3 Wege, ein Ziel: DIY, Robo Advisor oder Vermögensberatung?

DIY, Robo-Advisor oder Vermögensberatung?

Wer mit ETFs und einer passiven Anlagestrategie Vermögen aufbauen will, kann dies auf drei Wegen tun:

(1) In Eigenregie als Do-it-yourself-Investor, (2) mit Hilfe eines Robo-Advisors oder (3) in Zusammenarbeit mit einem Vermögensberater.

Jeder Variante hat ihre Vor- und Nachteile und passt damit nicht gleichermaßen für alle Anleger.

Welcher Weg der Richtige für dich ist, hängt ganz wesentlich von deinen Bedürfnissen ab.

Sich seiner Bedürfnisse bewusst zu werden, ist aber gar nicht so einfach. Dabei möchte ich dich mit diesem Artikel unterstützen …

1. Weg: Do-it-yourself (DIY)

DIY Anleger

Erfolgreich Vermögen aufzubauen, kann man in Eigenregie sehr gut hinbekommen.

Letztlich ist es eine Frage des Know-hows beziehungsweise der Bereitschaft, sich das dafür notwendige Know-how anzueignen.

Und an dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen:

Leider sind nur wenige Menschen dazu bereit, sich mehr als drei Gedanken über ihre finanziellen Angelegenheiten zu machen.

Solltest du zu dieser Gruppe gehören, springe am Besten direkt zu Punkt 2 (Robo-Advisor) oder besser noch zu Punkt 3 (Vermögensberatung).

All jene hingegen, die ihr finanzielles Schicksal selbst in die Hände nehmen wollen, profitieren auf mehreren Ebenen von dieser Entscheidung:

Mehr Rendite durch Kostenersparnis

Der Service eines Robo-Advisors oder Vermögensberaters kann verständlicherweise nicht “für lau” in Anspruch genommen werden. Die anfallenden Servicegebühren wirken sich zwangsläufig renditemindernd aus.

Selbstentscheider können diese Kosten sparen und damit die Nettorendite erhöhen, müssen fairerweise aber ihren Zeitaufwand für die Depotführung gegenrechnen.

Dabei gilt:

Während der Zeitaufwand für den (unerfahrenen) DIY-Anleger insbesondere am Anfang hoch ist und sich dann auf ein Minimum reduziert, fallen Gebühren für die Dienstleister über die gesamte Anlagedauer an.

Mehr Unabhängigkeit

Für den Psychologen Steven Reiss ist das Streben nach Unabhängigkeit eines von 16 persönlichkeitsprägenden Lebensmotiven. (*)

Unabhängigkeit veranlasst Menschen dazu, eigene Entscheidungen zu treffen und führt zur Freude an der persönlichen Freiheit.

Wer – so wie ich – einen ausgeprägten Drang nach Unabhängigkeit in sich verspürt, fühlt sich in der Rolle des DIY-Investors einfach am wohlsten.

Bezüglich seiner Bedürfnisse ist sich jeder Investor selbst sein bester Experte. Zu wenig Anleger nehmen diese Rolle an und glauben, Anlageberater wüssten diesbezüglich mehr.

Charles D. Ellis

Persönlichkeitsentwicklung

Da in der Rolle des Selbstentscheiders keine Schuldzuweisungen an andere möglich sind, lernt man wirklich Verantwortung für seine finanziellen Angelegenheiten zu übernehmen.

Und Verantwortung zu tragen ist ohne Frage ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsreifung.

Mehr Selbständigkeit in finanziellen Angelegenheiten führt gleichzeitig auch zu mehr Selbstbewusstsein.

Darüber hinaus dürfte man es kaum bereuen, etwas gelernt zu haben, das einem auf Dauer mehr Geld einbringt …

Wie du mit Indexfonds (ETFs) und einer passiven Anlagestrategie auf einfache Weise Vermögen aufbauen kannst, lernst du in meinem Online-Kurs ZENinvestor.

2. Weg: Robo-Advisor

Robo Advisor

Hierbei handelt es sich um eine Art automatisierte Finanzberatung, bei der nicht ein menschlicher Finanzberater empfiehlt, wie das Wertpapier-Portfolio sinnvollerweise zu gestalten ist, sondern der Kollege Computer.

Das amerikanische Startup Betterment, ein Pionier der Branche, beschreibt die Idee so:

“Der Service möchte die Funktion des traditionellen Vermögensberaters automatisieren, indem Investoren per Cloud-basierter Software Hilfestellung bei Sparplänen angeboten wird und ihre Anlageergebnisse optimiert werden.”

