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Norwegischer Staatsfonds: Vorbild für ETF-Anleger:innen?

Letzte Aktualisierung
16. Juni 2026
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Der Staatsfonds der Norweger gilt als vorbildlich, weil er weltweit breit diversifiziert ist und langfristig stabile Renditen erzielt. Allerdings ist es für Anleger:innen in Deutschland nicht möglich, in den Fonds zu investieren. Die Lösung: Ihr könnt den norwegischen Staatsfonds mithilfe von ETFs nachbauen.

In diesem Artikel erfahrt ihr, was ihr von Norwegen lernen könnt und wie ein Nachbau des Staatsfonds funktioniert. Außerdem klären wir die Frage, was dafür und was dagegen spricht, den Fonds mithilfe von ETFs zu „kopieren“.

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Das Wichtigste in Kürze
  • Norwegen gründete in den 1990er-Jahren einen Staatsfonds, um die Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung für künftige Generationen zu sichern.

  • Der Staatsfonds investiert extrem langfristig und breit gestreut hauptsächlich in Aktien und Anleihen weltweit.

  • Im Zeitraum von 1998 bis 2025 erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 6,6 %.

  • Wenn ihr euch vom norwegischen Staatsfonds inspiriert fühlt, könnt ihr seine Grundstruktur mithilfe von wenigen ETFs nachahmen – und so langfristig ähnliche Renditechancen nutzen.

  • Wenn ihr den Staatsfonds nicht nachbauen wollt, könnt ihr zumindest seine Grundprinzipien als Blaupause für eure ETF-Anlage nutzen – also vor allem global diversifizieren und Börsentiefs mit langem Atem aussitzen.

  • So oder so: Eine exakte Kopie des Staatsfonds ist nicht möglich. Beispielsweise hat der Fonds Manager:innen, die einzelne Unternehmen ausschließen können – das ist für normale Anleger:innen nicht machbar.

Was ist der norwegische Staatsfonds?

Der Staatsfonds ist – vereinfacht gesagt – ein riesiger Investmentfonds, mit dem Norwegen sein Vermögen an den globalen Finanzmärkten anlegt. Viele Länder nutzen solche Staatsfonds. Sie verwalten enorme Werte und gehören zu den mächtigsten Akteuren in der Finanzwelt.

Kapitalanlage der Superlative: Ende 2025 umfasste das Vermögen des norwegischen Staatsfonds 21,3 Billionen norwegische Kronen. Das entsprach umgerechnet rund 1,9 Billionen Euro. Damit gilt er als größter Staatsfonds der Welt.

Die offizielle Bezeichnung ist Staatlicher Pensionsfonds Global (Government Pension Fund Global). Wie der Name schon sagt: Das Geld des Fonds legt Norwegen global an, also ausschließlich im Ausland.

Wie entstand der Fonds?

Im Jahr 1969 entdeckte Norwegen vor seiner Küste eines der größten Ölfelder der Welt. Schnell stellte sich die Frage, was mit den immensen Öleinnahmen passiert und wie künftige Generationen profitieren können, wenn die Quellen irgendwann versiegen.

In den 1990er-Jahren gründete das norwegische Parlament dann einen Staatsfonds, um die Gelder aus den Öl- und Gasgeschäften langfristig an den internationalen Finanzmärkten anzulegen.

Mehr Infos zur Geschichte des norwegischen Staatsfonds findet ihr auf der Website des Fondsmanagements.

Wie funktioniert der Fonds?

Der Fonds investiert weltweit in Aktien, Anleihen und andere Anlageklassen. Er erwirtschaftet Erträge aus Kursgewinnen, Dividenden und Zinsen und profitiert vom Zinseszinseffekt.

Diese Renditen sind der entscheidende Wachstumsmotor: Mehr als zwei Drittel des Fondsvermögens hat Norwegen am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Der Rest speist sich aus den Öl- und Gaseinnahmen.

Jedes Jahr darf die norwegische Regierung bis zu 3 % des Fondsvermögens für staatliche Aufgaben ausgeben – beispielsweise, um Sozialleistungen zu finanzieren.

Für die Verwaltung des Fonds ist die Norges Bank Investment Management (NBIM), eine Abteilung der norwegischen Zentralbank, zuständig. Die strategischen Leitlinien legt das norwegische Parlament fest.

