daher ist so eine umfassende Erklärung eine super Idee, nimmt sie doch sicher die Berührungsängste bei vielen.

    Konnte selbst auch ein paar neue Dinge lernen.

    Werde bei der nächsten Gelegenheit auf den Artikel verlinken, ist wirklich für jeden wissenswert egal wie lange man sich schon in der ETF Welt bewegt.

    Alex

  • Daniel 6. Mai 2016, 13:46

    Toller Beitrag. So eine Auflistung ist nicht so leicht im Internet zu finden. Danke dafür!

  • Alex von Qleverkauf 16. Juni 2016, 14:34

    Hallo Holger,

    sehr hilfreicher Beitrag. Vielen Dank fürs teilen!

    Grüße
    Alex von Qleverkauf

  • Christian 23. Juni 2016, 12:10

    Wenn man weiss, was man haben möchte, kann man danach gezielt suchen. Dann ist es letztendlich egal wie das Ding heisst. Von daher für mich recht uninteressant, aber eine Zusammenstellung die ich noch nirgendwo anders gesehen habe.

  • Patrick 8. September 2016, 20:41

    Servus Holger,
    eine Frage die sich mir immer noch stellt (vielleicht habe ich auch die Ausführung nicht ganz verstanden):
    Gibt es für mich als Anleger einen Finanziellen Nach-/Vorteil bei den verschiedenen TR, PR, GR, oder NR Varianten eines Fonds?
    Also macht es einen finanziellen Unterschied, ob ich Geld in einen ETF auf den “MSCI World Index” investiere, im Vergleich zum “MSCI World Index TNR”?
    Beste Grüße
    Patrick

    • Holger Grethe 9. September 2016, 19:15

      Die Berechnungsmethode des Index sollte unterm Strich keinen Unterschied für dich als Anleger ausmachen. Unabhängig davon partizipierst du sowohl an der Kursentwicklung der zugrunde liegenden Wertpapiere als auch an den Dividendenausschüttungen – abzüglich Quellen- und Kapitalertragssteuern.

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