Das runde Dutzend, der in Deutschland am Markt befindlichen Robo Advisor, lässt sich in zwei Gruppen einteilen:

1. Robos mit passivem Management
Anbieter dieser Gruppe investieren das eingezahlte Kapital in ein ETF-Depot, das in seiner Zusammensetzung nicht an aktuelle Marktentwicklungen angepasst wird (z.B. vaamo, easyfolio, quirion)

2. Robos mit aktivem Management
Anbieter dieser Gruppe schichten Kundenportfolios nach eigenen Kriterium um, mit dem Ziel einer überdurchschnittlichen Anlagerendite (z.B. Scalable Capital, Sutor Bank)

Wer nicht daran glaubt, dass sich Market Timing auf Dauer erfolgreich bewerkstelligen lässt, sollte von den aktiv agierenden Robo Advisors Abstand nehmen.

Mal ganz abgesehen davon, dass diverse Studien die geringen Erfolgsaussichten von Market-Timing-Bemühungen belegen:

Sämtliche aktiven Robo Advisor in Deutschland sind erst wenige Jahre am Markt.

Sie bleiben damit zwangsläufig den Beweis schuldig, dass sie dauerhaft(!) in der Lage sind, mittels Market Timing eine Überrendite für ihre Anleger zu generieren.

Ihren Service lassen sich die Robos mit Gebühren in Höhe von 0,25 bis 0,95 Prozent der angelegten Summe bezahlen. Hinzu addieren sich die Verwaltungsgebühren der ETFs (ca. 0,25 Prozent pro Jahr).

Was leisten die Robo Advisor?

Abhängig vom Risikolevel, das der Robo Advisor dem Anleger vorschlägt, wird dessen Kapital investiert.

Um die Asset Allocation, also die Aufteilung des Geldes auf die diversen Anlageklassen (assets), kümmert sich der Algorithmus des jeweiligen Anbieters.

Auch das Re-Balancing, sprich die turnusmäßige Wiederherstellung des anfänglich gewählten Risikolevels, wird vom Robo erledigt.

Als Anlageprodukte kommen Exchange Traded Funds (ETFs) und/oder sogenannte Assetklassenfonds von Dimensional Fund Advisors zum Einsatz.

Alles was der Anleger noch machen muss: Geld einzahlen.

Die Schwäche der Robo Advisor

Je mehr der eigentliche Investmentprozess hinter schön designten Online-Benutzeroberflächen verschwindet, desto verdutzter dürften einige Kunden reagieren, wenn es an der Börse mal (wieder) zu ordentlichen Turbulenzen kommt.

Das entscheidende Problem:

Wie gehen ihre Anleger mit zwischenzeitlichen Verlusten um? Behalten sie die Nerven oder werden sie schwach und ziehen ihr Geld ab?

Für die Robos könnte genau dieses Verhalten zu einem potenziell existenzbedrohlichen Problem werden.

Denn bei einer Krise des Aktienmarkts geraten ihre Umsätze von drei Seiten unter Druck:

  1. Sinken die Portfoliowerte, schrumpft die Basis für die anteilig erhobenen Gebühren.
  2. Werden dann noch Kundengelder abgezogen, wirkt sich dies zusätzlich umsatzmindernd aus.
  3. In der Baisse neue Kunden zu akquirieren, stellt eine weitere Herausforderung dar.

Der Anbieter Vaamo beispielsweise versucht diesen Problemen offensichtlich vorzubeugen und konfrontiert potenzielle Neukunden schon zu Beginn seines Online-Akquise-Dialogs mit einer 17-seitigen PDF-Broschüre über die Risiken der Kapitalanlage:

Vaamo Dialog

Ob das die Kunden bei der Stange hält, wird sich wohl erst im nächsten Börsentief herauskristallisieren.

Unabhängig davon dürfte sich der Markt der Robo Advisor in den nächsten Jahren gehörig wandeln.

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass dauerhaft mehr als eine Handvoll Anbieter nebeneinander existieren kann und dabei profitabel zu betreiben ist.

Mit anderen Worten: Übernahmen, Fusionen und Pleiten sind früher oder später wohl vorprogrammiert.

Für mich sitzen Robo Advisor mit ihrem Angebot irgendwie zwischen den Stühlen.

Sie vermitteln, wenn überhaupt, nur das nötigste Wissen über die Geschehnisse an der Börse (Vorteil: DIY-Investor).

Und den Kunden coachen, wenn er es am nötigsten braucht, können sie auch nicht (Vorteil: Vermögensberatung).

3. Weg: Vermögensberatung

Vermögensberatung

Wer sich das Know-how für den Vermögensaufbau mit ETFs nicht aneignen möchte und mehr wünscht als einen ausgeklügelten Investment-Algorithmus, ist hier richtig.