Das Modell gilt weltweit als Vorbild. Die FAZ meint beispielsweise:

  • „Auf ihren Fonds, das Sparschwein der Nation, gemästet mit den Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf, dürfen die Norweger stolz sein. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit ist ein Land so klug mit Rohstoffreichtum umgegangen, noch dazu demokratisch legitimiert und mit einem hohen Grad an Transparenz.“

Es gibt aber auch kritische Stimmen:

  • Das Buch „Das Land, das zu reich wurde“ avancierte in Norwegen zu einem Bestseller. Die These: Ölreichtum und Staatsfonds führen dazu, dass sich die Menschen ausruhen und sich von Problemen freikaufen, statt sie zu lösen.

Die Anlagestrategie des Staatsfonds

Die Anlagestrategie des norwegischen Staatsfonds entwickelt sich kontinuierlich weiter, basiert aber auf einigen zentralen Prinzipien:

  • Ultrabreite Diversifikation
    Die Norweger streuen das Vermögen ihres Ölfonds sehr breit über den gesamten Globus. So bestehen etwa Aktienanteile an rund 7.200 Unternehmen verschiedener Größen und Branchen in zahlreichen Industrie- und Schwellenländern.

  • Extrem langfristige Perspektive
    Das Fondsmanagement denkt nicht in Quartalen, sondern in Jahrzehnten. Es geht nicht darum, ständig Wertpapiere zu kaufen und zu verkaufen, sondern dauerhaft investiert zu bleiben und Börsencrashs auszusitzen, getreu der Devise: Buy-and-Hold. Erträge werden sofort wieder angelegt – egal, ob die Kurse gerade steigen oder fallen.

  • Attraktives Chance-Risiko-Profil
    Ziel des Fonds ist die höchstmögliche Rendite bei gleichzeitig möglichst moderatem Risiko. Vor allem Aktien sollen für Wertzuwächse sorgen, Anleihen für die Abfederung von Schwankungen. Auch die breite Streuung und der langfristige Zeithorizont tragen dazu bei, Risiken zu begrenzen.

  • Regelmäßige Umschichtung
    Der Staatsfonds folgt dem Prinzip des systematischen Rebalancings. „Wenn die Aktienkurse fallen, kaufen wir Aktien. Das geschieht automatisch, als Teil unseres Reglements, weil wir immer einen gleichbleibenden Anteil unseres Marktwerts in Aktien angelegt haben müssen“, betont Nicolai Tangen, der Chefmanager des Staatsfonds.

  • Nachhaltige Leitlinien
    Der Staatsfonds gilt als Pionier für ethisches Investieren und orientiert sich konsequent an nachhaltigen Standards. Ein eigener Ethikrat gibt konkrete Empfehlungen – etwa zum Ausschluss von Unternehmen, die gegen Menschenrechte verstoßen oder zu hohe Treibhausgas-Emissionen verursachen. Auch Tabakproduzenten oder bestimmte Waffenhersteller gehören nicht zum Portfolio.

Wenn ihr euch genauer über die Nachhaltigkeit des Staatsfonds informieren wollt, empfiehlt sich ein Blick in die Jahresberichte des Ethikrates. Hier zeigt sich, dass der Fonds als Aktionär aktiv sein Stimmrecht nutzt und direkte Gespräche mit vielen Unternehmen führt, um Einfluss auf Fragen der Nachhaltigkeit zu nehmen. Zudem nennt der Ethikrat alle Firmen, die ausgeschlossen wurden.

Portfoliostruktur: Das steckt im Staatsfonds

Als Bauplan für den norwegischen Megafonds dient ein Referenzindex, der vom norwegischen Finanzministerium vorgegeben wird. Er definiert die langfristige Zielstruktur des Fonds.

Danach soll der Staatsfonds etwa 70 % globale Aktien enthalten und etwa 30 % globale Anleihen. Hinzu kommen zwei Beimischungen: Immobilien und Infrastruktur für erneuerbare Energien. Das Fondsmanagement darf nur in engen Grenzen von dieser Struktur abweichen.

So sind die Anlageklassen im Staatsfonds verteilt (Quelle der Daten: NBIM).

Welche Aktien sind enthalten?

Rund 71 % des Vermögens waren im Jahr 2025 in Aktien investiert. Diese verteilen sich über Tausende Unternehmen in mehr als 40 Ländern. Die Fondsmanager:innen orientieren sich bei der Auswahl der Aktien an dem Index FTSE Global All Cap. Dieser enthält kleine, mittlere und große Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern – und ist damit breiter aufgestellt als klassische Weltindizes wie der MSCI World.

Regional gibt es einen klaren Schwerpunkt: Fast die Hälfte des Aktienportfolios entfällt auf den US-Markt. Zu den größten Einzelpositionen zählen Tech-Konzerne wie Nvidia, Apple und Microsoft.

FTSE Global All Cap Choice
TOP 10Andere
nvidia ord5,1 %
apple ord4,6 %
microsoft-t ord3,4 %
amazon.com inc ord2,5 %
alphabet inc-cl a ord2,1 %
broadcom limited ord1,8 %
alphabet inc-cl c ord1,7 %
twn semicont man ord1,7 %
meta platforms ord a1,6 %
tesla ord1,3 %
andere74 %
Basis: Vanguard ESG Global All Cap (IE00BNG8L278), 27.05.2026, Logos von Parqet

Hinweis: Der FTSE Global All Cap Choice ist die nachhaltige Variante des FTSE Global All Cap. In beiden Indizes ist die Gewichtung der größten Positionen ähnlich. In Deutschland sind aktuell nur ETFs auf den FTSE Global All Cap Choice verfügbar.

Welche Anleihen sind enthalten?

Etwa 27 % des Vermögens steckten die Norweger im Jahr 2025 in mehr als 7.600 Anleihen. Es handelt sich zu rund 70 % um Staatsanleihen und zu rund 30 % um Unternehmensanleihen mit hoher Bonität. Die Auswahl der Anleihen orientiert sich an Marktindizes des Finanzdatenanbieters Bloomberg.

Sonstiges: Immobilien und Infrastruktur

Ein kleiner Baustein im Depot sind Immobilien, die im Jahr 2025 rund 2 % des Fondsvermögens ausmachten. Es handelt sich um direkte Investments, beispielsweise in Logistikimmobilien oder Bürogebäude in Toplagen von Städten wie New York oder London.

Darüber hinaus investiert der Fonds direkt in Infrastrukturprojekte für erneuerbare Energien, etwa in Wind- und Solarparks oder Stromnetze. Diese Beteiligungen hatten im Jahr 2025 einen Anteil von weniger als 1 % im Portfolio.

Welche Rendite erzielt der norwegische Staatsfonds?

Von 1998 bis 2025 erwirtschaftete der Staatsfonds laut Jahresbericht 2025 eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 6,6 %. Die jährliche Nettorendite nach Abzug von Inflation und Verwaltungskosten betrug im selben Zeitraum 4,3 %. Damit liegt die Performance in einer ähnlichen Größenordnung wie bei breit gestreuten Aktien-ETFs.

2025 war für den Staatsfonds ein Rekordjahr mit einer Gesamtrendite von 15,1 %, angetrieben vom globalen Boom der Tech-Aktien. Die einzelnen Anlageklassen performten unterschiedlich: Während Aktien um rund 19 % zulegten und grüne Infrastrukturprojekte um rund 18 %, lieferten Immobilien 4,4 % und Anleihen 5,4 %.

In den vergangenen Jahren gab es aber auch immer wieder herbe Rückschläge – etwa das Minus von rund 23 % während der Finanzkrise 2008 oder den Einbruch um rund 14 % im Jahr 2022.

Jährliche Gewinne und Verluste von 1998 bis 2025 (Quelle: NBIM)

Wenn man die Renditeentwicklung nach Anlageklassen betrachtet, zeigt sich: Verluste können im gesamten Portfolio auftreten. Auch die als vergleichsweise stabil geltenden Anleihen rutschten in einzelnen Jahren ins Minus:

Jährliche Gewinne und Verluste nach Anlageklasse (Quelle: NBIM)

Absolute Transparenz: Der norwegische Staatsfonds gilt als einer der transparentesten staatlichen Investoren der Welt. Sämtliche Daten und Fakten werden regelmäßig veröffentlicht und sind öffentlich einsehbar, etwa auf der Website des Fondsmanagements

So baut ihr den Staatsfonds nach

Der Ölfonds aus Skandinavien ist kein Finanzprodukt, das ihr kaufen könnt – aber seine Grundstruktur lässt sich mithilfe von ETFs nachahmen.