Ein guter Vermögensberater kann individuell auf die Wünsche seiner Mandanten eingehen, bei der Formulierung und Planung ihre finanzieller Ziele helfen und als langfristiger Begleiter fungieren, der idealerweise das große Ganze im Blick behält.

Wie sollte ein Finanz- bzw. Vermögensberater arbeiten? Ein paar wesentliche Kriterien:

Honorarbasierte Vergütung

Ein Finanzberater ist nur dann Berater und nicht Verkäufer, wenn er seine Empfehlungen für oder gegen bestimmte Finanzprodukte frei von finanziellen Anreizen aussprechen kann.

Das bedeutet schlussendlich Provisionsfreiheit, was wiederum heißt, dass eine direkte Vergütung durch den Kunden erfolgen muss.

Bezahlt wird der Berater selbstverständlich immer vom Kunden, beim Provisionsmodell nur eben indirekt.

Ist es nicht egal, ob der Berater nun direkt oder indirekt vom Kunden vergütet wird?

Nein, ist es nicht.

Gute Beratung kann nur dann stattfinden, wenn sie produktungebunden erfolgt.

Andere Länder haben bereits die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gezogen und ein Provisionsverbot verhängt. Dieses ist in Großbritannien und den Niederlanden seit 2013 in Kraft.

Anlagephilosophie statt Bauchladen

Ein guter Anlageberater sollte eine – idealerweise auf finanzwissenschaftlichen Erkenntnissen basierende – Anlagephilosophie verfolgen. Im Mittelpunkt dieser Philosophie muss der Kunde stehen und nicht ein Sammelsurium an Produkten.

Anlageprodukte sind als das zu verstehen, was sie sind: Mittel zum Zweck.

Ein guter Berater sollte zudem einen Mehrwert liefern können, indem er seine Kunden auf die Diskrepanz zwischen ihren Wünschen und ihren eigentlichen finanziellen Bedürfnissen aufmerksam macht.

Der Markt macht die Rendite

Ein guter Berater wird seinen Mandanten erklären, dass der Aktienmarkt die Rendite macht und nicht er als Berater. Mit dieser “Wahrheit” geht allerdings ein (neues) Selbstbild einher, dass vielen altgedienten Vertretern der Zunft ziemlich befremdlich vorkommen dürfte.

Dabei steckt in diesem Selbstbild ein nicht zu unterschätzender Vorteil:

Denn wenn der Berater nicht für Aktiengewinne verantwortlich ist, dann ist er es auch nicht für Verluste. Dieser Zusammenhang muss den Beratungskunden verständlich gemacht werden.

Keine “toxischen” Produkte

Gute Berater empfehlen ihren Mandanten keine Investments, die entweder große Klumpen-Risiken oder vermeidbare Kosten beinhalten.

Damit scheiden sowohl geschlossene Beteiligungen als auch aktiv gemanagte Investmentfonds aus dem Spektrum der verfügbaren Produkte aus.

Was darf gute Beratung kosten?

Wichtig ist zuallererst die Einsicht (bei den Kunden), dass Beratung etwas kosten muss.

Provisionsbasierte Vergütung gaukelt mehr schlecht als recht vor, dass Beratung kostenlos sei. Was natürlich Quatsch ist.

Gute Beratung kann es nur gegen (gutes) Honorar geben.

Abhängig von Umfang und Gestaltung der Beratungsleistung machen im Wesentlichen zwei Vergütungsmodelle Sinn:

1. Abrechnung auf Stundenbasis
Dieses Modell dürfte sich vor allem für einzelne Beratungssitzungen eignen. Bei längerfristigen Mandaten drohen gewisse Zielkonflikte (Kunde will Stunden sparen, Berater will Stunden abrechnen). Die Stundensätze bewegen sich, soweit mir bekannt ist, im Bereich zwischen 100 und 250 Euro.

2. Vermögensverwaltungsgebühr
Bei diesem Modell wird der Berater pauschal mit einem prozentualen Anteil des von ihm betreuten Vermögens (z.B. 1 Prozent pro Jahr) vergütet. Wer beispielsweise 100.000 Euro investiert hat, zahlt pro Jahr 1.000 Euro an seinen Berater.

Auch wenn die Honorarberatung das aus meiner Sicht einzig wahre Geschäftsmodell darstellt, bleibt festzuhalten, dass die Vergütungsform allein noch kein Qualitätsmerkmal darstellt.

Man kann selbstverständlich auch gegen Honorar falsch oder schlecht beraten werden.