Der Nachbau ist relativ einfach: Ihr investiert euer Geld zu rund 70 % in einen Aktien-ETF und zu rund 30 % in einen Anleihen-ETF – damit habt ihr den Kern des Staatsfonds bereits nachgebildet.

Im ersten Schritt wählt ihr passende ETFs aus. Dann entscheidet ihr euch für eine Einmalanlage oder einen ETF-Sparplan – oder ihr kombiniert diese Optionen.

Ihr braucht weder Ölfelder zu besitzen noch Öleinnahmen zu kassieren. Schon ein geringes Startkapital oder kleine monatliche Sparbeträge reichen aus, um loszulegen.

1.

Baustein: Aktien

Der größte Baustein eures „Norwegen-Depots“ ist ein Aktien-ETF. Um es möglichst einfach zu halten, könnt ihr euch auf einen einzigen Welt-ETF konzentrieren, der sowohl Industrie- als auch Schwellenländer umfasst.

Für die Auswahl von passenden ETFs stehen verschiedene globale Aktienindizes zur Verfügung. Hier sind drei bekannte Beispiele:

ETFs Wert der ETFs ⌀ Kosten Positionen
FTSE All World
6 66,7 Mrd. € 0,15 % 3.741
MSCI ACWI IMI
2 5,9 Mrd. € 0,17 % 4.584
FTSE Global All Cap Choice
2 1,5 Mrd. € 0,24 % 5.525
  • FTSE All-World: Ein klassischer globaler Aktienindex mit rund 4.000 großen und mittelgroßen Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern in der ganzen Welt.

  • MSCI ACWI IMI: Der breit gestreute All-Country-World-Index enthält mehr als 8.000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern - von Großunternehmen bis zu kleinen Firmen. Das entspricht etwa 99 % des globalen Aktienmarktes.

  • FTSE Global All Cap Choice: Der Index umfasst mehrere Tausend große, mittlere und kleine Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Die Auswahl der Firmen erfolgt auf Basis nachhaltiger Kriterien – ganz im Sinne des norwegischen Vorbildes.

Für alle drei Welt-Indizes gilt: Der US-Anteil ist hier höher als im Aktienportfolio des norwegischen Staatsfonds. Wer das ausgleichen möchte, kann zusätzlich einen Europa-ETF beimischen. Das ist aber kein Muss. Wenn ihr es einfach halten wollt, seid ihr mit einem einzigen Welt-ETF bereits gut aufgestellt.

Tipp: Wenn euch Nachhaltigkeit im Sinne des norwegischen Staatsfonds wichtig ist, könnt ihr einen Blick auf den Index FTSE Global All Cap Choice werfen, der die Aktien nach ESG-Kriterien filtert. Allerdings ist die Auswahl an ETFs auf diesen Index bisher begrenzt.

Auch für die Indizes FTSE All-World und MSCI ACWI IMI gibt es nachhaltige Varianten, die globale Streuung ist hier aber geringer.

Wenn ihr euch für einen Index entschieden habt, könnt ihr im nächsten Schritt unsere ETF-Suche nutzen. Hier ist es möglich, die verfügbaren ETFs nach Kriterien wie Kosten, Fondsvolumen und Ertragsverwendung zu vergleichen:

Größe Alter Kosten Score
Vanguard FTSE All-World
Thesaurierend
IE00BK5BQT80
41,1 Mrd. € 6 Jahre 0,19 %
4,6
Vanguard FTSE All-World
Ausschüttend
IE00B3RBWM25
22,1 Mrd. € 14 Jahre 0,19 %
4,6
State Street SPDR MSCI All Country World Investable Market
Thesaurierend
IE00B3YLTY66
5,7 Mrd. € 15 Jahre 0,17 %
4,6
Invesco FTSE All-World
Thesaurierend
IE000716YHJ7
3,2 Mrd. € 2 Jahre 0,15 %
4,0
Vanguard ESG Global All Cap
Thesaurierend
IE00BNG8L278
948 Mio. € 5 Jahre 0,24 %
4,2
Vanguard ESG Global All Cap
Ausschüttend
IE00BNG8L385
581 Mio. € 5 Jahre 0,24 %
4,2
Invesco FTSE All-World
Ausschüttend
IE0000QLH0G6
244 Mio. € 2 Jahre 0,15 %
3,2
State Street SPDR MSCI All Country World Investable Market
Ausschüttend
IE000DD75KQ5
126 Mio. € 1 Jahr 0,17 %
2,6
iShares FTSE All-World
Thesaurierend
IE00097WZHZ9
25 Mio. € <1 Jahr 0,12 %
2,4
Xtrackers FTSE All-World
Thesaurierend
IE000L6ZMMC4
21 Mio. € <1 Jahr 0,07 %
2,4

Alternative: Wenn ihr mehr Einfluss auf die Zusammensetzung eures Depots nehmen wollt, könnt ihr auch mehrere Aktien-ETFs kombinieren – etwa einen Industrieländer-ETF auf den MSCI-World und einen Schwellenländer-ETF auf den MSCI Emerging Markets. Die beiden ETFs mischt ihr im Verhältnis von etwa 90 zu 10, in Anlehnung an das norwegische Vorbild.

Diese manuelle Zusammenstellung ist flexibler, erfordert aber etwas mehr Wissen und Aufwand.

2.

Baustein: Anleihen

Für den Nachbau des Anleihen-Anteils nutzt ihr am besten einen breit gestreuten Anleihen-ETF, der weltweit sowohl Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen abdeckt. Diese Art von ETFs nennt sich Global Aggregate Bond ETFs. Damit bleibt die Sache einfach und überschaubar.

Eine Alternative, die noch simpler ist: Ihr investiert in einen einzigen Staatsanleihen-ETF aus der Eurozone.

Denkbar sind auch zwei Anleihen-ETFs: ein Staatsanleihen-ETF und ein Unternehmensanleihen-ETF. Das ist etwas komplexer und eignet sich eher für fortgeschrittene Anleger:innen.

Achtung: Auch Anleihen sind nicht risikofrei. Ihr solltet vor allem das Wechselkursrisiko berücksichtigen und währungsgesicherte Anleihen-ETFs nutzen – meist erkennbar an der Bezeichnung „EUR Hedged“. Dafür fallen Absicherungskosten an. Eine Alternative sind Anleihen-ETFs aus der Eurozone. Hier entfällt das Währungsrisiko, da sie in Euro notieren.

Mit unserer ETF-Suche könnt ihr den passenden Anleihen-ETF finden. Achtet auf Kriterien wie Bonität, Gebühren und Ertragsverwendung. Hier einige Beispiele für Global Aggregate Bond ETFs:

Größe Alter Kosten Score
iShares Core Global Aggregate Bond
Thesaurierend
EUR Hedged
IE00BDBRDM35
2,4 Mrd. € 8 Jahre 0,10 %
5,0
Vanguard Global Aggregate Bond
Thesaurierend
EUR Hedged
IE00BG47KH54
2,1 Mrd. € 6 Jahre 0,08 %
5,0
iShares Global Aggregate Bond ESG SRI
Thesaurierend
EUR Hedged
IE000APK27S2
1,8 Mrd. € 4 Jahre 0,10 %
4,8

Und hier sind ein paar Beispiele für Staatsanleihen-ETFs aus der Eurozone:

Größe Alter Kosten Score
Vanguard Eurozone Government Bond
Thesaurierend
IE00BH04GL39
3,7 Mrd. € 7 Jahre 0,07 %
5,0
Amundi EURO GOVERNMENT TILTED GREEN BOND
Thesaurierend
LU1681046261
3,3 Mrd. € 8 Jahre 0,14 %
5,0
Xtrackers II Eurozone Government Bond
Thesaurierend
LU0290355717
2,3 Mrd. € 19 Jahre 0,07 %
5,0
3.

Baustein: Immobilien und Infrastruktur

Hier wird der Nachbau des Norwegen-Portfolios schwieriger. Denn der Staatsfonds investiert direkt in Gebäude und Energieanlagen, was für normale Anleger:innen in der Regel nicht möglich ist.

Ihr könnt natürlich in eure eigenen vier Wände investieren, etwa in Form einer Eigentumswohnung. Das ist jedoch etwas völlig anderes als die weltweiten Großinvestments des norwegischen Staatsfonds.

Eine mögliche Alternative für euch sind ETFs, die in Immobilien bzw. in erneuerbare Energien investieren. Wenn ihr es möglichst einfach halten möchtet, könnt ihr auf diese zusätzlichen Bausteine aber auch verzichten.