Das Fazit

Das Fazit

Vergleichen wir die drei vorgestellten Wege zum Abschluss bildhaft mit dem Aufbau eines Kleiderschranks:

In der DIY-Variante bin ich selber für das Ausmessen und die Planung zuständig. Im Baumarkt muss ich mir die notwendigen Teile sowie das passende Werkzeug besorgen. Das kostet zwar einen gewissen Zeitaufwand, es macht aber auch Spaß, auf diesem Weg neue Dinge zu lernen.

Als Ergebnis winkt eine individuelle Einbaulösung, die vielleicht den einen oder anderen kleinen Schönheitsfehler hat. Die je nach handwerklichem Geschick aber durchaus mit der Arbeit eines Profis vergleichbar ist.

Mit der Robo-Variante entscheide ich mich für einen fertigen Schrank aus dem Möbelhaus. Maße, Fronten und Beschläge können mittels Baukastensystem in gewissen Grenzen individualisiert werden.

Am Ende steht zwar keine Maßanfertigung, aber eine professionelle Lösung. Diese passt unter Umständen nicht ganz perfekt in die Wohnung, ist dafür aber immerhin kostengünstiger als die Einzelanfertigung vom Schreiner.

In der Beratungsvariante kaufe ich mir eine Maßanfertigung vom Profi ein. Idealerweise bekomme ich hier den besten Service und muss selbst kaum Zeit aufwenden. Dafür muss ich realistischerweise auch mit den höchsten Kosten rechnen.

Die Qualität der individuellen Einbaulösung steht und fällt allerdings mit der Kompetenz des Beraters. Diesen auszuwählen liegt wiederum in meiner Verantwortung als Kunde.

Die Ironie an der Geschichte:

Die Kompetenz eines Vermögensberaters zu beurteilen kann mir nur dann gelingen, wenn ich selbst über so viel Know-how verfüge, dass ich den Berater im Grunde gar nicht mehr brauche …
 

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf insgesamt drei Texten, die ich in den Jahren 2013 bis 2015 über Anlageberatung, Vermögensaufbau in Eigenregie sowie Robo Advisor veröffentlicht habe. Du findest die wesentlichen Inhalte nun vollständig überarbeitet und aktualisiert in diesem Artikel zusammengefasst.

  • Stefan 11. Mai 2017, 12:50

    Hallo Holger,
    ein schöner Artikel, vor allem der Vergleich mit dem Einbauschränken ist Dir sehr gut gelungen!

    Gruß Stefan

  • Johannes 11. Mai 2017, 14:05

    Sehr geehrter Herr Kollege, lieber Herr Grethe

    haben die Robo Advisor nicht jedoch den Vorteil, daß ein häufigeres Rebalancing kostengünstig und effizient durchführen können im Ggs. zu uns Normalsterblichen, die das janeher 1-2X/ Jahr tun, wenn nötig. V.a. Da einige Robis keine extra Gebühren fürs Rebalancing nehmen bzw. die monatlichen Sparraten zum Balance ausgleich nutzen scheint mir das durchaus nützlich.

    Bin auf Ihr “Konsil” gespannt.

    Beste Grüße,

    Johannes

    • Peter 11. Mai 2017, 18:24

      Dem würde ich zustimmen. Wenn ich z.B. einen Sparplan auf die Fonds von easyfolio abschließe, zahle ich keine Ausgabeaufschläge, habe das automatische Rebalancing mit drin, und kann später auch kostenlos wieder verkaufen. Der Robo zieht außerdem stur seinen Investmentalgorithmus durch, während ich bei der DIY-Variante doch eher in Versuchung kommen könnte, den Markt zu timen, das Rebalancing mal zu verplempern, etc.
      In der DYI-Variante zahle ich in der Praxis bei meiner Direktbank ca 1,75% Provision pro ETF-Sparplanausführung, und bei einem Verkauf mindestens 10-15 Euro Gebühr. Will ich ein halbwegs diversifiziertes Portfolio haben, muss ich mit mindestens 5 ETFs jonglieren und das Rebalancing macht wenig Spaß.
      Klar, wenn ich hunderttausende Euro für Jahrzehnte anlegen will, ist der Kostenvorteil bei der DYI-Variante größer. Aber als Einstieg für ottonormal-Kleinsparer scheinen mir die Robos doch geeigneter. Leider haben sie nicht die gleiche Vertriebsmaschinerie wie die aktiv verwaltenden Fondsgesellschaften der Banken, und man muss daher darum bangen, ob sie genug Geld einsammeln, um langfristig wirtschaftlich am Markt bestehen zu können. Aber irgendjemand muss ja anfangen, dort zu investieren, damit das besser wird – ich hab’s jedenfalls getan… 🙂

    • Dummerchen 11. Mai 2017, 23:42

      Hallo Johannes,
      Was hindert dich “Normalsterblichen” denn daran, genau so vorzugehen und bei der monatlichen/quartalsweise Einzahlungen mit dem frischen Geld zu rebalancen? Wie viel spart man sich denn konkret, wenn man auf der anderen Seite garantiert eine jährliche Gebühr von 0,x% berappen darf? Diese Gebühr fällt schließlich auf das Gesamtvermögen und nicht nur auf den umzushiftenden Betrag an.