Einiges spricht dafür, beim Nachbau des Staatsfonds auf Immobilien und Infrastruktur zu verzichten:

  • Der Nachbau wird einfacher und übersichtlicher

  • Der Anteil von Immobilien und Infrastruktur ist im Staatsfonds ohnehin sehr gering

  • Das Grundkonzept des Staatsfonds könnt ihr mit Aktien- und Anleihen-ETFs gut nachahmen

Rebalancing: Rendite und Risiko in der Balance halten

70 % Aktien und 30 % Anleihen sind eure Zielgewichtung. Durch Börsenschwankungen verschieben sich diese Anteile im Laufe der Zeit. Mit einem regelmäßigen Rebalancing stellt ihr das 70/30-Verhältnis wieder her – wie es auch der Staatsfonds macht.

So bleibt euer Rendite-Risiko-Profil stabil und ihr verhindert, dass in eurem Depot Aktien oder Anleihen ungewollt über- oder untergewichtet sind.

Ein Beispiel: Wenn ihr mit 10.000 € startet, fließen 7.000 € in einen Aktien-ETF und 3.000 € in einen Anleihen-ETF. Wächst euer Depot später auf 20.000 €, sollte das Verhältnis entsprechend bei 14.000 zu 6.000 € liegen.

Mehr zum Rebalancing lest ihr hier:

Was spricht für und gegen den Nachbau?

Sind die Norweger mit ihrem Megafonds das perfekte Vorbild für euer ETF-Depot? Dafür gibt es gute Argumente – der Nachbau hat aber auch Nachteile:

  • Bewährtes Konzept
    Mit dem Nachbau des norwegischen Staatsfonds setzt ihr auf ein erprobtes Erfolgsmodell, das unter Beweis gestellt hat, dass es solide Erträge erwirtschaftet.

  • Solide Renditechancen
    Etwa 70 % eures Geldes legt ihr in Aktien-ETFs an. Aktien waren in der Vergangenheit langfristig die renditestärkste Anlageklasse.

  • Einfache Umsetzung
    Obwohl der echte Staatsfonds gigantisch groß ist, lässt sich seine Grundstruktur mit nur wenigen günstigen ETFs und geringem Startkapital ohne viel Aufwand nachbilden.

  • Gutes Gewissen
    Wenn ihr nachhaltige ETF-Varianten nutzt, investiert ihr ähnlich wie das norwegische Vorbild – orientiert an Standards für Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung.

  • Risiko von Schwankungen
    In Krisenzeiten kann euer Depot deutlich an Wert verlieren, denn der Aktienanteil ist vergleichsweise hoch. Für sicherheitsorientierte Anleger:innen ist das weniger geeignet.

  • Extremer Zeithorizont
    Norwegen kann Krisen aussitzen, der Fonds ist auf Generationen ausgelegt. Euch hingegen könnte ein Börsencrash hart treffen, wenn ihr zeitnah Geld benötigt.

  • Währungsrisiken
    Mit weltweiten Anleihen holt ihr euch Wechselkursrisiken ins Depot. Es sei denn, ihr nutzt währungsgesicherte ETFs – aber die Absicherung kann teuer sein.

  • Keine exakte Kopie möglich
    Perfekt nachbauen könnt ihr den Staatsfonds nicht, weil er über besondere Möglichkeiten verfügt – beispielsweise kann er direkt in Immobilien investieren. Zudem hat der Fonds Manager:innen, die laufend seine Struktur und Strategie anpassen.

Welche Alternativen gibt es zum Nachbau?

Ihr habt kein Interesse, den Staatsfonds nachzubauen, aber euch gefällt die Philosophie der Norweger? Dann könnt ihr Anlagestrategien nutzen, die zumindest gewisse Ähnlichkeiten mit dem Megafonds aus Skandinavien aufweisen. Hier sind drei Beispiele:

Alternative 1: Pantoffel-Portfolio

Das Pantoffel-Portfolio kombiniert einen Sicherheits- und einen Renditebaustein. Die Bausteine gewichtet ihr je nach eurer Risikobereitschaft, etwa 50/50 oder 75/25. Für die Sicherheit nutzt ihr Tages- oder Festgeld oder Staatsanleihen, für die Erträge breit diversifizierte Aktien-ETFs.