      Ich fürchte, dass dem auf zwei Nachkommastellen exakten Rebalancings allgemein (nicht notwendigerweise von dir) zuviel Bedeutung beigemessen wird. Ja, man sollte das machen, aber das ist weder ein mathematisches Hexenwerk, noch das entscheidende Kriterium bei der Geldanlage. Durchhaltevermögen und Sturheit in der Börsenkrise entscheiden sicherlich viel mehr über Wohl und Wehe. Wer nicht weiß, wie er sich mit einem tiefroten Depot verhalten sollte, weil er die Verantwortung lieber weitergereicht hat, wird wohl eher scheitern. Ein Berater kann dieses psychologische Problem adressieren, die Robots können nur nach Algorithmus einzahlen. Daher halte ich die Robots-Lösung für die (zumindest in meinen Augen) schlechteste Lösung. Irgendwie so ein Mittelweg, der verspricht, ohne tieferes Verständnis für die allgemeinen Basics von der Börse zu profitieren. Bin sehr gespannt, wie sich die Palette der Robots in der Krise entwickeln wird.
      Liebe Grüße
      Dummerchen

  • Alexander Schmitt 13. Mai 2017, 06:50

    Hallo Holger,
    wirf mal einen Blick auf scalable.de, die haben gut Geld und entsprechendes Marketing.
    Ansonsten bin ich mir nicht sicher, wann Diversifizierung oder Rebalancing überhaupt notwendig ist. Bin ich dadurch wirklich besser oder glätte ich nur die Rendite? Wenn ich sie nur glätte, dann sind wir genau an der Frage von vaamo, die Du integriert hast? Wie viel Schmerz hältst Du aus?
    Ich spare seit 1998 (erst Zertifikate, dann ETF) und lag über 50% hinten (absolut). Heute bei ca. 4% Rendite pro Jahr auf den Sparplan, damit kann ich leben. Aber das Verständnis über Kurse und mich hat mich zu ein paar Käufen gebracht, die meiner Gesamtrendite doch sehr gut getan haben.
    Ich mach kein Rebalancing, sondern hauptsächlich 2 Sparpläne in DAX und S&P 500. Aber ich würde sogar die Bank und den ETF wechseln, wenn ich dafür Gebühren spare. Rebalancing führt bei den Erträgen zu steuern und das kostet Rendite. Außerdem will ich mit dem Sparplan Vermögen aufbauen, deshalb auch nicht diversifizieren mit MSCI World, sondern nur über 30 bzw. ~500 Aktien.
    Den DAX protokolliere ich übrigens mit jedem Kauf seit 1998 und bis 20 Jahre rum sind im März 2018, hier nachzulesen (empfehle ich jedem, sich ein Bild zu machen, der mit Sparplänen in x Jahren reich sein will):

    Übersicht bis
    https://reichplanung.wordpress.com/category/invest-in-etf/
    Erster Arktikel
    https://reichplanung.wordpress.com/2016/10/02/investieren-in-einen-etf-auf-den-dax/

    Mal sehe, wie die Rendite sein wird. Statistisch sind die meisten Sparpläne nach 7 Jahren tot und irgendwann nutzen die Menschen leicht verfügbares Geld. Der Rendite-Kick aus Zinseszins kommt aber erst nach 20 Jahren oder später.
    Also bin ich gegen Robos, mache hauptsächlich diy, aber habe einen Teil in der Vermögensverwaltung bzw. aktive vermögensverwaltende Fonds, falls es mach richtig kracht. Es beruhigt zwar, macht aber die Rendite etwas schlechter, bei kaum Drawdown.
    Grüße, Alex

  • Der Finanzfisch 14. Mai 2017, 19:44

    Hallo Holger,
    gelungener Artikel! Ich sehe das Risiko bei Robo-Advisorn in “Bärenmärkten” ähnlich wie Du: Je weiter man das ganze Kapitalmarkt-Thema und das Risiko verbirgt, desto mehr lockt man Menschen an, die sich noch nicht an das Risiko gewöhnt haben.

    Ich sehe auch keinen wirklichen Vorteil von Robo-Advisorn gegenüber ein paar langweiligen ETFs. Schließlich muss ich mich ja auch für einen Robo entscheiden und dann kann ich die Zeit auch in die ETF-Auswahl stecken. Daher mache ich DIY mit Schwerpunkt ETFs und Einzelaktien und mische ein paar P2P-Kredite bei.

    Allerdings macht mir das Thema auch Spaß, weshalb ich mich auch mehr mit den Möglichkeiten beschäftige.

    Wenn das nicht so wäre, würde ich mich auf ETFs beschränken, denke ich. Ich finde zwar Honorarberater deutlich besser als Provisionsberater, aber am Ende muss ich auch da einen Kompetenten auswählen und wie tu ich das, wenn ich keine Ahnung von der Materie habe?

    Viele Grüße
    der Finanzfisch

  • Luis Schreckenberg 16. Mai 2017, 13:52

    Vielen Dank für den Artikel Herr Grethe.

    Bisher hatte ich mich nicht mit “Robo Advisorn” auseinandergesetzt. Doch da ich ein Verfechter vom passiven Investieren bin, habe ich mich auf der Invest 2017 beim Scalable Stand umgeschaut.

    Der Grundgedanke ist eigentlich nicht schlecht:
    Ich investiere einmalig und jemand oder etwas verwaltet mein Vermögen. Was gut klingt, kann aber meines Erachtens nur dann gut funktionieren, wenn der Verwalter auch passiv investiert.
    Sonst könnte man auch in einen aktiv gemanagten Fond investieren, in der Hoffnung den Markt zu schlagen. Da das allerdings nur bedingt möglich ist, ziehe ich passives Investieren vor.

    Wenn ich mich richtig entsinne, verlangt Scalable (die nur in ETF’s investieren) eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 0,75% p.a. Zusätzlich zu den laufenden Kosten der ETF’s natürlich. Eine durchaus nennenswerte Möglichkeit für Leute, die passiv Investieren möchten, sich aber vorher mit dem Thema nicht auseinandersetzten wollen.

    Ich für meinen Teil verzichte ungern auf die jährlichen 0,75%. Schließlich hat solch ein Prozentsatz einen enormen Einfluss auf langfristige Vermögenswerte.
    Mittlerweile existieren auch viele ETF’s, die kostenlos handelbar sind. Transaktionskosten fallen also zum Teil raus. Und setzt man sich mit den Produkten auseinander, erhält man mehr Einblicke in die Finanzwelt. Bildung, die zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht von Nutzen ist.

    Aufgrund dieser drei Gründe befürworte ich die DIY-Variante. Ich würde aber noch etwas hinzufügen:
    “Do-it-yourself, but with brain.”

    • Jens 27. Mai 2017, 12:25

      @Luis Schreckenberg, bitte beachten, dass Scalable lupenreines, aktives Investieren ist (aktives Risikomanagement “Value at risk”) auch wenn die Strategie mit ETFs umgesetzt wird. Ob diese aktive Strategie ein Erfolgsmodell ist, wird die Zukunft zeigen müssen, ich bin da skeptisch, denn warum sollte aktives Investieren plötzlich funktionieren, nur weil ein Algorithmus die Kontrolle übernimmt?

      viele Grüße,
      Jens

  • Erik Podzuweit 31. Mai 2017, 17:25

    Vielen Dank für Ihren Artikel, Herr Grethe. Da Scalable Capital nicht nur in Ihrem Artikel erwähnt wird, sondern auch in einigen Kommentaren, würden wir uns gerne selbst kurz zu Wort melden. In unseren Augen geraten in der Diskussion ein paar Dinge durcheinander.

    Grundsätzlich fehlt eine wichtige Unterscheidung: Ob der jeweilige Robo ein echter Vermögensverwalter mit Erlaubnis der BaFin (wie Scalable Capital) ist oder nicht. Nur mit einer Erlaubnis der BaFin (nach KWG §32) darf ein Anbieter das Kundenportfolio überhaupt anpassen und nimmt damit dem Anleger die Mühen der Geldanlage komplett ab (vornehmlich Produktauswahl und Asset-Allokation). Anbieter ohne BaFin-Erlaubnis dürfen das Geld ihrer Kunden nur an Drittanbieter weitervermitteln aber keinerlei Rebalancing oder den Austausch von Produkten eigenständig vornehmen. Viele dieser Anbieter empfehlen ihren Kunden zwar regelmäßig ein klassisches Rebalancing, entscheiden und umsetzen muss der Anleger das aber selbst, da keine Erlaubnis zum Umschichten der Portfolios besteht. In diesem Modell sehen auch wir nur einen begrenzten Nutzen, denn diese “Makler”-Robos rechtfertigen unserer Meinung nach keine laufenden Gebühren.