Vorteil: Die Strategie ist einfach und flexibel – und nah am Grundgedanken des Staatsfonds: Sie kombiniert Renditechancen mit einem Stabilitätsfaktor.

Nachteil: Je nach Ausgestaltung ist entweder das Renditepotenzial begrenzt oder die Risiken sind hoch.

Alternative 2: Multi-Asset-ETF

Ihr investiert langfristig in einen sogenannten Multi-Asset-ETF, der sowohl Aktien als auch Anleihen enthält.

Vorteil: Euer Aufwand ist gering. Der ETF enthält bereits eine weltweite Mischung aus Aktien und Anleihen; der Fondsanbieter übernimmt das Rebalancing.

Nachteil: Multiasset-ETFs haben meist etwas höhere laufende Kosten und sind weniger transparent. Zudem lassen sich Aktien und Anleihen nicht getrennt voneinander steuern oder verkaufen.

Alternative 3: Ein-ETF-Portfolio

Ihr investiert euer Geld in einen einzigen, breit gestreuten Welt-Aktien-ETF und verfolgt eine klassische Buy-and-Hold-Strategie. Das bedeutet: Ihr kauft den ETF und haltet ihn langfristig.

Vorteil: Diese Variante eignet sich für alle, die ihr Depot möglichst einfach halten möchten und sich weder mit der Auswahl mehrerer ETFs noch mit dem regelmäßigen Rebalancing beschäftigen wollen.

Nachteil: Im Vergleich zum norwegischen Staatsfonds weicht ihr mit dieser Strategie deutlich vom Vorbild ab. Insbesondere verzichtet ihr auf Anleihen, die im Staatsfonds dazu beitragen, Schwankungen abzufedern.

Fazit: Es lohnt sich, von Norwegen zu lernen

Der norwegische Staatsfonds zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreich langfristiges Investieren sein kann. Die gute Nachricht: Seine Grundstruktur könnt ihr mit ein paar wenigen ETFs relativ einfach nachbilden.

Eine exakte Kopie des norwegischen Originals ist jedoch nicht möglich. Der Staatsfonds investiert noch breiter, agiert mit einem Team professioneller Manager:innen, hat direkten Zugang zu Immobilien und Infrastrukturprojekten und kann Einfluss auf globale Unternehmen ausüben. All das bleibt euch verwehrt.

Trotzdem lohnt sich ein Blick auf das Erfolgsmodell aus Skandinavien. Denn seine Grundprinzipien haben sich über Jahrzehnte bewährt: weltweit streuen, renditestarke Aktien mit stabilisierenden Anleihen kombinieren, nachhaltige Kriterien berücksichtigen und – vor allem – langfristig investiert bleiben und Kursverluste mit Ausdauer und Weitsicht aussitzen.

Es ist also gar nicht unbedingt nötig, den Staatsfonds im Detail zu kopieren. Wenn ihr euer ETF-Depot an den zentralen Erfolgsprinzipien der Skandinavier orientiert, legt ihr ein solides Fundament, um langfristig Vermögen aufzubauen.

Häufig gestellte Fragen

Ist es möglich, Anteile am norwegischen Staatsfonds zu kaufen?

Nein. Der Fonds wird nicht an der Börse gehandelt. Ihr könnt ihn aber mit ETFs nachbauen – und euch an der Strategie des Staatsfonds orientieren: breit diversifizieren, langfristig halten, nachhaltige Kriterien einbeziehen.

Kann ich den Staatsfonds mit ETFs exakt nachbilden?

Nein, aber ihr könnt eine vereinfachte Version nachbauen. Die Grundstruktur aus globalen Aktien und Anleihen lässt sich über ETFs abbilden. Eine genaue Kopie ist nicht möglich. Der Staatsfonds ist breiter aufgestellt und investiert zusätzlich direkt in Immobilien und Infrastruktur.

Macht es Sinn, den Staatsfonds nachzubauen?

Ja, das kann sinnvoll sein, wenn ihr eine einfache, sehr breit gestreute und langfristige Anlagestrategie sucht, die Renditechancen und Stabilität verbindet.

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Autor: Jens Karbe
Jens ist freier Journalist, Texter und Autor mit Schwerpunkt auf Wirtschafts- und Finanzthemen. Er hat Politikwissenschaft in Berlin studiert und lebt heute in München.
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