    An einer anderen Stelle werden die Robos in zwei Welten unterteilt: passive und aktive, mit dem Hinweis, dass aktive Robos einen Market-Timing Ansatz verfolgen würden. Das ist eine sehr stark vereinfachende Darstellung. Auch wir glauben nicht an Market-Timing, also den Versuch, Kurshoch- oder -tiefpunkte abzuschätzen. Eine überwältigende Zahl wissenschaftlicher Studien zeigt, dass weder Market-Timing noch Stockpicking sinnvolle Unterfangen sind. Was jedoch wissenschaftlich belegt ist, ist die Tatsache, dass quantitatives Risikomanagement – in einem bestimmten Umfang – sinnvoll ist und die risikoadjustierte Rendite verbessern kann. Institutionelle Investoren (Bridgewater, Goldman Sachs, viele große Staatsfonds) setzen sehr erfolgreich regelgebundene Risikomanagement-Verfahren ein, um Verlustrisiken besser zu kontrollieren, als dies bei einer reinen Buy&Hold-Strategie möglich ist. Grundlage für die meisten Verfahren ist das Phänomen des sogenannten Volatility-Clustering, also einer empirisch zu beobachtenden Grüppchenbildung von Risiken, bei der auf eine Periode ungewöhnlich hoher Risiken mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eine weitere Phase ungewöhnlich hoher Risiken folgt. Diese Eigenschaft von Kapitalmarktrisiken lässt sich für eine Steuerung von Portfoliorisiken nachweislich nutzen. Wen das im Detail interessiert, der sollte nach “Volatility-Clustering” googeln oder auch gerne auf unserer Seite vorbeischauen.

    Darüber hinaus wird im Artikel suggeriert, dass “Rebalancing” dazu führt, Risiko konstant zu halten. Beim klassischen Rebalancing ist dies aber mitnichten der Fall. Hier geht es nur darum, die Ausgangsgewichte im Portfolio wiederherzustellen, beispielsweise auf 70% Aktien und 30% Anleihen. Die statischen Gewichte werden dabei als Proxy für Risiko verwendet (mehr Aktien, mehr Risiko; mehr Anleihen, weniger Risiko), doch das funktioniert in Realität leider kaum zuverlässig. Der DAX wird zwar in der Regel ein höheres Risiko aufweisen als Staatsanleihen, sein absolutes Verlustrisiko schwankt aber im Zeitablauf stark. Daher kann bei einem klassischen Rebalancing also gerade nicht von einer „turnusmäßigen Wiederherstellung des anfänglich gewählten Risikolevels“ die Rede sein. Bei Scalable Capital arbeiten wir daher mit Value-at-Risk als Risikomaß und passen unsere Kundenportfolios auf Basis dynamischer Gewichte automatisch an, um wirklich sicherzustellen, dass das Risiko im Zeitablauf konstant gehalten wird. Auf unserer Seite zum Thema “Dynamisches Risikomanagement” sieht man im Chart ganz unten, wie stark man von statischen Gewichten abweichen muss, um das Risiko in einem Portfolio tatsächlich konstant zu halten.

    Neben diesen Argumenten gibt es noch eine Reihe weiterer Gründe, warum ein digitaler Vermögensverwalter eine gute Wahl sein kann. Ohne mit langen Ausführungen langweilen zu wollen, hier eine kleine Aufzählung:
    – ETF-Auswahl ist nicht trivial (Kosten, Liquidität, Steuern, Tracking Error etc.), wir nehmen diese Auswahl unseren Kunden komplett ab und scannen den Markt fortlaufend nach den am besten geeigneten ETFs.
    – Automatisierung kann das Portfolio in steuerlicher Hinsicht verbessern. Beispiele: steuersmarte Portfolioumschichtungen, optimierte Ausnutzung des Freibetrags. Alles Abläufe, die manuell nur sehr schwer zu leisten sind.
    – Kosten: unsere Kosten sind niedrig, selbst im Vergleich zu einem DIY-Portfolio. Denn auch ein selbstverwaltetes ETF-Depot bei einer Online-Bank kostet mich (ohne ETF-Kosten) ca. 0,5-0,6% p.a. (Handelskosten für Portfolio-Setup und -Anpassungen, Sparpläne).
    – Und letztlich: man spart sehr viel Zeit, weiß das eigene Geld aber trotzdem intelligent und kostengünstig verwaltet. Denn m.E. ist es eine Milchmädchenrechnung, die eigene Zeit als “kostenlos” anzusehen. Unsere Kunden haben mehr Zeit für die Dinge im Leben, die wirklich Spaß machen.

    Ich hoffe, da waren für manchen Leser ein paar interessante Zusatzinformationen bzw. Aufklärungen bei.

    Viele Grüße
    Erik Podzuweit
    (Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital)

    • Holger Grethe 1. Juni 2017, 09:23

      Hallo Herr Podzuweit,

      vielen Dank für Ihren Beitrag zur Diskussion! Ein paar Anmerkungen:

      “Was jedoch wissenschaftlich belegt ist, ist die Tatsache, dass quantitatives Risikomanagement – in einem bestimmten Umfang – sinnvoll ist und die risikoadjustierte Rendite verbessern kann.”

      Ob Sie es nun “quantitatives Risikomanagement” oder “Volatility-Clustering” nennen wollen: am Ende des Tages nehmen Sie Transaktionen vor, um in den Aktienmarkt (weiter) rein bzw. rauszugehen, oder etwa nicht?

      Wie auch immer Sie die Kriterien für diese Transaktionen definieren, es ist eine Form des Market Timings. Kurz- bis mittelfristig mag Ihr Regelsatz funktionieren und damit die risikoadjustierte Rendite verbessern. Langfristig gesehen bin ich skeptisch, ob dies nach Kosten immer noch der Fall ist.

      “Die statischen Gewichte werden dabei als Proxy für Risiko verwendet (mehr Aktien, mehr Risiko; mehr Anleihen, weniger Risiko), doch das funktioniert in Realität leider kaum zuverlässig.”

      Geschenkt. Doch was will ich als langfristig denkender Anleger eigentlich? Ein (vermeintlich) konstantes Risikolevel über 20-30 Jahre oder ein möglichst großes Endvermögen?

      Das klassische Rebalancing in Verbindung mit einer bewusst(!) gewählten Aktienquote soll die (erwartbare) Volatilität mindern. Je nach Risikotragfähigkeit, welche wiederum ebenfalls keine konstante Größe ist, sondern ebenfalls im Laufe der Zeit schwankt bzw. sich entwickelt.

      “Und letztlich: man spart sehr viel Zeit, weiß das eigene Geld aber trotzdem intelligent und kostengünstig verwaltet. Denn m.E. ist es eine Milchmädchenrechnung, die eigene Zeit als “kostenlos” anzusehen.”

      Das habe ich im Artikel nicht behauptet. DIY kostet (anfangs) Zeit, das ist klar. Die kann ich bei einem Robo vermeintlich sparen. Aber wie viel Zeit muss ich investieren, um überhaupt den “richtigen” Robo Advisor zu finden?

      Auch diese Entscheidung trifft sich ja nicht mal so eben. Der erste Anbieter ist bereits pleite und wie ich im Artikel dargelegt habe, ist es wohl nicht weit hergeholt, dass weitere in den nächsten Jahren folgen werden.

      Es bleibt spannend …

    • Jens 3. Juni 2017, 10:55

      Hallo Herr Podzuweit,

      zu zwei Punkten würde ich gerne antworten:
      a) so wie Sie es beschreiben, betreibt Scalable Capital Market Timing und somit aktives Investieren. Sie beobachten Kennzahlen (Volatilität) und schichten auf Basis dessen um, je nach Marktlage
      b) in der DIY Variante kann man im Vergleich zum Robo-Advisor sehr viel Geld sparen. Scalable nimmt 0,75% + ETF-Kosten. Das sind bei einem € 100k Portfolio 750€ pro Jahr plus ETF-Kosten. Eine Transaktion bei einer Direktbank kostet für € 10k etwa bei der comdirect 33 €. Bei geschicktem Rebalancing sind üblicherweise nur sehr wenige Transaktionen pro Jahr notwendig. Je größer das Portfolio wird, umso größer wird der Kostennachteil des Robo-Advisors.

      viele Grüße,
      Jens

  • Henning 14. Juni 2017, 06:18

    Hallo,
    Danke für den tollen Artikel und die spannende Diskussion. Risikobereitschaft und tatsächliches Risiko hängt auch immer von unser Risiko-Wahrnehmung ab. Phasenweise werden einzelne Assetklassen als sehr risikoreich betrachtet aber das tatsächliche Risiko ist gleich geblieben. Die Psychologie spielt uns einen Streich.
    Ein sehr gutes Buch um das Anlageverhalten zu verbessern ist “The Behavior Gap” von Carl Richard. Gibt es in Deutsch und Englisch.
    Dann kommt man auch gut durch Krisen mit massiven Kurseinbrüchen, ist nicht gleich nervös und denkt ans Verkaufen. 🙂
    Viele Grüße,
    Henning

    • Holger Grethe 15. Juni 2017, 01:02

      Jep, “Behavior Gap” kann ich auch empfehlen!

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